Leichen im Keller

Eintrag #0032 - Montag, 23. November 2009
Unwissenheit beruhigt. Wissen befreit!

Er soll irgendwo dort oben auf irgendeiner Wolke sitzen und mit erhobenem Zeigefinger alles ganz genau beobachten. Wer Böses tut muss damit rechnen vom Blitz getroffen zu werden. Und Gutes tut der, der demütig auf den Knien vor goldstrotzenden Altaren an sein ewiges Wirken glaubt, auf seine gesandten Retter hofft und seine irdischen Stellvertreter mit reichen Gaben segnet und ihnen mit fragloser Hingabe zuhört. Der Glaube kann nach dieser etwas blasierten Vorstellung von jedem selbsternannten Realisten als naives Ahnen oder blindes Hoffen verirrter Geister ausgelegt werden. Der Urschöpfer kann auf diese Weise gar zu einer Projektion affektierter Anhänger werden. Es heißt man müsse an Gott glauben, da man ihn nicht beweisen könne. Es wird sogar behauptet man könne ihn nicht sehen, oder in anderer Weise wahrnehmen. Seine Wege sollen rätselhaft sein, was bedeutet, dass man sein Tun und Handeln oder seine Motive nicht verstehen könne. Aber wie kann das angehen, wenn außer diesem Urgrund allen Daseins nichts anderes sein kann?

betenDer Unterschied zwischen Ahnung und Gewissheit besteht in der Perspektive auf eine Feststellung. Neutral betrachtet ist jede Wahrnehmung im ersten Moment Gewissheit für denjenigen, der sie aufnimmt. Je weiter die Feststellung den Augen des Zeugen entfernt liegt, desto mehr verliert sie an Gewissheit. Wer nicht dieselbe Wahrnehmung hat, wird das Zeugnis somit eher ungewiss nennen. So kann der Zeuge viele Worte für seine Wahrnehmung finden und dennoch ist er gegen den Zweifel anderer machtlos. Mitunter kann dies dabei helfen die eigene Überzeugung als Irrtum zu erkennen. So kann die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft kritischer Beobachter dabei helfen im Urteil bodenständig zu sein. Dabei ist vor allem die emotionale Nähe und Bindung entscheidend. Die andere Seite der Medallie sieht so aus, dass dem Urteil eines Einzelnen Gewicht genommen wird. Umso mehr, je bedeutungsloser sein Name ist. Im schlechtesten Fall wird man so einer Gruppe hörig. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann allerdings in Frage gestellt werden, wenn die Wahrnehmung des Einzelnen von den Überzeugungen der Gruppe abweicht. Die Fähigkeit entgegen den Ansichten einer Gruppe stehen zu bleiben verlangt mitunter große Kraft. Man könnte sagen, dass nur derjenige, der seine Überzeugung auf ein Felsfundament aufbaut, unangreifbar gegen sämtliche Wogen der Infragestellung durch andere Menschen wird. Bei diesem Bild kann natürlich nur die tiefe, innere Gewissheit als Fels gelten. Somit müsste eigentlich Wissen höher stehen als Glaube.

Wissen ist nach meiner Überlegung Folgendes :: Es gibt das Wissen, welches in den Aufbauten dieser Welt liegt. Die Formationen der Schöpfung sind das Wissen der Welt. Also mit anderen Worten in den Formationen der Welt liegen die Informationen des Daseins und seiner Ursprünge. Diesen Umstand machen sich alle Wissenschaftler dieser Welt bis zu einem bestimmten Grad zu Nutze. Der Grad wird momentan davon bestimmt, wie weit sich diese Wissenschaftler von ihrer sinnlichen Wahrnehmung lösen können. Da sie allein das als Realität ansehen, dass sie untereinander feststellen können, kann es somit auch keinen Gott oder Geist in ihren Überlegungen geben, der ihnen allenfalls individuell vorstellig werden könnte. Sie glauben sich untereinander nur die Dinge, die sie gemäß ihrer natürlichen Wahrnehmung bezeugen können. Das macht sie leider weitgehend blind für alle Dinge, die abseits solcher Pfade auftreten. Ein einfacher Stein ist beispielsweise eine unpersönliche Gewissheit. Geschaffen und festgestellt (bzw festgelegt) aus dem Urgund allen Daseins. So liegt dieser Stein an irgendeinem Ort dieser Welt. Selbiger Stein kann zu meiner persönlichen Gewissheit werden, wenn ich ihn beispielsweise ansehe. Die Art der Wahrnehmung spielt keine Rolle, denn ich könnte den Stein auch nur ertasten oder ihn mir sogar lediglich im Geist vorstellen. Er kann aber nur zu meiner eigenen Gewissheit werden, wenn seine Existenz bereits vorher gewiss ist. Das heißt sogar mein geistiges Abbild des Steines wird nur dann möglich, wenn bereits vorher festgelegt ist, was einen Stein ausmacht. Und ich selber kann nur zu der Gewissheit um das Dasein meines vorgestellten Steines kommen, wenn ich mir gewiss bin welche Eigenschaften ein Stein haben sollte. Wenn ich von einer sinnvollen Stein-Vorstellung sprechen möchte, dann werde ich mir sicher keinen Gauda vorstellen. Schlußendlich ist also das Wissen in mir selbst vom Wissen der Welt (was nicht dem Wissen der Menschen gleichzusetzen ist) abhängig. Das was ich weiß, ist also den bereits festgelegten Informationen der Welt entnommen. So ist mein Weltbild eine weniger detailierte Kopie der Welt an sich und mein Wissen hat mit der Welt ungefähr soviel zu tun wie der Regentropfen mit dem Ozean. Das ist wichtig zu wissen, wenn man denkt die eigene Überzeugung würde den Ozean irgendwie interessieren.

