Leichen im Keller

Eintrag #0035 - Samstag, 28. August 2010
Wer braucht schon Augen in der Dunkelheit?

Wir haben wieder einen gefunden. Nun macht das Kommentieren wieder Spaß und endlich kann man wieder seitenweise gehobene Kulturergüsse abliefern und sich als Bewußtsein des neuen Jahrtausends präsentieren. Wir können bös schauen und uns empören, uns zeigen wie wir als wohlerzogene Weltbürger sind. Der Anstoß wird wieder mal von einem Buch geliefert, das panikschürend die Abschaffung Deutschlands thematisiert und dabei so vielen Vorstadtdemokraten aus der Seele spricht. Dunkel war die Zeit und randgefüllt die Krüge des Frusts. Aber nun ist er da, Thilo der Finanzfachmann, Thilo, der Politiker – Thilo, der Retter!

Gerorge Orwell sagte einst, dass Freiheit bedeute das zu sagen, was den Zuhörern unbequem ist. Wahrheit ist beispielsweise so eine Sache, die vielen Menschen in überwiegenden Fällen eher unbequem ist, denke ich. Es sei denn man verpackt sie ein bißchen poppig. Nicht zuletzt aus diesem Grund dürfte das ominöse Dings namens 'Gott' heutzutage auch so wenig Verständnis bei den vielen, vielen sogenannten Rationalisten finden. Irgendwie habe ich immer wieder das Gefühl, dass gerade dann das Gekeif von allen Seiten umso durchdringender und dämlicher ist, wenn man als sogenannt prominenter Redner etwas wichtiges sagen könnte, was dann entsprechend der beschworenen Prominenz theoretisch auch von vielen aufgenommen und goutiert werden könnte. Wenn dagegen Heinz Otto aus dem Zeitungskiosk am Ende der Straße versuchsweise irgendwas Wahres ausspricht, dann nickt man mal still und denkt sich irgendwelche lustigen Flüche für ihn aus. Aber wenn der Sprecher den klangvollen Namen Sarrazin trägt, dann wird nicht genickt, sondern wild geschüttelt und so laut wie nur irgendwie möglich geflucht und gezetert. Und alle sind ganz doll betroffen und fühlen sich plötzlich mit nem nackten Ar*** ins Gesicht gesprungen. Dann werden sofort Stiloasen aus dem Morast der Bedeutungslosigkeit gestampft und bekommen Bezeichnungen wie der 'Neue intellektuelle Rassismus' und komischerweise weiß schon jeder über den Inhalt eines Buches bescheid, obwohl dies bislang allenfalls in Auszügen veröffentlicht wurde. Ich frage mich weshalb eigentlich soviel Gejammer bei Sachen aufgegossen wird, die angeblich nicht wahr sein sollen? Es wird ja gerade so getan, als wenn das freie Mann/Frau auf der Straße recht zu doof sei, um eine Offensichtlichkeit von einer Augenwischerei zu unterscheiden. Von Wahrheit möchte ich erst gar nicht sprechen. Wahrheit hängt bei den posturbanen Neutren ja sowieso die meiste Zeit ein bißchen hinterher. Aber sind sie deswegen wirklich alle so leicht lenk- und beeinflussbar, dass man gleich einen Feuersturm der Entrüstung als Haltegatter für die solcherart Einfältigen ausgeben muss? Anscheined muss man, und dann drängt sich mir wieder einmal die Frage auf, wie weit dieses fürsorgliche "Sendungsbewußtsein" von Seiten unserer politischen Vertreter und sonstiger leitender Angestellter eigentlich noch greift.

