Leichen im Keller

Eintrag #0021 - Samstag, 18. Dezember 2008
Die Suche nach der Erklärung von Gravitation

Man stelle sich vor ein moderner Wissenschaftler sollte folgendes tun. Man würde ihm auftragen zu beweisen, dass es Raum gäbe. Und man würde jedes Mal, wenn er eines seiner endlos vielen indirekten Indizien anführen würde, mit dem Kopf schütteln und väterlich mit dem Zeigefinger wedeln. Das Resultat sieht dann vielleicht ungefähr so aus, dass man nach einer guten Stunde einen modernen Wissenschaftler hat, der nackt, frustriert und mit zerzausten Haaren vor einem herum hüpft und verzweifelt und verwirrt die Frage stellt wie er etwas beweisen solle, das zwar von jederman nachvollziehbar vorhanden aber nach wissenschaftlichem Regelwerk eigentlich nicht da weil unbeweisbar ist.

Eine Möglichkeit auf einen Raum hinzuweisen wäre ihn mit etwas zu füllen. Um das Volumen eines Behälters zu ermessen, kann man ihn z. Bsp. mit Sand oder Wasser füllen und anschließend die Menge des dafür benutzten Stoffes beurteilen. In dem Fall wird keinesfalls der klare Beweis von Raum geliefert, sondern allenfalls das räumliche Fassungsvermögen eines (hoffentlich) geschlossenen Körpers. Was also erwiesen wird, ist eine Eigenschaft eines Behälters. Dass der von ihm begrenzte Raum ein bestimmtes Maß füllt, ist zwar ein gutes Indiz für Räumlichkeit, aber es ist kein Beweis für Raum. Eine weitere Möglichkeit das Volumen eines Körpers zu bestimmen ist dessen Wasserverdrängung zu bestimmen. Aber auch hier wird eben lediglich festgestellt wie groß ein Objekt ist. Mit der Feststellung, dass sich das jeweilige Objekt in drei Dimensionen in einer bestimmbaren Größe ausdehnt, erlangt der Wissenschaftler ein weiteres Indiz von umgebendem Raum. Man befasst sich mit den Eigenschaften eines physikalischen Objekts, um auf die Größe des Leerraumes schließen zu können, der eben von der Beschaffenheit des Objekts abhängt. Mit dem Raum selbst befasst man sich dagegen nicht.

Natürlich wird man normalerweise sagen, dass man so etwas wie Raum nicht beweisen müsse, weil er ja klar ersichtlich existiert. Wozu sollte man den Beweis antreten, dass der Stern Sirius in einem Raum steckt und nicht etwa als Abziehbild auf irgendeinen glatten, monströs riesigen, mattschwarzen Kleiderschrank geklebt ist. Jeder kennt die gewirkten Eigenschaften von Raum. Jeder nimmt ihn wahr und niemand seriöses würde vermutlich auf die Idee kommen Raum als etwas Stoffliches zu sehen und gar zu behaupten, dass Raum zugleich Welle und Teilchen sei. Komischerweise gibt es aber genau diesen Glaubenssatz bei etwas, das mit dem Raum verknüpft ist. Dabei handelt es sich nicht etwa um Zeit, sondern um Schwerkraft. Während man das Dasein von Raumzeit einfach so als physikalische Gegebenheit hinnimmt, trennt man Schwerkraft von dieser Einheit ab und behauptet sie entstünde wahrscheinlich durch irgendwelche kleinen Schwermachdingerchen. Dabei ist man sich nicht einmal sicher ob Schwerkraft einen Menschen auf die Erde zieht oder drückt. Das heißt man weiß nicht wo man die vermeintliche Ausgangsquelle ausfindig machen sollte. Man sucht halt so lange, bis man es genauer weiß und geht solange mal davon aus, dass Schwerkraft etwas Teilchenbasiertes ist. Zu allem Überfluss beschäftigt man sich wie wild mit der Frage wie ein Mikroskop aussehen müßte, damit man diese Dingerchen bloß mal endlich so richtig doll ankucken könnte.