In meinem Kopf ist alles, was ich wahrnehme, immer eine Form von Wissen. Sogar die Dinge, die falsch sind. Wenn ich sage der Himmel ist blau, dann weiß ich, dass mir die allermeisten Menschen zustimmen werden, falls sie gerade dieselbe Wahrnehmung besitzen. Dass der Himmel erstens eine subjektive Feststellung eines auf einem schweren, die Raumzeit dehnenden Materieobjekt stehenden Menschleins ist und zweitens nur in Bodennähe bedingt durch Streuung und Polarisation von Sonnenlicht blau erscheint, mag da zu einiger Relativierung führen. Obwohl die Aussage "Der Himmel ist blau" also vielfältig falsch gedeutet werden kann, handelt es sich dennoch um eine gewisse Information. In meinem Kopf werden sich ─ wie auch in den Köpfen sehr, sehr vieler anderer gewichtiger Homo Sapiens ─ sehr, sehr viele solcher Teilwahrheiten befinden. Sie alle bilden Gewissheiten, die wiederum die jeweilige Bildung der Person ausmachen. So könnte man sagen die Person ist nichts weiter als die Einbildung von Wissen. Oder die Person ist eine Momentaufnahme von Überzeugungen. Man kann also theoretisch die Persönlichkeit verändern, wenn man seine Überzeugungen ändert. Schauspieler verdienen sogar gutes Geld damit. Das was andere Menschen an einem wiedererkennen sind neben diversen äußeren Körpermerkmalen immer auch nach außen getragene Gedanken. Und das, was die Freuds dieser Welt zu einer Manie werden lassen, das ist das Lesen im äußeren Habitus einer Erscheinung. Denn die wenigsten von ihnen können im Geist lesen, da das voraus setzen würde, den Geist sehen oder fassen zu können. Somit begnügt man sich im Allgemeinen mit Indikatoren und hofft auf ihre Beweiskraft.

Unwissen, falsches Wissen oder Ungewissheit gibt es eigentlich nicht. Alles was einem Menschen durch geistige Schöpfung vorstellig werden kann oder was sich ein Mensch vorstellen kann, ist Wirklichkeit, Wahrheit und absolut Gewiss. Die Deutung als Unsinn, Fehler oder Ungewissheit kommt immer nur aus dem Urteil einer Person, deren Überzeugung oder Ansicht sich nicht mit denen der jeweilig anderen deckt. Auf diese Weise kann eine ganze Gesellschaft von sehr, sehr vielen Personen zu der Überzeugung neigen der Himmel sei blau. Und doch wird der Himmel da ganz anderer Meinung sein. Falsch kann Wissen niemals sein, denn Wissen ist immer besser als Gedankenlosigkeit. Eigentlich ist Wissen an sich das, was ein Dasein aus dem Nichtsein hebt. Lebendig erscheint deswegen auch nur, wer bei Bewußtsein ist. Der Inhalt von Wissen kann dagegen durchaus falsch sein. In dem Fall genauer gesagt die Interpretation der neutralen Information. Die Information selbst ist weder richtig noch falsch ─ sie ist einfach da. Dennoch kann Wissen auf einem Irrtum basieren. Das macht nicht das Wissen unsinnig, sondern allein die Beweggründe dessen, der dem Irrtum aufsitzt. Durch den Irrweg werden auch alle Bewegungen des Irrenden zu etwas, das Schlechtes produzieren kann. Schlechtes wie zum Beispiel ölverschmierte Möven an der bretonischen Küste. Oder von Rechthabern und Intriganten gesprengte Hochhäuser in NYC. Oder eben auch ein Weltwirtschaftssystem, das seine weltweiten Anhänger zu willfährigen Huren werden läßt. Ein Mensch kann mit etwas Ignoranz von Seiten des Unglücks gut und gern 100 Jahre alt werden. Das wird der eine oder andere für eine lange Zeit halten. Eine Gesellschaft kann sogar Jahrhunderte alt werden und auch sie wird das für eine sehr lange Zeit halten. Moderne Gesellschaften beziehen ihren ganzen Stolz meistens aus der Überzeugung eine sehr, sehr alte, weise und reich mit Wissen und Wohlstand beschenkte Gesellschaft zu sein. Und eine solche Gesellschaft kann sich mitunter Überzeugungen eingebildet haben, die solche Dinge aussagen wie :: "Gott ist eine Projektion unseres Gehirns" oder "Wahrheit gibt es nicht" oder aber "In Wahrheit sind wir gottgewollte Eliten". Kleine Kinder lernen die Schwerkraft zu schätzen, indem sie sie häufig ignorieren. Größere Menschen schätzen sie meistens auch ohne viel Einbildung und erfreuen sich am Wunder der Bodenständigkeit. Gesellschaften lernen ungefähr auf dieselbe Weise wie kleine Kinder es tun. Es sei denn sie sind von natürlicher Seite aus gesehen als erwachsen einzustufen. Denn die Attribute 'modern' oder 'vernünftig' usw werden nicht von denen geprägt, die solche Attribute irgendwie so hübsch finden.

Glaube ist immer das, was ein anderer Mensch meinem Wissen zugesteht. Je größer sein Zweifel an meinen Gewissheiten ist, desto größer wird sein Vorwurf von Naivität sein. Auf Bedachtheit oder Gewissheit gründet seine Überzeugung dagegen mit großer Sicherheit nicht, wenn meine Gewissheit größer ist als sein Vorwurf. Je größer meine Gewissheit, desto größer auch meine Sicherheit über seinen Irrtum. Wenn ich die Wahrheit kenne und dennoch seinem Irrtum folge, wird das Unheil für mich größer sein, als für ihn. Denn ich habe wissentlich geglaubt, obwohl ich ebenso gut auf meinem Wissen hätte bestehen können. Letzteres würde mitunter auch den Irren retten, wenngleich er darüber im ersten Moment vielleicht nicht so erfreut sein mag. Es gibt aber auch solchen Fall, wo man als Einzelner ziemlich machtlos den Überzeugungen einer Gesellschaft von Brüdern und Schwestern gegenüber steht. Dann kann man noch so sehr dem Ideal eines Zimmermanns folgen und wird doch merkwürdige Dinge erfahren, wenn man im falschen Umfeld von Liebe spricht. Deswegen denke ich ist immer die innere, geistige Ausrichtung wichtiger, als jede nach außen getragene Überzeugung. Und ich denke die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft oder Gruppe steht mir bei meiner persönlichen geistigen Ausrichtung mitunter mehr im Weg, als dass sie mich stützen kann. Das natürlich nur solange wie ich meine Kirche auf Sand gebaut habe. Wenn sie erst einmal auf Fels steht, kann kein Mensch und keine Gesellschaft mehr dagegen stinken. Aber warum ist dann Glaube wichtiger als Wissen?