Da steht ein Mann in der Öffentlichkeit und behauptet die Integration, das Lieblingsspielzeug des demokratisch liberalen Politikers, würde von denen boykottiert, die eigentlich integriert werden sollen. Sofort stehen bereitwillig laute Politiker oben genannter Färbung unter einem Sturmbanner vereint und reden von schlimmer Meinungsmache. Der oben genannte Mann sagt noch viele andere Dinge dieser Art und ich will wirklich nicht behaupten, dass ich ihm restlos zustimmen wollte. Früher bereits fiel er mit Aussagen auf, die sich Inhaltlich darum drehten, dass Hartz4-Empfänger eigentlich ein bißchen zu gut bezahlt seien. Ihm also zustimmen wollte und will ich nicht, da ich denke, dass der Herr momentan durchaus leicht Tendenzen zeigt, die an stumpf übertriebenen Nationalstolz erinnern. Er ist mir kein sympathischer Mensch, weil er – Vorurteilsdenken hin oder her – ein bißchen wie ein pedantischer Nachbar herüberkommt, der sich über Falschparken und Kinderlärm aufregt. Dennoch laufe ich hin und wieder auf dem staubig, steinigen Erdboden dieses von Blind- und Sturheit gesegneten Planeten herum und kann sehen, wie sich Menschen türkischer Herkunft in Stadtvierteln ansiedeln, in denen es mitunter nicht so hübsch ist, wie beispielsweise in Blankenese. Dazu werden oftmals diverse Betriebe der ausländischen Küche dort eröffnet, wo die Bourgeoisie sich allenfalls hinter gediegen abgedunkelten Scheiben eines Radgefährts aus den bayrischen Motorenwerken oder denen aus Stuttgart erblicken läßt. Sicherlich gibt es viele Dinge, die irgendwie den Verdacht aufkommen lassen, dass die Ungleichheit zwischen diesem Menschen und jenem nicht immer auf ein freundschaftliches oder gar geschwisterliches Miteinander schließen lassen kann. Aber warum auch? Warum muss ich auf Teufel komm raus einen Menschen gut finden, der laut Ausweis dem schönen Lande Usbekistan entsprang? Wischen unsere Landesgrenzen alle schlechten Eigenschaften eines Menschen einfach so hinfort, sobald er einen Fuss auf den Grund diesseits der Linie setzt, die von irgendwelchen vorwitzigen Bürokraten als Landesgrenze erkannt wurde? Kann es eigentlich sein, dass man hierzulande oft besser mit Angelandeten umgeht und ihnen bessere Vorteile zugesteht, als man es obdachlosen Ureinwohnern gegenüber tut?

Stichwort :: Freie Rede ... Da wird über einen Mann hergezogen, weil er sich eine zugegeben halbwertige, vielleicht einseitige aber ganz sicher auch populistische Meinung gönnt. Dabei auch noch eine Meinung, die jederman hören und lesen kann, was ja an sich schon anmaßend ist in einem freien Land wie diesem. Dem Mann wird von der Heiße-Nadel-Fraktion vorgeworfen ein Rassist zu sein, weil er Juden eigene Gene zuschreibt. Meines Erachtens nach ist "der Jude" allerdings überhaupt gar keine Rasse, sondern eine religiöse Gemeinschaft. Dennoch kann ich als Laie mit der Aussage leben, weil ich mir einfach einen weiteren Kontext denke und mir dabei gewiss bin, dass ein Mensch aus dem nahen Osten nicht aussieht wie ein Mann aus Ostfriesland. Dabei weiß ich selbstverständlich, dass ein Jude auch im schönen Ostfriesland groß werden kann. Von Halbwahrheiten ist die Rede, die Herr Sarrazin zur Illustration seiner liebsten Schreckensvisionen nutzt. Mag alles sein. Dennoch frage ich mich weshalb dann so viel Aufhebens darum gemacht wird, wenn es sich doch leicht als niederes Stammtischgegrunze deuten ließe. So heiß und intensiv sind die Fortschritte bei der Integration nun auch wieder nicht gewesen, dass ein einzelner Sarrazine an einem Freitagnachmittag die Abrissbirne spielen könnte. Henryk M. Broder sagt die Hetze auf Sarrazin sei der neueste Fall von Hexenverfolgung seit dem 17. Jahrhundert. Ich erinnere mich allerdings an eine noch recht neuzeitliche Kampagne, die eine gewisse Eva Herman zur Unmutter der Nation kürte. Auch in jenem Fall war das Gezeter und Geplärr der lupenreinen Vorzeigedemokraten größer als der größte jemals entzündete Scheiterhaufen. In unserem freien Land darf man alles sagen und denken, aber es kann vorkommen, dass die Kanzlerin dann bei gedimmten Licht und vorgehaltener Hand orakelt, dass man sicher über diese Sache sprechen würde. Nur um dabei unverhohlen harte Konsequenzen für den Missetäter heraufzubeschwören. Tja, so ist das in einem scheindemokratischen Totalitarismus, wo das Abnorme allenfalls dann in die Arme geschlossen wird, wenn es sich verletzlich und hilfsbedürftig gibt.

