Leichen im Keller

Eintrag #0016 - Mittwoch, 10. September 2008
Bitte beim Rätseln den Tunnelblick nicht vergessen

In der Schweiz wurde heute dem Urknall hinterher gespürt, was vereinzelt – nein, eigentlich sehr gehäuft zu Ängsten führte, wonach dort der Weltuntergang in Form von schwarzen Löchern angestoßen werden könnte. Diese sollen nach einer Aussage sogar innerhalb der nächsten 50 Jahre die ganze Erde verschlingen. Ich denke man kann durchaus beruhigt sein, dass so ein Blödsinn ausbleiben wird. Das hat unter anderem mit dem Energieerhaltungssatz zu tun, der aussagt, dass nicht eine größere Energiemenge aus einer kleineren entstehen kann. Soll heißen es kann im LHC nicht ein schwarzes Loch mit einer derartigen Masse oder Lebensdauer entstehen, welches anschließend gemütlich die Erde aufsaugen könnte. Jedenfalls passiert das was nun in Genf unter den Augen von Wissenschaftlern stattfindet, jeden Tag unzählige Male in der Nähe der Erde. Seit Milliarden Jahren. Und es passiert dort sogar mit größeren Energiemengen.

Ich frage mich wie das Universum tickt. Wissenschaftler stellen sich heute immer noch die Frage was eigentlich die Gravitation sein soll und sie hoffen auf die Entdeckung so genannter "Gravitonen", die sie aus irgendeinem Grund für eine sehr wichtige Sache halten. Wie so oft suchen sie natürlich nur etwas zum Anfassen, damit man am Ende bloß nicht eine natürliche Gesetzmäßigkeit einfach so erklären muss. Das wäre ja auch grausig, denn wo blieben dann die Beweise? Eine weitere Frage, die sogar Einstein zum Problem wurde, ist der Urknall. Einsteins Jahrhundert- wenn nicht gar Jahrtausend-Theorie hört auf zu funktionieren, sobald man sich geistig diesem Anfang aller Anfänge nähert. Auch ist selbige Theorie nicht aussagekräftig, wenn man die Bewegungen in der Quantenmechanik erklären will. An diesem einfachen Problem scheitert bis heute die Entdeckung einer einheitlichen Weltformel, mit der die Wissenschaft hofft einmal in nicht allzu ferner Zukunft das Universum schlechthin erklären zu können.

Eine weitere der vielen, vielen Fragen beschäftigt sich mit dem Ende des Universums. Man stellt sich verschiedene Ideen vor, wie dieses sich abspielen würde. Das reicht von einer Zusammenziehung bis zum endlosen Auseinanderstreben. Die letztere Idee ist meiner Meinung nach deswegen interessant, weil sie allgemein als die wahrscheinlichere Variante gilt. Nach dieser Vorstellung dehnt sich das Universum bis in alle Ewigkeit immer weiter aus, was sämtliche in ihm befindliche Materie und Energie letztlich zu homöopathischen Dosierungen ausdünnen würde. Alles was in diesem Universum ist, solle demnach in Schwerkraftlöchern (Schwarzen Löchern) zusammenfallen oder einfach in der Dauer der Ewigkeit zerstrahlen. So soll also alles was im Universum ist irgendwann einfach verpuffen. Für mich als geistiges Wesen ist dabei interessant wie ein solches Universum aussehen soll. Also machte ich mich auf die Reise in diese fernste (mögliche) Zukunft und sah mich einmal um. Was ich feststellte war, dass das Universum nicht vorhanden war. Der Grund dafür ist eigentlich ganz simpel. Wie soll ein leerer Raum mit unendlicher Ausdehnung bestand haben, wenn innerhalb seiner Ausdehnung nirgendwo etwas ist? Ein solches Universum wäre mit Nichts gefüllt, weswegen es auch keine Dimensionen mehr hätte. Weder Zeit noch Raum wäre für so ein Universum von Relevanz. Zeit wäre ein einziges Jetzt und der Raum hätte keinerlei definitive Gegengewichte. Ich denke es ist entscheidend wichtig, dass ein leerer Raum immer auch ein Gegengewicht in Form eines Inhalts hat, weil ansonsten jegliche Dimension fehlt. Das Universum ist kein Kasten, der irgendwo Grenzen hat. Wäre dem so, dann wären die Dimensionen natürlich immer feststehend und dann könnte selbstverständlich das Universum auch leer sein. Dann allerdings wäre das Universum selbst Etwas. Normalerweise geht Einsteins Theorie aber von einer Raumzeit aus, die keine räumliche Begrenzung hat. In diesem Universum muss man demnach nur weit genug in eine Richtung laufen, um schließlich ohne Richtungsänderung zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Ein solches Universum wird dann aber auch allein von dem definiert, was in ihm enthalten ist.

Da ist zum einen das zweischneidige Schwert von Materie/Energie und außerdem ist es Geist. Letzteres fällt natürlich im modernen Doktorandentum unter den Tisch. Aber das ist keine Maßgabe für einen wirklichen Spiritus. Es benötigt nicht zwingend Materie/Energie, wenn Geist im Universum ist. Bloß ist es dann dimensionslos – ebenso wie der Geist, der in ihm und um es herum ist. Aus diesem Grund kann sich quasi jeder Mensch sein eigenes Universum erschaffen und es theoretisch sogar beleben und durchleben. Zeit spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie Raum. Ein Universum, wie das welches wir hier gerade jetzt erleben, enthält unserer geschätzten Meinung nach Materie/Energie. Wir erleben konkrete Dinge. Für einen außen stehenden Geist wäre allerdings alles in diesem Universum ebenfalls reiner Geist. Materie/Energie bestünde dann allein Kraft seiner Vorstellung. Das spielt für uns allerdings keine Rolle, weil wir lernen müssen mit den konkreten Inhalten dieser Welt richtig umzugehen. Wichtig ist im jetzigen Moment aber, dass wir offenbar Materie/Energie wahrnehmen. Und weil wir das tun, nehmen wir auch eine räumliche Dimensionierung wahr. Das eine geht nicht ohne das andere, weil unser vermenschlichter Verstand die Dualität der Natur braucht um zu Weisheit zu gelangen. Nur weil wir allerdings räumliche und damit auch gleichsam eine zeitliche Dimensionierung wahrnehmen, bedeutet es meines Erachtens noch lange nicht, dass diese Dimensionen reale Ausdehnung besitzen. Zumindest muss dem nicht so sein, wenn man jemand ist, der dieser Natur übergeordnet steht.

