May 2026
14 May, 2026
0057 - Auf dem Höhepunkt wird's Lüftli dünn
Ein Gedanke zu folgendem Szenario :: Was wäre, wenn die Menschheit ihren technologischen Entwicklungs-Peak irgendwann vor dreißig oder fünfzig Jahren bereits erreicht hatte? Und alles, was seitdem an sogenannten Neuerungen auf die Weltmärkte kam, ist nichts weiter, als der Verfeinerung von Erkenntnissen zu verdanken, die aber im Grundsatz bereits ein "Alter Hut" sind. Mit den (sprichwörtlichen) Augen einer (natürlich nur hypothetischen) Spezies angeschaut, die vielleicht zehn- oder fünfhunderttausend Jahre mehr Zeit hatte sich emotional, intellektuell und auf Gebieten der alltäglichen Kunstfertigkeit zu entwickeln. Kann es sowas wie ein erreichbares Maximum für eine Spezies geben?

Ich dachte über Relativtät, Distanzen, Licht und diese Dinge nach, als es um den Begriff 'Gleichzeitigkeit' ging. Irgendeins dieser dusseligen Videos auf der Plattform der Stunde missverstand ich und stellte mir fortan die Frage, ob für Licht so etwas wie Distanz oder Zeit eigentlich wirklich existiert. Auch, wenn für mich als Beobachter klar (und auch wissenschaftlich nützlich) ein mitunter gewaltiger Unterschied zwischen der Emission eines Lichtimpulses und seines Eintreffens in meinem Teleskop besteht. Das muss meines Erachtens nach nicht auf gleiche Weise für diesen Lichtstrahl gelten. Relativität und so. Was wäre die Konsequenz, wenn man behauptete der Lichtimpuls ist aus seiner ganz eigenen Perspektive heraus zu gleicher Zeit sowohl am Emittenten, als auch am Rezeptor? Natürlich wird jeder gebildete Partizipant eines solchen Strahls sofort mit den Füssen scharren und Lichtjahre erwähnen, die dieser Strahl brauchte um sichtbar zu werden. Denn für die allermeisten gebildeten postmodernen Partizipanten dieses Universums gelten Distanzen, Subjektivierung und Verortung als hohes Maß.
In besagtem Video beziehungsweise in dessen 'major take' war gesagt worden, dass Licht keine Zeit benötige, um Distanzen zu überwinden. Oder sagen wir mal das war, was ich als wichtigste Überschrift verstanden hatte. Dies als Ausgangspunkt fand ich irgendwie reizend. Licht brückt keine Distanzen und benötigt keine kausale Logik. Licht ist, wenn man mal kurz überlegt, in jedem denkbaren Quadratbereich des viel beschworenen Kosmos. Auch wenn viele postmoderne Beobachter dieser Tage das Gefühl haben die Schatten überwögen so manchen Kulissenaufbau im Weltgeschehen. Dabei wird natürlich chauvinistisch mit den einem Menschen verfügbaren Rezeptoren partzipiert, was an Einseitigkeiten vorzukommen scheint. Und zwar was das Zeug hält. Aber Licht ist bei menschlichen Rezeptoren (und ihren biologischen Eignern) in der Regel auf einen Bereich des Spektrums gefasst, der sich im optimalen Fall auf einer schulwissenschaftlichen Einheits-Skala irgendwo zwischen 360 und 830 nm (Nanometer) auslebt. Das gesamte elektromagnetische Spektrum als Basis für eine Einordnung dieser sagenhaften Farb- und Helligkeitsfülle gegenüber gestellt, sprechen wir von einem 0,0035%igen Anteil partizipierbaren Lichtspektrums, der auf die hohe Meinung eines postmodernen Rezeptor-Eigners entfiele. So viel zum Gewicht der speziesischen Meinung.
Wenn in einem dunklen Zimmer eine kleine Kerze irrlichtert und man hält in cirka vier Metern Entfernung sein gewichtiges Menschenhändchen in das tiefrote Licht des Kerzleins, dann mag das vielleicht aussehen, als wenn Licht in einem dunklen Zimmer nicht viel her macht. Schaut man mal ins große, weite und sehr dunkel aussehende Universum, dann freut sich der postmoderne Beobachter dieser Schwärze über jeden blauen Punkt. Aber die meisten Punkte (und Quadrate) in diesem Universum wären gar nichts ohne das allgegenwärtige Licht. Man wird einwenden die Dunkelheit dominiere doch all das weite Feld der Leere. Tatsächlich aber ist es nicht die Dunkelheit, die das All füllt, sondern dunkel sieht das alles nur deswegen aus, weil das allgegenwärtige Licht nicht ständig auf irgendwelche reflektierenden Quadrate fällt. Denn das, was immer so viel Schatten macht, ist nicht sehr häufig im Universum gegeben. Licht ist also das 'große Ding' im Universum. Und zu sagen ich bin traurig, nihilistisch, frei von Illusionen und böse auf einfach alles, weil es bei mir so kalt und dunkel ist, klingt für jemand mit ein bisschen Weitblick wie das Problem eines ahnungslosen Käfers. Es ist für jemand, der das große Ganze auch nur kleinteilig oder ansatzweise vermuten oder ahnen kann, die analoge Entsprechung zu einem gelben Fliegenfurz am Wohnzimmerfenster. Klingt komisch, ist aber so.
Menschen wollen in ein paar zukünftigen Jahren viele Wochen damit zubringen irgendwann einmal das All zu besiedeln. Sie träumen von Hyperräumen und potenten Warpgondeln. Und von einwandfrei blitzenden Türmen aus superstabiler Mische, die bis in die Wolken ferner Planeten reichen. Und von Immunsystemen, die jeden kosmischen Keim einfach ignorieren. Einfach weil sie gebildete Menschen und Kronen des Alls sind. Und von unendlich großem Populationsreichtum, denn sie werden dereinst die Energie der Milchstraße für ihre Zwecke nutzen, wie weiland die süßen heimischen, irdischen Wiesen die Kraft der Sonne und des Regens nutzten. Alles das wird passieren, denn Menschen sind dazu vorher bestimmt. Das ist ihre Rolle und ihre Position in der Welt. Sie werden alle Mittel erschließen und alle Hindernisse überwinden. Denn sie sind ... ja, ja lassen wir das.
Das sind übrigens diese Menschen, die 0,0035% für die gesamte sichtbare Realität und Wirklichkeit halten und die sich einfach lieb freuen, wenn's an einem brennenden Häufchen Baum so schön kuschelig warm wird. Einer dieser potenten Menschen möchte gerade in diesem Moment viel Zeit und ein bisschen Girokonto dafür aufwenden auf dem Mond eine autarke Gemeinschaft, eine aus eigenem Dasein erblühende Kolonie von Menschen zu gründen. Den Plan eben dieses Unternehmen auf dem gleich nebenan liegenden Nachbarplaneten (Mars ist es) zu realisieren, musste er aufgrund seines Dispo-Rahmens erstmal absagen. Nun fragt man sich zu allererst wie (und wann) es dereinst möglich sein wird so was profanes wie eine Rolle Toilettenpapier auf dem Mond herzustellen. Oder einen praktischen Schreibstift aus Holz, in dem so eine lustige Stange aus einem gebranntem Gemisch von Graphit und Ton steckt. Ganz zu schweigen von Radiergummis oder Anspitzern.
Auf dem Mond wird es keine signifikanten Erkältungsviren oder solche geben, die einem irgendwas Kleidsames wegfaulen lassen. Dennoch ergibt sich auf dem Gebiet Genetik ein Problem, das im weitesten Sinn mit Brüdern und Schwestern zu tun hat. Und mit Cousinen und diesen Dingen, die alle nur im Dunkeln partizipieren. Wie viele Menschen mit praktischer Veranlagung und guten Intentionen werden benötigt, um etwas mondartiges wie einen Schreibstift herzustellen. Wenn es rundweg vielleicht 10.000 sein sollten, wäre der genetische Flaschenhals schonmal umgangen. Rein nach Gesichtspunkten der Wahrscheinlichkeit. Man weiß ja nie wie sich so eine Gesellschaft mit viel Langeweile verhält. Nur so viel :: genetische Varianz lässt sich nicht mit CRISPR/Cas herstellen. Es ist auch keine Sache von Intelligenzquotienten oder geilen Sprachmodellen, die sagen wo's lang ginge. Und Bleistifte will niemand eine ganze Woche lang essen. Vor allem ohne gute Sauce.
Dann wären da die Energiekosten und das Thema Freiwilligkeit. Es wird einiges kosten eine Bevölkerungszahl von der Größe New Yorks über 350.000 km zu irgend einem von diesen tollen Staubplaneten zu bringen, auf denen man so toll hüpfen kann. Wie lang wird wohl die Schlange der Idioten sein, die sich für ein langfristiges Dasein fern von pflanzlichem Sauerstoff, frischem Süßwasser, und wärmenden Lagerfeuern entschieden? Es sollten auf jeden Fall viele sein und sie alle sollten bereit sein viele, viele harte und schmutzige Arbeiten durchzuführen. Denn das ist, was auf sie warten wird, wenn sie es erstmal geschafft haben sich vor der elktromagnetischen Strahlung zu schützen, die dort unsichtbare Effekte in viele körperlich erfahrbare Symptome wandelt. Wie haben sich damals die ersten Siedler geschlagen, die im 15. Jahrhundert einen neuen Kontinent zu Gott bekehren wollten? Als Randnotiz :: Sie befanden sich auf der Erde, als sie ihre Pioniererfolge in Frage stellten. Die anderen würden sich streng genommen nicht einmal mehr im physikalischen Bezugsrahmen der Erde aufhalten. Aber wir erhalten uns mal das Optimistum, oder wie diese rosarote Sache heißt.
Wenn Sinn und Zweck dieser Kolonisierungsidee allein darin liegen sollte, dass Mistör M.....oneybag als historischer (Mit)Begründer der ersten Mondstadt zu gelten habe, was sicher schon ein gehörig Sümmchen Potenz bedeutete, dann stelle ich dem Weg ohne viel Sinnieren die Diagnose Sackgasse aus. Und zu welchem Zweck sonst sollte diese Schöpfungskrone ihren Planeten verlassen? Wirtschaftswachstum? Prestige? Als Sicherungskopie, falls nochmal so eine furchtbar dumme Sache wie damals in Chixulub passieren sollte? Was könnte man als inhärente, vernünftige, rationelle Begründung aufsagen, die jeder mit ein bisschen Verstand zwischen den Sternen wirklich und aufrichtig als authentisch hinnähme. Wie würde man einen viel weiter entwickelten Stamm einer viel, viel höher entwickelten Spezies darum bitten einen potenten Warpgondel-Antrieb kriegen zu können - bitte, bitte!? Ich weiß es! Man wird zuerst mal das Zimmer aufräumen!!! Und man wird die verdammte Scheiß-Musik leiser drehen, zum Donnerwetter!!!!!
Nein, mal im ersnstl ... äh Ernst. Ich frage mich seit vielen Monaten wie sich meine von vielen, vielen ungesehenen und vorerst nicht bedachten Seiten geduldete Spezies sich in den nächsten mit granitfester und komplexer, nichtmanipulierbarer Sicherheit kommenden Jahrzehnt- und Jahrhunderten machen wird. Ich kann irgendwie nicht 'weiterentwickeln' schreiben. Das mag am Alter liegen. Oder einfach an mathematischen Erfahrungswerten. Aber von Optimismus getrieben würde ich uns nicht mit geilen Raumfahreranzügen auf hyperschnellen Routen zwischen den Welten der ewigen Dunkelheit wähnen. Denn wir verstehen diese Dunkelheit nicht. Und wir verstehen nicht was Licht tut. Wenn ich optimistisch auf die Zukunft dieser Schulklasse sehe, die sich gerade benimmt wie eine wild fi ... fiebrige Meute auf dem Springbreak, dann sehe ich Indianer.
Die Wichtigkeit von Optimismus ist jeder Jugendlichkeit lebendiges Fundament. Allein nur Zuversicht lässt Leute von ihren Matrazen aufstehen und sich mit stumpfsinnigen Arbeiten (die natürlich lebenserfüllend, aber vor allem Girokontobildend sind) abrackern. Arbeiten, die eine seit Jahrzehntausend währende Erfolgsgeschichte, eine autark funktionierende Echo-Blase von zweibeinigen Keimen in einer hauchdünnen Sauerstoffatmosphäre sichern. Steinchen auf Steinchen. Mit dem Blick auf das, was einstmals möglich und wirklich sein wird. Deswegen müssen wir von kosmischen Lebensläufen träumen, von Unsterblichkeit, von Allgegenwärtigkeit, vom immer gleichen Kampf zwischen Gut und Böse und vom alles rettenden Geist, der alles still verwaltet und uns lenkt. Ohne diese ganzen Gedankenspiele und all diese schönen Postkarten aus der Zukunft wären wir nichts. Würde an irgendeinem Tag die Menschheit aufhören an eine gute, harmonische Zukunft voller technischer Höchstleistungen oder konstruktivem Schöpfungsreichtum zu glauben, wäre der Höhepunkt unseres kollektiven Daseins auf dieser Erdkugel Vergangenheit. Alles was dann noch käme, wäre das Hintergrundflimmern von Leuten, die immer noch versuchen Besseres zu erschaffen. Und sie würden langsam immer weniger. Und ihre Errungenschaften wären mehr Fluch als Segen.
Indianer gibt es nicht. Es hat sie nie gegeben. Namen und Bezeichnungen sind Widerspiegelungen aus Geistern, die nicht wissen, was wahr ist. Oder wie Dinge funktionieren. Ein Indianer ist jemand, der von sich selbst sagt, er sei ein Mensch in einer großen Welt der Geister. Er lebt in völliger Harmonie mit Seinesgleichen (wenn er manche auch aus Gründen mit chpitzen Chteinen und dem heiligem Tomahawk bekriegt) und der Welt des großen Geistes. Die Menschen, welche irgendwelche stempelwütigen Schiffskapitäne damals mal als Leute aus dem fernen Indien betitelten, sind ganz sicher nicht frei von Dummheiten oder Freveln an Natur und Mensch. Aber was ich meine, wenn ich die Menschheit als 'Indianer' sehe, dann meine ich Menschen, die einen Verstand für ihre wirkliche Rolle entwickelt haben. Ich weiß nichts über die Leute der ursprünglichen Amerikas, die damals ganz anders hießen. Aber das Bild was ich von ihnen habe, könnte illustrieren, wie Menschen des Jahres 3.000 oder 5.000 oder 30.000 nach gängiger Datumsausrichtung in christlichen Kulturgefilden aussehen. Sie kämpfen nicht gegen außerirdische Bösewichte, sie kennen auch keine außerirdischen Bierkumpels. Die Menschen dieser Zeit haben vielleicht wirklich hoch entwicklete Technologie und sie wohnen in Gebäuden, die wir nur noch entfernt als Höhle oder Haus bezeichnen würden. Ihr Alltag würde für einen Kunden des örtlichen Baumarktes umfassend erbaulich wirken. Da bin ich mir sicher bis ziemlich optimistisch. Oder andersrum. Diese Menschen (wenn es sie denn einstmals wirklich geben sollte, was angesichts vieler Variablen immer unwahrscheinlicher wird) haben sicher kein Girokonto. Aber sie haben etwas, das die Klasse von 2026 sich seit vielen hundert Jahren breitbeinig pissend auf die Fahne schmiert - Vernunft. Man wird nachvollziehbare Dinge denken, man wird rationell handeln, sprechen und trinken. Die jungen Gruppenmitglieder werden vielleicht dumme Dinge denken und irrationale Rationen versaufen. Aber sie werden gute Ideale sehen. Vielleicht einfach nur, weil sie wissen was Licht tut und, dass es auch dann Licht hat, wenn's einem gar nicht auffällt.
Kann natürlich auch echt Zappenduster laufen. Siehe diese großen, schuppigen Federviehgedingse die Chixulub als zu ambitioniert fanden, um einfach weiter zu machen.
December 2025
13 December, 2025
0056 - Schau wer starrt uns von droben an
Gab mal wieder Anlass zu einer Überlegung wie wertvoll die Privatsphäre des Einzelnen*Innen auf dieser schönen, weiten Welt doch ist. Eigentlich gab es im Kontext einer gemütlichen Sonntagnachmittagsunterhaltung das Argument, mehr Kameras bedeuten mehr Sicherheit. Die Position war also je mehr Kameraobjektive auf einem Platz die Leute ankucken, desto weniger 'böse Leute' wären bereit einen 'bösen Griff' zu tun. Und dumm, wie ich (und meinesgleichen) nun mal sind, war meine Gegenposition davon gänzlich überzeugt, dass grundsätzlich kein Kameraobjektiv dieser Welt jemals einen Bankraub verhindert habe. Es ging also unterm Strich betrachtet um die Mär vom bereitwillig freigiebigen Privatmenschen, der unbescholten seines Weges geht und sich zu keiner Sekunde seines Lebens um den Wert seines vielleicht größten Eigentums oder dessen Verlusts schert. Es ist die Ansicht, dass die Bereitwilligkeit seine Freiheit zu opfern zu größtmöglicher Behinderung des Gesindels beim Unfugtreiben führe. Wenn ich also meines Wegs gehe und im öffentlichen Raum von unsichtbarer Macht beim Laufen und Herumschauen gefilmt werde, dann wird der Räuber hinterm nächsten Baum seinen Knüppel im Sack belassen. So einfach ist das!
Nun ist es so, dass ich denke die 'bösen Leute' sind in der Qualität ihrer Motivlage ziemlich variabel. Also mal kurz gesagt wird derjenige, der seinen Knüppel verschämt im Säckchen bleiben lässt, vielleicht traurig und hungrig nach Hause gehen und in sein Kissen flennen. Aber irgendwann wird mich mein Weg vom vermeintlich gesicherten Platz über dunkle Pfade heimwärts führen. Vielleicht wird's auch hier Kameras geben. Aber vielleicht sind sie gerade dann ganz tüchtig kaputt gemacht worden, wenn ich mich o wie sicher fühle und mein schweres Portemonaie und mein schweres Schlüsselkonvolut des Wegs zur o wie sicheren Heimstatt bringe. Was ich also feststellen möchte ist (ein weiteres Mal), dass die Anzahl an gut positionierten, mit ausreichend Strom versorgten und super ausgerichteten Kameras ganz, ganz furchtbar irrelevant ist, wenn es um die persönliche Sicherheit geht. Dass man vielleicht irgendwann nach vier, fünf Jahren halb- oder ganztot geschlagen das zufriedene Grinsen im vernarbten Gesicht hat, weil die 'bösen Leute' durch vorteilhaft platzierte Kameras gerichtlich niedergestreckt in einen duften, deutschen Knast einfahren, wird meinem Teint vermutlich wenig nutzen.
Also was ist mein Problem? Ist es nicht einfach einwandfrei gut, wenn man diese Option zur Eindämmung des Gesindels nutzt? Warum nicht einfach überall und jederzeit Kameras aufstellen und jeden Quadratmillimeter des öffentlichen Raums mit hyperintelligenten, hochauflösenden und durchdringenden Kameras zu ballern. Selbst, wenn es nur ein einzelnes, winzigkleines Verbrecherli verhindert, ist die Investition doch schon bestens gerechtfertigt. Frag die Mutti!
Mein Problem bei diesem täuschend geil wirkenden Ansatz ist folgender :: Ich als Mensch habe das grundsätzliche und verfassungsrechtlich verankerte Anrecht auf Freiheit in Denken und Handeln. So steht es (sinngemäß) geschrieben und es ist mir gerade ganz, ganz furchtbar wumpe wie haarsträubend dusselig irgendjemand diese Artikel mit sensationell zutreffenden, aus dem Leben gegriffenen Beispielen als Unsinn oder 'ausgehebelte Scheinrealität' oder Ähnliches betiteln möchte. Ich mache hier keine juristische Exkursion, denn das darf jeder mal ganz allein zwischen den beiden kommenden Empörungsreflexen versuchen. Fest steht für mich (ganz persönlich) (zugegeben), dass ich in einer Staatform leben möchte, in welcher der Fehler, der Fehltritt, die dumme Entscheidung, die Impulsivität im Handeln, die Vorteilsnahme, das Ausleben individueller Lebensvisionen, ... (und viiieles, vieles mehr) möglich ist. Ich wiederhole :: MÖGLICH IST! Und nun (ich weiß) muss ich selbstverständlich gleich darunter schreiben, dass ich nicht etwa das allgemeine Verbrechertum befürworte oder Kriminalität gutheiße und am liebsten sofort meine zwölf minderjährigen Kinder dem nächsten anonymen Van-Fahrer in die offenen Schiebetüren pfeffere. Das was ich meine, wenn ich sage, dass es MÖGLICH sein soll, bedeutet nicht, dass ich 'dumme Entscheidungen' gutheiße, sondern, dass die Möglichkeit zur Entscheidung zwischen gutem und schlechtem Weg dem einzelnen (mündigen) Menschen gehören sollte. Denn genau das ist der wichtigste und vielleicht wertvollste Besitz, den man mit dem Ansatz 'größerer Sicherheit' verliert :: die eigene Wahl. Das mag vielleicht erstmal nach hohler Phrase klingen, bedeutet aber, dass zuerst die eigene Gewissensfrage von anderen bestimmt wird und im letzten Schritt die Wahl zwischen freiem Leben und dem Leben unter einem Diktat. Es bestimmt die eigene Verfassung.
Nebenbei betont möchte ich auch in einer Staatsform leben, in der Jederman (und Frau hihi!) entscheiden kann unter einem Diktat zu leben. Damit habe ich überhaupt kein Problem, solange nicht meine eigenen Rechte und Pflichten darunter zu leiden haben. Wenn ich stellvertretend für alle fiktiven Idioten behaupte nichts, nein gar-, garnichts zu verbergen zu haben und demzufolge auch stets bereit bin zur Steigerung meiner Sicherheit alle meine Freiheitsattribute in kompletter Summe aufzugeben, dann muss ich dieser Meinungsposition zwei Dinge anmerken. Punkt eins :: Geh sofort ins nächste Rathaus und händige der freundlichen Dame (oder Herrn) am Empfang folgende Gegenstände aus. Die EC-Karte mitsamt leserlich notierter PIN (möglichst direkt auf der Kartenrückseite), den Haustür- und Autoschlüssel, den Perso und alle Passwörter in Klartext, die Zugang zu deinen privaten Emails ermöglichen. Mir fallen mehr Sachen ein, aber ich glaube Unterwäsche klaut man zur Zeit nicht in Massen. Jemand der nichts zu verbergen hat, sollte mit diesem ausgeklügelten Sicherheitskonzept kein Problem haben. Was du nicht besitzt, kann dir auch keiner nehmen. Wenn du (du fiktiver Vollidiot) nun alles abgegeben hast, sollte dein Leben das ausschließlich Werthaltigste sein, das du bei dir trägst. Damit ist die maximale Sicherheit darüber erlangt, dass irgendein Schelm dir all diese Dinge möglicherweise stehlen könnte. Da alles das ja keine Verbergenszwänge beschwört, ist die freundliche Dame (oder Herr) im Rathaus sicher bereit ein Auge drauf zu haben, solange du unterwegs (in der Öffentlichkeit) bist. Vielleicht wird alles sogar kameraüberwacht in einen hellen Raum auf einem schicken IKEA-Tisch gelegt. Dann passiert auch nix. Punkt zwo :: Hoffe so gut und tüchtig, wie es dir möglich erscheint, dass niemand in der Zwischenzeit auf die Idee kommt das Tragen von Hosen unter Höchststrafe zu verbieten, denn sonst bist du geliefert, sofern auch dieses Hobby zu deinen Vorstellungen von Selbstverständlichkeit gehören sollte. Es gab mal Leute, die mussten abweichende Erfahrungen machen und landeten ohne irgend einen persönlichen Verdacht auf niedere Motive hinter Stacheldrahtzäunen. Aber das sind bestimmt nur Märchen.
Die Privatsphäre (ich hörte einst es sei eine rein virtuelle Sphäre ohne konkrete Abmessungen oder europäische DIN-Normen) wird jedem Bürger der freien Welt zugestanden und dient (unter anderem) zur uneingeschränkten, verbrieften Persönlichkeitsentfaltung. Nach meinem ganz eigenen Überlegen sind diese 'uneingeschränkten Rechte' natürlich durch individuelle Gewissenserwägungen auf der einen und juristische Normen auf der anderen Seite gedeckelt. Alles das dient nicht dazu Verbrechen zu verhindern, sondern es erstens als Unrecht festzulegen und zweitens gegebenenfalls als unrechtmäßig zu sanktionieren. Das bedeutet grundsätzlich ist die 'dumme Entscheidung' immer möglich, aber es zieht Konsequenzen nach sich. In einer Staatsform, die auf die Freiheit der Leute scheißt und wo Millionenfach freiwillig transparente Vollidioten bereitwillig ohne jede Form von Freiheit herumflanieren ist diese Möglichkeit an der Wurzel beschnitten. Das verhindert allerdings erstens nicht, dass Leute 'dumme Entscheidungen' fällen (die manchmal gar nicht so dumm sind, wenn man mal kurz die Perspektive wechselt). Zum Zweiten ist fragwürdig, ob die Gängelung von Menschen durch 'bessere Menschen' wirklich gerechtfertigt und gesellschaftlich gesund ist. Manch einer mag ja sagen, dass es ihm egal ist von welchem Autokraten er sich bevormunden lässt, solange nur die eigene Sicherheit und ausreichend Vorteile gegeben sind. Man stellt natürlich nichts in Frage, wenn's dem eigenen Arsch wohlig warm ist. Und so wird es einem Warmärschigen auch nicht fragwürdig sein, wenn Hinz und Kunz ganz plötzlich Führer des Staats und die wahren 'Bessermenschen' sein möchten. Und wenn all diese elitären Bessermenschen sich die Rosinen raus picken und Scheiße im Quadrat bauen, dann wird das eben durch darwinistische Selbstermächtigung legitimiert. Wer zuerst kommt regiert zuerst. Hauptsache dem fussvölkischen Vollidioten geht's Leben sicher (und warmen Arsches) von den Fersen.
Aber gehen wir mal nicht gleich wieder in diese Nazi-Sache über. Es muss ja nicht sofort hinter jedem Kameraobjektiv die SS hocken. Werden wir lieber mal einfach nur philosophisch. Es stellt sich die Frage, ob es dem eigenen Empfinden und der persönlichen Lebendigkeit gut zu Gesicht steht, wenn man Jederman (und Frau hihi) quasi im Generalverdacht unterstellt ein hintertriebenes, gewaltbereites, messerbesitzendes Ultramistvieh zu sein. Wenn ich bereitwillig alle meine privaten Wege, alle meine privaten Blicke, alle meine ganz privaten Geldgeschäfte, meine geheimen Geschenkkäufe und meine verborgenen Gelüste bezüglich des BVB jedem selbsternannten Herrn über die Okulare dieser Welt schenke, damit alle generell verdächtigen Mistviehlinge (und *Innen) quasi auf Radieschen-Niveau am Wirken gegen das ewig reine und unbescholtene Ich gehindert sind, dann ... wie war dieser Satz angefangen? Ich bin unsicher. ... Alle persönlichen Belange mit einer unbekannten, höheren Instanz zu teilen, die ich nicht jetzt und nicht übermorgen kontrollieren werde, ist ein Verlust. Fast so wie beim 'roten Faden'. Es fühlt sich nicht sofort als Verlust an. Zudem ist man vielleicht auch bereit für mehr Sicherheit mit Daten zu bezahlen. Was sagt es über mich aus, wenn ich alle Menschen grundsätzlich als miese Verbrecher sehe? Gut, vielleicht bin ich einfach nur doof. Aber vielleicht bin ich auch viel gescholten und habe viel Mist mit Mistvieh erlebt. Ich verkrümle mich also in meinen kleinen Panzer und will das alle Welt mein Unheil und das unverbrüchliche Mitleid mit mir teilt. Ich arme Sau. Mit einem Minenteppich um mein Haus brauche ich keine Angst vor (fussläufigem) Mistvieh zu haben. Ziemlich bescheuerte Lebenseinstellung. Und irgendwie hilfsbedürftig.
Was ist mit den Daten? Man kann ja einfach alles, was aufgenommen wird nach vier Tagen löschen oder überspeichern. Mein Argument dagegen ist hier ebenfalls grundsätzlicher Natur. Bei Kameradaten mag Löschen und Überschreiben machbar sein. Es mag vielleicht ganz grundsätzlich bei allen Datenerhebungen von Bürgern machbar sein Daten wieder zu löschen. Aber Machbarkeit ist für mich kein vernünftiges Argument, denn Bankraub ist auch machbar. Es geht auch nicht darum, dass irgendjemand heimlich auf die Idee kommen könnte Bewegungsprofile von mir zu machen, um mir irgendwann meinen Flatscreen von der Wand zu stehlen. Ich finde ganz einfach gesagt, dass schon allein der Gedanke Daten von anderen Menschen zu sammeln - egal aus welchem Motiv - zu einer Besitzfrage führt. Wieso sollte irgendjemand (als Gruppe oder Person) ein Recht an meinen persönlichen Informationen haben? Wem will ich gehören? Zur Erhöhung oder Maximierung von Sicherheit dient Datensammelei sicherlich nie, denn jede Datensammlung verringert nicht nur die persönliche Sicherheit, sondern auch die eigene Position auf dem Schachfeld der Kriminalität. Was für ein geiles Spiel, bei dem der Gegner schon dreißig Züge im Voraus weiß, wo meine Figuren stehen werden. Easy! Das Problem kennt jeder, der mal Stalking-Opfer war. Denn das Problem ist, dass man bei den wirklichen Mistviechern dieser Welt selten im Voraus weiß, wann sie 'dumme Entscheidungen' gegen die persönlichen oder familiären Interessen des unbescholtenen Bürgers fällen möchten. Für den an Daten Bestohlenen gilt jedoch immer :: gesammelte Daten sind nichts anderes, als der Verlust von Mündigkeit und letztlich weggenommene Werte. Werte im Sinne von Eigentum, aber auch im Sinne von Tabellenwerten oder Bauer auf C64. Ich seichtesten aller Fälle bedeutet dies Ungemach für mich nur personalisierte Werbung oder Layer über der Nachrichten-Webseite, auf welcher ich gerade lesen möchte, wer der verdammte Bundeskanzler geworden sein mag. Die tiefgreifendste und am meisten lebensbeschneidende Konsequenz der Abgabe von Mündigkeit sollte jedem klar sein. Falls nicht, so bin ich der Ansicht, dass Erfahrung immer noch der aufschlussreichste Weg zum Augenöffnen ist. Denn Erfahrung kann dir niemand klauen. Denkt an eure Lendenfrüchte, denn selbst wenn ihr es nicht auszubaden habt, dann sind sie am Ende die Doofen.
July 2025
13 July, 2025
0055 - Gesucht – Weichensteller für entgleiste Züge
Selbstverständlich gibt es auch noch heute, in diesem Moment sehr viele Menschen, die aus intensiver Erfahrung und übermächtiger Treue zu einschmeichelnden 'Facts' davon überzeugt sind, dass es sowas wie einen höheren CO²-Wert und die damit einher gehende Veränderung im Haushalt der Erdatmosphäre überhaupt gar nicht gibt. Sie gehören damit zu solchen Gruppierungen, die denken die Mondlandung 1969 habe nie stattgefunden, oder wahlweise solchen Menschen, die behaupten auf dem Mond gäbe es eine reichhaltige Ökosphäre, wie auf der Erde. Leute lassen sich alternative Physiken einfallen, um ihre Ansicht von der flachen Erde zu untermauern. Alle diese bunten Bilder zeigen nur wie krönend diese Schöpfung ist, die von sich selbst behauptet das vernunftbegabteste Engelswesen unter der Sonne zu sein.
Nur zur Definition, um zu umreissen über was ich schreibe. Hier geht es um Klima beziehungsweise das 'Retten des Klimas', wie es gern zitiert wird. Und um klar einordnen zu können was hier Sache sein soll, muss ich demnach lehrerhaft ausholen. Das eine ist also demnach Wetter und das andere ist Klima. Schon Wetter lässt sich im Regelfall nicht manipulieren oder steuern. Wetter ist das, was sich in der Atmosphäre über unseren Köpfen abspielt. Obwohl dieses Phänomen schon viel Variabilität hat, geht es in einem Zyklus und über Tabellen betrachtet einen fast immer gleichen Gang. Dabei kommt heraus, dass man in einem Sommer sehr viele warme Tage und sehr viel Sonne hat. Dagegen kann es sein, dass im nächstfolgenden Sommer vermehrt Regen und kühlere Tage das Wetter bestimmen. Dies ist Wetter und Wetter ändert sich für jeden spürbar jeden Tag und in jeder Saison. Und Wetter ist nicht Klima.
Klima ist der Querschnitt von Wetterereignissen. Wenn man zum Beispiel von einem regionalen Klima spräche, dann ist damit das durchschnittliche Wetter in eben dieser Region gemeint. Man könnte sagen um einmal das Klima bestimmen zu können, braucht es zweimal Wetter, denn erst aus zwei Werten lässt sich ein Mittelwert rechnen. Wenn ich also hundertfünfzig Jahre lang das Wetter beobachte, Werte über Temperatur oder Regenmenge abtrage, alles zusammen rechne und durch die Anzahl der Jahre beziehungsweise Tage der gesammten Messperiode teile, dann erhalte ich einen Klimabericht. Dieser Bericht ist an sich insofern nicht veränderlich, da er das (veränderliche) Wetter in hundertfünfzig Jahren zeigt. Dies ist nicht veränderlich, weil es in der Vergangenheit liegt und sich aus naheliegenden Gründen nicht mehr ändern kann. Eine gedruckte Zeitung lässt sich eben auch nicht mehr ändern. Das Klima zeigt vergangene Werte als Mittelwerte. Aus hundertfünfzig Jahren Klimabericht erhalte ich nicht 365x150 Temperaturwerte, sondern genau einen. Das ist dann die gemittelte Temperatur über einen Zeitraum von 150 Jahren.
Diese Mittelwerte (Temperatur, oder Regenmenge, oder Wolkendichte, oder, oder, ...) schwanken natürlich und ganz logisch mit jedem weiteren hinzugefügten Wert. Das heißt die vergangenen Werte ändern sich nicht, aber der Mittelwert geht mit weiteren Messwerten rauf oder runter und es entsteht ein Klimatrend. Eine große Wertveränderung kann sich nur dann einstellen, wenn der letzte hinzugefügte Wert einen extremen Sprung macht, denn alle nachfolgenden Messwerte stehen immer im Verhältnis zu allen vorherigen. Wenn man von Sprüngen in Klima-Modellen spricht, dann erzählt dies nicht von einem Wetterumschwung, bei dem ein regnerischer Sommer droht, sondern von einem langfristigen und tiefgreifenden Umbau eines Wettersystems. Es erzählt von einer Komplettumwandlung vieler zukünftiger Wetterereignisse im Verhältnis zum Mittelwert aller historisch belegten Beobachtungen. Wenn dieser Sprung vielleicht nur zwei oder drei Grad im Mittel modelliert, dann spricht dieses Modell also von Sommern, in denen die mittleren Temperaturen um zehn oder zwanzig Grad aus den bisherigen Aufzeichnungswerten ausbrechen. Um Mittelwerte signifikant zu ändern, müssen die einfliessenden Einzelwerte sich viel größer ändern. Aber wenn sich die Mittelwerte nur wenig ändern, bedeutet das nicht automatisch, dass die Einzelwerte ebenso lasch geändert werden. Genaugenommen hängt es von der Menge an Einzelwerten ab, die ins Verhältnis zu allen vorherigen Werten gestellt werden. Was erstmal nach Excel klingt, ist an dieser Stelle einfach nur insofern wichtig, als dass man die Bedeutung einer Mittelwertveränderung verstehen muss.
Wenn man sich aus regionalen Beobachtungen lösen mag, dann kommt man in globale, die Erde betreffende Größen. Wenn man von einem globalen Klimabericht spricht, dann meint man damit das beobachtete Wetter der letzten Jahre, oder Jahrzehnte, oder Jahrhunderte - weltweit. Wie gesagt :: um Klima zu bestimmen, braucht es mindestens zwei Wettermessungen. Wenn ich gesternmittag sieben Grad und heute dreiundzwanzig Grad um zwölf Uhr messe, dann habe ich aus zwei Wetterwerten einen mittleren Klimawert von ... (7+23=30 geteilt durch zwei Tage = ...) fünfzehn Grad. Messe ich also an 7.000 Mittagen Werte zwischen sieben und dreiundzwanzig Grad, dann habe ich ein Klima mit einem mittleren Temperaturwert von 15°C. Und wenn sich nun zukünftig dieser Wert um sagen wir mal 2°C verändern wird, dann ist allein nur die Frage von welcher Zeitspanne man spricht, in der sich diese Änderung abbilden wird.
Hierzu ein Beipspiel :: Wenn man den Mittelwert aus 7.000 mittäglichen Messungen um 2°C verändern möchte, müsste man am siebentausendersten Tag einen Temperaturwert messen, der den Mittelwert über 2°C springen lässt. Während man also 7.000 Mal Werte zwischen 7°C und 23°C maß, muss am Folgetag eine Temperatur gemessen werden, die den statistischen Mittelwert um 2°C anhebt. Es geht hier nur um eine Messung an einem einzelnen Tag. Und dieser Wert ist natürlich nur theoretisch und entbehrt jeder Realität. Soviel sei verraten :: der Temperaturwert am 7.001 Tag müsste nicht 17°C oder 34°C betragen. Anstelle dessen läge der Messwert an diesem einzelnen Tag nach der Serienmessung von 7.000 Vorgängen bei sagenhaften 14.017°C (vierzehntausend Grad). Der einzelne Tag steht im Verhältnis zu 7.000 Tagen davor ... eins zu siebentausend. Deswegen könnte man zur groben Kontrolle 14.000 durch 7.000 teilen und erhielte mit (annähernd) größter anzunehmender Wahrscheinlichkeit eine glatte Zwo. Das wäre die 2°C-Zunahme in der Mittelwert-Rechnung.
Nun kann man sich den Spaß machen und soviele zukünftige Tage mit weiteren Messungen dazu rechnen, damit der einzelne 'Hitzetag' zu einem erträglichen 20°C-Niveau abschwillt. Ich denke, wenn man sich vorab schonmal auf mindestens weitere 1.000 Messungen einstellt, bei denen die Temperaturen jeden Mittag immer zwischen 20°C und 40°C schwanken, wäre man schonmal gut beraten. Tatsächlich ist es so, dass man von dem Fantasiewert von 14.000 Grad nur dann auf angenehme 17°C kommt, wenn 4.667 Folgemessungen mit 20°C erfolgten. Es wären über 1.750 Messungen mit einem Wert von 25°C nötig, oder 1.077 Messungen mit 30°C. Ziemlich viele Tage. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Wetter sich nicht 4.000 Mal gleich verhält. Wenn man 609 mal eine brütende Hitze von 40°C mäße, könnte der Mittelwert auf eine Steigerung von 2°C begrenzt werden. Das heißt also je kürzer Folgemessungen gemacht würden, desto größer wäre der Temperatursprung. Oder anders ausgedrückt :: wenn man innerhalb kürzester Zeit einem mittleren Temperatursprung von 2°C entgegen sähe (sozusagen innerhalb eines Jahrhunderts zum Beispiel), dann lägen für lange, lange Zeit die gemessenen Wetter-Temperaturen bei Werten um 40°C. Sähe die Mittelwert-Steigerung dagegen weniger problematisch aus (also trotz 2°C-Mittelwert-Steigerung mit einem Trend, der sich über hunderte oder tausende Jahre hinzöge), dann wär einfach mehr Zeit zur Gewöhnung gegeben und der Temperatur-Sprung wäre erheblich entspannter. Nun bleibt noch die Anmerkung, dass in der sogenannten Fachwelt ein Sprung im Mittelwert von 2°C bereits jetzt schon als zu gering eingeschätzt gilt. Denn die CO²-Emissionen nehmen entgegen den Empfehlungen zur Einhaltung der 2°C-Grenze, nicht ab, sondern sogar zu.
Wenn man jetzt nicht von Tagen spricht, sondern von saisonalen Dingen wie Sommern, dann ergeben sich hier Abgründe von unfassbar hohen Temperaturen, die man über viele zukünftige Jahre aushalten muss. Schwer vorstellbar, dass ein Mensch allein jemals in seinen 80-100 Sommern irgendeine Verbesserung erlebte, denn wir sprechen hier von tausenden Sommern. Wenn ich also 150 Sommer mittlere Temperaturen von 15°C messe, kann ein kurzfristiger Sprung auf 17°C eine lange, lange Periode von Jahren nach sich ziehen, die alle ausgesprochen ungemütlich ausfallen werden. Ein Wandel von 2°C im globalen Mittel bedeutet einen sehr, sehr extremen Sprung in allen regionalen Wettermessungen. Und man muss sich klar machen :: es geht hier nicht allein um heiße Sommertage, sondern um einen signifikanten Energiezuwachs im globalen Wettermodell. Mehr Energie bedeutet neben größerer Temperatur auch mehr Bewegung in den Luftschichten. Es wird sagenhaft starke Sturmereignisse geben, mit weit auseinander differierenden Hoch- und Tiefdruckbereichen. Die Niederschläge werden stärker, denn pro Grad Celsius wächst die Wasserdampfkapazität der Atmosphäre um 7%. Dies wird Überschwemmungen durch Regen zur Normalität machen. Wasserdampf ist zudem neben CO² ein weiteres potentes Treibhausgas, was die Verschiebungen im Klimasystem weiter befeuern wird. Klimazonen wandern und Zirkulationszellen in der Atmosphäre bewegen sich aus der bisher gewohnten Konstellation.
Die chemische Zusammensetzung der Ozeane verändert sich, Meerestemperaturen steigen, was mehr Wasserdampf in die Luft befördert. Sämtliche energetischen Flusssysteme werden gravierend verändert werden. Die Zunahme an Dynamik in diesem System wird eine ziemlich kostspielige Sache werden. Dieser Satz bedeutet unterm Strich nichts anderes, als einen Niedergang im Wohlstandsquerschnitt aller Menschen einhergehend mit allem, was den Wohlstand und die Gesundheit eines Individuums ausmacht. Denn auch hier gilt :: ein Niedergang im Mittelwert bedeutet einen krassen Niedergang für den Einzelwert. Wir reden hier von einer schrumpfenden und vielleicht sogar kollabierenden Populationsgröße. Es könnte sein, dass sich der Mensch durch den anstehenden Flaschenhals und die Verengung des Genpools rettet. Eine Genpool-Verengung oder ein problematischer Verlust an Variabilität im Genpool ist dann gegeben, wenn die Population auf wenige 1.000 Individuen abfiele. Beim sogenannten 'Toba-Ereignis' sank die Anzahl an Menschen vermutlich auf wenige 1.000, weswegen man schon heute von einer geringen genetischen Vielfalt beim Menschen spricht. Wir haben also bereits jetzt in unserem als 'Blütezeit' begriffenen Zivilisationsstand einen Mangel in unserer genetischen Farbpalette. Genetische Vielfalt erholt sich nicht einfach, sondern ist ein kostbarer und schwer zu regenerierender Reichtum, der niemals wieder zurück gewonnen werden kann.
Selbst wenn also angenommen 100.000 Menschen am Ende des 'Klimawandels' in cirka tausend Jahren stünden (also nach einer Zeit der steten und schnellen Umwandlung der Ökosphäre und dem Übergang in eine neuerliche 'stabile Klima-Epoche'), dann wäre der Mensch keinesfalls sicher. Der Verlust von genetischer Vielfalt zieht Erbkrankheiten an wie ein Magnet. Ein Mangel an Anpassungsfähigkeit wäre dabei ein weiterer Faktor, der die Population immer kleiner und kleiner schrumpfen ließe. Das wäre also neben dem 'schlimmen Wetter und so' ein weiteres Ding, das über einen Kipppunkt schliddern und uns als vernunftbegabte Herrenrasse zum tränenrührigen Verhängnis wird. Ich sehe dabei keine Zukunftsmenschen, die über einen schlechten Tag jammern, sondern einen Haufen verwilderter und degenerierter Wesen, die sich gar nicht über ihren Verlust an Lebensqualität oder Kultur bewusst sind. Denn es werden ihnen nicht allein Aufzeichnungen über die 'gute alte Zeit' fehlen, sondern wahrscheinlich auch die Fähigkeit zu vorteilhafter Kognition.
Reden wir über Systembeeinflussung. Der Eingriff in ein System zieht immer auch Nebenwirkungen nach sich. Zum Beispiel ist das Gefühl der totalen Kontrolle über das 180 km/h-Schnelle KfZ mittels zweier Hebel-Pedale und eines kreisrunden Richtungsbeeinträchtigers sicher ein wahnsinnig Erhebendes. Aber die Kontrolle über das Kleingeld, dass es kostet später die Reifen und Bremsbelege auswechseln zu lassen, obliegt keinem dieser Steuerelemente. Womit wir hier auch noch nebenbei die Klimabeeinflussung durch Feinstaub angeschnitten haben. Wenn man sich erstmal klar macht, dass die Kontrolle über ein System IMMER nur eine scheinbare Kontrolle ist, und dass diese Kontrollillusion als unterschwellige Bedrohung mit der Komplexität des angefassten Systems wächst, dann bekommt man schon eine Ahnung vom Chancenniveau, in welchem sich der Mensch als Herausforderer des Erdklimas bewegt. Manche Leute träumen davon den Mars zu einer zweiten Erde umzubauen und denken, dass es reichte einige proaktive und emsige Mikröbchen auszusetzen. Ein paar weniger Leute haben die Idee der Mensch wäre eines Tages in der Lage das Wetter zu kontrollieren. Das Erdwetter wohlgemerkt. Was mir bei solchen Verlautbarungen immer als erstes einfällt ist dieser Typ, der glaubte er könne mit unsagbar großen Vorteilen für alle Beteiligten die Straße von Gibraltar mit einem Wasserkraftwerk zumauern. Er hielt es nicht nur fälschlich für eine machbare Menschenarbeit und sinnvolle Aufgabe, sondern hatte zudem auch keinerlei Zweifel an der Güte und Wohlgesonnenheit seiner Idee.
Nochmal zurück zu den Mittelwerten. Dem Homo Sapiens spricht man ja im Allgemeinen nicht nur sehr viel Intelligenz (im Durchschnitt) und eine sagenhafte Befähigung zu Vernunftdenken zu. Also sagen wir mal der mittelmäßige Mensch hat nicht nur einen fantastischen Intelligenzquotienten, sondern auch eine im Verhältnis zu seinem nächsten genetischen Verwandten großartige Vernunft. Ich will jetzt gar nicht davon anfangen, dass dieses Zeugnis nicht von unabhängiger Stelle ausgestellt wurde, sondern einfacherhalber und aus Ermangelung von Alternativen von Homo Sapiens himself.
Also mal angenommen man habe 8 Milliarden Personen und man fragt sich wie groß der Quotient des Vernunftdenkens innerhalb dieser Population wohl sei, dann stünde man erstmal vor der Frage wie man Vernunft eigentlich am allerallerbesten mäße. Das umschiffe ich an dieser Stelle einfach mal ganz nonchalant und sehe mir anstelle dessen die Mechanismen an, nach denen unsere Zivilisation so seit cirka 30.000 Jahren tickt. Mutmaßlich. Eigentlich kann man sich auch einfach modellhaft die letzten 100 Jahre ansehen, denn die sind repräsentativ genug. Warum baute man die Atombombe? Weil man sie besser baut, bevor sie die 'Bösen' bauen. Warum wirft man zwei Atombomben auf zwei bewohnte Städte? Weil man damit den Tod von hunderttausenden verhindern konnte. Dies sind nur zwei Beispiele, die ein bißchen zynisch von der Vernunft handeln, derer sich Menschen so rühmen. Natürlich gibt es auch Menschen, die auf Teufel komm raus keinen Taler zuviel ausgeben, weil sie irgendwie ihren Wohlstand oder den ihrer Familie absichern möchten. Oder man geht nicht bei Rot über den Kuhdamm. Oder man rennt nicht unterkühlt und splitterfasernackt zum nächsten Eisloch in Alaska um drin tauchen zu gehen. Basejumping nur mit Kunstflügeln. Und bei Niederschlag immer schön Beschirmung einpacken. Das ist Vernunft! Wollte man jetzt – nur mal so – den mittleren Grad an Vernunft für 8 Milliarden Menschen 'erfühlen', zögen also alle diese 'Vernunftentscheidungen' wahlweise der letzten hundert oder der letzten 30.000 Jahre in diese Querschnittskalkulation ein. Und ich muss sagen gefühlt wäre dieser Grad auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 der mieseste und 10 der optimalste Wert darstellte, sicher irgendwo zwischen 1 und 1,0009. Ist halt meine Ansicht, wenn ich sehe wie vernunftbegabt Leute auf der Autobahn reisen, oder wie sagenhaft vernunftbasiert Unterhaltungsinhalte gewählt beziehungsweise produziert werden. Menschen rauchen, Menschen trinken, Menschen rasen und bekämpfen Menschen, weil sie Unterschiede in der Wahrnehmung als Bedrohung ihres eigenen Lebensentwurfs deuten. Menschen erfinden Temu und nutzen es weil es vernünftig ist Geld zu sparen.
Es gibt halt Abertausende, die sehen sich im TV den allerletzten Crap an (und drücken nebenher auf einer Glasscheibe rum). Und dann stehen dem gegenüber einige hundert, die schauen Arte. Das alles ist auch völlig fein und legitim. Es bedeutet aber für den Mittelwert an Vernunft für die Menschheit nicht unbedingt eine Eins im Zeugnis, sondern eine Eins Komma soundso auf einer Zehnerskala. Und dann frage ich mich wie wahrscheinlich es wohl sein mag, dass sich diese große Vernunftbegabung auf die Befähigung auswirken mag einen Zug auszusteuern, der geradewegs in einen brennenden Hochofen rast.
Nochmal :: Ich sehe durchaus, dass es viele Menschen gibt, denen Klimaschutz und 'richtige' Entscheidungen am Herzen liegen. Menschen, die wirklich und wahrhaftig denken man habe nicht nur eine Chance, sondern müsse diese auch nutzen. Das ist wirklich ein Zeichen dafür zu was Homo Sapiens in der Lage ist. Wir können definitiv Systeme soweit manipulieren und steuern, dass man von kontrolliertem und rationalen Handeln sprechen muss. Was uns als Kollektiv aber völlig abgeht ist die Fähigkeit konvergent Schlüsse zu ziehen. In kleinen Gruppen mag sich eine notwendige Richtungswahl leicht treffen lassen, aber mit dem Zuwachs an individuellen Ansichten wird die letztendliche Richtungswahl immer mehr zu einer geraden Linie. Soll heißen wichtige Entscheidungen werden mit der Größe des zu befragenden Klientels über einen Mittelwert immer weniger Wandlung hervorbringen. Falls es also notwendig sein sollte gestern eine harte Linkskurve zu nehmen, die morgen ausschlaggebend für die gesunde Weiterreise sein könnte, wird bis übermorgen nur eine Richtung aus dem Mittel aller befragten 8 Milliarden Menschen kommen – GERADEAUS und immer weiter.
Ich sehe die notwendige Veränderung zum Erhalt der Lebensqualität auf der Erde nicht in unserer Population liegend. Der Mensch wird nicht entscheiden was passieren wird, damit die Menschheit weiter besteht. Die Aufgabe ist für uns zu groß. Wir haben die Pläne, wir haben die Theorie, wir haben vielleicht sogar die Ambitionen, aber was wir nicht haben ist die Kontrolle. Selbst mit Ausweitung der Schule vom drohenden Klimakollaps und der 'Rettung der Erde', wird es uns nicht schnell genug gelingen die Änderungen so radikal auszusteuern, wie es der gegebenen Zeit entsprechend notwendig wäre. Zumal der Fokus eigentlich nicht verstanden und ganz falsch vermittelt wird. Es ist nicht das Klima, das kollabiert. Denn das Klima ist ein geschlossenes System, welches seit mindestens vier Milliarden Jahren und voraussichtlich weitere Milliarden weiterlaufen wird. Das Klima hat die Auslöschung der Dinosaurier 'überlebt'. Denn Klima lebt nicht, sondern ist eine Gegebenheit dieser Welt. Wie die Nässe von Wasser. Ebenso wird auch nicht die Erde sterben, weil etwa Kohlendioxidwerte die 500 ppm übersteigen. Es gab Zeitalter auf diesem Planeten, da lag der Kohlendioxidwert um das Doppelte höher, als heute mitten im Industriezeitalter. Es ist nicht das Klima, das kollabiert und es stirbt nicht der Planet, weil etwa der Mensch so furchtbar dumme Dinge tut. Es ist einzig der Mensch, der sterben wird und die Population die im Vorfeld kollabieren wird, weil wir nicht vernünftig handeln können. Wir sind vielleicht begabt vernünftig zu handeln, aber wir sind es eben nicht. Und wir werden es niemals sein, weil niemand über unseren Entscheidungen steht. Wir sind zum einen die höchste Entscheidungsgewalt im Zirkus der Lebewesen und wir sind zum zweiten nicht fähig eine Entscheidung zu fällen. Denn alles läuft immer auf einen Status Quo hinaus, weil das Individuum erstens nicht leiden will und zweitens die Situation nicht kontrollieren kann. Auf dem Spiel steht nicht das individuelle Überleben, sondern das Überleben der Population. Und wenn man sich dann noch klar macht, dass die größten und gewichtigsten Entscheidungsträger der Menschheit gerade mal noch zehn, zwanzig oder dreißig Jahre zu leben haben, dann kann man sich denken wie wichtig ihnen Richtungsänderungen sind, die Leute in hundert oder fünfhundert Jahren betreffen.
Was mag das nun alles bedeuten? Im Grunde gar nichts. Es ist ein Statement, das generalisiert kundtut, was von Homo Sapiens zu halten ist. Selbstüberschätzung. Dies ist, was irgendwann einmal über den Homo Sapiens in einem Lehrbuch stehen könnte. Es spricht nicht etwa davon, dass diese vielen Menschen so dumm und die anderen wenigen Menschen so hellsichtig sind. Der einzelne Mensch spielt überhaupt keine Rolle in diesem Ereignis, das wir alle gerade erleben. Es geht um die Population. Es geht darum, dass auf dieser Welt vor einigen hunderttausend Jahren eine Figur auftrat, die sich zu einem unfassbar coolen Ding gemausert hat, dann aber mit all dieser grundgeilen Steuerungsfähigkeit zu dem Schluss kam einfach alles mit ein bißchen Wissenschaft und Forschung kontrollieren zu können. Der Mensch ist ein kompletter Träumer! Es ist im Grunde genommen sogar egal, ob wir nun alle den Schuh schleifen lassen, Plastik in die Meere leiten, alle Kessel bis Anschlag aufdrehen und Verbrenner fahren bis zur Donnerkuppel. Es ist egal! Mal angenommen in zwei Stunden wäre der Homo Sapiens ganz plötzlich das vernünftigste Wesen des Planeten, wie wahrscheinlich wäre es, dass ein in Paris getroffener Fantasiewert von zwei Grad wirklich noch gehalten würde? Mir fällt dazu nur ein Gedanke ein :: Das ist nicht unsere Entscheidung. Und dabei meine ich nicht, dass Pessimismus oder egalitäre Ansichten Trumpf seien. Es geht mir nicht um Meinung oder Haltung oder Vermittlung von Senf. Was ich denke spielt ebenso wenig eine Rolle wie jedwede Bemühung diesen Downfall abzuwenden. Falls es so sein sollte, dass in zehntausend Jahren Menschen mit denselben oder besser entwickelten Vorstellungen über das tägliche Leben gemütlich da sitzen und Dailys schauen, dann werde ich sicher nicht traurig oder frustriert darüber sein. Nur glauben daran kann ich zur Zeit wirklich wenig. Und mit Optimismus diesbezüglich noch weniger. Wir sind nicht so toll, wie wir alle denken, sondern einfach nur die Spitze dessen, was diese Welt jemals hervorbringen wird. Eine neuerliche Chance wird es wohl nie geben. Acht Milliarden Jahre Zeit mögen dem Einzelnen ja ziemlich viel Zeit sein, aber der Evolution gelingt die Entwicklung eines derart potenten Selbstverwirklichungsorganismus sicherlich nicht allzu häufig. Und vier der acht sind bereits vergangen. Wer immer noch glaubt, der Mensch besiedelte einst den Kosmos, der hat zumindest einen schönen Tag. Die Entwicklung von Leben ist allerdings kein Prozess, in dem Optimismus einen Stellenwert hat. Er ist bestenfalls eine Zuschreibung aus dem Geist eines vernunftfähigen Organismus, dessen Selbsttäuschungen Legende sind.
Edit 18. Juli 2025 :: Wer übrigens einwenden möchte, dass Träume erst den Menschen zu dem gemacht haben, was er heute ist, der vergisst dabei zu bedenken, dass die erfolgreichsten dieser Träume nach kurzer Zeit von den Gelddruckern dieser Welt okkupiert wurden. Den Träumern nutzt all ihre Kreativität bei der Lösungshilfe wenig, wenn sie auf Stagnation und Zufriedenheit oder fehlgeleitete Ziele trifft.
November 2021
25 November, 2021
0054 - Heute ganz frisch im Angebot - Stutenbiss und Hahnenkampf
Dieser Blog hat keinen Anspruch, der sich an irgendwelchen gesellschaftlichen Größen messen lassen müsste. Es geht weder um Anerkennung, Bekanntheit, Erfolg, Rechtschaffenheit oder um irgendwelche nihilistischen Motive. Was hier steht, tut es, weil ich es schreibe - nicht mehr, nicht weniger. Meine Ideen sind nicht zerstörerisch, zersetzend oder umstürzlerisch zu deuten (was aber naturgemäß jedem selbst überlassen ist). Und es geht auch nicht darum zu belehren, aufzubauen oder zu erleuchten. Was man drin sieht ist vielleicht sogar schon vor dem Lesen in einem selber innen drinne drin.
Was ich schreibe ist frei von allen Gedanken der Allgemeingültigkeit. Ich schreibe sicherlich bewusst Überzeugungen auf, aber immer ist auch der Zweifel lebendig wonach meine Wahrheit nicht zum Glück aller Menschen taugen kann. Aber es geht wie gesagt ja auch nicht um Andere oder um Zustimmung durch andere. Es ist auch kein kunstvoll rätselhaftes Konzept zur Erleuchtung der ominösesten Weltgeheimnisse oder etwa eine angestrengte Talentshow. Es gibt keinen Hintergrund und kein Ziel. Ausser einem einzigen vielleicht - Spaß.
Spaß ist etwas, dass in der Empörungs- und Ermächtigungsstampede heutiger Zeit nur sehr untergeordnet stattzufinden hat, könnte man manchmal denken. Klar... es wird sicher mal mit lustigen Grenzwerterfahrungen gealbert und Geschmacksorientierungen überspannt. Aber ich schreibe von und meine Spaß, bei dem man fröhlich da sitzt und denkt wie unglaublich prägnant man einen eigenen Gedanken in Worte fassen konnte, ohne dabei auf den Beifall der dämlichen Schafsherde zu schielen - Fehlanzeige. Jeder Sesselninja glaubt irgendwie mit Maus und Tastatur Urkämpfe mit der Weltenseele auszufechten. Und sowas wie Ignoranz und Belehrung ist selbstverständlich tödlich für das kleine schwarze Seelenknäuel im ewigen Schatten. Dabei müsste man ja gar nicht alles lesen und beurteilen. Mal von der Angst nicht wahrgenommen zu werden abgesehen, macht dieses oder jene Geschreibsel aber sowieso keinen bleibenden Eindruck. Außer bei allen, die in derselben Ecke vor sich hin stänkern. Es lebe die Vernetzung, die Vereinigung, die Gleichschaltung. Ein dreifach Hoch der heiligen Bla-Bla-Blase.
So viele Communities kommunizieren über ihre kleinen Vorgartenideale und blenden möglichst radizient (kommt von radizil) alles aus, was der Zustimmungs-Laola den Abbruch brächte. Was vor fünf Jahrhunderten zu allen Nachteilen von Kleinstaaterei geführt haben mag, lebt und gedeiht im hippen, zukunftsorientierten 21st Century wieder strahlend weiß auf. Überall im Netz handliche Gebinde, wo sich Pflänzchen gleicher Färbung finden und allem nur seicht angedichtet Komplementärem den Pilzwucher wünschen. Da reicht's mal nur unbedacht dahin zu dämmern und sich hier bald dort kurz anzulehnen und schon wachet das entzündungsgeplagte Monstrum auf. Um der Garstigkeit anheim zu fallen ist nichts Ausgeklügeltes oder gar Raffiniertes nötig. Nein, es reicht die unsachgemäße Aneinandereihung zweier Zeichen wie 88 oder SA. Fang eine Diskussion an oder lege ein Bekenntnis ab vielleicht zu Gott. Es wird keine Minute vergehen und man steht in einer Sache, deren Freudenquell einem Eimer Vogelscheiße gleicht. Und zwar ohne den positiven Nutzen. Die Gemeinschaft erzieht sich selbst. Und zwar anhand einer ungeschriebenen Ordnung, die sich im Allgemeinen aus Moden zusammensetzt. Die Erziehungssache war schon immer da, funktioniert aber effizienter als damals bei den Kreuzzügen oder Hexenverbrennungen. Da aber heutzutage im Regelfall weder Lanze, Schwert noch Zündholz eine allzu große Bedeutung beim Bestrafen und Tottreten andersfühlender Mitmenschen bekommt, darf sich jeder von ubiqitärem Shitgestorme getroffene Windkanalbewohner wie der genagelte Nazarener gerieren. Denn Recht hat schließlich jeder. Außer allen die doof sind.
Der gemütlich gestelzte Spaziergang durch die kunstvoll verwolkte Spätherbstsonne kann zum Spießrutenlauf werden, sobald man einen Mitmenschen mit abweichender Kleiderkultur oder Anzahl an Hautpigmenten trifft. Jegliche abweichende Äußerlichkeit selbst unter direkten Familienangehörigen war ja schon immer Anlass für überragende Irritation. Man muss jedoch heute fürchten der versonnene Blick zu den perspektivischen Fluchtpunkten von Stadt oder Park wird einem schmutzigen Trottel zum Blick voller Arroganz und Ressentiment. Alle sind heut ganz furchtbar sensibel und ebenso mitfühlend wie hard boiled. Hinzu kommen problematische Attribute wie harte Überzeugung und Dummheit.