Beim Karikaturenstreit ging es um die Wahrung des freien Ausdrucks künstlerischer Stimmen. Doch wenn ein Mann ein böses Buch schreibt, dann kann man diese Freiheit schon mal ein bißchen links liegen lassen. Zu viel Toleranz ist ja auch nicht gut. Ich werde mit großem Spaß versuchen wach zu bleiben und mit größtmöglichem Interesse verfolgen wie sich die heiligen Krieger des freien Gedankens am Darth Sarrazin abmühen. Sicherlich wird Blut fliessen und bald schon wird die Welt des Pop wieder rein sein.

rauf

Nebenbei
man spricht von 'Leichen im Keller' wenn jemandes Vergangenheit unpopuläre Geheimnisse beinhaltet, die gern unter Verschluss behalten werden. Lebensirrtümer und kleingeistige "Phobosophien", die dem Anerkennen von Wahrheit im Weg stehen. Das Konzept dieser Seite, die sich der Blog-Familie zugehörig fühlt aber sich selbst als schwarzes Schaf davon versteht, möchte sich vorwiegend den fragwürdigen Inhalten der sogenannten Moderne und weniger dem Vergangenheitsverdränger widmen.

Im Klartext ... Es geht nicht um Leichen sondern um Wahrheit. Oder genauer um die Wahrheitsfindung aller Art. Wobei nicht mein Anliegen ist die Wahrheit zu okkupieren oder sie für mich zu beanspruchen. Meine Idee beschränkt sich auf einfacher, banaler Mitteilungsliebe und dem vagen und unscharfen Gefühl von Gerechtigkeit und Provokation.

Es kann aber hier und da auch einfach nur um die Freude am Schreiben gehen und im Großen und Ganzen nimmt sich das hier auch nicht allzu wichtig.

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August - (3 Einträge)

Wer braucht schon Augen in der Dunkelheit?

Was tun, wenn der Mann mit dem Fernglas wieder durchs Fenster reinschaut?

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suasti

Eintrag #0034 - Dienstag, 24. August 2010
Was tun, wenn der Mann mit dem Fernglas wieder durchs Fenster reinschaut?

Das elektronische Netzwerk zwischen den Rechenmaschinen dieser Welt ist nicht nur der Satan der Moderne. Nein, es wird uns alle sehr bald fangen und in ein dunkles Gefängnis werfen, wo wir nur mit ausreichend Cash auf dem Useraccount unser täglich Wasser und Brot vom Zentralserver herunterladen können. Denn das sogenannte Internet oder Netz zwischen deinem und dem Computer aller anderen wird dir deine Privatsphäre stehlen und du wirst sein Sklave sein so jetzt und immerdar. Naja, andererseits ... was will man schon erwarten von einem Satan?

Es war einmal ein Internet und als der dumme, rückständige und sehr alte König aus den Disco-Siebzigern sah, dass es seinen Unterdrückten klammheimlich die Freiheit schenkte, ersann er einen furchtbar kühnen Plan. Er schrie von der höchsten Zinne seines höchsten Turmes eine Warnung vor dem Graus des freien Gedankens. Was ihn letztlich umbrachte war einer gewissen Überheblichkeit gepaart mit dem Missverständnis geschuldet, das den König seit je her glauben ließ ein besseres Verständnis vom Leben zu besitzen, als all jene, die tagein, tagaus um selbiges einen existenziell gelagerten Kampf zu führen hatten. Der König lebt im Moment noch, aber ich höre sein Rufen jeden Tag, wenn ich GoogleNews aufrufe. Da steht die Frage ob das Internet unsere Privatssphäre bedrohen würde. Lenkende Staatsbedienstete basteln selbstlos an Gesetzen, die uns unkluge Internet-Benutzer vor allzu großem Pornografieeinfluß schützen sollen. Hellauf erregte Diskussionen ranken sich dieser Tage um ein Webtool, das Häuserfassaden auf Knopfdruck zeigt. Bürgerinitiativen retten gerade die Welt, indem sie sich vehement gegen die fotografischen Veröffentlichungen von Straßenzügen aussprechen. Über Sinn und Unsinn der Ängste und Sorgen kann man Romane schreiben. Sofort denkt jeder an Huxley oder Orwell, weil da irgendsoein doofer Herr Gugel Daten saugt, wie Mutters Milch. Komischerweise zahlt man trotzdem gern mal mit der EC-Karte an der Kasse und wenn man selber noch Geld verdienen kann, nutzt man das Internet ohnehin ohne Rücksicht auf datenspezifische Verlustgeschäfte am eigenen Leib. Ganz zu schweigen von elektronischen Jahrbüchern und den populistischen Zwitschereien auf den Telefonleitungen der Welt. Man hat ja schließlich nichts zu verbergen. Außerdem ist die Länge der Kontaktliste heutzutage gleichbedeutend mit Potenz.