Die Suche nach dem Beweis für Raum, Zeit oder Schwerkraft gleicht meiner Meinung nach der Beweissuche für das Nichts. Um zu beweisen, dass ein Loch oder ein Hohlraum in einem Körper existiert, sieht man sich natürlich den Körper an. Man versucht gar nicht erst das Dasein von Nichts zu belegen, sondern anstelle dessen lieber das Fehlen von Etwas. Die Frage was das Nichts eigentlich ist, ist eine zutiefst philosophische Frage. Ein Loch ist z. Bsp. nicht wirklich Nichts. Sonst würde man es ja auch in etwa so bezeichnen. Das Loch wird durch das Vorhandensein von Etwas festgelegt. Ohne das Etwas gäbe es das Loch nicht. Anstelle dessen gäbe es wirklich Nichts. Nur durch die Aufmerksamkeit eines reflektierenden Geistes (Etwas) wird das Nichts aus seiner paradoxen Nichtexistenz herausgehoben und obwohl es dann weiterhin Nichts im Sinne einer stofflichen Greifbarkeit ist, wird es durch das Erkennen eines Geistes zu einem Etwas. Ein reflektierender Geist kann niemals Nichts erkennen. Um Nichts erkennen zu können müsste der Geist aufhören zu sinnieren. Dann wiederum würde er aber nichts mehr als gegeben erkennen (sic!). Ein nicht reflektierender Geist wäre selber Nichts es sei denn er besäße trotz eingestellter Widerspiegelung auch weiterhin ein stillstehendes Bewusstsein für sein eigenes Dasein. Er müsste sich selbst in dem Fall einfach als Da seiend wissen und dürfte keinerlei Zweifel, Wünsche oder sonstige sekundären Einflüsse verfolgen. Ein solcher Geist würde als da seiende Wahrheit ewig innerhalb eines sprichwörtlichen Nirvana stehen. Und solange er sich selbst als Etwas ansähe, wäre er vom Nichts unterschiedlich. So müsste er sich also in diesem Nirvana aufgeben, um mit dem wirklichen, einzig wahren Nichts eins zu werden. Erst wenn er das erreicht hätte, wäre er von seinem Selbst gereinigt und eins mit der Urquelle allen Daseins. Die wiederum kann allerdings natürlich schwerlich Nichts sein. Anstelle dessen ist sie selbstverständlich eher Alles. Und weil wir als Menschen weder begreifen was absolut Nichts oder absolut Alles eigentlich nochmal bedeutet, sagen wir bei der Urquelle allen Daseins eben es sei das Absolute.

Der einzige Geist, der das Nichts wirklich benennen kann ist derjenige, der Alles ausmacht. Nur derjenige, der nichts sieht, das nicht aus seiner Schöpfungskraft entstand, ist der Urheber von Allem einschließlich sich selbst. Damit dieser Ursprung zum Urschöpfer werden konnte, musste er zuerst einmal sich selbst erkennen und beginnen zu wissen, dass er da ist. Daraus folgt, dass die Ursache schon immer da war, aber das schöpferische Selbst oder die Identität seines Daseins erschuf er durch die Entwicklung und Sammlung seiner geistigen Fähigkeit. Damit wurde er zur Allwissenden einzigen Wahrheit und ureinzigen Identität. Aber er konnte wiederum erst zu Gott werden, indem er seine Persönlichkeit aufgab und vollkommen neutral wurde. Seine Persönlichkeit unterschied sich fortan von seiner neutralen Gesamtheit und wurde ein Teil der Welt. Wenn ein Buddhist sagt, dass Gott unpersönlich ist, dann stimmt das nur insoweit wie er Gott von seiner Schöpfung getrennt ansieht. Die Persönlichkeit Gottes steckt in seiner Schöpfung – in uns. Die Persönlichkeit Gottes bildet zugleich sein identisches Dasein. Wenn wir an Gott glauben (oder nur irgendein einzelner völlig unbekannter hyperintelligenter Igelpapagei auf Proxima Zeta Sieben) dann ist Gott automatisch vorhanden. Die Welt ist allerdings nicht Gott, sondern sie ist ein Teil seines Ganzen. Gott ist als Gesamtheit nicht innerhalb dieser Welt. Er ist nur als Abbild aus seinem eigenen Ursprung hier. Wenn also jemand plötzlich ganz aufgeregt auf die Straße gelaufen kommt, mit den Armen nervöse Bewegungen macht und erhobenen Hauptes ruft er habe gerade eben Gott in seinem Badezimmer oder einem ähnlich unwahrscheinlichen Ort gefunden, dann irrt er sich. Obwohl er teilweise recht hat. Einigen wir uns darauf, dass man ihm nichts glauben sollte.

