Leichen im Keller

Eintrag #0036 - Donnerstag, 12. Mai 2011
War Laden, bin tot

Angenommen er war wirklich für ein Ereignis verantwortlich, das gut und gern 50.000 Personen das Leben hätte kosten können. Angenommen er war niemals als Agent der Agency und ihrer Schwesterunternehmen unterwegs, als er all das plante und mutmaßlich durchführen ließ. Und mal angenommen er ist nun wirklich tot. Darf dann ein Mensch aus den Bezirken freiheitlich demokratischen Denken und Handelns wirklich glücklich über die erfolgreiche Tötung sein?

Das ganze stellt sich wieder einmal dar, wie so ein typisches Hollywoodmärchen. Die Posen, die Gesichter, die Berichterstattung. Aber was auch bei diesem „Abschluss“ des 9/11-Vorfalls der ganz grundlegenden Glaubwürdigkeit an die Fahne pisst ist die Tatsache, dass auch jetzt kein Mann an Ketten dasteht und ein freundliches Gesicht in Den Haag fragen kann, ob er es denn wirklich war mit all den fliegenden Zeugen, den Teppichmessern, dem vielen Kerosin und Hoch- und Flachhäusern. Wo sind die unumstößlichen Beweise für die Tötung des Mannes, wo sind die Beweise für seine leitende Teilnahme am größten Verbrechen des bisherigen Jahrhunderts? Aber was soll’s!? Alle diese Dinge werden niemals mehr Klärung erfahren. Denn Zweifel sind aus guten Gründen groß gewachsen, und sie werden immer bleiben und die Wahrheit stets aufwiegen. Und mit Bedacht auf Beweise leider auch völlig zu Recht. Dennoch gehen wir mal von folgendem aus: Der Dämon aus der Wüste ist tot.

Wirklich schwierig Stellung zu beziehen. Einerseits hat da ein Mann den Tod unzähliger Personen in Kauf genommen, um seine irren Ideale einer entamerikanisierten Welt zu verwirklichen. Eingedampft auf das Wesentliche war sein Lebenswerk keine Sache, die irgendjemand sonst außer ihm und seinem Gefolge ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Es waren niemals liebens- oder lebenswerte Visionen einer großen Zukunft oder utopische Welten voller glücklicher Menschen, die seinem Tun erwuchsen. Er hat sich bequemt mit dem niedersten Treiben eines Menschen zufrieden zu sein. Konsequenterweise musste so sein Leben nach dem Angriff auf die freie Welt auch wie ein freiwilliger Gang ins Gefängnis aussehen. Wann immer dieser Mann jemals ein hehres Ziel gehabt hat, gab er es auf, als er es über die Köpfe anderer Menschen hinweg etablieren wollte. Das sagte man auch einst über Bush, als er vorgab den Irak demokratisieren zu wollen. Wieso es bei heilvollen Bestrebungen dieser Art immer wieder zu dampfenden Haufen kommt, ist jedem Menschen mit ein bisschen emotionaler Intelligenz klar ersichtlich. Dinge wie Freiheit, Frieden, Glück und Wohlstand lassen sich mit den gewählten Vorgehensweisen ebenso wenig ernten, wie man Äpfel von einem mit dem Vorschlaghammer gepflanzten Apfelbaum ernten kann. Gewalt ist das, was man als den schnellen Weg bezeichnen könnte. Tatsächlich führt dieser Weg nicht grundlos vom Regen in die Traufe. Denn alles, was man so verurteilt, nimmt man in sein Ideal mit und kontaminiert so alles was man an Güte erschaffen wollte. Nämlich allein schon dadurch, dass man selbst Teil davon sein will, obwohl man eigentlich der Quell des Übels ist. Tatsache ist andererseits, dass unsere freie, demokratische und von der eigenen hohen Vernunft eingenommene Welt damit zufrieden ist, dass der eine Mann heute als Wasserleiche Fischfutter spielt und der andere Mann kühle Früchte auf seiner texanischen Veranda nascht. Richtig ist vielleicht weder die Darstellung des einen noch des anderen Schicksals. Aber es ist eben Tatsache, dass dies allgemein, also mehrheitlich akzeptiert wird.