Das Wissen ist definitiv. Man kann eigenes Wissen aus allem schöpfen, das einen umgibt und so kann auch der größte Feind und Unhold oder die allerallerschlimmste Krankheit zum Lehrer und Heiler werden. Das Problem ist, das mir alles Wissen und jegliche Gewissheit ohne jeden Sinn erscheinen wird, wenn ich nicht an ihr lehrendes Wirken glaube. Wenn ich in der Wüste stehe und in der Ferne eine Oase sehe, habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich glaube der Information, die mir visuell übertragen wird und gehe dem entgegen. Dann werde ich auch nach dem hundertsten Erkennen der Fata Morgana irgendwann etwas Oasenartiges erreichen. Oder aber ich lege mich gleich hier in den Sand mache die Augen zu und werde langsam zu einem etwas längeren Nickerchen ausholen. Im Falle der Nickerchen-Option wird der Zweifel stärker sein als die Gewissheit. Ich werde sagen ich sei zu vernünftig, um mich von einem Trugbild verleiten zu lassen. So werde ich vielleicht vernünftig sein, aber auch bald sehr tot. Wenn ich dagegen trotz hundertfacher Prüfung und dem Durchschreiten hunderter Lichtspiegelungen an das Gewisse glaube, dann werde ich wenigstens hundertmal länger leben, wie der Zweifler. Vielleicht sogar ewig. Somit ist allein die eigene Fähigkeit zu geistiger Standfestigkeit beim Erreichen von Gewissheit wichtig. Ohne den Glauben an das Gewisse werde ich niemals Wissen. Ich werde tausend Tode sterben, wenn ich alles in Frage stelle, was mich umgibt. Aber ich werde niemals irgendwo ankommen, da ich nicht glaube, dass irgendwas in meinem Tun ein Ziel besäße. Das mag zeitweilig schön sein und Spaß bringen. Vielleicht kann diese Haltung auch irgendein Rachegefühl befriedigen, das man gegen die Unerbittlichkeiten so mancher Lebensgewissheit hegt. Und doch ist alles das nichts auf das man bauen könnte. So wird man ewig mit Werden und Vergehen beschäftigt sein und nichts wird einem schlußendlich Halt geben oder Eindruck hinterlassen.

Glauben muss man schenken - Wissen muss man annehmen. Und deswegen ist jeder Gläubige ein Wissender und jeder Wissende ist ein Gläubiger. Wer nicht glaubt, der kann nicht wissen.

rauf

Nebenbei
man spricht von 'Leichen im Keller' wenn jemandes Vergangenheit unpopuläre Geheimnisse beinhaltet, die gern unter Verschluss behalten werden. Lebensirrtümer und kleingeistige "Phobosophien", die dem Anerkennen von Wahrheit im Weg stehen. Das Konzept dieser Seite, die sich der Blog-Familie zugehörig fühlt aber sich selbst als schwarzes Schaf davon versteht, möchte sich vorwiegend den fragwürdigen Inhalten der sogenannten Moderne und weniger dem Vergangenheitsverdränger widmen.

Im Klartext ... Es geht nicht um Leichen sondern um Wahrheit. Oder genauer um die Wahrheitsfindung aller Art. Wobei nicht mein Anliegen ist die Wahrheit zu okkupieren oder sie für mich zu beanspruchen. Meine Idee beschränkt sich auf einfacher, banaler Mitteilungsliebe und dem vagen und unscharfen Gefühl von Gerechtigkeit und Provokation.

Es kann aber hier und da auch einfach nur um die Freude am Schreiben gehen und im Großen und Ganzen nimmt sich das hier auch nicht allzu wichtig.

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Unwissenheit beruhigt. Wissen beruhigt!

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Eins plus Eins gleich Zwei ... glaub ich

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suasti

Eintrag #0031 - Donnerstag, 19. November 2009
Nachtrag zu Eintrag #0029 - Gewissheit und Wahrheit sind allein Frage des Bewußtseins

Eigentlich geht es bei der unten angesprochenen Erforschung der Hintergründe bezüglich des Gehirns und seiner Auffassung von Realität und/oder Wirklichkeit allein um die Klärung der Frage was Bewußtsein und letzten Endes was Leben ist. Die Klärung dieser Frage hängt dabei ferner nicht von Gewissheiten ab (die es sogar nach Meinung von Roth angeblich nicht außerhalb der Greifbarkeit menschlicher Auffassung gibt), sondern allein vom Bewußtsein des Erklärenden.