Da ist es mal wieder ... das böse Internet! Ich habe in einer Phase meines Daseins als Benutzer der Datenautobahn eines Tages erkannt, dass die Lenkende Brigade früher oder später erkennen muss, welch Unheil doch in dem ganzen "vernetzt sein und so" steckt. Die Internet-Foren sind nicht nur ein Sündenpfuhl demokratischer Schreib- und Diskussionsergüsse, wo das Wort "Verschwörungstheorie" eigentlich den Titel als das Wort des Jahrhunderts erhalten müsste. Abseits des ganzen Meinungs- und sonstigen Wirrwarrs freiheitskämpfender Bürostuhlgladiatoren kristallisiert sich neuerdings immer wieder ein Merkmal heraus :: das ist die Tatsache der Schnelligkeit, mit der sich Nachrichten verbreiten, die man in den Synchronstimmen der allgemeinen Pressehäuser gar nicht oder nur rundgeschliffen zu lesen bekommt. Ansonsten sind die Nachrichten kaum besser und was die Innovation des ganzen Dramas angeht, muss man eigentlich verschämt auf die Tratschkultur in jedem dörflichen Vorstadtkaff verweisen. Wirklich erstaunlich ist einzig die Neigung der mit endloser Freizeit gesegneten Netuser jede unartige Nachricht mit gepfefferten Kommentaren zu beackern. So als ob das Hämmern auf die Tastatur der Welt den Rhytmus der eigenen, proviniziellen Großmachtfantasien aufzwängen könnte. Ich habe oft das Gefühl so mancher kindliche Verstand glaubt es sei irgendwie notwendig besonders viel zynische Dinge zu schreiben, damit der Große Bruder mal so richtig sein Fett weg kriegt. Man ist ja schließlich wer. Dumm nur, wenn dann die ganze Arbeit unter dem Sturzbach aller anderen verschwindet und man dabei dann auch noch auf Stimmen stößt, die gegenläufige Ansichten vertreten. Ich habe gemerkt :: Je heißer das Thema, desto sinnloser die Debatte.

Einige Internet-Foren nutzen die Zensur schon seit langer Zeit. Dort darf man Dinge, die unerwünscht sind, nicht verbreiten. Und dabei meine ich nicht Dinge, die sich um einen malenden Österreicher drehen. Der Artikel fünf, welcher sagt, dass eine Zensur in der liberalen Parteiendemokratie nicht stattfindet, wird von vielen Foren-Oberhäuptern gern mal vergessen. Die einfachste Form dieses Aussiebens unerwünschter Ansichten führt über die Deklarierung als "Esoterik" oder "Verschwörungstheorie". Ein Grund weshalb die Aufklärung der Rätsel um 9/11 in Stagnationsstarre verfielen, hängt mit diesem klugen Aussieben zusammen. Es ist für den Einzelnen immer gut sich an dem Realitätsmaßstab der Mehrzahl orientieren zu können. Problematisch sehe ich allerdings, dass der von der Mehrzahl als objektiv und rational eingestufte Realitätsmaßstab im großen und ganzen vom Lied der Medien bestimmt wird. Und da gilt selbstverständlich je größer der Einfluß des Mediums, desto größer ist auch der als Wahrheit deklarierte Faktenwulst. Interessant ist in diesem Zusammenhang die genauere Betrachtung der Kanäle, von woher die vielen kleinen Medienhäuser ihre überregionalen Weltnachrichten beziehen. Interessant ist auch, dass zwar eine Zensur verneint wird, Berichterstattung über großformatige Gremien wie Bilderberg allenfalls als dünne Kondensstreifen durch die selbstverliebte Meinungs- und Bildungsküche ziehen. Das letzte, was ich über deren Treffen las war, dass man nach vielen Jahren des Misstrauens heutzutage nur noch große Achtung vor den Leistungen der Versammlung hätte. Na das ist ja ganz fantastisch und so beruhigend ... ne, wirklich. Aber laßt uns lieber wieder über Google schreiben, bevor die Wolke des Sarkasmus uns alle auffrisst.