Um das Nichts annähernd zu verstehen kann man es auch anders versuchen. Man muss sich die Frage stellen was man vor sich hätte, wenn man alles in der Welt existierende (also alles was unsere Welt ausmacht und noch ein paar Sachen dazu, die wir noch gar nicht kennen) in einem Punkt ohne jede Dimension konzentrieren würde. Seltsamerweise wird einfach Alles was es gibt (bzw. zu geben scheint) zu Nichts, wenn man es in einem Punkt sammelt. Ich finde das ist eine wertvolle Erkenntnis für jeden, der sich die Taschen voll stopft und am liebsten die Welt besitzen wollte. Denn die Besitztümer dieser Welt neigen schon mal auch ohne die Konzentration von Allem dazu zu Nichts zu werden.

Man kann das Nichts nicht beweisen. Sobald man dies versuchen würde, würde man das vermeintliche Nichts zu Etwas umpolen. So würde man also das Objekt der Untersuchung allein durch seinen eigenen reflektierenden Geist kontaminieren. Der Versuch das Nichts zu beweisen mündet in der Zerstörung der Probe. Wenn man das begreift, dann wird man den Samen zu folgender Erkenntnis in den Händen halten. Es handelt sich um die Erkenntnis, wonach man niemals in der Lage sein wird die Existenz von Gott zu beweisen oder auch nur begründet anzuzweifeln. Aber man wird damit auch gleichzeitig erkennen können, dass es einem Menschen niemals in alle Ewigkeit möglich sein wird, die Welt (vielleicht anhand einer Formel) zu verstehen. Genauer genommen ist das Verstehen eigentlich nicht ausgeschlossen. Wirklich und wahrhaftig ausgeschlossen ist allein der Verstandübergreifende Beweis dessen. Die Welt scheint in ihrer Logik so konstruiert zu sein, dass ein Geist sie nur dadurch vollständig verstehen und nachvollziehen könnte, indem er geistig zu einer Einheit mit allen anderen Geistern und zugleich der Ursache aller geistigen Reflektion wird. Selbstverständlich wird man nur dann die Welt begreifen, wenn man sein geistiges Potential und Wissen so vervollständigt und sammelt, dass man mit der Urquelle allen Daseins eine spirituelle Einheit bildet. Das zu erreichen würde nichts anderes bedeuten, als in die Schule zu gehen und zu lernen wie die Zusammenhänge sind. Aber wiederum um diesen allerletzten Schritt zur Allwissenheit beschreiten zu können, ist eine andere Sache unabdingbar – die Aufgabe des Selbst und damit auch das Motiv die Welt durch das mächtige Wissen beherrschen zu wollen. Man muss allem Sein völlig neutral gegenüber stehen. Wenn man beginnt die Informationen dieser Welt zu sammeln, dann fängt man eine sehr lange Reise an, die damit endet, dass man selbst das Zentrum aller Information ist. Man wandelt sich im allerletzten (oder allerersten) Moment zu einem neutralen Bestand von Allwissen, der nichts mehr lernen muss, und weil er alle Informationen in sich vereint hat auch keinerlei Unterschiede mehr wahrnimmt. Denn Informationen entstehen immer nur aus Unterschieden in Wertigkeiten oder aus polaren Ungleichgewichten. Das Zentrum oder die Ursache von Information ist ein neutrales Gut ohne jede Polarität oder Zustandsänderung. Genau deswegen ist es nicht erst jetzt dabei zu wachsen und zu werden, denn Wissen, Wahrheit und Information ist ja scheinbar vorhanden. Damit muss auch gleichzeitg dessen Urquelle existieren und sie muss außerdem schon vorhanden gewesen sein, als alles andere noch darüber im Zweifel lag, ob es überhaupt selbst da war oder jemals da sein würde.