Das heißt der eine erklärt Bewußtsein mit einer Projektion, welche aus dem komplexen Zusammenspiel materieller Bestandteile empor steigt und gewissermaßen reiner Hokuspokus und Selbstbetrug ist. Wobei sich die Frage aufdrängt :: Was ist das Selbst? Muss es sich bei der Empfindung eines "Ich" nicht ebenso um eine Täuschung handeln? Klar kann ich diesem Gedanken ohne Weiteres folgen. Er baut trotz Scheinrealität von Sein auf die Autarkie des Individuums. Allein das Ich oder der Mensch bestimmt darüber was jemals Regel oder Norm sein wird. Wobei die Stimme des Einzelnen nur insofern zählt, als das sie gegebenenfalls zu einer Mehrheit gehört. Abweichende Ansichten werden allenfalls toleriert. Menschenrechte gehen so quasi vor alle Naturgesetze und allein der Mensch bestimmt den Lauf der Welt. So muss er natürlich auch allein Schuld sein, wenn beispielsweise das ökologische System des bewohnten Planeten irgendwelche Anzeichen von Veränderung zeigt. Der Mensch macht sich freiwillig zum mündigen Bürger und nimmt sich wider besseren Wissens um eine höhere Instanz oder deren Machteinfluß vollkommene Selbstbestimmung heraus. Allerdings, und aufgrund der bisher (zumindest von Seiten der menschlichen Gesellschaft) ungeklärten Frage bezüglich dieser Instanz, verhält man sich bis auf Weiteres gemäß einer weitgehend an den Maßstäben und Bedürfnissen einer (nach eigener Definition) aufgeklärten, vernünftigen und modernen Gesellschaft orientierten Auffassung von Ethik. Viele innerhalb der Gesellschaft werden dies sogar als unwiderlegbaren Beweis für die Ehrwürdigkeit der modernen Gesellschaft deuten. Man lebt also quasi in dem Bewußtsein einer Norm entsprechen zu müssen, um damit allmorgendlich schuldfrei in den Spiegel schauen zu können. Somit hängt die ganze Funktion und Ordnung des menschlichen Eroberungszuges über die Erde an dem seidenen Faden der eigenen Urteilsfähigkeit und des Bewußtseins jedes einzelnen Bewohners. Wird er überspannt, wird nur selten umgekehrt da man irgendwann ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Allein jene, die in dem bestimmten oder unbestimmten Bewußtsein leben, eine unsterbliche Rolle auszufüllen, sehen sich allzeit auch einer in welcher Form auch immer jenseitigen Instanz verpflichtet. Solche Leute sprechen dabei von einem Gewissen. Doch wessen sie sich gewiss empfinden, ahnen oder glauben sie vielleicht nur. Andere dagegen scheinen überhaupt kein Gewissen zu besitzen. Doch mögen sie vielleicht eher ein Gewissen anderer Größen- und Zuordnung haben. Wenn man die Worte Gewissen und Bewußtsein gleichstellt (in beidem steckt "Wissen"), kann man erkennen, dass einfach alles betreffend der Auf- und Abs in der Geschichte von der Ausrichtung des Bewußtseins von einzelnen Personen oder Gesellschaften abhängt. Wobei es nur zwei Ausrichtungen gibt :: Ins Übersinnliche oder ins Sinnliche ─ Himmel oder Erde.

Das Wissen in einem Einzelen wird durch die Reflexionen des objektiven Seins gebildet. Dieser Gedanke geht von einem bereits vor der Bildung des Menschen bestehenden objektiven Wirklichkeit aus und muss dies auch. So kann der Mensch nicht die Ursache von Wirklichkeit, wohl aber von für ihn geltender Realität werden. Beim Bewußtsein für eine Unzulänglichkeit wird das entsprechende Bewußtsein diese Unzulänglichkeit auf diese Weise erzeugen und real werden lassen, obwohl die Wirklichkeit möglicherweise eine ganz andere ist. Als Beipiel gelten persönliche Überzeugungen wie :: "Ich bin zu dick" oder "Ich kann das nicht". Solcherart Projektionen können eine Realität erschaffen, die an der möglichen alternativen Wirklichkeit vorbei gehen. Und damit an nichts weniger als der Selbsterkenntnis und in letzer Konsequenz der Erkenntnis des Urquells allen Daseins. Somit gilt :: Wer in den Zweifel schaut, der wird ihn in sich tragen. Und dem gegenüber trägt der eine gesunde (also eine ganzheitliche oder vollständige) Gewissheit in sich, der sich über jeden Zweifel erhebt und die Dinge anhand einer holistischen Weltsicht so sieht und deutet wie sie sind.

Das Dasein transzendeter Wirklichkeit ist aus vielen Gründen nicht einfach hinzunehmen. Genauer gesagt ist es grundsätzlich zwar einfach aber bei fehlender Einsicht sehr schwierig wenn nicht sogar unmöglich. Der Glaube an eine höhere Ordnung führt in eine freiwillige Aufgabe der eigenen Kontrollambitionen. Man sieht sich bei Anerkennung des Höheren selbst als Beobachter einer Weltlehre und wird zum mündigen Schüler einer höheren Lehre. Wer das Absolute verneint, muss zwangsläufig selbstständig seine Mündigkeit beweisen. Da Vernunft und Logik in einem solchen Fall an menschlichen Maßstäben orientiert sein müssen, kann von Schwierigkeit keine Rede sein. Man muss lediglich anerkennen, was die Gesellschaft zur Norm erklärt. Zweifelhafte oder in Frage stehende Sachverhalte werden schlicht durch Fakten belegt. Alles abseits dieses Anspruchs gilt als spekulativ und damit gleichsam im Sinne von Handfestigkeit minderwertig. Bewußtseinsbildung geschieht somit innerhalb einer geschlossenen Definition von Logik und Sinnhaftigkeit. Ein solches Bewußtsein wird auch niemals Erkenntnisse gewinnen, die (wohlmöglich willentlich) Abseits dieser geschlossenen Auffassung stehen. Eine solche Gesellschaft wird bei unvorhergesehenen Ereignissen je nach Größe des einflußnehmenden Faktors nach mehr Sicherheit streben und sich so zwangsläufig über kurz oder lang selbst in eine Opferrolle einschließen, der nur mit gemeinsamer Kraft entgegengetreten werden kann. Schlußendlich wird innerhalb einer solchen Gesellschaft auch nichts mehr als wahr gelten dürfen, das nach Ansicht der Allgemeinheit nicht als wahr gelten könne. Wahrheit und Wirklichkeit wird viel mehr selber festgelegt, erschaffen und kontrolliert. So werden Gesetzbücher oder Standardwerke bei Fernbleiben aller offensichtlichen Einflußnahmen durch übersinnliche Instanzen quasi zu goldenen Kälbern. Da aber das Augenmerk jener Gesellschaft so oder so nicht mehr auf höheren Zusammenhängen liegt, werden etwaige Einflußnahmen nur noch anhand der von Seiten des Menschen geltenden Standards erklärt. Dies führt des Weiteren zu einer Bestärkung des etablierten Bewußtseins. Häme gegen Andersdenkende, Gruppenzwänge und Zuspruch von "hellen Köpfen" tun den Rest um ein Weltbild zu bauen, welches auf der einfachen anfänglichen Überlegung steht ein von allen bösen Geistern verlassenes Individuum auf dem Weg der Selbstverwirklichung zu einer Art von "Homo Superior" zu sein. Alles zum Preis der Negierung des Einen göttlichen Sinns ─ dem Licht des Geistes, der dann allenfalls schlicht auf Basis eines Zufalls eine Projektion von Wissen oder Gewissen produziert, über welche sich jeder stellen kann wie er gerade lustig ist. Verbindlichkeit ist eben allein Frage des Zugehörigkeitsgefühls.