Beim Urknall geht man von der Explosion eines Etwas aus, das man Singularität nannte. Die Abmessungen, welche man für dieses Ding annimmt sind für meine Begriffe nicht nur lächerlich winzig, sondern auch an sich lächerlich. Erneut stellt sich mir die Frage, wie man eine Dimensionierung annehmen kann, wenn das Etwas doch eigentlich in Nichts anderem stecken kann. Denn wenn die Singularität das allerallererste Etwas überhaupt war, wie sollte man dann von etwas sprechen, in dem sich diese Singularität befand? Meiner Meinung nach brauchte es aber auch niemals einer Singularität. Sie ist die Erfindung eines materialorientierten Wissenschaftszirkus und nichts weiter. Dieses Ding soll ja dann so mirnix dirnix einfach so mal zu explodieren in Erwägung gezogen haben. Was hat es eigentlich davor gemacht? Und vor allem wie konnte es ein Davor geben, wenn es außer einem Raum zusätzlich auch noch keine Zeit gab? Die Ursache von allem was uns umgibt müsste nach Ansicht der Forscher der absolute Nullpunkt von absolut allem sein. Ein Objekt, so winzig, dass es keine Dimensionen hatte und so kompakt, dass absolut alles was jetzt im Universum befindlich ist in diesem Nullpunkt enthalten war. Bloß wie kommt es dann anschließend zu einer Entropie?

Die Singularität wäre eigentlich der ideale Zustand der Welt. Quasi der Urzustand. Wodurch wurde das System in ein Ungleichgewicht gestoßen? Vor allem wie lief das ab? Muss am Anfang wirklich ein monumentaler Knall gestanden haben? Ich denke es reicht auch einfach ein sonores Oom, das einhergehend mit einer sanften Brise eine Raumzeitblase aus dem Nichts herauf beschwor. Wer beschworen hat ist für mich sowieso klar – da kann man wissenschaftlich nichts wegerklären oder beweisen. Allein ein spiritueller Ursprung, ein ultimativer Wille kann sinnvoll und vernünftig den Weltenzwiespalt erklären, der entstand, als die Einheit aufgegeben wurde. Eine Weltformel würde hier die Lösung bieten, denn sie würde erklären weshalb sich Materie bildete – und vor allem woraus. Die Weltformel wäre nichts anderes, als der Beweis für die Nichtexistenz Gottes. Denn wenn man die Entstehung von Etwas nicht nur nachvollziehbar erklären, sondern sogar willentlich herbeiführen könnte, dann wäre man nichts anderes als ebenbürtig mit Gott. Die Menschen würden ihn vom Thron stoßen und sein Dasein ein für alle mal unwichtig machen. Aber wie das eben mit den Beweisen so ist, gelten sie nur für solche Leute, die den Beweis auch anerkennen. Das fiele was mich betrifft leider aus. Denn ich zweifle Grundsätzlich daran, dass sich der Urgeist in die Karten schauen lässt. Er wird meines Erachtens nicht umsonst der Allmächtige genannt. So wird allenfalls eine Scheinformel gefunden und die Revanche für die Anmaßung würde aber auch so was von auf den Fuß folgen.

Der Grund wieso die Wissenschaft heute diese Weltformel sucht, hat nichts mit dem Erschaffen von Wissen zu tun, sondern mit der Idee von Manipulation. Warum auch nicht? Vielleicht können wir Dinge viel besser regeln als dieser teilnahmslose Urgeist, oder? Wenn der Mensch aus dem Nichts Materie erschaffen könnte, dann könnten sämtliche Weltprobleme auf einen Schlag gelöst werden. Oder aber sie würden exorbitant ansteigen, denn man stelle sich vor es gäbe morgen eine Kaste von Typen, die für sich das Lenkrad beansprucht. Für die Typen wäre es natürlich klasse. Zu dumm, dass man dabei nach wie vor dem Glauben anhängt Materie würde aus der Kombination irgendwelcher submaterieller Sachen kommen.

Wenn man sich Materie ganz genau ansieht, fällt man je tiefer man hinein schaut in eine unendliche Leere ohne jede greifbare Substanz. Natürlich sagt die Wissenschaft das sei bislang noch gar nicht geklärt. Sie will einfach nicht das etwas geklärt ist, das sie nicht akzeptieren kann. Sie braucht Nachweise. Ich denke aufgrund der angesprochenen Substanzlosigkeit, dass Materie erstarrter Geist ist. Sein Ursprung liegt in einem fokussierten Willen. Wenn der Wille verlöschen würde, würde sich das konzentrierte Abbild des Gedankens auflösen und wäre niemals da gewesen. Es gäbe schlichtweg keinerlei Rückstände, die anschließend auf das vormals starre, feste Ding hinweisen würden, außer vielleicht einem blassen, spirituellen Abdruck bei einem Beobachter (wird in dem Fall auch 'Erinnerung' genannt). Ein solcher Abdruck wäre aber immer subjektiv und damit unvollständig. Das heißt niemand könnte dasselbe Etwas wiedererschaffen.