Es mag sein, dass es in Deutschland eine große Anzahl Leute gibt, die ihre Privatssphäre höher einschätzen, als die Liebe der Schwiegermutter. Kontrollettizwänge sind in diesem Land schon seit je her größer als die Beatles und Jesus zusammen. Es mag auch sein, dass die Fassaden der Häuser keine Sache des privaten Umfelds sein mögen, wie Herr Sascha Lobo, der weltweit anerkannte Experte in Fragen koketten Andersseins, aussagt, als er zu denken gibt, dass so ein GoogleStreetView eigentlich gar nicht so doof ist, wie alle Nichtsversteher denken. Zweifellos ist es auch eine Manie des Durchschnittsdeutschen zu denken er müsse darüber bestimmen wie die Hecken im Nachbarort auszusehen hätten. Und ganz ohne Zweifel gibt es neben den vielen, vielen Contra-Argumenten zu StreetView auch ebenso viele Pro-Argumente, die viel von Chancen, von Fortschritt und sonstigen modernen megamultiplen Vorteilsorgasmen sprechen. Wir dürfen den Anschluß nicht verpassen und müssen die Chancen nutzen. Und die Meinungen fallen unterschiedlich aus, während die Vorteile die Nachteile aufwiegen. Laber Laber Frittenbude! Schönen Dank für so viel Klarheit. Ich denke oft es ist Methode darin versteckt die Massen möglichst lang in ihre kleinbürgerlichen Zwiespalte zu verstricken, um nur lang genug unentdeckt daran arbeiten zu können den eigenen Willen klammheimlich durchzusetzen. Den Willen des Lenkers, der die Massen teilt und dabei stillschweigend hinter sich reibenden Händen die Welt regiert. Aber das ganze ist natürlich differenzierter und muss aus verscheidenen Blickwinkeln betrachtet werden. Und dumm darf man sowieso nicht sein.

Google sagt sinngemäß, dass derjenige, der auf Streetview zu sehen ist, wie er einen Puff verläßt, eben etwas früher hätte überlegen müssen, ob er sowas unartiges macht. In Netzwerkcommunities sagen viele selige Anhänger des Flötenspielers, wie auch die meisten Passanten im Kameraverseuchten Britannien, dass es sie nicht stört wer alles in ihren Daten herum lungert. Man habe ja nichts zu verbergen, da man kein Verbrecher oder sowas in der Art sei. Ich kannte mal einen Typen, der eine Frau hatte, deren Schwägerin mit einem Onkel zusammen im Kindergarten war, der wiederum ein Jude war. Er hatte einen sehr schönen Laden in Berlin und es war 1938. Der gute Mann sagte er freue sich, dass er vorige Woche seinen schicken neuen Laden eröffnet hätte, und er sei sehr zufrieden mit sich und der Welt, da er ja nichts zu verbergen hätte. Seltsamerweise hatte er einige Zeit später sehr viel zu verbergen, obwohl er sich dessen zuvor gar nicht so bewußt geswesen war. Und was mag uns dies lehren? Nämlich das Folgende und man lese es mit wachem Verstand >>> Was man zu verbergen hat, entscheidet nicht der Einzelne für sich. Es wird anstelle dessen recht häufig (und eigentlich immer in recht ausgiebiger Form) vom Schäfer und seinem Hund entschieden.

Und was soll das jetzt heißen??? Ist Google Sauron der böse Schatten und StreetView der eine Ring? Werden wir alle sterben? Ja, ich denke wir werden, aber nicht an StreetView oder Google. Auch wird kaum jemand nächste Woche auf Google das Muster seiner Unterhose wiederfinden. Es gibt andere, subtilere Bedrohungen der allgemeinen Freiheit. Und es ist verkehrt zu denken, dass man als aufgeklärter, moderner Internetuser des 21st Century ganz genau über alle bösen Umtriebe informiert sei. Ebenso falsch ist vermutlich die Überlegung, wonach die gegenwärtige Freiheit des großen Kaptialistenstromes die nächsten fünfhundert Jahre überleben wird. Irgendwie scheinen mir geistige Systeme immer durch ein unsichtbares Gesetz zu Ordnung und Struktur gezwungen zu sein. Und es scheint mir auch, dass die einzelnen Teile solcher Systeme niemals das Gesamte überblicken. Das wiederum würde bedeuten, dass selbst solche Anteile dieses Systems, die von Anzahl oder Einfluss her größer ausfallen, niemals die absolute Herrschaft über das System haben werden (wie sie das selbst einschätzen, mag sich von dieser Überlegung natürlich unterscheiden). Allenfalls wäre da von einer simulierten Herrschaft oder einer Scheinherrschaft zu sprechen. Denn man stelle sich einfach mal vor wie groß die Macht des Herrn Gugel wäre, wenn morgenfrüh die Sonne explodieren würde. Scheinherrschaften können immer auch demaskiert und herunter gestutzt werden. Das alles ist eine Frage der eigenen geistigen Haltung. Zugegeben nimmt auch eine Scheinherrschaft zeitweilig durchaus eine dominante Rolle ein, die das Heranwachsen und Gedeihen anderer Freiheitsgelüste derb beschneiden kann. Aber man muss dabei eben auch immer im Auge behalten, dass ein Leben in Freiheit mehr bedeutet, als die Verwirklichung aller Dinge die "ich will". Vor allem aber bedeutet Frei sein, das innere Gefühl von Freiheit. Dies besitzt sicher keiner, der die meiste Zeit des Tages für die Durchsetzung des eigenen Willens kämpft. Denn ich denke der eigene Wille ist ein Fass ohne Boden.