So materiell substanzlos wie eine Information ist, so ist auch das Nichts, die Urquelle, das Raumzeitkontinuum (also die Wirklichkeit schlechthin) substanzlos. Was ein Mensch mit seinen Sinnen als wahr nimmt, ist der rostige Abklatsch eines konkreten, willentlich geäußerten Gedankens. Wenn man wissenschaftlich die Materie als Grundlage der Realität untersucht, dann ist das ungefähr so, als wenn man in den versteinerten Fußspuren eines Steinzeitmenschen nachkucken würde, welche Haarfarbe derjenige sich immer gewünscht hat.

Die Schwerkraft ist ebenso mit dem Raum verknüpft wie die Zeit. Ebenso wenig wie es Raumteilchen oder Zeitteilchen gibt, so wenig gibt es auch Schwerkraftteilchen. Sagen wir mal es muss diese Teilchen überhaupt nicht geben, wenn man begriffen hat, dass die Welt aus mehr besteht, als aus festen Materiebausteinen. Jeder fokussierte Gedanke ist eigentlich eine verdichtete Substanz, allerdings ohne jede konkrete Festigkeit nach materiellen Gesichtspunkten. Gedanken können konkret werden, wenn man sie verdichtet und beispielsweise Reime oder auch einfache Sätze bildet. Ein konkreter Gedanke ist fester und beständiger als jeder Betonklotz. Gedanken lassen sich nicht mit Hammer und Meißel zerbröseln. Sie können nur mit anderen Gedanken gelöst werden. Das vermeintlich substanzlos Spirituelle vor dem die moderne Wissenschaft scheinheilig vorgibt so wenig Respekt und Achtung zu haben, ist härter als jede irdisch "bodenständige" Materie. Was allerdings nicht bedeutet, dass ein Mensch vor dieser substanzlosen Härte kapitulieren muss. Ein Mensch vielleicht schon, aber ein Spirit weiß es besser. Der substanzlose Raum ist unabänderbar für jeden Menschen, aber ein Geist kann ihn dehnen wie es ihm beliebt und in kürzester Zeit den Ort wechseln. Die substanzlose Zeit ist unerbittlich für jeden alternden Menschenkörper, aber im Geist erscheint uns eine Minute mal wie ein Augenblick und mal wie eine Ewigkeit. Und die substanzlose Schwerkraft lässt sich, obwohl sie für jeden kleinen Menschen das Maß an Bodenständigkeit bestimmt, im Geist problemlos aushebeln und man schwebt geistig stets in der Gefahr abzuheben, wenn man die Materie vernachlässigt.

Es ist unkompliziert die Welt zu verstehen, wenn man seinen Geist entsprechend seiner Natur benutzt. Wenn man ihn nur auf die feste, scheinbar konkrete Wirklichkeit (die Mater Gottes) wendet, dann sieht man nicht das wahrhaft Wirksame. Nämlich den Vater aller Dinge, und das ist in diesem Fall keinesfalls der Krieg, sondern die Selbstlosigkeit und Liebe. Es ist unkompliziert die Welt zu verstehen, aber einfach ist es nicht, wenn einem der Glaube an die Wahrheit fehlt.

»Die Erde stirbt. Sie stirbt durch die Hand des Menschen und das seit langer Zeit. «,
»Nein, die Erde stirbt nicht. Sie verändert sich. Und das einzige was stirbt, mein Sohn, ist die Menschheit nicht die Erde. «

rauf

Nebenbei
man spricht von 'Leichen im Keller' wenn jemandes Vergangenheit unpopuläre Geheimnisse beinhaltet, die gern unter Verschluss behalten werden. Lebensirrtümer und kleingeistige "Phobosophien", die dem Anerkennen von Wahrheit im Weg stehen. Das Konzept dieser Seite, die sich der Blog-Familie zugehörig fühlt aber sich selbst als schwarzes Schaf davon versteht, möchte sich vorwiegend den fragwürdigen Inhalten der sogenannten Moderne und weniger dem Vergangenheitsverdränger widmen.

Im Klartext ... Es geht nicht um Leichen sondern um Wahrheit. Oder genauer um die Wahrheitsfindung aller Art. Wobei nicht mein Anliegen ist die Wahrheit zu okkupieren oder sie für mich zu beanspruchen. Meine Idee beschränkt sich auf einfacher, banaler Mitteilungsliebe und dem vagen und unscharfen Gefühl von Gerechtigkeit und Provokation.