Es ist wirklich ein Highlight, wenn Frau Bundeskanzlerin richtig glücklich und total froh ist, dass ein Mensch jetzt endlich mal so richtig doll tot gemacht wurde. Aber damit hat sie schließlich auch nur stellvertretend für alle Menschen gesprochen, die gedacht haben, dass der Tod eines Mannes den Endsieg bedeuten würde. Der Vergeltung ist genüge getan. Und ich bin fast ein klitzekleines bisschen erstaunt, wenn ich mir vorstelle, dass alle diese rund 2.970 ermordeten Bekannten und Verwandten anderer Leute mit nur einem kleinen Kopfschuss bezahlt sind. Aber so sei es eben. Ich bin mir stets sicher gewesen :: die Gerechtigkeit in diesen Dingen höherer Ordnung erschafft kein Mensch dieser Welt. Aber es muss erlaubt sein zu träumen. Es wäre ein Zeichen großer Vernunft und Abgeklärtheit, ja Erwachsenheit gewesen, wenn man den dunklen Mann aus Abottabad trotz aller seiner zahlreichen bösen, bösen Verfehlungen so behandelt hätte, wie man es seinerseits gegenüber allen anderen Menschen erwartet hätte. Damit meine ich nicht, dass man ihm als erstes ein üppiges Frühstück mit warmen Eiern und Honig aus Kanada ans Bettchen hätte reichen sollen. Ich meine, man hätte mit dem Aufgriff dieser Person die Möglichkeit zur endgültigen Lüftung aller Schemen von Fragwürdigkeit und Zweifel von den westlichen Landen waschen können. Die Glaubwürdigkeit, Ehrbarkeit und das gute Verständnis göttlicher Vorgaben von Ethik wären erwiesene Sache in den Augen aller Feinde dieser Ideale gewesen. Es wäre im Geschichtsbuch der Zukunft ein Zeichen erhabener Größe gewesen, wenn man diesen Menschen im Bewusstsein aller Zeitgenossen des Erdenrunds lebendig und gesund auf das reduziert hätte, was er aus freien Stücken bereits war. Und unabhängig von seiner baldigen, tiefen Raison und Buße oder eben dem gegenteiligen Verzicht auf all dies, wäre dem Staatengebilde der freien Menschen ein Zeichen reinen Gewissens und großem Gerechtigkeitssinn verliehen gewesen, das kein noch so brutaler Terrorist je hätte ablösen können. Es ist nur leider so, dass unserer westlichen Welt dieses Zeichen ebenso wenig zusteht wie wir es unseren geliebten Feinden zugestehen.

Als Mitglied eben dieser westlichen Welt bin ich so auch konsequenterweise für die Tötung eines oder vieler Menschen durch die Hand meines legitimierten Verwaltungsapparats, wenn meine Freiheit oder auch nur mein Gerechtigkeitssinn in Schieflage gerät. Ich finde es toll, dass ich nun endlich weiterhin alle Annehmlichkeiten meines Wohlstands erleben, Luxus erlangen und nutzen kann wann immer mein Bestreben dazu ausreichend ist. Tod allen Feinden dieser heiligen Welt der allwissenden, barmherzigen Elite! Tod allen Menschenfeinden und Feinden von Gerechtigkeit und Freiheit. Tod! Tod! Tod! Das war Zynismus.

Wie gesagt es ist schwer sich festzulegen. Denn ich bin weder besonders links noch besonders Konserve. Ich habe Abneigungen gegen beide Lager und zudem auch oft gegen die durchschnittliche Quersumme. Vor allem aber habe ich etwas gegen die einfache Formel links sein, also links entscheiden. Der Mensch sehnt sich nach einfachen Formeln, nach einfachen Lösungen, nach schnellen und eindeutigen Entscheidungen. Eigene Standpunkte zu suchen oder gar zu vertreten ist uns allen meistens viel zu anstrengend, denn uns interessiert mehr was in der Bundesliga, GSDSPHXY² oder Marienhof passiert. So wird das Schicksal eines Menschen schnell mal eine Sache von Opportunismus und Mehrheiten. Oder aber es wird eine Sache von Aktionismus, wenn Zuhören und Abwägen zu lange dauern. In solchen Fällen gelten Formeln wie „Böse = Vergeltung machen“ oder „Sehr Böse = Tot machen“. Das Mann/Frau auf der Straße hat ja keine Arbeit damit und Zeit schon mal gar nicht. Wieso also lange fackeln? Das was die bösen Verbrecher nämlich gar nicht ahnen ist, dass man sogar dann zum Opfer ihrer Schande wird, wenn man mal nur in der Frühstückspause in der bunten Bilderzeitung davon die besonders dicke Überschrift liest. Also darf auch ein solcherart Betroffener traurig sein und muss Blut fordern. Denn alles andere ist links, weich und irgendwie doof.