Ich denke es gibt sogar in diesem Universum (das nicht nur unseren Realitätsausschnitt umfasst) Geister, die konkrete Dinge aus ihrem Willen heraus abbilden können. In sehr primitiver Weise tun das Menschen auch. Sie haben eine Idee, bannen diese in ein zweidimensionales Abbild (ein computergeneriertes Abbild ist natürlich ebenfalls zweidimensional, wenn es auch 3D simuliert), erschaffen anhand weiterführender körperlicher und geistiger Arbeit einen dreidimensionalen Abdruck, den sie dann 'Prototyp' oder so ähnlich nennen und bauen abschließend ein wunderschönes, rotes Auto mit Pininfarinadesign. Das ist nichts anderes als das, wovon ich spreche. Der kleine Unterschied ist, das Materie in diesem Fall nicht erschaffen, sondern umgewandelt wird. Ich denke in diesem Universum kann nicht einmal der allermächtigste Supergeist Materie bzw. Energie erschaffen. Allerdings die Umwandlung kann jeder. Die Frage ist, welchen geistigen Niveaus sich der kreative Kopf bedient. Ein Menschenverstand wird körperlich Arbeiten und lamentieren wir seien ja nicht im Garten Eden. Ein nach menschlichem Verständnis übernatürlicher Geist, würde das belächeln. Bei ihm wäre jeglicher Gedanke umgehend konkret für jeden fassbar, sofern ein entsprechender Wille dahinter stünde. Es würde übrigens logischerweise keinen Sinn machen sich Geld herbei zu denken, denn man bekäme Stress sondergleichen, weil schwerlich die Registrierungsnummern brauchbar wären. Bei Gold sähe das anders aus, denke ich, aber wer die Stellung des Edelmetalls in der chemischen Elementskala kennt, wird sich vielleicht denken können, dass es nicht sehr einfach ist Materie entsprechend umzuwandeln. Da wird sich sogar so mancher Supergeist die Zähne ausbeißen.

Bleibt zu sagen, dass das Geld in Genf fehlinvestiert ist, wenn das Ziel eine Weltformel sein sollte. Allenfalls wird man hier vielleicht einem ursprünglichen Bewusstsein näher rücken, das der Menschheit dann vielleicht lange vergessene Möglichkeiten zurückbringt. Ich denke bloß, dass man für dieses Bewusstsein keinen 27 Kilometer langen Tunnel braucht. Ich kann mich irren.

rauf

Nebenbei
man spricht von 'Leichen im Keller' wenn jemandes Vergangenheit unpopuläre Geheimnisse beinhaltet, die gern unter Verschluss behalten werden. Lebensirrtümer und kleingeistige "Phobosophien", die dem Anerkennen von Wahrheit im Weg stehen. Das Konzept dieser Seite, die sich der Blog-Familie zugehörig fühlt aber sich selbst als schwarzes Schaf davon versteht, möchte sich vorwiegend den fragwürdigen Inhalten der sogenannten Moderne und weniger dem Vergangenheitsverdränger widmen.

Im Klartext ... Es geht nicht um Leichen sondern um Wahrheit. Oder genauer um die Wahrheitsfindung aller Art. Wobei nicht mein Anliegen ist die Wahrheit zu okkupieren oder sie für mich zu beanspruchen. Meine Idee beschränkt sich auf einfacher, banaler Mitteilungsliebe und dem vagen und unscharfen Gefühl von Gerechtigkeit und Provokation.

Es kann aber hier und da auch einfach nur um die Freude am Schreiben gehen und im Großen und Ganzen nimmt sich das hier auch nicht allzu wichtig.

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Bitte beim Rätseln den Tunnelblick nicht vergessen

Über die Qual der freien Wahl und den Zwiespalt mit dem unerbittlichen Schicksal

Religionspfade und Glaubensburgen

August 2008 - (13 Einträge)

suasti

Eintrag #0015 - Sonntag, 7. September 2008
Über die Qual der freien Wahl und den Zwiespalt mit dem unerbittlichen Schicksal

Der freie Wille, den uns Gott gegeben haben soll, widerspricht einem allwissenden Gott. Denn wie kann Gott wissen wie sich ein Mensch entscheidet, wenn jegliche Wahl beim Menschen liegt? Okay ... bei einem Menschen ist es vielleicht einfach. Aber bei sechs Milliarden? Man könnte so argumentieren, dass die Menge unabhängiger Willensäußerungen beim Absoluten keinen Unterschied macht. Er durchschaut eben alle. Aber ist der Wille dann wirklich frei, wenn zu jedem Zeitpunkt bereits feststeht welche Entwicklung aus welcher Entscheidung angestoßen wird? Gott ist entweder allmächtig und allwissend, oder aber der Mensch hat freie Entfaltungsgewalt in seinem Leben – eines geht nur. Somit ist in Bezug auf die geistige Ausrichtung eines Menschen interessant, was dessen Meinung über die Freiheit des eigenen Willens ist.