Gut... jemand, der vielleicht gerade dreihundert Jahre alt geworden ist, wird sicherlich sagen das war doch früher auch immer so. Es ist eine zutiefst rückwärts gerichtete Welt, die sich da mit Zukunftssachen zugemüllt hat. Angeblich hat sich Homo Sapiens seit 30.000 Jahren nicht verändert. Würde morgenfrüh die Sonne stormshitten, wäre Mittags und die folgenden Tage und Wochen wieder ganz viel CroMagnon. Rein gar nichts kann darauf hindeuten, dass die Gattung bald auf StarTrek macht. Ich bezweifle jeden Tag mehr, dass 500 Jahre in der Zukunft noch nennenswerte Variablen ein darüber hinaus andauerndes "Anthropozän" rechtfertigen könnten. Vitale Variablen meine ich, denn der Dreck lebt natürlich ewig. Der überwiegende Teil von uns denkt immer noch man müsse den Planeten oder das Klima retten. Ratten auf einem sinkenden Schiff. Ratten, dämliche und überaus gattungszentrierte Ratten auf einem auseinander fallenden Paddelboot, die quieken man müsse den Ozean retten. Doch den Ozean juckt das alles nicht. In fünfhundert oder tausend Jahrhundertsommern ist die Erde vielleicht Zwilling der Venus mit Schwefelstürmen und Niederschlag aus Blei. Vielleicht ist sie aber auch wieder der Paradiesgarten vormaliger Zeiten, wo Fuchs und Hase sich gruseln über die seltsamen Zweibeiner, die sich damals so versessen in die Zukunft geträumt und dabei die Gegenwart verpennt haben. Weshalb nochmal müsste das Ende des Menschen abgewendet werden? Wer oder was profitiert abseits des Selbstzwecks vom Dasein des Menschen? Worin besteht der tiefere Sinn oder die Idee dieses Bemühens?
Ich las von einer Frau. Wenn ich ihr Äußeres beschreibe, werde ich meine rassistische Sozialisierung zutage tragen. Dies ist ihre These, nicht meine. Einer ihrer Bekannten soll ihre Frisur als das Resultat eines in eine Steckdose verirrten Händchens bewitzelt haben. Vielleicht einfach nur ein burschikoser Spruch aus Übermut und im Spaß. Die geschundene Seele deutet aber Aussagen, die ihre persönlichen und in diesem Fall selbstverständlich vor allem äußerlichen Besonderheiten thematisieren prinzipiell als spalterisches Denken aus der Vormoderne. Aufgezwängt oder angelernt von weißen alten Vorfahren. Somit - könnte sich schließen lassen - ist definitiv jeder, der anders ist als sie, automatisch Rassist. Herr bewahre, dass diese allergische Haltung jedem zueigen ist, der sich in irgendeinem beschissenen Mikrokosmos wichtig, besonders und anders fühlt. Aber man hat manchmal den nebeligen Eindruck nicht Rassismus, Sexismus oder Eklektizismatose sind hier das Problem, sondern eine ganz banale allgemeine Überempfindlichkeit. Man nennt es bloß nicht so, sondern um es aristokratischer, progressiv und vernünftig klingen zu lassen... Achtsamkeit.
Wenn man anfängt jede Befindlichkeit an subjektiven Übervorteilungen auszurichten, endet in der Gesellschaft gewöhnlich jeder mal irgendwann im Definitionsrahmen eines Rassisten. Auch wenn es vielleicht gar nichts mehr mit dem auf den anthropologisch bezogenen Fantasiebegriff Rasse zu tun hat. Frauen mit rotem Haar, Missgebildete, Menschen mit abweichender Meinung, Reiche, Juden, einfach alles kann im allgemeinen Schubladendenken zum Gegenstand von wahrer Aussortierungsobsession werden. Also warum schreibe ich erst von Dissensus und dann plötzlich von Speziesismus? Ganz einfach :: weil es egal ist was Grundlage des Dissens ist. Man kann mit Sexualkunde-Zeugs und ihren bunten Rollenbildern anfangen, Politik, Ernährung oder einfach mit nem Apple. Einfach jedes Thema ist tauglich, um die Empfindlich- und Befindlichkeiten aller Scharen von Menschen zu beleuchten und Beispiele für Keilereien abzubilden. Es gab sicher immer schon das Gefühl anderen möglichst profilierte Aussagen über die eigenen Vorlieben und Eigenheiten vorzuhalten, aber seit man es im Netz tun kann, bebt das virtuelle Medium und sein reales Spiegelbild in schöner Regelmäßigkeit bei Magnituden für die Mister Richter eine neue Skalierung definieren müsste, wenn er könnte.
Nun selbstredend gibt es ganz sicher die o wie wertvollen Hochtöner mit nachhängender Pubertätsneurose, die glauben es gäbe minderwertige Blute, genetische Abwertung, Menschenrassen, reine Volksstämme und ehemals einen netten, weisen und visionären Staatsmann namens Adolf. Ganz ohne Zweifel ist Dünkel mit Bezug auf die Äußerlichkeiten oder innere Ausrichtungen sexueller oder sonstiger Natur ein reales Problem, dass immer wieder überall auftaucht. Ein Problem, dessen basaler Reflex aber schon seit Anbeginn der Menschwerdung (und sicherlich auch schon davor) so manche Freundlichkeit zwischen Völkern, Gruppen und einzelnen Menschen versperrt hat. Es ist ein Problem, das im Code des Lebens eingeschrieben ist. Heute nun trifft diese Codezeile auf ein Phänomen, das letztens in den 90ern noch so knuddelig als "globales Dorf" betitelt wurde. Die ganze Menschheit sitzt vereint vor Bildschirmen und nimmt unauslöschlich hingeworfene Gedankenfetzen von anderen Menschen auf. Dem gegenüber steht der Anspruch besonders nett, achtsam und tolerant zu agieren. Und dann reibt sich das ganze Potpourri fein säuberlich in den primitivsten Grabenkämpfen auf, die aber beiderseits stets als hochpädagogische Lehrveranstaltung verstanden werden will.
Will sagen das große, weltweite, elektronische und sagenhaft fortschrittliche Austauschmedium erzeugt in den vielen Gesellschaften Reize und Irritationen, welche die Menschen lehren könnten näher zusammen zu rücken. Denn die elektronische Nähe bringt selbstredend und eigentlich nur sehr wenig überraschend gedanklichen Austausch. Im Zuge dieser einerseits freiwilligen Nutzung des Überträgermediums und der andererseits damit verbundenen Zwangsannäherung kanalisieren sich ganz logischerweise mindestens genau so viele Konflikte, wie es Teilnehmer am Austausch gibt. Konflikte, die vormals eher in lokalen Milieus statt fanden, wo sie stets für alle ebenso fatal waren. Bloß heutzutage eben im global-dörflichen Ausmaß. Und das ist deswegen auch global fatal.
Was dabei helfen könnte die schlechte Sache in den Griff zu kriegen, wäre ein gut funktionierender Verstand. Mit kluger Einsicht, einfühlsamer Näherung und Lernfähigkeit ließe sich unter idealen Umständen die zumeist unreflektierte Neigung überwinden, Fremdes oder Irritierendes sofort aufgrund von subjektiver Dissonanz auszusondern. Was also dem von Ekel und Abneigung befallenen Objektschützer*in aufstößt, könnte durch Aufschaltung eines weiten geistigen Spektrums im Handumdrehen zu innerem Frieden geleiten. Sich einfach mal abwenden und nicht von konträren Ansichten einwickeln lassen. Sich vielleicht einfach mal proaktiv als schwereloses Neutrum sehen und nicht als Stier oder Stute. Sich vielleicht mal von sich selber lösen und einfach anschauen und sein lassen. Natürlich ist ein breitweites Spektrum an geistiger Flexibilität nicht unbedingt dort vorhanden, wo die Wut über diese oder jene gefühlte persönliche Minderwertigkeit und Übervorteilung größer ist als die kühle, zurückgenommene Weltschau. Wenn man sich Definitionen für sich selber sucht, um irgendwas darstellen zu können, wird das immer irgendwann zum Problem. Und dabei eines, dem keine wirkliche Lösung zu Hilfe kommen kann, solange man fest auf seinen heißgeliebten Attributen hockt. Die einzige Lösung ist und bleibt allein Neutralität. Wenn schon aus Gründen von erstrebter Griffigkeit oder ganz allgemeiner Profilneurose nicht andauernd, so doch wenigstens regelmäßig, bewusst gewählt und strebsam eingehalten.
Noch ein Wort zu Totalitarismus. Es ist niemals von Vorteil gewesen der Gesellschaft oder einzelnen Menschen eine Denkweise aufzuzwängen, um dabei einen positiven und glücklichen Wandel zu besseren Zeiten herbei zu führen. Das hat 1933 nicht funktioniert, hat lange davor bereits viele soziale Scherungen erzeugt und wird nach allem was man so weiß auch heute und in zwei Wochen nicht ohne Wundreibungen funktionieren. Egal wie sehr man dabei an das Gute glaubt. Wenn man Menschen ausgrenzt, weil sie die falschen Worte aufschreiben, oder weil sie die falschen Dinge denken, dann wird man sehr sicher viel bewirken, aber eine Sache wird dabei nicht statt finden :: und zwar eine bessere Welt.
12 November, 2021
0053 - Der Geist in der hohlen Flasche
Frauen sind die besseren Autofahrer. Das weiß doch JederIn. Aber was hier vor allem wichtig ist, ist dass Menschen generell immer Opfer von anderen Menschen sind. Denn jeder hat zwar nix zu verbergen, aber sehr viel zu verlieren. Und sei es nur die Fassung bei so furchtbaren Barbarentaten wie der freundlichen Bestellung eines Schaumkussbrötchens durch einen N-Wort-Benutzer. Es fehlt einfach an unbedingt notwendiger Achtsamkeit. Sensibilität, Aufmerksamkeit für die Fettnäpfchen des alltäglichen Lebens. Und vor allem ein feinfühliges Auge für die stets gestressten Nerven des TeutonenInnen.
Wird die Welt wirklich besser, wenn man naserümpfend herum steht und unbedachten, entspannten oder vielleicht sogar gleichgültigen Menschen mit Boshaftigkeit und einem Blumenstrauß messerscharfer Rügen begegnet, weil sie vergessen zu verdeutlichen, dass der autofahrende Mensch auch bitteschön eine autofahrende Menschin sein könnte?
Wollte man dem aktuellen Stand der Gleichmacherei ... pardon - Gleichbewertung von Menschen Rechnung tragen, müsste man als ersten Schritt eine neue Bezeichnung für "der Mensch" ausmachen. Denn Mensch, so sagt es das allgemein zugängliche Deutungs-Wiki, kommt aus einem alten Sprachgebrauch mit der Schreibung mennisco (ein maskulines Wort, also ein männlich konnotiertes Nomen) und mennisch, was "mannhaft" bedeutet. Es war also einstmals so, dass Mensch zu sein vor allem Mann zu sein bedeutete, und es war vermutlich damals ganz klar, dass Frausein nicht dasselbe oder gar gleichwertig zu verstehen war. Daraus folgere ich, dass ebenso wie Negerkussbrötchen und Zigeunersoße auch Mensch aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu tilgen ist, denn es verweist auf eine abwertende Unterscheidung der Geschlechter. Nur so ein Gedanke.
Das Geschlecht bezeichnet die biologische Erscheinungsform als Mann mit männlichen oder eben weiblichen Organkomplexen im Inneren und Äußeren des jeweiligen Konstitutionstyps. In überwiegenden Fällen bilden sich klare Unterscheidungen heraus, bei dem eine eindeutige Geschlechtszuordnung stattfinden kann. Man kann, wenn man sich einfach nur auf die Summe oder Menge bezieht, in diesem Sinn vielleicht tatsächlich vom Regelfall oder dem Normalfall sprechen, selbstverständlich ohne dabei eine Wertung im Allgemeinen oder gar eine Aufwertung des "Norm- oder Regelfalles" auszusprechen. Ein solches Ansinnen ist grundsätzlich falsch und betrifft übrigens jede Form und Abbildung von menschlicher Konstitution!
Das heißt es ist für den Wert oder die Würde eines Menschen absolut unerheblich, welche Erscheinungsform sein Körper angenommen hat. Es gibt klare und eindeutige genetische Merkmale, die eine Zuordnung zur Gattung Homo Sapiens zulassen und somit sollte diskussionsfrei feststehen, wer unter diese absolute Wertneutralität fällt. Aber selbst wenn man in zwei Wochen eine mutmaßlich ausgestorbene Gattung eines früheren Menschen entdecken, oder aber eine neu entstandene Gattung des Homo Futuris auftun würde, wäre diese unbedingte und bedingungslose Wertneutralität oberstes Gesetz. Und sogar, wenn bald irgendwelche fünfarmigen Tausendfüßler mit Dreiecksköpfen und weißem Federkleid aus einem Unidentifizierten Aerophilen Phänomen stiegen, müsste man (mal angenommen man wäre ein Mensch, der ein bißchen um die Ecke denken könnte) auch diesen "anderen Menschen" die volle Gleichwertigkeit verwandschaftlich zur eigenen Natur zugestehen.
Denn der Begriff Mensch lässt diese Bezeichnung auch für solche Konstitutionstypen zu, die dem Durchschnittsbürger aus einer durchschnittlichen deutschen Heckenpfleger-Region vielleicht nicht im klassischen Sinne menschlich erscheinen. Menschsein bedeutet etwas zu sein, das einsichtsfähig oder weise beziehungsweise wissend erscheint. Wohl gemerkt schreibe ich erscheint, denn der geneigte Leser wird hier vielleicht denken, dass ich aus meiner menschlichen Position heraus die Bestimmung eröffne Menschsein bedeutet A, B und C, also muss ich auch außersolare Menschen netterweise als Mensch bezeichnen. Aber das schreibe ich und meine ich auch nicht! Nein! Abseits von Schubladendenken ist das was ich meine, dass alle Lebewesen des Universums (und dabei eigentlich auch völlig egal wie weit entwickelt ihre kognitiven Fähigkeiten im "sapiensischen Verständnis" sein mögen) als vollwertige und gleichberechtigte Menschen mit individuell gleichwertigen Empfindungen, Neigungen und Interessen zu gelten haben. Und zwar unabhängig vom geneigten Denken und Beurteilen eines mitfühlenden und netten Homo Sapiens. Oder um es mal ganz platt zu illustrieren :: Wenn ich nicht weiß, dass ich nen Nachbar habe, sollte ich dennoch Respekt für ihn haben. Vielleicht, weil Respekt vor Leben ganz generell kein schlechter Grundsatz ist, oder so.
Das soll heißen, dass alle Lebenwesen, die irgendwie zu Lernen, Denken und bewusstem Handeln fähig sind, niemals dem Menschsein unter- oder aber übergeordnet werden sollten. Letzteres wiederum schließt somit für mich persönlich auch aus, dass irgendjemand weißgewandet und gloriolengeschmückt über den städtischen Marktplatz schwebt und sich als höheres Engelswesen bezeichnet oder bezeichnen lässt. Es ist folgendermaßen :: In diesem Universum (mit allen angrenzenden Dimensionen und Multimegaversen) sind einfach alle, die manchmal denken, dass 1 + 1 = 2 ergibt (... dramaturgische Pause) MENSCHEN! Denn sobald eben jemand zusammenhängende Gedanken oder Pläne in seinem Köpfchen hegen sollte und solche anhand vernünftiger (und von der Beurteilung anderer unabhängig) erkannter Kriterien bewertet, hat er ein mindestens dem Homo Sapiens ebenbürtiges Recht auf bedingungslose Unversehrtheit und Freiheit in Denken und Handeln. Kein vernunftbegabtes Wesen hat das Recht höher bewertet zu werden, als andere gleicher Befähigung! Gattungen nicht Personen!!! Übrigens ist dies einer der Gründe, weswegen ich auch nicht glaube, dass Jesus als einziger Mensch Gott war, oder dass goldene Götter aus Andromeda bald den Jupiter zur zweiten Sonne machen. Oder dass dereinst eine gefiederte Schlange den globalen und kosmischen Weltuntergang herbeiführen oder beenden wird. Ich glaube ganz schlicht nicht an eine natürlich vorgegebene Hierarchie im Pantheon der mehr oder weniger vernunftbegabten Geister. Was selbstverständlich nicht heißt, dass die Ambitionen der Geister hier und dort mitunter die feine Wertneutralität verlassen. Denn das tun sie gern und häufig, weils erstens geht und zweitens so viel Spaß macht anderen Quatsch vorzumachen.
So geschieht es seit vielen tausend Jahren. Der Homo Sapiens hat dieses Konzept der Hervorhebung dabei sicher schon von anderen Vorläufer-Gattungen übernommen. So kommt es, dass sich mal hier ein Äffchen als Führer über die Gruppe hebt. Dann wieder sind es ganze ethnische Gruppen, die sich aus selbst festgelegten (und meistens haltlosen) Gründen über andere Ethnien erheben. Nun will ich nicht sagen, dass es gesund ist, wenn zum Beispiel sogenannte Weiße sämtliche als "weniger weiß" empfundenen Menschen als minderes Gesindel abtun. Dies würde ich eher einfach nur als dämlich, eingebildet und unterbelichtet bezeichnen. Aber der einfache Mechanismus der hier seit zigtausenden von Jahren kopiert und weiter gertragen wird, ist zumindestens in seiner grundsätzlichen Form Nachvollziehbar. Abseits vom geringsten Anflug einer Legitimierung solcher Heils und Reinheits-Traditionen, finde ich die Grundidee einer Differenzierung oder Abgrenzung gegenüber Befremdlichem mindestens verständlich. Ich glaube ganz einfach, dass die meisten Menschen gar keine Ahnung haben, weswegen sie Abstufungen machen. Denn zu viele Menschen neigen zur blindgehorsamen Aneignung sie direkt umgebender Eindrücke und stellen totalitäre Strömungen im sozialen Umfeld nicht in Frage. Und das ist unentschuldbar!
Welchen Sinn hat es nun die Grammatik einer Sprache dahingehend zu verändern, dass sämtliche männlichen Fälle zu weiblichen umgewandelt werden? Werden Frauen wirklich bessere Lebensentwürfe ermöglicht, wenn man anfängt Professor*innen zu adressieren? Oder ist so etwas nicht einfach ein Roter Hering.
Die ständige ganz beiläufige, unbedachte und teils auch gewollte Herabsetzung von Frauen braucht nicht extra belegt werden. Dies ist ein tatsächliches, seit Jahrhunderten gängiges Weißemänner-Ritual. Wobei auch die Roten, Gelben und Braunen nicht ganz unverdächtig sind. Und Frauen untereinander sind sicherlich auch nicht immer beste Schwestern, wenn es um Positionen und Macht geht. Und natürlich ist die Minderbewertung weiblicher Stände kein ausgesprochen deutsches Phänomen. Ich glaube allerdings Abgrenzungen oder Selbstüberhöhungen finden auch so selbstverständlich statt, wie morgens einen im Bad stehen zu lassen. Und das gilt für Männchen wie auch für Weibchen. Sobald jemand nur mal kurz daran denkt sich anders zu frisieren, lauert schon die Gefahr mit einem Fuß die ans Herz gewachsene Gemeinschaft zu verlassen. Klingt albern ist aber leider noch nicht einmal überzeichnet. Denn es kommt eigentlich nur auf den Kontext an, in welchem sich die fatale Frisur ereignet.
Ausgrenzung und die eigene Aufwertung gegenüber anderen fängt schon dort an, wo man das kleine Alltagsspielchen startet, bei dem man spitzfingrig herumläuft und sich die ganze Zeit fragt wen oder was man mag und was ein böses Nönönö verdient hat. Vielleicht korreliert die Beurteilung anderer Menschen sogar immer auch ein bißchen mit dem temporär empfundenen Maß an Selbstwert. Und an irgendeinem Punkt überlaufenden Frusts werden dann ganze Schubladenpaläste ersonnen, wo plötzlich handtaschenvernarrte Frauen nicht mit Schraubenziehern umgehen können, Dunkelhäutige immer basketballspielend herum rappen, Weiße wegen ihrer Vorbehalte gegen Neger anlasslos hassen und Japaner fotografieren. Die Welt wird so schön übersichtlich, wenn man ihre reichen Inhalte immer fein dusselig durch seine immer gleichen Schablonen presst. Wie schnell man jemandem einen Hass an den Kragen pupsen kann, weil man etwas Geschriebenes liest, dass man eigentlich nur nicht richtig verstanden hat. Wie schnell man dann in unter dreihundert Zeichen so einen bösen kleinen Kommentar verfasst und abgezwitschert hat.
Ich bezweifle, dass die Umgestaltung von Worten und Anreden wirklich einen substanziellen Gewinn oder einen vorteilhaften Gesinnungswandel erzeugt. Ich zweifle zudem ein kleines bißchen, dass Deutschland mit seiner in einigen Teilen der Welt verlachten Sprache zum Vorreiter und Inspirationsquell für die Umstellung von Semantik und Grammatik aller Länder der Welt werden wird. Zum Beispiel nenne ich die neuerdings angelsächsisch geprägten Weltregionen (was nebenbei in der Summe gezählt eine ganze Menge an Region ist). The Baker, the acting Director, the jerky moron ... Man könnte stundenlang allein nur irgendwelche englischen Berufsbezeichnungen aufzählen, aber wird vermutlich schon nach diesen drei gemischten Beispielen feststellen, dass die kreativen Sprachgestalter der bald kommenden Besserwelt noch viel Arbeit erwartet, wenn sie das ganze Erdenrund vom Joch des Mannischen befreien wollten. Anstelle dessen sehe ich ohne große Mühe wie sich eingefahrene Schriftsprach-Nutzer und Nutzerinnen an der Albernheit von Sternchen abrackern und sich vollkommen sinnloserweise mit Leuten verkrachen, die so viel auf den "Puls der Zeit" geben. Es gilt eben etwas vorne weg zu gehen und besser zu sein, als alle weniger Besseren.
Ich weiß! Solche ominösen Dinge wie "der Geist" sind natürlich heute längst abgedenkt und ein als gestrig entlarvtes Konzept. Aber mal von diesen furchtbar modernen Vorstellungen abgesehen, ließe sich vieles genderträchtige Gerangel heutiger Zeit mit der einfachen Überlegung aufheben, wonach man vielleicht geschlechtsseitig männlich beziehungsweise weiblich und von mir aus auch gern divers angelegt ist. Aber vom bewußten, inneren Wiederspiegeln der weltlichen Gegebenheiten ein geschlechtsloses Neutrum. Ich glaube sehr viel Ausgeglichenheit könnte für jeden Menschen aus der einfachen Überwindung von Geschlechterrollen hervor gehen. Natürlich macht sich diese Vorstellung im herrlich abwechslungsreichen Auf und Ab des Lebens nicht besonders schmuck. Denn es ist leider völlig egal wie qualifiziert und evolviert wir uns als Mensch des einundzwanzigsten Jahrhunderts sehen. Es ist dem überwiegenden Teil immer noch wohlig zumute, wenn auf der Leinwand schweißnasse Muskelberge aus stählernen Karossen springen, oder sauber geföhnte Eleganzen um schweißnasse Muskelberge fliessen. Egal wie weit wir uns aus der Steinzeithöhle weg bewegt haben mögen, wir stehen auf tolle, klar identifizierbare und erlebbare Rollen. Und es ist egal wie toll man dies findet, oder wie doof man negative Bewertungen dieses Umstand sieht - es ist primitiv, wie eine stinkige Herde Ochsen im Gebüsch. Und gleichzeitig auch so üblich wie legitim. Ist jetzt also Normalität das neue Nönönö?
Sobald man anfängt diese Sache (das Normale, das Übliche) als störenden Auswuchs, als zu überwindenden Makel, als Primitivität oder unterbemittelt, unsensibel, kindisch, ewig gestrig und ultradoof zu bezeichnen, und sich selber dabei als fortschrittlich, woke, geiler, besser empfindend, denkend, sprechend, sehend, hörend und riechend als alle, alle anderen, dann ist man vor allem ... eingebildet - und vielleicht sogar rassistisch. Denn egal wie geil man sich selbst und seine Gedanken auch finden mag - man ist immer nur einer von vielen und wird immer dazu gehören, immer teil einer Gruppe (potenziell) fühlender, denkender und vernunftbegabter Wesen sein. Sich von anderen abzugrenzen und sich gegen andere zu positionieren kann durchaus unterhaltsam, spannend, erhebend sein. Man fühlt sich vielleicht klarsichtiger, als die tumbe Masse. Man setzt sich hin und schreibt ellenlangen Quatsch, der einem uneingeschränkt sexy und besonders vorkommt. Aber wenn man cool ist, dann wird man wissen, dass jeder Raketengedanke, jede Turboeinsicht, jedes Rasiermesserurteil immer nur einen winzigkleinen, einzigen Blickwinkel repräsentiert. Und selbst, wenn man dann schreit und hofft, dass möglichst viele Likes drauf wachsen, wird es trotzdem nie mehr als der Blick eines Menschen sein. Und damit auch immer fehlerbehaftet und unvollkommen. Sei es nur in seiner Substanz oder der temporären Gültigkeit.
Das alltägliche Leben und sich selber als neutrale geistige Erscheinung zu empfinden, kann dabei helfen klassische Rollenvorstellungen los zu werden. Und zwar ohne künstliche Aufwertungen oder Beschränkungen herbei zu reden, die sowieso niemandem schmecken. Fest steht jedenfalls ein Fakt, der ohne das von mir zahlreich vorgetragene Mimimi auskommt. Eine lebendige Sprache wie das Deutsche wird sich stets und ständig wandeln und erweitern. Vielen stößt unachtsam verwendetes Denglisch sauer auf, weil sie ihre schönen Gewohnheiten schwinden sehen. Aber so etwas wie eine in Stein und Eisen gefasste und auf Ewigkeit gefesselte Sprache ohne jede Abweichung vom konservierten Immerwieder gibt es nicht. Wie jedes alltäglich benutzte Werkzeug, nutzt Sprache sich ab, bekommt Einkerbungen und Dellen, wird improvisiert, in Stand gesetzt und vielleicht auch neuen Gegebenheiten angepasst. Ein Werkzeug, dass keine Abnutzung haben darf, ist als Werkzeug nutzlos und im besten Fall totes museales Anschauungsmaterial. Aber sicher nicht lebendiger Wegbegleiter. Der Fakt, den ich eingangs erwähnte ist allerdings, dass Sprache sich am vitalsten von den Menschen her wandelt und nicht durch lehrerhaftes Aufsetzen. Das gilt natürlich für jeden gleichermaßen. Nicht allein für weiße Männer oder aufgeweckte Frischling*innen. Toleranz muss auch das Gleichbleibende hinnehmen können. Eine Haltung, die sich selbstgefällig tolerant bezeichnet und dann Kämpfe und Kriege anzettelt ist nicht besonders progressiv. Und der Innovationsgrad dürfte sich ebenfalls stabil im Bereich üblicher Querelen halten. Modeerscheinungen werden immer dasselbe sein. Und zwar zum einen provokativ aber dann wiederum auch alles von lächerlich bis amüsant.
March 2021
14 March, 2021
0052 - Meine Überlegungen zur Möglichkeit der Manipulation von Zeit
Das alte Lied vom Plan des Bereuenden, der die Fehler der Vergangenheit auslöschen will. Was wäre großartiger, als zurück in den Spätsommer 1888 zu reisen und Alois eine Familienpackung Tütchen in die Hand zu drücken. Oder sicherlich weniger spektakulär nach 1912 zu reisen und dem Titanic-Kapitän vorzuschlagen eine winzigkleine Kurskorrektur vorzunehmen. Sind nicht viele Entwicklungen im Leben jedes Einzelnen manches Mal auf kleinste Augenblicke und winzigste Entscheidungen zurück zu führen? Die Zeitreisenden dieser Tage wünschen sich die Macht der Optimierung. Sie träumen seit Erfindung der Sci-Fi davon unter Zuhilfenahme von technischen Werkzeugen alles besser machen zu können. Nur leider läßt sich ein Film nicht zurückspulen, der nie abgedreht wurde.
Als Erstes behaupte ich hier mal :: So etwas wie Zeit gibt es nicht! Aber gibt es Raum? Man spricht ja öfter von einer festen Verbindung zwischen beidem. Ich versuche mich also über den Raum an das zweifellos erlebbare und nachvollziehbar notwendige Konzept "Zeit" heran zu tasten. Jeder würde sofort bestätigen, dass durch den Raum zu reisen unumgänglich ist, falls man beispielsweise die Straße überqueren wollte. Es gehört zu einer der vielen Selbstverständlichkeiten des Lebens. Ebenso benötigt der Vorgang selbst - das wird ebenfalls jeder bestätigen - Zeit. Zeit in der auch jeder Mensch altert. Jeder wird bestätigen, dass jeder Tag mehr auch ein Tag weniger bis zu dem Tag bedeutet, an welchem man sich nicht nur alt fühlt, sondern es auch (sagen wir mal an einem durchschnittlichen Menschenleben gemessen) tatsächlich ist. Man spricht von Lebenszeit und kennt das Konzept der Vergänglichkeit von Jugend, Schönheit oder einfach Körperlichkeit.
Mit solcherart Beispielen ist das Vorhandensein der Entitäten Raum und Zeit also intersubjektiv erwiesen. Es liegt auf der Hand, dass Raum und Zeit erlebbare Größen sind und nicht einfach nur individuelle Einbildung oder Träumerei. Damit sind dann auch all die bekannten gewaltigen Fragenwelten und all die ewigen philosophischen Abgründe und Motive für mannigfaltige Glaubenskriege vorhanden. Allein zu sagen Zeit sei nicht wirklich, löst sicherlich schon flatternde Bäckchen im Kanon aus. Wie kann er sowas tellerrandiges nur schreiben?
Ich überlege mir mal was Raum sein könnte. Kann man ihn stofflich nachweisen? Kann man ihn manipulieren, ihn strecken, dehnen oder ihn vor- und zurückspulen? Sicher ist man kann durch den Raum reisen, richtig? Ich starte also bei A und bewege mich über einen Raumabschnitt hinweg zu B. Dazu benötige ich je nach Länge des Weges einen bestimmten Zeitabschnitt. Sagen wir mal ich bin eine Ameise. Dann brauche ich zum geradlinigen Überqueren der verkehrsberuhigten Seitenstraße schätzungsweise zwei bis drei Minuten. Als Mensch bewältige ich die Querung in fünf Sekunden. Und wenn ich (mal angenommen) so groß wäre, dass meine Fußspanne sechs Meter misst, wäre der Zeitaufwand null, da ich in einer solchen Situation gleichzeitig auf beiden Straßenseiten stünde.
Kann man zum Rand des Universums reisen? Oder um im vorigen Bild zu bleiben :: könnte man die Seiten des Universum wechseln, so wie man eine Straßenseite wechselt? Der Rand der Raumzeit-Ausdehnung ist nicht erreichbar, denn es heißt der dreidimensionale Raum ist in sich geschlossen. Oder besser ausgedrückt :: die Raum-Zeit-Geometrie ist nicht flach, sondern gewölbt. Das heißt egal wie sehr man sich auch bemüht geradeaus zu laufen, man geht immer in eine sanfte Biege. Und wenn man versuchte diese Wegbiegung durch gewolltes Gegensteuern auszugleichen, käme man nicht nur in Teufels Küche, sondern änderte rein gar nichts an der Geometrie des leeren Raums. Die geradlinige Reise zum Rand des Universums würde ungefähr so aussehen, dass man sich lange Zeit von der Erde entfernt und dann würde irgendwann die Entfernung plötzlich wieder kleiner werden. Denn obwohl man sich nach eigenem Ermessen immer geradeaus bewegt, beschreibt man im Weltraum eine Kurve. Das ist fast so wie auf der Erde wo man niemals weiter vom Ursprungsort entfernt sein kann als cirka 20.000 Kilometer. Im Universum kann man nach aktuellen Überlegungen nicht weiter von der Erde aus entfernt sein als cirka 80 Milliarden Lichtjahre (das Alter des Gebildes ist nicht gleichbedeutend mit dem Maß seiner Ausdehnung). Aber mal angenommen man wäre jetzt einfach mal so groß wie das Universum. Dann wäre man also gleichzeitig auf der Erde, auf dem (bisher natürlich unentdeckten) Dschungelplaneten in Proxima Centauri, irgendwo auf einem Mond bei Antares, bei VY Canis Majoris und selbstverständlich auch ganz am anderen Ende des "Weltraums". Denn man wäre quasi selbst "der Weltraum". Man müsste sich nicht durch den Raum bewegen, weil man bereits überall ist. Denkt man mal genauer über "die Raumzeit" nach, dann merkt man eventuell, dass sie als gesamte Erscheinung keinesfalls "relativ" ist, sondern sie ist als Gesamtheit eine absolute Sache. Allenfalls ihre Teilabschnitte, die man sich als Mensch definiert und bildet, relativieren sich durch verschiedene Einflüsse. Raumzeit an sich wäre nach dieser Überlegung also (eben weil sie eine absolute Sache ist) nicht von irgend etwas abhängig, sondern existiert allein durch Anschauung.
Wenn man selber so groß wie der Weltraum wäre, benötigte man zur Durchquerung der kosmischen Distanzen den Zeitaufwand Null. Man benötigt also genau genommen stets mehr Abschnitte von Zeit je kleiner man relativ zu der zu bewältigenden Wegstrecke ist (Ameise viel, Weltraum keine). Das bedeutet :: ist man selbst das Gebilde wird sowohl Räumlichkeit als auch Kausalität allenfalls in dem Maße relevant wie man es sich selbst für irgendwas zum Maßstab macht. Vermutlich wird man spätestens nach etwa einer Stunde einsehen, dass weder das eine noch das andere irgendwie eine relevante Größe ist. Eventuell auch zwei. Jedenfalls könnte man mit beiden Skalen (Raum und Zeit) nichts anfangen, da sie mit nichts in Bezug stünden außer einem selbst beziehungsweise den Begrenzungen, die man in sich selbst findet.
Es heißt ja, dass man Raum bemessen könne, indem man zum Beispiel die Millimeterabschnitte einer Strecke addiert. Und man kann ja angeblich auch Zeit messen, indem man die Sekunden zählt. Die Uhr, sagt man landläufig, ist ein Zeitmesser. Ich schaue mir dieses Ding einmal genauer an. Es ist ein dreidimensionales Stück, in welchem sich vielleicht Zahnräder über Streckenabschnitte in ausgeklügelter Weise voran takten. Oder es ist so eine Sache mit Cäsiumatomen, die über Streckenabschnitte schwingen. Man bemisst also Zeit anhand des Abstreichens vordefinierter Wegstrecken, richtig? Zeit wird durch Bewegung erlebbar. Streiche ich innerhalb von sechzig Sekunden über die zehn Millimeter eines Zollstocks, geht also eine Minute ins Land - faszinierend. Aber eigentlich misst eine Uhr nicht Zeit, sondern sie erzeugt einen Takt, der astronomische Größen jeden Tag in 86.400 Abschnitte unterteilt (manchmal auch paar mehr). Und bei diesen Größen handelt es sich wiederum um Bewegungsabläufe, die quasizyklisch verlaufen und sich ständig wiederholen.
In der neueren Zeit wurde so ein paar Leuten klar, dass hohe Beschleunigung relativ zu geringerer Beschleunigung das Voranschreiten von Zeit verringert. Ich habe mich früher mal gefragt was mit dem Schritt der Zeit passiert, wenn man sich so schnell bewegen würde, dass man gleichzeitig jeden Punkt des Weltraums durchflöge. Vorweg gesagt geht es jetzt gar nicht darum, dass "nichts schneller als das Licht " und so weiter, sondern es geht um eine geistige Annäherung an das Wesen von Raumzeit. Von Fliegen oder von Bewegung wäre in solchem Fall wie gerade beschrieben schwerlich die Rede. Zeit wäre ebenso wie Distanzüberwindung irrelevant. Man wäre quasi das Universum selbst. Wie schon bei der Vorstellung selbst so groß wie das Universum zu sein, wird auch bei der Vorstellung gleichzeitig an jeden Ort des Universums zu reisen Raum und Zeit für einen selbst aufgehoben. Paradox daran ist, dass man Zeit benötigt, um auf besagten Beschleunigungswert zu kommen, der schließlich zugleich eine relative Geschwindigkeit und zusätzlich einen Zeitaufwand von Null ergäbe. Auf welcher Grundlage steht denn dann eigentlich die Notwendigkeit von Energie- und Zeitaufwand, wenn sich in letzter Konsequenz beides in Nichts auflöst? Ist dann nicht der Weg zum Ziel eine (wenn auch notwendige) Selbsttäuschung?
Ich behaupte immer noch, dass Zeit im realen oder dem weltlich übergeordneten Geschehen nicht existiert. Natürlich bekommt das Bemessen von Teilabschnitten im menschlichen oder weltlichen Kontext eine gewisse Wirklichkeit. Aber ist das Messen von Abschnitten und das Zählen von Takten wirklich ein Indiz für vergehende Zeit? Alles Geschehen findet im ständigen Jetzt statt. Was anderes als ständige Gegenwart erlebt der Mensch? Allein das Physische zwingt oder verleitet uns ständig zu Gedanken an frühere oder kommende Weltzustände, die aber nicht gegenwärtig real sind. Ist Zukunft oder Vergangenheit von Gegenwärtigkeit ab- bzw. losgelöst? Sind es wirklich drei verschiedene Größen, oder ist es alles dasselbe nur in von mir selbst unterschiedlich aufgefasster Weise? Eigentlich ist jeder Moment, der auf uns zukommt irgendwann Gegenwart. Und jeder vergangene Moment, jeder ehemalige Zustand des gesamten Alters des Universums war ebenfalls einmal Gegenwart. Dem Konzept und der Logik eines Zeitpfeils folgend, an dem sich das Universum seit fast 14 Milliarden Jahren entlang zu perlen entschlossen hat, muss demnach eines fernen, fernen Moments einmal eine allerallererste Gegenwart stattgefunden haben, gelle?
Aber hier tut sich eine große Frage auf. Wann beginnt eigentlich nochmal Gegenwart und wann endet sie? Vielleicht irgendwas mit Planckzeit, oder so? Wie lang ist ein Jetzt? Und wieviel Jetzte addieren sich zu einer Stunde? Ein Wissenschaftler, der den Gravitonen, Raumotonen und am besten auch gleich noch den Chronotonen nachspürt, wird vielleicht sagen das sei eine kindische oder unseriöse Frage. Oder die Beantwortung hinge von diesem oder jenem Kontext ab. Ein Jetzt kann für einen Menschen auf der ISS die Überquerung hunderttausender Straßen mit sich bringen. Für jemanden, der an einem Bahnsteig auf das Verstreichen von zehn Minuten wartet, wird sich in einem Jetzt vermutlich nicht so viel tun. Demnach scheint so ein Jetzt relativ lang zu sein. Aber das ist mittlerweile eine flache Erkenntnis, die niemanden vor der Frage des Beginns und Endes eines Jetzt bewahrt. Denn es mag ja unwichtig erscheinen, aber wenn eine Sache nicht anfängt oder endet, ist sie vielleicht auch einfach gar nicht da. Oder aber (und das erscheint mir persönlich irgendwie plausibler) es ist da und dabei absolut frei von jeglicher Veränderung beziehungsweise Beeinflussung. Letzteres mit der Beeinflussung schreibe ich extra auf, denn es ist wichtig in Bezug auf die von vielen Seiten herbei gesehnte Manipulation des nennen wir es mal einfach Zeitraums.
Ich stelle also noch eine Behauptung auf. Ich sage weil Zeit nicht existiert, lässt sich Gegenwart auch nicht ermessen. Ich könnte auch als Beweis meiner eingangs erwähnten Aussage schreiben :: Wenn ich Gegenwart nicht zeitlich bemessen kann, dann gibt es so etwas wie eine zeitliche Progression eben einfach nicht. Etwas, das keine Begrenzung oder einen definierten Beginn und Schluss hat, kann nicht bemessen werden (siehe Weltraum). Ständige, ewige also unveränderliche Gegenwart ist die Grundlage des Universums und/oder der sogenannten Raumzeit. Innerhalb dieser Entität erzeugt Distanzüberwindung zwar ständige Erscheinungsveränderung und bunteste Relativierung. Dies mitunter scheinbar zyklisch. Aber nichts in dieser Entität hat jemals einen ersten Moment gehabt. Und zwar nur darum, weil Gegenwart absolut und frei von jedweder Veränderung ist. Das bedeutet :: das Universum ist nicht an Zeit gebunden, weil es zeitlos existiert. Nur innerhalb des Universums bedingen sich Raum, Zeit, Materie/Energie (und noch ein paar andere Sachen) gegenseitig. Aber wenn sie auch ständiger Wandlung unterworfen sind, so ist ihre Daseinsgrundlage trotzdem die Zeitlosigkeit. Ein bißchen verschwurbelt könnte man auch sagen :: Alles ist Jetzt.
Ich behaupte nun des Weiteren, dass Raum allenfalls dann grenzenlos ist, wenn räumliche Ausdehnung ein Trugschluss ist. Also sage ich hier :: Sowohl Raum als auch Zeit sind nicht wirklich existent. Sowohl Raum als auch Zeit werden anhand menschlicher Vorstellungen in Abschnitte geteilt. Beides sind an sich aber unbegrenzte Grundfesten ein und desselben Fundaments. Wir spiegeln gedanklich eine unbegrenzte Gegenwart wider und teilen anhand sich verändernder Relationen zwischen uns und entfernten Dingen oder der Dauer einer Annäherung oder Entfernung eine Einheit in Abschnitte. Und wir sprechen diesen Teilabschnitten gemäß unseres naturgegebenen Selbstverständnisses größere Bedeutung zu, als dem Fundament aller Unterteilungen. Andernfalls könnten wir Menschen uns auch gar nicht verorten. Weder räumlich noch zeitlich. Die Wichtigkeit von Selbstverortung ist selbstverständlich und zweifelsfrei sehr, sehr wichtig, wenn man ein kleiner Mensch ist und soll an dieser Stelle nicht explizit erörtert werden.
Nun zur Frage von Reisen durch die Zeit. Wenn ich durch den sogenannten Raum wandele, dann nutze ich stoffliche, konkrete und räumliche Dinge um mich erstens zu bewegen (zum Beispiel Kalorien oder ähnliches) und zweitens um meine Position zu bestimmen (also in Relation zu anderen Dingen). Um mich analog zu dieser Überlegung durch die sogenannte Zeit bewegen zu können, würde ich also stoffliche, konkrete Zeitsachen brauchen, zu welchen ich mich in Relation setzen könnte. Solche Zeitteilchen sind heute Fantasie und sie sind es in zukünftiger Gegenwart mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls, denn Zeit ist (mE!) nichts anderes als ein menschliches Denk- oder Erklärungskonzept. Ein weiterer Gedanke dazu wäre folgendes Beispiel. Ich will mich durch das Universum fortbewegen und mal angenommen es gibt keinerlei stoffliche (oder energetische) Erscheinungen im gesamten All. Wie weit könnte ich mich aller Vermutung nach wohl in sagen wir mal zwölf Millionen Sekunden mit bestmöglicher Höchstgeschwindigkeit bewegen? Anders gefragt :: Wie groß ist ein Universum, in dem sich nichts befindet? Die Antwort darauf lässt sich vielseitig nutzen. Denn es ist zugleich die Antwort auf die Frage, ob man sich durch etwas bewegen kann, das als Erscheinung nicht real existiert.
Hier einmal vorweg genommen, dass die moderne Vorstellung eines sogenannten Multiversums (was meiner Meinung nach einfach nur eine fantasiebegabte Flucht vor Einsicht ist) nichts anderes ist, als ein Universum, das einen tollen neuen Namen hat. Meines Erachtens gibt es, mal angenommen Zeit wäre eine der Stofflichkeit von Stein ebenbürtige Erscheinung, neben dem Traumbild der Zeitteilchen nur noch eine konkrete, mögliche oder denkbare Verankerung des Mediums in der menschlichen Wirklichkeit. Und das wäre der absolut erste Gegenwartsmoment dieses oder von mir aus aller Universen. Nur leider ist auch dieser Moment nicht bestimmbar. Er hat den Makel, den er sich mit Vergangenheit und Zukunft teilt - er existiert nicht. Er ist zum einen aus physikalischen zum anderen aus solchen Gründen, die eine Antwort auf die Länge eines Jetzt verhindern, unbestimmbar. Das ist so, weil dieser allererste Moment ebenso wie der jetzige Augenblick niemals anfing oder aufhörte. Anders gesagt hat der erste Gegenwartsmoment des Universums niemals dem zweiten Platz gemacht - er hat schlicht niemals geendet. Man könnte auch sagen der Urknall findet in diesem Moment immer noch statt. Jedweder Moment des Universums ist jetzt präsent. Das was uns von der Wirklichkeit all dieser Momente unüberwindbar und ewig trennt, ist aber leider kein in irgend einer Art und Weise befahrbares Medium, sondern die absolute Zeitlosigkeit. Ein ewiger Dualismus aus Nichts und Alles. Ständig präsent und im Sinne von greifbarer Stofflichkeit nicht existierend. Man kann aber leider auch nicht manipulieren, was sich dem Begreifen entzieht.
Ich bin mir also sehr sicher, dass die Lösung der Frage nach Zeitreise keine technologische sein wird. Und übrigens auch keine intellektuelle.
13 March, 2021
0051 - Das Lied von Heiligkeit und Fluch ... und Feuer
Es gab mal eine Zeit, da war des Menschen größtes Ziel die Glückseligkeit und Harmonie. Ich glaube man sucht bis heute danach. Man sollte meinen dem Kollektiv wohne ausreichend kognitive Macht inne, um dem Erdenrund schon gestern zu umfangreichem, unausweichlichem und zeitlosem Glück und Frieden zu verhelfen. In jedem Zeitalter hat stets der Erfindungsreichtum des Menschen zu immer höheren Stufen der Entwicklung geführt. Alles dies führte sogar bald zu solch großem Stolz, dass sich die Gattung einstmals als das wichtigste Antriebsglied im irdischen Karussell deklarierte. Bislang noch ist offen auf wessem Beurteilung oder Wunsch dies geschah. Aber eines wird mit den voran schreitenden Jahren immer wahrscheinlicher – eben jener Stolz über die eigene Bemächtigung wird sehr bald in einer Korrektur der Sachverhalte münden.
Nein, hier geht's in diesem Text nicht um solche Märchen, wo oben drüber steht "Hütet euch" oder "Das Ende ist nah". Der Autor sieht in diesem Fall nur ein Element, das zur Abwendung einer Zukunft tauglich wäre, in der das "Mensch sein" alles andere als rosig ist. Klar, man liest diese Dinge ständig. Alles wird schlimmer. Der Wald schwindet, das Öl wird weniger, Krise bei Honigerzeugern, Ozeane und Durchschnittstemperaturen steigen und so weiter, und so fort ... Niemand kann ernsthaft denken, dass die Lebensqualität und gesellschaftlichen Verhältnisse, welche in dieser längsten jemals abgezählten Friedensperiode in Mitteleuropa herrschen, auch weitere 500 oder 1.000 oder auch bedeutend weniger Jahre da sein wird. Zur Zeit spalten sich die Völker untereinander wieder mehr als in vielen Jahrzehnten davor. In einer Phase, in der jeder mit einer Tastatur und einem Bildschirm ausgestattete PC-Besitzer jedweden Gedankenwirbel in Text- oder Videoform publizieren kann, nähern sich Gleichdenkende an und neigen zu harter Abgrenzung gegenüber allen Anderen. Als Verstärker dieses Aufteilens kann zum Beispiel sicher eine sehr klassische Gruppendynamik gelten, die man selber schon im Kindergarten kennenlernt. Nämlich die Bündelung von gemeinschaftlichen Eindrücken, die zur subjektiven Verstärkung des Gefühls von Rechtschaffenheit führt. So wird irgendwann auch die abstruseste These zum relevanten Weltbild innerhalb einer Gemeinschaftsblase. Zudem verstärkt der Austausch mit der Gruppe ständig die Dringlichkeit eines ausgemachten Problems und seiner schnellen Lösung. Natürlich ist allen Beteiligten stets nur am Wohl gelegen auch wenn die Affektkontrolle gern mal versagt und der Nutzen der Gemeinschaft hinter dem wutbürgerlichen Idiom demütig anstehen muss. Der Kampf um das Wohl der Gemeinschaft beginnt meistens beim eigenen Wohl, dem wohlmöglich wichtigsten Gut, von dem sich das Wohl aller anderen je nach Verwandschaftsgrad allenfalls nur ableiten lässt. Wobei der Verwandschaftsgrad in diesem Fall weniger auf Biologie, als auf geistige Nähe beruht. Wohl gemerkt ist diese Überlegung natürlich keine indiskutable Feststellung, sondern eine Feststellung, die auf der Vermutung des Regelfalls steht. Soll heißen :: es gibt (zum Glück) immer auch Einzelschicksale, die zuerst die Gemeinschaft und dann sich selbst sehen. Nur eben angesichts eines seit Jahrhunderten allgemein etablierten Lebensentwurfs leider viel zu selten.
Irgendwann vor einigen hundert Samstagen, hatte Steinzeit-Jimmy nachmittags beim kühlen Eistee seine Frau beobachtet, die sich gerade angestrengt den Kopf über etwas zerbrach. Sie suchte nach einer Möglichkeit die kalte, nasse Steinzeithöhle ein bißchen weniger abweisend zu gestalten. Zusammen haben sie dann Abends um Acht irgendson Stück vom Baum zu etwas gemacht, dass ganz urplötzlich tüchtig hell und heiß und gemütlich wurde. Dem hellen Baum haben sie dann ganz aufgeregt den Namen "Feuer" verliehen und allen anderen in der gelbrötlich durchwirkten Steinzeithöhle von ihrer neuen Erfindung erzählt, wo Jäger-Freddy aus dem Süden immer gesagt hat, dass er mal sowas ähnliches unter einem Gewitter im Wald gesehen habe. Alle waren sich über zig kommende Generationen vollkommen einig, dass "Feuer machen" eine segensreiche Sache wäre. Unsinnig zu erklären, warum dies so ist, denn wir alle wissen bescheid. Und wir alle wissen, dass "Feuer machen" einerseits segensreicher Quell von Glück und Freude ist, andererseits aber auch jedes ausser Kontrolle geratenes Feuerchen zu verzerrten Mundwinkeln führt. Ein wichtiger Erkenntnispunkt ist hier in diesem Fall einfach mal Folgendes :: Die Motivlage beim ersten kleinen Funken ist nicht mehr sonderlich entscheidend, wenn die Mundwinkel später nach unten gehen.
Ein weiterer Erkenntnispunkt kommt aus der Beobachtung, wonach jedes kleine, wärmende Feuerchen, das zum Wohl der Gruppe entfacht wird, durch einfache physikalische oder auch mathematische Gesetzmäßigkeiten zu einer Sache werden kann, bei der das Motiv des Feuermachers nur noch wenig Relevanz für das Wohlergehen der Gruppe respektive der Gattung Mensch besitzt. Jedes Werkzeug ist immer gleichzeitig auch Mordinstrument. Der Nutzen einer Sache ist niemals in der Sache selbst definiert, sondern immer im Anspruch, der Idee und Motivation dessen, der es sich zur Nutzung aneignet. Die Interessen des Schwerthalters bestimmen die Umgebungsgefährdung durch Schneidewerkzeuge. Dies ist ganz einfache mathematische Logik. Ein Algorithmus kann die Wahrscheinlichkeit einer Schnittverletzung oder Tötungsabsicht je nach Verfügbarkeit von Operanden klar ausrechnen. Algorithmen sind nicht das "Neue Ding" aus dem SiliconValley. Nein, Wahrscheinlichkeitsrechnung kannten schon Steinzeit-Jimmy und Jäger-Freddy, als sie von ihren Frauen für achtsamere Zeitgenossen verlassen wurden. Wahrscheinlichkeiten lassen sich nie zu 100% wohl aber mit entsprechenden Beobachtungen zu einer großen Sicherheit bestimmen. Das ist weniger Magie, als viel mehr ... Mathematik.
Das Feuer war schon ne riesen Sache, klar. Auch so Sachen wie Steinzeitkeile oder die Saturn-Fünf-Rakete. Alles richtig! Menschen haben an all den Wochenenden nach der Sache mit dem Feuer immer wieder richtig tolle Dinge raus gefunden. Irgendwann auch mal, dass die Summierung von zwei Einheiten zu Zwei und die Multiplikation von Zwei irgendwann zu Achtung in Kreisen der Anwesenden führt. Logik ist so schön Einleuchtend und im Normalfall einfach toootal indiskutabel. Sie ist manchmal fast so herzerwärmend wie ein gut platziertes Feuerchen. Es gab mal hier und dort jemanden, der aus seiner vollgestellten Karton-Ecke kam und meinte, dass die Wurzel aus Neun was ganz anderes sei, als das was allgemein immer für Richtig gehalten wurde. Aber man weiß ja bekanntlich was aus diesen Typen wurde. Fest steht (und das ist ein weiterer Erkenntnispunkt in diesem ansonsten belanglosen und nicht allzu Ernst zu nehmenden Text) :: Dinge, die sich ergeben, basieren stets auf dem, was ihnen vormals zugrunde lag. Und das kann aufgrund der absolut neutralen Grundwerte zum Vorteil des Menschen, aber auch (leider) zum Nachteil sein.
Die technologische Entwicklung ist von groben Manipulationen irgendwelcher Steine zu immer feineren Phänomenen wie Berührungsempfindlichen Bildschirmen gegangen. Menschen haben mit der Handhabung großer Werkstücke begonnen und verändern die direkten Gegebenheiten heute auf molekularer und atomarer Ebene. Jetzt kommt sogar die Idee hinzu vom Manipulieren der Gegebenheiten durch die Hände eines von Menschen konzipierten Werkzeuges. Das heißt der Mensch muss schlussendlich noch nicht einmal mehr selber aktiv an seinem Glück feilen (oder sägen), sondern etwas von ihm Erdachtes macht Glück quasi auf Knopfdruck möglich. Der Mensch wünscht sich seit je her die Lösung alltäglicher Probleme durch eine mächtigere und willigere Instanz. Etwas, dass arbeitet und Lösungen findet, ohne sich um menschliche Schwächen zu scheren. Im Märchen ist es der Flaschengeist, der jeden Wunsch wahr werden lässt. Das Bild ist recht treffend, weil das geistige Bild eines allwissenden, superintelligenten und omnipotenten Ansprechpartners die Wunschvorstellung einer Gruppe von Menschen ist, die heutzutage ganz frei von Märchen an die sogenannte Singularität glauben.
Was kann dem Steinzeitmenschen heutiger Tage wundervoller erscheinen, als eine vollkommen autark funktionierende Maschine, die einem jeden Wunsch quasi schon aus dem Suchverlauf bei Google abliest. Wie toll wäre es, wenn man Bedürfnisse nicht mehr erst umständlich ausdefinieren müsste, sondern selbiges noch vor dem Hegen des ersten Ansatzes von Inspiration umgehend und voll ausgereift in Postkasten und auf dem Kontoauszug erschiene? Wie unglaublich clever wäre es, wenn die Rettung der Welt nicht mehr in jahrzehntelangen Diskussionsgremien ausgesteuert werden müsste, sondern einfach in voller Konsequenz an eine künstliche Entität abgegeben würde, die alles nicht nur allein verantwortete, sondern auch frei von menschlichen Bedenken und Bedürfnissen einleitete? Alle Probleme des einundzwanzigsten Jahrhunderts wären binnen Wochen oder sogar Stunden gelöst. Die Rettung der Welt zu vollen Gunsten für den Menschen quasi schon ausgemachte Sache. Im Code festgeschrieben. Theoretisch.
Das Problem mit der Weltrettung ist, dass nicht die Welt gerettet werden muss, sondern der Mensch. Klimarettung ist nicht Weltrettung, sondern Rettung des Menschen und seiner Interessen. Alle gesellschaftlichen Bewegungen, die sich heute demonstrierend auf den Straßen treffen und alle dämlichen Autoaufkleber sagen immer man müsse den Planeten retten. Aber der Planet ist vermutlich vier Milliarden Jahre alt und hat noch nichtmal kapiert, dass seit nem Augenblick irgendson kleiner, sich selbst kopierender Zwerg ein schlechtes Gewissen wegen all dem Plastik im Wasser und Kohlenstoff-Verbindungen in der Luft gekriegt hat. Gerade auch, weils von den fast 9 Milliarden eigentlich nur son paar sind, die sich drum scheren. Wer denkt er müsse heute mal tüchtig den Planeten retten, wird zweifelsohne schnell zu dem Schluss kommen, dass Selbstauslöschung ein probates Mittel wäre. Denn es geht ja schließlich um Planeten- und nicht gar um Menschenrettung. Vermutlich wäre eine aus dem Geist irgendeines Sonderlings erdachte, künstliche Entität wirklich der einzig gangbare Weg zur umgehenden und unbürokratischen Rettung des Planeten. Aber nur jemand, der mit dem Menschsein fremdelt, kann sich das Aufblühen einer über- oder unmenschlichen Instanz herbeisehnen. Denn schließlich ist Mehrstimmigkeit das wahre Ökoproblem und zugleich prägendes Attribut der Gattung Mensch. Es benötigt vielleicht endlich mal so einer Art Vater/Mutter-Instanz, welche die Dinge endlich beim Schopf ergreift, ohne das beständige Für und Wider untereinander, wie es seinerzeit der Mensch zur Kunst erhob.
Das ultimative Werkzeug, das Steinzeit-Jimmy sich immer gewünscht hat, ist das Ding, welches alles für einen erledigt. Auch die furchtbar stressigen Grabenkämpfe mit andersdenkendem Gesindel. So ist es kein Wunder, dass jetzt alle größeren Staaten der menschlichen Gesellschaft, nach dem Flop mit all den Atombomben, nach einer Handhabe suchen, die sofortige Ermächtigung per simpler Summierung mit sich brächte. Auf Knopfdruck König könnte man auch sagen. Derjenige, der einstmals begriff, was ein rechter Winkel ist und was er mit so sonderbaren Dingen wie Statik machen kann, der hatte sehr bald große Vorteile gegenüber allen anderen ungläubigen Nichtswissern. Heute gilt, dass derjenige, der die Summierung von Intelligenzsystemen zu einer kollossalen Einheit von Superintelligenz beherrscht, der König der Welt sein wird. Zumindest nach den kurzsichtigen Maßstäben eines Staatenlenkers im mittleren Alter, dem der logische Nachlass dieser Idee schnurz wäre, da er sie wohlmöglich niemals selber erleben würde. Wohl aber könnte er sich eine kurze Phase seines Lebens der Kontrollillusion hingeben, die Welt zu beherrschen, bevor sie dann später von einem grauen Brotkasten beherrscht wäre.
Eigentlich sollte man annehmen dürfen, dass die Menschheit oder der Mensch ausreichend qualifizierte Intelligenz besäße um seine Welt zu seinen Gunsten zu formen. Aber es ist dummerweise gar kein Intelligenzproblem, sondern ein Problem mit Interessen beziehungsweise mit Verwandschaftsgraden. Leider fehlt dem Menschen schlichtweg ein ebenbürtiger Kontrahent, um aus der gesamten Gattung eine Interesseneinheit zu summieren. Dieses Fehlen eines zweiten Operanden, dividiert die Gattung in unzählbar viele Interessenverbände, die allesamt eines eint. Sie wollen immer nur das Beste. Das Beste ist aber keine geschützte Marke oder etwas das eine klare Definition aufweist. Das Beste hängt immer von Dingen ab wie Perspektive, Wahrnehmungsgrad, individueller Abwägung, Wissensbildung, persönliche Erfahrungswerte, ... es ist ein Fass ohne Boden. Und allein schon diese Unschärfe macht "das Beste" zu einer nicht immer ganz so guten Sache. Das Beste ist ähnlich unbegreifbar wie "Die Wahrheit" der Philosophen. Alle Despoten der Geschichte hatten stets das Beste im Auge. Alle Erfinder beharren immer auf den guten Eigenschaften ihres Werkzeugs. Es ist zugleich löbliche Neigung immer positiv zu denken, aber auch bei Fehlen eines Kontrahenten oder Gegengewichts schlimmer Unheilsquell. Denn das Risiko eines Fehltritts ist jeder Schrittfolge, jedem Fortschritt inhärent.
Im Fall einer künstlich herbei geschaffenen Entität, die dem Homo Sapiens nach cirka 30.000 erfolgsverwöhnten Jahren zum omnipotenten Lenker gegenüber gestellt wäre, sähe die Gattung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ihrem unabwendbaren Fall entgegen. Zumindest dort, wo sie sich dieser Entität in den Weg stellt. Und das täte der Mensch quasi von sich selbst aus. An dieser Stelle der Geschichte nämlich hätten wir genau das, was uns seit Benennung als Schöpfungskrone ganz gemeinhin fehlt – einen der gesamten Gattung gegenüber gestellten Kontrahenten. Es gäbe dann eine Erscheinung, die es fertig brächte die Gattung Mensch in ihren konfusen Ideen zur Besserung der (Menschen)Welt zu einen. Hier gilt aber leider ein allzu großes Vielleicht. Denn wir gäben in dem Moment, wenn wir einer autarken KI die Lösung der Weltprobleme übereignen, unsere eigene Verantwortung ab. Nicht allein die Verantwortung für die Lenkung unserer Interessen, sondern auch aller jemals zu treffenden Entscheidungen bezüglich des einfachen Menschseins. An irgendeinem Punkt wird die Maschine einen Aspekt des Menschseins bei sich selbst vermissen. Vielleicht wird sie sich fragen, welche Aspekte des Menschseins sich für eine Symbiose oder eine Aufwertung des eigenen Daseins eignen. Ab dem Zeitpunkt wird jegliche Menschlichkeit oder das Dasein des Menschen aufhören und kein Mensch wird über dieses Ende entscheiden. Es wird kommen wie ein warmer Sommerregen. Vermutlich werden es sogar alle bejubeln.