Dazu noch eine Überlegung zu John Wheelers Zitat :: "Kein elementares Phänomen ist ein reales Phänomen bis es beobachtet wurde."

Dieser Satz ist entweder fundamental richtig oder aber ─ je nach Deutung des als notwendig erachteten Beobachters ─ grundlegend falsch. Wenn man als den vermeintlich realisierenden Beobachter den Menschen sieht, muss die Aussage falsch sein, da Wirklichkeit keinesfalls davon abhängt, von einem Menschen beobachtet zu werden. Ich unterscheide dabei zwischen der Realität/Wirklichkeit an sich (also der absoluten Realität) und der individuell wahr genommenen. Letztere kann immer nur subjektiv auftreten, wenn als Grundlage eine objektive Absolutheit vorhanden ist. Diese bildet dann die objektiv geltende Wirklichkeit, die den gemeinsamen Nenner aller beobachtenden Individuen stellt. Nur auf diese Weise werden sinnvolle Systeme zur Übertragung von Information möglich. Nur mit der Grundlage einer derartig gewissen Informationsschöpfung werden solche System auch sinnvoll oder allgemein verständlich. Geometrie, Mathematik usw sind logische Systeme, deren Aufbau nicht von Menschen erdacht bzw erfunden wurden. Sondern sie wurden anstelle dessen innerhalb einer bereits bestehenden "Lehre von der Welt" herausgefunden. Dass sie dabei zu einem realen Faktor für die menschliche Weltsicht avancierten, zeigt nicht etwa des Menschen Vorstellungsrelevanz. Allein die bereits vorgegebene Ordnung bildet Phänomene, die viel mehr dem Menschen vorstellig werden. Somit ist jegliches elementare Phänomen eigentlich bereits Wirklichkeit und geklärtes Faktum bevor irgendein Mensch sich seines Daseins bewusst werden kann, und eines aus einer dem Menschen übergeordneten Realitätsebene. Dieser Schluss führt über Zwischeninstanzen von realitätsbildenden Sehenden zwangsläufig bis zu einer absoluten Beobachterinstanz deren uneingeschränkte Schöpferkraft einzig wirksam und damit gleichsam auch einzig real ist.

Wenn allein diese Instanz wirklich real ist, muss auch jede von Menschen wahr genommene Weltsicht Projektion sein. Während die Sinn-Verneinende Weltsicht allerdings von einem Trugbild ausgehen muss und in diesem Bewußtsein ein fadenscheiniges Dasein mit irgendwelchen Tatsachen aufzufüllen versucht, kann jemand mit einem mehr oder weniger bestimmten Bewußtsein für die tiefere Sinnhaftigkeit des Daseins das Trugbild als eine Reflexion des eigenen, wirklichen Ich erkennen. Einem Ich, welches fern aller menschlichen Überlegungen von Vernunft und Logik steht und in seiner Unvergänglichkeit nicht von dieser Welt ist. Das Selbst definiert sich über das Bewußtsein für dieses Ich. Nicht mehr und nicht weniger passiert bei der individuell oder mundan empfundenen Plausibilität wissenschaftlicher Fragenwelten. Richtig oder Falsch klärt sich allerdings auf andere Weise. Nämlich Intuitiv und gemäß der Ausrichtung des eigenen geistigen Bewußtseins. Da dies immer auch auf Prägungen zurückgeht, hebt sich jegliche Gewissheit in der Unverbindlichkeit des individuellen Gefühlslebens auf. Jedoch nur scheinbar, da wie bereits festgestellt die gefühlsmäßige Projektion von Realität keinesfalls der Wirklichkeit entsprechen muss. Somit steht es auch nicht in Frage was ein Einzelner oder eine Gruppe als Richtig oder Falsch ansieht, wenngleich ihr Urteil durchaus an die Wahrheit herankommen könnte. Da Richtig und Falsch und damit letztlich subjektive Wahrheit immer vom Standpunkt des Urteilenden abhängt, muss anstelle der Absolutheit von Wahrheit viel eher der geistige Standpunkt des Urteilenden hinterfagt werden. Denn der subjektive Blick ist dem absoluten immer untergeordnet, wenn man an Wahrheit oder definitivem Wissen Interesse hat. So ist Wahrheitsfindung oder Philosophie eigentlich immer eine Gewissensfrage und niemals eine Frage des persönlichen Standpunkts. Und das bedeutet ferner, dass Wahrheit oder Gewissheit bzw Philosophie niemals den Vorlieben der Mehrheit gleich kommt oder von Meinungsmehrheiten dominiert werden könnte. Deswegen spiegelt die mehrheitliche Ansicht eines Nichtvorhandenseins definitiver Gewissheiten keinesfalls eine Wirklichkeit dar, obwohl die Ansicht dennoch ein kollektives Bewußtsein bilden kann, welches dann für das jeweilge Kollektiv zur Realität wird. Verändert oder aufgehoben wird Gewissheit oder Wahrheit durch die Ansicht eines Menschen in keinster Weise. Eine Information ist immer schon dann vorhanden, wenn sich noch niemand von ihr informiert sieht. Zuerst die Schöpfung der Formation und dann die Aufnahme, Kenntnisnahme oder Wahrnehmung durch einen Uneingeweihten.