Ich glaube es gibt Menschen, die denken einerseits es gäbe keinen Zufall und doch behaupten sie steif und fest von sich einen völlig freien Willen zu besitzen. Dass sich darin allerdings ein Widerspruch verbirgt, unterschlagen sie gern. In diesem Fall funktioniert allerdings nicht die 'sowohl-als auch'-Formel. Man kann diese beim esoterischen Verständnis erhalten, aber nicht von sich aus zur Erklärung von philosophischen Tatsachen heranziehen, wann es einem beliebt. Wenn es wirklich keinen Zufall gibt, dann ist jede Wandlung eine festgelegte Größe. Aber wenn das wiederum so ist, dann hat kein Mensch jemals die freie Entscheidung darüber was er als nächstes zu tun gedenkt. Die moderne Wissenschaft spaltet sich ebenfalls über diese Frage, denn an ihrer Klärung hängen so unglaublich wichtige Dinge wie die Schuldfrage bei Kriminellen. Wenn man dem Menschen wissenschaftlich das Vermögen zu eigenmächtiger Willensäußerung absprechen müsste, dann wäre damit jede Gerichtsbarkeit ad absurdum geführt. Ein Mörder könnte sich dann jederzeit als das Opfer eines göttlich vorgegebenen Schicksals entschuldigen. Würde man hier nur noch die religiöse Sichtweise gelten lassen, dann wäre das sogar korrekt. Es gibt da in der Bibel die Geschichte, wo jemand gesteinigt werden soll. Derjenige, der ohne Sünde sei, solle den ersten Stein werfen. Also steht es einem Menschen überhaupt nicht zu über einen Mörder oder Kinderschänder zu richten? Wenn es nach Gott geht natürlich nicht. Menschen nehmen sich selbst heraus darüber zu entscheiden, welche Straftat größeres Gewicht haben mag. Eine kleine Notlüge, oder Untreue dem Lebenspartner gegenüber werden als Lappalie abgetan und Vergewaltigung oder Totschlag sind eben etwas gewichtiger. Innerhalb der menschlichen Gesellschaft sind gesetzliche Regeln sinnvoll, da sie ein künstliches Moralgerüst bilden, dem sich jeder idealerweise unterzuordnen hat. Ein schöner Traum.

Abschreckend sind die Regeln wie auch ihre Konsequenzen wohl in den seltensten Fällen, denn es kommt immer jemand daher, der das Schicksal herausfordert und glaubt den Jackpot zu knacken. Wirklich abschreckend wirken sich wohl in den allermeisten Fällen eher moralische Bedenken, die elterliche Prägung oder andere Bindungen zwischenmenschlicher Natur aus. Trotz der Tatsache, wonach es derart viele Gesetze und Richtlinien gibt, steigen Kriminalitätsraten tendenziell ständig an (natürlich geht statistisch sicherlich auch mal was runter). Das tun sie nicht, weil Gesetze und Strafen zu lasch sind, sondern, weil die moderne Gesellschaft einen Werteverlust verursacht hat, der seinesgleichen in der jüngeren Geschichte sucht. Richtig ... Dekadenz und moralischer Verfall war schon früher Teil der menschlichen Gesellschaften jüngerer Jahrhunderte. Aber noch niemals war die Gesellschaft mit ihrer Fixierung auf materielle Güter derart bevölkerungsstark und hatte eine derart überstrapazierte Schere zwischen Armut und Reichtum um den Hals hängen. Das Weltdorf hat letztlich eine Makrogesellschaft erschaffen, in der sich die Probleme ärmerer Schichten gemäß ihrem globalen Anteil potenzieren. Deswegen denke ich, dass der Werteverlust noch niemals so konsequent gelebt wurde, wie heute. Nicht zuletzt deswegen weil die Elterngeneration ihrerseits den Kindern beibringt, dass die Werte der Urgroßeltern von gestern seien. Was dies für künftige Generationen bedeuten würde (wenn alles so weiter ginge wie bisher) ist m.E. bestens absehbar. Dazu muss man nicht einmal pessimistisch sein. Das ganze folgt einer Gesetzmäßigkeit, die jedem geistreichen Beobachter klar ersichtlich ist, wenn er sich über das Menschsein mit seinen rosaroten Wünschen und Hoffnungen erhebt. So zeigt sich, dass die Gesellschaft mit ihren vermeintlich freien Willensäußerungen in ein Korsett gezwängt ist, das grob umrissen bei den Grenzen des Wachstums abschließt.

Die moderne Wissenschaft zweifelt manchmal an der Freiheit des menschlichen Willens. Sie tut dies aus gutem Grund, denn sie verneint die Existenz einer geistigen Natur. Sagen wir mal sie verneint zwar nicht die geistigen Fähigkeiten eines Menschen (dann wäre sie wirklich bescheuert), aber sie misstraut diesem ganz und gar wankelmütigen Geist, der keinerlei feste Wahrheit zuzulassen scheint. Im Geist ist alles Traum und nur in der Materie werden die Dinge konkret nachvollziehbar. Alles Geistige gilt der Wissenschaft trotz der ultimativen Wichtigkeit für ihr Funktionieren doch irgendwie als unheimliche Nebensache. Bestenfalls ist der Geist das Werkzeug um das Verständnis der Materiewelt in Beton zu gießen. Niemals jedoch würde man in Erwägung ziehen dem Geist größere Wichtigkeit als der Mater zuzuschreiben. Dabei wäre ohne den Geist jedes Verstehen sinnlos. Der Geist basiert der modernen Wissenschaft zufolge auf bislang unverstandener materieller Wechselwirkung. Somit wird er nicht nur beim Erforschen einer willentlichen Äußerung zweitrangig. Und so wird auch nicht der Wille des Geistes erforscht, sondern allenfalls dessen körperliche Indikatoren.