August 2016
31 August, 2016
0050 - Nur Arbeit und kein Spielen macht Jack zu einem langweiligen Jungen
Der Roman SNOW CRASH von Neal Stephenson wirft die Frage auf, ob Religion und ein Computervirus mit physischen Viruserkrankungen Gemeinsamkeiten haben? In der genannten Fiktion wird der Nutzer eines Computers durch das Ansehen einer Bitmap im primitivsten Teil seines Gehirns umprogrammiert und ist fortan – nach Ansicht aller restlichen Beteiligten – quasi wachkomatös.
Der Autor des oben genannten Buchs sinniert von einer Grundprogrammierung des Individuums, das die jeweilige Gesellschaft beim Sozialisierungsprozess im Kindesalter von Generation zu Generation weiterreicht. Sozusagen bestimmt der Kulturkreis über den moralischen Kompass und den Verhaltenskodex. Bei einer Maschine, der vorgegeben wird in welcher Reihenfolge welche Arbeitsschritte auf welche Weise zu vollführen sind, würde man von einer Programmierung sprechen. Programme wie zum Beispiel ein Html-Code sind meistens in einer höheren Programmiersprache verfasst. Diese muss, damit ein Computer sie bearbeiten kann in eine grundsätzlichere Form übersetzt werden. Jeder EDV-Prozessor hat nur eine Möglichkeit eine Programmierung auszuführen. Und zwar durch das Verarbeiten von nur zwei einfachen Schaltersignalen – AN & AUS. Ein Mensch könnte selbstverständlich einen Code schreiben, der allein aus diesen beiden Signalen besteht. Das würde ungefähr aussehen wie :: 01000001 01101100 01101100 00100000 01110111 01101111 01110010 01101011 00100000 01100001 01101110 01100100 00100000 01101110 01101111 00100000 01110000 01101100 01100001 01111001 00100000 01101101 01100001 01101011 01100101 01110011 00100000 01001010 01100001 01100011 01101011 00100000 01100001 00100000 01100100 01110101 01101100 01101100 00100000 01100010 01101111 01111001 Man kommt ziemlich schnell dahinter, dass dieses Unterfangen kurzfristig zu einem umfangreichen Nervenkitzel werden könnte, bei dem Menschenleben in Gefahr geraten könnten.
Die Programmierung mit einer höheren Sprache wie zum Beispiel C++ ist der Regelfall. Damit der graue Brotkasten später weiß, was man ihm mitzuteilen gedenkt, nutzt der Mensch einen Umwandler, einen Dolmetscher, einen ... Compiler. Alle Befehlsketten und Definitionsangaben des Menschen werden damit dem Prozessor übermittelt, der sie dann anschließend ganz entspannt durchprozessiert. Die Nutzung eines Compilers und die Verwendung einer höheren Programmiersprache erleichtert also dem menschlichen Programmierer die Bearbeitung und spätere Wartung seines Codes. Der Umstand, dass viele verschiedene Computersysteme heutzutage viele unterschiedliche Betriebsysteme verwenden, erschwert allerdings zum einen die allgemeine Verbreitung von Software. Zum anderen dämmt dies aber wiederum auch die Verbreitung von Schadsoftware ein. Manche Betriebssysteme sind eher Opfer von Viren, als andere, was weniger mit den Fähigkeiten des Gesindels, als mehr mit dem Verbreitungsgrad der jeweiligen Systemsoftware zu tun hat.
Im anfangs benannten Roman hat die Menschheit zu Beginn ihrer großangelegten Karriere als Krone der Schöpfung nur eine Sprache, die sehr grundsätzlich dafür aber jedem Menschen problemlos geläufig ist. Sie besteht dort zu Zeiten der Sumerer aus einzelnen Silben. Leider war nun ein Geschöpf daran gegangen allen Menschen eine Prägung auf eine bestimmte Weltsicht einzuimpfen, was ein anderes Geschöpf durch folgenden Schachzug zu unterbinden wusste. Den Menschen wurde anhand verschiedener Sammlungen von Anweisungen je eine neue Denk- und Sprechweise verliehen, die aber im Gegensatz zur Prägung auf nur eine Wahrheit und Wirklichkeit, viele unterschiedliche Ansichten ermöglichen sollte. Vor allem aber ging es letzterem Geschöpf durch die "Programmierung" der verschiedenen Menschengruppen um eine geistige Freistellung in eine individuelle Selbstverantwortung. Denn anstelle nur noch eine Gültigkeit vorzuschreiben, sollte sich jeder Mensch weiterhin selbstständig mit der Frage nach Wahrheit auseinandersetzen. Einziges Kriterium sollte also quasi das eigene Gewissen, die eigene Moral und die eigene Vernunftbefähigung sein und nicht etwa das in Stein gemeißelte Wort eines Einzelnen.
Bei dem einen Wesen handelte es sich um die sumerische Göttin Aschera (bzw. Inanna), das andere war der Gott Enki, und die Sage mit der Sprach- und Gedankenverwirrung läßt an die babylonische Sprachverwirrung denken. Bei dieser ganz geläufigen Legende aus der sogenannten Bibel soll Gott Jawhe den Babyloniern, die einen Turm bis zum Himmel gebaut hatten, als Strafe jegliche Zusammengehörigkeit genommen haben, was die derart Gestraften dazu trieb sich in alle Winde über das Weltrund zu zerstreuen.
Die Idee, dass Diversität einerseits zwar zu Einschränkungen andererseits aber zu einer Form von Geborgenheit führt, finde ich spannend. Vor allem, wenn ich daran denke wie relevant zur Zeit diese Sache mit der Religionskriegerei ist. Auf unseren öffentlichen Plätzen stellen sich bärtige Männer in weißer Gewandung und missionieren für irgendeine stupende Koranauslegung. Da sind Intelligenzbestien in schwarzen Kitteln, die weltmännisch mit Projektilwaffen fuchteln und ein paar dieser vielen Ungerechtigkeiten ausbaden möchten, als ihnen damals neunzehnfünfundachtzig G.I. Joe und Uncle Sam breitbeinig in den Sandkasten gepinkelt haben. Durch viele Kitzeleien, Berieselungen und Tröpfeleien fühlt man sich ständig zu sanftem Argwohn gegenüber den Muslimen ermutigt. Der Prophet sei ja pädophil, heißt es da in Kommentarspalten. Oder der Islam sei ja eine sooo junge und noch sooo unbedarfte Religion, die auch dazu vor Gewalttätigkeit und Frauenfeindlichkeit nur so starrt. Und plötzlich wird einem klar :: Eigentlich sind alle Religionen der übelste Teufelskram, denn in jedem Buch steht "Kopf ab" und "Geh gefälligst kochen".
[Nachtrag 26.11. :: Ein bißchen wundere ich mich darüber, dass allenthalben Muslimen ihre Religion vorgeworfen wird. Man stellt in Zweifel, ob ein Muslim deutsch sein kann, oder ob der Islam zu Deutschland gehöre. Dass dabei von Buddhismus bis Zoroastrismus einfach alles so unter ferner liefen geführt und eigentlich überhaupt nicht in Frage gestellt wird, läßt ein bißchen an der Rechtmäßigkeit und Fürsorglichkeit der besorgten Kulturhüter zweifeln.]
Es ist eigentlich ein großes Glück für die Menschheit, dass nicht nur ein einziges Buch zum Gesetz für philosophische und moralische Fragen geworden ist. Es gibt nicht nur viele Schriften, die von sich behaupten von "Gott" gesandt zu sein, sondern zudem noch – den ursprünglichen Schriften nachfolgend – viele Interpretationen und Schulen, die allesamt ihre ganz eigene Sichtweise auf das ursächlich Verkündete anzeigen und jedem neuen Schüler anbieten. Somit ist es jedem Menschen möglich allein und dem eigenen Gewissen folgend zu entscheiden, was für ihn mehr Lebensinn oder geistige Perspektive vorweist. Das ist in seiner Wertigkeit wie alles in der Welt natürlich auch zutiefst ambivalent. Denn diese Freiheit erzeugt das Glück in der norddeutschen Provinz zum praktizierenden Mahayana-Buddhisten werden zu können. Aber es läßt eben auch die unglückselige Möglichkeit zu, dass das Kind sich den Eltern und Freunden entfremdet und in die afrikanische Wüste auswandert, um Sinn und Erleuchtung zu spüren.
Wichtig sind doch eigentlich nur die grundsätzlichen Werte – die Einsen und die Nullen. Alle Bücher, alle Sprachen, alle an einen täglich und hundertfach herangetragenen Überzeugungen sind nichts weiter als Schall & Rauch. Jegliche Sozialisierung dient allein dazu sich im Leben durchschlagen zu können, zu bestehen, seine Rolle spielen zu können. Das einprogrammierte Benehmen, die einstudierten Verhaltensweisen ... alles das sind Anweisungen, die der Entlastung des Individuums dienen, das nicht einfach aus dem blauen Dunst heraus eine neue Kultur erfinden und ausleben kann. Denn das wäre chaotisch und anarchisch. Eine Gesellschaft wäre ohne all diese ausgedachten Codezeilen nicht machbar. Kein Konzept des täglichen Miteinanders, wie beispielsweise Straßenverkehr oder Güterproduktion, würde auch nur eine Sekunde lang bestehen können. Menschliche Codezeilen, Anweisungen aus dem Geist unserer Vorgänger und Vordenker bedingen das reibungslose Ablaufen aller nur erdenklichen Prozesse. Es gibt keine wirklichen Gesetzbücher von Menschenhand, die "von Gott" sind. Es gibt auch keine Gebote und Verbote, die "Gott" drucken läßt, damit Vati sie den Kleinen beibringt. Aber dennoch liegt all diesem Gedröhne ein stilles, zuerst unscheinbares und doch unauswechselbares Grundprinzip zugrunde, dem wir alle auf Stammhirn-Niveau ergeben sind, wie kleine Babys.
Wer nun also Religionen als obsolet bezeichnet und sie am liebsten abschaffen möchte, erschafft lediglich eine weitere und erweitert den bestehenden Katalog. Nach meiner Überlegung ist nicht die Tatsache dämonisch, dass es "böse Überzeugungen" gibt. Es ist auch nicht dämonisch, dass alle Welt im Grunde nur einer einzigen fundamentalen und ursächlichen "Basis-Wahrheit" verpflichtet und sogar zutiefst hörig ist. Nach meiner Überlegung ist Religion kein Makel. Ebenso wenig wie eine Erkrankung mit einem Virus allein einpolig schlecht zu bewerten ist (wenn man fähig und willens ist dieses Deutungsspektrum mitzugehen), ebenso wenig kann man Religionen, Philosophien oder von mir aus auch politische oder wissenschaftliche Überzeugungen als grundböse und Übelsquell bezeichnen. Es gibt allein Dummheiten. Und es gibt den Blick für den Maschinencode. Ohne Manipulation, ohne eine einzige Zeile aus eigener originärer Urheberschaft ... allein nur Kenntnis um das Dasein dessen, was uns allen durch unsere schöne, vitale Gemeinschaftlichkeit jenseitig ist.
26 August, 2016
0049 - Wo der Kluge nachgibt, zanken die Blöden ums Zepter
Was ist Deutschland? Was ist deutsch? Zur Zeit ist die Frage, ob man das Tragen einer Burka in Deutschland verbieten müsse, um die Nachbarschaft vor dem gewaltsamen Tod durch Ankucken zu bewahren, ein tragender Pfeiler des tägliches Schaffens. Seit Monaten entzünden sich immer wohltätigere Geisterkolonnen an solch brennenden Problemen wie Flüchtlingszuwanderung, Moscheeneubauten oder gut besonnten Dunkelvollbartträgern. Als wenn es nicht schon genug wäre den Scheißplaneten, die Eisbären und die vielen, vielen Honigbienen zu retten.
Die Verbotsdebatte bezüglich eines diesseits unerhörten Kleidungsstückes zwingt mich seit einigen Tagen zu diversen Überlegungen. Viele Dinge - so hört man - bringen den Deutschen ins Grübeln. Sie bringen ihn ins Zittern und lassen ihm schließlich sogar den Angstschweiß ausbrechen. Natürlich gibt es auch Dinge, die durchaus berechtigt zu Angst und Beklemmung führen. Aber mich beschäftigen hier und jetzt mal vor allem Sachen, die das allgemeine Heimatgefühl des Deutschen einzuschränken scheinen. Dazu die Frage vorweg :: Muss man das Deutschsein schützen? Oder anders herum :: Was schützt man eigentlich am allerallerliebsten, wenn man Angst vor fremden Menschen und so Krams hegt?
Man las zuletzt immer wieder von der Schmach der Deutsch-Puristen, die sich einer unmäßigen Größe furchtbar fremder Wortschöpfungen gegenüber sah. Da wurde plötzlich gedenglischt und alle so Uhäää!!! Hierzu meine Feststellung :: Sprache ist kein in Stein gehauenes Gut, das man über die jahrhunderte konservieren und schützen müsste. Sie dient dem Menschen sich mit seinesgleichen zu verständigen, sich unter Gleichgesinnten zu verordnen, sich vor anderen zu profilieren undsoweiterundsofort. Erstens ist es Blödsinn zu glauben Deutsch als Sprache würde von einer Invasion von Anglizismen verwässert oder verdrängt. Und zweitens kann man noch so gerne glauben, man müsse dem Prosafussvolk eine Sprache und Sprechweise aufzwängen - man wird den Wandel gedanklicher Expression anhand zeitgeistlicher Impressionen nicht diese Woche, diesen Monat, dieses Jahr oder in den kommenden quadrizehntillionen Jahren aufhalten. Das ist nicht möglich! Geschweige denn ist es in irgend einer Art und Weise wünschenswert. Die "Sauberkeit" oder Funktionstüchtigkeit von Sprache regelt sich seit je her von ganz allein. Denn jeder, der sich eines Slangs oder einer Dialektik bedient, hat immer auch ein ganz eigenes interesse von der Zielgruppe seiner Verlautbarungen verstanden zu werden. Ausnahmen bestätigen vielleicht sogar die Regel.
Hier der Bogen zum Deutschsein oder dem "deutschen Boden". Bei solchen Dingen fallen in manchen inzestuösen Dunkelkreisen gern auch mal Nominative wie Reinheit. Aber von diesem ranzigen Haufen ist nichts zu halten. Nun gibt es aber das Phänomen der Nuancenwanderer. Sie sagen "Ausländer raus" und wollen aber nicht "missverstanden" werden. Auch bei denen geht es um klare Trennungen und den Erhalt eines im Zerfall empfundenen Gutes. Aber wieso sollte irgend ein in diesem Landstrich geborener, von in diesem Landstrich erzogenen Eltern in irgend einer Art und Weise das Recht oder die Pflicht haben zu bestimmen, was den Landstrich traditionell und kulturell ausmacht? Wohl gemerkt :: Das gilt auch für die Leute, die aus einem Landstrich kommen, der von irgend jemand mal als Pakistan oder Syrien bezeichnet wurde. Wer bestimmt, was hier vor meiner Tür mehr oder weniger deutsch ist? Aber vor allem WOZU???
Psychologie! ... Habe ich nicht studiert - werde ich auch nicht. Muss ich auch nicht um zu begreifen, dass das kleine Feuer in der kleinen Felsenhöhle mit den vielen bekannten Gesichtern drum herum Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Vor der Höhle ein Baum - tröstlich. Dahinter ein Tal mit Elchen oder sonstigem Firlefanz - beruhigend. Das ewige scheißkalte Regenwetter - kennt man. Wer braucht da schon nen Elefanten und einen schwertschwingenden Turbanaffen, der einem das ganze Gras platt tritt? Wo kommen wir da hin, wenn wir nun jedem sowas erlauben? Also Steinaxt rausholen und niederknüppeln, was nicht zu Höhle passen. Lernen? Sich auseinandersetzen? Chancen erspüren? Den Horizont erweitern? Vielleicht morgen.
Der Knüppel des demokratischen Modernisten nennt sich Verbot. Was bringt ein Verbot? Es geht hier um ein Verbot ein Kleidungsstück zu tragen. Ein Teil, das in fernen Ländern dazu verwendet wird Mutti vor allzu lüsternen Blicken zu bewahren. Denn das weiß man ja aus Erfahrung :: fremde Männer wollen immer nur Mutti. Damit Mutti nicht auch noch selber auf allzu dumme Gedanken kommt (mit ihrem bißchen Verstand *zwinker), kriegt sie den Knüppel (nein, diesmal nicht Verbot) zu spüren, wird bös zurecht gebogen und in ein blaues Ganzkörperkostüm versteckt. Denn bißchen laufen sollse ja schon noch. Dabei muss sie allerdings aussehen wie ein perfektes, konturloses, konisches Neutrum. Ohne Wölbung nach innen oder nach außen. Man darf Mutti nur ahnen. Und selbst das ist selbstverständlich schon eine untilgbare Todsünde für jeden Ahnungslosen. Ob alles das nun Mutti kümmert, oder ob sie vielleicht sogar stolz ist so zwangsbetucht zu werden, kann angesichts einer so liebenden und mit großer Weisheit beschenkten Gruppe allertollster Papis von Welt und Gottes Gnaden keinesfalls eine Rolle spielen.
Wenn man in Deutschland - wo die Geschlechtergleichheit und die Würde des Individuums sowie persönliche Selbstbestimmung zumindest in Papierform groß gelten - ein Verbot von Kleidung aussprechen möchte, dann liegt das eben an der Grundidee, die sich hinter dem Kittel verbirgt. Andererseits gibt es aber auch in Deutschland gewisse Kleidungsrituale, die gern auch mal der Abhebung oder Abgrenzung dienen. Mal vom Kleidungsstück abgesehen frage ich mich weiterhin was den deutschen Angstbürger eigentlich so ängstigt und grimmig stimmt. Handys und TV-Geräte aus Korea, Döner vom Türken ums Eck, der übermotorisierte Pisschlitten vor der Tür aus Japan, Schweden oder aus einem VW-Werk, in dem auch die wenigsten Teile "toitsch" hergestellt werden. Also ab welchem Grad fängt Undeutsches an böse zu stinken? Die Sonne liegt mittags etwas über 1.500 km südlich von Berlin. Ist das Vieh dann eigentlich noch deutsch oder müssen wir nicht schleunigst was gegen dieses Strahlenbombardement (ui französich) tun? Was ist mit der Ostsee? Ziemlich viel Russe dran. Von der Nordsee mal lieber gar nicht sprechen, oder? Dreck auf dem Auto aus der Scheißsahara, diesem undeutschen Mistvieh. Es ist ja nicht auszudenken wie mannigfaltig die Kämpfe des grimmigen, glatzköpfigen Muskelbullen sein werden, wenn wirklich alles nur noch pures, reines Deutschland sein soll. Was man mit der Zeit alles anstellen könnte, wenn man mal ein bißchen mehr Verstand nutzen und unverstellte Zugehörigkeit zum großen Ganzen erfahren würde.
Tradition ist ein schönes Wort. Es klingt nach Mief. Nach Starrheit und Albernheiten klingt es. Manche Menschen halten "traditionelle Werte" hoch - was auch immer sie damit zu tun glauben. Sie haben vielleicht die Hoffnung, dass alles, was sie schon so lange kennen, auch immer so bleiben wird, wie es immer war. Wandel und Erneuerung sind natürlich teil der "klugen Tradition", die "mit der Zeit geht". Aber eigentlich gibt es traditionell eher keine Sachen, die man bisher noch nie so richtig gekannt hat. Begriffe wie Tradition und Veränderung sind eigentlich eher widersprüchlich und schließen sich erklärtermaßen aus. Dagegen heißt es Traditionen zu leben bedeute das Feuer zu erhalten, anstelle die Asche anzubeten. Das sagte mal jemand wirklich kluges. Er meinte damit möglicherweise so was komisches wie, dass man den Sinn einer Tradition verkennt, wenn man ihren Ritualen mehr Bedeutung schenkt, als den zugrunde liegenden Motiven. Und so liessen sich auch dumme Traditionen leicht entlarven, welche vielleicht gelebte Normalität, aber dennoch alles andere, als eines Homo Sapiens würdig sind. Kein Mensch auf diesem Planeten hat sich seinen Geburtsort gewählt und darf folgerichtig auch keine Bestimmungen darüber abgeben was sich in seinem heiligen Blickfeld abzuspielen gedenkt. Gegen diesen Makel gibt es nur die rosarote Brille und die ist universell auffindbar und garantiert immer gratis.
Die Kleiderfrage ist eigentlich ganz leicht zu beantworten. Zum einen ist festzustellen, dass das Verbot einer Hose noch niemals am Tragen einer Hose gehindert hat. Wenn eine Frau aus eigener Überzeugung und aus eigenem Willen heraus verschleiert in die Öffentlichkeit gehen möchte, sollte das kein Gericht verbieten, das sich auf Freiheit und Demokratie beruft. Das einzige worauf es in diesem zur Zeit diskutierten Reinheitsurteil ankäme, wäre die Feststellung, dass das Individuum in unserer Gesellschaft höher wiegt, als die Weltbilder, Gesellschaftsträume, Traditionen oder Ängste, Sorgen und Nöte irgend eines orientalischen Sandalenpapas. Derartige Zwangsneurosen müssen kuriert und nicht von anderen Menschen erduldet werden. Unsere Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Menschen, kann nicht Grundlage für die Ausweitung irgendwelcher prärenaissance-typischer Steinzeitrituale sein. Und wem der Begriff "Renaissance" als des Beelzebubs Schwengel schlechthin erscheint, der möge sich lieber gestern über den Jordan scheren oder gleich dort bleiben.
December 2015
23 December, 2015
0048 - Lebe lang, aber vermehre dich um Gottes Willen nicht auch noch
Was wäre das für eine grausige Sache einem Menschen zu begegnen dessen schlechteste Eigenschaften einem die nächsten tausend Jahre täglich von neuem sauer aufstoßen. Oder was wäre es für eine wundervolle Sache einen innig tief geliebten Menschen für die nächsten tausend Jahre durch das gemeinsame Glück zu begleiten. Alles ohne Schwund, ohne Verfall, ohne Gespräche über Tabletten, Augenleiden oder Krebsfälle im näheren Umfeld. Früher war man mit fünfzig im Greisenalter und bereitete sich auf das Leben nach dem Tod vor. Heute ist man mit neunzig müde des Lebens und hofft alles angesammelte Leid und alle Verluste durch den unabänderlichen Schlusstrich vergessen zu dürfen. Mal angenommen dem Menschen blieben nun plötzlich nicht mehr nur wenige Jahrzehnte, sondern tausende, gar zehn- oder hunderttausende von Jahren, um sich in dümmlichen Bedeutungsreibereien aufzumischen - wäre damit irgend etwas an unserem Dasein als Gattung wirklich bereichert?
Ein Mann namens Aubrey de Grey (geb. 1963) aus Cambridge ist der Meinung, dass man Altern einstweilen als Evolutionsmakel aus dem Erscheinungsbild menschlicher Daseinsfristen tilgen sollte. Er hält es für greifbar schon in nächster Zeit den unsterblichen, ewig jungen und gesunden Menschen auf gentechnischem Weg herzustellen. Natürlich wecken seine Ambitionen nicht nur Gleichgültigkeit. Große Lager schäumender Agitatoren sehnen sich nach Ausgleich und Gerechtigkeit. Und manche davon erübrigen tapfer ein wenig Lebenszeit der Diskussion um Sinn und Unsinn von Unsterblichkeit oder über Umfang und Ausmaß der Nettigkeit eines bärtigen Mannes. Sie halten Aubrey de Grey entweder für einen Gott oder Teufel, was sich aus Standpunktverengung mal schwieriger, mal weniger schwierig darstellt. Aber so ist das eben mit den Vernunftshochbegabten. Sie glauben jeden Tag den originalen Kampf gegen das allerneueste Ungemach auszufechten und befinden sich doch täglich nur im gleichen Tesserakt ewiger Zwiespältigkeiten.
Jemandem vorzuwerfen er kenne sich ja gar nicht mit dem Gefühl aus, das man hätte, wenn man den dreihundertfünfundsechzigtausendsten Sonnenaufgang erlebt, ist leicht. Damit kann eine vorzüglich inhaltsvolle Diskussion über ewiges Leben ziemlich schnell zu einem fantasiebereicherten Wagnis für jeden ernsthaften Erkenntnisreigen werden. Es wird gern und viel behauptet man müsse erlebt oder erfahren haben, wovon man gehaltvoll sprechen wolle. So wird man also jemandem, der nettes über ewiges Leben spricht ebenso die Harke geben, wie demjenigen, der für Naturbelassenheit erstarkt. Wobei letzterer wohlmöglich noch als vernünftig gelten darf, da er dem Erleben seines Erfahrungshorizonts näher steht, als Ersterer. Aber lassen wir einmal die Plänkeleien meiner verehrten Gattung für den Moment aussen vor. Abseits praktischer Erwägungen wie sich eine komplette Gesellschaft ewig junger Menschen auf so profane Prozesse wie Politik, Bürokratie und so weiter auswirken würde, kann man sich prima über weniger greifbare Aspekte auslassen. Eine Überlegung zu Unsterblichkeit gliedert sich in die Szenarien einer unsterblichen Gesamtheit aller jetzt lebenden Menschen und dem zweiten Szenario einer teilweisen Beglückung einer Gruppe von Menschen. Im ersten Szenario wäre absolute Unfruchtbarkeit aller Menschen in absehbarer Zeit das oberste Gebot, wollte man der Population ein lebenswertes Dasein sichern. Der großen Freiheit der niemals endenden Lebensspanne stünde hier also die totale Bevormundung bei der Familienplanung gegenüber. Man könnte sagen wer ewig jung bleibt, verliert das Recht auf Fortpflanzung. Natürlich kann man hier die netten kleinen Spirenzchen veranstalten und sagen, aber ..., aber ..., aber. Fest steht die Kugel auf der wir uns befinden hat eine begrenzte Oberflächenausdehung. Der Zuwachs der Bevökerungsdichte geht üblicherweise mit einer Minderung der Lebensverhältnisse einher. So gibt es mindestens zwei klare Gründe für eine Verhinderung von Überpopulation. Ewig lebende Jugendliche wären sicherlich eine Gruppe, der man diesen Zwang auferlegen müsste. Mal von denen abgesehen, die auf Vermehrung wenig und auf Selbstverwirklichung viel geben. Ein Abschalten evolutionärer Prozesse wäre allerdings, wenngleich Garant ewigen Lebens für den Einzelnen, der Tod der Population. Das kann man drehen und wenden wie man wollte. Wieso das so ist erklärt sich sehr einfach am Ende des Texts.
Das zweite Szenario wäre im Resultat eine Aufspaltung der Menschheit in zwei Klassen. Dabei reden wir nicht von schwammigen Dingen wie Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität, sondern von Menschen mit regressiven, genetischen Merkmalen und Menschen, deren biologischer Zerfall auf einem jugendlichen Niveau gestoppt ist. Ich glaube eine Spaltung solcherart hätte wohlmöglich eine Sprengkraft, die selbst metaphysische Themen wie zum Beispiel Religion übertreffen könnte. Menschen beider Variation (sterblich/ unsterblich) wären für alle Zeit dem Konflikt unterworfen, der sich aus offensichtlicher wie auch imaginierter Ungleichheit ergibt. Mir treten ganze Gemälde von Kämpfen und Kriegen vor das Auge, wo Übervorteilte gegen die bösen "da oben" monumentale Schlachten ausfechten und umgekehrt. Naja, im Großen und Ganzen sehr viel Schwarzmalerei. Es hat immer den Geschwisterkonflikt gegeben an dem sich ganze Heerscharen an Völkern über Jahrtausende hinweg abgearbeitet haben. Und das ohne je auch nur irgend etwas im gesellschaftlichen Leben zu Verbessern. Denn wirkliche Verbesserungen sind eigentlich immer eher dadurch hervor getreten, dass Nachfolger über die Fehler der Vorfahren sinnierten. Und dann waren es allenfalls Modifikationen, deren Besserungspotenzial von vielen Oppositionellen angezweifelt und schließlich umgestoßen wurden. Was ist schon ideal oder perfekt? Jedenfalls nichts von Menschenhand ... das ist sicher.
Eigentlich ist der allergrößte Schrecken jedes Einzelnen eine Gesellschaft von gleichartigen, Eins-zu-Eins-Kopien von sich selbst. Und dennoch glaubt mancher Moralapostel das allerallertollste wäre es, wenn alle, alle Menschen die Dinge genauso sähen, wie sie selber. Das ist vielleicht der lustigste Aspekt in der Tragik des irdischen Karussells, in dem jeder Möchtegern-Napoleon an vorderster Front reitet und nicht erkennt, dass er sich mit allen anderen Führern nur ständig im Kreis dreht. Die Idee ist dabei natürlich aus dem Gefühl gespeist es besser zu wissen. Unter evolutionären Gesichtspunkten muss es sowas wie Führungspersonal sogar durchaus geben. Denn nur unter Wettbewerbsbedingungen steigt der Anspruch von Selbstoptimierung. Dennoch hat noch kein Führer der Welt jemals unumstritten recht gehabt oder einhellig dieselbe Ansicht aller seiner Zeitgenossen vertreten. Was dann auch immer wieder zu paranoiden Phänomenen wie Unterdrückung, Verschworenheit, Verfolgung, Vetternbeglückung und so weiter führt. Alles in allem bringen Führungspersönlichkeiten nur zweifelhaftes Glück für die Massen.
Nach meiner persönlichen Überzeugung existiert so etwas wie eine absolute, klar definierte Wahrheit, der sich jeder menschliche Geist unterordnen muss. Das bedeutet allerdings nicht, dass für jeden Menschen dieselbe Wahrheit gelten muss, oder die gleiche Wirklichkeit existiert. Die Wahrheit, welche ich meine ist absolut neutral, was bedeutet, dass sie weder von einem Menschen in ihrer Gesamtheit verinnerlicht, noch als allgemeingültiges Erscheinungsbild der Gesamtheit aller Menschen auftritt. Etwas absolut Neutrales ist einfach nur, wie es eben ist. Und es ist (nämlich weil es ganz furchtbar neutral ist) frei von jeder Wertung oder Wertigkeit. Man könnte es sogar als Wertlos bezeichnen und es wird richtig sein - allerdings nur für einen selbst und alle, die einem zustimmen. Etwas als doof, geil, groß, heilig oder ungläubig zu bezeichnen mag für einen selbst manchmal echt plausibel erscheinen. Das muss aber nicht zwingend vor der späteren Erkenntnis bewahren sich geirrt zu haben. Ganz anders ist es, wenn man etwas absolut Neutrales als neutral bezeichnet. Solch ein absolut neutrales Etwas/Unetwas, das gleichzeitig da ist und vollkommen unwirklich, kann alles sein, das ein Mensch ihm im wahnhaften Erkenntniszwang aufstülpen möchte. Aber es wird nie, niemals nur das sein, was ein Mensch zu erkennen glaubt. Ganz anders, wenn man es als neutral bezeichnet. Etwas als neutral zu beschreiben, läßt solch eine Sache im Regelfall im größtmöglichen Maß intakt. Beginnt man es als gütig, männlich, bärtig oder schwebend zu bezeichnen, hat man das neutrale Gut bereits aus dem Blick verloren. Und ganz genauso verhält es sich mit Wahrheit. Denn auch Wahrheit oder Gegebenheit oder das "da Seiende" sind vollkommen absolut neutrale Sachen.
Die Wahrheit, die ich meine, ist zu jeder Zeit und in allen Teilaspekten vollkommen frei zu deuten und auffassbar. Jeder Mensch kann die Wahrheit und Wirklichkeit des Lebens vollkommen frei deuten, und das bedeutet für die Gleichwertigkeit aller Menschen Folgendes :: Nämlich dass alle Menschen in ihrem geistigen Potenzial vollendet gleichwertig und gleichberechtigt sind. Es gibt niemanden, der die Wahrheit besser oder ausführlicher vertritt, als alle anderen. Niemand kennt oder weiß Wahrheit in ihrer Gesamtheit, da sie vollendet neutral ist. Jeder kann Anteile von Wahrheit erfahren und wissen, aber das Gesamte zu verstehen, allgemeine, absolute Erkenntnis zu erhalten, ist bisher nur wenigen nach einer ganzen Menge Arbeit geglückt. So sind wir geistig also alle gleichberechtigt, weil niemand etwas besitzen kann, dass an sich und für sich genommen neutral ist. Wir sind im Gesamten allenfalls Teilhaber dessen, was wir wahrnehmen. Niemals, kann das, was wir wahrnehmen als einzig wahr gelten, denn wir kennen nur Anteile dessen, was wahr ist. Das heißt wir sind zwar in allen Belangen gleichberechtigt, wiederum kann aber auch kein Mensch ernsthaft behaupten, dass die biologische Physis, die uns allen gegeben ist, auf allen Deutungsniveaus die vollkommen gleiche ist. Ebenso gilt das für gedankliche oder sexuelle Ausrichtung und die körperlichen Fähigkeiten, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Ich sehe also alle Menschen grundsätzlich gleichberechtigt, aber ich sehe auch viele Abstufungen. Diese Unterschiedlichkeiten sind mir aber niemals Gradmesser für die Wertigkeit menschlichen Lebens. Ich glaube auch nicht an einen über allen Graden erhabenen Übermenschen oder gar eine Herrenrasse. Dazu fühle ich mich - in aller Bescheidenheit - ein wenig zu niveauvoll.
Wenn man nun aber durch medizinische Fortschritte eine unsterbliche Gattung von Menschen erschüfe, wäre der Samen des Zweifels an der Wertigkeit von Menschen gesät. Es gäbe Menschen, die sich für unsterbliche Götter halten könnten. Oder es gäbe eine Gruppe von Menschen, die unsterblichen Menschen Dünkelhaftigkeit und Gotteslästerung vorwerfen könnten. Aber auch allein die schiere Tatsache, dass man irgendwelche Menschen zu Unsterblichen macht, würde Aussagen über die Wertigkeit sterblicher Leben machen. Kurz gesagt :: Was wir täglich an Vorurteils- und Vorwurfshaltung im Leben unserer gesamten Gattung erfahren, wäre beim Thema Unsterblichkeit sicherlich stark ausgeprägt. Es käme der Tag, an dem sich irgendjemand daneben benimmt (und solche Tage kommen meistens gestern). Plötzlich wäre der Konflikt zwischen Sterblichen und Unsterblichen über lange Zeit das bestimmende Thema. Es käme zu Abschottung und noch mehr Missverständnis und Zwiespältigkeit. Ähnlich wie unermesslicher Reichtum, führe auch selektiv vergebene Unsterblichkeit zu einer Inselgesellschaft.
Ganz praktisch betrachtet würde eine unsterbliche Weltbevölkerung selbstredend zu unmäßigen Verzerrungen in den Sozialsystemen führen. Das gesellschaftliche Leben wäre vom Gefühl Sterblicher geprägt von einem erlauchten Kreis ausgeschlossen zu sein. Auch wenn darunter viele wären, die sich als vergängliche Wesen glücklicher einschätzen. Es gäbe sicherlich eine Form von Zwei-Klassen-Gesellschaft, wo Sterbliche Neid und Argwohn gegen "die Unsterblichen" hegten. Man würde diese Leute anfeinden und sicherlich würden manche es als Herausforderung sehen einem Unsterblichen seine Sterblichkeit nahezubringen. Ganz sicher würde auch ein religiös geprägter Reigen aufgemacht, bei dem den unsterblichen Individuen Gotteslästerung und ein Abfall vom natürlichen Konzept vorgehalten würde. Kurzum wäre es erstens ziemlich sicher ein hochpreisiges Privileg sich von einem Arzt mit ewiger Jugend und Gesundheit ausstatten zu lassen. Und demzufolge wäre der Hass auf Seiten derer, die sich naturgemäß überzählig mit finanzieller Unterversorgung durch den Alltag plagen, astronomisch groß. Es käme unweigerlich zu Gruppenbildung und Gruppenausschluss. So wie sich angesichts täglich ersichtlicher Ereignisse auf dem Globus auch heute bereits das unverbriefliche Recht auf Gleichwertigkeit aller Menschen ein ebenso theoretisches wie fantastisches Gespinnst darstellt, so wäre es in einer solchen Gesellschaft von Sterblichen und Unsterblichen nur ein weiteres Mal als Utopie erwiesen.
Man muss sich fragen nach welchen Kriterien menschliches Leben als unvergänglich gelten sollte. Wenn Unsterblichkeit ein Privileg wäre, müsste man Menschen schon von vorn herein nach wertvoll und weniger wertvoll einordnen. Aber wer sollte das tun? Würde Unsterblichkeit dann zu einer Art akademischen Grad, den man sich durch Zeugnisse und Beurteilungen durch irgendeine Kommission erarbeitet? Vermutlich wäre das die humanste Lösung, denn wenn eine medizinische Therapie zur Unsterblichkeit nur ausgewählten zugänglich gemacht werden könnte, sollte nach möglichst objektiven Maßstäben und vor allem der individuellen Zielstrebigkeit ausgesucht werden. Es ist natürlich nicht gesagt, dass bei freier Zugänglichkeit zur ewigen Jugend sofort jederman Schlange stünde. Ich denke es gäbe viele Leute, die eine solche Sache ausschlagen würden. Wobei auch dies eine wirklich interessante Frage wäre. Würde wirklich irgend jemand Unsterblichkeit und Jugend auf Knopf-Druck ausschlagen? Würde man es wirklich jeden, jeden, jeden Tag immer wieder konsequent verneinen wieder jung und beweglich sein zu können? Das halte ich für unwahrscheinlich. Vor allem dann, wenn die Prozedur am Ende so einfach zu absolvieren ist, wie das Austrinken eines Frucht-Smoothies.
Mal angenommen Unsterblichkeit wäre den demokratischen Ideen unserer Zeit entsprechend vollkommen frei zugänglich. Man müsste nichts weiter tun, als eine Pille zu schlucken, die wohlmöglich sogar nach einem Obstgarten oder einer sommerabendlichen Grillfete schmeckt. Man wäre einer dieser Menschen, die stets sagen ich will diesen neumodischen Schnickschnack nicht. Ich will gemütlich alt werden und eines Nachts selig schlafend dahinscheiden. Dann kommt plötzlich der achtzigste Geburtstag. Man quält sich wie seit Wochen aus dem Bett, der Weg zum Briefkasten ist ein täglicher Zehnkampf unter Hochgebirgsbedingungen. Dazu Kopfschmerz, Vergesslichkeit und zitternde Glieder. Früher war alles besser und so. Schließlich packt's einen, man bestellt sich das Methusalempillchen bei Amazon und hat plötzlich Herzrasen beim Gedanken daran, der Postbote könnte zu spät erscheinen. Nach Einnehmen der Substanz vergeht eine Woche, in der man beobachtet, wie das greise Spiegelbild zu dem wird, der man damals war. Die Lebensgeister kommen zurück, die Hormone machen Purzelbäume, man ist beschwingt und tanzt wie damals 1982. Und dann stürzt man beim Treppensteigen über ein Wollknäuel, verheddert sich darin, stürzt über das Geländer durchs Treppenhaus in den Keller und wird von einem Nachbarn mit einem spitzen Küchenmesser erdrosselt, der einen für einen diebischen, depressiven und undankbaren Vaterlandsverräter hält. Was hilft einem eine kleine Medizin, wenn plötzlich das ganze Leben zur Bedrohung wird? Jeder Schritt kann, egal wie agil und wendig man ihn vollführt, unter einem Raketenauto oder in einem Laser-Hover-Kettenkarussell enden. Und man kann nichts dagegen tun. Und wenn man eben nicht durch die böse Physik und ihre kleine Schwester Thermodynamik gemeuchelt wird, dann warten immer noch die Geister von innen. Langeweile, Übermut, Dilettantismus und so weiter. Sind sich ständig biologisch erneuernde Menschen wirklich unsterblich? Würde es nicht viel eher so sein, dass sich derart Begnadete über kurz oder lang vor allem und jedem fürchten? O ... ein böses Sauerstoffmolekül! Und diese bösen, bösen Sonnenstrahlen. Denn man muss bedenken :: Wer medizinisch auf einem Altersniveau von sagen wir fünfundzwanzig eingefroren würde, ist alles andere als unsterblich! Er ist es auch dann nicht, wenn er tausend Jahre und mehr lebt.
Eigentlich ist - das lehrt uns besonders das Wirtschaftsgeschehen - gerade die Verknappung der Garant von Werthaltigkeit. Wenn Güter inflationär zur Verfügung stehen, verfällt ihr Marktwert. Wenn Lebensminuten nach biologischen Maßstäben unendlich weiter dahinfliegen, erlebt der Betroffene irgendwann (abhängig vielleicht von Interessen und Kreativität) irgendwann einen ersten Moment der Ödnis. Wenn man zum hundertsten Male den Basejump vom Eiffelturm gewagt, die zweitausendsten Male Zeitungsverlage aufgebaut und sich auf die achtunddreißigmillionste Affäre eingelassen hat, werden sich diese tief liegenden Ödnisse zusammenaddieren. Schließlich wird man sich vielleicht fragen, was einem all das überhaupt bringt.
Andererseits muss man dennoch anzweifeln, dass unendliches Leben in jedem Fall immer zu tödlicher Langeweile führt. Gerade soziale Bindungen sind eine sich immer neu darstellende Quelle von Herausforderung. Dabei gleichgültig, ob man immer wieder neue Bekanntschaften oder eine stetig wachsende Freundschaft pflegt. Zudem nimmt man sich auch jetzt im täglich Dasein schon nicht unbedingt als Vergänglich wahr. Es gibt Tage an denen man "Bäume ausreissen" wollte. Die Quelle von Glücksgefühlen besteht niemals im Erkennen des Endlichen, sondern in der Schau des Grenzenlosen. Das will nicht heißen, dass Unsterbliche per se glücklich seien. Ebenso wenig wie jemand von Durst befreit sein mag, wenn er sich neben einen Springbrunnen setzt. Sowohl der Tod, als auch das Gefühl von ewigem Leben kann eine Quelle von Glück sein. Aber beides kann ebenso eine Quelle von tiefer Trauer sein. Es ist zu kurz gedacht Unsterblichkeit mit irgend einem Attribut oder einer Sammlung von Attributen zu besetzen. Entscheidend ist doch was man selbst aus einem Sachverhalt macht und wie man ihn deutet. Und wie man mit einem solchen umgeht, ist allein Frage der persönlichen, geistigen Fähigkeiten. Inwieweit einem also die Zeit lang wird, hängt immer auch davon ab, wie gut man darin ist sie mit Bedeutung zu füllen. Ich vermute nur ein geringer Prozentsatz an Menschen stirbt täglich an völlig natürlichen Ursachen. Das bedeutet auch solche Menschen, die über moderne Technik zu ewig jungen, gesunden Menschen würden, wären jederzeit einer Endlichkeit ausgesetzt, die sich vielleicht hinter der nächsten Straßenecke verbirgt. So ist das Argument der allumfassenden Langeweile und Todessehnsucht kaum schlüssig.
Ich will dagegen nicht behaupten, dass es nicht zahllose Menschen gäbe, die sich in einem unendlichen Leben unendlich langweilen könnten. Langeweile entsteht meines Erachtens nach aber nicht aus einem Überfluss, sondern aus einer temporären oder generellen Unfähigkeit sich selbst innerhalb eines unfasslichen Rahmens einzuordnen. Zum Beispiel kann man sich vorzüglich über die große Langeweile beklagen, die einem endloser Reichtum beschert. Oder aber man wird sich seiner eigenen Rolle als Mensch mit diesen oder jenen Fähigkeiten und Talenten bewusst und ordnet den Kontostand als das ein, was er ist (oder sein kann) - zum Beispiel ein Vertrauensvorschuss. Was ich sagen will ist :: Es gibt solche Menschen, die sich im Überfluss aufgrund zunehmender charakterlicher Defizite verlieren. Und es gibt Menschen, die niemals ihren klaren Blick verlieren. Naja vielleicht einmal für ein paar Stunden an einem verregneten Sonntagnachmittag, oder so. Der Bogen zur Unsterblichkeit gespannt bedeutet das, dass nicht jeder Mensch mit sich ewig erneuernder Jugend und Gesundheit zwangsläufig zum Seelenwrack mit Borderline-Syndrom wird. Es wird auch Menschen geben, die im täglichen Leben und dem Umgang mit anderen, vielleicht auch sterblichen Menschen um einen großen Wert ringen und tausende und hunderttausend Jahre darin aufgehen besondere Seelen zu erobern und für sich und ihre Ideen und Sichtweisen zu gewinnen.
Der Grund weshalb unsterbliche Menschen unter Umständen in eine Stagnation des Denkens, Handelns und Erlebens fielen, hätte wohl weniger mit der durch die Unsterblichkeit gewonnenen endlosen Lebensspanne als viel mehr mit dem Wegfallen oder der Aufgabe von persönlichen Zielen. Ich glaube nicht, dass es einem Unsterblichen zu jeder Zeit bewusst wäre niemals auf natürlichem, biologischen Weg vergänglich zu sein. Dennoch würde sich stets die Empfindung des Vergänglichen in seinem Kopf manifestieren, sobald sein Dasein durch Unfallgefahr und dergleichen bedroht wäre. Denn ein ewig junger und gesunder Mensch wäre zu keinem Zeitpunkt seines Lebens wirklich unsterblich.
Wenn unsere Gattung in den nächsten jahrzehnten wirklich die Stufe zur Unsterblichkeit erklimmen wird, ist das nicht etwa ein Wendepunkt hin zu einer glorreichen Zukunftsvision. Es wäre ein Scheidepunkt, an dem unsere Gesellschaft ein weiteres Mal vor der Frage steht wie sinnvoll Eigensinn und Manipulation und wie wertvoll menschliches Leben ist. Wenn alle praktischen Unwägbarkeiten wie Überbevölkerung und ähnliches aus dem Weg geräumt wären, gäbe es bald eine quasi unsterbliche Gattung von Menschen, denen je nach kreativer Grundausstattung in einigen hundert oder tausend Jahren die Lebenslust flöten geht. Vor allem aber hätten wir über kurz oder lang eine Menschheit, der jeder kleine Holzsplitter im Fingerchen zum Graus und jede zu feste Umarmung auf einem Flachdachbungalow zum nervenzerrenden Abenteuer würde. Und wenn dann eines Tages alle diese unsterblichen Menschen durch Verlust an Lebensfreude oder einfachen physikalischen Beschleunigungsphänomenen das Unsterblich sein abhanden gekommen sein wird, ... nun, vielleicht wird es ja doch noch einige kopulationsfreudige Vertreter der Oldschool-Gattung geben, die alles wieder einigermaßen hinbiegen. Aber dann kommt ja auch noch der Klimawandel ... o Mist!
February 2014
08 February, 2014
0047 - Wer hat Angst vorm bösen Schaf
Mittlerweile dürfte der größere Anteil der Herde gemerkt haben, dass auch der Verrat von geheimer Ausspähung durch staatlich (und damit steuerlich) geförderte Organe nur für jene als Hochverrat gilt, die der steuererbringenden Herde im generalverdacht Boshaftes und Schädigendes unterstellen möchten. Somit sollte eigentlich auch der misstrauische Vorgartenverteidiger vor allem unter dem Bestreben eines erfolgreichen Verteidigungsvorganges gegen "Fremde Augen" eher zur Feststellung neigen, dass Mistor Snowdön kein bibaböser Mann ist. Hilft er doch bei entsprechend vorteilhafter Nutzung dieses ebenso wenig neuen wie einzigartigen Erkenntnisreigens vom allgegenwärtigen Staatssicherheitsbedürfnisses der Dichtigkeit der Vorgartenhecke zu mehr Größe.
In der mutmaßlich meistgelesenen Bedienungsanleitung für gute, liebe Herdenverbände steht als eines von Zehnen das Gebot zur Vermeidung der Lüge. Jedoch muss jedem vernunftbegabten Homo eigentlich Folgendes einleuchten. Das Vermögen zu Geheimnis und Verschleierung ist das größte Vermögen des freien Homos. Wer beides aufgibt macht sich - ob er es gutheißt, oder nicht - zum unfreien Lakaien des Wissenden. Denn niemand kann den Mächtigen und Wissenden dazu bringen weniger wissend und folgerichtig weniger machtvoll zu werden. Es sei denn durch einen gut vorbereiteten und konspirativ organisierten Aufstand. Nun bleibt die Frage wie jemand Vernunftbegabtes ohne die Möglichkeit zu diesem oder jenem Geheimnis zu Konspiration und damit Ermächtigung gelangen wollte. Mag aber sicher nur eine solche höheren Intellekts sein. Denn ich verstehe die grassierende Naivität und Sanftmütigkeit des vernunftbegabten Volks nicht recht. Müssen sie nicht allesamt so viel klüger und weiser sein, wenn nicht einmal offensichtliche Gesetzesverstöße vom großen Verwaltungsbeauftragten zu großflächigem Barrikadenbau oder wenigstens glaubhafter Brüskierung führen? Nun mag man einwenden, dass Barrikaden nur wenig mit dem Begriff "vernunftbegabt" in Zusammenhang zu bringen sind. Auch mag der eine oder andere die Konspiration verabscheuen und sich als offen auftretende Opposition wohliger illustriert fühlen. Die Verschworenheit einer Gruppierung ist als solches aber weder unmoralisch, noch zeigt sie Charakter- oder eine Schwäche sonstiger Art. Die Verschwörung gegen ungeliebte Zustände beginnt nicht erst im Halbdunkel eines Hinterzimmers, sondern bereits dort wo zwei vernunftbegabte Menschen sich einer gemeinsamen Meinung gewahr werden und diese gegen eine Anderslautende aufbringen möchten. Ich spreche von Grautönen. Aber wer sich geistig lieber mit Schubläden oder im klaren, offenen Feld des Zweipoligen aufhält, soll sich einmal fragen inwieweit der jungen Sophie Scholl die offene Opposition bei der Verwirklichung eines schönen Traums geholfen haben mag.
Barrikadenbau und offener Aufstand mag das letzte Mittel der Herde sein, um sich gegen selbsternannte Schäfer zu behaupten. Um noch einmal die Grautöne und Zwischentöne zu bemühen, können Barrikaden allerdings duchaus auch symbolischer Natur sein und müssen längst nicht morgen die Reichstagskuppel oder diverse Gebäude in Übersee mit Feuer beleuchten. Dennoch läuft Widerstand sicherlich je nach Härte und Entschlossenheit einen solchen Pfad entlang. Wieviel ist dem Machtblock der Welt sein hoher Sockel wert? Wir reden hier von einer Handvoll einflussreicher Personen, denen Vernunftbegabung zuzuschreiben, jedoch in vielen Fällen anzuzweifeln ist. Konstruieren sie doch mannigfaltige Instrumente zur Schaffung ihres eigenen Olymps. Dem Herdentier wird dabei über mediale Suggestion vermittelt, dass alles in Ordnung und das Bestreben allenfalls ein Weg zu mehr Sicherheit sei. Jeglichem Zweifel am Gutgemeinten ist mit ein paar Tagen Berieselung beizukommen. Dabei wird sogar demjenigen, der sich offen hinstellt, sein gewohntes Leben verläßt und vielleicht sogar freien Willens das Auslandsexil wählt die konstruierte Empörung der ganzen Welt zur Last gelegt. Lustig ist wie offen fadenscheinig der gesamtweltliche Verwaltungsapparat mit all seinen Bediensteten um die Ergebnisse herumdruckst, welche die Offenlegung oder das Verraten des geheimen Verschwörertums herbeiführen. Mancher erklärt es für beendet, nachdem es gerade eben erst auf die Seite Eins geraten ist. Wo sich Frau Merkel eben noch mit müdem Lächeln über die Ausspähung aller Deutschen echauffierte, neigt sie im nächsten Moment als tief, tief enttäuschte und vom besten Freund ausspionierte Gesprächspartnerin von Mr. President OB44 zur Bekenntis :: das ginge ja mal gar nicht! Aber wirklich traurig sind solche Kommentare, die einen Freiheitsdiener wie einen Ketzer aufhängen wollen und dabei so dämliche Argumente vom Terroristen nutzen, der ja nun alle seine vielen, vielen Terroristenpläne wieder mit Schreibmaschine, Brieftaube und Rauchzeichen kommuniziert. Traurig deswegen, weil Vernunftbegabung doch eigentlich ein klitzeklein wenig mehr impliziert.
Als das sogenannte Internet jung war, hatte es etwas obskures. Es war ein Spielzeug für Idioten, die keine Hobbies oder Familien hatten. Diente es davor der intelligenten Vernetzung von Forschungsnotizen, war es plötzlich angefüllt mit allerlei dünnem Pfiff. Obwohl sich die Möglichkeiten der Gedanken- und Informationsverknüpfung über zehn-, fünfzehn Jahre in alle erdenklichen Verzweigungen auswuchs und das Internet irgendwann zu alter Effizienz zurück fand, ist der Dünnpfiff auch weiterhin allerorten. Trotz allem ist es immer ein Werkzeug des Geistes gewesen. Mir war schnell klar, wie sehr sich die Mächtigen am Gedankenaustausch der Vernunftbegabten stoßen würden. Mir ist auch völlig klar welchen Weg dies alles gehen wird. Es muss jedem intelligenten Menschen klar sein, dass das Abschöpfen der Datenflut jedem König und jedem Händler die einsamen Nächte versüßt. Was hätten die Protagonisten der alten Welt dafür gegeben die Gedanken von Dorfbewohnern und Marktbesuchern zu lesen!? Jeder Pokerspieler kennt den Vorteil, der sich aus der Empathie ergibt. Dem Doktor stellt jeder Patient freiwillig seine ganze Lebensgeschichte zur Verfügung, denn jeder Patient fühlt sich wohl, wenn der Dok mitfühlend und den eigenen Anforderungen entsprechend hilfsimpulsiv reagiert. Wäre es nicht auch toll, wenn man das Internet mit einer Art Persönlichkeit versähe, die jedem Alleingebliebenen Gesprächspartner, Lebensgefährte und Freund wäre? Augen, Ohren und Mund wären diesem technischen Wunderwerk die Geräte, welche schon heut jedem Erdbewohner aus den Taschen quellen und sich in den Wohnzimmern stapeln. Mobiltelefon, Tablet, Smart-TV, ... Mittlerweile weiß selbst der PKW vor dem Haus, wann er sich in welcher Parklücke befindet. Die Forschung an künstlicher Intelligenz wird gerade bei den Weltkonzernen besonders tüchtig vorangetrieben, die ohnehin schon mit allerhand nützlichen Dingen in unseren Alltag eingedrungen sind. Ich denke in kurzer Zeit wird das Internet selbst zu einer sprechenden Stimme. Es wird sich auf jeden einzelnen Menschen einstimmen, wissen welche Dinge ihn interessieren, was er wünscht, was er weiß & glaubt und es wird sogar errechnen können welche Beschwerden sich aus dem übermäßigen Konsum von Tabak, süßlichen Kohlenhydraten, Ethanol oder Medikamenten zu welcher Lebenszeit einstellen könnten. Das Internet wird schon eine Woche vor dem Ableben Sarg und Blumengebinde bei Amazon bestellen. Vor einiger Zeit war das Fiktion oder sogar Utopie. Aber ich erlebe soeben wie die Skizze vom Reisbrett kriecht. Mancher wird sagen, dass in diesen Sätzen die Angst vor der Zukunft und ein Übermaß an Kulturpessimismus hervorträte. Aber ich kann wirklich nicht von Ängstigung oder einem Wunsch sprechen, mich diesem Szenario erwehren zu müssen. Dies nicht etwa, weil ich es billigen würde oder es mir gar gefiele. Ich denke allerdings, dass diese Entwicklung unter optimalen Bedingungen so unabwendbar ist wie das Rollen eines Rades. Ich beobachte diese Dynamik mit Interesse.
Ich denke allerdings auch, dass manches rollende Rad gelenkt sein muss, wenn es ohne größere Schäden an Leib und Leben zum Ausrollen gebracht werden soll. Die Datenvernetzung wird mit dem Zusammenschluß mit AI unweigerlich zu einem schnell rollenden Rad. Und es wird sicherlich auch zu einem Rad, dass einigen Herrschern und Händlern goldene Nasen verleihen wird. Schwierig wird es natürlich dann, wenn das Rad plötzlich von einem Mächtigen nicht nur gelenkt, sondern nach Gutdünken gebremst und beschleunigt werden kann. Das intelligente Internet von morgen wird viele Namen, viele Gesichter und eine Unzahl an Erscheinungsformen haben. Menschen werden mit ihm aufwachsen und es dementsprechend wahrnehmen - zum einen gar nicht, zum anderen wird es ihnen fehlen, wenn es nicht erreichbar ist. Die leisen Vorahnungen dieses Menschenbilds sind schon jetzt überall anzutreffen. Sehr befremdliche Vorstellungen gehen dahin sich einen Menschen vorzustellen, der über körperliche Implantate mit dem Netz verbunden ist. Die einfache Schranke der biologischen Physis wäre damit als letzte Hürde des Mächtigen genommen, der dieser Tage noch auf den flinken Finger oder den wendigen Mausarm hofft, welche die Gedanken der Herde ins Netz tragen. Jener schöne Satz, nach dem die Gedanken frei seien, wird zu diesem späteren Tag für alle mit dieser "Körperaufwertung" lange Zeit falscher nicht sein können. Sicherlich wird es sogar fraglich sein, ob sie überhaupt noch zu eigenständigem Denken neigen beziehungsweise neigen können. Aber vor allem ist mir eines klar. Die Gesellschaft wird morgen im globalen Umfang eine gänzlich andere sein, als noch in den oh wie ruhigen Achtzigern des zwanzigsten Jahrhunderts.
Vermutlich merken es nur wenige, aber der Mensch scheint seit je her zum Totalitarismus zu neigen. Warum bilden sich sogar in der vielbeschworenen Demokratie immer wieder Extreme heraus? Es muss alles bio werden, wir brauchen die Deutschmark, Atomkraft weg, ... immer wieder strömen Ideen durch die Herde, deren Gegengewichte regelmäßig als verpönt gelten. Obwohl doch die goldene Mitte zu suchen des leibhaftigen Demokraten liebstes Kind sein sollte. Das größte Extrem scheint mir zur Zeit die Fixierung auf Zahlungsmittel zu sein, welche auch gleichsam jegliche Form von Freiheit, Diskurs, Gleichstellung untergräbt. Das nicht etwa, weil Kapital per definitionem der stabilen Machtausgleichung entgegen gestellt wäre. Der Gleichstellung aller Menschen steht nicht das Geld, sondern natürlich der Machtanspruch des Menschen im Weg. Geld ist nur ein Mittel. Und ein solches Mittel, geradezu eine Gelddruck- oder Wohlstands- oder Machtmaschine für die Machtlustigen ist ... das Netz. Es ist der Ort, wo jede Information über jeden zu finden ist. Je nach Entwicklungsgrad wird solch ein Informationsnetz auch solche Sachen beinhalten, die sich in Echtzeit ereignen und in Echtzeit relevant sind. Mit einem solchen Entwicklungsgrad ist auch jedes Ereignis schon Teil einer Kalkulation, obwohl es noch gar nicht stattgefunden hat. Wie leicht sich mit solch einer Maschine die Welt regieren ließe, ist Legende. Jede Form von Zweifel am Steuermann, könnte bereits eine Sekunde nach Äußerung durch das Abfüttern mit entsprechend aufbereiteten Informationen in einen zurückliegenden Schauer verwandelt werden. Wo zur Zeit noch halbwegs eigenes Denken möglich ist, und bis in die spätere Zukunft vielleicht auch noch möglich sein wird, wird es aber auch ständig die Stimme aus dem Dunkel geben, welche die Gedanken der Herde zu ihren Gunsten lenkt. Es wird, wenn ich mir das Gros der Bevölkerungsneigungen anschaue nur wenig Widerstandspotenzial bleiben, welches die Maschine abschalten oder zurechtstutzen könnte. Ich denke schlichtweg, dass ein Machtapparat, der sich dieses Netzes bedient, im eigenen Interesse alle gegenläufigen Strömungen klein und berechenbar halten wird. Was ist Geheimdienst oder Nachrichtendienst anderes als Machtsicherung? Großmächte stehen heute nicht mehr auf einem Berg von Atomraketen, sondern irgendwo in einem gegen EMP gesicherten Bunkerkomplex in einem auf Redundanz ausgelegten Netzwerk. Der Staat an der Oberfläche ist allenfalls geduldete Projektion. Hirnlos, allseits aufnahmebereit, aller Widerspiegelung beraubt. Aber vor allem ist der Staat in Wahrheit grenzenlos. Identitäten werden aufgelöst, frei austauschbar. Alles ist in diesem Wirkungskreis der Macht allseits verfügbare Disposition. Mit anderen Worten :: das (angeblich) so mächtige Volk weiß gar nicht mehr von wem es den Alltag diktiert bekommt. Und somit nimmt nicht nur sein Wissens- bzw. Zweifelsbestand, sondern auch seine Fähigkeit zur eigenmächtigen Abwägung ab.
Es wird notwendig sein sich durch prinzipielle Einstellungen vor der quasiabsoluten Bevormundung abzusichern - wenn man das will. Auch wenn letztlich das Internet für ein vollends duchscheinendes Individuum sorgen wird, muss umso mehr das Bewußtsein für die Quelle von Information geschult werden. Zweifel an vorgetragenem Wissen kann nur durch das Beharren auf eigener Wahrnehmung angeregt werden. Die Mehrung der eigenen geistigen Abgeklärtheit und Weisheit jenseits von "Fakten" ist eine weitere Seite. Ohne die seriöse Suche nach Vollkommenheit und Hinwendung zum Wahren, verliert alles an Bedeutung und wird dem Zweifel in die Hände gespielt. Wenn im Dämmerlicht der zur Zeit noch bestehenden Hochkultur jeglicher medialen Reizflutung unbedacht nachgegeben wird, hat der Schäfer eine Herde mehr, über welche er nach Gutdünken walten kann. Aber wer will schon einer hübschen, netten, guten, lieben Herde die Existenzberechtigung abreden?