Es kann aber hier und da auch einfach nur um die Freude am Schreiben gehen und im Großen und Ganzen nimmt sich das hier auch nicht allzu wichtig.

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Die Suche nach der Erklärung von Gravitation

Beweise mir, dass du denkst und ich sage dir wo dich irrst

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suasti

Eintrag #0020 - Samstag, 13. Dezember 2008
Beweise mir, dass du denkst und ich sage dir wo du dich irrst

Ist das Gehirn der Sitz des Selbst? Ich las wieder einmal in einer meiner abonnierten Lieblingslektüren und stieß diesen Monat auf einen Artikel, in dem vollmundig davon berichtet wird, dass die buddhistische Spiritualität und die moderne Neurowissenschaft sich neuerdings im Dialog befänden. Und noch vollmundiger wurde versichert, dass beide Seiten sehr, sehr viel voneinander lernen könnten. Unter dem Aspekt wonach heutzutage wohl jeder schnöselige Bürohengst nur dann das Gefühl hat von anderen als tiefsinnig wahrgenommen zu werden, wenn er sich auch irgendwie als Buddhist bezeichnet, und wonach alle diese vermeintlichen Buddhisten dazu noch der irrigen Meinung sind, dass der Buddhismus so schön "Gottlos" sei, überrascht mich nicht, dass eben diese Leute auch der Meinung sein können ein spiritueller Mensch würde nach ihren geistigen Wirrnissen lechzen und von ihnen lernen.

buddhaNicht falsch verstehen … ich denke durchaus der buddhistische Mönch lernt von solchen Freaks. Er lernt, dass alles das was er schon seit Jahrzehnten weiß und für ein uraltes, philosophisches Gedankengut hält, völlig richtig ist. Nicht etwa weil die modernen Wissenschaftler ihn mit ihrem ausgegorenen Fachwissen bestätigen oder gar belehren, sondern weil ihre offensichtliche Ahnungslosigkeit und ursprungsentfremdete Weltsicht immer wieder aussieht, als wenn hundert taube und blinde Hühner immer wieder gegen ein und dieselbe Stallwand rennen. Und er lernt, dass vermeintlich moderne Menschen mit all ihren tollen, silbrig glänzenden Laborapparaturen und wahnsinnig komplizierten Strahlungsreflektionshyperemissionsreminiszatoren eigentlich die naivsten und zuweilen kleingeistigsten Kinder auf Gottes weiter Erde sind. Das alles ist natürlich kein Grund für Feindseligkeit.

Wann wird diese o wie kluge, aufgeklärte, moderne, schöne Welt der quasiunsterblichen Quasigesunden eigentlich irgendwann mal begreifen, dass sie sich immer wieder von Neuem dem gleichen Fehler zum Amüsement vorwirft, wenn sie die komplette Welt materiell verstehen und erklären will? Es ist ja schier nicht zum aushalten, dass das sogar dann zu passieren scheint, wenn den der Welt kredenzten Erkenntnissen tatsächlich mal der Ansatz von geistiger Wachheit entströmt. Da weist das Forschungsgebiet schon einmal auf die Wahrnehmung, das Verstehen und Denken des Selbst hin, und dann werden doch nur immer von neuem die alten käsigen Axiome hervorgekramt, wonach alles Immaterielle, das einen Menschen bzw. eine Person ausmacht, bittesehr nur von Atomen und Molekülen ausgehen könne. Der Höhepunkt dieser Reise in die Umnachtung des Abendlands stellt dann der Satz dar wonach der Geist auf Materie gründe. Ich fühle mich zuweilen wie der verzweifelte Fatter, der vor seinem vierzigjährigen Sohnemännle am Küchentisch hockt und nach dem berühmten Satz »Solange du deine Füße unter meinen Tisch …« die Antwort bekommt was denn der Weihnachtsmann dieses Jahr wohl bringen möge. Denn so unglaublich fantastisch aus der Luft gegriffen naiv oder auch vollkommen daneben, hirnrissig, geisteskrank und ewiggestrig die Vorstellung auch sein mag – es sind nicht die spirituellen Menschen dieser Welt, die an den Weihnachtsmann glauben. Es sind die ewigen Studenten der Mater, die diese Welt ansehen, wie lobotomierte Narren einen flötespielenden Clown aus der Fremde.