Wie fortschrittlich, gesund oder weise und erfahren eine Zivilisation und damit ihr Abstand zu den zotteligen Typen am Lagerfeuer ist, zeigt sich immer wieder dann, wenn die Frage nach Gerechtigkeit zu stellen ist. Auch ist das praktizierte Gerechtigkeitsempfinden Zeichen des Geistes, der einer Zivilisation inne wohnt. Zugegeben ist ein Symbol wie der Terrorfürst schwer als Mensch aufzunehmen. Ebenso schwer fällt es Menschen den alten Schicklgruber-Spross aus dem schönen Donauländle nicht als Monster, sondern als einfachen Menschen zu sehen. Es darf eben nicht sein, dass einer von uns so böse Dinge tut. Doch uns selbst mal auf die Finger geschaut ist keiner von uns je besser. Unsere Bosheiten treten nur nicht so viel zu Tage, da es an Mitteln und Möglichkeiten oder der einfachen Dummheit fehlt. Nicht umsonst sagt ein weiser Spruch :: Willst du einen Menschen kennen, dann gebe ihm Macht. Und ich frage mich wie viele wirklich abgedrückt hätten, wenn sie Osama Bin Laden gegenüber gestanden hätten. Ich denke alle Bosheiten wachsen immer aus kleinen Ungerechtigkeiten und beginnen irgendwann wie ein Krebs zu wuchern. Wie gerecht kann ein Mensch vor dem Auge der höchsten Prinzipien der Ordnung schon sein, wenn er erfahrenes Unrecht eines Anderen mit Strafe und Tod vergilt? Ich denke ein Mensch kann kein Recht schaffen, aber wir alle büßen immer für das, was einer der Unseren an Bösem tut. Auch wenn unsere Empfindung von Recht vielleicht alle tatsächlichen Ungleichgewichte ignoriert. Jeder Schrei nach Vergeltung ist Egoismus in Reinform. Und wenn dieser Egoismus nicht dem eigenen Ich dient, dann doch denen, den man sich zugehörig fühlt. Nichts gleicht die Taten eines Bin Laden oder eines Hitler jemals wieder aus. Und vom Menschen gemachte Gerechtigkeit fehlt es nicht nur an Ausgleichungspotenzial, sondern es verschlimmert regelmäßig alle Schlechtigkeit. Das zufriedene Grinsen oder die offene Freude über den mutmaßlich verdienten Tod eines anderen kann niemals über diese Tatsache hinwegtäuschen. Ganz im Gegenteil ist es ein Trauerspiel und ein Zeichen von niederem Stand.

rauf

Nebenbei
man spricht von 'Leichen im Keller' wenn jemandes Vergangenheit unpopuläre Geheimnisse beinhaltet, die gern unter Verschluss behalten werden. Lebensirrtümer und kleingeistige "Phobosophien", die dem Anerkennen von Wahrheit im Weg stehen. Das Konzept dieser Seite, die sich der Blog-Familie zugehörig fühlt aber sich selbst als schwarzes Schaf davon versteht, möchte sich vorwiegend den fragwürdigen Inhalten der sogenannten Moderne und weniger dem Vergangenheitsverdränger widmen.

Im Klartext ... Es geht nicht um Leichen sondern um Wahrheit. Oder genauer um die Wahrheitsfindung aller Art. Wobei nicht mein Anliegen ist die Wahrheit zu okkupieren oder sie für mich zu beanspruchen. Meine Idee beschränkt sich auf einfacher, banaler Mitteilungsliebe und dem vagen und unscharfen Gefühl von Gerechtigkeit und Provokation.