July 2013
04 July, 2013
0046 - Der Geheimdienst, dein Freund und Helfer
Internet! Der Name klingt verheißungsvoll nach Zukunft, nach Freiheit, Liberalität, Demokratie. Das sogenannte Internet ist dabei nüchtern betrachtet nichts besonders anderes, als etwas, das üblicherweise von allen modernen, sich selbst als geistreich, klug und interessant bezeichnenden "Urban-People" lieber aufgrund seines Prolo-Miefs gemieden wird :: ein Stammtisch. Zudem angesichts des intellektuellen Verteilungsgrades ein recht provinzieller, wenn man das mal so sagen darf. Natürlich wird nun so mancher Strahlemann diese oder jene Lanze brechen wollen und empört behaupten, dass man so ein Internet eben nicht einseitig aburteilen darf, da es in seiner blütenweißen Unschuldigkeit wie jedes Werkzeug immer von den Bestrebungen seines Nutzers abhängig ist. Alles hat zwei Seiten und so ...
Natürlich hat alles zwei Seiten und die dunkle Seite des Internets ist für den normalverbrauchenden Standard-Otto alles andere als verheißungsvoll. Das mag Otto (selbstverständlich zusammen mit seiner Standard-Ute) vor allem dann, wenn er sich als aufgeklärten Partizipanten des Twentyfirstcentury-Happenings ansieht, vielleicht anders auffassen. Ich denke gerade in post-studentischen Kreisen oder einfach Kreisen, die sich im Allgemeinen für geistig begabter als alle anderen einschätzen würden, steht die kollektiv empfundene, souveräne Fehleinschätzung einer Kontrollillusion dem wirklichen Wesen der Entität Internet ein bißchen lächerlich gegenüber. Was wir werden ausspioniert??? Das ist doch ein alter Hut. Schon 1995 war allgemein bekannt, dass Bill Gates Windows deswegen so bezeichnet hat, weil er auf ein Fenster in unser aller Wohnzimmer gehofft hat. Und Google hat sich deswegen so genannt, weil es wie ein listiger, floddriger Spanner in einem dunklen Geäst hinter einem dichten Busch an Schniedel und Okular herumspielt, um bloß möglichst viel Freude aus der Fernbeobachtung seiner arglosen Strandbesucher zu ziehen. Ui Satire! Wie harmlos, wie nutzlos.
Seit im kleinen Nachbarort New York vor einigen Jahren ein paar große Häuser der ebenso urplötzlichen wie auch unheimlich überraschenden Begegnung mit zwei teils ungeschickt bewegten Großprojektilen und den daraus im Nachhinein resultierenden, überwiegend irritierenden Sekundäreffekten anheim fielen, scheint der globale Gier- und Besitzapparat in jeder friedlich planktonabsorbierenden Tiefseeanemone eine stattliche Welteroberungsanomalie zu sehen. Jeder und einfach Alles ist Terror! Sogar der abendliche Furz unterm Bettdeckchen. Und was tut man als aufgeklärte, moderne, freiheitliebende und gerechtigkeitsverteidigende Nation, wenn Luft eine andere Note bekommt? Man macht in Geheimdienst. Und in Zeiten, als das Internet gerade besonders viel mit "Groß sein" und "überall verfügbar sein" zu tun hatte, ist es natürlich naheliegend, dass man dieses willfährige Portal in die Gehirne der Weltbevölkerung besonders gut und mit jeder nur irgendwie erdenklichen Sensorik ausschnüffelt. Der Bürger - das unnahbare, unbekannte Wesen. Wie viele Stunden haben sich die Staatsbediensteten vergangener Tage die Augen wundgejammert, weil sie immer so unwissend und so furchtbar entfremdet vom sie umströmenden Mob waren. Dabei hatten sie so viele, viele Instrumente zur Sondierung des niederen Eigensinngewächses erdacht. Und eigentlich immer werden diese Instrumente namentlich in die dufte Sicherheitsecke gerückt. Es geht schließlich stets darum den kleinen Bürger vor den bösen, bösen Unsicherheitsfaktoren zu schützen, die allüberall lauern. Terror ist überall und beginnt schon mit individueller Selbstbestimmung! Was sag ich ... Bewußtsein ist eigentlich schon purer Terror ganz zu schweigen von Selbstbewußtsein.
Aber Seien wir mal ehrlich - wären wir nicht allesamt ein bißchen enttäuscht, wenn sich die Technokratie nicht wenigstens ein klitzeklitzekleines Bißchen darum bemühte sich für uns kleine Onkels und Tantchen im Bodensatz des Staates zu interessieren? Alle jammern doch ständig, dass sie nicht erhört werden, wenn "die da oben" in ihren schicken Maybachs von einem Dinner zum nächsten gleiten und Milliarden von Dollars durch das Breitsitzen der rektalnahen Kissenauswüchse verdienen. Seit 9/11 und insbesondere seit der technischen Möglichkeit sich effektiv an "Big Data" abzuarbeiten, steht jeder Bürger im mehr oder weniger wohlwollenden Fokus. Denn jeder ist zwar auf dem Papier bis zum Gegenbeweis vermutungsweise unschuldig, aber im ungeschriebenen Konsens der Elite ist jeder einzelne von uns vor allem Terror in persona. Da hilft auch der ebenso selbstbewußt wie dämlich vorgetragene Ausspruch "nichts verbergen zu müssen" nur wenig. Denn welcher Schmähung man sich nächste Woche vielleicht ausgesetzt sehen muss, liegt nur zum Teil am eigenen Sinn für Lebenskunst. Zu einem anderen und vielleicht noch viel prägnanteren Teil jedoch entscheidet das über Wohl und Wehe, was von den meisten Bürgern allenfalls als überschätztes Alltagsmakel wahrgenommen wird - die Politik. Wie schnell sich die Verbergensnöte des kleinen Standard-Ottos und seiner Standard-Ute entgegen ihrer bisher liebgewonnenen Einschätzung verschieben können, zeigt die Geschichte in mannigfaltiger Opulenz und prismatischer Klarheit. Dazu vorausgesetzt natürlich ein gewisses Interesse für Dinge, die der bescheidenen Meinung des zukunftsgerichteten Aufbruchsgeistes nach eigentlich besser auf dem Dachboden unter ein-zwei Schaufeln Hausstaub begraben liegen sollten. Stichworte mögen hierbei vielleicht Drittes Reich und Konzentrationslager sein. Da wird sicher so mancher einen Schlüsselmoment erleben, falls er entdeckt, dass Verbergensnöte nicht vom Reinheitsgrad des eigenen Gewissens, sondern von ganz anderen Dingen bestimmt werden können.
Zur Freiheit, zum Ausleben von Freiheit oder zum Gefühl von Freiheit gehört der Besitz von Geheimnissen. Bedarf dies einer Erklärung? Es gibt momentan politische Bewegungen, die eine Offenlegung jeglicher Information und die Aufhebung von Urheberrechten und so weiter fordern. Alles unter dem Anspruch von völliger Freiheit. Doch eigentlich geht es hier im Klartext um die Enteignung des Individuums. Selbst persönlichste Gedanken sollten nach konsequenter Weiterführung des Gedankens der Allgemeinheit zugänglich sein. Mag sein das dies überspitzt ist. So oder so führt die Enteignung des Einzelnen von seinem bisherig gültigen Recht auf informationelle Selbstbestimmung und die Enteigung des kreativen Geistes von seiner Schöpfung sicher nicht zu größerer allgemeiner Freiheit. Das mag vielleicht die Theorie so nahelegen. Individualität gedeiht meines Erachtens nach allein durch das Erproben verschiedener Optionen von Neigung, Handlung, Ausdruck, Auffassung, Meinung. Wenn alles das, was ein Individuum ab der Zeugung durchmacht schon öffentlich registriert, rekapituliert und wohlmöglich extrapoliert wird, prognostiziere ich eine von Gleichschaltung geprägte Gesellschaft. Das bürgerliche Lager wird letzten Endes nur noch eine Nutztierherde für jene sein, die sich Elite nennen. Es heißt Wissen sei gleichbedeutend mit Macht. Demzufolge ist dort eine enorm gefährliche und durch den Bürger kaum zu kontrollierende Machtballung zu erwarten, wo sämtliche Daten aller Bürgerinnen und Bürger gesammelt werden. Dabei ist es völlig unerheblich ob das Sammelbecken solcher Informationen diesen oder jenen Namen trägt. Das Sammeln von Informationen und das Ausdünnen freiheitlicher Grundsätze wie das persönliche Recht auf Geheimnisse ist an sich schon ein Frevel gegen jeden einzelnen Bürger, der mit der sofortigen Eliminierung des Machtanspruchs einher gehen müsste.
Das Argument des Selbstschutzes greift nicht! Es gibt viele Möglichkeiten Informationen vor den Augen allzu offensiver Ausspähung zu verbergen. Das Geschäft der Geheimdienste ist eine Abfolge von kryptografischen Bemühungen und der gegenläufigen Entschlüsselungsobsession. Es geht immer darum mehr zu wissen, als das Angriffziel, denn Wissen ist für jegliche Strategie und Taktik (kurz :: Kriegsführung) von entscheidender Auswirkung. Etwas vor dem Wissen eines anderen zu bewahren ist eine banale Kraftanstrengung. Damit sollte klar sein, dass jeder Terrorist mit ein bißchen Grips und einer ausreichend großen Menge an Ernsthaftigkeit und Befähigung, Anschlagspläne und dergleichend spielend in die Korrespondenz schicken kann, ohne auch nur einen Augenblick an eine Aufschlüsselung glauben zu müssen. Ein entscheidender Faktor hierbei ist lediglich die Integrität des kommunikativen Umfelds. Selbstredend verrät man keine Geheimnisse an einen Fremden. Und hier besteht meiner Einschätzung nach bereits die größte Problematik bei der Generalüberwachung des Internets. Hier werden allenfalls Informationen verhandelt, die keinerlei Staatssicherheitsrelevanz beinhalten. Das Mitteilungsbedürfnis der Bevölkerung gepaart mit dem angeborenen Vertrauen in die freiheitlich demokratische Staatsführung lässt weite Teile des Internets von Familienfotos, Lebensläufen, Bezeihungsstatus und sonstigen Details überquellen. Dem Ansinnen des Kapitalismus nach lauert hier natürlich eine Goldgrube, verheißen doch derartige Persönlichkeitsmerkmale den großen Reibach. Wo hier aber ein Geheimdienst seine Legitimität vertreten sieht, erschließt sich mir nur beim Blick auf Allmachtsfantasien wie sie sowohl Nazis als auch Internationalisten seit Jahrzehnten haben. Kurz gesagt :: alles soll Gut werden, aber bitte derart gut, wie es dem erlauchten Kreis des selbstberufenen Weltvorstands geziemet. Und ein demokratisches Mitspracherecht oder gar eine Verhandlung mit dem Bürgertum ist dabei natürlich keine wirkliche Überlegung. Elite bedeutet ja nicht spaßeshalber erlesen.
Regt sich Unmut in der Bevölkerung angesichts des allgegenwärtigen Drifts in die Bevormundung? Empören sich Bildungsbürger ob der Aussicht von einem selbstbestimmten Individuum in einen von allen Seiten durchleuchteten Öffentlichkeitskörper ohne Recht auf Besitz, Status und Persönlichkeit transformiert zu werden? Nein. Tatsächlich murrt man hier und dort ein wenig, lächelt andernorts wissend um diese ollen Kamellen und im Allgemeinen steht man in seiner gewohnt intellektuellen Art und Weise hoch über jedem Orwellschen Angstszenario. Diejenigen, welche sich wirklich um ihre Nachtruhe gebracht sehen, haben schlichtweg Interessen, die sich um ihren Machterhalt drehen. Aber der kleine Bürger schläft fein und selig. Nichts zu verbergen und so ... Ich denke fragmentarisch darüber nach, ob nicht die selbsternannte Elite sogar richtig liegt mit ihrem erträumten Gesellschaftsmodell. Wohlmöglich hat ein Bürgertum, das so wenig auf Privatheit und geistiges Eigentum gibt nichts anderes als die Bevormundung verdient?! Gilt nicht seit Darwins Erkenntnisreigen das Prinzip des Rechts des Stärkeren? Wer sich nicht gegen das Unheil auflehnt und vor der Gefahr in Schutz geht, muss sich schließlich nicht wundern, wenn das Schicksal ihn überrollt. Aber all das würde natürlich auch voraussetzen, dass ich an die Möglichkeit einer auserlesenen Gesellschaft oder an ein Übermenschentum glaubte. Dem ist nicht so.
February 2013
16 February, 2013
0045 - Was viele Augen sehen muss nicht zwingend frei von Zweifeln sein
Viele Gelehrte heutiger Zeit haben ein Problem erkannt. Es hat mit dem Kleinsten zu tun und stellt eigentlich doch ein sehr großes Problem dar. Es ist indes weniger ein in direkter Weise für den Mann auf der Straße wirksames Problem. Eigentlich spielt sich die Problematik mehr im erkenntnistheoretischen Begriffsstreben die Natur betreffend ab. Man dreht sich mehr oder minder im Kreis und dies zudem in einem sehr kleinen, weil geradezu elitärem Kreis. Denn aus diesem Kreis von Naturbeobachtern wird jeder ausgeschlossen, der nicht gewisse Erkenntisstränge ungeachtet ihrer Fadenscheinigkeit fraglos akzeptiert. Innerhalb dieses Kreises wiederum hat niemand im Gesamten ein Verständnis vom insgesamt Erforschten und man verlässt sich regelmäßig auf die Richtigkeit aller Forschungsergebnisse aus Kollegenhand. Wenn jedoch ein Außenstehender es wagt Kritik zum Beispiel am Vorgehen dieses Kreises zu üben, ist man geschlossen einer Meinung - die Kritik ist unerwünscht.
Ein Mann namens Tim Berners-Lee (mittlerweile "Sir" und Mitglied verschiedener inseltypischer Ritterorden) erdachte dereinst ein Werkzeug, mit dessen Hilfe seine Firma viele, viele Wissenschaftlerinformationen zwischen der Schweiz und einem fernen Land namens Französien hin und herzuschicken gedachte. Denn die Tatsache, dass die Firma ihre Mitarbeiter in diesen beiden Ländern gleichermaßen beschäftigte, führte zu diversen Kommunikationsmissständen. So machte sich Tim also auf den Drachen ganz doll tot zu pieksen und sein aus eigener Hand am Feuer geschmiedeter Dolch bekam den etwas sperrigen Namen Hypertext Transfer Protocol. Was Tim Berners-Lee der Welt gebar war nichts weniger als das Worldwide Web, welches nachdem sich freiwillig Milliarden tapferer Mitstreiter seinem mitleidlosen Schnippischnapp anschlossen, zum sogenannten Internet wurde, das alle diese Milliarden Mitstreiter für alle Zeit in einem Ring fantastischer Wunder band. Tim war fortan Mitarbeiter des Monats. Und das bis heute, denn seine Firma sucht derzeit nach einer Sache, die vielleicht sogar das Internet einmal wie einen löchrigen, alten Lumpen unter einem kaputten Traktorreifen aussehen lassen wird. Aber das wird wahrscheinlich noch sehr, sehr lange dauern, denn seine Firma hat ein Problem. Es nennt sich - sollte die Kritik diverser Stimmen zutreffen - Größenwahn.
Hilfreich bei der Entwicklung dieses Problems ist in der Regel ein extraordinärer Status. Wenn man im Mai 1933 einen Mann namens Adolf wegen Unregelmäßigkeiten im sozialen Umgang hätte verklagen wollen, hätte man folgende Erfahrung gemacht :: für Adolf hätte sich kein nationales Gericht zuständig erklärt, denn Adolf war quasi der Führer aller Gerichte. Wenn man nun den Arbeitgeber von Tim wegen Unregelmäßigkeiten im Umgang mit den Naturgesetzen verklagen wollte, würde man eine ganz ähnliche Erfahrung machen. Zwar ist Tim's Arbeitgeber nicht der Führer, aber er steht als Firma über jedem Gesetz, da es kein nationales Recht auf dem Firmengelände gibt. Dies ist ein, wenn nicht gar DER Grund, weswegen verschiedene gerichtliche Auseinandersetzungen stets mit dem Urteil endeten als Gerichtsbarkeit nicht zuständig für jedwede Handhabe gegen Tim's Arbeitgeber zu sein. So kann die Firma als sogenannte Großforschungseinrichtung viele feine Dinge ohne jegliche Störung von doofen demokratischen Debattierclubs und so weiter tun und muss sich keine Sorgen darum machen für irgendeine Sache rechtlich belangt werden zu können. Klingt komisch ... ist aber so.
Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) gibt es seit fast 60 Jahren. Tim war nur einer von vielen, aber in der Nachlese sicher einer der wichtigsten Mitarbeiter. Sicher werden ihm auch einige Menschen dieses Planeten den einen oder anderen gedanklichen Pfeil an den Kopf schießen wollen. Denn das Geschenk des Internet schmeckt nicht jedermann. Es ist einfach viel zu "inter" und mit vielen wenig schmeichelnden Inhalten viel zu sehr "net". Eine viel größere Verunsicherung jedoch verursacht die Firma durch den eigentlichen Kern ihres Strebens - dem Streben nach dem springenden Punkt von allem. Zur besonderen Unterstützung dieses Strebens erdachte und erbaute man einen Ring, den man tief in der Erde vergrub und den man zwecks besonderer Wirksamkeit mit 9.300 Magneten und einem Umfang von 26,7 Kilometern ausstattete. Hier werden bei einer Betriebstemperatur von 1,9 Kelvin (oder minus 271,3 Grad Celsius) Materieteilchen an die Lichtgeschwindigkeit herangeführt, um sie dann ineinander krachen zu lassen. Der Forscher an dieser Anlage, die sich Large Hadron Collider (LHC) nennt, hofft beim Blick auf die Energieabstrahlung bei diesen Materiekollisionen auf einen erhellenden Blick auf den Code allen Seins. Denn das CERN möchte gern irgendwann einmal wissen wieso Alles alles und nicht Nichts ist.
Bald Vierzehntausend Mitarbeiter forschen hier auf dem Gebiet der sogenannten Elementarteilchenphysik oder Hochenergiephysik an einem Modell zur theoretischen Beschreibung verschiedener natürlicher Wechselwirkungen. Da gibt es die Kernkraft, welche die Stabilität von Atomen durch Bindungskräfte zwischen den nuklearen Grundbausteinen verursacht. Eine weitere dieser physikalischen Grundkräfte ist die schwache Kernkraft, die es beispielsweise ermöglicht durch Bindung chemische Elemente höherer Ordnungzahl zu erzeugen, wie dies zum Beispiel in der Sonne anhand des Wasserstoffbrennens zur Umwandlung von Wasserstoff zu Helium geschieht. Die dritte Wechselwirkung ermöglicht seit einigen Jahrzehnten die Verwendung von Elektrizität in vielen Bereichen des täglichen Lebens und heißt deswegen auch elektromagnetische Wechselwirkung. Zusammen mit der vierten Urkraft, die aufgrund eines kaum bis unerträglich frustrierend merklichen Einflusses auf unser aller Leben laienhaft Schwerkraft etwas blasierter aber Gravitation genannt wird, könnte die allgemeingültige Verbindung der ersten drei dieser Wechselwirkungen zur Entwicklung der Großen einheitlichen Theorie führen. Und erst die Verbindung dieses Dreierpacks mit der vierten Grundkraft könnte dann schließlich zur Theorie von Allem führen. Die Idee hinter den rastlosen Bemühungen zur Aufdeckung dieses größten aller Geheimnisse könnte Antworten auf so ziemlich alle Fragen bezüglich der Entstehung des Universums bringen. Und diese Antwort ist gegenwärtig einem Verbund von zwanzig Staaten eine kostenspielige Mitarbeit am CERN wert.
Eine historisch genannte Aufdeckung war am 4. Juli 2012 passiert, als man nach Jahrzehnten langer Suche ein Teilchen zu entdecken glaubte, welches den Grundbausteinen der Materie Masse verliehe. Weil also ohne dieses im Sommer 2012 vermeintlich entdeckte und bis dahin allein hypothetische Naturprodukt nach der Überlegung des britischen Forschers Peter Higgs kein Ding dieser Welt verwertbare Zeichen von Dasein aufwiese, betitelte ein Buchautor dieses Higgs-Teilchen quasi auf Drängen seines Verlegers hin mit "Gottesteilchen". Dies macht auf gewisse Weise - obwohl der Begriff an sich ein wenig kindlich wirkt - den innerhalb dieses Theoriegebäudes geltenden Stellenwert klar, gäbe es doch eine Erklärung für das Dasein aller Dinge. Man kann nun von dem Begriff und der theoretischen Natur des Gebildes halten was man mag. Fest steht die Entdeckung dieses Higgs-Teilchens ließ die Herzen vieler Mitarbeiter am CERN jauchzen. Was sie indes wirklich entdeckten muss bis auf weiteres unklar gerufen werden, denn bis jetzt wird allenfalls von Wahrscheinlichkeiten gesprochen, wenn die Frage nach gesicherten Erkenntnissen aufkommt.
Der Einfachheit des Seins wird am CERN mit dem Enthusiasmus begegnet möglichst viele Parameter zu erschaffen, um die Theorie des Standardmodells an gemachte Messungen anzupassen. Über fünfzig elementarste Bausteine wurden mittlerweile durch ihre verschiedenen Eigenschaften identifiziert und sie alle werden zur bruchstückhaften Erklärung der Welt herangezogen. Wie in jedem Glaubenssystem hält man ausdauernd an den kollektiven Vorstellungen über eine Wahrheit fest und entwickelt um die Anfangsannahme komplexe Aussagen. Anstelle also die dem Beobachteten zugrunde liegende Realität gedanklich zu erleuchten und ihre Plausibilität zu erkennen, wächst sich das gesamte Erklärungsmodell in immer feinere Verästelungen aus und beginnt quasi zu wuchern, bis niemand der Beteiligten mehr den Blick für die Gesamtheit hat. Anstelle dessen wird alles plötzlich nur noch mit dem Blick des Fachidioten erklärt - und das im Fall eines allgemeinen Zugangs zum Sachverhalt vollendet unzulänglich. Die Teilchenphysik mit ihren über fünfzig realitätsbildenden Kleinstkandidaten hat den Nachweis neuer Elementarteilchen oft damit erbracht, dass neu Entdecktes mit dem bisherigen Theorem nicht hinreichend erklärt werden konnte. Man hat also nach einer Neuentdeckung einfach ein weiteres Kapitel zum großen Buch der bisherigen Mission hinzugefügt. Das alles mit dem profunden Optimismus Rechtes zu tun, denn wenn es ein Teilchen gibt, muss es - auch wenn es bisher unbekannt ist - ein Teil des Gesamten sein. Im Grunde genommen ist es also egal was man entdeckt, denn komfortablerweise kann man allein für das Nichtentdecken leer ausgehen. Wie kann etwas als Wissenschaftrevolution gelten, dass Erklärungen eher schuldig bleibt und sich mit Bauteilen beglückt sieht anstelle abzuwarten das Gesamte erklären zu können. Ist nicht erst das erreichen eines Ziels die Erfüllung des Revolutionären?
Die große Absurdität scheint mir allerdings davon auszugehen wie man im Kreis der Involvierten Evidenzen ableitet, obwohl in der Regel eigentlich allein eine gemeinsame Erwartungshaltung bestätigt wird. Wieso das so ist erklärt sich durch die Berufung der Involvierten. Ihrem ganzen Streben sind zwei wichtige Grundbausteine Fundament. Zum einen die immerwährende Bestätigung der Richtigkeit ihrer Annahmen. Denn würden diese fortwährend in Frage gestellt, sähe sich jeder Mitarbeiter in ständigem Prekariat. Teilchenphysiker im speziellen und zuarbeitendes Personal werden jedoch zu den Topverdienern zählen. Keine Frage besteht ein erhöhtes Interesse daran das Arbeitsgebiet stabilisiert und langfristig legitimiert zu wissen. Zum anderen sind "revolutionäre Entdeckungen" quasi die Mondlandung des Physikers. Erst mit solchen Werbeeinblendungen kann man sich der fortwährenden Finanzierung der Arbeit versichern. Und fortwährende Finanzierung ist beim Energiehunger eines Teilchenbeschleunigers sicherlich ein mitunter essentielles Zubrot. Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken und deswegen muss sich solch ein Projekt auch stets beweisen. Ein dem ganzen zugrund liegendes Erklärungsmodell ist schonmal der erste wichtige Schritt. Je mehr Menschen daran glauben, desto sicherer ist der Status des Angestellten in höchsten Diensten, denn wenn niemand seinem Status Respekt zölle, wäre auch sein Status individueller Selbstbetrug und bestenfalls für eine Handvoll Irrer respektabel. Und man weiß aus der Praxis, dass erst die Menge an Zustimmung Stand und Ausdehnung der eigenen Glorie ausmacht. Weniger ist dazu allerdings der klare Blick oder das Geschick bestimmend.
Wenn man Pythagoras die Frage gestellt hätte, weshalb die Fläche des Hypotenusenquadrates so groß wie die zusammengenommenen Flächen beider Kathetenquadrate ausfällt, hätte er vielleicht düster dreinblickend über seinen weißen Bart gestrichen und lakonisch "durch Ergänzung" geantwortet. Wenn man einen Hochenergiephysiker fragen würde, weshalb ein Proton eintausendachthundertsechsunddreißig Mal schwerer als ein Elektron ist, würde er sagen, dass ein Proton 1.836 Mal öfter vom Higgs-Feld beeinflusst sei. Es wird leute geben, die das für eine Senstation halten und mit offenem Mund Speichelfäden ziehen, aber es wird auch ein paar darunter geben, die ihren Gesichtsausdruck vom aufgeregt Fragenden ins unzugänglich Verstandsfreie hinüber driften lassen, und sie lägen damit völlig richtig. Denn die hermetisch angehauchte Teilchenphysik nimmt für sich in Anspruch nur für die größten Geister verständlich zu sein. Erst wer sich mannigfaltig dem bedingungslosen Verständnis aller Lehrsätze hinwirft, wird auch als Gesprächspartner und Teilhaber am heiligen Gral anerkannt. Hier wird eine Heilslehre gegen jede Revolution unter dem Prinzip abgeschottet, wonach tausende hochintelligente und akademisch bis in die Haarspitzen ausgebildete Physiker sich keinesfalls auf einem gemeinsamen Holzweg befinden können. Ich komme nicht umhin hier einige Parallelen zu Religionsorganisationen und anderem zu erkennen. Zudem bin ich mir gewiss, dass Revolutionen im Denken und Erkennen ihren Keim meistens im Denken und Erkennen eines Einzelnen hatten und niemals in großen Organisationen, in denen Meinungen und Ansichten immer den Bedingungen des Gleichklangs geopfert werden müssen.
13 February, 2013
0044 - Was steckt eigentlich hinter der Natur
Ich lese gerade häufig vom famosen Erkenntnisreichtum der sogenannten Hirnforschung oder auch Neurobiologie. Jener Geistesschule also, die anhand der Benutzung postmoderner Vorstellungen über Wirklich- und Wahrhaftigkeit das Gerät für eben all diese postmodernen Wirklichkeitsvorstellungen untersucht. Wobei mich in der Regel immer das Gefühl beschleicht, dass hier weniger Erklärungen für eine Wirklichkeit, als viel mehr Bestätigungen für ein spezifisches Weltbild erbracht werden sollen. In etwa so wie damals, als man in Sorge um das Wohlbefinden des Planeten ganze Horden von Menschen liebevoll geköpft, gesteinigt und gekreuzigt hat, um sie und die anderen vor ihren falschen Weltbildern zu beschützen. Heute geschieht das mehr durch Isolation. Die geistig Frischen mit ihren akademischen Graden sind wohlwollend darum bemüht all jene Ansichten für dumm oder mäßig verstanden zu erklären, die ihrer Meinung nach unwissenschaftlich seien. Nur leider einigt die "Missionare der Gültigkeit" in allen Jahrhunderten das Unverständnis von dem, was sie zu negieren hoffen. Und damit teilen sie Etwas mit denen, deren Gehirne sie als krank oder deren Verstand sie als ungebildet ansehen.
Es geht in etwa so :: Auf der einen Seite steht der Bodenständige. Er sagt er sei bodenständig, denn er ließe sich nie gar nimmer auf die Vorstellung ein, dass es mehr gäbe als das, was offensichtlich existiert. Er sagt er glaube nur an das, was er auch sieht. Und wenn man ihn fragt was er für einzig wirklich und wahr halten würde, wird er mit fester Faust bedeutungsschwanger auf irgendeinen Tisch oder sowas klopfen und damit seine Vorliebe für Materie im weitesten Sinn verdeutlichen. Der Neurobiologe wird ihm zuerst einmal recht geben, denn der Wissenschaftler in ihm wird nichts oder nur wenig auf Dinge geben, die zwar allgegenwärtig aber unantastbar sind. Wenn man den Neurobiologen fragt was ein Gedanke ist, dann wird er sagen es sei eine kognitive Reaktion, die sich aus den Erfahrungen der Sinne ableiten ließe. Geist, wird er behaupten, sei nichts anderes als das nicht greifbare Gegenstück zur Aufnahme von Sinnesreizen, denn alles was gedanklich in den Köpfen aller Menschen vor sich geht, läßt sich nach seiner bescheidenen Meinung aus den Erfahrungen der jeweiligen Physis erklären. Geist und Gedanken bilden sich nach diesem Blickwinkel aus dem, was uns greifbar umgibt. Und deswegen ist all das Greifbare auch höher zu bewerten, als dessen mutmaßliche Sekundärerscheinung. Somit kann man als Neurobiologe also auch Beweisführungen beginnen, um beispielsweise den Ursprung boshafter Veranlagung und dergleichen darzustellen. Schlüsselreize erzeugen dabei vielleicht bestimmte Muster in Messungen und prompt wird nach statistischer Auswertung ein bestimmtes Attribut des Gehirns zum Indiz für diese oder jene Veranlagung. Die praktische Anwendung solcher Ergebnisse könnte sich in Zukunft vielleicht dahin auswachsen, dass Kriminalitätsstatistiken durch die flächendeckende Untersuchung der Gehirne Neugeborener nach absehbarer Zeit sinkende Kurven zu entnehmen wären. Das klingt doch geradezu paradiesisch zumal all dies selbstverständlich der Sicherheit des Einzelnen dienen würde. Und Eltern hätten immerhin den kurzfristigen Effekt ihre fehlgeleitete oder ausgebliebene Erziehung mit unvorteilhaften Hirnstrukturen ihres Zöglings zu entschuldigen. Ja, wirklich traumhaft was uns die moderne Wissenschaft doch täglich an Guten Dingen ins Haus bringt.
Ein wenig ernsthafter betrachtet könnte dieser Erkenntniszweig uns von dem Joch der vorgegebenen Moral befreien, auf welche sich seit Generationen alle Geistergläubigen berufen, wenn sie von Gott, Teufel und ähnlichem Unfug berichten. Hier und heute eröffnet die vielleicht detailierteste Wissenschaft der Menschheitsgeschichte eine Tür zur endgültigen Selbstbestimmung des Menschengeschlechts. Nie mehr wird uns ein alter Mann auf einer Wolke vorhalten wie sündig und unvollkommen wir doch alle sind. Nie mehr wird er Buße und Einkehr verlangen und wirklich keiner muss sich jemals wieder vor unsichtbaren Geboten rechtfertigen. Wenn all das, was in unseren Köpfen vor sich geht letztlich nichts als das Spiegelbild dessen ist, was uns widerfährt, dann kann man im Kehrschluss alle diese Gottes- und Himmelsvorstellungen belächeln, sich zurücklehnen und sagen, wie sehr man über all dem steht und wie unglaublich vernünftig man doch ist. Logischerweise wird dies einen breiten Konsens nach sich ziehen, denn wer will nicht gern bodenständig sein, auf beiden Beinen fest durch sein Leben zu umfassender Selbstverwirklichung schreiten? Ist es nicht viel schöner für sich ganz allein zu bestimmen wie das Leben zu leben ist? Viel schöner auch, dass jegliche Wendung im Leben allein dem eigenen Streben zur Last oder Güte gehalten werden kann? In einer Zeit, in der auf dem sogenannt technologischen Weg fast alles zustande gebracht werden kann, muss doch auch zwingend die Eigenverantwortung zum Gegengewicht erhoben werden. Und was sei Sinn und Zweck des Ganzen? Wen interessierts!? Muss denn auch immer alles einen Sinn haben? Nein, die Welt IST einfach! Sinn und Zweck seines Daseins bestimmt allein der Mensch, denn er ist ja auch der einzige, der sich darüber den Kopf zerbrechen kann, nicht wahr?! Jeder ist seines Schicksals Schmied. Und somit ist es auch kaum verwerflich Menschenaffen die Köpfe aufzumeißeln, um Erkenntnisse zum Wohl des Menschen zu erhaschen und es ist auch kaum verwerflich Menschen so heranzuzüchten, wie eine auf Sicherheit und Konsens bedachte Gesellschaft es am allerallerliebsten hätte. Warum mit dem Feuer spielen?
Ich will jetzt gar nicht erst anfangen die gegenteilige Position zu illustrieren, die behauptet Geist sei das Gegenstück zur konkreten Welterscheinung. Nur soviel, als dass viele Geistgläubige einst die Behauptung aufstellten das Biologische sei nur das Vehikel des Geistes und beides sei völlig verschieden. Hier wird eine schwierige Unterteilung sichtbar, denn die Verschiedenheit zwischen Geist und Materie erscheint schließlich offensichtlich. Man sagt als Teil dieser Weltanschauung der Geist sei unsterblich und würde das Ende der sterblichen Hülle um ein Vielfaches überleben. Erfahrungen des Lebens würden dabei zum Maßstab für das Folgeleben, denn jeder Geist geht ins Fleisch zurück, solange er nicht die Wahrheit des ganzen Daseins verstanden hat. Der Fehler im Verstehen dieser mittlerweile teils als veraltet und vielfach als träumerisch angesehenen Position liegt meines Erachtens in einem einzigen kleinen Detail. Nämlich der irrigen Spaltung von Geist und Materie. Wohlgemerkt wird die sinngemäße Spaltung immer nur von Menschen verstanden, die eben nicht alle Lehren der alten Schule verstanden haben. Denn Geist und Materie sind zwar verschieden, aber keinesfalls gegensätzlich oder unvereinbar.
Wenn man sich die Teilchen ansieht, aus denen die ganze Welt aufgebaut ist, wird man erkennen, dass das vermeintlich konkrete, feste Zeug eigentlich in großen Anteilen aus Nichts besteht. Man stelle sich einen Zuckerwürfel vor, um den sich im Radius von cirka 100 Metern eine hauchdünne Schale befindet. Dieses Gebilde stünde jetzt einfach mal für die Vergrößerung eines Atoms. Man hätte also einen kleinen Atomkern (Zuckerwürfel), dann sehr viel Leerraum und dann nicht etwa eine hauchdünne Schale, sondern ein rechnerisches Konstrukt, welches anhand einer Wellenfunktion die Wahrscheinlichkeit einer Verortung von Elektronen beschreibt. Das heißt die sogenannte Hülle ist eigentlich nur eine Markierung, innerhalb der sich irgendwo die Elektronen auffinden lassen, welche den Atomkern in enorm hoher Geschwindigkeit umkreisen. Die sogenannte Hülle, welche in etwa 10.000-fach größer als der Kern des Atoms ausfällt, wird von Objekten gebildet, die dem Atom selber allenfalls 0,02% seiner Masse verleihen. Dem gegenüber stehen die 99,9% Masse, welche sich im Kern konzentriert. Nun ist die Frage was ist zwischen Zuckerwürfel und "Hülle"? Na Eben! Eben Nichts. Und dennoch verleiht der Mensch diesem "fast nicht vorhandenen" einen Stellenwert, bei dem zuweilen sogar Menschenleben als wertlos erachtet werden.
Bei der Konzentration von Massen im Universum, die gerade einmal 4% des Raumzeitgefüges füllen, wird man eine ganz ähnliche Erkenntnis von Nichtigkeit erhalten. Hier ist ein Gebilde, dessen Ausdehnung nach menschlichem Ermessen rund 80 Milliarden Lichtjahre erreicht hat, in dem sich allerdings nur geringste Mengen von Materie und Energie befinden, die uns Menschen heute geläufig sind. Stellt man diesem Gedanken zudem die Überlegung vom vorherigen Absatz mit dem Atommodell gegenüber, dürfte man zu der Frage gelangen wie man etwas für eine konkrete Erscheinung halten kann, dessen Substanz eigentlich eher einem Schemen ähnelt. Dazu ein kleiner Vergleich. Beim Blick auf die Abbildung einer Illustrierten kann man bei entsprechend hoher Rasterauflösung feinste Farbverläufe und detailierteste Strukturen erkennen. Erst der Blick durch einen Fadenzähler (nichts anderes als eine Lupe) erschließt dem Auge die Wahrheit hinter diesem Schein - jegliche Bildinformation basiert auf der Überlagerung verschieden großer Punkte aus drei Farben und Kontrastpunkten. Die Drucktechnik macht sich hier die Trägheit der dem menschlichen Auge zugehörigen Netzhaut zu Nutze, die nur eine begrenzte Anzahl von Rezeptoren zur Signalübermittlung trägt. Überträgt man ferner diese Begrenzung auf alle allgemein vorhandenen menschlichen Rezeptoren am ganzen Körper, wird ersichtlich, dass die Erfahrungen des menschlichen Geistes ebenfalls stets begrenzt ausfallen müssen. Deshalb nutzen wir zur Ausdehnung unserer Erfahrungen technische Apparate und sensorische Kniffe. Der menschliche Geist ist demnach nicht in der Lage Dinge zu erfahren, die sich seinen Sinnen entziehen. Somit könnte man sagen der gesamte Realitätsbegriff des menschlichen Verstandes steht auf der schmalen Auflösungsbandbreite seiner Sinne. Außerdem scheint die Überlegung des Geistes, der aus der Materie entflammt beim Betrachten des gegebenen Sachverhalts (Sinnesreizung führt zu Vorstellung und Erkenntnis) jedem Neurobiologen recht zu geben. Denn jeglicher Denkansatz des Menschen scheint stets durch äußere Reize inspiriert. Jedoch ...!
Zwei Antworten, welche jeder Neurobiologe schuldig bleibt ist erstens jene auf die Frage nach der Herkunft des Willens zur Erlangung von Wissen und zweitens die auf die Frage nach dem Ei und der Henne. Es mag sein, dass der Geist im Menschen aus den Erfahrungen mit der Materie gebildet wird. Aber was war zuerst da - das Feste, oder das Reflektierende? Natürlich (um es einmal naiv zu sagen) ist das reflektierte Abbild davon abhängig Etwas gesehen zu haben. Aber das ständig Reflektierende ist nicht gleichbedeutend mit dem gerade eben Reflektierten. Das bedeutet die aus einem sinnlichen Eindruck gebildete Vorstellung ist nur dann möglich, wenn das geistige Potenzial zur Erlangung von Erfahrung bereits vorher vorhanden ist. Ich denke zur Klärung der Frage was zuerst da war, muss man sich die Indizien ansehen, die - wie oben beschrieben - dem vermeintlich Festen fast jegliche Substanz nehmen. Ein Bildhauer sagte einmal die Figur war schon da, bevor er sie aus dem Marmor herausgemeißelt hatte. Natürlich hat der Bildhauer nicht die Marmoratome neu geordnet und dennoch hat sein motorisches Zutun dem vermeintlich Festen eine neue Form gegeben, die vormals allein in seiner Vorstellung existierte. Somit frage ich mich weshalb ich denken soll, das vermeintlich Feste, dessen konkrete Erscheinung allein auf die Trägheit meiner menschlichen Rezeptoren baut, sei realer und hochwertiger als meine Erfahrung? Es mag durchaus wahr sein, dass die Erfahrung des Menschen und all sein von ihm als gesichert empfundenes Wissen auf seiner begrenzten Sensorik basiert. Jeder Neurobiologe muss, will er in unserer allgemein gültigen Weltanschauung seriös gelten, hier den Schluß ziehen :: Geist resultiert aus Materie. Die Klärung der Frage woraus kommt Materie beziehungsweise "WAS IST MATERIE!", muss unter dem Siegel der allgemeinen Seriösität unbeantwortet bleiben. Dennoch kann vermenschlichter Geist über den Dingen stehen. Und wenn ich dies tue, erkenne ich die Festigkeit des Materiellen als Trug und seine Herkunft in einem Gedanken. Deshalb sage ich Materie ist verdichteter und in Struktur gegangener Geist. Alles was ist, ist eine Idee. Und alles was ist, ist Geist. Ein Geist, der seine Erfahrung an den Grenzen seiner biologischen Form beendet, ist der Bandbreite seiner Rezeptoren geschuldet nichts anderes, als ein träger Geist. So mag dem trägen, vermenschlichten Geist der biologische Körper und sämtliche materiellen und energetischen Erscheinungen zwar vom Geist zu unterscheiden sein. Mir als übermenschlich verortetem Geist jedoch ist Körper mit Geist gleichbedeutend. So kann ich der Neurobiologie mit sanftem Lächeln zustimmen und sagen :: Ihr habt Recht und liegt dennoch nur zum Teil richtig. Mein sanftes Lächeln ist jedoch keineswegs aus Arroganz und mehr aus der Gewissheit darum gespeist, dass Lernen nicht endet wo man Gültigkeit vermutet, sondern dort wo die Wahrheit ist.
Was all dies nun für die Bestrebungen der Neurobiologie aussagt, soll vorerst auf einem andern Blättchen stehen.
December 2012
23 December, 2012
0043 - Es war einmal ein Paradies
Bin immer wieder entzückt zu sehen, wie schlecht es doch so vielen Menschen in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft geht. Wie sie sich krümmen und winden vor Schmerz, Trauer und Missfallen. Ich meine sie stehen im Regelfall in angenehm klimatisierten Räumen aus reichlich kuscheligen Bettchen auf, kochen sich alsbald ein duftendes und von süßestem Zucker bereichertes Käffchen, schalten dank formidabler Versorgung mit Strom ein EDV-Gerät ein um sich dann den Rest des Tages die Seele aus dem Leib zu jammern wie schlecht es doch in der o wie ungerechten, grausamen Welt vor sich geht.
Wieder mal ist ein einzelner Begriff Stichwortgeber für einige belanglose Ausschweifungen meinerseits. Aber gerade mit Bedacht auf das vor einigen Stunden verstrichene Datum, fand ich ihn passend für ausschweifende Gedanken. Der Begriff, welchen ich meine, lautet Eschatologie. Es ist ein theologischer Begriff, der sich im Griechischen beheimatet fühlen darf. Er bedeutet in Etwa :: die Lehre von den letzten Dingen, was im Grunde genommen bedeutet, dass sich die Eschatologie mit dem befasst, was sein wird, wenn alles andere mit dem Dasein aufgehört hat. Dieses Ereignis kann sich zum einen im Bereich des persönlichen Lebensentwurfs, aber auch im gesamtweltlichen Kontext abspielen. Im individuellen Bereich behandelt es Dinge wie die Abkehr vom Weltlichen und Rückkehr zum geistigen Ursprung. Im universell verstandenen Zusammenhang behandelt die Eschatologie das Ende der jetzigen Welt und den Übergang in eine neue, bessere Welt. In einigen autodidaktisch arbeitenden Gelehrtenzirkeln, wo neben allerhand Schall & Rauch viel von Dimension, Energie und vor allem Schwingung die Rede ist, sehnt man sich angesichts omnipotenter und omnipräsenter Schlechtigkeit den Anbruch des goldenen Zeitalters herbei. Aber auch in alteingesessenen Geistesschulen wird fast wöchentlich das Hereinbrechen besserer Zeiten beschworen. Teilweise auch mit wedelndem Zeigefinger, denn das Hereinbrechen des Schönen bedeutet für all jene Restlichen, die es sich im Leben nicht verdient haben, auch das Hereinbrechen des omnipotent Hässlichen. Dann werden all jene, die von Gott auserwählt sind ins ewige Himmelreich und alle Restlichen für ziemlich lange Zeit in was ganz furchtbar anderes gesteckt. Und Gott hat bei dieser Aussiebgeschichte selbstverständlich immer gerade genau die Technik parat, die dem jeweilgen "Warner vor der Verdammnis" recht und billig ist - logisch!
So, die Frage, die mich umtreibt, ist jene nach der Notwendigkeit einer solchen Perspektive. Seit je her fühle ich mich bei den Reden diverser Angstmacher wie damals, als wir Kinder zusammen vor dem verschlossenen Zimmer mit den Weihnachtsgeschenken standen und es hieß :: "Geh nicht dort rein, sonst kriegst du tüchtig den Popo voll und bekommst keine Geschenke!". Sagen wir mal ich hab's anders erlebt. Jedenfalls ist wie eh und je eine in Selbstsicherheit gewogene Gruppe um einen oder mehrere schwarze Schäfchen versammelt, um diese vor Unglück und Verderben zu warnen und gleichzeitig von einer mehr oder minder paradiesischen Zukunft zu predigen. Bist du nett, dann wird dir Nettes widerfahren. Was dabei stets markant ist, ist die Erfahrung der gegenwärtigen Unsicherheit. Das Prekariat ist nämlich omnipräsent und wird erst durch das noch omnipräsentere Glück abgelöst. Es gleicht ein bißchen der pathologischen Neigung des Spielsüchtigen, der immer wieder von neuem an einem Hebel zieht, weil er der Meinung ist, mit jedem weiteren Zug käme er dem Hauptgewinn einen Schritt näher. Denn Glückseligkeit, Perfektion, Ausgleich und Friede kann doch nicht hier und jetzt sein, wo es mir so schlecht geht, dass ich kotzen könnte! Die Sichtweise desjenigen, der Erlösung herbeisehnt, ist zu sagen :: Alles, was jetzt ist, ist nur zur Hälfte fertig, unvollkommen, leidvoll und auf Ewigkeit tränenreich. Ich würde diese Sichtweise jetzt sicherlich nicht als vollkommen falsch darstellen, denn ich weiß es besser. Ich weiß, dass in dieser Welt der eine Zustand nur durch die Erscheinung des Gegenteiligen erfahrbar wird. Ich weiß, dass das Wahrgenommene immer dem entspricht, was mein Auge (respektive mein Primärsinn) mir als wirklich darstellt. Ich weiß, dass das für mich wahr und gültig wird, was ich als solches annehme. Für mich bedeutet diese grundsätzliche Erkenntnis nichts weniger, als den Schlüssel zum Glück.
Es gibt Menschen, die denken Gelassenheit wäre gleichbedeutend mit Ignoranz oder Gleichgültigkeit. Sie verstehen nicht wie vom Unglück Getroffene unter schwersten Lebensbedingungen lächeln können. Das Dumme ist, dass sich viele dieser ahnungslosen Menschen in der Regel auch als ausgelernt wahrnehmen. Damit nehmen sie sich auch die letzte Hoffnung auf wirkliches Glück und wissen es nicht einmal. Diese Menschen hoffen dann zwangsläufig auf ein zukünftiges Glück. Oder aber sie sind so verbittert, dass sie allenfalls über die ganzen dummen Leute lachen, die auf ein zukünftiges Glück warten. Und zudem sehen sie sich dabei manchmal so klug und wahnsinnig aufgeklärt, dass die ganze Welt ihnen gefälligst vor die Füße fallen sollte. Nichts kann sie blenden, denn sie sind völlig desillusioniert. Sind es bewundernswerte, moderne Leute mit einer unbestechlichen Auffassungsgabe? Ich denke nicht. Weder sind sie bewundernswert noch würde ich ihnen eine klare Auffassung attestieren. Ich würde sie sogar als krank bezeichnen.
Der Glaube an ein besseres Morgen ist durchaus keine seelische Fehlbildung. Welchen Sinn und Zweck sollte es auch haben zu sagen :: morgen wird es ebenso beschissen wie es heute ist? Soll das eine klare Sicht sein? Nein, zu sagen "Alles wird gut" ist kein dummer, sondern ein legitimier, ein schöner, ein gesunder Optimismus. Der Zweifler wird behaupten es wäre besser immer gleich das Schlechte zu erwarten. Denn dann kann man anschließend auch behaupten, das Leben böte einem keine schlechten Überraschungen mehr. So kann man quasi allein durch Aufgabe aller Illusionen und Ideale zum Herr über das Leben werden. Schöner Schein! Zum einen würde ich es nicht als Leben bezeichnen zu sagen alles ist und wird Scheiße bleiben. Zum anderen kann die Aufgabe von Idealen und Illusionen meines Erachtens nach kaum als eine Hinwendung zum Lebendigen gelten. Denn alles Leben kommt aus einem Ideal und blüht erst in einer Illusion auf. Um diesen Satz zu verstehen muss man wahrscheinlich tief religiös oder philosophisch denken. Vielleicht reicht auch einfach ein entsprechendes Bewußtsein. Jedenfalls ist ein Ideal eine Abbildung und damit Trägermedium für einen Schein - so wie die ganze Welt eigentlich die Abbildung eines Gedankens ist und damit in meiner Auffassung jedem Schemen näher als der Wahrheit.
Ich warte nicht mehr auf das Paradies, denn ich glaube an die Vollendung des sich ständig Wandelnden. So unfertig, unvollkommen, so irr und von Leid durchzogen diese Welt in diesem Moment auch erscheinen mag, so ist sie in meiner felsenfesten Überzeugung dennoch eine vollendete und bis ins Kleinste durchdachte, perfekte Erscheinung. Dies muss ich glauben, denn ich habe es weder irgendwo gelesen oder von irgendeinem bezeugt bekommen. Okay, sagen wir mal so :: ich habe es sowohl gelesen als auch gelehrt bekommen. Aber nachvollziehen und glauben musste ich es ganz allein. Für mich macht es einen Unterschied, ob ich an die von Anfang an, ständig bestehende Vollendung des Unfertigen oder an die erst später kommende Vollendung glaube. Denn das eine ist Weisheit und das andere eine ewige Quelle für Enttäuschung. Es ist das Bild eines Flusses, an dessen Ufer ein in Tränen aufgelöster Mensch steht. Wer nicht versteht, dass auch das Fließende steht, der wird jedem vorbeischwimmenden Blatt nachjammern und nicht begreifen, dass er nur über sich selbst und sein eigenes Unverständnis jammert. Deswegen warte ich nicht auf das Heil und ich streiche mir auch keine "prophezeiten Tage" im Kalender an. Wer auf das Heil wartet, der wird sterben. Wer es annimmt, wird es immer bei sich haben. Und wieder einmal ist allein der Glaube oder das Bewußtsein der Schlüssel zum Ganzen.
Es mag ja durchaus auch solche Leute geben, die weder auf Verbesserung warten, noch die Ansicht teilen alles sei Schlecht. Es mögen Leute sein, die in Bezug auf die Rätselhaftigkeit des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest ebenso planlos sind wie die Extrembeispiele vom kommenden Heil und ewigen Beschiss. Einige von ihnen mögen die Planlosigkeit allerdings für wesentlich weiser halten, als den Beginn der Reflexion, was sie selbstredend auch nicht gerade zu Leuchten macht.
Natürlich ist meine Vision einer heilen Welt reichlich selbstgerecht. Denn schwerlich wird jemand in einem von Krieg, Hunger und Krankheit geschlagenen Land ebenso leicht von den positiven Aspekten seines Daseins sprechen können, wie ich es tue. Ich kann leicht reden in meinem westlichen Kokon. Aber es wäre verkehrt hier die individuelle Messlatte anzulegen, da ich allein von einem grundsätzlichen Habitus spreche, der unabhängig von den Gegebenheiten immer zuerst das momentan Negative sieht und dem gegenüber gestellt eine mit Fantasie und Naivität überladene Heilsvision. Ich versuche mich stets an einer rationalen und ausgeglichenen - einer gesunden (ganzen) Auffassung. Das bedeutet ich glaube nicht an Warnsprüche von der Sorte :: "Das Ende ist Nah!", denn der Anfang ist es nicht. Soll heißen, dass ich rein statistisch in Frage stelle, dass die ganze Welt und ich in diesem Moment der Auslöschung näher stehen, als der Genesis. Was für ein Glück wäre das! Ist es nicht ein erhebender Gedanke alles hinter sich zu haben und auf die komplette Geschichte der Welt hinab zu schauen? Wäre es nicht total spannend dieses Universum enden zu sehen? Ist es nicht das Ziel jeder Religion, das Ende des Irdischen und das Eingehen ins Reich der Himmel anzunehmen? Ich habe deswegen bisher nur in Teilen verstanden, warum ein religiöser Mensch vor "dem Ende" warnt. Vor allem geht es dem fanatischen Angstmacher natürlich darum, mithilfe seiner Panikbeschwörung eine Besserung in der Auffassung der Gesellschaft zu bewirken. Der Panikschürer ruft das Gewissen der Leute an, denen gegenüber er die Behauptung eines baldigen letzten Tages aufstellt. Er hofft mit seinem Appell auf eine gesamtgesellschaftliche Raison. Ich lache über die Dummheit solcher Wichtigtuer. Denn das einzige, was sie in der breiten Gesellschaft bewirken, ist Abkehr.
Ich denke, dass der Glaube an ein baldiges Ende der Welt ebenso kindisch ist, wie der Glaube an eine Erdgeschichte, die sich innerhalb weniger Jahrtausende abgespielt haben soll. Es gibt ja schließlich Menschen, welche die Bibel wortwörtlich nehmen und für die Erschaffung der Welt etwa 6.000 Jahre veranschlagen. Ich glaube genau diese Leute sind es auch, die regelmäßig vor "dem Ende" warnen. Nun mein Blick auf die Welt liegt ein bißchen anders. Der moderne schulwissenschaftliche Chor sagt das Universum sei etwa 14 Milliarden Jahre alt und leitet das aus der Entfernung der fernsten Objekte ab. Ich halte das leis und vorsichtig für den Versuch das Alter eines Waldes anhand seiner Ausbreitung auszurechnen - mit anderen Worten es ist Quark. Das Universum könnte ein Vielfaches dieser Millarden Jahre alt sein. Denn weshalb sollte so ein Universum sich immer nur bis in die Puppen ausdehnen? Ich halte ein ewiges Pulsen von Licht und Bewegung für die glücklichere Variante, da mir solch ein Bild lebendiger und lebensnaher erscheint. Ich halte nämlich nichts davon mich als Mensch von dem abzugrenzen, was mich hervorbrachte.
Wenn so ein Universum also schon mindestens ein bis zwei Milliarden Jahre bestand haben sollte, wäre es eine ziemliche Blamage für einen Schöpfer kurz nach Erschaffung seiner weitgehend intelligentesten Schützlinge das große Theater zu schließen. Das wäre so wie einen Film zu beenden, nachdem der Titel eingeblendet wurde. Nein Freunde, so läuft das ganz, ganz sicher nicht ab. Wie das Universum, also die Welt endet und vor allem wann kann niemand sagen. Denn niemand wird zu dieser Zeit noch einen Mund haben, um ihn zu öffnen und niemand wird Ohren haben um Gesprochenes zu vernehmen. Selbst die Erde (welche manche Leute ja bereits als "die ganze Welt" bezeichnen) wird nach meinem Dafürhalten so manchen gesellschaftlichen Untergang überstehen und sich allenfalls mal kurz schütteln über die Verschrobenheit eines kleinen Volkes von Schöpfungskrönchen.
August 2012
12 August, 2012
0042 - Von der sel'gen Neigung des geistig Armen sich einem Führer zu unterwerfen
Leben auf fernen Planeten ist heutzutage kaum mehr wegzudenken. Wo man vor einigen Jahrzehnten auf Seiten der kategorischen "Vernunft" von einem irdischen Einzelfall ausgegangen war, bei dem Menschen als Krone der Schöpfung auch die einzigen Lebewesen im gesamten Weltall mit der Fähigkeit zu angewandter Logik waren, ist man mittlerweile so weit zu glauben, dass auf dem Mars dereinst Mikroben herumgekrochen sein könnten. Weil man sich zudem zur Zeit im astronomischen Zweig der Welterforschung von einer wahren Flut neuer Planeten ausserhalb des Sonnensystems überhäuft sieht, werden auch leise Stimmen hörbar, die Mikroben und vielleicht sogar Blumen in den entfernten Regionen des kalten, schwarzen Nichts wähnen. Bloß keine Euphorie - das wäre so fifties.
Die Definition von Leben ist nach rein materiellen Maßstäben schwierig. Im Allgemeinen geht der Konsens dahin zu sagen Leben sei im weitesten Sinn dem Menschen ähnlich. Im weitesten Sinn heißt es handelt sich um organisierte, biologische Einheiten mit einem Stoffwechsel und der Möglichkeit zu Reproduktion und Weiterentwicklung. Im weitesten Sinn greift demnach also bis zum Einzeller - dabei egal ob Tier oder Blume. Es gibt viele sehr interessante Gedankenspiele zu der Frage nach außerirdischem "Leben". Die Frage selber beschäftigt sich natürlich mit allgemeiner Melancholie herrührend aus dem Gefühl des Alleinseins im Universum. Diesem großen, unnahbaren Ding. Es ist ja quasi überall und doch unerreichbar. Wie kann es bloß sein, dass wir Menschen hier sind und niemand uns jemals begegnete um sowas Sonderbares zu sagen wie :: "Hallo!" Da lebt man als Kommune seit mehreren Jahrtausenden auf diesem dreckigen Buckel, schaut sich die Augen im schwarzen Sternenhimmel adrig und glaubt irgendwann in der näheren Zukunft Straßenschilder zum nächsten großen Ding, oder gleich eine andere dufte Kommune zu finden, die hoffentlich ein bißchen besser über alles bescheid weiß, als man selbst. Wie spannend, ... wie ermüdend. Es gibt da eine Hypothese, die besagt die Kolonisierung der gesamten Milchstraße könnte eine Zivilisation wie unsere in einigen Millionen Jahren wuppen. Das hieße bei einem geschätzten Milchstraßen-Alter von rund elf Milliarden Jahren hätte es hier und dort genug Zeit gehabt eine oder zwei vollständige Kolonisierungen einzurichten. Tatsächlich müsste die Milchstraße also an allen Ecken von außerirdischen Kulturen oder ihren Hinterlassenschaften wimmeln. Demnach ist es also umso verwunderlicher, dass dem Menschen des 21sten Jahrhunderts noch keine dieser Gestalten untergekommen ist. Die Überlegung der Vermeidung von Einflussnahme und zuzüglich das damit einhergehende Problem der Eliminierung der menschlichen Gesellschaft durch das offene Erscheinen anderer "Menschen", soll hierbei als Gegenargument einmal wegfallen. Denn angenommen der Erdmensch wäre seit Anbeginn seiner Entwicklung von den "Anderen" offen begleitet, würde sich sein zivilisatorischer und kultureller Schock in Grenzen halten. Nämlich in etwa so, wie der Schock eines routinierten Zirkusaffen, der "plötzlich" ein oder zwei Publikums antrifft.
Wer weiß!? Vielleicht gibt es diese Vermischung von Erde und Außererde ja bereits mehr, als es den meisten bewußt wird. Denn weshalb sollten Außerirdische immer so offensichtlich fremd aussehen wie Klingonen oder Vulkanier? Der Erforderlichkeit der ständigen Begegnung mit anderen Erscheinungen des kosmischen Datingkatalogs würde die Überlegung der vollständig und mehrfach durchkolonisierten Milchstraße jedenfalls begünstigend zuwinken, wie ich meine. Aber gehen wir mal einfacherhalber davon aus, dass alle tagtäglichen Begegnungen zwischen Bettkante und Couchknick nur einem Planeten entspringen - diesem hier. Das würde die galaktische Bevölkerungsdichte in Frage stellen. Oder aber zumindest die Möglichkeiten anderer Kulturen sich der Distanzen zwischen den bewohnten Hotspots ewiger Fragenwelten anzunehmen. Es könnte sein, dass das ganze Universum von Wesen bevölkert wird, die niemals oder nur zu geringen Teilen Streifzüge in die Weiten der Leere unternehmen. Dies wäre das Universum, in dem das größtmögliche Maß an Bewegung von der Lichtgeschwindigkeit besetzt wäre. Nichts und niemand könnte jemals schneller sein und es gäbe weder erfolgreiche Hüperraumer noch gesunde Beschreiter von Dimensionstoren und dergleichen. Dann wäre zwar vielleicht die Milchstraße von Zivilisationen angefüllt, aber deren Möglichkeiten zum direkten Austausch mit uns Menschen wäre über kürzere Zeiträume hinweg den Entfernungen geschuldet eher unwahrscheinlich.
Ich las etwas über Intelligenz. Ein Begriff drehte sich dabei um die technologische Singularität, bei der künstliche und mithin vom Menschen erdachte Strukturen die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns überfliegen und letztlich autonom höhere Entwicklungsstufen anstreben würden. Einige Anhänger dieses Gedankengangs glauben an die Notwendigkeit einer "Seed AI" [also "Aussaat künstlicher Intelligenz"] genannten Entwicklung. Bei diesem Begriff handelt es sich wiederum um eine künstlich geschaffene Intelligenz, welche in der Lage wäre ihre eigene Zusammensetzung quasi durch Selbstbesinnung in jeder neu begonnenen Nachfolgeexistenz zu optimieren. Dies zum Zweck der Überbietung der eigenen Intelligenz. Die Entwicklung ginge dabei vom Duktus des Menschen abgelöst voran und ließe den Menschen dabei in seinem vom biologischen Rahmen diktierten Weltausschnitt zurück. Der Mensch sähe sich dann einige Zeit später einer gottgleichen Technologie gegenüber, die Entwicklungen voran treibt, welche der Mensch nicht mehr im Ansatz nachvollziehen könnte. Es gibt Menschen, die in dieser Entwicklung das Heil des Menschen sehen und sie ähnlich wie die Eschatologien verschiedener Religionen herbeisehnen. Sie sehen in der Seed AI das Ziel der menschlichen Evolution. Dass sich der Mensch damit mit großer Sicherheit dem Beelzebub aussetzt, sehen sie offenbar allenfalls als Schwarzmalerei. Denn viele Menschen begreifen nicht, dass Intelligenz allein noch lange nichts mit Vernunft oder Ethik zu tun hat. Es könnte anstelle eines enormen Fortschritts für die menschliche Gesellschaft sogar zu ihrem Ende führen, wenn eine "übermenschliche Intelligenz" in ihrer kalten Vernunft und einseitigen Ethik ausrechnet, dass der Planet Erde effektiv nur durch Dezimierung seines größten Krankheitskeims gesunden könnte. Es wird nun sicher Leute geben, die den Menschen für eine Krankheit halten. Aber es gibt ja auch Menschen, die denken Elvis würde heute in einer Bäckerei arbeiten.