rauf

Eintrag #0033 - Montag, 16. August 2010
Wenn Du es tust, ... mach es cool!

Die Säue rennen. Ich sehe jede Woche eine neue, die am Fenster vorbei getrieben wird. Und es ist erstaunlich wie viele jauchzende, gröhlende und bedächtig kuckende Aktionisten dabei jede Woche aufs Neue stolz erhobenen und gekonnt trauerblickenden Hauptes hinter den Sauen herrennen. Schade, denke ich mir dabei jedesmal, dass die vielen klugen Aktionisten vor lauter Tränen so gar keinen Blick für die Leute haben, von denen sie sich wiederum hinter die Säue spannen lassen. Aber was red ich ... diese "Leute" gibt's ja gar nicht. Dass man einfach auch mal ein bißchen abgeklärt dasitzen könnte und sich einen Dreck um die Sauen schert, würde vielleicht sogar das Klima retten – aber ganz sicher nicht das der Welt. Denn das, fürchte ich, ist so sicher, geborgen und gut aufgehoben wie die Auswirkungen der Schwerkraft. Das Schicksal der Menschen dagegen so überhaupt nicht, und ich habe manches Mal das Gefühl, dass die meisten sich nicht ganz im Klaren darüber sind, dass man nicht das Klima retten muss, sondern allenfalls die Menschheit. Aber gegen den Pop verstummt ja zwangsläufig jeder.

unototalitarismusEs ist eine zugegeben dunkle Vision, die mir heute aus den Fingern getropft kommt. Vielleicht liegt's einfach daran, dass ich nur ein paranoider, kleiner Internet-User bin, der zu viel schlechte Webseiten gelesen hat. Und im Allgemeinen kann man sicher auch etwas Abfälliges zu irgendwelchen anderen inhaltlichen oder formellen Charakteristika bezüglich all diesem hier abgeben, um sich dann anschließend wieder beruhigt seiner gewichtigen Selbstreferenz zu widmen. Fest steht, dass die Sauen nicht allein durch's Internet galoppieren, dass sie es auch draußen im Hellen tun und, dass sie auch unabhängig von meinem Denken und Handeln über die Straßen des immer näher zueinander gerückten Weltdorfes getrieben werden. Gerade erst hieß die eine Sau noch A/H1N1 und jetzt heißt sie CO2. Und wie ich schon nahelegte sind die beiden hübschen nicht die Ersten und sehr sicher werden es nicht die letzten sein. Es gibt sogar kleinere Ableger wie Komasaufen, was heute auch einmal wieder aufgrund irgendeines zur Wahnsinnigkeit emporgeschnellten Hyperrekords durch den Äther rauschte um möglichst viel Furcht und Entsetzen auszulösen.

Wie schafft man es, dass Menschen freiwillig von Dingen abstand nehmen, die sie gerne tun? Mir gehen dabei solche grundsätzlichen Dinge wie "frei sein" oder "Spaß haben" durch den Kopf. Wie macht Mami es, wenn klein Bubilein nicht so viel naschen soll? Mami sagt, dass Süßigkeiten schlecht für die Zähne sind. Und was macht die freiheitlich-demokratische Welt, wenn sie ihren Bürgern liebgewonnene Ungewohnheiten abspenstig machen will? Sie erfindet Bedrohungen und schafft reale Indizien für deren Vorhandensein. Experten finden sich bekanntermaßen für jeden Pipapo. So kann CO2, das die vergangenen 10.000-20.000 Jahre (und aller Wahrscheinlichkeit auch schon lange davor) sehr förderlich nicht zuletzt für die menschliche Natur war, zu einem riesigen, dunklen Schatten werden, der hinter jeder Ecke lauert und alle ganz doll töten möchte. Das ethische Problem bei diesem Vorgehen unserer lieben, selbsternannten Vormundschaften ist, dass derjenige, der sich von dieser Idee überzeugt sieht, freiwillig jede Freiheit abgibt und so wiederum dem Schatten einen Vorteil verschafft. Denn der freie Normalverbraucher weiß schließlich, dass das Böse niemals gewinnen darf. Leider ist dies ein tief verwurzeltes Bewußtsein! Denn manches Mal wäre es vielleicht ganz gut das Böse gewinnen zu lassen, damit man mal sieht wie böse es wirklich ist.