Anfang der 1980er Jahre entwarf ein Hirnforscher einen Versuchsaufbau, bei dem Probanden zu einem frei wählbaren Zeitpunkt einen Knopf drücken sollten. Die Zeit welche zwischen der Betätigung des Tasters und dem geistigen Impuls lag, sollte gemessen werden bzw. sollte geklärt werden in welcher Reihenfolge das Handlungskonzept ablief. Der willentliche Entschluss den Finger auf den Taster zu senken trat den Messungen zufolge im Schnitt etwa eine Fünftelsekunde vor der Aktion auf. Das ist soweit ein Argument für den freien Willen, wie es scheint. Aber dann maß man einen elektrischen Nervenimpuls, der dem bewussten Entschluss voraus lief und vom Gehirn ausgehend den Finger in Bewegung versetzte. Dieser Impuls trat im Schnitt eine Drittelsekunde vor dem willentlichen Entschluss den Finger zu bewegen auf. Woher kam dieser Impuls? Die Frage muss richtig lauten woher kommen diese Impulse, denn sie werden generell immer auftreten und sich scheinbar stets dem willentlichen Entschluss voranstellen. Die Antwort verweist auf unser aller geistiges Naturell. Jenes unmessbare Etwas, das weder körperlich sichtbar, nachweisbar, noch körperlich direkt angreifbar ist. Es ist jenes spirituelle Potenzial, das uns diese Welt zum Spielball machen würde, wenn wir heute ein intaktes Bewusstsein für seine seit je her grenzenlose Macht hätten.

Wenn ein Mensch entscheidet etwas zu tun, dann ist es nicht der Mensch der etwas bewirken will. Es gibt selbstverständlich triebhafte oder reflexgesteuerte Handlungen, die nicht willentlich herbeigeführt werden müssen. Als Beispiel gilt die Atmung oder der Herzschlag. Aber eine bewusste willentliche und koordinierte Handlung tritt nicht auf, wenn der konzentrierte Geist sie nicht herbeiführt. Wichtig ist :: nicht der Mensch äußert seinen Willen, sondern sein Geist tut es. Der Mensch, der körperliche Teil der irdisch manifestierten Person, handelt lediglich auf Befehl des Geistes. Niemand wird das verneinen und doch wird mancher sich bei diesem Gedanken unwohl weil herabgesetzt fühlen. Wer sieht sich schon gern als Marionette eines spukhaften überbewußten Wesens, das er nicht kennt? Gerade heute halten Menschen mit einem spirituellen Zwiespalt im Kopf diesen Gedanken für abartig. Sie hassen das Unterbewußte wahrscheinlich sogar regelrecht. Leute, die z. Bsp. sagen, dass sie nur glauben was sie sehen, werden die Macht ihres Geistes über ihren Körper am ehesten verleugnen, denke ich. Tatsache ist die Physis IST das Herabgesetzte. Sie ist nicht partout wertlos, aber im Vergleich zum Spiritus schon allein wegen der Vergänglichkeit weniger Bedeutungsvoll. Der geistige Impuls eine Handlung durchzuführen geht dem körperlichen Entschluss zu einer Bewegung immer voraus. Es sind die geistigen Signale, welche aus dem schieren Willen eines Geistes heraus in einen elektromagnetischen Code umgesetzt werden, um die Mater unter seine Gewalt zu zwingen. All das geschieht täglich in Sekundenbruchteilen in millionenfacher Wiederholung bei jedem gesunden Menschen. Und doch fällt die Macht des Geistes bei vielen von uns hinter das alltägliche Bewusstsein eines belebten Menschen zurück. Kaum einer nimmt sich selbst als unsterbliches Geistwesen wahr. Ich denke dieses Bewusstsein wurde uns unter dem Vorwand der Vernunft und vielleicht auch mithilfe einer materialistisch ausgeprägten Obrigkeit aberzogen. Jene verdienen sehr gut an unseren Vergänglichkeitsängsten.

Wenn es der Geist ist, der willentlich die Physis beherrscht, dann scheint doch alles klar zu sein mit dem freien Willen, nicht? Dennoch widerspricht dies nach wie vor dem Allmachtsmotiv des Einen. Wie gesagt kann Gott nicht gleichzeitig allmächtig sein, wenn seine Schöpfung alles andauernd neben ihm frei willentlich entscheidet. So was wäre keine Allmacht. Ein freier Wille kann jedoch auch vielfältig definiert werden. Einerseits ist da eben die einfache Erklärung, wonach jeder Wunsch dem eigenen Bedürfnis nach erfüllt werden kann. O wie nett ist dieser Gott, dass er mir so viel Freiheit in seiner Welt erlaubt. Er muss mein bester Freund sein – aber bitte möge er mir dann auch aus jedem Schlamassel helfen, den ich mir einbrocken werde, weil ich so unbeholfen mit dem Willen aller anderen bin. Das ist ja ganz toll. Gott ist also nur allmächtig, wenn wir ihm dies zugestehen und das tun wir auch nur dann, wenn wir seine Superkräfte herbeisehnen, oder wie? Es gibt eine grundsätzlichere Erklärung was 'freier Wille' heißen könnte. Sie wird den Eso-Freaks und Energie-Aposteln sowie Magiern und selbsternannten Göttern nicht gefallen. Nach dieser hat der Mensch nämlich allein zwei Entscheidungsmöglichkeiten. Die eine ist die scheinbar freie Willensentscheidung, unter den gestrengen Vorgaben eines Allmächtigen. Nimmt man diese Wahl für sich in Anspruch, dann steckt man in nichts Geringerem als der seligen Illusion von eigener Macht. Das ist sicher was feines, wenn man dann noch ausreichend Dussel findet, die einem wegen ihrer Ahnungs- und Weisheitslosigkeit diese Macht abnehmen. Und die zweite Wahlmöglichkeit ist die Aufgabe jedes eigenen Willens und der freiwillige Aufstieg unter den Willen des Einen. Nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.