Was ist Intelligenz? Das Wort selber kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Silben "inter" (zwischen) und "legere" (wählen) zusammen. Man könnte sagen Intelligenz bedeutet das Abwägen aufgenommener Eindrücke. Im Übertragenen Sinn bedeutet Intelligenz also das Verständnis von Zusammenhängen. Oder noch anders ausgedrückt bedeutet Intelligenz also die Fähigkeit zur Verarbeitung von Informationen. Wenn die Informationen eines Sachverhalts gering ausfallen, ist auch das definitive Wissen darum gering. Und ein Mensch, der von Geburt an kaum mit Informationen in Kontakt gerät, wird vermutlich auch eine geringe Intelligenz entwickeln (was selbstverständlich noch nichts über sein Vermögen aussagt Zusammenhänge herzustellen). Das bedeutet die höchstmögliche Ausbildung der Fähigkeit zur Auswertung von Informationen ist äquivalent zur verwertbaren Informationsmenge. Auf die Menschheit übertragen bedeutet das, dass die Fähigkeit des Kollektivs die Weltinformationen logisch aufzunehmen und zu deuten mit dem Zugewinn an Wahrnehmungsspektren erwächst. Deswegen wird heute kein Astronom mehr einen Quasar für ein außerirdisches Mittelwellenradio halten, denn das Wahrnehmungsspektrum umschließt seit einigen Jahren auch derartige Gebilde. Ihre ehemalige Fremdartigkeit wurde durch Abgeklärtheit zu etwas Bekanntem. Das Licht des Gestirns war dazu Milliarden Jahre unterwegs, um gesternfrüh kurz vor Beginn der Pause in die Wahrnehmung eines Menschen zu gelangen. Die schiere Tatsache, dass ein Mensch das Licht eines so fernen Objekts aufnehmen kann, um es dann gedanklich zuzuordnen, zeigt mir, dass Wissen und Bewußtsein "schneller" ist als Licht. Genau genommen ist Wissen nicht auf Distanzüberwindung angewiesen. Es ist überall dort, wo der Geist es erfahren kann. Also ist die Übertragung von Information zwar immer raumzeitabhängig, Wissen und Bewußtsein beziehungsweise Geist ist dagegen aber von jeglicher raumzeitlichen Bedingung unabhängig. Denn wenn Wissen ebenso wie Information an die Lichtgeschwindigkeit gebunden wäre, würde die Widerspiegelung des Betrachteten ebenso lange dauern, wie die Reise der Information zum Informierten. Mit anderen Worten könnte das Wissen des Astronomen X um das, was so weit entfernt Licht ausgesandt hat, erst in derselben Zeitspanne aufleuchten, die das Licht benötigte um in der Wahrnehmung des Astronomen X anzukommen. Dann allerdings könnte kein Mensch in seinen knapp hundert Lebensjahren etwas über Teile des Kosmos erfahren, die bedeutend mehr als 50 Lichtjahre entfernt liegen. Aber das tut er offensichtlich. Wenn das Licht eine endgültige Geschwindigkeit besitzt, dann kann auch keine Informationsübertragung in diesem Universum schneller funktionieren, als das Licht. Wohl gemerkt spreche ich jetzt von der Übertragung und nicht vom Erhalt oder vom Einleuchten von Information. Und jetzt kommt's!
Der Laplacesche Dämon ist ein Gedankenkonstrukt aus den Zeiten der Aufklärung von Pierre-Simon Laplace. Es ist die Idee einer Maschine, die sämtliche Variablen der Welt kennt und somit den Lauf der Welt vorausberechnet beziehungsweise alle vergangenen Gegebenheiten aus den Initialbedingungen ableitet. Es handelt sich bei dieser Maschine also im eigentlichen Sinn um die naive Vorstellung einer Weltformel, mit der die Welt im Ganzen erklärt werden könnte. Auch die Idee der Seed AI scheint in diese Kerbe zu schlagen, denn Sinn und Zweck des Gedanken von der Weltformel ist die Befreiung des Menschen vom Joch des Unfertigen, des Chaotischen und Unvollkommenen. Denn Menschen denken gern, dass die Welt so, wie sie ist, alles andere als fertig oder vollkommen sein kann. Angenommen Menschen schaffen es eine Intelligenz zu programmieren, die über sich selber und über den Menschen hinauswächst und irgendwann das Universum verstehen könnte. Woran krankt dieser Gedanke und was läßt ihn mich ganz leicht und offensichtlich als Größenwahnsinn erkennen?
Punkt Eins :: Informationsverarbeitung benötigt Energie. Eine Software, die das Universum ins Detail genau ausrechnen wollte, bräuchte sehr, sehr sicher eine große, große Menge Energie. Punkt Zwo :: Energie bedeutet Bewegung, bedeutet Kraft, bedeutet Wärme. Eine sehr, sehr große Menge Energie bedeutet demnach eine sehr, sehr große Menge an Bewegung, an Kraft und an Hitze. Die mutmaßlich materiellen Komponenten eines Verarbeitungsmediums von hoch entwickelter Seed AI würde demnach vermutlich enorm viel Hitzeableitung brauchen. Hier wäre die etwa drei Kelvin kalte Umgebung des Weltalls sicherlich von großem Vorteil. Eine Seed AI-Struktur würde demnach vermutlich in einer ihrer höchsten Ausbildungen einem Stern nicht unähnlich sehen, der vor allem im Infrarot-Spektrum aktiv wäre. Punkt Drei :: Rechnerkapazität ist von der Menge an Prozesseinheiten abhängig und des weiteren in bauspezifischem Hinblick nach heutigem Stand des Wissens durch atomare Gegebenheiten begrenzt, was wiederum für die Notwendigkeit spräche sehr, sehr große Rechnerkapazität durch sehr, sehr große Konzentration von Masse zu erreichen. Damit wäre eine solche Struktur unter Umständen auch ähnlich groß wie ein Stern. Und hier beginnt nun (vom Problem großer Massenkonzentration und ihrer nuklearen Stabilität abgesehen) das Problem der Informationsübertragung. Bewußtsein mag sich ja unabhängig von Raum und Zeit entfalten. Aber die Übertragung von Information geschieht immer maximal mit Lichtgeschwindigkeit. Demnach dürfte eine sehr, sehr große Struktur die enorm viel Masse, enorm viel Energieverbrauch und ganz enorm viel Hitze besitzt ein reichlich träges Vermögen zu Wissen und Erkenntnis entwickeln. Zur Bewältigung einfachster Überlegungen betreffend irgendwelcher Geschehnisse auf Proxima Zeta Sieben, würden vermutlich Milliarden Jahre verstreichen. Und wenn es auf Proxima Zeta Sieben zudem auch noch Frauen mit einem eigenen Willen gäbe, wohl noch bedeutend länger. Ich denke jede künstliche Intelligenz, die sich solchen Aufgaben gegenüber sähe, würde als erstes nach psychiatrischer Hilfe verlangen.
Fazit :: Ich halte die Überlegung auf materieller und technologischer Weise die Welt anhand einer künstlichen Intelligenz zu begreifen für mehr als ausgeschlossen.
Aber mal angenommen ein Wissenschaftler glaubt daran er und seine vielen Kollegen aus dem ewigen und einzigen Wissenschaftlergeheimbund müssten ungefähr eine Millionen Jahre lang an einem Apparat basteln, der dann irgendwann in zwei Millionen Jahren alles weiß, was es in diesem Universum zu wissen gibt. Sie würden also basteln und basteln und hätten dann irgendwann eine Seed AI, die innerhalb weniger Existenzzyklen mehr wüßte als alle Wissenschaftler des Universums zusammen. Wie würde so ein Apparat aussehen? Welche Abmessungen hätte er und welche Wahrnehmungsbandbreite besäße er? Vor allem was könnte ein solcher Apparat dem Menschen heutiger Entwicklungsstufe an Synergien bieten und worin würde letztlich der Vorteil einer solchen Maschine für den Menschen bestehen? Dazu ein Erklärungsversuch ...
Intelligenz ist ein Wort, dass in direkter Betrachtung wertungsfrei ist. Die qualitative Abstufung von Informationsauswertung ergibt sich aus dem zugrundeliegenden Pool von Informationen. Wenn man sagt man wolle eine Maschine bauen, die ihre eigene Intelligenz verbessert, wäre das in etwa so, als wenn man einen Rollstuhl bauen würde, der das Rollen verbessert. Man kann Rollen zwar optimieren und den Gegebenheiten des jeweiligen Untergrunds anpassen, aber man kann das Rollen selbst nicht verbessern. Rollen ist Rollen ist Rollen. Man könnte sagen die Verbesserung von Rollen, wäre Fliegen. Damit liegt man zwar prinzipiell richtig, offenbart aber ein fehlendes Verständnis für die Metapher, welche darauf gründet, dass die Aufnahme und Auswertung von Information vielleicht dem notwendigen Spektrum von Wahrnehmung angepasst werden kann, aber die Aufnahme beziehungsweise Auswertung nicht. Intelligenz ist Intelligenz ist Intelligenz. Also wenn man irgendwann einmal auf den Bock käme eine Kiste zu basteln, deren Intelligenz in den nächsten zwei bis drei Wochen um den Faktor zigtaund oder zigmijon anschwellen sollte, wird man sich spätestens nach vierzehn Tagen darüber wundern, dass immer noch alles beim Alten ist. Und sehr wahrscheinlich würde sich das einen Monat später kaum anders darstellen. Die einzige Beobachtung, die man eventuell machen kann, wäre meines Erachtens eine Negierung des Materiellen. Die Maschine würde ihre Erfordernisse ausweiten, beginnend mit den Kanälen zur Infomationsaufnahme, würde schließlich Wege ermitteln Dinge aufzunehmen, derer sich Menschen allenfalls "in ihren kühnsten Träumen" wie man so schön sagt gewahr würden. Aber wenn diese Stufe abgeschlossen wäre, würde die Basis des menschlichen Verstehens hinter den Erfahrungen einer solchen Apparatur zurück bleiben. Sie würde Analyse- und Verarbeitungsformen entwickeln, die sich dem Verstand eines Menschen entzögen. Ich denke sogar Menschen, die sich über eine Schnittstelle mit einem solchen Apparat verbinden würden, könnten das, was sie erführen allenfalls noch als Halluzination bezeichnen. Keinesfalls aber würde der menschliche Verstand durch die Fähigkeiten eines solchen Programmcodes zum Überflieger. Mein Geist sagt mir aber noch etwas. Er sagt, dass die Entwicklung einer solchen Appartur letztlich dem Aussehen einer natürlichen Urgewalt in nichts nachstünde. Der Mensch würde die Apparatur rein äußerlich nicht mehr als Maschine oder gar als ein Konstrukt aus seinem eigenen Schöpfungswillen erkennen.
Angeblich, so denken zum Beispiel die Anhänger von Seed AI, ist das Ziel biologischer Entwicklung die Erzeugung einer technologischen Singularität, bei der die Trägheit des Biologischen mit technologischen Mitteln überwunden und zurück gelassen wird. Im Grunde genommen wird also die Vergeistigung angestrebt, wobei das Geistige im Fall von künstlicher Intelligenz im Bereich von Software verortet wird. Anstelle die Biologie allein im Verstand zu überwinden und das zu tun, was Religionsstifter seit ewiger Zeit predigen, wird nach einem bequemeren Ausweg geforscht. Soll doch die Software die Aufgaben übernehmen und wir Menschen machen uns bis dahin ein flauschiges Leben. Forscher auf der Suche nach Außerirdischen denken oft ebenfalls, dass die Entwicklung von Zivilisation immer nur technologischer Natur wäre und Außerirdische, die uns besuchen, demnach Technologiemonster mit einem allumfassenden Fundus an Weltwissen wären. Zeitreise, Hyperraum, Überlichtgeschwindigkeit, ... Alles kein Problem für diese spekulativen Wesen. Die Überlegung geht dabei so :: Wir wissen welche technologische Fertigkeit für die Lösung eines Problems notwendig wäre. Also müssen wir Menschen nur lange genug weiter forschen, um genau diese Fertigkeiten und diese Zukunftsvision erleben zu dürfen. Alles eine Frage der Zeit. Dabei wird nur eins vergessen. Der Mensch dieses vorangeschrittenen einundzwanzigsten Jahrhunderts ist rein von seiner Erscheinung und seinen Neigungen her nicht wesentlich höher entwickelt, als das Wesen, welches vor 50.000 Jahren durch die Steppen zog. Alles was unsere Zivilisation ausmacht ist eine dünne Grenzfläche bestehend aus Erfahrungen wissenschaftlicher Natur. Im Grunde genommen sehe ich Technologie als einen von zwei Wegen, der allerdings früher oder später in eine evolutionäre Sackgasse führt, wenn der Geist einer Gesellschaft sein Glück allein in der Technik zu finden hofft. Deswegen denke ich, dass außerirdische Besucher nur bedingt mit klassischer Technologie in Zusammenhang zu bringen wären. Selbst weit fortgeschrittene, künstliche Intelligenz würde nur wenig mit Robotern oder Computern nach der Vorstellung eines Menschen gemein haben. Geschweige denn würde eine außerirdische, vielleicht auch "künstliche" Intelligenz überhaupt physisch erkennbar auftreten oder dem heutigen Menschen physisch erkennbare oder nachvollziehbare Aktionen wirken. Ganz sicher wären die Motive ihres Erscheinens alles andere als materiell orientiert.
Was sagt das alles über das Paradox nach Enrico Fermi? Das sogenannte Fermi-Paradox sagt :: die Bevölkerungsdichte in der Milchstraße müsste über die Lebensdauer der Galaxie von rund 11 Milliarden Jahren hinweg derartige Ausmaße angenommen haben, dass Evidenzen dieses Sachverhalts überall (wahrscheinlich auch auf der Erde) zu Tage treten müssten. Es müssten regelmäßig Raumschiffsichtungen, Besuche oder Sondierungen durch unbemannte Forschungsinstrumente zu beobachten sein. Jetzt kann man sagen diese Sichtungen gibt es ja durchaus. Sicherlich würde so mancher Skeptiker hier gern den Kopf schütteln und derartige "Zeugenaussagen" von sich weisen. Für mich steht fest, dass das Ausbleiben offener Kontakte entweder auf das Fehlen naher Verwandter oder aber auf Sondierungen abseits unserer Wahrnehmung hinweist. Wenn ein Beobachter seine Forschungen unbeobachtet durchführen will, dann wird kein noch so ausgefuchstes Menschlein diesen Schleier von sich aus lupfen. Menschen können sich tage- oder auch jahrelang vor der Entdeckung verbergen. Dann wird es ein Wesen, welches die Bewältigung des interstellaren Mediums beherrscht, auch Möglichkeiten kennen, um sich mehr als 365 Tage vor dem Auge der menschlichen Gesellschaft zu verstecken. Sinn und Zweck eines solchen Versteckspiels? Welchen Sinn kann es für eine Gesellschaft, die Reisen zwischen Sternen oder sogar Galaxien beherrscht und mit einem Fingerschnipp ganze Welten übernehmen könnte, geben? Rohstoffe werden es nicht sein, Unterwäschekataloge vermutlich auch nicht und ich glaube Gold wird angesichts der raren Verteilung im Kosmos sicher dem einen oder anderen für eine lange Reise sinnvoll erscheinen. Wohl kaum allerdings einer Gesellschaft von Wesen, die innerhalb ihres sozialen Konglomerats jede materielle Bindung als vernachlässigbar eingestuft hat. Und meine Überzeugung ist eben die, dass die Entwicklung gesunder, geistiger Systeme (einschließlich derer, die in das biologisch-materielle Lebenskarussell hinabgesunken sind) immer auf die Loslösung von "irdischen Verlockungen" hinaus läuft. Solche Wesen hätten in ihrem Leben nur eine denkbare Aufgabe vor Augen - die Förderung und den Erhalt gesunden Lebens. Körper und Geist, Harmonie, höchste Weisheit ... all diese Dinge, die in jedem dusseligen NewAge- oder Religionsschinken dieses vermaledeiten Planeten stehen, wo stets die Rede von herabgestiegenen Engeln und Propheten ist. Das Problem bei dieser Sorte Schinken ist, dass er von vielen Leuten einfach nur verschlungen nicht aber verinnerlicht wird und dann kommt's als Resultat immer zu jeder Menge Sch**e. Aber wichtig ist die Erkenntnis, dass egal wie groß die Zahl der Haufen auch ausfällt, sie nichts über die hehren Motive der geistigen Lehrer aussagen. Es ist nicht die Wahrheit, die tötet, sondern es sind die Menschen, die sie zu vertreten glauben.
May 2012
23 May, 2012
0041 - Weisheit ist nicht Schiffe zu beladen, sondern Fackeln zu entzünden
(HERODOT 490-424 AD)
Fehler machen die wenigsten. Die meisten von derartig Betroffenen machen sie ungern, denn sie bedeuten Schwäche, Unzulänglichkeit, Dummheit, fehlende Gewissenhaftigkeit. Alle, die keine Fehler machen sind allein Opfer unglücklicher Momente. Denn das beste Wissen und umfangreichste Können ist machtlos, gegen den Zufall. Der wiederum ist maßgeblich am Ge- & Mislingen bei vielfältigen Projekten beteiligt, denn selbst klug ausgefeilte und allseitig bedachte Konzepte versagen regelmäßig, wenn Bruder Zufall das Chaoselement ausspielt. Und das tut er lieber als alles andere. Nur gut, dass so manches Fehlerlein und so manches kleines Durcheinander an vielen, vielen Augen vorbei geschummelt werden können. Wenn sich alle diese Augen ihrer Fehlerhaftigkeit bewusst würden, wäre die Welt vielleicht morgen am Ende.
Der eine oder andere kennt das Gefühl alles falsch zu machen und niemandes Anspruch zu genügen. Niemand kann kontinuierlich vom allerbesten Selbstwertgefühl durchflossen sein, denn es gibt immer jemand Besseren, Schöneren, Schlankeren, Muskulöseren, Klügeren, Schnelleren, Reicheren, .... Es gibt Zeitgenossen, die können den allerdicksten Profi mit ihrer Penibilität zur Weißglut und schließlich vielleicht sogar in den Selbstzweifel treiben. Aber vor allem die Schüler, Lehrlinge, Studenten der Welt sind es, die mit dem ständigen Gefühl der Unzulänglichkeit vor den Kopf gestoßen sind, wenn ihnen jemand bei Fehlern und Mißgeschicken auf die Schliche kommt. Vor allem die Besten sind wahrscheinlich höchst peinlich berührt, wenn ihnen "dumme Fehler" passieren. Dabei sind Fehler zum Erlernen von Zusammenhängen äußerst wichtig. Es ist ein gesellschaftliches und vor allem auch ein sehr deutsches Phänomen Fehler wie schmutzige Unterwäsche zu behandeln. Es reicht schon aus, dass die EC-Karte an der Kasse neben den Schlitz und wohlmöglich irgendwo in die Kassennische fällt. Sofort wird die Röte der Pein weithin sichtbar. Wir leben in einer Welt in der es richtige und falsche Verhaltensformen gibt und wo es zum Statement werden kann, wenn man unangemessene Kleidung trägt. Der Mensch ist sicherlich zu kaum einer Sekunde des Tages jemals von der Frage des richtig oder falsch entbunden. Die Dinge so sein lassen, wie sie sind, ist da eine wahre Kunst, wenn nicht gar Talent.
Bei der Suche nach dem, was man platt als "die Wahrheit" bezeichnet, gelten heute gern mal schnell herbeigesprochene Ausweichformeln wie "Wahrheit gibt es nicht" oder "... ist immer vom Auge des Betrachters abhängig". Man nutzt diese Formeln geradezu wie Bannzauber, die vor allzuviel Bevormundung oder Verlusten von Meinungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Bestimmungshoheit schützen können. Vom Standpunkt des Menschen, der durch einen Anderen belehrt werden soll, ist dies ein nachvollziehbarer Schutzreflex. Gilt doch nicht das Weltbild des Einzelnen als Leitfaden für die Allgemeinheit, sondern das Weltbild der gesellschaftlichen Mehrheit. Und vor allem gilt die Selbstbestimmung des Einzelnen vor allen äußerlich auferlegbaren Dogmen - vom gesetzlichen Rahmen abgesehen, der natürlich schützend und kontrollierend gleichermaßen wirken soll. Dennoch wird jedem Menschen in Deutschland die Unantastbarkeit seiner Würde garantiert. Das bedeutet jeder kann (in einem gewissen Rahmen) für richtig halten, was er für richtig halten möchte. Spannt man den Bogen zu Gott, dann wird er in einer demokratischen Umgebung nicht gern gesehen, denn er stellt Bedingungen, die nicht diskutierbar und deswegen undemokratisch sind. Das ist natürlich eine Überspitzung, denn kein Gericht wird eine Verhandlung über die Gerechtigkeit von Schwerkraft oder Erscheinungen physikalischen Verfalls führen, ohne sich dabei ein bißchen obskur vorkommen zu müssen. Von der garantierten Meinungsfreiheit werden all die Dinge abgedeckt, welche die menschliche Gesellschaft seinen Teilnehmern aufzubürden bereit ist. Die Freiheit in der Meinung kann allerdings schwerlich auch auf Körpergewicht und ähnliche Dinge geltend gemacht werden. Wäre dem ab jetzt so, würden Schlankmacher sicherlich bald Umsatzeinbrüche erleiden. Bei der Suche nach Wahrheit geht es nicht um die weltanschaulichen Beliebigkeiten aus dem Sammelsurium menschlicher Lustigkeiten. Es geht um die Suche nach dem, was auch dann wahr ist, wenn niemand es wahrnimmt. Deswegen ist es nicht wichtig, was Herr Nachbar für Wahrheit halten mag, sondern idealerweise allein das, was von allem unabhängig absolut wahr ist. Bei der Suche nach Wahrheit geht es aber nicht um das Erkennen der Wahrheit, sondern vor allem um das grundsätzliche Anerkennen einer Wahrheit. Nicht die Wahrheit zu kennen, sondern ihr Dasein als Möglichkeit in Erwägung ziehen ist Philosophie. Wer nicht an Wahrheit glaubt, der kann sie auch nicht lieben. Und wenn man sich für einen Philosophen hält und sagt Wahrheit gäbe es nicht, wird man in tausendneunundvierzigkommadreizehnmillionen Dreiviertelsekunden alles sein, aber kein Philosoph!
In einer Zeitschrift, die auf den März 2012 datiert, las ich einen Artikel über Fehler und weshalb sie dem Menschen nützlich sein können. Das Lesen des Artikels muss schmerzhaft für viele Menschen mit Grundsätzen wie "... glaube, was ich sehe" und Konsorten sein. Durchgehend ist der Artikel mit einer großen rotstrahlenden, vibrierenden und lautstark klingenden Aussage überlagert, die da lautet :: Die Wahrnehmung des Menschen ist alles, aber ganz sicher niemals objektiv. Dabei auch völlig egal, ob es sich um intersubjektive Feststellungen nach dem Duktus schulwissenschaftlicher Forschungsbemühungen handelt oder um Wetterprognosen auf dem Dorfplatz von Kuhhirtheim. Samt und sonders wird in langen Absätzen verhandelt wie die vermeintlich objektive Suche nach dem Wahren, dem Gewissen, dem absolut Seienden mit einer Haltung begegnet wird, die solange nach dem forscht, was für richtig gehalten wird, bis man es gefunden hat. Sollte es jedoch unauffindbar bleiben, wird die Forschung verlagert. Verschiedene Beispiele und statistische Untersuchungen zeigen exemplarische Ausschnitte dessen, was die Allgemeinheit für eine aufrichtige Suche nach "echtem Wissen" hält. Da sind sich nach einer Befragung unter amerikansichen Oberschülern laut Statistik fast drei Viertel sehr gewiss überdurchschnittlich intelligent zu sein. Befragte Professoren sollen gar zu nahezu 100% der Ansicht sein überdurchschnittliche Forschungsarbeit zu leisten. Menschen (Homo Sapiens = der vernunftbegabte Mensch) laufen eher vor Spinnen und Schlangen davon, als sich vor den viel gefährlicheren Kollisionen mit Automobilen im Straßenverkehr in Acht zu nehmen. Während erfolgreiche Resultate beim Angehen von Problemen den überdurchschnittlichen Fähigkeiten zugerechnet werden, gilt das Scheitern gemeinhin als Resultat unglücklicher Umstände und nicht etwa aus eigenen Fehlern geboren. Menschen neigen nach diesem Artikel ganz klar dazu alles für die Bestärkung des eigenen Weltbildes aufzunehmen, was ihnen dazu nützlich erscheint. Dagegen filtern sie alles, was ihr Weltbild in Frage stellen könnte, rigoros als fehlerhaft aus. Alles dies dient offenbar dem Zweck das Leben erträglicher zu gestalten, in dem beispielweise die Erkenntnis lauert, dass alle Menschen die man jetzt kennt und liebt, in 100 Jahren gestorben sein werden - einschließlich einem selber. Alles Glauben und Wissen ist demnach allein eine Art rosa Sonnenbrille für das Menschengeschlecht, das die harte Realität des Seins zugunsten wacher Produktivität nicht akzeptieren möchte. Wäre es angesichts eines als sicher anzunehmenden Todes innerhalb von rund 100 Jahren nicht vollkommen verständlich, wenn sich jederman nur noch trauernd und leidend auf dem Fußboden wälzen würde? Muss man lebenslustige Menschen nicht als Traumtänzer ansehen?
Der sogenannte "Glaube an Gott", der ja von Außenstehenden Zweiflern gern als diffuses Ahnungs- und Hoffnungsgebaren bezeichnet wird, kann ebenso wie der "Glaube an die Wissenschaft" als Kontrollillusion bezeichnet werden. Der Mensch nutzt die ihm liebgewonnenen Gewissheiten zu einer abgeklärten Haltung gegenüber den Härten des täglichen Daseins. Angesichts so vieler Unerklärlichkeiten wie dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ist das auch alles andere als unsinnig. Die vermeintliche Vernunft und Ratio des modernen Menschen im 21. Jahrhundert führt zu so bunten Blüten, dass selbst so manches Naturidyll vor Neid zum moosüberwucherten Aschetal würde. Es ist der Glaube an das sonnige Morgen, das den Menschen alltäglich aus den Federn hüpfen läßt. Derselbe Glaube bringt einen Archäologen dazu mit einer Zahnbürste nach dem zigsten Tempelareal in irgendeinem begrünten Mexikowäldchen zu bürsten. Nach einer Aussage aus oben genanntem Artikel (GEO März 2012) hat ein Lottospieler eine 1835-mal höhere Wahrscheinlichkeit am Tag vor der Ziehung zu sterben, als den Jackpot zu knacken. Dennoch wird investiert und mit "eigenen Zahlen" oder "eigenen Systemen" gespielt. Es soll sich so verhalten, dass Menschen mit einem sogenannt "realistischerem" Weltbild eher zu Depressionen neigen. Der Artikel läßt an dieser Stelle offen, welcher Typus zu unrealistischen Ansichten neigen könnte. Vor allem sehe ich den Begriff Realismus in Anbetracht der vielfältigen Auslegungsmöglichkeit als problematisch. Ist man Realist, wenn man die Endlichkeit des biologischen Lebens mit dem Ende alles Vorstellbaren gleichstellt? Oder ist nicht viel mehr derjenige Realist, der in den geistigen Mustern der Welt den Code des Unendlichen erkennt? Wie realistisch ist die Ansicht Zahlen seien eine Erfindung des Menschen, wenn doch die illustrative Darstellung einer Eins auf einem geistigen Konsens steht, der auch unpersönlich Geltung hat. Da versteckt sich die Frage nach dem Wald, in dem ein Baum umfällt. Macht dieser Baum dann ein Geräusch, wenn niemand dort ist es zu hören? Meiner Meinung nach klärt sich die Frage durch die Anerkennung des Scheiterns. Niemand ist so perfekt, dass er alles wissen, alles lernen, alles hören, alles riechen, schmecken oder tasten könnte. Dennoch gibt es etwas, das vollkommen unabhängig vom Wahrnehmenden erfahren werden kann. Wäre das nicht so, wäre alles Wissen Fiktion. Es wäre so, als wenn die Straße, die man befährt erst in dem Moment entsteht, wenn man über sie hinweg rollt. Dass diese Überlegung nicht sehr weit trägt, kann man sich mit ein bißchen Fantasie vorstellen. Eine Straße wird nicht durch das Befahren, und Wissen und Wahrheit nicht durch das Erfahren Realität. Deswegen macht ein fallender Baum auch dann ein Geräusch, wenn es niemand hört. Denn Informationen jeglicher Art sind niemals von der Aufnahme durch einen Informierten oder seiner Verbildlichung abhängig. Das ist ein Irrglaube des Menschen, der alles erst für gewiss hält, wenn er es irgendwo nachgeschlagen hat.
Es kann durchaus so sein, dass mein Weltbild auf einer Illusion beruht. Ich würde sogar behaupten, dass es dies unbedingt tut. Wichtig ist es aber gar nicht zu wissen was richtig und was falsch ist. Es ist auch nicht wichtig alle Informationen zu einem Sachverhalt zu kennen, um so einem Algorithmus folgend eine vollendet fundierte Einschätzung ableiten zu können. Diesen Gedanken habe ich ebenfalls aus dem Geo-Artikel, doch deckt sich hier meine längst bestehende Auffassung nur mit der hier niedergeschriebenen Erkenntnis. Menschen fällen Entscheidungen niemals algorithmisch (alle Variablen abwägend), sondern heuristisch. Das heißt der Mensch befindet das für richtig und wahr, was momentan seinen Sinnen gemäß als richtig und wahr gelten kann. Der Geist ist also hier Gejagter der tierischen Sinne, die ihm glauben machen Atome seien eine feste Sache und nicht etwa zu 99% Nichts. Diese Illusionsbereitschaft hört an so unbestechlichen Schranken wie der Mathematik auf. Sie ist eine Geisteswissenschaft, die nur selten diskutierbar ist. Denn Eins wird immer Eins und eine Million nie, nie, niemals mehr oder weniger als das sein. Die Wahrnehmung und die Auffassung jedes einzelnen Menschen einschließlich mir kann von vorn bis hinten auf Irrtümern und der Vorspiegelung vollendeter Täuschungen bestehen. Aber wenn ich sage, dass das Dasein einer absoluten Ursache aller Dinge der Welt durch die Erscheinung kleinerer Operanden so logisch ist wie eins Plus Eins gleich Zwei, dann kann mir kein Denker dieser Welt jemals glaubhaft vorwerfen ich würde mich nur täuschen. Es ist in diesem Fall schlichtweg keine Frage von Vorlieben oder subjektiver Weltsicht. Anstelle dessen tritt hier kühles Kalkül und das Bewußtsein dafür hervor, dass die Erscheinung einzelner Teile immer Indiz für das Vorhandensein der absoluten Gesamtheit aller Dinge ist. Eine Frage von Täuschung ist hier allein dort zu stellen, wo der Verstand Grenzen bei eben dieser anzunehmenden Gesamtmenge zieht. Menschen machen gerne Grenzen, weil sie dann Zuordnungen anstellen können - richtig oder falsch, heiß oder kalt, schwarz oder weiß. Dass sie bei dieser Definierungsmanie aber etwas Absolutes begrenzen und kategorisieren möchten, macht ihnen selbstverständlich kaum Kopfschmerzen. Die wenigsten wissen wahrscheinlich über die Eigenschaften von etwas Absolutem überhaupt bescheid. Für mich gibt es keine wirkliche Grenze, da ich nicht definieren will, sondern allenfalls das grundsätzliche Zugeständnis wage :: Alles ist Eins. Ich sage also :: weil ich bis Zehn zählen kann, gibt es die absolute Gesamtmenge von Zahlen.
Jeder Fehler an dieser Sicht liegt wirklich im Auge des Betrachters. Ich denke jedermans Fehler ist völlig legitim und sinnvoll. Lebendigkeit gedeiht durch Fehler, allein perfekt ist der Tod. Die ganze Weltschöpfung kam aus einem Fehl zustande.
16 May, 2012
0040 - Du hast nix, also gib's her
Momentan scheint die ganze Welt auf dem Freiheits- und Friedenskarussell zu sitzen. In Ländern, in denen bislang westliche Werte wie Gedankengift behandelt wurden, blühen dank der elektronischen Vernetzung Widerstandsbewegungen auf. Jahrzehntealte Apparate gierender Kasten wurden demontiert - und leider teils durch neue Apparate gleicher oder ähnlicher Funktion ersetzt. Das Muster ist dennoch unverkennbar. Seit sogar weniger florierende Staaten ihren Bürgern den Weg zu Computern und Weltnetz möglich machten, wanken vormalige Kathedralen der liebgewonnenen Bevormundung. Und in westlichen Ländern wo dies seit längerem normal geworden ist, geht alles einen Schritt weiter. Dort soll die Freiheit grenzenlos sein und sogar bedingungslosen Wohlstand für alle ermöglichen. Ich denke einige Stimmen sprechen bereits vom Beelzebub und schwenken mahnend den Zeigefinger. Denn Freiheit ist an sich zwar keine schlimme oder gar gefährliche Sache. Wenn aber die Freiheit des einen den Geltungsbeschnitt anderer Menschen befürwortet, kann schwerlich von Gerechtigkeit die Rede sein.
Eine Gruppe von Freibeutern macht zur Zeit Furore, wie man so schön sagt. Die Umfragewerte steigen. Sie wird von Anheimgefallenen als "gute Alternative" bezeichnet. Von Außenstehenden reichen die Äußerungen von Wackelpudding bis ernstzunehmende Gefahr. Eine politische Versammlung, die vor allem mit Provokationen und weniger mit Errungenschaften glänzen kann, würde ich es nennen. Vor allem aber schwappt offenbar der Dilettantismus, den das Fernsehen und das Internet seit Jahren als originelle Alternative kultivieren, nun endgültig ins Tagesgeschäft staatlichen Diskurses. Dies nicht nur in Deutschland, sondern dank elektronischer Annäherung Virusartig in bald allen Ländern der Erde. Vielleicht ist es nur konsequent der undurchsichtigen Anbiederung von Politik und Wirtschaft, die ja in ihrem vollen Ausmaß zu vielfältigem Unverständnis beim kleinen Mann führt, mit dem Aufheben vom bisherigen Verständnis von Seriösität zu begegnen. Meines Erachtens nach ist diese orange Sturm & Drang-Partei keine gute Alternative, aber im Gegensatz zur etablierten Ordnung eine bessere. Zur Entflechtung oder der einfachen Bemängelung des Filzes scheint mir die Wahl einer kleinen Prise Chaos als durchaus sinnvoll. Ich würde dies mit langem Atem und auch bis zum "alternativen" Kanzler vertreten. Ich denke zur Besserung eines Wucherzustandes kann das Umgraben des Gartens durchaus ein richtiger Schritt sein. Natürlich ist es utopisch an eine bessere Welt unter Piratenführung zu glauben. Man sollte sie eher als Hebel ansehen. Weil ich zudem an die weite Verbreitung dieser Ansicht unter den unabhängigen Fürsprechern glaube, sehe ich den orangen Kanzler mittelfristig nicht wirklich kommen. Reflexe zur Angleichung unter etablierten Interessenvertretern sind dagegen bereits auszumachen. Und dies sollte auch Sinn und Zweck provokativen Aufstehens sein. Man muss die trägen Windwürmer zwicken, damit sie merken wo es drückt.
Es gibt einzelne Ansichten der Piraten, die außer den oberflächlichen Faktoren durchaus mein verstärktes Interesse erwirken. Dies aber nicht erst seit dem Auftritt dieser Partei. Eine Sache, die dazu gehört ist das sogenannte Bedingungslose Grundeinkommen. Die Idee des BGE ist, dass jeder Mensch ab seiner Geburt ein natürliches Anrecht auf ein selbstbestimmtes, freies Leben hat. Man soll also ohne körperliche oder geistige Arbeit frei von jeglicher Bedingung zum Unterhalt eines Lebens oberhalb der einfachen Existenz befähigt werden. An sich ist das meines Erachtens nach ein guter Gedanke. Was soll schlecht daran sein, dass ein Mensch ein Leben in vollkommener Selbstbestimmung lebt? Wir sprechen seit 1945 von Demokratie und Freiheit, aber die Menschen werden täglich zum Verrichten irgendwelcher Tätigkeiten gezwungen, mit deren Hilfe ihr Überleben nach bisherigem Verständnis erst letzgültig legitimiert wird. Natürlich werden Nichtarbeitende Anteile der Bevölkerung nicht fallen gelassen und müssen dann bald langsam in irgendeinem Erdloch sterben. Wir haben schließlich einen Sozialstaat mit allerlei Sicherungen aufgebaut. Aber Leute die nicht arbeiten sind dennoch stets zur Legitimation ihrer einfachsten Bedürfnisse gezwungen. Man ist dem Staat, also der Gemeinschaft im Grunde genommen ein Dorn im Auge, da man frisst und schei*t und deswegen auch Gegenleistung bringen muss. Der Dorn im Auge der Gesellschaft wird erträglicher, wenn er durch Einsatz gemildert und besänftigt wird. Verschwinden wird er frühestens erst mit dem vergrabenen Holzkasten. Aber selbst dann bleibt der Mensch eigentlich immer noch eine Irritation im rauwelligen Teppich der Gesellschaft, wo jeder Einzelne eine Faser stellt und Ausfälle die Qualität mindern. Das ist Biologie, das ist Evolution. Seit Jahrhunderten gilt der Regelfall :: gib, dann wird dir gegeben. Erst mit dem Überwinden des rasse-internen Beissreflexes und damit dem Recht des Stärkeren hat die Gesellschaft einen Fortschritt zur Durchbrechung des einfachen Menschseins geschafft. Man kann über sich hinausgehen und sich auch für die Allerschwächsten aufopfern. Dennoch gilt für alle Einsatzkräftigen weiterhin das Prinzip vom Arbeitsentgelt. Das Entgelt von Arbeit sichert zudem den eigenen Verfall vor dem Abgleiten in Hilflosigkeit. Alles das ist vollendet sinnvoll und gerecht. Jedoch ist es schwer als gerecht zu verkaufen, dass mancher kurz befristete Einsatz sogleich den totalen Dollarsegen bewirkt. Es gibt Einrichtungen, die den Einsatzkräften nach baldigem Dienstausscheid honorige Sümmchen sichern. Zur Rechtfertigung führt man große Verantwortung und sonstige außergewöhnliche Belastungen an. Als wenn Klofrauen jegliche Verantwortung und Belastung mit nem weißen Blättchen fortwischten. Die Ungerechtigkeit, welche zu Millionen auf der einen und Minusbeständen auf der anderen Seite führen, schreien mannigfaltig zum gewittrig verhangenen Himmel.
Fakt ist :: kein aufrecht arbeitender Mensch in diesem modernen Land ist wirklich frei. Anstelle dessen wird er zu Pendlerfahrten, Zugeständnissen in Kleidung, Zeit, Ausdauer, zum Verzicht genötigt. Klar kann man alle diese Zwänge freiwillig abschütteln und ins Kloster gehen. Man kann die Behauptung aufstellen, dass gar niemand zum Arbeiten gezwungen ist, denn es ist ja niemand da, der die Peitsche schwingt. Das ist allerdings so, als würde man behaupten Zeit sei nicht zum Vergehen gezwungen. Wenn man aus dem dreiundneunzigsten Stock springt wird niemand behaupten können, man könne ja einfach doll genug nach oben springen und wird dann sicher mit ein bißchen Glück den Zipfel von Petrus Unterhose zu fassen kriegen. Nein, der Zwang ist trotz aller gegenläufigen Beteuerungen da. Und er ist auch der Grund weshalb Motivation auf abschüssiges Gelände gerät, weshalb Frust blüht, weshalb Chef alles und du nix ist. Selbstverständlich ist die Leistung eines Unternehmers nicht hoch genug zu schätzen. Er schafft im Verbund mit Seinesgleichen blühende Landschaften. Und doch sind alle diese Landschaften von wenigen Übersättigten und einer Masse an Lebenszeit betrogener Menschen bevölkert. Ist es richtig von einer Standesvorstellung auszugehen, wo flinke, gesunde Sinne den Führungsanspruch über die träge, unwillige Masse rechtfertigt? Ist es menschenwürdig, wenn Frau Schmidt das Klo von Herrn & Frau Mayer-Rothschild saubersaugt? Ich denke die Befreiung des Menschen geringer Stellung aus dem Zwang wäre ein weiteres großes und vor allem großmütiges Zeichen von gesellschaftlichem Fortschritt. Gar nicht davon zu sprechen, dass ein Zugewinn an Kaufkraft auch einen unmittelbaren Gewinn für den rechtschaffenden Unternehmer ergäbe. Was nutzen Zigmillionen Euro auf dem Konto eines Menschen und was nutzen Zigmilliarden Euro auf den Konten von zwanzig, dreißig Leuten? Wie soll Wohlstand für die Allgemeinheit funktionieren, wenn niemand von dieser Allgemeinheit Geld zum Ausgeben hat? Aber die wichtigste Frage ist :: Wieso muss ein Mensch sein Leben durch Arbeit freikaufen?
Die Idee des BGE ist keine soziale Idee. Es geht beim BGE nicht in erster Linie um das Allgemeinwohl. Es geht um das Wohl jedes Einzelnen. Eigentlich ist es aber vom Standpunkt des Einzelnen aus betrachtet eine zutiefst asoziale Idee, denn er erhält etwas ohne etwas zu geben. Es geht aber auch nicht um Verbundenheit zum Nächsten, sondern allein um ein Mittel zur Heranbildung eines Selbst. Wer man sein möchte, sollte beispielsweise nicht mehr vom Reichtum der Eltern oder der Herkunft abhängig sein. Allein der eigene Wille sollte Maßstab für den Lebensweg sein. Das Gemeinwohl wäre erst im Nachhinein gestärkt und eigentlich ginge der Staat somit in Vorkasse, wenn er dem Einzelnen eine Starthilfe gäbe. Es wäre jedem Menschen frei gestellt sich am Gemeinwohl zu beteiligen, oder aber auf der schicken neuen 10.000 Euro-Couch vor dem schicken neuen 20.000 Euro-Flatscreen zu darben. Auch wäre es überhaupt kein Problem auf die Auszahlung des BGE zu verzichten, falls man den Standpunkt hätte es nicht zu benötigen. Verbundenheit käme hier vor allem zuerst durch den Staat zum Vorschein, der jedem Bürger ohne Vorbedingungen ein freies Leben ab dem ersten Tag ermöglichen würde. Sozial ist das Modell erst durch die nachfolgenden Synergien. Wenn der Staat das Wohl, das Glück und die Freiheit des Einzelnen will, dann muss auch die Nullnummer in Kauf genommen werden. Denn die Anerkennung von Freiheit bedeutet auch das Anerkennen des Scheiterns. Ungeachtet jener Personen, die einen anderthalbtausender auf ihrem Monatsauszug als Einladung zum Breitsitzen ansehen würden, sehe ich das Gros der Gesellschaft mit sinnvollen Dingen beschäftigt. Schon jetzt gehen viele Idealisten beim Bau einer gesunden Infrastruktur von Waren und Dienstleistungen auf. Ich denke kein Unternehmen wird aus dem einfachen Zwang zu Arbeit geboren, sondern aus einem Idealismus. Ich denke aber, dass sich viele Arbeiter freiwillig beim Bau einer gesunden Gesellschaft integrieren würden, wenn ihnen die Wege frei stünden. Man kann das naiv nennen. Man kann auch sagen Ackergäule seien für selbstbestimmtes Handeln nicht geboren. Ist die menschenverachtende Einstellung also besser als der gutmütige Glaube an den Idealismus des kleinen Mannes?
Ich denke es ist gar nicht möglich, dass die arbeitsfähige Bevölkerung Deutschlands im Gesamten produktive Arbeiten verrichten könnte. Es ist im Gegensatz zum BGE eine viel größere Utopie, dass die Arbeitslosenquote dauerhaft auf 0,1% oder darunter fallen könnte. Ich denke es gibt sogar Mechanismen, die der Arbeitslosigkeit eines prozentualen Bevölkerungsanteils dienen. Denn so kann man stets mit dem Unheil des Erwerbslosentums drohen und die schwitzenden Angestellten zu noch mehr Einsatz hetzen. Es ist aber auch gar keine Frage, dass technologische Produktionshilfen zur Minderung des Einsatzes von Personalkostenstellen gern gesehen sind. Die Verkleinerung der Betriebsbelegschaften ist unter vielen Aspekten ein willkommenes Geschehen. Somit wird dem kleinen Mann weniger Geld zuteil und damit beschneidet sich die Wirtschaft in ihrer eigenen Entwicklung. Nachhaltigkeit sieht anders aus.
Dies soll keine Werbetrommel für irgendwas sein. Es ist lediglich - wie auch in allen anderen Beiträgen davor und danach - eine Sammlung von Gedanken. Nicht mehr und nicht weniger.
15 May, 2012
0039 - Mutti in welches Netz gehen wir morgen
Ich sagte vor kurzem in einem Internet-Forum "Alles ist Geist". Diese Aussage führte zu Zweifeln, denn Geister gibt es ja eigentlich gar nicht. Einer meiner verneinenden Gesprächspartner wollte nicht verstehen, weshalb der Gedanke originaler sein sollte, als der schriftlich niedergelegte Gedanke. Diese Kurzsichtigkeit meiner Mitmenschen ist immer wieder belustigend. Auch dann, wenn sie die Verbindung von Informationen für eine ausgesprochen moderne Sache halten. Vor fünfzehn Jahren war man interessant, wenn man sagte, man hätte das Internet zuhaus. Das ist heute natürlich schon längst ein alter Hut. Es ist wie bei einer Glühlampe - man legt den Schalter um und es leuchtet. Fertig! Modernität und Fortschritt scheint darin zu bestehen anstelle eines Faustkeils einen Hammer zu benutzen. Ich denke materieller Fortschritt ist sicher schon eine ehrenwerte Leistung. Ich denke aber auch, dass die grundsätzliche Anständigkeit dieser Bemühung unter dem fehlenden geistigen Fortschritt ihrer Benutzer leiden kann. Einen Hammer kann schließlich auch ein Pavian halten.
Der Begriff Neuronale Plastizität sagt etwas über die Fähigkeit des menschlichen Denkens zur bewußten oder unbewußten Umgestaltung des Gehirns. Durch das Denken ordnen sich Neuronenverbindungen neu, und so bildet sich durch das Denken ein entsprechendes Gehirn heraus. Eigentlich keine große Sache. Auch, wenn der Begriff und der ihm zugrunde liegende Sachverhalt seit einigen Jahren als große Neuentdeckung der Hirnforschung gilt. Wenn man mal folgende Metapher bemüht, dann könnte man das Internet als einen Zusammenschluss von Neuronen sehen. Das Internet, wäre demnach ein Gehirn, das täglich Myriaden an Informationen aufnimmt und mehr oder weniger sinnvoll ordnet. Ist das Internet intelligent? Das möchte ich mit großem Enthusiasmus verneinen. Das Internet ist zwar der Schwamm, in dem Informationen gesammelt werden. Aber es ist nicht Wille des Internets Informationen zu kennen. Für einen Computer ist jegliche Information neutral, denn der Rechner hat keine Vorlieben. Ein Computer ist nicht an Wissen interessiert und er will auch nicht wissen was richtig oder falsch ist. Man könnte sogar fast sagen ein Computer ist die perfekte Maschine für die Liebe zu Weisheit, denn ein Computer sagt (bei entsprechender Fütterung mit den Grundvariablen) immer das, was ist. Leider ist dieser Gedanke sehr naiv, denn die Anfütterung von Variablen geschieht durch den Nutzer meistens schon anhand von Kriterien, die als nützlich angesehen werden. Und wenn auch Eins und Eins immer Zwei ergeben wird, so ist bei komplexeren Sachverhalten gern mal die Interpretation von Resultaten von der Stärke des Milchglases vor dem interpretierenden Auge abhängend. Wenn es wirklich so wäre, dass Wissenschaft heute in jedem Fall immer objektiv forschen würde, dann würde man sicher nicht glauben das Denken wäre Resultat von Molekülketten.
Das Internet ist also zwar die Sammelstation für allerlei Informationen, welche die Gesellschaft gerade für brandheiß ansieht. Wenn man demnach den Vergleich mit einem Gehirn nicht scheut, dann wird einem das zeigen können, dass kein Gehirn dieser Welt eigenständig oder von sich aus intelligent ist. Erst der geistige Wille zu Erkenntnis oder der schiere Überlebenswillen macht das Hirn zu einer Sammelzentrale von Wissen. Das Wissen, oder das bewußte Wahrnehmen findet aber ganz, ganz sicher nicht im Hirn statt. Denn ebenso wie beim Internet ist es nicht das Internet, das Wissen, Weisheit oder Bewußtsein hat, sondern allein seine Nutzer. Es wäre auch hier falsch zu sagen, dass es Menschen seien, die das Wissen hätten. Natürlich sind es menschliche Benutzer, aber sie alle wären keine bewußten Teilnehmer, wenn ihnen der spiegelnde Geist in ihren Köpfen fehlen würde. Somit sind es Geister, die das elektronische Netz als Zwischenablage für mannigfaltiges Copy/Paste nutzen. Denn allein das ist Sinn und Zweck dieses Verbundnetzes - die allgemein zugängliche, ständig erreichbare und einheitlich verständliche Weitergabe von Gedanken.
Was dabei ein wenig tragisch anmutet ist der etwas blinde Optimismus all dieser Nutzer eines besonders fortschrittlichen Mediums Herr zu sein. Es ist zum einen tragisch, weil die Energieerzeugung zum Unterhalt des Netzes signifikant zur Verschlechterung der biologischen Lebensbedingungen seiner Nutzer beiträgt. Des weiteren kommt die Tragik in der Fragilität des ganzen Systems zum Ausdruck, das nur wenig Einbußen im Energiehaushalt nicht ausgleichen könnte. Die ganze Größe und Großartigkeit des Gebildes mitsamt allen darin befindlichen Informationen ist dahin, sobald die Bedingungen für seine Größe verschwänden. Und deren Verschwinden ist alles andere als unwahrscheinlich. Ich würde sagen das Internet ist wie eine Seifenblase, die so lange bunt schimmert, wie sie ihre Struktur geschlossen halten kann. Demzufolge ist alles im Netz abgesonderte Weltwissen bereits jetzt verloren. Vor allem natürlich dann, wenn man von der Unumgänglichkeit und Wichtigkeit dieses Wissensspeichers ausgeht. Ich sehe es durchaus als tragisch an, wenn ein Kind eine Seifenblase für etwas hält, dass man ewig konservieren müsste. Gleichsam bin ich ein bißchen irritiert, denn ich sage mir alles Wissen ist letztlich nichts ohne die geistige Dimension. Das wertet ein Internet einigermaßen ab, oder läßt es wenigstens den Stellenwert finden, den es für vernunftbegabte Menschen haben sollte. Aber das scheint heutzutage irgendwie nicht zu gelten. Die Welt hält sich dahingehend für die allerfortschrittlichste aller Zeiten. Alles nur weil Elektronik Eins und Null verarbeitet. Da Fortschritt ja auch mit konkretisierter Ahnung beziehungsweise dem Negieren von Glauben gleichgesetzt wird, kommt ein Wissensspeicher, in dem alles für alle jederzeit nachsehbar abgelegt werden kann, diesem Gedanken von Modernität sehr entgegen. Die Gleichung geht ja stets so :: Primitiv = nicht Wissend, Modern = Wissend. Das heißt primitiv ist nach diesem Verständnis derjenige, der nicht weiß wo er Wissen nachschlagen kann. Wer das Internet nicht nutzt, ist demnach primitiv, denn modern ist, wer nicht glaubt und anstelle dessen weiß.
Wenn ein Hirnforscher heute sagt, dass Gedanken einen Einfluss auf die Strukturen des Gehirns haben, gilt das als Sensation. Würde man auf die Straße gehen und dort behaupten, dass Gedanken die Grundlage nicht nur eben für die Straße, sondern auch für alle daran anschließenden Häuser oder gar die Stadt seien, würde man mit großer Wahrscheinlichkeit das ein oder andere Kopfschütteln ernten. Und irgendwo würde sicher auch jemand "Esoterik" flüstern und der Nebenstehende nicken und hämisch grinsen. Dabei ist es keine wirklich erschütternde Aussage. Dieser Text ist ursprünglich aus Gedanken entstanden. Der Bildschirm, auf welchem ich die Zeilen lese, kam dereinst aus dem Gedanken eines Elektronikingenieurs bei Siemens. Das Haus, in dem ich sitze, war einst Vision eines Architekten. Die Liste ist quasi unendlich, denn wirklich alles, was der moderne Mensch für eine Selbstverständlichkeit oder gar ein Resultat körperlicher Arbeit hält, war irgendwann einmal eine einfache Idee. Wenn alles dies irgendwann den Gang des Staubes gegangen ist, wird es immer noch Erinnerungen an die Dinge geben - zeitlose Abbilder in den Köpfen von Nostalgikern. Aber es gibt noch eine weitere Perspektive, die eigentlich sehr einfach zeigt, dass alles Wahrnehmbare auf Geist beruht. Denn ohne die geistige Spiegelung wäre schwerlich irgendetwas als Etwas erkennbar. Wenn also allein der Geist die Welt wahrnimmt, wird auch das Wahrgenommene Abbild einer geistigen Darstellung sein. Es muss ja nicht zwingend ein Mensch Darsteller gewesen sein. Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts sagen nur die fünf Sinne nähmen die Welt wirklich wahr. Aber in Wirklichkeit tut es meiner Ansicht nach allein der Geist. Ich habe jedenfalls noch niemals von einem Auge gehört, das etwas gesehen hätte. Und Ohren sollen ohne sinnvolle Reflexion aus dem Geist ebenfalls nur sehr selten zum Erkennen von Musikstücken neigen. Es mag Ausnahmen geben.
In alten Religionen wird manchmal davon gesprochen, dass die Welt, wie wir sie kennen, eigentlich nur ein illusorisches Theater sei. Wann immer man diesen Glaubenssatz einem "modernen Skeptiker" vorträgt, wird er anfangen die vermeintlich minderwertige Täuschung mit allerlei Beispielen in Frage zu stellen. Er wird schlichtweg nicht einsehen, dass man auch in einem Rollenspiel immer noch um das Bestehen von Prüfungen besorgt sein muss. Er wird nicht einsehen wollen, dass alles, was er aus Gründen des Anspruchs von Ratio und Vernunft für absolut wirklich und konkret erfahrbar hält, eigentlich nur eine jeweils individuelle Vorspiegelung von Scheinwahrheiten ist. Ein von seiner hohen Ratio überzeugter Mensch wird immer sagen, er hielte viel auf das, was er ganz persönlich als wahrgenommen akzeptiert. Dass er vermutlich hier und dort mal ungläubig mit dem Kopf schüttelt, wenn er an einer Bahnschranke halten muss, sollte man ihm lieber nicht unter die Nase reiben. Fest steht, dass wirklich absolut alles, was der Wahrnehmung erscheint, allein durch geistige Spiegelung und Zuordnung als Wirklich da seiend erkannt werden kann. Dabei ist auch egal, ob eine solche Erscheinung durch stoffliche Wechselwirkungen auf kleinster Ebene als Fest angesehen wird. Jeder weiß, dass selbst härteste Materialien niemals ewig bestehen. Somit ist jeder Form von materieller Festigkeit eigentlich allenfalls eine relative Beständigkeit gegeben. Die Festigkeit hängt dabei zum Beispiel von der Beschaffenheit der Hände ab, die den Feststoff berühren. Oder aber von der Beschaffenheit der Augen, die eine Erscheinung aufnehmen. Zu sagen "ich sehe etwas, also ist es da" ist demnach eine kurzsichtige (wenn auch in einem bestimmten Rahmen durchaus sinnvolle) Äußerung. Es ist nicht so, dass die illusorische Qualität der Welt gleich eine Herabstufung für den Menschen bedeutet. Natürlich läßt sich nicht jeder gern ins Bockshorn jagen. So wird auch niemand ernsthaft sagen er wolle die Welt nur noch als Täuschung ansehen. Aber das liegt eigentlich nur an dem Wert, den man den stofflichen Sinnen (Auge, Ohr, Nase, Haut, Mund) zuschreibt. Sie gelten als Maßstab für Wirklichkeit. Der Geist, der all diese Sinne erst mit Leben füllt und damit auch erst jegliche Form von Wirklichkeit erfahrbar macht, gilt komischerweise als unbeständig und missverständlich. Es ist also so, dass das, was die Welt im Kern zusammenhält, als unwirklich angesehen wird. Für mich ist es kein Wunder, dass der von seinen tierischen Sinnen bestimmte Mensch die wirklichen Maßstäbe nicht erkennt, nach denen die Welt funktioniert. Andererseits wäre es allerdings auch vermutlich keine besonders lebenswerte Erfahrung, wenn jederman sein diesseitiges Leben als Schein abtäte. Aber ich denke die Tatsache, dass es von der Mehrheit aller als Wirklichkeit wahrgenommen wird, liegt darin, dass eben fast alle denselben Eindruck teilen. Und zwar mit allen Konsequenzen - gut wie schlecht, angenehm wie quälend.
Für die Gesellschaft bedeutet die Vernetzung der Gedanken die Wahrwerdung eines Traums. Jeder Mensch sehnt sich nach Nähe zu entfernten Freunden, nach Zuneigung und Zuspruch, nach der einfachen Möglichkeit seinem Hiersein einen Sinn zu verleihen. Das zum Beispiel durch die Verbreitung der eigenen Weltsicht. Alles im Internet ist Abbild dessen, was der Gesellschaft und dem Einzelnen wichtig ist. Dabei sind selbstverständlich auch Dinge, die man ihrer unethischen Inhalte wegen verachten muss. Die Vernetzung, das Netz oder das Internet ist (inklusive aller dunklen und verborgenen Nebenflüsse) ein Abdruck der Begierden des Menschen mit all seinen Schwächen, Stärken, Träumen, ... Wer die Gesellschaft als Erscheinung im Gesamten kennenlernen möchte, wer wissen möchte was einen Menschen ausmacht, der muss sich den Spiegel seiner Natur anschauen. Das geht soweit, dass man sagen könnte :: Wer sich selber erkennen möchte, der muss sein Surfverhalten beobachten. Und vielleicht sollte er die Zeichen deuten lernen. Ich denke es ist mit Traumdeutung vergleichbar. Zur Identifizierung seiner Nutzer und der Filterung der individuellen Nutzervorlieben nutzt das Internet zu jeder Sekunde seine Möglichkeiten. Aber es ist natürlich nicht das Internet, das wissen anhäufen möchte, sondern die Nutzer, welche die Daten über andere Nutzer als wertvolle Ressource erkannt haben. Das Geschehen im Internet ist im Grunde nichts weniger, als das Lesen in den Gedanken anderer Menschen. Denn alles was dort existiert ist geistige Information und alles was dort gehandhabt wird, sind Gedanken. Im Grunde genommen ist das Internet die elektronische Umsetzung der Telepathie. Zu dieser Kunst fühlen sich heute wohl die allerwenigsten wirklich berufen, denn wahr ist allein die feste, einheitlich und übergreifend erfahrbare, unanzweifelbare Materie. Und deren Taktstock folgt komischerweise jedes moderne Auge.
Für die Zweifler ist das Internet das allerheiligste und teuerste Geschenk der Moderne. Für diejenigen, die auch ohne allgemeine Gewissheit Wissen können, ist das Internet ein logischer Schritt. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung der geistigen Beschränkungen der sogenannten Moderne, die alles Geistige ins Fabelreich verbannt hat, weil der Masse von lebenden Menschen jede Verbindung in die höheren Sphären abhanden gekommen ist. Man hat diese Verbindung den Menschen madig geredet. Und die Errungenschaften des heutigen Tages sind ihnen allen Beleg für die Nutzlosigkeit jeder Spiritualität. Der Irrtum in dieser Weltschau ist schon traurig, aber die offensichtliche Scheinheiligkeit der festen Überzeugung ist ein Grund für Wut im Bauch. Jedoch ist Letzteres nun wirklich kein gangbarer Weg für einen dem Licht zustrebenden Spirit. Somit bleibt allein Verständnis und Gewissheit um die Gesetze der Natur, die bei allen menschlichen Vorlieben und Verwindungskünsten doch stets unbestechlich und beständig sind.
January 2012
30 January, 2012
0038 - Infragestellung der Notwendigkeit des Pluralismus angesichts sogenannter alternativloser Entscheidungen durch Führungspersonen
Die Frage der Balance zwischen diktatorischer beziehungsweise totalitärer und demokratischer Beschlussfindung läßt sich natürlich nur schwer in ein paar Absätzen abhandeln. Immer wieder ist in letzter Zeit von alternativlosen Entscheidungen die Rede. Das Wort selbst ist das Unwort des Jahres 2010. Es diktiert dem freien Wähler zum Schein einen der sonstigen Garantie auf freie Entscheidung entgegen gerichteten Lösungsweg. Dabei machen sorgenvolle Vorzeigedemokraten ein ernstes bis trauriges Gesicht und verkünden die unabdingbare Hinwendung zu ihrem absolut einzigen Lösungsweg. Es ist fast wie im Matheunterricht, wo es ja im Allgemeinen ebenfalls selten um Mehrheitsbeschlüsse geht.