Es kann aber hier und da auch einfach nur um die Freude am Schreiben gehen und im Großen und Ganzen nimmt sich das hier auch nicht allzu wichtig.

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Eintrag #0035 - Sonntag, 1. Mai 2011
An der nächsten Kreuzung bitte wenden

Eine Million klingt heutzutage irgendwie wenig, wenn man daran denkt mit welchen Beträgen heute üblicherweise gearbeitet wird. Da ist die Rede von Milliarden und Billionen, denn man ist seriös und um die Sache besorgt. Konkurrenzfähigkeit, Fortschritt und die unbedingte Nutzung aller sich bietenden Chancen setzen eben auch die Abkehr von kleinen Beträgen voraus. Denn Zukunft und Demokratie sind kostspielige Dinge. Aber was wird geschehen, wenn sich das eine wie auch das andere immer mehr Gesellschaften unseres geliebten Theaters der Nationen nicht mehr leisten können?

Dieser Tage war in der größeren Nachbarschaft ein weiteres Mal die Freiheitsbewegung der ultrakompetenten Philanthropen zur Stärkung des Nationalsozialen Beugeapparats auf den Straßen der Stadt unterwegs. Von Natur aus und ein wenig dem momentanen Zeitgeist geschuldet belief sich diese Gruppierung gestern auf eine Pleitebande von nicht ganz 190 Personen mit großer Lust und großer Wut im Bauch. Was sie zu erzählen hatte weiß ich nur aus denkbaren Reminiszenzen an das zwölf Jahre währende Tausendjährigen Reich der 1930er Jahre. Alles in allem sicherlich keine sehr erbaulichen Dinge aber vor allem Dinge, die ich aus Gründen des gesunden Verstandes weder nachvollziehen noch nachdenken, geschweige denn nachfühlen möchte. Ihnen und ihrem glamourösen Ideal von Reinheit und Ordnung stand ein auf 4.000 Personen geschätzter Mob ahnungsloser Nichtsversteher gegenüber, die all die guten Dinge aus der guten alten Zeit nicht wissen wollten. Und zwischen den beiden ungleichen Parteien versuchte eine Handvoll von 3.000 (in Worten drei tausend) Polizisten ein bisschen Frieden zu stiften. Die ganze Veranstaltung kam ohne Kartenverkäufe aus und befüllte viele Stunden, denen man sich anderweitig nur gähnend und von Alltäglichkeit erdrückt hätte stellen können. Dank sei somit jenen Aktivisten ausgesprochen, die diesen Spaß erst möglich und, wie einige sagen werden, nötig gemacht haben. Da Polizisten aber leider selten Ehrenämter übernehmen und gerade bei Einsätzen dieser Sorte gern mal Zuschlag verlangen, musste zur Finanzierung aller Attraktionen kurz mal der gemeine Bürger mit fast anderthalb Millionen Euro in die Bresche springen. Hätte er sich geweigert, wäre alles längst nicht so schön geworden. Aber weigern kann er sich eh nicht, da es zwar sein Geld aber nicht sein Geldbeutel ist.