CO2 oder auch Kohlenstoffdioxid ist in jeder Cola. Dass dieses leckere Gesöff sicher nicht zu größerem Vorteil für die körperliche Erbauung steht, liegt allerdings wohl mehr am Zucker und nicht am daraus perlenden Gas. Über das Gas freut sich derweil jede kleine Pflanze, weil diese Naturelle es üblicherweise für eine sehr schmackhafte Delikatesse halten. Sogar dann (und das ist sicherlich ein Einzelfall in dieser etwas überstrapazierten Beziehungskiste), wenn es anthropogen (also von gewichtiger Menschenhand) erzeugtes Gas ist. Normalerweise sorgen sogenannte Kohlenstoffdioxidsenken (z.Bsp. Wald und Blümchenwiesen) für einen Ausgleich bei der Erzeugung von CO2. Zuviel des Guten ist natürlich niemals gut, denn dann wartet der Zahnarzt. Aber Pflanzen haben weder Zähne noch Zahnarzt. Sie können CO2 aufnehmen wie der Weltmeister im Coca-Cola-Trinken und werden dennoch niemals umfallen. Denn Pflanzen mögen das CO2 nicht, weil es so süß schmeckt, sondern, weil sie es schon gegessen und getrunken haben, als menschliche Spaß-Bedrüfnisse nur ein lautloser Gedanke in irgendeinem weit, weit entlegenen Wahrscheinlichkeits-Vakuum am anderen Ende des Metamultiversums in irgendeinem kleinen Zettelkasten waren. Pflanzen wachsen, wenn man sie mit CO2 bombardiert. Man könnte sogar mit ein bißchen Gehässigkeit im Unterton sagen, dass sie wuchern. Und jetzt stelle ich mir folgende Frage :: Weshalb möchte man die Erzeugung von CO2 einschränken, andererseits aber möglichst wenig Bauland an Kohlenstoffdioxidsenken verlieren?

Bei der Diskussion um die unaufhaltsam drohende Klimakatastrophe ist das behandelte Thema in grobmaschiger Betrachtung nichts anderes als Terraforming. Bei jener utopischen Überlegung geht es in halbwissenschaftlichen Modellen darum zum Beispiel den Mars in eine zweite Erde zu verwandeln. Im Fall der momentanen Versuche von medialer Massenhirnwäsche geht es eben nur darum anstelle des Mars die Erde in eine zweite Erde zu verwandeln. Aber den kleinen Unterschied bemerkt sicher keiner. An dieser Feststellung mache ich für mich persönlich die Seriösität des ganzen Theaters fest. Ich halte es schlicht für eine ins Lächerliche gebogene Selbstüberschätzung das Erdklima (es handelt sich dabei um mehr als nur einen einzigen oder zehn Schmetterlingsflügelschläge) auch nur eine Sekunde lang unter Kontrolle zu bringen, um dann sowas ähnliches wie ein in Folie eingeschweißtes und auf Ewigkeit stabilisiertes menschenliebes Klima zu erzeugen. Die Theorie bei Terraforming hört sich immer ganz einfach und so an, als ob man nur mal ein bißchen hier dreht und dann ein bißchen wartet. Oder aber man erkennt irgendeine Variable als problematisch und beugt sich in die himmlischen Segnungen des menschlichen Intellekts verfangen schwerfällig und gemütlich hinab zur Fernbedienung für den entsprechenden Variablen-Regler. Mit einem Fingerschnipp gehorcht uns die Welt, wollte man meinen. Und dann passieren dummerweise solche Sachen wie in Banda Aceh und plötzlich schüttelt jeder mit dem Kopf und fragt wie das nur sein kann in der modernen Welt. Kurzum :: Ich glaube nicht an menschengemachte Klimakontrolle. Jedenfalls nicht bei gleichzeitigem florieren allen sonstigen Daseins. Woran ich aber durchaus glauben kann ist Machtgier.