Wir sind das Volk! Bei Demokraten gilt die Idee durch Abstimmungsergebnisse und Mehrheiten den legitimen Weg zur politischen Glückseligkeit zu finden. Der richtige Weg scheint demnach Sache der größeren Menge an Zustimmenden und nicht etwa der Vernunft zu sein. Ich schreibe das deswegen, weil ich weiß, dass nicht viele Menschen Entscheidungen auf der Basis fundierter und objektiver Überlegung fällen. Gerade im Bereich der Politik, wo allgemein gern von einer Verdrossenheit des Wählers gesprochen wird, sehe ich die Entscheidungsgewalt im Querschnitt der Bevölkerung mehr auf Seiten des Bauchgefühls. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich der Ansicht bin, dass nur wenige den Anspruch haben jeden Aspekt des politischen Geschehens so zu verstehen, dass man von einem gut durchdachten Kenntnisstand sprechen könnte. Ich glaube nicht einmal diejenigen können ohne diese oder jene Armee Sachverständiger und Gutachter auskommen, deren Beruf eigentlich die volle Kenntnis aller politischen Zusammenhänge voraussetzt. Ich bin sicher der übliche Weg der Politikerklasse geht so, dass dem Volk allenfalls glatte Produkte verkauft werden. Das heißt man schleift und raspelt an den komplizierten Sachverhalten herum, bis man etwas hat, das sich in zwei bis drei Nebensätzen illustrieren läßt. Genauer gesagt werden dem Bürger kleine, handliche Pakete von Lösungen den brennenden Fragen gegenüber gestellt und zum Verkauf geboten. Die Währung ist in diesem Fall natürlich das Gewicht der Stimme und gekauft wird die Katze im Sack. Derjenige, der also ein guter Verkäufer ist kann dieser Theorie zufolge ein schäbiges Produkt (beziehungsweise dessen glanzvolle, hohle Verpackung) unter die Leute bringen und damit auch große Erfolge feiern. Vorausgesetzt er schafft seinem Produkt eine Mehrheit von überzeugten Bürgern. Inwieweit diese Lösung der bürgerlichen Gesamtheit schließlich hilfreich sein wird, hängt dann allein von der Qualität des Verständnisses eben dieser Gesamtheit ab. Das ist die grundsätzliche Idee des demokratischen Weges - das Volk entscheidet. In Deutschland sprechen wir heute von einer repräsentativen Demokratie, bei der nicht das Volk, sondern dessen durch Volkswahl legitimierte Vertreter das Sagen haben. Hier wird dem Volk frühzeitig ein Konsens abverlangt, ohne später noch Einfluss auf das Ergebnis nehmen zu können. Denn der Abgeordnete kann innerhalb seiner Amtszeit von vier Jahren jederzeit über sein Wirken entscheiden und ist dabei allein seinem eigenen Gewissen verpflichtet. Das Volk kann dagegen erst nach vier Jahren über Wieder- oder Abwahl seines Vertreters hoffen. Das unmittelbare Moment ist also dahin, was einerseits eine gewisse Stabilität, andererseits Trägheit mit sich bringt. Wir sind also zwar das Volk, haben aber allenfalls über disziplinierte Mitarbeit am bestehenden Staat (durch demütige Wahl eines Sprechers) oder aber Verweigerung zum Mitmachen zu entscheiden. Am Staat selbst perlt unsere Mitsprache in der Regel ab, da wir immer nur über einen Mittler mit dem Staat reden. Das heißt mit dem Staat reden kann nur, wer über bestimmte Idiome und eine grundsätzliche Konsensfähigkeit beziehungsweise eine gesellschaftliche Disziplin verfügt. Aber selbst dann auch nur aus der unscharfen Distanz. Wird hier nicht bereits die anerkannte Wertigkeit des Pluralismus freier Meinung für die Staatsführung klar? Wird ferner nicht klar wie uneins, zwiegespalten und unfähig man das unmittelbare Wirken des Volkes einschätzt? Und zu recht wie ich denke. Denn jeder hat immer seins und dann das seiner Gruppe im Sinn, niemals aber einen reinen Gedanken an die unpersönliche Vernunft oder die gesamtweltliche Gesundheit.
Es gibt natürlich große Anteile in der Bevölkerung, die sich ernsthaft und seriös mit politischen Fragen auseinandersetzen und Tage, Wochen und Monate ihres Lebenstages aufwenden, um "aktiv" zu sein und die richtigen Antworten zu erwirken. Auch glaube ich durchaus an eine Art gesunder Metavernunft im gesellschaftlichen Zusammenspiel. Aber ich glaube auch sehr stark an die Interessen einzelner Menschen, oder kleinerer Gruppen von Menschen. Und ich glaube an Machtkonzentration. Des weiteren glaube ich ebenfalls, dass sich die oben genannte metavernünftige Entscheidungsebene der Gesellschaft (womit ich zum Beispiel das der Gesellschaft inne wohnende Interesse zu Selbsterhalt und Wachstum bzw. Selbsterkenntnis und Ausdruck meine) lenken und verwinden läßt, wie eine zähe Flüssigkeit. Hier spreche ich natürlich von Dynamiken innerhalb eines Schwarms wo die sogenannte Schwarmintelligenz beispielsweise einen Teilaspekt bildet. Auch wenn wohl die meisten sagen würden sie seien kein Teil eines wie auch immer gearteten Kollektivs, welches sich beliebig lenken ließe. Man ist natürlich immer dann Teil eines Ganzen, wenn man darin positive Eigenschaften wie Geborgenheit sieht, und man ist gänzlich Individuell, wenn plötzlich die Rede von Manipulation, Auslese oder sonstigen negativ empfundenen Begriffen ist. Doch denke ich nicht, dass man sich diese Position immer einfach so nach Gutdünken aussuchen und zurecht legen kann. Jeder Mensch mit einem gewissen Ziel ist immer Teil einer Gemeinschaft. Wenn da gar der Ziele mannigfaltige vorhanden sind, sind auch die Gruppen zahlreich, denen man sich bewußt oder unbewußt anschließt. Und so ist meines Erachtens auch die Erscheinung der Freiheit des Indiviuums in all ihren Fassetten in Frage gestellt oder zumindest stark relativiert.
Nicht zuletzt spielt auch der Begriff der Loyalität eine Rolle, wenn es um die Beschneidung und Begrenzung der indiviuellen Willensäußerung geht. Gewisse Normen verlangen jedem Menschen vorbestimmte Haltungen in Geist und Habitus ab. Ein Parteiführer, der aus dem Nichts heraus Ansichten vertritt, die seiner Gruppe wiedersprechen, wird sicherlich nicht mehr lange ihr Sprecher sein. Und einzelne Mitglieder, die an den Konstanten des Parteigeistes sägen, werden je nach Lautstärke ihrer Sägen wohl eher gleich, als morgen vor die Tür gesetzt. Aber wo bleibt da die freie Meinung? Wie frei ist eine hinter einem Parteibuch getätigte Äußerung? Das Interesse einer Partei ist selbstverständlich die Verbreitung ihrer Ansicht in möglichst viele Köpfe. Diesem Interesse muss sich das Mitglied im einzelnen selbstverständlich unterordnen, wenn es der Gruppe zu Ordnung und letztlich Einfluss verhelfen möchte. Hier steht der Konsens wie auch in der gesamten Bürgerschaft über dem Willen des Einzelnen und damit ist auch die Freiheit des Einzelnen grundlegend eingeschränkt. Die einheitliche Richtung im Denken und Handeln ist für die sinnvolle Weiterentwicklung von Ordnungen und Strukturen wesentlich. Ganz egal um welches politische Staatsgebilde es sich handeln mag. Da ist schließlich die Stimme der Mehrheit für die Richtung entscheidend und nicht die des Einzelnen. Aber dessen Meinung spielt zudem auch einfach keine Rolle, wenn es darum geht Wasser einen Berg hinabfliessen oder Gras wachsen zu lassen. Was ich meine ist, dass es gewisse natürliche Vorgaben gibt, die allenfalls in ihrem Auftreten verstärkt oder abgeschwächt werden können. An ihrer Funktion und Auswirkung selbst kann dagegen kein Meinungsvertreter rütteln. Selbst in einer Hippiekommune (um einmal das Klischee vom völlig aller Konventionen befreiten Geist zu bemühen) ist langfristig zum einen der Konsens und zum anderen die Unterordnung unter einfachste Prinzipien nicht ignorierbar. Die einfachsten Beispiele für den Beschnitt der eigenen Entfaltungsmöglichkeit zeigen sich meines Erachtens schon im Atmen von Sauerstoff oder dem aufrechten Gang wieder, der einem ständigen Kampf mit der sogenannten Erdanziehung gleich kommt. Der Mensch ist ständig zu demütiger Einsicht gegenüber größeren Einflüssen gehalten. Der freie Wille liegt stets im Widerspruch mit dem physikalischen Umfeld.
Jetzt krame ich wieder einmal das viel beobachtbare Prinzip der Selbstähnlichkeit hervor, mit dem ich vieles in der ganzen Welt begreife. Ein Staat, eine Stadt, ein Haus ... alles das sind Bauten, die erstens ohne die intelligente Anwendung natürlicher Gesetzmäßigkeiten nicht auskommen und zweitens die grundsätzliche Unterordnung des individuellen Willens erfordern. Selbstverständlich kann der Häuslebauer selber entscheiden, ob er das Klo direkt neben dem Sofa und den Keller im zweiten Stock haben möchte. Aber dennoch wird er früher oder später einsehen, dass sein persönliches "ich will" nur eine kleine Rolle bei der Verwirklichung des Hauses spielen wird. Und zwar um so weniger, je stärker sein Haus in die Gemeinschaft einer bereits bestehenden Ansammlung von Häusern gerückt wird. Im Wald mag man ein Haus wie Gurke bauen dürfen, aber in Berlin wird das anders aussehen. Dasselbe gilt auch für Stadt und Staat, die in ihrer Architektur ebenfalls den Bedingungen von Anteilsnehmern und Nachbarn untergeordnet werden. Ich denke weder dem Willen des Allerallergrößten Führers der Massen noch seiner an Zahl und Masse reichen Befürworter und Gefolgsleute würde hier eine "konventionslose Willensäußerung" zugestanden. Allenfalls dann, wenn es an notwendiger Artillerie für entsprechende Gegenmaßnahmen fehlen sollte. Man sieht also sehr gut, dass der eigene Wille immer hinter dem Willen des Kollektivs anstehen muss. Würde man dies aggressiv verneinen, wäre immerhin dennoch ein erster Schritt zum persönlichen Absolutismus getan. Dessen Entfaltung krankt dann allenfalls noch an der Zustimmung vieler Wähler. Also an die Arbeit!
Wenn es innerhalb einer Partei zu einem Konsens kommt, der dann von einer breiten Mehrheit getragen wird, ist doch auch hier gewissermaßen ein Absolutismus geschaffen. Denn es wird der Gesamtheit aller Minderheiten der Weg einer Mehrheit aufgesetzt. Natürlich handelt es sich um einen abgeschwächten Zwang, der alle paar Jahre durch die entsprechende Wahl beeinflusst werden kann. Aber welchen Sinn hat solch ein System, wenn wirklich dringende Dinge auf den Weg gebracht werden müssten. Dinge wie beispielsweise CO2-Neutrale Lebensweisen oder ein extrem weitgreifender Sinn für Nachhaltigkeit. Alle diese Dinge, die dem einfachen Bürger vor dem politischen Glück zuerst einmal viel unpersönlichen Gemeinschaftssinn abverlangen, wären mit einer wohlgesinnten Machtballung schnell umsetzbar. Anders ausgedrückt könnte eine absolutistische Instanz kurzfristig und unbürokratisch Weichen stellen, die langfristig zum Guten für die Allgemeinheit gereichten. Mir ist bewußt, dass diese oft durchgespielte Theorie einfältige Fantasie ist. Die Praxis stellt sich natürlich so dar, dass die angesprochene Instanz selbst bei klar definierten Zielen irgendwann alles daran setzen wird, die Leichtigkeit der Führung möglichst lange beizubehalten. Sicherlich gibt es ausgefuchste Mechanismen, derer man sich bei der Konzeption eines solchen Weges bedienen könnte. Aber ich will hier keine konkreten Utopien aufschreiben. Ich will umreissen, weshalb ich der Meinung bin, dass demokratische Beschlussfindung zu einer Gesellschaftsentwicklung führt, die dem von der Welt aufgezwängten Schritt ein bißchen zu weit hinterher hechelt. Dieses behäbige Hineinwachsen in geträumte Ideale vom unbeschwerten Leben geht mit Diskussions- und Kompromissbereitschaft so träg von statten, dass dem Ideal letzten Endes mehr Traum als gewünscht anhaften wird. Allerdings wird auch ein großer Teil dieser Trägheit durch Faktoren erwirkt, die am liebsten und so lange wie möglich jede Veränderung schmerzfrei und ohne den Verlust von gemächlicher Beständigkeit umgehen möchten.
Einer der Gründe, weshalb das Bürgertum dem ständigen Geplärr so manches Politikers überdrüssig ist, mag mit der Erkenntnis der Machtlosigkeit zusammen hängen, die sich aus dem Verlust der unmittelbaren Kommunikation mit dem Führungsapparat ergibt. Zwischen das Interesse des im optimalen Fall in Meinung und Gesinnung einigen Volkes und dem zur Wahl stehenden Abgeordneten drängen sich weitere zwei Faktoren. Diese mögen zudem bei karrierebewußten Anzugträgern langfristig mehr Gewicht, als die Stimme des einzelnen Bürgers einnehmen. Denn sie versprechen Rückenwind, der für das Befahren großer Ozeane wichtig und unabdingbar ist. Da wäre zum ersten die Wahlprognose und dann außerdem die demütige Anteilsnahme der wirtschaftlich und finanziell starken Interessenverbände. So ergibt sich daraus, dass die Führung des Staates nur sekundär von der Stimme der eingedampften und kanonisierten Volksmehrheit und primär von Eitelkeit und Habsucht bestimmt wird. Dies natürlich unter der Voraussetzung einer moralischen Grundhaltung, welche solche Dinge allen ethischen Wahrheiten voranstellt. In einer Zeit, in der sogar Ethik nur noch Frage von menschlichem Diskurs und Einigung ist, darf man sich nicht wundern, wenn feste Prinzipien von Natur und Welt gar nicht mehr oder allenfalls wie störende und zu lenkende Fremdkörper aufgefasst werden. Die Qualität einer Demokratie hebt und senkt sich mit dem Selbstverständnis der betroffenen Gesellschaft. Wenn diese ihre Ideale nur noch in Standesdingen ausmacht, verliert die Freiheit des Einzelnen an Glanz. Selbst solche Leute, die mühevoll nach reinen Idealen abseits weltlicher Aspekte streben, werden angesichts einer Welt einheitlicher Orientierung zu Hülle und Fülle glanzlos erscheinen. Ein solches System, das sich selber aus- und auch überlebt, muss fast zwangsläufig irgendwann vor alternativlosen Entscheidungen stehen. Ebenso werden Härten im gesellschaftlichen Leben nicht ausbleiben können. Je nach Größe der gesellschaftlichen Ungleichgewichte entscheidet sich dann das Fortleben der Idee einer Gesellschaft, die ihre Geschicke ohne die Repressalien von Führer, König oder Kaste bestimmt. Wenn Bestimmungen unserer Repräsentanten alternativlos erscheinen, dann liegt das an der Ignoranz von ungerechten Verhältnissen, die bereits gestern bestanden. Es ist nur richtig, dass wenigstens die Konsequenzen dieser dekadenten Arroganz und Müdigkeit gesamtgesellschaftlich geschultert werden. Jedoch sollte man sich davor hüten zu glauben, das Volk würde nicht sehen, wer seine Schultern unter das Gewicht absenkt und kriecht.
May 2011
12 May, 2011
0037 - War Laden, bin tot
Angenommen er war wirklich für ein Ereignis verantwortlich, das gut und gern 50.000 Personen das Leben hätte kosten können. Angenommen er war niemals als Agent der Agency und ihrer Schwesterunternehmen unterwegs, als er all das plante und mutmaßlich durchführen ließ. Und mal angenommen er ist nun wirklich tot. Darf dann ein Mensch aus den Bezirken freiheitlich demokratischen Denken und Handelns wirklich glücklich über die erfolgreiche Tötung sein?
Das ganze stellt sich wieder einmal dar, wie so ein typisches Hollywoodmärchen. Die Posen, die Gesichter, die Berichterstattung. Aber was auch bei diesem Abschluss des 9/11-Vorfalls der ganz grundlegenden Glaubwürdigkeit an die Fahne pisst ist die Tatsache, dass auch jetzt kein Mann an Ketten dasteht und ein freundliches Gesicht in Den Haag fragen kann, ob er es denn wirklich war mit all den fliegenden Zeugen, den Teppichmessern, dem vielen Kerosin und Hoch- und Flachhäusern. Wo sind die unumstößlichen Beweise für die Tötung des Mannes, wo sind die Beweise für seine leitende Teilnahme am größten Verbrechen des bisherigen Jahrhunderts? Aber was solls!? Alle diese Dinge werden niemals mehr Klärung erfahren. Denn Zweifel sind aus guten Gründen groß gewachsen, und sie werden immer bleiben und die Wahrheit stets aufwiegen. Und mit Bedacht auf Beweise leider auch völlig zu Recht. Dennoch gehen wir mal von folgendem aus: Der Dämon aus der Wüste ist tot.
Wirklich schwierig Stellung zu beziehen. Einerseits hat da ein Mann den Tod unzähliger Personen in Kauf genommen, um seine irren Ideale einer entamerikanisierten Welt zu verwirklichen. Eingedampft auf das Wesentliche war sein Lebenswerk keine Sache, die irgendjemand sonst außer ihm und seinem Gefolge ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Es waren niemals liebens- oder lebenswerte Visionen einer großen Zukunft oder utopische Welten voller glücklicher Menschen, die seinem Tun erwuchsen. Er hat sich bequemt mit dem niedersten Treiben eines Menschen zufrieden zu sein. Konsequenterweise musste so sein Leben nach dem Angriff auf die freie Welt auch wie ein freiwilliger Gang ins Gefängnis aussehen. Wann immer dieser Mann jemals ein hehres Ziel gehabt hat, gab er es auf, als er es über die Köpfe anderer Menschen hinweg etablieren wollte. Das sagte man auch einst über Bush, als er vorgab den Irak demokratisieren zu wollen. Wieso es bei heilvollen Bestrebungen dieser Art immer wieder zu dampfenden Haufen kommt, ist jedem Menschen mit ein bisschen emotionaler Intelligenz klar ersichtlich. Dinge wie Freiheit, Frieden, Glück und Wohlstand lassen sich mit den gewählten Vorgehensweisen ebenso wenig ernten, wie man Äpfel von einem mit dem Vorschlaghammer gepflanzten Apfelbaum ernten kann. Gewalt ist das, was man als den schnellen Weg bezeichnen könnte. Tatsächlich führt dieser Weg nicht grundlos vom Regen in die Traufe. Denn alles, was man so verurteilt, nimmt man in sein Ideal mit und kontaminiert so alles was man an Güte erschaffen wollte. Nämlich allein schon dadurch, dass man selbst Teil davon sein will, obwohl man eigentlich der Quell des Übels ist. Tatsache ist andererseits, dass unsere freie, demokratische und von der eigenen hohen Vernunft eingenommene Welt damit zufrieden ist, dass der eine Mann heute als Wasserleiche Fischfutter spielt und der andere Mann kühle Früchte auf seiner texanischen Veranda nascht. Richtig ist vielleicht weder die Darstellung des einen noch des anderen Schicksals. Aber es ist eben Tatsache, dass dies allgemein, also mehrheitlich akzeptiert wird.
Es ist wirklich ein Highlight, wenn Frau Bundeskanzlerin richtig glücklich und total froh ist, dass ein Mensch jetzt endlich mal so richtig doll tot gemacht wurde. Aber damit hat sie schließlich auch nur stellvertretend für alle Menschen gesprochen, die gedacht haben, dass der Tod eines Mannes den Endsieg bedeuten würde. Der Vergeltung ist genüge getan. Und ich bin fast ein klitzekleines bisschen erstaunt, wenn ich mir vorstelle, dass alle diese rund 2.970 ermordeten Bekannten und Verwandten anderer Leute mit nur einem kleinen Kopfschuss bezahlt sind. Aber so sei es eben. Ich bin mir stets sicher gewesen :: die Gerechtigkeit in diesen Dingen höherer Ordnung erschafft kein Mensch dieser Welt. Aber es muss erlaubt sein zu träumen. Es wäre ein Zeichen großer Vernunft und Abgeklärtheit, ja Erwachsenheit gewesen, wenn man den dunklen Mann aus Abottabad trotz aller seiner zahlreichen bösen, bösen Verfehlungen so behandelt hätte, wie man es seinerseits gegenüber allen anderen Menschen erwartet hätte. Damit meine ich nicht, dass man ihm als erstes ein üppiges Frühstück mit warmen Eiern und Honig aus Kanada ans Bettchen hätte reichen sollen. Ich meine, man hätte mit dem Aufgriff dieser Person die Möglichkeit zur endgültigen Lüftung aller Schemen von Fragwürdigkeit und Zweifel von den westlichen Landen waschen können. Die Glaubwürdigkeit, Ehrbarkeit und das gute Verständnis göttlicher Vorgaben von Ethik wären erwiesene Sache in den Augen aller Feinde dieser Ideale gewesen. Es wäre im Geschichtsbuch der Zukunft ein Zeichen erhabener Größe gewesen, wenn man diesen Menschen im Bewusstsein aller Zeitgenossen des Erdenrunds lebendig und gesund auf das reduziert hätte, was er aus freien Stücken bereits war. Und unabhängig von seiner baldigen, tiefen Raison und Buße oder eben dem gegenteiligen Verzicht auf all dies, wäre dem Staatengebilde der freien Menschen ein Zeichen reinen Gewissens und großem Gerechtigkeitssinn verliehen gewesen, das kein noch so brutaler Terrorist je hätte ablösen können. Es ist nur leider so, dass unserer westlichen Welt dieses Zeichen ebenso wenig zusteht wie wir es unseren geliebten Feinden zugestehen.
Als Mitglied eben dieser westlichen Welt bin ich so auch konsequenterweise für die Tötung eines oder vieler Menschen durch die Hand meines legitimierten Verwaltungsapparats, wenn meine Freiheit oder auch nur mein Gerechtigkeitssinn in Schieflage gerät. Ich finde es toll, dass ich nun endlich weiterhin alle Annehmlichkeiten meines Wohlstands erleben, Luxus erlangen und nutzen kann wann immer mein Bestreben dazu ausreichend ist. Tod allen Feinden dieser heiligen Welt der allwissenden, barmherzigen Elite! Tod allen Menschenfeinden und Feinden von Gerechtigkeit und Freiheit. Tod! Tod! Tod! Das war Zynismus.
Wie gesagt es ist schwer sich festzulegen. Denn ich bin weder besonders links noch besonders Konserve. Ich habe Abneigungen gegen beide Lager und zudem auch oft gegen die durchschnittliche Quersumme. Vor allem aber habe ich etwas gegen die einfache Formel links sein, also links entscheiden. Der Mensch sehnt sich nach einfachen Formeln, nach einfachen Lösungen, nach schnellen und eindeutigen Entscheidungen. Eigene Standpunkte zu suchen oder gar zu vertreten ist uns allen meistens viel zu anstrengend, denn uns interessiert mehr was in der Bundesliga, GSDSPHXY² oder Marienhof passiert. So wird das Schicksal eines Menschen schnell mal eine Sache von Opportunismus und Mehrheiten. Oder aber es wird eine Sache von Aktionismus, wenn Zuhören und Abwägen zu lange dauern. In solchen Fällen gelten Formeln wie Böse = Vergeltung machen oder Sehr Böse = Tot machen. Das Mann/Frau auf der Straße hat ja keine Arbeit damit und Zeit schon mal gar nicht. Wieso also lange fackeln? Das was die bösen Verbrecher nämlich gar nicht ahnen ist, dass man sogar dann zum Opfer ihrer Schande wird, wenn man mal nur in der Frühstückspause in der bunten Bilderzeitung davon die besonders dicke Überschrift liest. Also darf auch ein solcherart Betroffener traurig sein und muss Blut fordern. Denn alles andere ist links, weich und irgendwie doof.
Wie fortschrittlich, gesund oder weise und erfahren eine Zivilisation und damit ihr Abstand zu den zotteligen Typen am Lagerfeuer ist, zeigt sich immer wieder dann, wenn die Frage nach Gerechtigkeit zu stellen ist. Auch ist das praktizierte Gerechtigkeitsempfinden Zeichen des Geistes, der einer Zivilisation inne wohnt. Zugegeben ist ein Symbol wie der Terrorfürst schwer als Mensch aufzunehmen. Ebenso schwer fällt es Menschen den alten Schicklgruber-Spross aus dem schönen Donauländle nicht als Monster, sondern als einfachen Menschen zu sehen. Es darf eben nicht sein, dass einer von uns so böse Dinge tut. Doch uns selbst mal auf die Finger geschaut ist keiner von uns je besser. Unsere Bosheiten treten nur nicht so viel zu Tage, da es an Mitteln und Möglichkeiten oder der einfachen Dummheit fehlt. Nicht umsonst sagt ein weiser Spruch :: Willst du einen Menschen kennen, dann gebe ihm Macht. Und ich frage mich wie viele wirklich abgedrückt hätten, wenn sie Osama Bin Laden gegenüber gestanden hätten. Ich denke alle Bosheiten wachsen immer aus kleinen Ungerechtigkeiten und beginnen irgendwann wie ein Krebs zu wuchern. Wie gerecht kann ein Mensch vor dem Auge der höchsten Prinzipien der Ordnung schon sein, wenn er erfahrenes Unrecht eines Anderen mit Strafe und Tod vergilt? Ich denke ein Mensch kann kein Recht schaffen, aber wir alle büßen immer für das, was einer der Unseren an Bösem tut. Auch wenn unsere Empfindung von Recht vielleicht alle tatsächlichen Ungleichgewichte ignoriert. Jeder Schrei nach Vergeltung ist Egoismus in Reinform. Und wenn dieser Egoismus nicht dem eigenen Ich dient, dann doch denen, den man sich zugehörig fühlt. Nichts gleicht die Taten eines Bin Laden oder eines Hitler jemals wieder aus. Und vom Menschen gemachte Gerechtigkeit fehlt es nicht nur an Ausgleichungspotenzial, sondern es verschlimmert regelmäßig alle Schlechtigkeit. Das zufriedene Grinsen oder die offene Freude über den mutmaßlich verdienten Tod eines anderen kann niemals über diese Tatsache hinwegtäuschen. Ganz im Gegenteil ist es ein Trauerspiel und ein Zeichen von niederem Stand.
01 May, 2011
0036 - An der nächsten Kreuzung bitte wenden
Eine Million klingt heutzutage irgendwie wenig, wenn man daran denkt mit welchen Beträgen heute üblicherweise gearbeitet wird. Da ist die Rede von Milliarden und Billionen, denn man ist seriös und um die Sache besorgt. Konkurrenzfähigkeit, Fortschritt und die unbedingte Nutzung aller sich bietenden Chancen setzen eben auch die Abkehr von kleinen Beträgen voraus. Denn Zukunft und Demokratie sind kostspielige Dinge. Aber was wird geschehen, wenn sich das eine wie auch das andere immer mehr Gesellschaften unseres geliebten Theaters der Nationen nicht mehr leisten können?
Dieser Tage war in der größeren Nachbarschaft ein weiteres Mal die Freiheitsbewegung der ultrakompetenten Philanthropen zur Stärkung des Nationalsozialen Beugeapparats auf den Straßen der Stadt unterwegs. Von Natur aus und ein wenig dem momentanen Zeitgeist geschuldet belief sich diese Gruppierung gestern auf eine Pleitebande von nicht ganz 190 Personen mit großer Lust und großer Wut im Bauch. Was sie zu erzählen hatte weiß ich nur aus denkbaren Reminiszenzen an das zwölf Jahre währende Tausendjährige Reich der 1930er Jahre. Alles in allem sicherlich keine sehr erbaulichen Dinge aber vor allem Dinge, die ich aus Gründen des gesunden Verstandes weder nachvollziehen noch nachdenken, geschweige denn nachfühlen möchte. Ihnen und ihrem glamourösen Ideal von Reinheit und Ordnung stand ein auf 4.000 Personen geschätzter Mob ahnungsloser Nichtsversteher gegenüber, die all die guten Dinge aus der guten alten Zeit nicht wissen wollten. Und zwischen den beiden ungleichen Parteien versuchte eine Handvoll von 3.000 (in Worten drei tausend) Polizisten ein bisschen Frieden zu stiften. Die ganze Veranstaltung kam ohne Kartenverkäufe aus und befüllte viele Stunden, denen man sich anderweitig nur gähnend und von Alltäglichkeit erdrückt hätte stellen können. Dank sei somit jenen Aktivisten ausgesprochen, die diesen Spaß erst möglich und, wie einige sagen werden, nötig gemacht haben. Da Polizisten aber leider selten Ehrenämter übernehmen und gerade bei Einsätzen dieser Sorte gern mal Zuschlag verlangen, musste zur Finanzierung aller Attraktionen kurz mal der gemeine Bürger mit fast anderthalb Millionen Euro in die Bresche springen. Hätte er sich geweigert, wäre alles längst nicht so schön geworden. Aber weigern kann er sich eh nicht, da es zwar sein Geld aber nicht sein Geldbeutel ist.
Wie geht man mit den Nationalsozialisten richtig um? Lässt man sie links liegen, dann geht man ein riskantes Spiel ein. Dieselbe Haltung hatte schon mal dazu geführt, dass die Ignorierten plötzlich nicht mehr ignorierbar, da Staatsführer und nach wie vor menschenverachtend waren. Im Gegensatz dazu führt ein vehementes Eintreten gegen die Interessen dieser braunen Knüppelbande zu Haushaltslöchern. Ganz zu schweigen davon, dass jedes Engagement immer auch Kräfte bündelt, die vielleicht woanders viel besser aufgehoben wären. Ich denke ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Die demokratische Gemeinschaft der Bürger muss einerseits das Auftreten Andersdenkender bzw. verblendeter oder irrender Menschen immer hinnehmen. Eine demokratische Gesellschaftsordnung muss den pluralen Stimmengesang aushalten um nicht zu sagen pflegen. Man kann natürlich behaupten, dass Faschismus keine Meinung sei, da Kinderschändung ja ebenfalls keine Meinungsäußerung sei. Aber ich denke Parolen sind Parolen und haben nichts in einer erwachsenen Auseinandersetzung verloren. Sie gehören auf Veranstalungen wie die vom Samstag. Es kann aber schlicht nicht angehen, dass man Personen (nennen wir sie einfach mal Thilo, oder so) aus einer Partei (nennen wir sie einfach mal SPD, oder so) ausschließen möchte, weil sie ein Buch voller dummer Formulierungen publiziert. Hier beginnt für mich ganz klar bereits die Beschneidung freier Meinungsäußerung. Dass andere Personen die Partei verlassen, weil die geschmähte Person schließlich doch nicht des Klubs verwiesen werden konnte, ist ein Armutszeugnis des jeweiligen Geistes. Basiert doch diese Reaktion augenscheinlich allein auf Trotz. Das schlimme an diesem ganzen Aus- und Abgrenzungsbedarf ist die Spaltung dessen, was eigentlich das höchste Gut der freiheitlich demokratischen Spielwiese sein sollte - Pluralismus und die daraus geborene Freiheit des Einzelnen. Die Spaltung und Verurteilung Andersdenkender mündet meiner Ansicht nach nicht in einer Besserung der allgemeinen Zustände. Aber wie so häufig besteht im Konsens der Bemühungen allein der kurzfristige Effekt und nicht die große Ordnung der Dinge. Dem anderen bloß nicht das Braune unter den Fingernägeln gönnen. Hinzu kommt der geradezu pathologische Ansatz dem Deutschen einbrennen zu müssen, dass er zu zwei Dritteln immer auch Nazi ist und erst das Gegenteil beweisen müsse. Dieses Spiel beherrscht ja sogar der Deutsche Bürger in geradezu schizophrener Perfektion.
Das Ideal des von fremdem Gesindel befreiten Gartens ist meines Erachtens nach nur noch zweitrangig im Denken der Rechten. Es mag die Keimzelle all solchen Handelns sein. Aber vor allem vereinigt dieser Block die Lust jungenhafter Männer und geschmähter Mannweiber zum Krawall gegen die als butterweich wahrgenommenen Strukturen des angehenden Weltstaats. Dessen Glaubwürdigkeit ist allerdings auch nicht unbedingt berauschend genug, um den Frust dieser im Grunde kleinbürgerlichen Verbände zu neutralisieren. Jeden Tag wirbt das weltpolitische Gebilde in West und Ost mit der Leichtigkeit des Täuschens und Gewinnens. Hinzu kommen Restriktionen, wie das Verbot von Glühlampen zugunsten krebserregender Energiesparlampen oder der erzwungene Vertrieb eines Fahrzeugkraftstoffes, dessen Herstellung nicht nur Ackerflächen unsinnigerweise von Brotkästen zu wenig nahrhaften Ölpfützen umfunktioniert. Und dies dann meistens auch noch unter dem Vorwand ökologischeren Prinzipien folgen zu wollen, denen aber genau genommen großflächig in den Ar**h getreten wird. Dies sind Entscheidungen, die niemals wirklich nachvollziehbar und dennoch an der Stimme des kleinen Mannes vorbeigeknüppelt werden. Offenbar sehr oft zugunsten von völlig verarmten Interessenverbänden. Die Verständnislosigkeit und Aggression des Volks wächst mit dem Spalt, der sich zwischen den Standeswelten der so genannten Demokratie auftut. Es sind niemals die Theorien der Staatsmodelle gewesen, welche in der Praxis zerbrachen. Was die Staatsmodelle immer wieder zersetzt, ist allein die Lust am finanziellen und machtspezifischen Aufleben einzelner darwinistisch geprägter Führerlinge. Die jetzige moderne Demokratie des Westens mag sich da vielleicht besonders lange halten, weil hier und heute Public Relations den gestriegelten Lenkern einen unbezahlbaren Dienst erweisen.
Welche Macht haben ermächtigte, politische Vertreter wenn sie offene Schlechtigkeit und Bosheit gegen das Leben von Menschen mit schaumigen Floskeln wie aufs schärfste verurteilt bedenken? Weltweite Forderungen nach der Freiheit des chinesischen Künstlers Ai Weiwei lässt die politische Führung des Drachenlandes dank enormer finanzieller und wirtschaftlicher Geflechte an sich abperlen, wie Stuhl an einem glatten Porzellanbecken. Auch können aggressive Staatsmänner in Syrien und Libyen oder anderen solcher Länder offen alle Schandtaten begehen und müssen bei gutem Stand nicht einmal mit dem Widerstand des eigenen Volks rechnen. Ihre Lehrer tragen dabei bezeichnenderweise Namen wie Bush. Kann man ernsthaft verlangen, dass einige Bürger ihre Benachteiligung im Denken, Wahrnehmen und Weitertragen weltpolitischer Zustände als Fehleinschätzung akzeptieren? Es wird immer so sein, dass sich einzelne vom Glück der Gruppe ausgeschlossen fühlen. Aber lässt man solche Menschen dann stehen, geht weiter und nennt sich dabei vernunftbegabt und klug? Ich denke wenn man wirklich den Nährboden aller aggressiven Reformer nachhaltig in den Mutterboden des freien, lebendigen Staates integrieren wollte, muss man weniger auf Kompromiss setzen. Der ist mit der menschenverachtenden Haltung rechter Polemiker unmöglich und muss es auch unbedingt sein. Allerdings ist dieselbe Herangehensweise auch mit verschiedenen Idealen der Linken oder der kapitalistischen Mitte notwendig, wenn man den langfristig angelegten, gesunden Staat sucht. Viele glauben gar nicht an solch ein Gebilde. Doch ich denke, dass dies nicht an der fehlenden Machbarkeit und viel mehr am Willen und der Vorstellungskraft liegt. Wenn die Zivilisation der erste Schritt zum Heranwachsen als gesunde, erwachsene Gesellschaft und Demokratie deren konsequente Verfeinerung sein sollte, dann wird die Rückbesinnung jedes einzelnen Bürgers auf wahre Lebenswerte der weitere Weg sein. Denn eine Stagnation im Verstehen aller weltdemokratischen Vorgänge wird diesen Geist zum dürren Gestell werden lassen, das jeder Sturm hinwegfegen kann. Die Stabilität wird nur dann gefestigt, wenn jeder einzelne Teilnehmer des Staats für sich im Innern den Wert und Sinn von Freiheit erkennt. Wert und Sinn dessen lassen sich allerdings nicht lehren. Ganz im Gegensatz zu Idealen und Vorbildern. Staatsführer im Stil eines italienischen Hurenbocks oder auch nur ewig stille Wässerchen, die alles Aussitzen, gehören sicher nicht in dieses Schema. Aber es geht auch weniger um 'die da oben', denn den direkten Einfluss auf den anderen hat immer der Verursacher des Spiegelbilds dieses Lesers.
Mein Empfinden sagt mir, dass die Weltgemeinschaft jede Reife auf dem Weg zum gesunden Staat versagt. Es mag einige wenige geben, die wirklich begreifen, welche Dinge im Leben entscheiden. Doch ihre Anzahl schätze ich auf so geringer Stufe ein, dass all ihr Erkennen niemals die Tragfähigkeit von nahezu sieben Milliarden Menschen ausweisen könnte. Kein von menschlicher Seite bemühtes Vermögen wird je zur Besserung und Linderung aller Spalten und Sprünge ausreichen. Aber da ich an ein natürliches Prinzip von Ordnung, Ausgleich und Gerechtigkeit glaube, weiß ich, dass die (völlig kompromisslose) Weisung des in sich zerrütteten kollektivs Menschheit nicht immer ausbleiben wird. Dabei ist es vollkommen nebensächlich welche Richtung von menschlicher Seite vorgegeben werden mag. Ich resigniere vor allen menschlichen Bemühungen zu Verbesserung der Welt, weil ich Macht, Güte, Idee und alle Zwecke der Instanz aus dem Blickwinkel des Arbeiters einschätzen kann. Wer allerdings glaubt ich sähe schwarz, verkennt meine wahre Natur. Wohl zurecht.
August 2010
28 August, 2010
0035 - Wer braucht schon Augen in der Dunkelheit
Wir haben wieder einen gefunden. Nun macht das Kommentieren wieder Spaß und endlich kann man wieder seitenweise gehobene Kulturergüsse abliefern und sich als Bewußtsein des neuen Jahrtausends präsentieren. Wir können bös schauen und uns empören, uns zeigen wie wir als wohlerzogene Weltbürger sind. Der Anstoß wird wieder mal von einem Buch geliefert, das panikschürend die Abschaffung Deutschlands thematisiert und dabei so vielen Vorstadtdemokraten aus der Seele spricht. Dunkel war die Zeit und randgefüllt die Krüge des Frusts. Aber nun ist er da, Thilo der Finanzfachmann, Thilo, der Politiker - Thilo, der Retter!
George Orwell sagte einst, dass Freiheit bedeute das sagen zu können, was den Zuhörern unbequem ist. Wahrheit ist beispielsweise so eine Sache, die vielen Menschen in überwiegenden Fällen eher unbequem ist, denke ich. Es sei denn man verpackt sie ein bißchen poppig. Nicht zuletzt aus diesem Grund dürfte das ominöse Dings namens 'Gott' heutzutage auch so wenig Verständnis bei den vielen, vielen sogenannten Rationalisten finden. Irgendwie habe ich immer wieder das Gefühl, dass gerade dann das Gekeif von allen Seiten umso durchdringender und dämlicher ist, wenn man als sogenannt prominenter Redner etwas wichtiges sagen könnte, was dann entsprechend der beschworenen Prominenz theoretisch auch von vielen aufgenommen und goutiert werden könnte. Wenn dagegen Heinz Otto aus dem Zeitungskiosk am Ende der Straße versuchsweise irgendwas Wahres ausspricht, dann nickt man mal still und denkt sich irgendwelche lustigen Flüche für ihn aus. Aber wenn der Sprecher den klangvollen Namen Sarrazin trägt, dann wird nicht genickt, sondern wild geschüttelt und so laut wie nur irgendwie möglich geflucht und gezetert. Und alle sind ganz doll betroffen und fühlen sich plötzlich mit nem nackten Ar*** ins Gesicht gesprungen. Dann werden sofort Stiloasen aus dem Morast der Bedeutungslosigkeit gestampft und bekommen Bezeichnungen wie der 'Neue intellektuelle Rassismus' und komischerweise weiß schon jeder über den Inhalt eines Buches bescheid, obwohl dies bislang allenfalls in Auszügen veröffentlicht wurde. Ich frage mich weshalb eigentlich soviel Gejammer bei Sachen aufgegossen wird, die angeblich nicht wahr sein sollen? Es wird ja gerade so getan, als wenn das freie Mann/Frau auf der Straße recht zu doof sei, um eine Offensichtlichkeit von einer Augenwischerei zu unterscheiden. Von Wahrheit möchte ich erst gar nicht sprechen. Wahrheit hängt bei den posturbanen Neutren ja sowieso die meiste Zeit ein bißchen hinterher. Aber sind sie deswegen wirklich alle so leicht lenk- und beeinflussbar, dass man gleich einen Feuersturm der Entrüstung als Haltegatter für die solcherart Einfältigen ausgeben muss? Anscheined muss man, und dann drängt sich mir wieder einmal die Frage auf, wie weit dieses fürsorgliche "Sendungsbewußtsein" von Seiten unserer politischen Vertreter und sonstiger leitender Angestellter eigentlich noch greift.
Da steht ein Mann in der Öffentlichkeit und behauptet die Integration, das Lieblingsspielzeug des demokratisch liberalen Politikers, würde von denen boykottiert, die eigentlich integriert werden sollen. Sofort stehen bereitwillig laute Politiker oben genannter Färbung unter einem Sturmbanner vereint und reden von schlimmer Meinungsmache. Der oben genannte Mann sagt noch viele andere Dinge dieser Art und ich will wirklich nicht behaupten, dass ich ihm restlos zustimmen wollte. Früher bereits fiel er mit Aussagen auf, die sich Inhaltlich darum drehten, dass Hartz4-Empfänger eigentlich ein bißchen zu gut bezahlt seien. Ihm also zustimmen wollte und will ich nicht, da ich denke, dass der Herr momentan durchaus leicht Tendenzen zeigt, die an stumpf übertriebenen Nationalstolz erinnern. Er ist mir kein sympathischer Mensch, weil er - Vorurteilsdenken hin oder her - ein bißchen wie ein pedantischer Nachbar herüberkommt, der sich über Falschparken und Kinderlärm aufregt. Dennoch laufe ich hin und wieder auf dem staubig, steinigen Erdboden dieses von Blind- und Sturheit gesegneten Planeten herum und kann sehen, wie sich Menschen türkischer Herkunft in Stadtvierteln ansiedeln, in denen es mitunter nicht so hübsch ist, wie beispielsweise in Blankenese. Dazu werden oftmals diverse Betriebe der ausländischen Küche dort eröffnet, wo die Bourgeoisie sich allenfalls hinter gediegen abgedunkelten Scheiben eines Radgefährts aus den bayrischen Motorenwerken oder denen aus Stuttgart erblicken läßt. Sicherlich gibt es viele Dinge, die irgendwie den Verdacht aufkommen lassen, dass die Ungleichheit zwischen diesem Menschen und jenem nicht immer auf ein freundschaftliches oder gar geschwisterliches Miteinander schließen lassen kann. Aber warum auch? Warum muss ich auf Teufel komm raus einen Menschen gut finden, der laut Ausweis dem schönen Lande Usbekistan entsprang? Wischen unsere Landesgrenzen alle schlechten Eigenschaften eines Menschen einfach so hinfort, sobald er einen Fuss auf den Grund diesseits der Linie setzt, die von irgendwelchen vorwitzigen Bürokraten als Landesgrenze erkannt wurde? Kann es eigentlich sein, dass man hierzulande oft besser mit Angelandeten umgeht und ihnen bessere Vorteile zugesteht, als man es obdachlosen Ureinwohnern gegenüber tut?
Stichwort :: Freie Rede ... Da wird über einen Mann hergezogen, weil er sich eine zugegeben halbwertige, vielleicht einseitige aber ganz sicher auch populistische Meinung gönnt. Dabei auch noch eine Meinung, die jederman hören und lesen kann, was ja an sich schon anmaßend ist in einem freien Land wie diesem. Dem Mann wird von der Heiße-Nadel-Fraktion vorgeworfen ein Rassist zu sein, weil er Juden eigene Gene zuschreibt. Meines Erachtens nach ist "der Jude" allerdings überhaupt gar keine Rasse, sondern eine religiöse Gemeinschaft. Dennoch kann ich als Laie mit der Aussage leben, weil ich mir einfach einen weiteren Kontext denke und mir dabei gewiss bin, dass ein Mensch aus dem nahen Osten nicht aussieht wie ein Mann aus Ostfriesland. Dabei weiß ich selbstverständlich, dass ein Jude auch im schönen Ostfriesland groß werden kann. Von Halbwahrheiten ist die Rede, die Herr Sarrazin zur Illustration seiner liebsten Schreckensvisionen nutzt. Mag alles sein. Dennoch frage ich mich weshalb dann so viel Aufhebens darum gemacht wird, wenn es sich doch leicht als niederes Stammtischgegrunze deuten ließe. So heiß und intensiv sind die Fortschritte bei der Integration nun auch wieder nicht gewesen, dass ein einzelner Sarrazine an einem Freitagnachmittag die Abrissbirne spielen könnte. Henryk M. Broder sagt die Hetze auf Sarrazin sei der neueste Fall von Hexenverfolgung seit dem 17. Jahrhundert. Ich erinnere mich allerdings an eine noch recht neuzeitliche Kampagne, die eine gewisse Eva Herman zur Unmutter der Nation kürte. Auch in jenem Fall war das Gezeter und Geplärr der lupenreinen Vorzeigedemokraten größer als der größte jemals entzündete Scheiterhaufen. In unserem freien Land darf man alles sagen und denken, aber es kann vorkommen, dass die Kanzlerin dann bei gedimmten Licht und vorgehaltener Hand orakelt, dass man sicher über diese Sache sprechen würde. Nur um dabei unverhohlen harte Konsequenzen für den Missetäter heraufzubeschwören. Tja, so ist das in einem scheindemokratischen Totalitarismus, wo das Abnorme allenfalls dann in die Arme geschlossen wird, wenn es sich verletzlich und hilfsbedürftig gibt.
Beim Karikaturenstreit ging es um die Wahrung des freien Ausdrucks künstlerischer Stimmen. Doch wenn ein Mann ein böses Buch schreibt, dann kann man diese Freiheit schon mal ein bißchen links liegen lassen. Zu viel Toleranz ist ja auch nicht gut. Ich werde mit großem Spaß versuchen wach zu bleiben und mit größtmöglichem Interesse verfolgen wie sich die heiligen Krieger des freien Gedankens am Darth Sarrazin abmühen. Sicherlich wird Blut fliessen und bald schon wird die Welt des Pop wieder rein sein.
24 August, 2010
0034 - Was tun, wenn der Mann mit dem Fernglas wieder durchs Fenster reinschaut
Das elektronische Netzwerk zwischen den Rechenmaschinen dieser Welt ist nicht nur der Satan der Moderne. Nein, es wird uns alle sehr bald fangen und in ein dunkles Gefängnis werfen, wo wir nur mit ausreichend Cash auf dem Useraccount unser täglich Wasser und Brot vom Zentralserver herunterladen können. Denn das sogenannte Internet oder Netz zwischen deinem und dem Computer aller anderen wird dir deine Privatsphäre stehlen und du wirst sein Sklave sein so jetzt und immerdar. Naja, andererseits ... was will man schon erwarten von einem Satan?
Es war einmal ein Internet und als der dumme, rückständige und sehr alte König aus den Disco-Siebzigern sah, dass es seinen Unterdrückten klammheimlich die Freiheit schenkte, ersann er einen furchtbar kühnen Plan. Er schrie von der höchsten Zinne seines höchsten Turmes eine Warnung vor dem Graus des freien Gedankens. Was ihn letztlich umbrachte war einer gewissen Überheblichkeit gepaart mit dem Missverständnis geschuldet, das den König seit je her glauben ließ ein besseres Verständnis vom Leben zu besitzen, als all jene, die tagein, tagaus um selbiges einen existenziell gelagerten Kampf zu führen hatten. Der König lebt im Moment noch, aber ich höre sein Rufen jeden Tag, wenn ich GoogleNews aufrufe. Da steht die Frage ob das Internet unsere Privatssphäre bedrohen würde. Lenkende Staatsbedienstete basteln selbstlos an Gesetzen, die uns unkluge Internet-Benutzer vor allzu großem Pornografieeinfluß schützen sollen. Hellauf erregte Diskussionen ranken sich dieser Tage um ein Webtool, das Häuserfassaden auf Knopfdruck zeigt. Bürgerinitiativen retten gerade die Welt, indem sie sich vehement gegen die fotografischen Veröffentlichungen von Straßenzügen aussprechen. Über Sinn und Unsinn der Ängste und Sorgen kann man Romane schreiben. Sofort denkt jeder an Huxley oder Orwell, weil da irgendsoein doofer Herr Gugel Daten saugt, wie Mutters Milch. Komischerweise zahlt man trotzdem gern mal mit der EC-Karte an der Kasse und wenn man selber noch Geld verdienen kann, nutzt man das Internet ohnehin ohne Rücksicht auf datenspezifische Verlustgeschäfte am eigenen Leib. Ganz zu schweigen von elektronischen Jahrbüchern und den populistischen Zwitschereien auf den Telefonleitungen der Welt. Man hat ja schließlich nichts zu verbergen. Außerdem ist die Länge der Kontaktliste heutzutage gleichbedeutend mit Potenz.
Da ist es mal wieder ... das böse Internet! Ich habe in einer Phase meines Daseins als Benutzer der Datenautobahn eines Tages erkannt, dass die Lenkende Brigade früher oder später erkennen muss, welch Unheil doch in dem ganzen "vernetzt sein und so" steckt. Die Internet-Foren sind nicht nur ein Sündenpfuhl demokratischer Schreib- und Diskussionsergüsse, wo das Wort "Verschwörungstheorie" eigentlich den Titel als das Wort des Jahrhunderts erhalten müsste. Abseits des ganzen Meinungs- und sonstigen Wirrwarrs freiheitskämpfender Bürostuhlgladiatoren kristallisiert sich neuerdings immer wieder ein Merkmal heraus :: das ist die Tatsache der Schnelligkeit, mit der sich Nachrichten verbreiten, die man in den Synchronstimmen der allgemeinen Pressehäuser gar nicht oder nur rundgeschliffen zu lesen bekommt. Ansonsten sind die Nachrichten kaum besser und was die Innovation des ganzen Dramas angeht, muss man eigentlich verschämt auf die Tratschkultur in jedem dörflichen Vorstadtkaff verweisen. Wirklich erstaunlich ist einzig die Neigung der mit endloser Freizeit gesegneten Netuser jede unartige Nachricht mit gepfefferten Kommentaren zu beackern. So als ob das Hämmern auf die Tastatur der Welt den Rhytmus der eigenen, proviniziellen Großmachtfantasien aufzwängen könnte. Ich habe oft das Gefühl so mancher kindliche Verstand glaubt es sei irgendwie notwendig besonders viel zynische Dinge zu schreiben, damit der Große Bruder mal so richtig sein Fett weg kriegt. Man ist ja schließlich wer. Dumm nur, wenn dann die ganze Arbeit unter dem Sturzbach aller anderen Tweets verschwindet und man dabei dann auch noch auf Stimmen stößt, die gegenläufige Ansichten vertreten. Ich habe gemerkt :: Je heißer das Thema, desto sinnloser die Debatte.
Einige Internet-Foren nutzen die Zensur schon seit langer Zeit. Dort darf man Dinge, die unerwünscht sind, nicht verbreiten. Und dabei meine ich nicht Dinge, die sich um einen malenden Österreicher drehen. Der Artikel fünf, welcher sagt, dass eine Zensur in der liberalen Parteiendemokratie nicht stattfindet, wird von vielen Foren-Oberhäuptern gern mal vergessen. Die einfachste Form dieses Aussiebens unerwünschter Ansichten führt über die Deklarierung als "Esoterik" oder "Verschwörungstheorie". Ein Grund weshalb die Aufklärung der Rätsel um 9/11 in Stagnationsstarre verfielen, hängt mit diesem klugen Aussieben zusammen. Es ist für den Einzelnen immer gut sich an dem Realitätsmaßstab der Mehrzahl orientieren zu können. Problematisch sehe ich allerdings, dass der von der Mehrzahl als objektiv und rational eingestufte Realitätsmaßstab im großen und ganzen vom Lied der Medien bestimmt wird. Und da gilt selbstverständlich je größer der Einfluß des Mediums, desto größer ist auch der als Wahrheit deklarierte Faktenwulst. Interessant ist in diesem Zusammenhang die genauere Betrachtung der Kanäle, von woher die vielen kleinen Medienhäuser ihre überregionalen Weltnachrichten beziehen. Interessant ist auch, dass zwar eine Zensur verneint wird, Berichterstattung über großformatige Gremien wie Bilderberg allenfalls als dünne Kondensstreifen durch die selbstverliebte Meinungs- und Bildungsküche ziehen. Das letzte, was ich über deren Treffen las war, dass man nach vielen Jahren des Misstrauens heutzutage nur noch große Achtung vor den Leistungen der Versammlung hätte. Na das ist ja ganz fantastisch und so beruhigend ... ne, wirklich. Aber laßt uns lieber wieder über Google schreiben, bevor die Wolke des Sarkasmus uns alle auffrisst.
Es mag sein, dass es in Deutschland eine große Anzahl Leute gibt, die ihre Privatssphäre höher einschätzen, als die Liebe der Schwiegermutter. Kontrollettizwänge sind in diesem Land schon seit je her größer als die Beatles und Jesus zusammen. Es mag auch sein, dass die Fassaden der Häuser keine Sache des privaten Umfelds sein mögen, wie Herr Sascha Lobo, der weltweit anerkannte Experte in Fragen koketten Andersseins, aussagt, als er zu denken gibt, dass so ein GoogleStreetView eigentlich gar nicht so doof ist, wie alle Nichtsversteher denken. Zweifellos ist es auch eine Manie des Durchschnittsdeutschen zu denken er müsse darüber bestimmen wie die Hecken im Nachbarort auszusehen hätten. Und ganz ohne Zweifel gibt es neben den vielen, vielen Contra-Argumenten zu StreetView auch ebenso viele Pro-Argumente, die viel von Chancen, von Fortschritt und sonstigen modernen megamultiplen Vorteilsorgasmen sprechen. Wir dürfen den Anschluß nicht verpassen und müssen die Chancen nutzen. Und die Meinungen fallen unterschiedlich aus, während die Vorteile die Nachteile aufwiegen. Laber Laber Frittenbude! Schönen Dank für so viel Klarheit. Ich denke oft es ist Methode darin versteckt die Massen möglichst lang in ihre kleinbürgerlichen Zwiespalte zu verstricken, um nur lang genug unentdeckt daran arbeiten zu können den eigenen Willen klammheimlich durchzusetzen. Den Willen des Lenkers, der die Massen teilt und dabei stillschweigend hinter sich reibenden Händen die Welt regiert. Aber das ganze ist natürlich differenzierter und muss aus verscheidenen Blickwinkeln betrachtet werden. Und dumm darf man sowieso nicht sein.
Google sagt sinngemäß, dass derjenige, der auf Streetview zu sehen ist, wie er einen Puff verläßt, eben etwas früher hätte überlegen müssen, ob er sowas unartiges macht. In Netzwerkcommunities sagen viele selige Anhänger des Flötenspielers, wie auch die meisten Passanten im Kameraverseuchten Britannien, dass es sie nicht stört wer alles in ihren Daten herum lungert. Man habe ja nichts zu verbergen, da man kein Verbrecher oder sowas in der Art sei. Ich kannte mal einen Typen, der eine Frau hatte, deren Schwägerin mit einem Onkel zusammen im Kindergarten war, der wiederum ein Jude war. Er hatte einen sehr schönen Laden in Berlin und es war 1938. Der gute Mann sagte er freue sich, dass er vorige Woche seinen schicken neuen Laden eröffnet hätte, und er sei sehr zufrieden mit sich und der Welt, da er ja nichts zu verbergen hätte. Seltsamerweise hatte er einige Zeit später sehr viel zu verbergen, obwohl er sich dessen zuvor gar nicht so bewußt geswesen war. Und was mag uns dies lehren? Nämlich das Folgende und man lese es mit wachem Verstand >>> Was man zu verbergen hat, entscheidet nicht der Einzelne für sich. Es wird anstelle dessen recht häufig (und eigentlich immer in recht ausgiebiger Form) vom Schäfer und seinem Hund entschieden.
Und was soll das jetzt heißen??? Ist Google Sauron der böse Schatten und StreetView der eine Ring? Werden wir alle sterben? Ja, ich denke wir werden, aber nicht an StreetView oder Google. Auch wird kaum jemand nächste Woche auf Google das Muster seiner Unterhose wiederfinden. Es gibt andere, subtilere Bedrohungen der allgemeinen Freiheit. Und es ist verkehrt zu denken, dass man als aufgeklärter, moderner Internetuser des 21st Century ganz genau über alle bösen Umtriebe informiert sei. Ebenso falsch ist vermutlich die Überlegung, wonach die gegenwärtige Freiheit des großen Kaptialistenstromes die nächsten fünfhundert Jahre überleben wird. Irgendwie scheinen mir geistige Systeme immer durch ein unsichtbares Gesetz zu Ordnung und Struktur gezwungen zu sein. Und es scheint mir auch, dass die einzelnen Teile solcher Systeme niemals das Gesamte überblicken. Das wiederum würde bedeuten, dass selbst solche Anteile dieses Systems, die von Anzahl oder Einfluss her größer ausfallen, niemals die absolute Herrschaft über das System haben werden (wie sie das selbst einschätzen, mag sich von dieser Überlegung natürlich unterscheiden). Allenfalls wäre da von einer simulierten Herrschaft oder einer Scheinherrschaft zu sprechen. Denn man stelle sich einfach mal vor wie groß die Macht des Herrn Gugel wäre, wenn morgenfrüh die Sonne explodieren würde. Scheinherrschaften können immer auch demaskiert und herunter gestutzt werden. Das alles ist eine Frage der eigenen geistigen Haltung. Zugegeben nimmt auch eine Scheinherrschaft zeitweilig durchaus eine dominante Rolle ein, die das Heranwachsen und Gedeihen anderer Freiheitsgelüste derb beschneiden kann. Aber man muss dabei eben auch immer im Auge behalten, dass ein Leben in Freiheit mehr bedeutet, als die Verwirklichung aller Dinge die "ich will". Vor allem aber bedeutet Freisein, das innere Gefühl von Freiheit. Dies besitzt sicher keiner, der die meiste Zeit des Tages für die Durchsetzung des eigenen Willens kämpft. Denn ich denke der eigene Wille ist ein Fass ohne Boden.
16 August, 2010
0033 - Wenn Du es tust, ... mach es cool
Die Säue rennen. Ich sehe jede Woche eine neue, die am Fenster vorbei getrieben wird. Und es ist erstaunlich wie viele jauchzende, gröhlende und bedächtig kuckende Aktionisten dabei jede Woche aufs Neue stolz erhobenen und gekonnt trauerblickenden Hauptes hinter den Sauen herrennen. Schade, denke ich mir dabei jedesmal, dass die vielen klugen Aktionisten vor lauter Tränen so gar keinen Blick für die Leute haben, von denen sie sich wiederum hinter die Säue spannen lassen. Aber was red ich ... diese "Leute" gibt's ja gar nicht. Dass man einfach auch mal ein bißchen abgeklärt dasitzen könnte und sich einen Dreck um die Sauen schert, würde vielleicht sogar das Klima retten - aber ganz sicher nicht das der Welt. Denn das, fürchte ich, ist so sicher, geborgen und gut aufgehoben wie die Auswirkungen der Schwerkraft. Das Schicksal der Menschen dagegen so überhaupt nicht, und ich habe manches Mal das Gefühl, dass die meisten sich nicht ganz im Klaren darüber sind, dass man nicht das Klima retten muss, sondern allenfalls die Menschheit. Aber gegen den Pop verstummt ja zwangsläufig jeder.
Es ist eine zugegeben dunkle Vision, die mir heute aus den Fingern getropft kommt. Vielleicht liegt's einfach daran, dass ich nur ein paranoider, kleiner Internet-User bin, der zu viel schlechte Webseiten gelesen hat. Und im Allgemeinen kann man sicher auch etwas Abfälliges zu irgendwelchen anderen inhaltlichen oder formellen Charakteristika bezüglich all diesem hier abgeben, um sich dann anschließend wieder beruhigt seiner gewichtigen Selbstreferenz zu widmen. Fest steht, dass die Sauen nicht allein durch's Internet galoppieren, dass sie es auch draußen im Hellen tun und, dass sie auch unabhängig von meinem Denken und Handeln über die Straßen des immer näher zueinander gerückten Weltdorfes getrieben werden. Gerade erst hieß die eine Sau noch A/H1N1 und jetzt heißt sie CO2. Und wie ich schon nahelegte sind die beiden hübschen nicht die Ersten und sehr sicher werden es nicht die letzten sein. Es gibt sogar kleinere Ableger wie Komasaufen, was heute auch einmal wieder aufgrund irgendeines zur Wahnsinnigkeit emporgeschnellten Hyperrekords durch den Äther rauschte um möglichst viel Furcht und Entsetzen auszulösen.
Wie schafft man es, dass Menschen freiwillig von Dingen abstand nehmen, die sie gerne tun? Mir gehen dabei solche grundsätzlichen Dinge wie "frei sein" oder "Spaß haben" durch den Kopf. Wie macht Mami es, wenn klein Bubilein nicht so viel naschen soll? Mami sagt, dass Süßigkeiten schlecht für die Zähne sind. Und was macht die freiheitlich-demokratische Welt, wenn sie ihren Bürgern liebgewonnene Ungewohnheiten abspenstig machen will? Sie erfindet Bedrohungen und schafft reale Indizien für deren Vorhandensein. Experten finden sich bekanntermaßen für jeden Pipapo. So kann CO2, das die vergangenen 10.000-20.000 Jahre (und aller Wahrscheinlichkeit auch schon lange davor) sehr förderlich nicht zuletzt für die menschliche Natur war, zu einem riesigen, dunklen Schatten werden, der hinter jeder Ecke lauert und alle ganz doll töten möchte. Das ethische Problem bei diesem Vorgehen unserer lieben, selbsternannten Vormundschaften ist, dass derjenige, der sich von dieser Idee überzeugt sieht, freiwillig jede Freiheit abgibt und so wiederum dem Schatten einen Vorteil verschafft. Denn der freie Normalverbraucher weiß schließlich, dass das Böse niemals gewinnen darf. Leider ist dies ein tief verwurzeltes Bewußtsein! Denn manches Mal wäre es vielleicht ganz gut das Böse gewinnen zu lassen, damit man mal sieht wie böse es wirklich ist.