Wie geht man mit den Nationalsozialisten richtig um? Lässt man sie links liegen, dann geht man ein riskantes Spiel ein. Dieselbe Haltung hatte schon mal dazu geführt, dass die Ignorierten plötzlich nicht mehr ignorierbar, da Staatsführer und nach wie vor menschenverachtend waren. Im Gegensatz dazu führt ein vehementes Eintreten gegen die Interessen dieser braunen Knüppelbande zu Haushaltslöchern. Ganz zu schweigen davon, dass jedes Engagement immer auch Kräfte bündelt, die vielleicht woanders viel besser aufgehoben wären. Ich denke ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Die demokratische Gemeinschaft der Bürger muss einerseits das Auftreten Andersdenkender bzw. verblendeter oder irrender Menschen immer hinnehmen. Eine demokratische Gesellschaftsordnung muss den pluralen Stimmengesang aushalten um nicht zu sagen pflegen. Man kann natürlich behaupten, dass Faschismus keine Meinung sei, da Kinderschändung ja ebenfalls keine Meinungsäußerung sei. Aber ich denke Parolen sind Parolen und haben nichts in einer erwachsenen Auseinandersetzung verloren. Sie gehören auf Veranstalungen wie die vom Samstag. Es kann aber schlicht nicht angehen, dass man Personen (nennen wir sie einfach mal Thilo, oder so) aus einer Partei (nennen wir sie einfach mal SPD, oder so) ausschließen möchte, weil sie ein Buch voller dummer Formulierungen publiziert. Hier beginnt für mich ganz klar bereits die Beschneidung freier Meinungsäußerung. Dass andere Personen die Partei verlassen, weil die geschmähte Person schließlich doch nicht des Klubs verwiesen werden konnte, ist ein Armutszeugnis des jeweiligen Geistes. Basiert doch diese Reaktion augenscheinlich allein auf Trotz. Das schlimme an diesem ganzen Aus- und Abgrenzungsbedarf ist die Spaltung dessen, was eigentlich das höchste Gut der freiheitlich demokratischen Spielwiese sein sollte – Pluralismus und die daraus geborene Freiheit des Einzelnen. Die Spaltung und Verurteilung Andersdenkender mündet meiner Ansicht nach nicht in einer Besserung der allgemeinen Zustände. Aber wie so häufig besteht im Konsens der Bemühungen allein der kurzfristige Effekt und nicht die große Ordnung der Dinge. Dem anderen bloß nicht das Braune unter den Fingernägeln gönnen. Hinzu kommt der geradezu pathologische Ansatz dem Deutschen einbrennen zu müssen, dass er zu zwei Dritteln immer auch Nazi ist und erst das Gegenteil beweisen müsse. Dieses Spiel beherrscht ja sogar der Deutsche Bürger in geradezu schizophrener Perfektion.

Das Ideal des von fremdem Gesindel befreiten Gartens ist meines Erachtens nach nur noch zweitrangig im Denken der Rechten. Es mag die Keimzelle all solchen Handelns sein. Aber vor allem vereinigt dieser Block die Lust jungenhafter Männer und geschmähter Mannweiber zum Krawall gegen die als butterweich wahrgenommenen Strukturen des angehenden Weltstaats. Dessen Glaubwürdigkeit ist allerdings auch nicht unbedingt berauschend genug, um den Frust dieser im Grunde kleinbürgerlichen Verbände zu neutralisieren. Jeden Tag wirbt das weltpolitische Gebilde in West und Ost mit der Leichtigkeit des Täuschens und Gewinnens. Hinzu kommen Restriktionen, wie das Verbot von Glühlampen zugunsten krebserregender Energiesparlampen oder der erzwungene Vertrieb eines Fahrzeugkraftstoffes, dessen Herstellung nicht nur Ackerflächen unsinnigerweise von Brotkästen zu wenig nahrhaften Ölpfützen umfunktioniert. Und dies dann meistens auch noch unter dem Vorwand ökologischeren Prinzipien folgen zu wollen, denen aber genau genommen großflächig in den Ar**h getreten wird. Dies sind Entscheidungen, die niemals wirklich nachvollziehbar und dennoch an der Stimme des kleinen Mannes vorbeigeknüppelt werden. Offenbar sehr oft zugunsten von völlig verarmten Interessenverbänden. Die Verständnislosigkeit und Aggression des Volks wächst mit dem Spalt, der sich zwischen den Standeswelten der so genannten Demokratie auftut. Es sind niemals die Theorien der Staatsmodelle gewesen, welche in der Praxis zerbrachen. Was die Staatsmodelle immer wieder zersetzt, ist allein die Lust am finanziellen und machtspezifischen Aufleben einzelner darwinistisch geprägter Führerlinge. Die jetzige moderne Demokratie des Westens mag sich da vielleicht besonders lange halten, weil hier und heute Public Relations den gestriegelten Lenkern einen unbezahlbaren Dienst erweisen.