Man muss an Wahrheit beständig glauben, um ihr irgendwann ins Auge sehen zu können. Der Weg des Zweifels an übermenschlicher Wirklichkeit ist dagegen zeitweilig und so vergänglich wie kontraproduktiv. Denn aus dem Negieren von Fantasie geht jeder Weg in eine starre Beklemmung ohne jede Sinnfülle. Die Idee wonach nicht alles einen Sinn haben muss, betrifft nur den, der den Sinn nicht sehen will. Die Wirklichkeit geht immer andere Wege, als das Auge eines Menschen.

rauf

Eintrag #0030 - Sonntag, 16. November 2009
Eins plus Eins gleich Zwei ... glaub ich

Oft habe ich in Diskussionen das Gefühl mit einer einfachen, kurzen Geschichte auf Türen weisen zu können, die mit einfachen Formulierungen schlecht vermittelbar scheinen. Viele oder eigentlich alle Zuhörer jenseits des Alters pubertierender Düsterlinge haben wohlmöglich von demokratischen Belangen her ein angeborenes Widerspruchs-Gen, welches sie auch die plausibelsten Erklärungen innerhalb philosophischer Fragenwelten abwiegeln läßt. Meistens kommt es gerade in Bezug auf meine Thesen zum Vorwurf des Anachronismus. Ich kann alles das sehr gut verstehen, denn in einer Welt, die sich selbst modern nennt, muss zwangsläufig alles anachronistisch sein, was die schmale Grenzfläche des Hippen verlassen hat. Und so weise ich oft auf Türen, die dann dennoch nicht geöffnet werden. Denn es ist kein seliges Schläfchen, dass sich von Dingen verletzt sieht, die nicht erträumt sein wollen.

albertIn der Diskussion ging es um die Frage ob Etwas (also ein einzelner Teil oder ein einzelner Aspekt) wirklich die Gesamtheit von Allem als Ursache haben muss. Bei der Meta-Thematik ging es um Gott und die Welt. Als ich sagte Etwas sei eigentlich immer ein Teil von absolut Allem, war das brüskierte Staunen über diese vorwitzige Spekulation verständlicherweise sehr groß. Wo kämen wir hin, wenn nun jeder so was sagen würde? In den meisten Fällen von ernstgemeintem Atheismus kann selbstverständlich etwas nicht wahr sein, was darauf hinweisen würde, dass das liebgewonnene "ich will" eigentlich rein gar keine Aussagekraft bezüglich von geltender Wahrheit besitzt. Allerdings so was zu behaupten läßt so manchen Überzeugten schnell zu einem aufbrausenden Bündel werden, dem dann nur noch durch Ignoranz oder eine liebe kleine Gute-Nacht-Geschichte beizukommen ist. Aber wenn ich schonmal da bin, totes Wort in den Äther poste und dabei so kindlich unbekümmert mit den Uneinsichtigkeiten meiner o wie modernen Mitmenschen spiele, ist Ignoranz wohl die weitaus weniger spaßige Methode.

 

Der mörderische Mathematiklehrer

Ein Mathematiklehrer hatte große Probleme seinen Schülern die Begeisterung für Zahlenlehre zu vermitteln. Die meisten sagten da sähen sie keinen Sinn drin und es würde ihnen reichen, wenn sie Grundwissen anwenden könnten. Sie mochten nicht diese abgehobenen Überlegungen und wollten mehr Bodenständigkeit. Sie wollten ja nicht in die himmlischen Sphären aufsteigen, die der Mathematiklehrer dereinst in seinem Studium bereisen musste. Der Mathematiklehrer verstand das Verhalten nicht. Er glaubte, dass man die ganze Welt mit Mathematik erfahren und ergründen könnte. Zudem hatte er nur Bewunderung für die unweigerlichen Sicherheiten, die sich in der Mathematik überall darstellten. Aber den Schülern war das alles zu langweilig und gesicherte Ergebnisse oder unanzweifelbare Operanden wollten sie nicht sehen, weil sie lieber über Blumen diskutierten, über richtig und falsch oder die Abstufungen von Grau stritten.

Dann kam ein Neuer in die Klasse. Er war sehr dumm und kannte sich in Mathematik überhaupt nicht aus. Er fragte den Mathematiklehrer ob er ihm die höchste aller möglichen Zahlenwerte benennen könnte. Der Lehrer lachte und sagte, dass man so eine Zahl nicht benennen kann, da man immer wieder eine noch größere Zahl benennen könnte. Der Schüler wunderte sich. Er wurde zwar dumm genannt, aber er war auch ein sehr guter Träumer. Er fragte den Lehrer wie es sein könnte, dass es Zahlen gäbe, aber nicht eine absolute Gesamtmenge aller denkbaren und nennbaren Zahlen? Wäre das nicht ein sehr merkwürdiger Widerspruch? Nein sagte der Lehrer, denn die höchste nennbare Zahl muss man nicht kennen oder aussprechen können um ihre einzelnen Zahlenwerte zu benennen. Man muss weder die Eigenschaften dieser absoluten Zahl noch ihre Dimensionierung oder auch nur ihren Daseinsort wissen, um Zahlen benennen zu können. Und das obwohl alle anderen Zahlen erst durch ihr Dasein als Gesamtmenge heraus begreifbar werden. Es reicht völlig aus an das Dasein der Gesamtheit aller Zahlen ganz, ganz fest zu glauben. Dann wäre jeder Zahl sofort ein Sinn zugewiesen und alles wäre hübsch ordentlich. Und dann sagte er noch der dumme Schüler solle nicht so viel denken.