Es wird heutzutage komischerweise immer von Revolution geredet, wenn irgendjemand studiertes plötzlich so was witziges sagt wie Denken verändert die materielle Welt (im Fall des hier reflektierten Ur-Artikels war das Hirn gemeint). Die totale Revolte geht hier von einem Begriff aus, der Neuronale Plastizität heißt. Vereinfacht bezeichnet dies die seit je her gegebene Wirklichkeit, wonach das Denken zu einer Neuorganisierung des Gehirns führt. Galt bislang der feste Glaubenssatz wonach das Hirn das Denken verursacht und nicht nur allein bestimmt sondern auch dessen Tiefe diktiert, so muss man heute fast glauben, dass das Denken dazu imstande sein müsste sich mal eben im Handumdrehen ein eigenes Gehirn zu basteln. Wow! Revolutionär. Das wäre ja fast so, als wenn ein studierter Mensch einfach so aus dem Quasinichts ein quasiexistentes Butterbrot mit Johannisbeermarmelade zaubert. Darf man so denken? Ist das vergleichbar? Gut das eine ist ein Gehirn und das andere ein Butterbrot. Aber eigentlich ist es hier doch nur die dämliche Moderne, die sagt das Hirn sei die Ursache meines Selbst und das Butterbrot die Ursache meiner Dioxinvergiftung. Es handelt sich jedoch in beiden Fällen um nichts Geringeres als Materie. Soll ich nun demnächst etwa glauben, dass ein Butterbrot evtl. einen eigenen Glauben hat, den ich respektieren müsse, oder wie? Lasst uns Gesetze machen. Demokratie ist so schön.

Es wird seltsamerweise etwas Revolution genannt, das eigentlich schon nicht einmal mehr als alter Hut gelten darf. Und ich persönlich komme ein weiteres Mal zu dem Schluss, das diese Welt nicht nur zwanghaft von ihrem eigenen Geist entfremdet werden soll, sondern schwubsdiwubs alles glaubt, womit sich hintergründig ein gigantisches Marketing beschäftigt. Da hat sogar der Weihnachtsmann noch eines Tages seine ganz reelle Chance, hoffe ich weniger, fürchte ich aber umso mehr.

Wenn ich mir Spiritualität ansehe, dann gibt es zwei Grundaspekte, die das Bild bestimmen. Entweder ich glaube an den Geist, dann ist Spiritualität für mich vollkommen glaubwürdig. Oder aber ich glaube daran, dass alles Geistige auf irdener Handfestigkeit basiert. Dann allerdings ist Spiritualität nur eine Ausrede. Sie wird mir minderwertig erscheinen. Ich werde sagen, dass ein spiritueller Mensch dumme Dinge glaubt, an die ich niemals glauben könnte, weil ich den Weihnachtsmann noch niemals "in echt" gesehen habe. So werde ich dann aber auch nur scheinheilig behaupten ich könne von einem spirituellen Meister lernen, denn für den wahren Meister werde ich mich selbst halten. Ich werde stillschweigend sagen, dass ich eines Tages meinen spirituellen Meister von seiner Wolke runter rupfe und ihm zeige, dass alles woran er immer geglaubt hat nur eine handvoll flüchtiger Stoffe ist. Ich werde ihn festnageln mit Beweisen, Diagrammen und Auszeichnungen und ich werde hämisch grinsen, wenn er kleinlaut zugibt der größte lebende Lügner aller Zeiten zu sein. Der Sinn meiner Faktenhörigkeit ist die baldige Entlarvung des Aberglaubens und ich freue mich an jedem Tag wenn irgend so ein verrückter gottfürchtiger Eumel vor meinen Fakten erzittert.