Welche Macht haben ermächtigte, politische Vertreter wenn sie offene Schlechtigkeit und Bosheit gegen das Leben von Menschen mit schaumigen Floskeln wie „aufs schärfste verurteilt“ bedenken? Weltweite Forderungen nach der Freiheit des chinesischen Künstlers Ai Weiwei lässt die politische Führung des Drachenlandes dank enormer finanzieller und wirtschaftlicher Geflechte an sich abperlen, wie Stuhl an einem glatten Porzellanbecken. Auch können aggressive Staatsmänner in Syrien und Libyen oder anderen solcher Länder offen alle Schandtaten begehen und müssen bei gutem Stand nicht einmal mit dem Widerstand des eigenen Volks rechnen. Ihre Lehrer tragen dabei bezeichnenderweise Namen wie Bush. Kann man ernsthaft verlangen, dass einige Bürger ihre Benachteiligung im Denken, Wahrnehmen und Weitertragen weltpolitischer Zustände als Fehleinschätzung akzeptieren? Es wird immer so sein, dass sich einzelne vom Glück der Gruppe ausgeschlossen fühlen. Aber lässt man solche Menschen dann stehen, geht weiter und nennt sich dabei vernunftbegabt und klug? Ich denke wenn man wirklich den Nährboden aller aggressiven Reformer nachhaltig in den Mutterboden des freien, lebendigen Staates integrieren wollte, muss man weniger auf Kompromiss setzen. Der ist mit der menschenverachtenden Haltung rechter Polemiker unmöglich und muss es auch unbedingt sein. Allerdings ist dieselbe Herangehensweise auch mit verschiedenen Idealen der Linken oder der kapitalistischen Mitte notwendig, wenn man den langfristig angelegten, gesunden Staat sucht. Viele glauben gar nicht an solch ein Gebilde. Doch ich denke, dass dies nicht an der fehlenden Machbarkeit und viel mehr am Willen und der Vorstellungskraft liegt. Wenn die Zivilisation der erste Schritt zum Heranwachsen als gesunde, erwachsene Gesellschaft und Demokratie deren konsequente Verfeinerung sein sollte, dann wird die Rückbesinnung jedes einzelnen Bürgers auf wahre Lebenswerte der weitere Weg sein. Denn eine Stagnation im Verstehen aller weltdemokratischen Vorgänge wird diesen Geist zum dürren Gestell werden lassen, das jeder Sturm hinwegfegen kann. Die Stabilität wird nur dann gefestigt, wenn jeder einzelne Teilnehmer des Staats für sich im Innern den Wert und Sinn von Freiheit erkennt. Wert und Sinn dessen lassen sich allerdings nicht lehren. Ganz im Gegensatz zu Idealen und Vorbildern. Staatsführer im Stil eines italienischen Hurenbocks oder auch nur ewig stille Wässerchen, die alles Aussitzen, gehören sicher nicht in dieses Schema. Aber es geht auch weniger um 'die da oben', denn den direkten Einfluss auf den anderen hat immer der Verursacher des Spiegelbilds dieses Lesers.

Mein Empfinden sagt mir, dass die Weltgemeinschaft jede Reife auf dem Weg zum gesunden Staat versagt. Es mag einige wenige geben, die wirklich begreifen, welche Dinge im Leben entscheiden. Doch ihre Anzahl schätze ich auf so geringer Stufe ein, dass all ihr Erkennen niemals die Tragfähigkeit von nahezu sieben Milliarden Menschen ausweisen könnte. Kein von menschlicher Seite bemühtes Vermögen wird je zur Besserung und Linderung aller Spalten und Sprünge ausreichen. Aber da ich an ein natürliches Prinzip von Ordnung, Ausgleich und Gerechtigkeit glaube, weiß ich, dass die (völlig kompromisslose) Weisung des in sich zerrütteten kollektivs Menschheit nicht immer ausbleiben wird. Dabei ist es vollkommen nebensächlich welche Richtung von menschlicher Seite vorgegeben werden mag. Ich resigniere vor allen menschlichen Bemühungen zu Verbesserung der Welt, weil ich Macht, Güte, Idee und alle Zwecke der Instanz aus dem Blickwinkel des Arbeiters einschätzen kann. Wer allerdings glaubt ich sähe schwarz, verkennt meine wahre Natur. Wohl zurecht.

rauf

© 4nt|bürger4711 August 2008 - - letzte Änderung: Donnerstag, 12.05.2011