Der Schüler dachte aber eine ganze Schulstunde darüber nach und bekam nichts mehr vom Mathematikunterricht mit. Dann gab's mal Pause und der Schüler ging zum Mathematiklehrer. Der las gerade ein sehr wichtiges Buch über Die Nichtigkeit des Seins, des Universums und dem ganzen Rest. Da sagte der Schüler er kenne die absolute Zahl und könne sie auf der Stelle sofort benennen. Der Lehrer schrie auf, schlug eine Hand vor den Mund und errötete voller Neid und Missgunst. Dann ließ er es wieder und fragte wie die Zahl denn lauten würde. Der Schüler sagte die absolute Gesamtheit aller Zahlenwerte lautet :: Eins. Denn in der Eins sind alle Zahlenwerte enthalten und aus der Eins heraus sind alle Zahlenwerte ableitbar. Nur durch das Benennen der Eins wird jedwede Zahl überhaupt definierbar und mit einem Sinn versehen. Aber wiederum ist die Eins nur dann eine legitime, absolute Ursache aller Zahlen, wenn sie sich freiwillig und selbstlos teilt. Das Beharren auf der Einheit würde dagegen überhaupt nichts bewegen oder verändern und alles wäre ewig ein und dasselbe und ein ständiger Kreislauf um selbstbenannte Sümmchen.

Die Schüler hatten vor dem Klassenzimmer heimlich mitgehört und als sie den doofen Neuen so reden hörten, da wurden sie sehr böse auf ihn. Sie waren sich nämlich sehr sicher nicht ein und dasselbe zu sein und immer, immer von Neuem das gleiche zu tun. Sie waren nämlich sehr, sehr klug und er war sehr, sehr dumm. Da holten sie eine Handvoll Nägel, einen Hammer und begannen irgendwas sehr Seltsames mit zwei gekreuzten Baumstämmen zu tun. Dann schlichen sie sich langsam von hinten an den doofen Neuen heran und fingen ihn ganz doll. Der sagte noch etwas zu seinem Papi, der aber gar nicht da war, wie sie alle ganz sicher bezeugten, als die Polizei später sehr viele offene Fragen und einen bitteren Tafelschwamm vorfand.

Der Mathematiklehrer warf sein Buch in den Kamin, warf eine Atombombe auf die Schule und seine Universität und machte eine kostspielige Weiterbildung zum Haarespalter.

#### ENDE ####

Sicher ist das kein großes Hollywood. Was diese Geschichte aussagen soll, wird jedem klar sein, der ein Auge hat zu sehen und Ohren hat zu hören wie mal jemand sehr Sonderbares so schön sagte. Ich glaube er war ein sehr bekannter Zimmermann.

rauf

Eintrag #0029 - Sonntag, 15. November 2009
Wo der Applaus mehr wiegt als die geltende Wahrheit ist das Theater nicht fern

Vor kurzem wurde ein mir bekannter Philosoph in der Scheinöffentlichkeit eines Internet-Forums als Anfänger betitelt, weil er was unglaublich Lächerliches sagte. Auf die Frage ob es einen Beweis für Gott gäbe, sagte er leider, dass der Beweis das sei, was der Schöpfer aller Dinge erschuf. Also meinte er wahrscheinlich, dass die Schöpfung der unumstößliche Beweis für des Schöpfers Dasein sei. Das brachte Argwohn in die Antworten der weisen und viel besseren Philosophen des besagten Forums. Sie können sich glücklich schätzen nicht mehr an Dinge glauben zu müssen, die schon andere vor ihnen als Blödsinn erkannt haben. So müssen sie wenigstens nie mehr Denkfehler machen.

harlekinDer viel belächelte Philosoph, der das oben einzuwerfen gedachte, war natürlich meine Unzulänglichkeit selbst. Meine Antwort auf die Betitelung als Anfänger der Philosophie begegnete ich mit einem Glückwunsch. Denn ich beglückwünschte mein Gegenüber zu der Weisheit, die der Mathematik die Gesamtheit aller Zahlen absprechen kann, ohne sich dabei dämlich vorzukommen. Das war selbstverständlich eine Allegorie auf eben solch philosophische Ergüsse, die eine Absolutheit von Wissen, Weisheit und Wahrheit verneinen. Im Stillen frage ich mich in mancher sonnigen Stund wie jemand sich Wissenschaftler oder Philosoph (Weisheitsliebender) nennen kann, wenn er nicht an Wahrheit oder Wissen glaubt. Manch modernistisch verbrämter Wissenschaftler wird sagen Wissen sei allein das, was man im Kopf habe. Dass sich das, was in seinem Kopf so anspruchsvoll als Wissen bezeichnet werden will, nur durch die Sammlung äußerer unpersönlicher Wahr- und Gewissheiten zu solchen Eitelkeiten aufschwingen kann, muss ihm irgendwie entgangen sein.

In einem sehr interessanten Artikel im Bremer Weser Kurier vom 1. November gab es unter der Rubrik "Sonntagsspaziergang" vom Leid eines klugen Kopfes der Neuzeit namens Gerhard Roth zu lesen. Ein Mann wohlgemerkt, der als Hirnforscher und Philosoph bezeichnet war. In der Zweitüberschrift stand dann auch das entlarvende Zitat "Eine Wahrheit, [...] gibt es nicht". Da ich von Natur aus der Belustigung zugeneigt bin, las ich den Artikel trotz oder auch gerade wegen meiner Verwirrung um die Widersprüche, welche sich allein aus der Berufung des Mannes und seiner Aussage erlesen ließen. Wahrheit oder eben auch Gewissheit würde sich nach dem Urteil des klugen Herrn Professors allein aus der Einbildung des Hirns herleiten. So weit so gut, dachte ich. Denn an dieser Überlegung ist nicht wirklich alles Falsch. Da sie ─ und dessen bin ich mir auch als Mathematik-Abstinenzler sehr eindeutig gewiss ─ nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann/ist. Denn wenn es so wäre, wie Herr Roth es aussagt, dann wäre nicht nur jede Mathematik eine bessere Häkelbeschäftigung, sondern auch das Dasein selbst wäre allein ein Trugbild. Dass die subjektive Weltsicht jedes einzelnen Menschen zweifellos wahr ist, kann ich eindeutig unterschreiben. Aber ist erstens nicht auch dies bereits eine definitive Wahrheit und zweitens die Möglichkeit von Interpretation ein eindeutiger und definitiver Verweis auf eine höhere Wahrheit?