Wie ich schon sagte ist es interessant zu wissen, welche These ein Mensch in seinem Leben für besser hält. Denn an dieser Frage scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Lebensläufe. Während die einen nämlich einen direkten Weg in die Religion nehmen, gestaltet sich der Weg der anderen etwas komplizierter. Zuweilen wird man letztere Weggefährten öfter in Frust und Tränen versunken erleben, wenn sie Dinge verpasst haben oder alles anders läuft, als sie es erwarteten. Auch werden jene so manche physische Krise über längere Zeiträume hinweg mit lautem Wehklagen bedenken. Sie werden Mittel und Wege suchen, um der Physis auch über die natürlichen Grenzen hinaus weiterhin ihren Willen aufzuzwingen. Sterblichkeit, Alter, Krankheit ... all das sind die teuflischsten Ursachen für jene, und es sind ferner Dinge, die sie irgendwann zu beherrschen hoffen. Und doch scheitern sie unentwegt an der Tatsache, dass dies Leben eben nur ein zeitweiliges und feststehendes Schauspiel ist und nur einer diese Bühne aus der Stille eines winzigkleinen Winkels heraus dirigiert. Jemand, der im Stillen das Sagen hat und sich ständig bedeckt hält, weil er jedem seine ganz alleinige Einsicht gönnt, wie er auch jedem gütig und geduldig den frei wählbaren Weg dorthin zugesteht. Während wir alle in seiner Ursache gründen und die Freiheit des Lebens genießen, bringen uns alle unsere Entscheidungen doch immer einen Schritt näher an seine Vorsehung. Wir kommen aus der einen und werden eins sein.

rauf

Eintrag #0014 - Dienstag, 2. September 2008
Religionspfade und Glaubensburgen

In einer heiligen Schrift, die von einem diesseits erschienen Avatar der Wahrheit selber diktiert wurde, spricht das Wesen sinngemäß eine Warnung vor Religionen aus, die ihren Ursprung im Menschen haben. Vom Menschen gemachte Religionen und somit auch die Philosophien aus seiner Feder haben nicht das höchste Ziel des gewissen Glaubens in sich. Wie auch, wenn der Beleg von absoluter Wahrheit unmöglich ist? Das Wort eines Menschen kann immer nur auf das Ziel weisen, aber es niemals enthalten. Ich denke nur der logische, zu Reflexion fähige Geist kann zu einem Wissens- und Erkenntnisbestand kommen, der zu einem gläubig vorausgesetzten Ziel von Philosophie hinführt. Alles andere dient im besten Fall der Weisung, im schlechtesten Fall dem Fanatismus.

Was ist Religion? Ist es das was man in der Schule eine Dreiviertelstunde lang machen muss, während man Gähnen und sehnsuchtsvolle Blicke aus dem Fenster des Klassenzimmers unterdrückt? Ist es so was mit Bibel und Gott und so? Ich denke wenn man wissen will, was ein Wort eigentlich bedeutet, dann muss man sich dessen Geschichte ansehen. Denn manchmal werden Worte für Aussagen benutzt, die gar nicht mehr die ursprünglichen Motive verfolgen. Beim Wort Religion ist (wie eigentlich bei sehr vielen Wörtern unserer Sprache) nicht ganz klar woher es stammt oder in welchem sinngemäßen Zusammenhang man es ursprünglich nutzte. Betrachtet man den (vermuteten) Wortstamm dann landet man im Rom der letzten Zeitenwende. Dort verwendete jemand das Wort 'relegere' als Ausdruck für eine Tätigkeit, die als "wieder aufsammeln" bezeichnet werden kann. Etwas war also zusammen, wurde geteilt und wird nun wieder in seine ursprüngliche Einheit zusammengeführt. Ich glaube, dass das Wort damit eine Verwandtschaft zu 'Legierung' hat, denn etwas legieren bedeutet ebenfalls, dass eine Sache mit einer anderen Sache zusammengeführt wird. In der Metallurgie stellt man auf diese Weise z. Bsp. Stahl her. Bei Religion gibt es nur eben die Vorsilbe 'Re', die darauf hinweist, dass ein Zustand in seine Urform zurückgesetzt wird. Selbiges taucht beispielsweise im Wort "Reset" auf, was zurücksetzen heißt. Eine Religion ist also, wenn man dieser Wortessenz nachhängen möchte, eine Wiedervereinigung mit einer Sache, die ursprünglich mal mit einem selbst verbunden war.

Ich finde aus einer philosophischen Betrachtung heraus macht diese Erklärung des Wortes Religion vollkommen Sinn, denn bei jeder Religion dieser Welt gibt es – trotz unterschiedlichster Lehren – nur ein Ziel. Und das ist die Einheit mit einem wie auch immer bezeichneten Schöpfungsursprung. Es gibt durchaus Religionsschulen, die eine Gottperson ablehnen. Im Daoismus ist das höchste Ziel des Strebens ein undefinierbarer Ursprung. Im Buddhismus ist es das Verwehen im Nichts. Ich denke, dass hier und dort die Person Gottes vielleicht verneint oder sogar ignoriert wird, aber das angestrebte Ziel ist dennoch dasselbe, wie beim Christen, Juden oder Moslem. Es trägt lediglich einen anderen Namen und hat im Geist der Schüler unterschiedliche Züge. Aber wie man es nennt und was man im Ziel sieht, ist völlig nebensächlich, weil letztlich nicht die persönlichen Überzeugungen zählen. Die Menschenreligionen sind nichts anderes als ein buntes Sammelsurium an menschlichen Überzeugungen. Die Wahrheit können sie weder beweisen, noch kann auch nur eine dieser Schulen aussagen, einzig richtig oder wahr zu sein. Die Wahrheit liegt niemals in der Lehre, sondern im Schüler, denn die Lehre geht ihrerseits immer aus einem Schüler hervor.