CO2 oder auch Kohlenstoffdioxid ist in jeder Cola. Dass dieses leckere Gesöff sicher nicht zu größerem Vorteil für die körperliche Erbauung steht, liegt allerdings wohl mehr am Zucker und nicht am daraus perlenden Gas. Über das Gas freut sich derweil jede kleine Pflanze, weil diese Naturelle es üblicherweise für eine sehr schmackhafte Delikatesse halten. Sogar dann (und das ist sicherlich ein Einzelfall in dieser etwas überstrapazierten Beziehungskiste), wenn es anthropogen (also von gewichtiger Menschenhand) erzeugtes Gas ist. Normalerweise sorgen sogenannte Kohlenstoffdioxidsenken (z.Bsp. Wald und Blümchenwiesen) für einen Ausgleich bei der Erzeugung von CO2. Zuviel des Guten ist natürlich niemals gut, denn dann wartet der Zahnarzt. Aber Pflanzen haben weder Zähne noch Zahnarzt. Sie können CO2 aufnehmen wie der Weltmeister im Coca-Cola-Trinken und werden dennoch niemals umfallen. Denn Pflanzen mögen das CO2 nicht, weil es so süß schmeckt, sondern, weil sie es schon gegessen und getrunken haben, als menschliche Spaß-Bedrüfnisse nur ein lautloser Gedanke in irgendeinem weit, weit entlegenen Wahrscheinlichkeits-Vakuum am anderen Ende des Metamultiversums in irgendeinem kleinen Zettelkasten waren. Pflanzen wachsen, wenn man sie mit CO2 bombardiert. Man könnte sogar mit ein bißchen Gehässigkeit im Unterton sagen, dass sie wuchern. Und jetzt stelle ich mir folgende Frage :: Weshalb möchte man die Erzeugung von CO2 einschränken, andererseits aber möglichst wenig Bauland an Kohlenstoffdioxidsenken verlieren?
Bei der Diskussion um die unaufhaltsam drohende Klimakatastrophe ist das behandelte Thema in grobmaschiger Betrachtung nichts anderes als Terraforming. Bei jener utopischen Überlegung geht es in halbwissenschaftlichen Modellen darum zum Beispiel den Mars in eine zweite Erde zu verwandeln. Im Fall der momentanen Versuche von medialer Massenhirnwäsche geht es eben nur darum anstelle des Mars die Erde in eine zweite Erde zu verwandeln. Aber den kleinen Unterschied bemerkt sicher keiner. An dieser Feststellung mache ich für mich persönlich die Seriösität des ganzen Theaters fest. Ich halte es schlicht für eine ins Lächerliche gebogene Selbstüberschätzung das Erdklima (es handelt sich dabei um mehr als nur einen einzigen oder zehn Schmetterlingsflügelschläge) auch nur eine Sekunde lang unter Kontrolle zu bringen, um dann sowas ähnliches wie ein in Folie eingeschweißtes und auf Ewigkeit stabilisiertes menschenliebes Klima zu erzeugen. Die Theorie bei Terraforming hört sich immer ganz einfach und so an, als ob man nur mal ein bißchen hier dreht und dann ein bißchen wartet. Oder aber man erkennt irgendeine Variable als problematisch und beugt sich in die himmlischen Segnungen des menschlichen Intellekts verfangen schwerfällig und gemütlich hinab zur Fernbedienung für den entsprechenden Variablen-Regler. Mit einem Fingerschnipp gehorcht uns die Welt, wollte man meinen. Und dann passieren dummerweise solche Sachen wie in Banda Aceh und plötzlich schüttelt jeder mit dem Kopf und fragt wie das nur sein kann in der modernen Welt. Kurzum :: Ich glaube nicht an menschengemachte Klimakontrolle. Jedenfalls nicht bei gleichzeitigem florieren allen sonstigen Daseins. Woran ich aber durchaus glauben kann ist Machtgier.
Dass man mit Angst Schafe kontrolliert, weiß jeder Schäferhund. Menschen leben in ihrer kleinen Welt aus Affekten und Sensationen und rennen früher oder später jedem Thema hinterher, mit dem sie sich gerade eben mal so zwischen zwei Sinnkrisen identifizieren können. Das ist ja auch alles nicht schlimm, denn das Leben ist sehr bunt und Sinnkrisen sind sehr böse. Aber sprechen wir einfach mal von Totalitarismus. Wir haben aus der Geschichte lernen können, dass Diktaturen ihre Bürger schonmal derbe übers Messer hüpfen lassen. Totalitäre System sind da ganz anders. Da sterben nur die, welche sich nicht den Richtungsweisungen des Massenstromes anschließen mögen. Das tun sie nicht gezwungenermaßen, weil man sie umständlicherweise umbringen muss, sondern ganz einfach weil sie sich selber ausschließen und dann belächelt werden oder (noch schlimmer) allein dastehen, während alle anderen freudestrahlend am Bau der "Neuen Welt" und dem "Neuen Menschen" arbeiten. Andersdenkende sterben im Totalitarismus lediglich medial und sozial. Die, welche nicht unisono beim Einewelt-Blahblah mitziehen, sind eben Ewig Gestrige und müssen die Geißel des Vergessens spüren. Wenn man sie dann doch mal auffasst, dann allenfalls ein bißchen hämisch. Und vielleicht tritt man sie mal ein bißchen und sagt ganz laut Böseböse.
Der Totalitarismus ist eine tolle Gesellschaftsform, weil jeder das Sagen hat, solange er nur das sagt, was alle anderen auch sagen. Äußerlich betrachtet sieht er allerdings aus, wie jeder sonstige Käsekuchen derselben Bäckerei. Er schmeckt bloß hundertprozentig keinem, der dem Käse abgeschworen hat. Um also die gesamte Menschheit unter ein Banner zu führen, ihnen die Freiheit abzunehmen und ihnen allen eine Richtung aufzuzwängen, muss man nichts anderes tun, als ihre Herzen zu gewinnen. Am Ende dieser einspurigen Sackgasse steht ein vollendeter One-World-Konzern, bei dem die Masse nur noch Richtlinien aus der Feder der erlauchten Elite befolgen darf. Welche Probleme sich bei dieser Form von Kultur entwickeln und welche Tiefpunkte die Verfassung einer Gesellschaft dabei davonträgt, steht auf fast jeder Seite der Geschichte vermerkt. Doch was interessiert den kleinen Optimisten des 21st Century die dunkle Historie? Muss man nicht nach vorn schauen, die Chancen nutzen und mutig die Zukunft gestalten? Und gegen wen sind die tränenrührigen Bodenreformer wohl am meisten? Natürlich gegen die bösen Konzerne, die so viel CO2 machen und gegen die bösen Autos, weil sie so viel Geld in die Kassen der CO2-machenden Konzerne bringen. Und gegen die bösen, bösen Glühbirnen, weil sie die bösen Kraftwerke dazu zwingen ganz ganz doll Strom zu erzeugen. Ich frage mich wieviele von den aktionsbewußten Weltverbesserern sich mal wirklich Gedanken über die Konsequenzen von blindgläubiger Schwarmintelligenz gemacht haben. Ich finde es traurig wie diese Alternativlinge den Finger auf die bösen Konzerne, die bösen Atomenergielieferanten, die bösen Diktaturen und die bösen Diktatoren recken um dann wieder selig in ihren Singsang einzustimmen. Blindgläubig? Moment :: Es ist doch schließlich bewiesen, dass der Klimawandel stattfindet und die Industrialisierung die Hauptschuld auf alle gegenwärtigen Menschenhäupter gestreut hat, ne!? Nein, Mr. und Mrs. Greenthumb ... das ist es nicht. Aber es ist ja so einfach alles zu glauben, was in irgendwelchen ökologisch einwandfreien Flugblättern steht. Ackern sie ruhig weiter für ihre Kindeskinder. Sie werden es ihnen sicherlich mal danken, falls sie überhaupt jemals wissen sollten woher sie kommen, oder auf den Gedanken kommen sollten dies zu ergründen.
November 2009
23 November, 2009
0032 - Unwissenheit beruhigt, Wissen befreit
Er soll irgendwo dort oben auf irgendeiner Wolke sitzen und mit erhobenem Zeigefinger alles ganz genau beobachten. Wer Böses tut muss damit rechnen vom Blitz getroffen zu werden. Und Gutes tut der, der demütig auf den Knien vor goldstrotzenden Altaren an sein ewiges Wirken glaubt, auf seine gesandten Retter hofft und seine irdischen Stellvertreter mit reichen Gaben segnet und ihnen mit fragloser Hingabe zuhört. Der Glaube kann nach dieser etwas blasierten Vorstellung von jedem selbsternannten Realisten als naives Ahnen oder blindes Hoffen verirrter Geister ausgelegt werden. Der Urschöpfer kann auf diese Weise gar zu einer Projektion affektierter Anhänger werden. Es heißt man müsse an Gott glauben, da man ihn nicht beweisen könne. Es wird sogar behauptet man könne ihn nicht sehen, oder in anderer Weise wahrnehmen. Seine Wege sollen rätselhaft sein, was bedeutet, dass man sein Tun und Handeln oder seine Motive nicht verstehen könne. Aber wie kann das angehen, wenn außer diesem Urgrund allen Daseins nichts anderes sein kann?
Der Unterschied zwischen Ahnung und Gewissheit besteht in der Perspektive auf eine Feststellung. Neutral betrachtet ist jede Wahrnehmung im ersten Moment Gewissheit für denjenigen, der sie aufnimmt. Je weiter die Feststellung den Augen des Zeugen entfernt liegt, desto mehr verliert sie an Gewissheit. Wer nicht dieselbe Wahrnehmung hat, wird das Zeugnis somit eher ungewiss nennen. So kann der Zeuge viele Worte für seine Wahrnehmung finden und dennoch ist er gegen den Zweifel anderer machtlos. Mitunter kann dies dabei helfen die eigene Überzeugung als Irrtum zu erkennen. So kann die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft kritischer Beobachter dabei helfen im Urteil bodenständig zu sein. Dabei ist vor allem die emotionale Nähe und Bindung entscheidend. Die andere Seite der Medallie sieht so aus, dass dem Urteil eines Einzelnen Gewicht genommen wird. Umso mehr, je bedeutungsloser sein Name ist. Im schlechtesten Fall wird man so einer Gruppe hörig. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann allerdings in Frage gestellt werden, wenn die Wahrnehmung des Einzelnen von den Überzeugungen der Gruppe abweicht. Die Fähigkeit entgegen den Ansichten einer Gruppe stehen zu bleiben verlangt mitunter große Kraft. Man könnte sagen, dass nur derjenige, der seine Überzeugung auf ein Felsfundament aufbaut, unangreifbar gegen sämtliche Wogen der Infragestellung durch andere Menschen wird. Bei diesem Bild kann natürlich nur die tiefe, innere Gewissheit als Fels gelten. Somit müsste eigentlich Wissen höher stehen als Glaube.
Wissen ist nach meiner Überlegung Folgendes :: Es gibt das Wissen, welches in den Aufbauten dieser Welt liegt. Die Formationen der Schöpfung sind das Wissen der Welt. Also mit anderen Worten in den Formationen der Welt liegen die Informationen des Daseins und seiner Ursprünge. Diesen Umstand machen sich alle Wissenschaftler dieser Welt bis zu einem bestimmten Grad zu Nutze. Der Grad wird momentan davon bestimmt, wie weit sich diese Wissenschaftler von ihrer sinnlichen Wahrnehmung lösen können. Da sie allein das als Realität ansehen, das sie untereinander feststellen können, kann es somit auch keinen Gott oder Geist in ihren Überlegungen geben, der ihnen allenfalls individuell vorstellig werden könnte. Sie glauben sich untereinander nur die Dinge, die sie gemäß ihrer natürlichen Wahrnehmung bezeugen können. Das macht sie leider weitgehend blind für alle Dinge, die abseits solcher Pfade auftreten. Ein einfacher Stein ist beispielsweise eine unpersönliche Gewissheit. Geschaffen und festgestellt (bzw festgelegt) aus dem Urgund allen Daseins. So liegt dieser Stein an irgendeinem Ort dieser Welt. Selbiger Stein kann zu meiner persönlichen Gewissheit werden, wenn ich ihn beispielsweise ansehe. Die Art der Wahrnehmung spielt keine Rolle, denn ich könnte den Stein auch nur ertasten oder ihn mir sogar lediglich im Geist vorstellen. Er kann aber nur zu meiner eigenen Gewissheit werden, wenn seine Existenz bereits vorher gewiss ist. Das heißt sogar mein geistiges Abbild des Steines wird nur dann möglich, wenn bereits vorher festgelegt ist, was einen Stein ausmacht. Und ich selber kann nur zu der Gewissheit um das Dasein meines vorgestellten Steines kommen, wenn ich mir gewiss bin welche Eigenschaften ein Stein haben sollte. Wenn ich von einer sinnvollen Stein-Vorstellung sprechen möchte, dann werde ich mir sicher keinen Gauda vorstellen. Schlußendlich ist also das Wissen in mir selbst vom Wissen der Welt (was nicht dem Wissen der Menschen gleichzusetzen ist) abhängig. Das was ich weiß, ist also den bereits festgelegten Informationen der Welt entnommen. So ist mein Weltbild eine weniger detailierte Kopie der Welt an sich und mein Wissen hat mit der Welt ungefähr soviel zu tun wie der Regentropfen mit dem Ozean. Das ist wichtig zu wissen, wenn man denkt die eigene Überzeugung würde den Ozean irgendwie interessieren.
In meinem Kopf ist alles, was ich wahrnehme, immer eine Form von Wissen. Sogar die Dinge, die falsch sind. Wenn ich sage der Himmel ist blau, dann weiß ich, dass mir die allermeisten Menschen zustimmen werden, falls sie gerade dieselbe Wahrnehmung besitzen. Dass der Himmel erstens eine subjektive Feststellung eines auf einem schweren, die Raumzeit dehnenden Materieobjekt stehenden Menschleins ist und zweitens nur in Bodennähe bedingt durch Streuung und Polarisation von Sonnenlicht blau erscheint, mag da zu einiger Relativierung führen. Obwohl die Aussage "Der Himmel ist blau" also vielfältig falsch gedeutet werden kann, handelt es sich dennoch um eine gewisse Information. In meinem Kopf werden sich - wie auch in den Köpfen sehr, sehr vieler anderer gewichtiger Homo Sapiens - sehr, sehr viele solcher Teilwahrheiten befinden. Sie alle bilden Gewissheiten, die wiederum die jeweilige Bildung der Person ausmachen. So könnte man sagen die Person ist nichts weiter als die Einbildung von Wissen. Oder die Person ist eine Momentaufnahme von Überzeugungen. Man kann also theoretisch die Persönlichkeit verändern, wenn man seine Überzeugungen ändert. Schauspieler verdienen sogar gutes Geld damit. Das was andere Menschen an einem wiedererkennen sind neben diversen äußeren Körpermerkmalen immer auch nach außen getragene Gedanken. Und das, was die Freuds dieser Welt zu einer Manie werden lassen, das ist das Lesen im äußeren Habitus einer Erscheinung. Denn die wenigsten von ihnen können im Geist lesen, da das voraus setzen würde, den Geist sehen oder fassen zu können. Somit begnügt man sich im Allgemeinen mit Indikatoren und hofft auf ihre Beweiskraft.
Unwissen, falsches Wissen oder Ungewissheit gibt es eigentlich nicht. Alles was einem Menschen durch geistige Schöpfung vorstellig werden kann oder was sich ein Mensch vorstellen kann, ist Wirklichkeit, Wahrheit und absolut Gewiss. Die Deutung als Unsinn, Fehler oder Ungewissheit kommt immer nur aus dem Urteil einer Person, deren Überzeugung oder Ansicht sich nicht mit denen der jeweilig anderen deckt. Auf diese Weise kann eine ganze Gesellschaft von sehr, sehr vielen Personen zu der Überzeugung neigen der Himmel sei blau. Und doch wird der Himmel da ganz anderer Meinung sein. Falsch kann Wissen niemals sein, denn Wissen ist immer besser als Gedankenlosigkeit. Eigentlich ist Wissen an sich das, was ein Dasein aus dem Nichtsein hebt. Lebendig erscheint deswegen auch nur, wer bei Bewußtsein ist. Der Inhalt von Wissen kann dagegen durchaus falsch sein. In dem Fall genauer gesagt die Interpretation der neutralen Information. Die Information selbst ist weder richtig noch falsch - sie ist einfach da. Dennoch kann Wissen auf einem Irrtum basieren. Das macht nicht das Wissen unsinnig, sondern allein die Beweggründe dessen, der dem Irrtum aufsitzt. Durch den Irrweg werden auch alle Bewegungen des Irrenden zu etwas, das Schlechtes produzieren kann. Schlechtes wie zum Beispiel ölverschmierte Möven an der bretonischen Küste. Oder von Rechthabern und Intriganten gesprengte Hochhäuser in NYC. Oder eben auch ein Weltwirtschaftssystem, das seine weltweiten Anhänger zu willfährigen Huren werden läßt. Ein Mensch kann mit etwas Ignoranz von Seiten des Unglücks gut und gern 100 Jahre alt werden. Das wird der eine oder andere für eine lange Zeit halten. Eine Gesellschaft kann sogar Jahrhunderte alt werden und auch sie wird das für eine sehr lange Zeit halten. Moderne Gesellschaften beziehen ihren ganzen Stolz meistens aus der Überzeugung eine sehr, sehr alte, weise und reich mit Wissen und Wohlstand beschenkte Gesellschaft zu sein. Und eine solche Gesellschaft kann sich mitunter Überzeugungen eingebildet haben, die solche Dinge aussagen wie :: "Gott ist eine Projektion unseres Gehirns" oder "Wahrheit gibt es nicht" oder aber "In Wahrheit sind wir gottgewollte Eliten". Kleine Kinder lernen die Schwerkraft zu schätzen, indem sie sie häufig ignorieren. Größere Menschen schätzen sie meistens auch ohne viel Einbildung und erfreuen sich am Wunder der Bodenständigkeit. Gesellschaften lernen ungefähr auf dieselbe Weise wie kleine Kinder es tun. Es sei denn sie sind von natürlicher Seite aus gesehen als erwachsen einzustufen. Denn die Attribute 'modern' oder 'vernünftig' usw werden nicht von denen geprägt, die solche Attribute irgendwie so hübsch finden.
Glaube ist immer das, was ein anderer Mensch meinem Wissen zugesteht. Je größer sein Zweifel an meinen Gewissheiten ist, desto größer wird sein Vorwurf von Naivität sein. Auf Bedachtheit oder Gewissheit gründet seine Überzeugung dagegen mit großer Sicherheit nicht, wenn meine Gewissheit größer ist als sein Vorwurf. Je größer meine Gewissheit, desto größer auch meine Sicherheit über seinen Irrtum. Wenn ich die Wahrheit kenne und dennoch seinem Irrtum folge, wird das Unheil für mich größer sein, als für ihn. Denn ich habe wissentlich geglaubt, obwohl ich ebenso gut auf meinem Wissen hätte bestehen können. Letzteres würde mitunter auch den Irren retten, wenngleich er darüber im ersten Moment vielleicht nicht so erfreut sein mag. Es gibt aber auch solchen Fall, wo man als Einzelner ziemlich machtlos den Überzeugungen einer Gesellschaft von Brüdern und Schwestern gegenüber steht. Dann kann man noch so sehr dem Ideal eines Zimmermanns folgen und wird doch merkwürdige Dinge erfahren, wenn man im falschen Umfeld von Liebe spricht. Deswegen denke ich ist immer die innere, geistige Ausrichtung wichtiger, als jede nach außen getragene Überzeugung. Und ich denke die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft oder Gruppe steht mir bei meiner persönlichen geistigen Ausrichtung mitunter mehr im Weg, als dass sie mich stützen kann. Das natürlich nur solange wie ich meine Kirche auf Sand gebaut habe. Wenn sie erst einmal auf Fels steht, kann kein Mensch und keine Gesellschaft mehr dagegen stinken. Aber warum ist dann Glaube wichtiger als Wissen?
Das Wissen ist definitiv. Man kann eigenes Wissen aus allem schöpfen, das einen umgibt und so kann auch der größte Feind und Unhold oder die allerallerschlimmste Krankheit zum Lehrer und Heiler werden. Das Problem ist, das mir alles Wissen und jegliche Gewissheit ohne jeden Sinn erscheinen wird, wenn ich nicht an ihr lehrendes Wirken glaube. Wenn ich in der Wüste stehe und in der Ferne eine Oase sehe, habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich glaube der Information, die mir visuell übertragen wird und gehe dem entgegen. Dann werde ich auch nach dem hundertsten Erkennen der Fata Morgana irgendwann etwas Oasenartiges erreichen. Oder aber ich lege mich gleich hier in den Sand mache die Augen zu und werde langsam zu einem etwas längeren Nickerchen ausholen. Im Falle der Nickerchen-Option wird der Zweifel stärker sein als die Gewissheit. Ich werde sagen ich sei zu vernünftig, um mich von einem Trugbild verleiten zu lassen. So werde ich vielleicht vernünftig sein, aber auch bald sehr tot. Wenn ich dagegen trotz hundertfacher Prüfung und dem Durchschreiten hunderter Lichtspiegelungen an das Gewisse glaube, dann werde ich wenigstens hundertmal länger leben, wie der Zweifler. Vielleicht sogar ewig. Somit ist allein die eigene Fähigkeit zu geistiger Standfestigkeit beim Erreichen von Gewissheit wichtig. Ohne den Glauben an das Gewisse werde ich niemals Wissen. Ich werde tausend Tode sterben, wenn ich alles in Frage stelle, was mich umgibt. Aber ich werde niemals irgendwo ankommen, da ich nicht glaube, dass irgendwas in meinem Tun ein Ziel besäße. Das mag zeitweilig schön sein und Spaß bringen. Vielleicht kann diese Haltung auch irgendein Rachegefühl befriedigen, das man gegen die Unerbittlichkeiten so mancher Lebensgewissheit hegt. Und doch ist alles das nichts auf das man bauen könnte. So wird man ewig mit Werden und Vergehen beschäftigt sein und nichts wird einem schlußendlich Halt geben oder Eindruck hinterlassen.
Glauben muss man schenken - Wissen muss man annehmen. Und deswegen ist jeder Gläubige ein Wissender und jeder Wissende ist ein Gläubiger. Wer nicht glaubt, der kann nicht wissen.
19 November, 2009
0031 - Nachtrag zu 0029 - Gewissheit und Wahrheit sind allein Frage des Bewusstseins
Eigentlich geht es bei der unten angesprochenen Erforschung der Hintergründe bezüglich des Gehirns und seiner Auffassung von Realität und/oder Wirklichkeit allein um die Klärung der Frage was Bewußtsein und letzten Endes was Leben ist. Die Klärung dieser Frage hängt dabei ferner nicht von Gewissheiten ab (die es sogar nach Meinung von Roth angeblich nicht außerhalb der Greifbarkeit menschlicher Auffassung gibt), sondern allein vom Bewußtsein des Erklärenden.
Das heißt der eine erklärt Bewußtsein mit einer Projektion, welche aus dem komplexen Zusammenspiel materieller Bestandteile empor steigt und gewissermaßen reiner Hokuspokus und Selbstbetrug ist. Wobei sich die Frage aufdrängt :: Was ist das Selbst? Muss es sich bei der Empfindung eines "Ich" nicht ebenso um eine Täuschung handeln? Klar kann ich diesem Gedanken ohne Weiteres folgen. Er baut trotz Scheinrealität von Sein auf die Autarkie des Individuums. Allein das Ich oder der Mensch bestimmt darüber was jemals Regel oder Norm sein wird. Wobei die Stimme des Einzelnen nur insofern zählt, als das sie gegebenenfalls zu einer Mehrheit gehört. Abweichende Ansichten werden allenfalls toleriert. Menschenrechte gehen so quasi vor alle Naturgesetze und allein der Mensch bestimmt den Lauf der Welt. So muss er natürlich auch allein Schuld sein, wenn beispielsweise das ökologische System des bewohnten Planeten irgendwelche Anzeichen von Veränderung zeigt. Der Mensch macht sich freiwillig zum mündigen Bürger und nimmt sich wider besseren Wissens um eine höhere Instanz oder deren Machteinfluß vollkommene Selbstbestimmung heraus. Allerdings, und aufgrund der bisher (zumindest von Seiten der menschlichen Gesellschaft) ungeklärten Frage bezüglich dieser Instanz, verhält man sich bis auf Weiteres gemäß einer weitgehend an den Maßstäben und Bedürfnissen einer (nach eigener Definition) aufgeklärten, vernünftigen und modernen Gesellschaft orientierten Auffassung von Ethik. Viele innerhalb der Gesellschaft werden dies sogar als unwiderlegbaren Beweis für die Ehrwürdigkeit der modernen Gesellschaft deuten. Man lebt also quasi in dem Bewußtsein einer Norm entsprechen zu müssen, um damit allmorgendlich schuldfrei in den Spiegel schauen zu können. Somit hängt die ganze Funktion und Ordnung des menschlichen Eroberungszuges über die Erde an dem seidenen Faden der eigenen Urteilsfähigkeit und des Bewußtseins jedes einzelnen Bewohners. Wird er überspannt, wird nur selten umgekehrt da man irgendwann ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Allein jene, die in dem bestimmten oder unbestimmten Bewußtsein leben, eine unsterbliche Rolle auszufüllen, sehen sich allzeit auch einer in welcher Form auch immer jenseitigen Instanz verpflichtet. Solche Leute sprechen dabei von einem Gewissen. Doch wessen sie sich gewiss empfinden, ahnen oder glauben sie vielleicht nur. Andere dagegen scheinen überhaupt kein Gewissen zu besitzen. Doch mögen sie vielleicht eher ein Gewissen anderer Größen- und Zuordnung haben. Wenn man die Worte Gewissen und Bewußtsein gleichstellt (in beidem steckt "Wissen"), kann man erkennen, dass einfach alles betreffend der Auf- und Abs in der Geschichte von der Ausrichtung des Bewußtseins von einzelnen Personen oder Gesellschaften abhängt. Wobei es nur zwei Ausrichtungen gibt :: Ins Übersinnliche oder ins Sinnliche - Himmel oder Erde.
Das Wissen in einem Einzelen wird durch die Reflexionen des objektiven Seins gebildet. Dieser Gedanke geht von einem bereits vor der Bildung des Menschen bestehenden objektiven Wirklichkeit aus und muss dies auch. So kann der Mensch nicht die Ursache von Wirklichkeit, wohl aber von für ihn geltender Realität werden. Beim Bewußtsein für eine Unzulänglichkeit wird das entsprechende Bewußtsein diese Unzulänglichkeit auf diese Weise erzeugen und real werden lassen, obwohl die Wirklichkeit möglicherweise eine ganz andere ist. Als Beipiel gelten persönliche Überzeugungen wie :: "Ich bin zu dick" oder "Ich kann das nicht". Solcherart Projektionen können eine Realität erschaffen, die an der möglichen alternativen Wirklichkeit vorbei gehen. Und damit an nichts weniger als der Selbsterkenntnis und in letzer Konsequenz der Erkenntnis des Urquells allen Daseins. Somit gilt :: Wer in den Zweifel schaut, der wird ihn in sich tragen. Und dem gegenüber trägt der eine gesunde (also eine ganzheitliche oder vollständige) Gewissheit in sich, der sich über jeden Zweifel erhebt und die Dinge anhand einer holistischen Weltsicht so sieht und deutet wie sie sind.
Das Dasein transzendeter Wirklichkeit ist aus vielen Gründen nicht einfach hinzunehmen. Genauer gesagt ist es grundsätzlich zwar einfach aber bei fehlender Einsicht sehr schwierig wenn nicht sogar unmöglich. Der Glaube an eine höhere Ordnung führt in eine freiwillige Aufgabe der eigenen Kontrollambitionen. Man sieht sich bei Anerkennung des Höheren selbst als Beobachter einer Weltlehre und wird zum mündigen Schüler einer höheren Lehre. Wer das Absolute verneint, muss zwangsläufig selbstständig seine Mündigkeit beweisen. Da Vernunft und Logik in einem solchen Fall an menschlichen Maßstäben orientiert sein müssen, kann von Schwierigkeit keine Rede sein. Man muss lediglich anerkennen, was die Gesellschaft zur Norm erklärt. Zweifelhafte oder in Frage stehende Sachverhalte werden schlicht durch Fakten belegt. Alles abseits dieses Anspruchs gilt als spekulativ und damit gleichsam im Sinne von Handfestigkeit minderwertig. Bewußtseinsbildung geschieht somit innerhalb einer geschlossenen Definition von Logik und Sinnhaftigkeit. Ein solches Bewußtsein wird auch niemals Erkenntnisse gewinnen, die (wohlmöglich willentlich) Abseits dieser geschlossenen Auffassung stehen. Eine solche Gesellschaft wird bei unvorhergesehenen Ereignissen je nach Größe des einflußnehmenden Faktors nach mehr Sicherheit streben und sich so zwangsläufig über kurz oder lang selbst in eine Opferrolle einschließen, der nur mit gemeinsamer Kraft entgegengetreten werden kann. Schlußendlich wird innerhalb einer solchen Gesellschaft auch nichts mehr als wahr gelten dürfen, das nach Ansicht der Allgemeinheit nicht als wahr gelten könne. Wahrheit und Wirklichkeit wird viel mehr selber festgelegt, erschaffen und kontrolliert. So werden Gesetzbücher oder Standardwerke bei Fernbleiben aller offensichtlichen Einflußnahmen durch übersinnliche Instanzen quasi zu goldenen Kälbern. Da aber das Augenmerk jener Gesellschaft so oder so nicht mehr auf höheren Zusammenhängen liegt, werden etwaige Einflußnahmen nur noch anhand der von Seiten des Menschen geltenden Standards erklärt. Dies führt des Weiteren zu einer Bestärkung des etablierten Bewußtseins. Häme gegen Andersdenkende, Gruppenzwänge und Zuspruch von "hellen Köpfen" tun den Rest um ein Weltbild zu bauen, welches auf der einfachen anfänglichen Überlegung steht ein von allen bösen Geistern verlassenes Individuum auf dem Weg der Selbstverwirklichung zu einer Art von "Homo Superior" zu sein. Alles zum Preis der Negierung des Einen göttlichen Sinns - dem Licht des Geistes, der dann allenfalls schlicht auf Basis eines Zufalls eine Projektion von Wissen oder Gewissen produziert, über welche sich jeder stellen kann wie er gerade lustig ist. Verbindlichkeit ist eben allein Frage des Zugehörigkeitsgefühls.
Dazu noch eine Überlegung zu John Wheelers Zitat :: "Kein elementares Phänomen ist ein reales Phänomen bis es beobachtet wurde."
Dieser Satz ist entweder fundamental richtig oder aber - je nach Deutung des als notwendig erachteten Beobachters - grundlegend falsch. Wenn man als den vermeintlich realisierenden Beobachter den Menschen sieht, muss die Aussage falsch sein, da Wirklichkeit keinesfalls davon abhängt, von einem Menschen beobachtet zu werden. Ich unterscheide dabei zwischen der Realität/Wirklichkeit an sich (also der absoluten Realität) und der individuell wahr genommenen. Letztere kann immer nur subjektiv auftreten, wenn als Grundlage eine objektive Absolutheit vorhanden ist. Diese bildet dann die objektiv geltende Wirklichkeit, die den gemeinsamen Nenner aller beobachtenden Individuen stellt. Nur auf diese Weise werden sinnvolle Systeme zur Übertragung von Information möglich. Nur mit der Grundlage einer derartig gewissen Informationsschöpfung werden solche System auch sinnvoll oder allgemein verständlich. Geometrie, Mathematik usw sind logische Systeme, deren Aufbau nicht von Menschen erdacht bzw erfunden wurden. Sondern sie wurden anstelle dessen innerhalb einer bereits bestehenden "Lehre von der Welt" herausgefunden. Dass sie dabei zu einem realen Faktor für die menschliche Weltsicht avancierten, zeigt nicht etwa des Menschen Vorstellungsrelevanz. Allein die bereits vorgegebene Ordnung bildet Phänomene, die viel mehr dem Menschen vorstellig werden. Somit ist jegliches elementare Phänomen eigentlich bereits Wirklichkeit und geklärtes Faktum bevor irgendein Mensch sich seines Daseins bewusst werden kann, und eines aus einer dem Menschen übergeordneten Realitätsebene. Dieser Schluss führt über Zwischeninstanzen von realitätsbildenden Sehenden zwangsläufig bis zu einer absoluten Beobachterinstanz deren uneingeschränkte Schöpferkraft einzig wirksam und damit gleichsam auch einzig real ist.
Wenn allein diese Instanz wirklich real ist, muss auch jede von Menschen wahr genommene Weltsicht Projektion sein. Während die Sinn-Verneinende Weltsicht allerdings von einem Trugbild ausgehen muss und in diesem Bewußtsein ein fadenscheiniges Dasein mit irgendwelchen Tatsachen aufzufüllen versucht, kann jemand mit einem mehr oder weniger bestimmten Bewußtsein für die tiefere Sinnhaftigkeit des Daseins das Trugbild als eine Reflexion des eigenen, wirklichen Ich erkennen. Einem Ich, welches fern aller menschlichen Überlegungen von Vernunft und Logik steht und in seiner Unvergänglichkeit nicht von dieser Welt ist. Das Selbst definiert sich über das Bewußtsein für dieses Ich. Nicht mehr und nicht weniger passiert bei der individuell oder mundan empfundenen Plausibilität wissenschaftlicher Fragenwelten. Richtig oder Falsch klärt sich allerdings auf andere Weise. Nämlich Intuitiv und gemäß der Ausrichtung des eigenen geistigen Bewußtseins. Da dies immer auch auf Prägungen zurückgeht, hebt sich jegliche Gewissheit in der Unverbindlichkeit des individuellen Gefühlslebens auf. Jedoch nur scheinbar, da wie bereits festgestellt die gefühlsmäßige Projektion von Realität keinesfalls der Wirklichkeit entsprechen muss. Somit steht es auch nicht in Frage was ein Einzelner oder eine Gruppe als Richtig oder Falsch ansieht, wenngleich ihr Urteil durchaus an die Wahrheit herankommen könnte. Da Richtig und Falsch und damit letztlich subjektive Wahrheit immer vom Standpunkt des Urteilenden abhängt, muss anstelle der Absolutheit von Wahrheit viel eher der geistige Standpunkt des Urteilenden hinterfagt werden. Denn der subjektive Blick ist dem absoluten immer untergeordnet, wenn man an Wahrheit oder definitivem Wissen Interesse hat. So ist Wahrheitsfindung oder Philosophie eigentlich immer eine Gewissensfrage und niemals eine Frage des persönlichen Standpunkts. Und das bedeutet ferner, dass Wahrheit oder Gewissheit bzw Philosophie niemals den Vorlieben der Mehrheit gleich kommt oder von Meinungsmehrheiten dominiert werden könnte. Deswegen spiegelt die mehrheitliche Ansicht eines Nichtvorhandenseins definitiver Gewissheiten keinesfalls eine Wirklichkeit dar, obwohl die Ansicht dennoch ein kollektives Bewußtsein bilden kann, welches dann für das jeweilge Kollektiv zur Realität wird. Verändert oder aufgehoben wird Gewissheit oder Wahrheit durch die Ansicht eines Menschen in keinster Weise. Eine Information ist immer schon dann vorhanden, wenn sich noch niemand von ihr informiert sieht. Zuerst die Schöpfung der Formation und dann die Aufnahme, Kenntnisnahme oder Wahrnehmung durch einen Uneingeweihten.
Man muss an Wahrheit beständig glauben, um ihr irgendwann ins Auge sehen zu können. Der Weg des Zweifels an übermenschlicher Wirklichkeit ist dagegen zeitweilig und so vergänglich wie kontraproduktiv. Denn aus dem Negieren von Fantasie geht jeder Weg in eine starre Beklemmung ohne jede Sinnfülle. Die Idee wonach nicht alles einen Sinn haben muss, betrifft nur den, der den Sinn nicht sehen will. Die Wirklichkeit geht immer andere Wege, als das Auge eines Menschen.
16 November, 2009
0030 - Eins plus Eins gleich Zwei ... glaub ich
Oft habe ich in Diskussionen das Gefühl mit einer einfachen, kurzen Geschichte auf Türen weisen zu können, die mit einfachen Formulierungen schlecht vermittelbar scheinen. Viele oder eigentlich alle Zuhörer jenseits des Alters pubertierender Düsterlinge haben wohlmöglich von demokratischen Belangen her ein angeborenes Widerspruchs-Gen, welches sie auch die plausibelsten Erklärungen innerhalb philosophischer Fragenwelten abwiegeln läßt. Meistens kommt es gerade in Bezug auf meine Thesen zum Vorwurf des Anachronismus. Ich kann alles das sehr gut verstehen, denn in einer Welt, die sich selbst modern nennt, muss zwangsläufig alles anachronistisch sein, was die schmale Grenzfläche des Hippen verlassen hat. Und so weise ich oft auf Türen, die dann dennoch nicht geöffnet werden. Denn es ist kein seliges Schläfchen, dass sich von Dingen verletzt sieht, die nicht erträumt sein wollen.
In der Diskussion ging es um die Frage ob Etwas (also ein einzelner Teil oder ein einzelner Aspekt) wirklich die Gesamtheit von Allem als Ursache haben muss. Bei der Meta-Thematik ging es um Gott und die Welt. Als ich sagte Etwas sei eigentlich immer ein Teil von absolut Allem, war das brüskierte Staunen über diese vorwitzige Spekulation verständlicherweise sehr groß. Wo kämen wir hin, wenn nun jeder so was sagen würde? In den meisten Fällen von ernstgemeintem Atheismus kann selbstverständlich etwas nicht wahr sein, was darauf hinweisen würde, dass das liebgewonnene "ich will" eigentlich rein gar keine Aussagekraft bezüglich von geltender Wahrheit besitzt. Allerdings so was zu behaupten läßt so manchen Überzeugten schnell zu einem aufbrausenden Bündel werden, dem dann nur noch durch Ignoranz oder eine liebe kleine Gute-Nacht-Geschichte beizukommen ist. Aber wenn ich schonmal da bin, totes Wort in den Äther poste und dabei so kindlich unbekümmert mit den Uneinsichtigkeiten meiner o wie modernen Mitmenschen spiele, ist Ignoranz wohl die weitaus weniger spaßige Methode.
Der mörderische Mathematiklehrer
Ein Mathematiklehrer hatte große Probleme seinen Schülern die Begeisterung für Zahlenlehre zu vermitteln. Die meisten sagten da sähen sie keinen Sinn drin und es würde ihnen reichen, wenn sie Grundwissen anwenden könnten. Sie mochten nicht diese abgehobenen Überlegungen und wollten mehr Bodenständigkeit. Sie wollten ja nicht in die himmlischen Sphären aufsteigen, die der Mathematiklehrer dereinst in seinem Studium bereisen musste. Der Mathematiklehrer verstand das Verhalten nicht. Er glaubte, dass man die ganze Welt mit Mathematik erfahren und ergründen könnte. Zudem hatte er nur Bewunderung für die unweigerlichen Sicherheiten, die sich in der Mathematik überall darstellten. Aber den Schülern war das alles zu langweilig und gesicherte Ergebnisse oder unanzweifelbare Operanden wollten sie nicht sehen, weil sie lieber über Blumen diskutierten, über richtig und falsch oder die Abstufungen von Grau stritten.
Dann kam ein Neuer in die Klasse. Er war sehr dumm und kannte sich in Mathematik überhaupt nicht aus. Er fragte den Mathematiklehrer ob er ihm die höchste aller möglichen Zahlenwerte benennen könnte. Der Lehrer lachte und sagte, dass man so eine Zahl nicht benennen kann, da man immer wieder eine noch größere Zahl benennen könnte. Der Schüler wunderte sich. Er wurde zwar dumm genannt, aber er war auch ein sehr guter Träumer. Er fragte den Lehrer wie es sein könnte, dass es Zahlen gäbe, aber nicht eine absolute Gesamtmenge aller denkbaren und nennbaren Zahlen? Wäre das nicht ein sehr merkwürdiger Widerspruch? Nein sagte der Lehrer, denn die höchste nennbare Zahl muss man nicht kennen oder aussprechen können um ihre einzelnen Zahlenwerte zu benennen. Man muss weder die Eigenschaften dieser absoluten Zahl noch ihre Dimensionierung oder auch nur ihren Daseinsort wissen, um Zahlen benennen zu können. Und das obwohl alle anderen Zahlen erst durch ihr Dasein als Gesamtmenge heraus begreifbar werden. Es reicht völlig aus an das Dasein der Gesamtheit aller Zahlen ganz, ganz fest zu glauben. Dann wäre jeder Zahl sofort ein Sinn zugewiesen und alles wäre hübsch ordentlich. Und dann sagte er noch der dumme Schüler solle nicht so viel denken.
Der Schüler dachte aber eine ganze Schulstunde darüber nach und bekam nichts mehr vom Mathematikunterricht mit. Dann gab's mal Pause und der Schüler ging zum Mathematiklehrer. Der las gerade ein sehr wichtiges Buch über Die Nichtigkeit des Seins, des Universums und dem ganzen Rest. Da sagte der Schüler er kenne die absolute Zahl und könne sie auf der Stelle sofort benennen. Der Lehrer schrie auf, schlug eine Hand vor den Mund und errötete voller Neid und Missgunst. Dann ließ er es wieder und fragte wie die Zahl denn lauten würde. Der Schüler sagte die absolute Gesamtheit aller Zahlenwerte lautet :: Eins. Denn in der Eins sind alle Zahlenwerte enthalten und aus der Eins heraus sind alle Zahlenwerte ableitbar. Nur durch das Benennen der Eins wird jedwede Zahl überhaupt definierbar und mit einem Sinn versehen. Aber wiederum ist die Eins nur dann eine legitime, absolute Ursache aller Zahlen, wenn sie sich freiwillig und selbstlos teilt. Das Beharren auf der Einheit würde dagegen überhaupt nichts bewegen oder verändern und alles wäre ewig ein und dasselbe und ein ständiger Kreislauf um selbstbenannte Sümmchen.
Die Schüler hatten vor dem Klassenzimmer heimlich mitgehört und als sie den doofen Neuen so reden hörten, da wurden sie sehr böse auf ihn. Sie waren sich nämlich sehr sicher nicht ein und dasselbe zu sein und immer, immer von Neuem das gleiche zu tun. Sie waren nämlich sehr, sehr klug und er war sehr, sehr dumm. Da holten sie eine Handvoll Nägel, einen Hammer und begannen irgendwas sehr Seltsames mit zwei gekreuzten Baumstämmen zu tun. Dann schlichen sie sich langsam von hinten an den doofen Neuen heran und fingen ihn ganz doll. Der sagte noch etwas zu seinem Papi, der aber gar nicht da war, wie sie alle ganz sicher bezeugten, als die Polizei später sehr viele offene Fragen und einen bitteren Tafelschwamm vorfand.
Der Mathematiklehrer warf sein Buch in den Kamin, warf eine Atombombe auf die Schule und seine Universität und machte eine kostspielige Weiterbildung zum Haarespalter.
ENDE
Sicher ist das kein großes Hollywood. Was diese Geschichte aussagen soll, wird jedem klar sein, der ein Auge hat zu sehen und Ohren hat zu hören wie mal jemand sehr Sonderbares so schön sagte. Ich glaube er war ein sehr bekannter Zimmermann.
15 November, 2009
0029 - Wo der Applaus mehr wiegt als die geltende Wahrheit ist das Theater nicht fern
Vor kurzem wurde ein mir bekannter Philosoph in der Scheinöffentlichkeit eines Internet-Forums als Anfänger betitelt, weil er was unglaublich Lächerliches sagte. Auf die Frage ob es einen Beweis für Gott gäbe, sagte er leider, dass der Beweis das sei, was der Schöpfer aller Dinge erschuf. Also meinte er wahrscheinlich, dass die Schöpfung der unumstößliche Beweis für des Schöpfers Dasein sei. Das brachte Argwohn in die Antworten der weisen und viel besseren Philosophen des besagten Forums. Sie können sich glücklich schätzen nicht mehr an Dinge glauben zu müssen, die schon andere vor ihnen als Blödsinn erkannt haben. So müssen sie wenigstens nie mehr Denkfehler machen.
Der viel belächelte Philosoph, der das oben einzuwerfen gedachte, war natürlich meine Unzulänglichkeit selbst. Meine Antwort auf die Betitelung als Anfänger der Philosophie begegnete ich mit einem Glückwunsch. Denn ich beglückwünschte mein Gegenüber zu der Weisheit, die der Mathematik die Gesamtheit aller Zahlen absprechen kann, ohne sich dabei dämlich vorzukommen. Das war selbstverständlich eine Allegorie auf eben solch philosophische Ergüsse, die eine Absolutheit von Wissen, Weisheit und Wahrheit verneinen. Im Stillen frage ich mich in mancher sonnigen Stund wie jemand sich Wissenschaftler oder Philosoph (Weisheitsliebender) nennen kann, wenn er nicht an Wahrheit oder Wissen glaubt. Manch modernistisch verbrämter Wissenschaftler wird sagen Wissen sei allein das, was man im Kopf habe. Dass sich das, was in seinem Kopf so anspruchsvoll als Wissen bezeichnet werden will, nur durch die Sammlung äußerer unpersönlicher Wahr- und Gewissheiten zu solchen Eitelkeiten aufschwingen kann, muss ihm irgendwie entgangen sein.
In einem sehr interessanten Artikel im Bremer Weser Kurier vom 1. November gab es unter der Rubrik "Sonntagsspaziergang" vom Leid eines klugen Kopfes der Neuzeit namens Gerhard Roth zu lesen. Ein Mann wohlgemerkt, der als Hirnforscher und Philosoph bezeichnet war. In der Zweitüberschrift stand dann auch das entlarvende Zitat "Eine Wahrheit, [...] gibt es nicht". Da ich von Natur aus der Belustigung zugeneigt bin, las ich den Artikel trotz oder auch gerade wegen meiner Verwirrung um die Widersprüche, welche sich allein aus der Berufung des Mannes und seiner Aussage erlesen ließen. Wahrheit oder eben auch Gewissheit würde sich nach dem Urteil des klugen Herrn Professors allein aus der Einbildung des Hirns herleiten. So weit so gut, dachte ich. Denn an dieser Überlegung ist nicht wirklich alles Falsch. Da sie - und dessen bin ich mir auch als Mathematik-Abstinenzler sehr eindeutig gewiss - nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann/ist. Denn wenn es so wäre, wie Herr Roth es aussagt, dann wäre nicht nur jede Mathematik eine bessere Häkelbeschäftigung, sondern auch das Dasein selbst wäre allein ein Trugbild. Dass die subjektive Weltsicht jedes einzelnen Menschen zweifellos wahr ist, kann ich eindeutig unterschreiben. Aber ist erstens nicht auch dies bereits eine definitive Wahrheit und zweitens die Möglichkeit von Interpretation ein eindeutiger und definitiver Verweis auf eine höhere Wahrheit?
Eine weitere Unterscheidung zeigte mir zum sicherlich Millionsten Mal wie tief verstrikt unsere Moderne in Zwiespältigkeiten und persönliche Überzeugungen abseits jeder unpersönlichen Wahrheit steckt. Herr Roth unterscheidet nämlich zwischen Wirklichkeit und Realität. Genauer genommen unterscheidet er zwischen einem wirklichen Gehirn, das jeder weitgehend vollständige Mensch vermutlich irgendwo zwischen seinen Ohren spazieren trägt. Das reale Gehirn sei dagegen der Baumeister der wahrgenommenen Wirklichkeit. Letzten Endes läuft diese Überlegung auf ein Gehirn hinaus, welches sich eine Wirklichkeit nur vorstellt. Demzufolge wäre es dann so, dass jegliche Information, die in das Gehirn einfließt auf Traum und Trug stünde. Das mag gar nicht so weit hergeholt sein. Demzufolge wäre es aber auch so, dass die ganze Welt einschließlich aller Menschen, aller Coca-Cola-Automaten, alle Autos, alle Banken, Bäume, Hunde und unkrautvertilgende Regenwürmer neben allen Sternen, Galaxien und Vororten von Berlin lediglich in meinem Gehirn bestünden. Denn nur ich bin hier geradeeben derjenige, der sich diese Dinge vorstellt. Vom Leser einmal abgesehen. Und ich vermute mal ein ganz, ganz kleines bißchen, dass der eine oder andere Hund sich diesem Gedanken aufs unangenehmste Geratewohl erwehren würde, wenn er davon lesen könnte. Denn aus meiner Gewissheit heraus gesprochen, die ich nebenbei ohne autorisierte Akademie gewinnen durfte, hängt die Wirklichkeit des Kosmos keinesfalls von meinem "realen Gehirn" ab. Es ist mir nebenbei beim Lesen des besagten Artikels ganz beiläufig klar gewesen, dass das von Roth so bezeichnete "reale Gehirn" von jedem normalen Menschen als Geist bezeichnet wird. Nur Geister gibt es ja nach wissenschaftlichem Stand der Dinge nicht. Was aber viel wichtiger ist, das ist die unumstößliche Sicherheit meinerseits, die aussagt :: Diese Weltwerdung hängt nicht von der Konstruierfreude meines Geistes ab. Berlin wird auch dann samt allen Vororten da sein, wenn ich mal gerade für fünfeinhalb Komma vier-zwei Minuten an was ganz anderes Denke. Also muss es nach meinem anfängergetrübten Dafürhalten eine Wirklichkeit geben, die abseits meiner Erfahrung steht und mir somit in genau diesem winzigkleinen Moment zu hundertprozent transzendent d.h. übersinnlich ist. Was soll an dieser Aussage bitteschön so kostspielig sein? Ist es wirklich dermaßen satanisch oder hinterwäldlerisch an Etwas zu glauben, dass sinnlich nicht erfassbar ist? Natürlich kann ich gleich Berlin googeln, oder ich fahre einfach persönlich hin und schon werde ich die "vermeintliche" Übersinnlichkeit des Ortes hinweg spülen. Aber es geht nicht um das potenzielle Feststellen einer Wahrheit, sondern um die Wahrheit selbst. Wer nicht an Wahrheit glaubt, der kann sie nie und nimmer finden oder benennen. Wie sollte man so jemandem also glauben können? Stellt sich letztlich die Frage :: Weiß Berlin, dass es Berlin heißt?
Die Aussage es gäbe keine Wahrheit ist so unsinnig wie die Aussage alles sei relativ. Denn wie kann die Gesamtheit von Allem jemals relativ sein? Ich denke gerade in letzterem Ausspruch zeigt sich die Borniertheit unserer von sich selbst eingenommenen Moderne, die allein die Dinge für real und wirklich hält, die sie irgendwie sinnlich erfassen kann. Dass sie dabei in jeder wachen und träumenden Stunde zu jedem Zeitpunkt den Geist nutzt, ist ihnen allenfalls ein Hinweis auf das Rätsel des Lebens. Niemals aber wird jemand einmal so was Merkwürdiges sagen wie :: Der Geist ist der einzig wirkende und bewegende Faktor in dieser Welt. Denn würde er so was tun, würde man ihn als Priester beschimpfen und ihm ein bißchen mehr Stille und Einkehr verordnen. Vielleicht würde man ihm kurz darauf die Priesterwürde sogar wieder aberkennen und ihn Fanatiker oder sogar Terrorist nennen. Bekanntlich sind Scheiterhaufen schneller aufgestapelt und entzündet, wie ein dummer, kleiner Mensch das ABC lernt.
Wie Herr Roth ganz richtig erkannt zu haben scheint, ist moderne Schulwissenschaft nicht an Wahrheit interessiert, sondern an Plausibilität. Genau hier sehe ich persönlich das Problem der als Wissenschaft bezeichneten Geistesschule. Es wäre vielleicht dem Erkennen von Wahrheit, Wirklichkeit und Gewissheit förderlicher, wenn man weniger dem Applaus der Kollegen und mehr der höheren Gewissheit zugeneigt wäre. Diese Zuneigung wäre allerdings der Todesstoß für jene vermeintlich so moderne Denkschule, die allein das als Gewiss akzeptiert, was sich verständlich weiterreichen läßt. Wahrheit ist geistig begreifbar. Was sie einem Menschen aber ganz sicher niemals sein wird, das ist vermittelbar. Ich denke dies ist aus gutem Grund so entworfen, denn jeder Mensch muss so immer aus eigener Erfahrung lernen und muss sich niemals dem Diktat eines wirtschaftskräftigen oder waffenstarrenden Lehrers beugen. Und gottlob sind die Gedanken frei.
September 2009
25 September, 2009
0028 - Ich schaltete das Licht an, und ich sah, dass es gut war
Ich habe in der Vergangenheit nie ganz verstanden, wieso Menschen einen Menschen zu Gott umdeuten. Auf diese Weise war Gott für mich irgendwie nie glaubwürdig, denn wie kann ein Mensch Gott sein? Da ich nicht an Zauberer glaube, die ausschließlich Gute Dinge wirken können, war ich irgendwann gezwungen selber heraus zu finden wer und vor allem wo dieser Gott sein könnte, von dem alle reden. Ich beginne meine Suche Rückwärts aufzurollen.
Zuerst einmal sah ich mir die Welt an. Ich habe mir versichert, dass sie gut sei. Das heißt ich habe nicht angefangen zu sagen Sonnenlicht ist ganz was Tolles, aber Mondlicht was ganz Böses. Ich habe versucht alles als Einheit zu betrachten und nicht zu verurteilen. Diesen Blick musste ich geistig tun, da ich als Mensch unmöglich die ganze Welt in einem Einzigen ansehen konnte. Was ich dann sah hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem, was die Wissenschaft heute als den Keim des Urknall-Szenarios deutet. Nämlich eine absolute Einheit aller Dinge einschließlich Raum und Zeit. Der alleinige Unterschied, den diese von mir betrachtete Einheit aufwies, war die Tatsache, dass sowohl innerhalb, als auch außerhalb (nämlich durch mich selber repräsentiert) Geist vorhanden war. Das ganze Gebilde vor meinem Auge war selbstverständlich nur ein Traumbild, aber ich sah es und es war für den Moment eine reale Erfahrung. Ich schwebte sozusagen geistig über einem absoluten Nichts und sah etwas an, das von allem erfüllt war, was ich mir jemals denken würde können. Das Nichts sah ich nicht, weil es für mich in diesem Fall keine Rolle spielte. Das Nichts war schlicht das, was ich nicht bedacht hatte und so war es ungeordnet, unzugeordnet und chaotisch. Doch in mir selbst war ich vollkommen präsent, unvergänglich, unantastbar und sowohl allgegenwärtig wie auch allmächtig. Denn ich konnte meine von mir angesehene Einheit von nun an wandeln und verändern wie ich es wollte.
Leider passierte als ich das tat Folgendes :: Als ich die Welt in ihrem absoluten Zustand der Einheit zu verändern begann wurde diese Einheit mit Makeln belegt, die dieser Welt von nun an unumgänglich wurden. Sie besaß plötzlich eine zeitliche Sequenz und eine räumliche Dimension. Wohl gemerkt, war diese Dimensionierung sowohl zeitlich wie auch räumlich immer noch als reines Abbild in meinem Geist vorhanden - und dennoch war mir alles völlig real. In der Welt bildeten sich kleine Abbilder von konkreten Ideen, und Nebel von vergangenen und kommenden Ideen und alle besaßen wegen der räumlichen Tiefe zwei Seiten. Und wegen des zeitlichen Verlaufs waren auch alle diese Dinge von einem trägen Fluss erfasst, der sie über unendliche Zeitabstände hinweg immer in einem unscharfen Flimmern von Sein und Werden hielt. Alle diese von mir betrachteten Ideen hatten eine Seite, die ich sah und eine Seite, die im Schatten lag. Und da begriff ich, dass ich mittlerweile selber ein Teil dieser Welt geworden war. Und somit stand ich auch nicht mehr über allem wie ich es vorher tat. Ich war nun ein bewußter Teilnehmer. Ich war in meinen eigenen Traum abgestiegen und ein Spielball aller Ereignisse, die ich selber begründete. Ich befand mich plötzlich in einem Zwiespalt. Sollte ich wieder zurück gehen und Herr über meine Schöpfung spielen, oder sollte ich sie einfach durchstreifen und Dinge erleben? Ich empfand mein Sein im Diesseits keinesfalls als Qual und ich wußte erstens, dass ich mich nur in meinem eigenen Traum befand, und dass ich andererseits jederzeit aus ihm aussteigen könnte. So löste ich den Zwiespalt in mir durch mein einfaches Bewußtsein für meinen Ursprung.
Als ich dann nach langer Zeit auf eine meiner vielen Ideen blickte, da wollte ich ihr ein Bewußtsein schenken, um zu sehen ob ich auch in einer geringeren Form zu mir selber zurückfinden könnte. Ich wollte wissen, ob die von mir erdachte Kreation sich selber bewußt und zusätzlich ihrem Ursprung bewußt werden könnte. Also teilte ich meinen Geist mit dieser Kreation und sie bildete Grundbausteine und daraus Minerale, Pflanzen und später auch Tiere. Ich mochte die Ordnung aller von mir angesehenen Dinge und wie alles ineinander griff. Das zeigte mir, dass ich etwas rundum Gutes erdacht hatte. Ich sah aber auch ein, dass zu all diesem Geschehen das Leiden und Lernen des Geschaffenen unumgänglich dazu gehörte. Ebenso wie schon die Zeit und der Raum für das Erschaffene unumgänglich und unumkehrbar wurde, als ich es geistig aus dem chaotischen Zustand des Nichtseins hob. Dann irgendwann geschah etwas, dass ich so nicht hatte kommen sehen. Mein Geist außerhalb des ganzen Geschehens wußte allerdings, dass dies passieren würde, denn er überblickte das ganze Gebilde aus einem Augenblick. Was ich innerhalb der von mir erdachten Welt sah, war die Entstehung einer Kreatur, die ein Bewußtsein aus dem schieren Sammeln von Information erhielt. Information deren Ursprung ich war, als ich außerhalb all dessen war. Ich bemerkte, dass diese erstaunliche Kreatur in viele Zweifel verstrickt war und sich mit vielen inneren und äußeren Kämpfen abtrug. So entschied ich meinen Ursprung zu fragen ob es richtig sei die Ordnung der Welt als Wegweiser für das Bewußtsein dieser zwiespältigen Kreatur zu nutzen. All das nur, damit sie ihr Augenmerk weniger auf die Schatten und mehr auf das Zusammenspiel von Licht und Schatten wenden würde. Denn nur so würden die kleinen Geister auch wieder die Einheit dessen erkennen das der Ursprung ihres Daseins bildet. Als ich in eine ihrer Kreaturen meinen Geist absenkte und zu reden begann, zweifelten sie nun auch mich an. Sie hatten über viele Jahre hinweg ganz eigene Ursachen für ihr Dasein gesucht und auch gefunden. Letzten Endes waren alle diese vermeintlichen Ursachen der Hauptgrund für alle ihre Zwiespalte und Kämpfe. Doch als nun ich versuchte auf den zu weisen, der mich sandte und all dies verantwortete, da wurden diese Kreaturen böse und verdammten mich. Dann ächteten sie mich und meinesgleichen und gaben mich verloren. Nur wenige waren in meinem Bewußtsein um die Ursache aller Dinge und den Kern der ganzen Weltidee. Alle anderen sahen nur ihren Vorteil oder ihren Zweifel.
So geschah es viele tausend und viele zehntausend Male öfter. Ich litt zwar unter der ständigen Ablehnung und Verdammung durch die Kreaturen, aber ich sah, dass immer wieder einzelne aus dem ganzen aufwachten und sich ihres Ursprungs wirklich bewußt wurden. Sie erkannten, dass niemals ein Ding aus ihrer eigenen Welt der Ursprung für die ganze Welt sein konnte und dies allein einem Geist zuzuschreiben war, der außerhalb und innerhalb, also sowohl in ihrem relativ realen Diesseits als auch im absolut realen Jenseits die Urquelle aller gebildeten Information war. Alle diese kleinen Geister wuchsen und durchstiegen die Informationen ihrer Welt, bildeten daraus das Wissen ab, welches ich von außerhalb begründete. Und als sie es so annahmen geistig durchdrangen und widerspiegelten wurde ihnen klar, dass sie ICH waren, denn ihr Geist und Denken war durch mich begründet und so auch ihr Handeln, Hoffen, Lieben und ihr Streben nach Weisheit. Und so entschied sich auch nach unendlich viel vergangener Zeit der letzte Splitter meiner Selbst die Wahrheit all dessen anzuerkennen und das Wissen um den Ursprung seines Daseins auzunehmen. Jener war der allergrößte Zweifler und unheilvollste Dämon im von mir geschaffenen Traumbild. Er war es, der den kleinen Geistern all die Jahre vorgespielt hatte der Herr über all das zu sein, was sie sahen. Er hatte das nur zu seinem Vorteil getan und damit sie ihm Dank und Lob bringen würden. Wenn sie es nicht taten, dann warf er Blitze auf sie, strafte alle Zweifler mit Krankheit und Tot und sonnte sich im Unheil, das er über die Welt brachte. Denn niemand schien ihm die Stirn zu bieten. Er hatte so zeitweilig mehr Anhänger als ich und erst als er merkte, dass er aus mir gekommen war, konnte er seinen Zweifel überwinden und wieder zu mir zurück kommen. Hätte er es verweigert, dann hätte ich auf ihn gewartet, denn die Zeit, die er zur Umkehr benötigt hätte, hätte ich bestimmt. Denn ich begründete alles einschließlich Raum und Zeit. Dann wurde alles dunkel, die Grundbausteine zerfielen, als ich die Sammlung aller Dinge vorantrieb. Die Sonnen erloschen, rissen Löcher in die Unendlichkeit und lösten den Raum auf mit dem auch die Zeit erlosch und nur noch ein einziges Jetzt bildete. Denn aus einem Jetzt war alles gekommen und in einem Augenblick war es wieder vergangen. Als ich die Augen öffnete war ich eins mit allem was ich je erschaffen hatte und alles war gut.