Wenn ich mir die Neurowissenschaft ansehe, dann hängt mein Bild ebenfalls von meiner Geistigkeit ab. Entweder ich bin spirituell und glaube an den Geist. Dann wird die Neurowissenschaft von mir immer nur als Bestätigung angesehen werden. Ich werde erkennen, dass der Geist die Materie nicht nur beherrscht, sondern sie sogar verursacht. Ich werde sehen wie das Hirn sich als das entpuppt, was es ist – eine Kommandozentrale. Und ich werde wissen, dass eine herrenlose Kommandozentrale ungefähr so effektiv und sinnvoll arbeitet wie ein verlassener Hühnerstall. Ich würde nie und nimmer anfangen mein Denken, mein Hoffen, mein Glauben, mein Empfinden, mein Selbst auf eine irdische Substanz zurück zu führen. Nicht etwa weil es gefährlich, unheimlich dämonisch oder so demoralisierend und entmystifizierend ist. Nein, sondern weil es schlicht bescheuert ist. Wenn man ein geistiger Mensch oder sogar ein geistiges Wesen ist, dann weiß man nach einiger Zeit der geistigen Reflektion, dass die Ursache aller irdischen Substanz im Geist liegt. Der Zweifel dieser Wahrheit zeigt nicht die Weisheit des Reflektierenden, sondern dessen geistige Tiefe und Affektiertheit. Wird er sich selber vielleicht für den allerallerschlausten Kritiker und Freigeist halten, so weiß der spirituelle Mensch doch nur eines über ihn – er ist auf dem richtigen Weg. Denn wann immer ein wahrhaft spiritueller Mensch einen anderen Menschen trifft, wird er wissen, dass auch dessen Weisheit niemals rückläufig sein kann.

Die wirkliche Revolution wird dann stattfinden, wenn die Gesellschaft wieder ihren Anschluß an das geistige Netzwerk findet. Ich schreibe wieder, denn ich bin mir gewiss, dass die wahre Moderne eine uralte Sache von zeitlosem Bestand ist. Ich habe so große Verachtung für diesen momentan bestimmenden, von sich selbst eingenommenen Zeitgeist, weil ich seine in der Welt gewirkten Resultate jeden Tag sehe. Denn das, was einem Neuronenforscher als erstaunliches Wunder erscheint, ist für meinesgleichen allenfalls ein selbstverständliches Wunder. All die vermeintlichen Vorteile und Segnungen des Fortschritts sind nichts weiter als die klebrigen Netze eines dunklen Schattens, der die Welt gefangen hält und sie aussaugt. Er entgeistert die Menschen, macht sie sich Untertan und gefügig, schwach und lebt durch ihre von ihm selber erzeugten Ängste, Aggressionen und Wirrungen auf. An dem Tag, wo nicht nur ein Einzelner sondern die ganze Gesellschaft ihr geistiges Licht auf diesen Dämonen legt, wird auch eine Revolution aufbranden. Erst dann wird es möglich, dass die Menschheit ein neues Selbstbild erhält. Es wird keineswegs neu sein, weil es etwa noch niemals da war oder von so großer Innovation ausgefüllt ist. Dass es dem einen oder anderen einige neue Aspekte schenken wird, aus denen er in seiner vermeintlichen Modernität doch noch lernen kann, ist allerdings nicht ausgeschlossen.

Ein zweiter Artikel im gleichen Heft versöhnte mich auch dieses Mal mit den Ahnungslosen. Der Text befasste sich mit der Frage wie sich die Welt in Zukunft entwickelt. Es war die Rede von einer zukünftigen Menschheit, die gedanklich zusammenwächst. Es wäre dann normal, dass Kommunikation nicht mehr mit Worten, sondern mental stattfände. Auch für diesen Umstand fand man ein tolles Marketingwort, das dessen eigentlich natürliche Gegebenheit zugleich verschleiert und hervorhebt. Man nennt es Panpsychismus. Man würde Gegenstände allein mit Gedankenkraft herstellen und bewegen – o Wunder. Obwohl auch hier die Notwendigkeit der materiellen Reise am verlöschen der materiellen Sonne festgemacht wurde, bleibt doch der Hoffnungsfunke, dass eines vielleicht nicht allzu fernen Tages die moderne Gesellschaft wieder begreift, dass eine materielle Sonne verlöschen kann, eine spirituelle Sonne jedoch untötbar, unveränderbar, unverrück- oder unveränderbar ist.

rauf

© 4nt|bürger4711 August 2008 - - letzte Änderung: Montag, 30.01.2012