So wie es in der Philosophie darum geht Weisheit zu erlangen, so geht es in der Religion darum die Einheit zu finden und in sie, oder in ihr aufzugehen. Der Ursprung allen Seins muss gleichfalls der Ursprung von Weisheit sein. Somit kann also Religion und Philosophie nur ein und dasselbe sein. Es gibt sprachwissenschaftliche Thesen, die das Wort Religion noch anders zu erklären hoffen. Die Vorsilbe 're' soll demnach nur eine Missinterpretation sein. Religion hätte sich anstelle dessen aus der altlateinischen Aussage 'rem ligere' gebildet. Übersetzt oder sinngemäß übertragen bedeutet das "eine Sache mit Skepsis ansehen und davor zurückschrecken". Tatsächlich wahr. Mich wundert es kein bisschen, dass es ein moderner Gelehrter ist, der hier seine Idee ausbreitet. Selbstverständlich darf sich jeder überlegen, welche Erklärung besser zutrifft. Alles eine Frage von Philosophie und esoterischer Einsicht, meine ich.

Ich denke, sobald eine Religion von Menschen benutzt wird, um Wahrheit zu verbreiten, dann ist diese Religion kein Pfad mehr in die Re-Legierung – zu Gott. Wenn eine Religion aber
nicht mehr Gott als Ziel hat, wird das meiste von dem was sie in die Welt bringt gottlos. Ganz zu schweigen von solchen Leuten, die Gott des schieren Wortes und seiner überstrapazierten Belastungen wegen verneinen. Ebenso ist es, wenn einzelne Menschen glauben sie wüssten was Gott wolle, und beginnen nach ihrer hochgeschätzten Meinung den Willen Gottes zu wirken. Wann immer jemand dies tut, fällt er komischerweise früher oder später immer auf die Fresse. Ebenso komisch, dass die Fehler des einen nicht zum Weisheitszuwachs bei anderen ausreicht. Es muss eben jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Wahrheit und Weisheit kann man nicht in einen Menschen pumpen. Jeder muss sie ganz allein esoterisch einsehen. Und leider lernt man eben aus Fehlern am besten. Tragisch nur, dass die Fehler eines Menschen das Leid von vielen bedeuten können. Ich frage mich wieso die Weisheit so schwer zu erreichen ist und die Torheit dagegen wie eine Tröpfcheninfektion wild grassiert. Richtig schade ist es, wenn Menschen glauben sie hätten eine Wahrheit aus einem Lehrbuch gezogen und hätten kapiert wie der Hase läuft. Und dann kommt ein geistreicher Mensch daher, lacht über ihre kurzsichtige Wortliebe und zeigt ihnen wie zwiespältig das geschriebene Wort doch sein kann. Die Diener des Wortes sind mindestens ebenso blind, wie die Ausrufer der Wahrheit. Manchmal sind die Diener des Wortes zugleich die Ausrufer von Wahrheit. Wenn dies auftritt, dann hat man es mit Fanatismus zu tun. Und wenn man dann ein falsches Wort benutzt, ist der Terrorismus nicht mehr fern.

Dann, wenn Glaube nicht mehr innerlich stattfindet und allenthalben diskutiert wird, entstehen Burgen. Die Ritter, welche darin Dienst tun, sind bereit für kleinste Anlässe Krieg zu führen. Heute gibt es sehr viele Burgen und nicht alle davon haben auf den ersten Blick etwas mit Religion zu tun. Eigentlich – so weiß der wirklich weise Geist – ist alles von der Geburtsstunde an bis hin zum Tod eine Form von Religion. Denn alles was im täglichen Leben passiert, ist ein Weg zu Gott. Dabei sogar egal wie ausgreifend die Umwege sein mögen, die der Einzelne nimmt, um dem unliebsamen Ziel aus dem Weg zu gehen. Letztlich führen alle Wege der Schöpfung in den Schöpfungsursprung zurück. Natürlich ist auch diese Aussage anzweifelbar – es gibt keine absoluten Gewissheiten. Dennoch kann ich selbst mir absolut gewiss sein (und das bin ich aufgrund meiner Weisheitsliebe sehr wohl). Jede Entscheidung des täglichen Lebens führt, wie das Wort ja selbst schon aussagt, in eine Einigung. Eine Scheidung wird durch eine Entscheidung überwunden und das Resultat ist die Einheit mit einer gewählten Tatsache. Wenn der Ursprung der Schöpfung auch der Ursprung von Weisheit und Wahrheit ist, dann führt konsequenterweise auch jede Lüge und jede Halbwahrheit zur Wahrheit. Und zwar geschieht das bei einer Lüge dann, wenn man seinen Fehl einsieht oder sich seiner Verlogenheit auf diese oder jene Weise bewusst wird. Niemand kann der Wahrheit aus dem Weg gehen, und deswegen kann auch niemand etwas tun, das nicht auch irgendwie religiös ist. Nun kann man natürlich gern behaupten, dass das Wort eben viele Bedeutungen hat, aber wichtig ist eigentlich – sofern man ein philosophisches Interesse verfolgt – nur die essenzielle Erkenntnis von Tatsachen und nicht das Jonglieren mit den blumigsten Lieblingsbedeutungen.