Dass man mit Angst Schafe kontrolliert, weiß jeder Schäferhund. Menschen leben in ihrer kleinen Welt aus Affekten und Sensationen und rennen früher oder später jedem Thema hinterher, mit dem sie sich gerade eben mal so zwischen zwei Sinnkrisen identifizieren können. Das ist ja auch alles nicht schlimm, denn das Leben ist sehr bunt und Sinnkrisen sind sehr böse. Aber sprechen wir einfach mal von Totalitarismus. Wir haben aus der Geschichte lernen können, dass Diktaturen ihre Bürger schonmal derbe übers Messer hüpfen lassen. Totalitäre System sind da ganz anders. Da sterben nur die, welche sich nicht den Richtungsweisungen des Massenstromes anschließen mögen. Das tun sie nicht gezwungenermaßen, weil man sie umständlicherweise umbringen muss, sondern ganz einfach weil sie sich selber ausschließen und dann belächelt werden oder (noch schlimmer) allein dastehen, während alle anderen freudestrahlend am Bau der "Neuen Welt" und dem "Neuen Menschen" arbeiten. Andersdenkende sterben im Totalitarismus lediglich medial und sozial. Die, welche nicht unisono beim Einewelt-Blahblah mitziehen, sind eben Ewig Gestrige und müssen die Geißel des Vergessens spüren. Wenn man sie dann doch mal auffasst, dann allenfalls ein bißchen hämisch. Und vielleicht tritt man sie mal ein bißchen und sagt ganz laut Böseböse.

Der Totalitarismus ist eine tolle Gesellschaftsform, weil jeder das Sagen hat, solange er nur das sagt, was alle anderen auch sagen. Äußerlich betrachtet sieht er allerdings aus, wie jeder sonstige Käsekuchen derselben Bäckerei. Er schmeckt bloß hundertprozentig keinem, der dem Käse abgeschworen hat. Um also die gesamte Menschheit unter ein Banner zu führen, ihnen die Freiheit abzunehmen und ihnen allen eine Richtung aufzuzwängen, muss man nichts anderes tun, als ihre Herzen zu gewinnen. Am Ende dieser einspurigen Sackgasse steht ein vollendeter One-World-Konzern, bei dem die Masse nur noch Richtlinien aus der Feder der erlauchten Elite befolgen darf. Welche Probleme sich bei dieser Form von Kultur entwickeln und welche Tiefpunkte die Verfassung einer Gesellschaft dabei davonträgt, steht auf fast jeder Seite der Geschichte vermerkt. Doch was interessiert den kleinen Optimisten des 21st Century die dunkle Historie? Muss man nicht nach vorn schauen, die Chancen nutzen und mutig die Zukunft gestalten? Und gegen wen sind die tränenrührigen Bodenreformer wohl am meisten? Natürlich gegen die bösen Konzerne, die so viel CO2 machen und gegen die bösen Autos, weil sie so viel Geld in die Kassen der CO2-machenden Konzerne bringen. Und gegen die bösen, bösen Glühbirnen, weil sie die bösen Kraftwerke dazu zwingen ganz ganz doll Strom zu erzeugen. Ich frage mich wieviele von den aktionsbewußten Weltverbesserern sich mal wirklich Gedanken über die Konsequenzen von blindgläubiger Schwarmintelligenz gemacht haben. Ich finde es traurig wie diese Alternativlinge den Finger auf die bösen Konzerne, die bösen Atomenergielieferanten, die bösen Diktaturen und die bösen Diktatoren recken um dann wieder selig in ihren Singsang einzustimmen. Blindgläubig? Moment :: Es ist doch schließlich bewiesen, dass der Klimawandel stattfindet und die Industrialisierung die Hauptschuld auf alle gegenwärtigen Menschenhäupter gestreut hat, ne!? Nein, Mr. und Mrs. Greenthumb ... das ist es nicht. Aber es ist ja so einfach alles zu glauben, was in irgendwelchen ökologisch einwandfreien Flugblättern steht. Ackern sie ruhig weiter für ihre Kindeskinder. Sie werden es ihnen sicherlich mal danken, falls sie überhaupt jemals wissen sollten woher sie kommen, oder auf den Gedanken kommen sollten dies zu ergründen.

rauf

© 4nt|bürger4711 August 2008 - - letzte Änderung: Montag, 30.08.2010