Eine weitere Unterscheidung zeigte mir zum sicherlich Millionsten Mal wie tief verstrikt unsere Moderne in Zwiespältigkeiten und persönliche Überzeugungen abseits jeder unpersönlichen Wahrheit steckt. Herr Roth unterscheidet nämlich zwischen Wirklichkeit und Realität. Genauer genommen unterscheidet er zwischen einem wirklichen Gehirn, das jeder weitgehend vollständige Mensch vermutlich irgendwo zwischen seinen Ohren spazieren trägt. Das reale Gehirn sei dagegen der Baumeister der wahrgenommenen Wirklichkeit. Letzten Endes läuft diese Überlegung auf ein Gehirn hinaus, welches sich eine Wirklichkeit nur vorstellt. Demzufolge wäre es dann so, dass jegliche Information, die in das Gehirn einfließt auf Traum und Trug stünde. Das mag gar nicht so weit hergeholt sein. Demzufolge wäre es aber auch so, dass die ganze Welt einschließlich aller Menschen, aller Coca-Cola-Automaten, alle Autos, alle Banken, Bäume, Hunde und unkrautvertilgende Regenwürmer neben allen Sternen, Galaxien und Vororten von Berlin lediglich in meinem Gehirn bestünden. Denn nur ich bin hier geradeeben derjenige, der sich diese Dinge vorstellt. Vom Leser einmal abgesehen. Und ich vermute mal ein ganz, ganz kleines bißchen, dass der eine oder andere Hund sich diesem Gedanken aufs unangenehmste Geratewohl erwehren würde, wenn er davon lesen könnte. Denn aus meiner Gewissheit heraus gesprochen, die ich nebenbei ohne autorisierte Akademie gewinnen durfte, hängt die Wirklichkeit des Kosmos keinesfalls von meinem "realen Gehirn" ab. Es ist mir nebenbei beim Lesen des besagten Artikels ganz beiläufig klar gewesen, dass das von Roth so bezeichnete "reale Gehirn" von jedem normalen Menschen als Geist bezeichnet wird. Nur Geister gibt es ja nach wissenschaftlichem Stand der Dinge nicht. Was aber viel wichtiger ist, das ist die unumstößliche Sicherheit meinerseits, die aussagt :: Diese Weltwerdung hängt nicht von der Konstruierfreude meines Geistes ab. Berlin wird auch dann samt allen Vororten da sein, wenn ich mal gerade für fünfeinhalb Komma vier-zwei Minuten an was ganz anderes Denke. Also muss es nach meinem anfängergetrübten Dafürhalten eine Wirklichkeit geben, die abseits meiner Erfahrung steht und mir somit in genau diesem winzigkleinen Moment zu hundertprozent transzendent d.h. übersinnlich ist. Was soll an dieser Aussage bitteschön so kostspielig sein? Ist es wirklich dermaßen satanisch oder hinterwäldlerisch an Etwas zu glauben, dass sinnlich nicht erfassbar ist? Natürlich kann ich gleich Berlin googeln, oder ich fahre einfach persönlich hin und schon werde ich die "vermeintliche" Übersinnlichkeit des Ortes hinweg spülen. Aber es geht nicht um das potenzielle Feststellen einer Wahrheit, sondern um die Wahrheit selbst. Wer nicht an Wahrheit glaubt, der kann sie nie und nimmer finden oder benennen. Wie sollte man so jemandem also glauben können? Stellt sich letztlich die Frage :: Weiß Berlin, dass es Berlin heißt?

Die Aussage es gäbe keine Wahrheit ist so unsinnig wie die Aussage alles sei relativ. Denn wie kann die Gesamtheit von Allem jemals relativ sein? Ich denke gerade in letzterem Ausspruch zeigt sich die Borniertheit unserer von sich selbst eingenommenen Moderne, die allein die Dinge für real und wirklich hält, die sie irgendwie sinnlich erfassen kann. Dass sie dabei in jeder wachen und träumenden Stunde zu jedem Zeitpunkt den Geist nutzt, ist ihnen allenfalls ein Hinweis auf das Rätsel des Lebens. Niemals aber wird jemand einmal so was Merkwürdiges sagen wie :: Der Geist ist der einzig wirkende und bewegende Faktor in dieser Welt. Denn würde er so was tun, würde man ihn als Priester beschimpfen und ihm ein bißchen mehr Stille und Einkehr verordnen. Vielleicht würde man ihm kurz darauf die Priesterwürde sogar wieder aberkennen und ihn Fanatiker oder sogar Terrorist nennen. Bekanntlich sind Scheiterhaufen schneller aufgestapelt und entzündet, wie ein dummer, kleiner Mensch das ABC lernt.

Wie Herr Roth ganz richtig erkannt zu haben scheint, ist moderne Schulwissenschaft nicht an Wahrheit interessiert, sondern an Plausibilität. Genau hier sehe ich persönlich das Problem der als Wissenschaft bezeichneten Geistesschule. Es wäre vielleicht dem Erkennen von Wahrheit, Wirklichkeit und Gewissheit förderlicher, wenn man weniger dem Applaus der Kollegen und mehr der höheren Gewissheit zugeneigt wäre. Diese Zuneigung wäre allerdings der Todesstoß für jene vermeintlich so moderne Denkschule, die allein das als Gewiss akzeptiert, was sich verständlich weiterreichen läßt. Wahrheit ist geistig begreifbar. Was sie einem Menschen aber ganz sicher niemals sein wird, das ist vermittelbar. Ich denke dies ist aus gutem Grund so entworfen, denn jeder Mensch muss so immer aus eigener Erfahrung lernen und muss sich niemals dem Diktat eines wirtschaftskräftigen oder waffenstarrenden Lehrers beugen. Und gottlob sind die Gedanken frei.

rauf

© 4nt|bürger4711 August 2008 - - letzte Änderung: Montag, 30.01.2012