Es ist viel vom Krieg der Religionen die Rede. Menschen sind auch heute der Meinung, dass es wichtig sei eine bestimmte Religion auszuüben. Religionsfreiheit ist eine der wichtigsten Garantien unseres Staates. Was dabei üblicherweise zur Wahl steht sind Menschenreligionen. Allesamt sind es Schulen, die von Menschen "verfeinert" und auf ihre Bedürfnisse und Gottesvorstellungen zugeschnitten wurden. Da ich jedem seine Überzeugung und seine Wahrheit gönne (oder mich wenigstens in selbigem übe), glaube ich auch nicht daran, dass das falsch ist. Falsch ist nur, dass diese Menschenreligionen von Menschen instrumentalisiert werden. Man benutzt diese Wahrheitsschulen auch heute noch gern zum Bekehren von Widersinnigen, oder man stempelt unliebsame Gegner anhand ihrer Religionsschule als feindlich gesinntes Volk ab. Gern wird gesagt "Ja, was die Glauben kann doch nur zu Mord und Totschlag führen" und dann werden Finger gewedelt. Der Terrorismus, der heutzutage als eines der bestimmenden Weltprobleme ausgemacht wird, basiert zu 100% auf der Missinterpretation von Religion. Auf der einen Seite messianische Sektierer im Gewand des modernen Fortschrittsapostels. Auf der anderen Seite ebenso verblendete Wortliebhaber. Interessanterweise sind die meisten Menschen alles andere als fanatisch, wenn es um ihre Religion geht. Aber die stille Toleranz wird eben nie gehört, wenn die dämlichen Nichtsversteher laut ihre "Wahrheit" brüllen.

Bibel, Koran und sonstige Schriften des Heiligen Geistes sind Wegweiser für die Suchenden Geister. Es ist also falsch das Buch als Träger von Wahrheit hochzuhalten. Nicht das Buch trägt die Wahrheit, sondern der Leser, der es esoterisch versteht. Welcher Wanderer würde an einem Straßenschild ein Haus bauen, auf welchem der Name seines lange gesuchten Zielortes geschrieben steht? Nur ein törichter Depp würde den Wegweiser als eins mit dem Ziel deuten. Und so ist auch bei allem Mitgefühl immer der ein Depp, der einen Mitmenschen oder eine anderweitige Erscheinung mutmaßlich wundersamer Natur als die Offenbahrung der einzigen Wahrheit betrachtet. Die korrekte Betrachtung ist in einem solchen Fall von durchaus legitimer Verehrung nicht die Identifizierung des bewunderten Phänomens mit der vollendeten Wahrheit, sondern allenfalls die Wertschätzung der hilfreichen Weisung zu ihr. Aber der eigentliche Weg zur Wahrheit endet wie bereits festgestellt niemals an einem Straßenschild. Die einzige Wahrheit kann aus Gründen einer mathematischen wie auch philosophischen Logik heraus niemals vollständig in einem von ihr abgeschiedenen Geist enthalten sein, denn ein von Wahrheit abhängiger Geist, kann niemals im gleichen Moment die einzige Wahrheit sein. Das ändert zu keinem Zeitpunkt etwas an ihrer definitiven Erreichbarkeit für jeden einzelnen Wahrheitssucher. Was dabei einzig und allein zur Debatte steht ist das persönliche Ich des Suchenden. Der Zustand von Geteiltheit vom Wahren ist daher völlig natürlich (und auch gewollt) der Knackpunkt, den es zu überwinden gilt. Im Klartext kann nur der die Wahrheit erkennen, der von seinem persönlichen Ich unabhängig die geistigen Augen öffnet. Und der Weg zu Einheit führt selbstverständlich allein über die Anerkennung des Wahren sowie dessen Erkenntnis oder Verständnis. Stirbt der Glaube an diese mögliche Einheit, dann stirbt auch die Zuwendung zum Ziel, denn man verweigert das Verstehen und spaltet sich somit geistig vom Wahren ab. Man bildet sich dann ganz einfach nur seine eigene Wahrheit.

Ich denke in der Zukunft wird es einen Eintrag in den Geschichtsbüchern geben, der den Nachfahren noch lang hin ein Wogen von Schauern übers Kreuz hauchen wird. Viele Leute jetziger Zeit werden diesen Eintrag mit anderen Augen lesen. Diese Menschen von morgen werden nicht mehr in Stolz oder falscher Weisheit davon sprechen dieser oder jener Religion anzugehören. Sie alle werden nur ein Ziel kennen und das heißt Ethik. Man wird nicht den Fortschritt anbeten, sondern die Beständigkeit. Man wird im Geist eins sein und einer gemeinsamen Moral folgen. Es wird eine einheitliche, kosmische Lehre sein, die den Kindern beigebracht wird. Und es wird die einzige Wahrheit sein, die diese Kinder esoterisch und selbstständig einsehen werden. Sie werden dazu allerdings – ebenso wie bereits heute in Ausnahmefällen – in keiner Weise gezwungen sein. Der wirkliche Fortschritt findet erst in zweiter Linie im Materiellen statt. Wenn die Leute eines Tages (durchaus vielleicht mithilfe eines mächtig ausfallenden Winks mit dem Zaunpfahl) begriffen haben, dass die Welt nur einen einzigen Ursprung hat, dann wird es auch nur eine Religion geben. Man wird nicht von einer einzig anerkannten Religion oder einer Zwangsreligion sprechen. Es wird jedem überlassen sein, die Wahrheit zu wissen, oder aber einem dümmlichen Weg voller Ahnungslosigkeit zu folgen. In dieser kommenden Welt, wird der Pfad der Unwissenheit allerdings wesentlich weniger Fun und Lifestyle bringen. Es wird nur wenige geben, die Fun und Lifestyle anderer Leute bewundern werden, glaube ich. Es werden auch nur wenige Leute den Zeiten hinterher jammern, als das mal anders war. Viel wichtiger ist allerdings, dass es so etwas wie einen Fanatismus nicht geben wird, weil die Wahrheit keinen solchen benötigt. Die Menschen, die sie nachfühlen können, wissen es schon heute und teilen sich dieses Bewusstsein mit großen Geistern der Geschichte. Namentlich bekannten, wie auch solchen, deren geschriebene Wegweiser und Zeugnisse längst zu Staub zerfallen sind.

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© 4nt|bürger4711 August 2008 - - letzte Änderung: Montag, 30.01.2012