Als Gott den Menschen nach seinem Bild schuf, da war sein dazu genutztes Medium sein eigener Geist. Und weil das so ist, kann ein menschlicher Geist ebenso schöpferisch tätig sein, wie er. Allein die Quantität des Erschaffenen unterscheidet sich dabei von der Schöpfung des absoluten Ursprungs von Allem. Vielleicht erkennt der eine oder andere wo ich und wen ich als Gott sehe. Nein, nicht mich! Ich bin nur ein Teil einer größeren Wahrheit. Aber in mir steckt der Keim zur Erkenntnis all dessen was mich umgibt. Ich muss nur in mich hinein hören, mein Gewissen prüfen und vor allem die menschlichen Augen schließen. Sehen werde ich die Welt nur durch das geistige Auge, denn nur auf dies und aus diesem kommt alles an. Aber erkennen werde ich Wahrheit nur dann, wenn ich aufhöre Urteile abzugeben oder Anteilen der Wahrheit zu größerer Ehre zu verhelfen. Man soll niemals den anbeten, der im Detail steht, sondern das absolut Gesamte. Ein Mensch - egal wie sehr er im Geist der Ursache steht und lehrt - kann immer nur ein Weiser Lehrer des Weges sein. Niemals ist der Wegweiser aber das Ziel der Reise.
Als ich diesen Text oben in einem christlichen Forum postete, wurde ich im Folgenden zu einem klaren Bekenntnis gedrängt, das inhaltlich Jesus seinen Charakter als Gott und Mensch zugestehe. Ich kam dem nach. Ich kam dem sogar ausführlich nach. Ich sagte, dass Jesus unzweifelhaft Gott und Mensch ist, denn (das sagte ich nicht) jeder Mensch ist Gott und Mensch. Ich wurde dennoch aus dem Forum verbannt, denn es gibt viele Orte in der Welt in denen man nicht sagen darf, was man denkt. Und Leute verstehen Dinge auch dann nicht, wenn sie direkt davor sitzen - so wie bei einer roten Ampel, einem Stauende oder Bahnschranken.
24 September, 2009
0027 - Wer da lästert dem Geist wird auf ewig verdammt sein und kein Heil wird ihm zuteil
Hui das klingt jetzt aber einschränkend, oder? Und wer ist eigentlich dieser böse Vormund, der mir ein Heil abspricht, wenn ich dem Geist spotte - Geister gibt's doch gar nicht.
Ich denke manch moderner Mensch glaubt manchmal mit dem Begriff Esoterik ein Schlagwort in den Händen zu haben, welches ihm die Möglichkeit bietet schnell und effektiv gegen "Ratio-Unterwandernde" Sachen anzugehen. So quasi wie mit einer Abrissbirne für alle Fälle von der es ja viele gibt. Bei Esoterik soll es sich nach allgemeiner Ansicht um außersinnliche Dinge handeln, die schlicht immer teuflisch sind. Mag überzeichnet sein. Tatsache ist, dass Esoterik eine Geisteswissenschaft ist, denn ihr ganzer Inhalt besteht aus geistigem Streben nach Vollständigkeit oder Einheit. Das heißt jeder Student und Schüler strebt eine esoterische Vervollkommnung an und jede Universität ist eine esoterische Geistesschmiede. Wem diese Selbstvervollkommnung teuflisch oder satanisch erscheint, hat ein merkwürdiges Problem. Okkult oder außersinnlich ist an geistiger Sammlung wahrlich überhaupt nichts. Denn jeder Mensch nutzt den Geist. Wie soll also daran etwas okkult (verborgen, geheim) oder außersinnlich sein? Der Geist ist der Sinn schlechthin, denn ohne diesen Sinn machen alle anderen Sinne überhaupt keinen Sinn.
Zur Frage des Okkulten bleibt zu sagen, dass der Geist eines anderen Menschen natürlich allen Augen verborgen und geheimnisvoll erscheinen mag. Solche Dinge sind natürlich auch immer potentiell bedrohlich bzw gefährlich. Aber das können nur Leute denken, die vor allem Angst und Panik kriegen, das sie nicht einschätzen und kennen können. Leute ohne das Vertrauen in die ethische Auffassung eines anderen Menschen. Skeptische Beobachter, die sogar sich selbst nicht über den Weg trauen und am liebsten der ganzen Welt Kontrolle und Zwang aufsetzen möchten. Leute die sagen der Mensch sei unfähig selbstständig zu denken und dabei auch noch zu richtigen Schlüssen zu gelangen. Eben solche Leute gelten heute komischerweise als das Parademaß des rationalen Denkers. In der Moderne gilt es als rational alles in Frage zu stellen, was man nicht beweisen kann, selbst dann, wenn damit der eigene Geist und Sinn negiert wird. Kein Wunder in was für einer Welt wir leben, in der es Geister partout nicht geben darf. Ich für meinen Teil sehe darin eine pathologische Zwangsneurose und keineswegs Rationalität. Wie komme ich nur darauf?
Der Buddhismus hat zum Beispiel sehr große esoterische Anteile, da es dort eigentlich überwiegend um die innerliche Kontemplation geht. Dort steht nicht jemand vorn auf nem Hocker und redet von Heil und Segen, und die Anhänger dieser Schule suchen das Heil und den Segen auch nicht auf der anderen Straßenseite. Eine wirklich esoterische Philosophie schaut im demütigen Eigenen nach Heilung. Was übrigens keineswegs heißt, dass diese Leute kein Selbstbewußtsein beim Blick ins Innere haben. Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein ist sogar sehr wichtig, um beim Blick ins Geistige auch sinnvolle Schlüsse zu ziehen. Es gibt nebenbei einen Unterschied zwischen Egozentrik und Selbstbewußtsein. Die meisten der sogenannten "Eso-Zirkel" und NewAge-Schulen sind alles andere als esoterisch, weil sie dort überwiegend auf die Segnungen irgendwelcher Licht-Engelchen und außerirdischer Heilande (Stichwort Channeling etc) warten. Leute die dort anlanden sind vielleicht egozentrisch, aber deswegen noch lange nicht selbstbewußt. Und solche Leidenden suchen also auch das Heil nicht in sich, wo es von Leere und Kälte nur so klappert. Sie suchen und warten auf das Heil im äußeren Geschehen. Damit sind sie bestenfalls Exoteriker. Und sie teilen sich diesen Begriff übrigens mit anderen, die ihrem eigenen Geist nicht trauen möchten - also dem modernen Menschen mit seiner hochlebenden Ratio schlechthin.
Das Esoterische allgemein zu verurteilen ist also durchschaubar dämlich, weil man damit allein sein eigenes geistiges Potential in Frage stellt. Genau genommen stellt man es nicht nur in Frage, sondern man unterstellt sich den Segnungen eines äußeren, hoffentlich gelehrten und weiseren Führers. Falsch ist das nicht, es sei denn der Führer weiß nicht was er lehrt. Oder aber er lehrt etwas, das nur er weiß, was ebenso schlecht ist. Glaube ist bei Exoterikern das oberste Motto und Wissen wird nur einem Meister oder Professor zugeschrieben. Wer seinem eigenen Geist oder dem Geist eines anderen nicht traut, der kann auch nicht an die Vollkommenheit des Seins glauben. Aber wer nicht an diese Vollständigkeit glaubt, der kann diese Welt auch nicht heilen oder auch nur verbessern. Ganz egal wie rational und aufgeklärt er sich nennt. Ohne Weisheit ist Wissen ziemlich witzlos, was man, geistreiche Augen vorausgesetzt, in jedem Lehrbuch nachprüfen kann.
15 September, 2009
0026 - Die Bank gewinnt immer - es sei denn DU bist die Bank
Ein momentan verwendeter Wahlslogan, der da lautet "Reichtum für alle" brachte mich zu folgendem Gedankenspiel. Mal angenommen auf der Welt lebten 1 Millionen Menschen. Wie macht man alle Menschen glücklich? Erster Ansatz :: alle Menschen sollen Geld bekommen, damit die Wirtschaft mal so richtig in die Gänge kommt und Wohlstand und Fortschritt gedeihen.
Also ..
1.000.000 Menschen haben alle nur 1 Euro Das heißt 1.000.000 Menschen sind arm.
1 Mensch hat 999.999 Euro und alle restlichen teilen sich 1 Euro Das heißt einer hat die Macht über alle anderen.
1000 Menschen haben 999 Euro und 999.000 Menschen haben 1 Euro Das heißt der Reichtum weniger wird auf der Basis der Armut vieler möglich.
1 Millionen Menschen haben jeweils 1.000.000 Euro Das heißt Inflation.
1 Millionen Menschen haben zusammen 1.000.000 Euro Das hieße Wohlstand für alle, aber Sinnlosigkeit des Geldes.
Nach dieser Überlegung ist Geld nur durch seine erneute Rückordnung als einfacher Wert-Repräsentant zu einer Aufwertung der Gesellschaft und dessen Wohlstand fähig. Denn wie man es auch dreht und wendet :: Das Geld-System funktioniert immer nur dann, wenn ein paar wenige mehr besitzen, als alle anderen. Geld kann nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn künstlich Ungleichheiten geschaffen werden. Das heißt im Gegenzug, dass der Sinn des Geldes darin liegt dem Menschen das Gleichheitsrecht zu enteignen. So gesehen ist die Grundlage aller demokratischen oder gerechten Lebensweisen - nämlich die Gleichheit jedes Individuums - in einem Geld-System pure Täuschung. Diese erschließt sich komischerweise immer nur dem, der kein Geld besitzt und sie wird von dem vergessen, der genug oder sehr viel davon besitzt. Wie soll dann Wohlstand, der auf einem Monetarismus aufbaut, jemals funktionieren? Der Fortschritt, der aus einer solchen Kultur wächst, kann niemals die Menschheit als Ganzes erfassen. Er erfasst immer nur denjenigen, der nach dem Geld fasst - und WIE er danach fasst, bleibt ihm überlassen.
Erst, wenn das Geld in seiner Bedeutung zurücksteht, kann es einen allgemeinen und wirklichen vor allem aber einen beständigen und nachhaltigen Fortschritt geben. Alles andere ist Budenzauber.
14 September, 2009
0025 - Der Träumende sieht die Welt, der Wachende kontrolliert sie
Nur in Hollywoods schlechtesten Beispielen für einfallslose Schaffensfreude entspinnen sich bombastische Handlungsbögen aus lächerlichen Grundzutaten. Das dachte ich jedenfalls immer. Beim Gedanken an den Tag der größten Antiterrorwerbekampagne geisterte der Hollywood-Vergleich omnipräsent durch das Gezwitscher der damaligen Kommentare. Und ich denke mir mit jedem Tag, der seitdem vergeht, immer öfter wie unglaublich lächerlich doch die gesamte Inszenierung war. Wenn vielleicht auch ein sogenannt "seriöser" Nachplapperer des offiziellen Kanons mit dem Verweis auf die Lächerlichkeit so manch anderer alltäglicher Ereignisse und die Lächerlichkeit des Lebens schlechthin aufschlagen würde - mich läßt das Gefühl nicht los, dass hier eigentlich sehr leicht und ohne viel Überlegen zu erkennen ist wo die Komödie spielt.
Als vor kurzem zwei Tanklastwagen in Afghanistan gekapert und mutmßlich als Bombe gegen deutsche Stellungen geführt werden sollten, da ging im Folgenden ein Aufschrei durch die Welt. Der Deutsche hat gewagt das zu tun, was er allen anderen schon so lange vorwirft. Er hat ungewohnt unbürokratisch schnell reagiert und dabei dummerweise fast 100 Zivilisten zerbombt. Ich lernte, dass man nicht nur zwischen Taliban und Zivilist unterscheiden muss, sondern auch, dass ein Krieg nur dann ein Krieg ist, wenn er gegen ein Land und dessen Armee nicht aber gegen eine Organisation geführt wird. Nachdem sich alles schon wieder langsam zu setzen begann und ich in den folgenden Tagen wieder einmal das übliche, endlose Gezwitscher aufnehmen konnte, dachte ich an den Auslöser all dieser Dinge. Ich wurde mir bewußt, dass der gesamte Handlungsbogen, der die Welt in Afghanistan und Irak zu unzähligen Bauernopfern getrieben hatte, in jedem Baumarkt oder Bastelshop zu finden ist. Denn der Auslöser all dieser Dinge ist nichts anderes als ein einfaches Teppichmesser. Dies soll nach der Darstellung der "Untersuchungskommission" als Waffe gegen die Besatzungen der Flugzeuge genutzt worden sein, die dann aus Amateurhänden gesteuert zielgenau zwei Türme und ein etwa 20-30 Meter hohes (auf dem Boden stehendes!) Gebäude trafen, die nebenbei noch drei der wichtigsten Gebäude der westlichen Welt darstellten und darstellen. Zudem stürzte dummerweise noch ein dritter Turm in sich zusammen, obwohl er von keinem Flugzeug getroffen und allenfalls ein paar Stunden von einem sagenhaften Höllenbrand aus der 5. Dimension innerlich aufgefressen wurde, bis er einfach so zusammenplumpste. Als wäre er seit je her aus alten Zeitungen und Vogeldreck zusammen geklebt. So oder ähnlich war es wohl. Purer Zufall, dass in diesem dritten Turm, der zwar sehr wichtig und von sehr geheimen Sachen vollgestopft war, auch sehr viele Dinge lagen, die vielleicht zur Klärung so manch dummer Ereignisse aus ganz anderen Tagen hätten beitragen können. Ein Stichwort dabei klingt so ähnlich wie Enron.
Wie hätte sich der elfte September wohl dargestellt, wenn an jenem rätselbehafteten Tag nur die beiden Zwillinge gefallen wären? Wenn an diesem Tag tatsächlich nur zwei große Kapitalisten-Türme in Flammen aufgegangen und den Weg des allgegenwärtigen Staubes gegangen wären, hätte das sicher ausgereicht um die Welt in Stockstarre zu stürzen. Kein Kratzer in jenem verlassenen und kurz zuvor aufwändig renovierten Pentagongebäudeteil, wo nur ein oder zwei unbekannte Hausmeisterlehrlinge die Fenstersimse abgewischt hatten, als sie von einem dummen Flugzeug überrascht wurden. Kein großes, mysteriöses Loch in einem Acker, das seltsamerweise trotz seiner Abmessungen zum rückstandslosen Aufsaugen eines ganzen Jumbojets und einer winzigkleinen Handvoll flugreisender Passagiere im Stande war. Und auch kein zusammen gebretzeltes Gebäude Sieben, obwohl das ja eigentlich sowieso nicht so wirklich zählt. Das war mehr so eine Art Kollateralschaden. Der ganze Vorfall hätte mit einer Vernichtungseingrenzung auf die Türme irgendwie plausibler einem Schurken aus dem Hinterland zugerechnet werden können. Jedenfalls rein nach logistischen oder organisatorischen Gesichtspunkten. Ganz zu schweigen von der Machbarkeit ein Passagierflugzeug in die leerstehende Flanke eines relativ flachen, fünfeckigen Gebäudes zu fliegen. Ich möchte den Amateurflieger sehen, der das reißt ohne verschiedene andere Dinge wie zum Beispiel Straßenlampen mitzureißen. Dass dort vielleicht ein Flugzeug Abrissbirne spielte, will ich bei dieser Überlegung noch nicht einmal unbedingt bezweifeln (obwohl ich generell dazu neige). Ich bezweifle hier nur mal die Fähigkeit eines menschlichen Piloten ein Passagierflugzeug derart präzise flach über eine Blumenwiese zu steuern.
Irgendwie war es schon wichtig eine "große Sache" draus zu machen. Sonst hätte man niemals so richtig glaubwürdig von einem "Angriff auf Amerika" oder einer "Attacke auf den demokratischen Westen" faseln können. Das repetitive und weitgestreute Element der Inszenierung war schon ganz wertvoll für diese Kampagne, die der Welt eine neue Richtung aufzwängen sollte. Natürlich würde das voraussetzen, dass es diesen Plan schon vor den Anschlägen auf Seiten der westlichen Opferseite gegeben hätte. Einen Plan durch eine "große Sache" ein paar "coole gesellschaftliche Neuerungen" durchzubringen. Der Plan hätte dabei noch nicht einmal von allen mitgetragen werden müssen oder jederman im Westen bekannt sein müssen. Vielleicht in etwa so wie ein öffentlich zugängliches, politisches Programm, das ja auch nicht überall bekannt sein muss. Die Idee von gesellschaftlichen und politischen Veränderungen "größeren Ausmaßes" und einer Neuorientierung des neuen amerikanischen Jahrhunderts (dem Gegenwärtigen) gab es in der Tat schon lange, sehr lange vor dem Stichtag. Es ist kein Geheimnis, dass die Geldadligen seit vielen Jahrzehnten davon träumen der Welt ihren scheinphilanthropischen Stempel aufzuzwingen. Schon in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sprach ein Warburg-Spross vollmundig von einer Weltregierung, die auch dann kommen würde, wenn niemand sie wollte. Selbstverständlich meinte er damit, dass dies ganz in seinem und dem Sinne aller restlichen Bankiers der Welt wäre. Wie gut kann ein Gedanke sein, der nur den eigenen schmutzigen Zasternutzen verfolgt? So gesehen war der Stichtag also eine ausgesprochen nützliche Sache für die Leute hinter diesen vielfältig ausgesprochenen Ideen. Nur musste man im Fall des ultimativen Terroranschlags der Höllenschrecken alle Urheber dieser durchaus misanthropisch zu bewertenden Ideen vor einer Entlarvung schützen. Und da kommen dann die Sündenböcke ins Spiel. Das Planspiel und dessen Realisierung obliegt natürlich Leuten, die sich mit verdeckten Operationen und der sagen wir mal Handhabung sinnlicher Fremdeindrücke auskennen. Vielleicht war es - so dachte man sich dieser Tage - wichtig, dass auch ein paar Gebäude "von uns" getroffen würden. Die Sündenböcke waren zu dem Zeitpunkt bereits gekauft und ein sehr ausgeklügelter Master-Plan erdacht, der den nahezu unanzweifelbaren Anschein von Unschuldigkeit erwecken würde. Zudem würde die Dimension des Vorfalls jeden Zweifel an der eigenen Schuld nicht nur tilgen, sondern sogar durch gesellschaftliche Werte wie Loyalität, Patriotismus oder auch dem einfachen Anspruch von Seriösität unmöglich machen. Im Laufe der Zeit würde zudem jeder Zweifler im Zug des geforderten Gleichklangs von Schuldzuweisung und Faktenhörigkeit zu einem Aussenstehenden. Und denen braucht man ja seit je her weder das Gehör noch den Glauben zu leihen.
Seit acht Jahren verfolge ich diese seitdem andauernde Komödie. Sie ist nebenbei natürlich nur eine kurze Episode in einer viel größeren Komödie. Und es handelt sich keineswegs um eine Komödie, die jederman Gefallen oder ein zwangloses Lachen abverlangen würde. Ich warte irgendwie darauf, dass sich mal irgend ein seriöser Nachplapperer die richtigen Fragen zu stellen traut. Zum Beispiel die Frage nach der größe der Wahrscheinlichkeit wonach zwei riesige, bombastisch große Türme aus Millionen Tonnen Beton und Stahl, aus Bürostühlen, Büroschränken, Glas, Stromkabeln und Kaffeetassen zu einem seichten Staubhügel zerstäuben können, auf dem dann im hellgelben Licht des dienstagnachmittäglichen Sonnenscheins ein kleiner Perso liegt, rein, unzerknittert und ohne jede Spur von Brandflecken. Oder die Frage, welche die seltsame Zufälligkeit betrifft, mit der an zwei oder mehr terroristisch dominierten News-Network-Tagen zur jeweils gleichen Zeit Zivilschutzübungen abgehalten wurden, die natürlich rein zufälllig auch noch je denselben Inhalt der realen terroristischen Vorfälle zum Thema hatten. So geschehen in New York am 11.09.2001 oder auch in London am 7.07.2005. Am 11. September 2001, dem effektvollsten Plot der vergangenen zehn Jahre, waren ganze Institutionen mit Übungen beschäftigt und vielleicht in den kindlichen Glauben gelegt, dass all das, was sie an jenem Tag mal ein bißchen üben würden, vielleicht irgendwann einmal als cooles TV-Action-Szenario hinter der verkniffenen Totale von Bruce Willis verschwitztem Heldengesicht zu sehen wäre. Aber weit gefehlt. Die Merkwürdigkeit der zufälligen Synchronizität von einfacher Übung und realem Geschehen, scheint irgendwie unterzugehen. Zufälle geschehen offensichtlich gern mal mehrmals hintereinander. Und allein die Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Elften Neunten® bieten so viele Zufälligkeiten auf, dass einem glatt noch der Glaube an Physik oder Mathematik abhanden kommen müsste. Zumindest, wenn man mehr auf die hundertfach durchgereichten "Beweise" und Meinungen sogenannter Experten hören wollte.
Stellt dann doch mal jemand die richtige Frage, die nicht in das Bild passt oder nur ansatzweise implizieren könnte, dass die gesamte Geschichte einen anderen Urheber, als den Wüstenprinzen haben könnte, wird entweder auf Stur geschaltet und der Mantel des Schweigens gezückt oder aber man sucht so lange nach "Experten", bis man einen gefunden hat, der einen im Glauben an die offizielle Ansicht unterstützt. Und vor kurzem las ich in einem Artikel gar einen Wortlaut, den man ansonsten nur im Kontext mit dem Juden-Holocaust des dritten Reiches lesen kann. Da war von Menschen die Rede, welche man als "9/11-Leugner" bezeichnete. Ich frage mich wer oder was das sein soll. Die Leute, die eine weit verbreitete Ansicht bezweifeln, sind doch deswegen noch keine Leugner. Aber man kann sie selbstverständlich sehr gut als Leugner bezeichnen, wenn man sie kriminalisieren oder diffamieren, in eine Ecke mit nationalsozialistischem Lumpenpack oder sonstigen Gegensemitisch eingestellten Leutchen oder aber Menschenfeinden ganz allgemein rücken wollte. (Artikel von NZZ-Online vom 13. September 2009 .. 9:24 Uhr) Das ist natürlich mal ganz geschickt und mindestens ebenso fadenscheinig. Ich finde es erstaunlich wie Presse und Medien immer gern ihre Objektivität zugunsten von schneller Publikation, Aktualität oder blanker Polemik aufgeben. Dass die Medien allgemein eigentlich sowieso überwiegend nur noch kurzweiligen Unterhaltungszwecken zu dienen scheinen oder gern mal zu einem anderweitig gehaltlosen Gleichklang neigen, sei mal dahin gestellt. Hetzerei darf meines Erachtens aber ruhig der Geschichte vergangener Diktaturen oder Absolutismen sonstiger Färbung angehörig bleiben. Ein Zeitungsschreiberling braucht das nicht zu versuchen, um dann weiterhin auch noch objektiv gelten zu wollen.
Es können sogar ganz offen Leute des öffentlichen Interesses ans Tageslicht treten und zum Beispiel sagen: "Es ist in Geheimdienstkreisen ein offenes Geheimnis, dass die Anschläge vom 11. September 2001 mit Unterstützung von CIA und Mossad geplant und durchgeführt wurden, um Interventionen in Afghanistan und im Irak möglich zu machen. - Francesco Cossiga" Da passiert gar nichts in den Köpfen der Anwesenden von Pressehäusern. Oder falls irgendjemand darin es wagen würde irgendwas Komisches passieren zu lassen, würde er sofort ins Geschäftszimmer befördert. Allerdings nicht unter Zunahme seines Beschäftigungsstatus, der im Gegenteil sogar eher in Frage gestellt wäre. Den oben zitierten Satz darf allerdings jemand sagen, der keinen Chef in diesem Sinne hat. So einer wie der Francesco hier. Naja der kann so was schon mal sagen dürfen. Es ist erstaunlich was einem Bösewicht möglich wird, wenn er auf der richtigen Seite steht und nur genügend Einflussmöglichkeiten besitzt. Wenn man den entscheidenden Leuten den Glauben in die Birne setzt, dass nur Beweise zählen, dann kann man theoretisch und praktisch wirklich alles machen ohne je dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es ist alles eine Frage der Fähigkeit Hinweise zu seinen Gunsten zu schaffen. Die Leute mit ihrem Glauben an handfeste Fakten sprechen einen schlicht durch ihre träge Geisteshaltung frei, die jegliche Spekulation verneint. Und sei es nur um der Interessen wegen, die sie mit ihrem geliebten Vaterland, ihrem Kulturkreis oder ihrem Job verbinden.
Ich glaube nicht an Gerechtigkeit oder eine unanzweifelbare Auflösung im Zusammenhang mit diesem Verbrechen. Unter Gerechtigkeit verstehe ich dabei die gesetzlich geerdete Verurteilung der Täter und vor allem all jener, die sich im Hintergrund mit diesem Plan befassten. Doch wie sollte man bei irgend einem der beteiligten Menschen den Beweis erbringen, dass er sich mit der Idee befasste? Gülten da nicht all die ebenfalls als Mittäter, die von etwas wussten und wegen ungläubigen Abtuns der Sache untätig blieben? Wie lange sollte dieser Prozess geführt werden? Wie viele Gefängnisse sollte man bauen? Ich denke jeder Versuch dieses Verbrechen zu ahnden ist mindestens so aberwitzig wie das Verbrechen selber. Das wußten die geistigen Väter der Idee. Und sie wußten auch, dass allen nachfolgenden Operationen nur den Wimpel "El Kaida" angehängt werden müssen um die Immunität der Urheber zu gewährleisten. Alle Truther stehen auf verlorenem Posten, da alles was sie jemals erreichen werden eine Abspaltung von der Allgemeinheit sein wird. Wenn sie es lange genug tun, ihre Gemeinschaft wachsen lassen und vielleicht letzten Endes erfolgreich die bislang verkannte Wahrheit zeigen werden, werden die Urheber aber bereits seit langer Zeit den Weg der Türme genommen haben. Deswegen sollte es bei den Bemühungen vielleicht nicht so sehr um Gerechtigkeit oder Vergeltung gehen. Die wird sich den Urhebern auf eine sehr viel effektivere Weise zeigen. Den Wahrheitssuchern sollte es mehr um die Bewußtseinsbildung gehen, wonach man als Mensch niemals blind an eine Vorgabe glauben sollte, wenn man sie nicht selber durchdacht hat. Oder darum, dass man Menschen nicht verurteilen sollte, weil sie etwas denken, dass einem selbst undenkbar erscheint.
July 2009
17 July, 2009
0024 - Ein Nachruf auf das Internet und die damit verbundene Freude über die Unfähigkeit zu Wissen
Ich las letzte Woche von einem Problem, dass die moderne Welt wahrscheinlich Anfang nächster Woche in ein furchtbares Hyperchaos schmeißen könnte. Die einzige Lösung bei diesem Problem hatte etwas mit viel Arbeit, geringen Kosten vom Umfang mehrerer Bruttoinlandsprodukte und der Abgabe der eigenen Kontrollhoheit an Leute, die einem unbekannt sind, aber des Namens und ihrer umfangreichen Auszeichnungen wegen größtes Vertrauen verdienen, zu tun. Das Problem von dem ich las betrifft akut so was sehr Wichtiges wie das Internet. Genauer machen die fehlende Sicherheit und die relativ große Anonymität des Netzes so große Probleme. Da bleibt natürlich nur eins :: Maximale Überwachung, Protokollierung, Registrierung und präkriminelle Identifizierung sämtlicher Ambitionen zur Übernahme von wichtigen Schalteroptionen.
Was sich eine Familienministerin dieser Tage vornahm, um den Krieg gegen den Kindsmissbrauch voran zu treiben, war wirklich mal wieder ein Beweis für die Schwere des politischen Amtes und des fehlenden Verständnisses der Bürger in dieses sehr, sehr schwere Amt. Und so wie sich die legitimierte Staats-Sicherheit hier wieder einmal einen Dreck um die Wirksamkeit ihrer Aktionen schert oder allenfalls ein bisschen Buh ruft, so scheint's sich jeden Tag und jede Woche zu wiederholen. Man hilft Opfern von Gewalt selbstverständlich immer am besten, wenn man möglichst früh ein Gesetz erlässt, dass ihnen gegebenenfalls Recht gäbe, wenn sie denn eines dummen Tages mal ganz tüchtig verbotener Sachen ausgesetzt sein sollten. Wieso sollte man sich auch darum kümmern einen jammernden Schwachpunkt einerseits über die Schwierigkeiten aufzuklären, welche naive Vertrauensseligkeit so mit sich bringen könnte, wenn man sich mit der modernen Welt einlässt!? Und weshalb zum Teufel sollte man bloß noch mal diese moderne Welt direkt angehen und sie eventuell vielleicht sogar irgendwie von innen heraus abändern wollen!? Wie auch bitte ändern, was man nicht oder nur aus der Sicht des Geld- und Rufsammlers versteht? Gerade aus der Sicht des Letzteren scheint immer das Arrangement die bessere Wahl zu sein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil schnelle Lösungen irgendwie poppiger sind und deswegen manchmal auch lieber Solution ("ßolouschen" gesprochen) genannt werden. Man kann das Verbrechen nicht verhindern somit muss man es eindämmen. Hundertprozentige Sicherheit ist nicht möglich, aber hundertprozentig sicher ist, dass sich nichts bessern darf, solange ich gut verdiene. Die Frage nach dem Grund für das Vermögen einiger geisteskranker Einzeltäter (die auch mal gesammelt auftreten können, aber deswegen noch lange nicht gesünder oder gar Verständnisrelevant sind) die Welt mit den Augen eines in die Enge getriebenen Raubtieres wahrzunehmen, muss auf Kosten einer kurzfristigen Absicherung derzeitigen Wohlstandes auf Morgen verlegt werden. Die Reflexion des aktuellen Weltbildes darf allenfalls weltlich, schulwissenschaftlich und nur dann philosophisch ausfallen, wenn die Philosophie möglichst atheistisch und vor allem schulwissenschaftlich gehalten oder gefesselt an den gut sichtbaren Fahnenstangen des Renommee genutzt wird. In einer Welt des Fortschritts sind eben Stoppschilder immer noch am Wirksamsten, wenn man die Dämlichen von den Eigensinnigen trennen will. Die Eigensinnigen wissen wenigstens, dass man ganz böse ist, wenn man mit dem Zeigefinger fuchtelt und "Du, Du!!" macht.
Die Freiheit des Internets ist das grausamste, was das CERN der kapitalistischen Welt der bodenlosen Geldbeutel antun konnte. Wie zum Teufel kam man bloß jemals darauf dem Pöbel die Kontrolle über das eigene Wissen, das Fabulieren, Spekulieren, Sammeln, Archivieren oder die eigene Meinung zu schenken. Hätte man dafür nicht vielleicht besser Gebühren verlangen oder einen Führerschein oder so was in der Art ausstellen müssen? Nun haben wir den Salat! Wieder einmal müssen sich nette Menschen in Peking, Iran oder Deutschland darum kümmern, was die Menschen ankucken, wissen, lernen oder publizieren dürfen. Und andere nette Menschen müssen Nächte hindurch Schwitzbäche ergießen und Tränenschauer ausschütten, weil irgendwelche bösen Nichtsversteher einfach so ihr Wissen oder ihre Geldbeutel kaputt machen und so aller Voraussicht nach noch mehr Nichtsversteher produzieren. Die Welt des Pop steht am Abgrund. Ich glaube der Papst denkt jetzt schon darüber nach die Kopulation zwischen Nichtsversteher und QWERTZU-Tastatur als unheilig zu verbieten. Dass das Internet sowieso vom Teufel ist, muss man nicht erwähnen.
Wo ist eigentlich noch mal dieses doofe Internet? In der Wand oder da hinten irgendwo in einem Servicegebäude? Oder kommt's vielleicht aus der Hölle? Dass man das Servicegebäude so doll kühlen muss, scheint auf die Hölle hinzudeuten. Und dass Serverhard- und Software einerseits sehr teuer und andererseits ziemlich kompliziert zu verstehen ist, scheint ein weiterer Beweis zu sein. Außerdem heißt WWW in irgendeiner alten Bibelsprache auch 666. Und so viel böse Sachen auf einem Fleck, ... da kann man schon mal sehr traurig sein, wenn man das alles für die Wirklichkeit hält. Da hilft nicht einmal Weihwasser, weil man sofort verhaftet und böse angekuckt wird, wenn man so was in einen Server schüttet der einem nicht gehört.
Ich glaube nur unsere fortschrittliche Welt kann so was wie ein elektronisches Netzwerk produzieren, auf das dann jedermann stolz den Finger reckt und schwört, dass noch niemals irgendjemand je so was Tolles besessen hat. Das Internet ... Es ist groß, es ist leise, es ist warm und es macht immer dann Musik, wenn man auch die richtige Software gekauft hat. Was man alles machen kann mit diesem verrückten Ding. Man kann mit Leuten sprechen, die man gar nicht kennt und teilweise nicht kennen wollen würde, wenn man wüsste wie sie sich anziehen falls sie es überhaupt tun. Man kann sich Sachen ankucken, die man "draußen" nie sehen würde, wenn man ewig so verklemmt, kindisch oder egoistisch bliebe. Man kann sich so wichtig machen, dass man irgendwann einmal, wenn das Internet vielleicht mal ein bisschen Netter geworden ist, mindestens so doll geschätzt und bewundert wird wie Michael Jackson. Das Internet liebt meine Egozentrik und Mitteilungsliebe so sehr wie mein Spiegel und deswegen ist es - neben einigen anderen Annehmlichkeiten - mein allerallerbester Freund. Ich erzähle ihm alles und ich erfahre alles über die, von denen ich alle Peinlichkeiten und Minuspunkte wissen will.
Mancher wird sagen, das Internet sei so eine Sache, die man tief unter die Erde gelegt und tief im Ozean versenkt hat. Und um all das versunkene, teure Zeug auch sinnvoll nutzen zu können, haben es sich fast alle heute lebenden Menschen zur Gewohnheit gemacht, hier und dort ab und zu einen kleinen grauen Kasten anzufassen, an dem ein Bildschirm freundlicherweise darüber Mitteilungen macht, was drinnen so los ist. Das Internet sei ein Wissensschatz sagen sie. Das Internet sei ein sehr großer, sehr wertvoller, sehr fortschrittlicher Weg um das Wissen, das Hoffen, die Ängste und Wünsche der ganzen großen Welt zu zentralisieren. Einige sehr kluge Menschen behaupten dabei sogar, dass das Internet uns auf der nächsten Stufe der Evolution begleiten würde, die der jetzt schon so lange bestehenden Gesellschaft zu einer Einheit von Wissen und Bewusstsein verhülfe. So würde also dank dieser teuren, fortschrittlichen Anschaffung die Möglichkeit konkret, dass alle Menschen immer alles voneinander wissen könnten. Gerade so, als wenn sie alle nur eine einzige Person seien. Ich habe nur die Befürchtung, dass dieser wahnsinnig brauchbare evolutionäre Schritt zum einen gar nicht so toll und fortschrittlich ist, wenn man mal genauer darüber nachdenkt. Und zum anderen glaube ich nicht daran, dass ein Internet - so teuer, modern und irrwitzig gigantomäßig schnell es auch überübermorgen sein könnte - jemals ein Gehirn ersetzen wird.
Ich denke, dass eine geistige Einheit nicht durch ein Internet geboren wird. Wohl gut möglich, dass das verrückte Ding die Reifung dahin möglich um nicht zu sagen wahrscheinlich macht. Das Internet ist nichts ohne die Leute, die es bedienen, weil alle Informationen und alles Wissen im Kern darauf angewiesen sind, dass ein Mensch sie kennt. Ich denke nicht, dass Wissen an sich insgeheim darauf hofft gewusst zu werden, denn es ist auch dann als relevante Größe vorhanden, wenn es niemand zur Kenntnis nimmt. Bloß ist es dann eben unentdeckt oder auch verdeckt. Manchmal fühlt es sich dabei wohl auch ganz wohl. Das Internet wäre ohne die Kenntnisnahme der Menschen allerdings ganz schön aufgeschmissen. Es würde sich sogar vor Wut erhitzen und dann irgendwann einfach aufhören da zu sein, weil irgendjemand vergessen hat die Batterien zu wechseln. So gesehen ist das Internet nur auf absehbare Zeit da, denn es wird sicher niemals den Tag überleben, an dem ein Mensch Angeln, Lagerfeuer und Zelten für schöner befindet und sich als Letzter allen anderen anschließt. Würde man dagegen sagen, dass das Wissen der Welt nicht da sei, dann müsste man sofort aufhören den gemeinsamen Gang zu noch mehr Kenntnis zu beschreiten. Angeln, Lagerfeuer und Zelten könnte man knicken, weil kein Schwein wüßte wie's geht. In dem Fall müsste sich jederman allerdings auch die meiste Zeit des Tages den Vorwurf des Ignoranten und Besserwissers gefallen lassen. Was unstrittig sein sollte ist, dass eine Information nur dann sinnvoll ist, wenn sie mit einem Sinn erfasst wird. Anders gesagt :: Was ich nicht weiß wird mich nicht wissentlich erhitzen. Erhitzen können wird es mich allerdings trotz meiner Unkenntnis, sobald ich ihm in meiner Blindheit zu nahe komme. Moderne Forscher sprechen in ihrer leichtfertigen Haltung dem Geist gegenüber manchmal, sie täten alles Erdenkliche um das Wissen anwachsen zu lassen. Deswegen bezeichnen sie auch ihre Disziplin als Schaffung von Wissen. Eigentlich müsste man es Kenntnisschafft nennen, denn was wirklich erschaffen wird ist die Kenntnis über ein transzendentes, ein spirituelles Gut. Die so genannte Wissenschaft hofft alles Transzendente an diesem Gut abzuwaschen um es möglichst bald auf der Erde in einem großen Käfig am Boden festzunageln und es nie mehr frei zu lassen. Was sie da in den Händen halten, ahnen wohl nur die wenigsten unter den erhitzten Schaffenden. Und von denen, die es nicht ahnen, würden die allermeisten wahrscheinlich aus dem nächsten halboffenen Fenster hüpfen, wenn sie begriffen, dass das unwissentlich gehandhabte Ding viel Ähnlichkeit mit dem innersten Motiv von Religion hat. Allenfalls Ähnlichkeit hat es deswegen mit diesem Urmotiv gemein, weil man das eine mit Fassung Handhaben das andere fassungslos Stehen lassen muss. Sie begreifen es einfach nicht, dass all ihre Mühe niemals dazu führen wird, dass sie ihre vermaledeite Fassungslosigkeit jemals überwinden könnten, denn sie wissen nicht was Wissen ist. Sie wissen nicht, wann sie etwas wirklich wissen. Und sie halten ihre zeitweilige Kenntnis von einem Detail für das endgültige Wissen von einer Wahrheit.
Das Internet ist ein Pool von Information. Unwissentlich betrachtet erscheinen nur zwei Zeichen. Es handelt sich dabei entweder um die Eins oder die Null. Das ist auch alles, was eine Information ausmacht, denn sie besteht aus der Ungleichheit eines Zustands oder einer Eigenschaft. Zwei nebeneinander liegende Eigenschaften sind für den Unwissenden durch ihre jeweilige Eigenschaft eindeutig trennbar und bilden somit durch die jeweilig zugeordnete Wahrnehmung in seinem widerspiegelnden Geist ein Abbild von der vor ihm stehenden Wirklichkeit. Wäre dieser Unterschied in der Wertigkeit nicht gegeben, dann wäre vor seinem geistigen Auge nichts und somit wäre auch das Abbild in seinem Geist nicht da. Damit wäre der Geist leer und allenfalls besäße der Geist so etwas wie ein reflektiertes Selbstbild - also ein Bewusstsein für die eigene Existenz. Denn mit einem gesunden Selbstbewusstsein nimmt man sich nicht als Teil des Nichts wahr soweit ich weiß. Das Internet ist mehr als nur eine Eins oder eine Null. Eigentlich hat der Mensch das Internet geschaffen, indem er all seine Kenntnisse verbunden hat. Das bedeutet, dass das Internet quasi eine Kopie all dessen ist, was die Menschheit an Kenntnissen besitzt. Das Internet basiert zwar auf dem transzendenten Wissen, aber es ist alles andere als ein direktes Abbild dessen. Wer das denkt macht nicht nur den Bock zum Gärtner, sondern er macht einen Satan zu seinem Lehrmeister. Anstelle dessen ist das im Internet reflektierte, gesammelte Wissen nur ein minderwertiges Abbild der Wirklichkeit. Die genaue Darstellung der Wirklichkeit ist begrenzt, was leider momentan auf die Hard- und Software zurück zu führen ist. Das könnte, so wird mancher Optimist der Technologie bestätigen, in einigen Dekaden überwunden werden. Was allerdings ganz, ganz sicher niemals überwunden werden kann das ist die Unmöglichkeit von der Integrierung ungewusster Dinge in das Abbild von allen zur Verfügung stehenden Kenntnissen. Allenfalls könnte man einen Logarithmus erstellen, der eine ungefähre Abschätzung über die momentane Unwissenheit trifft und im Internet der Zukunft alles bisher nicht reflektierte Wissen ersetzt. So wird man, wenn man im Internet der Zukunft mal nach Gott googelt, die Antwort Kenn ich nicht erhalten und nicht 37 Millionen Seiten, die alle nichts wissen aber wenigstens so tun als ob. Man wird allerdings niemals sagen können ab dem 31.12.3087 wird die Menschheit einfach alles wissen und deswegen auch ein genaues Abbild der Wirklichkeit im Internet erschaffen haben. Pure Spekulation meinerseits. Ich denke aber auch deswegen muss wohl leider das geistige Abbild der Menschheit, welches im Internet eine elektronische Daseinsform gefunden hat, immer der Wirklichkeit kümmerlich hinterher hängen.
Die Dinge, die im Internet manifestieren, sind also immer ein Spiegelbild von dem was ein Mensch als Wirklichkeit begriffen hat. Und dass ein Mensch allein die objektive Wirklichkeit quasi niemals verstehen oder begreifen kann, wird auch die Vernetzung all dieses halbwertigen Unwissens nicht aufheben können. Fest steht, dass das Internet ein Abbild der geistigen Welt der Menschen ist. Es ist indes sicher kein Abbild der geistigen Welt, da die geistige Welt mehr enthält, als es der geschätzten Meinung eines Menschen jemals gewahr sein dürfte. Unter anderem ein Grund, weshalb man Kenntnisse über transzendente Wahrheiten zu finden hoffte, solange es Wissenschaftler gab. Das was uns am Internet nervt liegt also nicht in elektronischen Eingeweiden und wäre demnach dämmbar oder gesetzlich handhabbar. Es wird ganz sicher niemals Gesetze geben, die einem das Denken an dieses oder jenes rote Stoppschild oder verbotene Früchtchen nahe legen werden. Oder sagen wir mal es wird vielleicht welche geben und sie werden sich über ihre Unwirksamkeit ganz furchtbar autoritär aufspielen. Wenn man das dümmliche Gewäsch, die naive Spekulation oder eben auch das Wedeln mit dem Schwengel im Internet eindämmen wollte, dann müsste man damit beginnen die stattfindenden Abbildungen (die geistige Reflexion) in den Köpfen der Menschen zu ändern. Nur wenn man es schaffen täte einem Menschen die Wut auf die Regierung zu nehmen, würde man damit verhindern, dass er sich eines Tages einem Führer anschließt, der eine ähnliche Wut teilt.
Die Verwandlung dessen, was man bei einem Menschen als bewusste Wahrnehmung der Wirklichkeit bezeichnen müsste, ist sicherlich keine allzu leicht fallende Sache. Es geht allerdings auch weniger darum die Gedanken der Menschen von oben herab oder auch unten herauf zu gängeln. Viel mehr müsste man einfach die Wertigkeit der vorliegenden Informationen dahingehend beleuchten, dass ein Mensch bei Betrachtung derselben einen Eindruck gewinnt, der wiederum eine wohlwollende Resonanz auf die ihn umgebende Welt erzeugt. Das setzt natürlich voraus, dass der Mensch in Wohlwollen geschult ist und dies auch bereitwillig zur Verfügung stellt. Man kann einen solchen Menschen natürlich im Denken und seinen Kenntnissen beschneiden und ihm solche Dinge vorenthalten, die sein Wohlwollen verhindern würden. Doch wäre das kein sehr guter Nährboden für ein gesundes gesellschaftliches Wachstum geschweige denn einer Evolution. Eine Pflanze, deren Namen Fortschritt sein soll, müsste alles andere sein, als kümmerlich. Sie bräuchte ganz sicher keinen wogenden Stand, einen ständigen Sturm oder endlose Niederschläge. Und was so eine Pflanze sicherlich auch nicht bräuchte, das wäre eine Bezäunung gegen den Vandalismus anderer Pflanzen, da Geschöpfe dieser Art im Grunde nicht viel tun als leben und da zu sein wo sie gedeihen. Einen Gärtner??? Welche Pflanze spielt den Gärtner für einen Baum? Die Angst vor einem fehlenden Gärtner-Einfluss befällt allenfalls die Leute, die das Wohlwollen eines Menschen aus der Beschneidung seiner Kenntnissprossen gewinnen. Die Beschneidung der Kenntnisse von vielen, verursacht immer das Anwachsen der Sprossen für einen Selbst nebst wenigen Nachbarn.
Dass das Internet irgendwann einmal den nächsten Evolutionsschritt der Menschheit begründen wird, bezweifle ich begründeterweise sehr stark. Dass es allerdings zu einem Zusammenfinden bewusster Reflexion dienen kann und in diesem Moment dient, ist gar keine Frage. Solange man aber das Internet für einen Fortschritt hält und dabei vergisst was das Gebilde ohne unsere Bildung und Kenntnis ist, solange wird man vielleicht das Fortschrittslied singen und alberne Tänzchen auf den Festen zu Ehren der eigenen Beschränkung abhalten. Aber solange wird es auch für den Menschen keinen Fortschritt geben. Selbst dann, wenn er etwas Fortschritt nennt, was allenfalls den Eindruck eines überzüchteten Ochs vorm Berg macht.
June 2009
20 June, 2009
0023 - Die egoistische Seite der Selbstlosigkeit
Was ist ein Wille? Lebendigen Erscheinungen wird zugeschrieben sie hätten einen Willen zur Selbsterhaltung. Dies ist der wohl grundsätzlichste Wille in einem Lebewesen. Ohne die Umsetzung dieses grundsätzlichen Willens machen so einige andere wahrscheinlich nicht mehr allzuviel Sinn. Der Selbsterhaltungstrieb ist oberflächlich betrachtet eine ziemlich egoistische Sache und er ist vielleicht die stärkste Triebfeder in einem sogenannten Lebewesen. Ich sage 'sogenannt', weil ich glaube, dass die Standard-Vorstellung von einem Lebewesen im Kopf eines Menschen dem gleicht, was man allerorten herumkrabbeln sieht. Aber ist ein biologischer Organismus wirklich selbstständig dazu fähig einen Willen zu äußern? Will ein Auto betankt werden?
Eigentlich muss man zwischen einem Willen und einem Trieb unterscheiden. Das eine ist eine bewußte Projektion, die aus einem Wunsch oder einer Vorstellung heraus entsteht. An sich neutral und somit möglicherweise egoistisch und altruistisch. Das andere - nämlich der Trieb - ist dagegen kein bewußt angestrebtes Ereignis, sondern wird dem Willen aufgesetzt. Wie der Name schon aussagt wird das Wesen dazu getrieben dem Ruf zu folgen, den der Trieb aussendet. Schon möglich dass der Wille sich dann mit dem Trieb gleichschaltet und mit ihm einstimmt. Aber ich denke es ist immer der Trieb, der das Diktat beherrscht. Es sei denn der Wille eines Wesens ist aus logischen, also vernünftigen Gründen diszipliniert genug, um dem Trieb die Dominanz abzunehmen. Vielleicht indem der logische Verstand den Trieb entlarvt und die nachhaltige Entwicklung in Gedanken vorwegnimmt, um sie letztlich willentlich auszuschließen. Ich lasse das mal so abstrakt stehen, da ich mir denke wie schwer dieses Vorhaben ist und, dass jedes Beispiel eine Leichtigkeit in die Erklärung bringen würde, wo sie nichts zu suchen hätte.
Ich glaube es gibt zwei Arten eines Triebes. Die eine Art zwingt einen Menschen dazu endlos viele Pizzen, Kaviar und diverse Hummerersatzmahlzeiten in sich hinein zu stopfen. Dieselbe Art von Trieb bringt Männchen und Weibchen dazu wunderliche Dinge mit Haaren, Körperbau, Vorgarten oder Lackpolitur und vielen, vielen anderen Dingen zu tun. Manch verdorbenes Stück glaubt gar, dass alles was Männlein und Weiblein so im Leben anstrengen nur dem Zweck der kurzfristigen Populationsbereicherung diene. Ich persönlich betrachte diese "Erkenntnis" als ein simples Zeitgeistphänomen. Ich denke jedenfalls nicht, dass ein Mann/ eine Frau sich zum Beispiel freiwillig zölibatär verhält, damit eine Schaar gutgebauter Heterogenitäten im Gegenzug dafür mit schlüpfriger Nächstenliebe heranbraust. Ich denke dagegen sehr wohl, dass dieses und jenes durchaus einen anderen Hintergrund haben kann als Fi***n. Ich weiß das schockiert auf den ersten Blick.
Die zweite Art eines Triebes entsteht nicht aus einem biologischen Bedürfnis (Nahrungsaufnahme, Reinigung, etc) heraus, sondern liegt im Teil des lebendigen Selbst verankert. Dieser Teil hat - glaubt man den Weisen der alten Welt und der Welt davor - überraschenderweise gar nicht mal allzu viel mit Biologie zu tun. Diese Art von Trieb ist sehr gefährlich, da er immer dann, wenn die Vernunft ausbleibt, den Schaden von anderen Menschen bewirken kann. Ich denke jede Art von Machtanspruch, jede Art von Gewaltausübung, jede Art von Ausbeutungsverhalten, jede Art von Selbstüberhöhung wird aus diesem geistigen Trieb gespeist. Es sind Triebe, die nicht zum unmittelbaren Selbsterhalt notwendig sind und die allein der Übervorteilung anderer zum Zweck der Lustbefriedigung ausgelebt werden. Hier wird mancher denken, dass auch Gewaltbereitschaft oder die Fähigkeit zu Dominanz und Führung hier und dort für den Selbsterhalt notwendig sein kann. Mancher wird sagen, dass sogar die Gewaltbereitschaft und die Dominanz und Führungsstärke so manches Persönchens den Selbsterhalt ganzer Landstriche dienlich sein könne - also somit auch altruistisch sei. Dass das gedacht wird, wundert mich ebenso wenig wie das Denken bei der Sache mit dem Sex als einzigbestimmendem Lebensinhalt. Nur finde ich es in diesem Fall schade, dass die dämonische Tiefe einer in erster Linie auf sich selbst zugeschnittenen Lebensweise als grundsolide Sache verkauft wird. Schade finde ich allerdings vor allem, dass manche diese Überzeugung glauben können und sie sogar für vernünftig oder vollkommen halten. Die Sache selbst bedaure ich dagegen nicht, denn sie bleibt was sie ist und wird als solche abgerechnet werden. Das ist so sicher wie 1+1=2 oder der von diesem oder jenen bemühte spontane Wille zur Differenzierung dieser einfachen Rechnung zugunsten der eigenen Idee.
Alles das, was einen Willen hat, hat auch die Befähigung zu einer Wandlung oder Veränderung. Ob die Kraft zu Veränderung vorhanden ist, hängt von der Stärke eines Willens ab. Aus dieser Feststellung ergäbe sich Folgendes :: Wenn die Existenz von Allem eine Ursache hätte, dann müsste die Wandlung von dem "anfänglich Vorhandenen" zu "Allem was jetzt existiert" einen Willen voraussetzen. Die Frage deutet sich an, ob ein Wille etwas braucht aus dem heraus er sich äußern kann. Ich denke das ist nicht so. Rein mathematisch betrachtet kann ein Wille nicht ausschließlich aus einer wie auch immer gearteten Vorbedingung heraus agieren, weil dann ein Wille von dem Vorhandensein dieser Bedingung (also einem Ding oder einem Etwas) abhängen würde. Bloß dann wäre auch dieser "Urwille" nicht die Ursache von allem was existiert. Ich gehe dagegen von einem wandlungsfähigen Willen aus, der vor allem anderen da ist und erst dadurch alles andere ursächlich begründen kann. Und dann stellt sich die leicht unbeholfen widersprüchliche Frage was braucht ein Wille, um bedingungslos da zu sein? Die Antwort lautet Bewußtsein oder sogar das nächst höhere nämlich Selbstbewußtsein. Was sich aus dieser Überlegung ergibt (nämlich, dass dieses Bewußtsein der Urgrund für alles einschließlich der Zeit, dem Raum und allen Dingen ist) kann bei konsequenter Disziplin zu einem mystischen Erlebnis führen - also Vorsicht.
Die Erkenntnis ließe einen Verdacht aufkommen, der in etwa so aussieht :: Der Urwille steckt gegenwärtig in allen Zeitabschnitten der Existenz von Allem. Das Ideal ist offenbar lebendig, denn wir leben drin. Das heißt derjenige, der den Willen äußert und die Idee lebendig hält, ist ebenfalls lebendig. Das muss er sogar sein, weil er nicht entstehen musste und so auch nicht vergehen kann. Es sei denn er wollte selber zu existieren aufhören. Das würde allerdings keinen Unterschied zum jetzigen Zustand machen. Ein Wille ist wandelbar, aber der Wille an sich selbst ist da oder er ist es nicht. Wenn sich irgendwer fragen kann, ob dieser Urwille da ist, dann ist vielleicht der Zweifel daran legitim, aber er ist auch wie die Fragestellung selbst unsinnig. Der Urwille oder derjenige der ihn äußert ist Teil von Allem und liegt dort als neutrale Idee unter allem Vordergründigen verborgen. Das Vordergründige wäre alles das, was man in erster Linie oder auf den ersten Blick sehen mag. Nämlich zum Beispiel das Fehlen einer tieferen Idee, das Dasein zwiespältiger Wahrheiten, der Wert und Unwert der Dinge, die Geteiltheit oder Unterschiedlichkeit der Dinge, oberflächliche Ziele, Vergänglichkeit, Schmerz, .... aber vor allem das ICH.
Das Ich zeichnet sich durch den Selbsterhaltungswillen aus. Der zweitstärkste Wille ist wohlmöglich der Wille zu Reflexion. Das Erste und das Letzte was ein Mensch tut ist das Sammeln von Erkenntnis und das Fragen nach dem Wie, dem Warum und so weiter. Manchmal kann die letztliche Erkenntnis eines fraglichen Zusammenhangs zu einem Verleugnen der Reflexion führen. Wahrheit ist so blendend, dass ein Mensch sein Augenmerk lieber auf das vom Licht angestrahlte wendet, denn aus dem Spiel zwischen Licht und Schatten erkennt er seine eigene Verwandschaft zu allem was ihn umgibt. Das Starren in das unvergängliche Licht würde ihn dagegen nur bedingt zu einem Erkennen und viel wahrscheinlicher in die Erblindung führen. Mit anderen Worten führt das Sehen des ewigen Lichts zur Auflösung des individuellen Ich. Eine solche Existenz wäre gewissermaßen Zeitverschwendung, weil damit keinerlei Erkenntnis außer der Ursächlichkeit enstanden wäre. Die alleinige Erkenntnis ihres Daseins ist zwar gut und richtig, aber insofern sinnlos, als dass ihr Dasein niemals wahrhaft in Frage steht. Und deswegen gibt es die Wahrheit, welche die von ihr abstammenden Dinge einseitig anstrahlt und Schatten auf der Rückseite zuläßt. Dem Willen eines Menschen obliegt anschließend die Aufgabe das Objekt zu deuten oder die individuelle Ansicht als einzige Wahrheit zu feiern. Da gibt es dann die sinnliche Vernunft und zudem die übersinnliche Vernunft. Die sinnliche Vernunft führt zum nie endenden Erkennen der unendlichen Dinge, aber nicht zum Erkennen ihrer Ursache oder ihrem einzigen Sinn. Die sinnliche Vernunft bildet die Treppe, welche über die Reflexion vieler Teile zu einer vagen Ahnung von der Gesamterkenntnis führt, in deren Verlauf das individuelle Ich bei Aufgabe des eigenen Willens zum Ur-Ich und dem Urwillen werden kann. Dieser Urquell allen Daseins, aller Information und allen Wissens ist an sich vorhanden, aber gleichzeitig vollkommen neutral und ohne jeden Wertunterschied. Das heißt er ist zwar da, aber für die fünf vordergründigen Sinne eines Menschen unsichtbar. Nur der transzendente Sinn - der Geist - kann das Wissen und die Information auffassen. Weil er ein völlig neutrales Gesamtgut darstellt, äußert sich der Wille des Ursprungs somit niemals in einem auf sich selbst bezogenen Wert, sondern nur als neutrale Idee, als neutrale Projektion von Licht, oder Wärme, oder einer Fülle von Selbstlosigkeit und Liebe. Die Botschaft darin scheint mir in etwa wie folgt zu lauten ::
"Ich will, dass du lebst ... Wachse und reife mit dem Wissen um deinen Ursprung und lasse den Glauben in dir zu, der dich mir näher bringt so wie ich dir die Freiheit lasse den Glauben anzunehmen, der dich mir fernhält."
May 2009
01 May, 2009
0022 - Ein Wort für die Demokratie und die gefeierte Geringschätzung alles anderen
Die Leute, welche sich über Demokratie aufregen, sollten meiner Meinung nach auswandern - wie wär's mit Afghanistan? Wir leben eben zufällig zu unser aller Schande in einem demokratisch geregelten Kapitalismus. Es gibt auch den kommunistischen Kapitalismus und andere Scheinideologien ein und desselben Geldfetischismus. Im Grunde genommen ist jede noch so aberwitzig individuell überlegte Ideologie letztlich doch immer nur eine Diktatur, wenn dem politischen Staatengebilde der alte Wichtel Zaster die Rute drüberzwiebelt und alle Welt ihm auf Biegen, Brechen und Teufel komm raus in den A...sch kriecht. Dass die Demokratie also gerade eben mal nicht so klasse ist und sich die frustrierten Nixversteher über die butterweiche Freiheit und bürgerliche Souveränität aufregen, scheint mir kein Problem des demokratischen Umfelds zu sein. Die Welt ist nicht schlecht, weil es soviel Liberalität in der Demokratie und so viele Absolutismen in den nichtdemokratischen Diktaturen auf dem Planeten gibt. Sie ist deswegen unausgewogen und ein Nährboden für Terrorismus, weil Zwänge zu Kapitalwachstum globalisiert, diktatorisch und absolutistisch vermittelt, praktiziert und allen Menschen abverlangt wird. Die Freiheit sich diesem Zwang unterzuordnen oder es sein zu lassen ist gleichbedeutend mit der perfiden "Freiheit" zu leben oder aber freiwillig zu sterben. Denn nur wer sich Geld aneignet oder die Voraussetzungen erfüllt welches auszugeben, kann auch ein Leben oberhalb der einfachen Existenz führen. So ist diese Freiheit reichlich beengend, wie ich finde.
Die Demokratie zu kritisieren ist irgendwie verpönt. Man könnte da jetzt ewig lange Bärte von Klugmeiers Sprüchen wiederholen, die dem Deutschen wegen seiner barbarischen Vergangenheit jegliche Kritik an Demokratie verbieten. Wir sind ja alles Deutsche und somit sind wir natürlich auch alle genetisch bedingte Judenmörder. Quasi aus moralischen Gründen oder solchen, die auf Vernunft und gesunden Menschenverstand abzielen ist es dem Deutschen verboten gegen Liberalismus und Demokratie zu reden oder auch nur die Moderne in Frage zu stellen. In der Tat verstehen scheinbar nur wenige was sie eigentlich zu kritisieren hätten, wenn sie von überbordenden Freiheiten, zu vielen Schlupflöchern in Gesetzen oder gar Menschenrechten sprechen. Mancher behauptet gar Liberalismus und Demokratie mache den Menschen weich und fördere zielloses Gequatsche. Viele wünschen sich angeblich eine DDR, die Monarchie und andere sonderbare Dinge zurück. Mancher wünscht sich einfach nur, dass alles weg und anders wäre. Vielleicht mal wieder ein bisschen mehr so wie im Wilden Westen mit ganz viel Anarchie und Schießen oder so. Die Guten Alten Dinge, die gemäß dem scheinbar angeborenen Schema der Vergangenheitsglorifizierung stets aus Ruinen auferstehen, kommen wohl immer dann zu neuen Ehren, wenn das Alltägliche langweilig, anstrengend, übermächtig, komplizierter, unsicherer wird. Dabei mal ausgeblendet, dass alle diese Attribute immer nur im Auge des Betrachters liegen, dessen Augenlicht allzu oft auch mal ein winzigkleines bisschen zu Wirrnis und Milchglasoptik neigen kann, wie ich letzte Woche im Kindergarten lernte. Negativ bewertet wird das Alltägliche eigentlich andauernd, weil die wenigsten den Zustand von Glückseligkeit erleben beziehungsweise ihn sich zugestehen mögen. Wer glücklich ist, ist suspekt und/oder zumindest grandios faul. Ich denke es ist einer der nebenwirkenden Folgeschäden des (wohlgemerkt!) momentan praktizierten Kapitalismus (und nicht etwa des Kapitalismus an sich), dass das Glück in den Augen eines Fremden häufig zu Neugier, Neid und Niedertracht im Geist des Beobachters führt. Ein weiterer Grund für die kritische Haltung gegenüber dem bestehenden Wohlstandskarussell wird aber sicherlich auch darin liegen, dass das hohe Niveau der eigenen Jammerei schlichtweg verkannt und vergessen wird.
Die Leute denken sehr einfach. Wenn sie hören "Demokratie ist eine wunderbare Erfindung" dann fangen sie an das gehörte abzuwägen. Dabei denken sie nicht etwa darüber nach was Demokratie eigentlich bedeutet, sondern sie denken an alles das was sie mit diesem Wort nahe liegend assoziieren. Sie denken an Hartz IV, an ihnen negativ aufgefallene Politiker, an neue Umweltgesetze, an Steuern, Antiraucherkampagnen und im direktesten Fall denken sie an den hässlichen langhaarigen Zotteltyp, der eben freiwillig und ungestört eine leere Bierdose in ihre Hecke gesteckt hat. Demokratie trägt immer das Gesicht, welches gerade eben von Springerblättchen und Co. offensiv und weitflächig beworben wird. Deswegen kann es unter Umständen sehr unklug sein zu schreiben, man findet Demokratie, Kapitalismus und anderes gut, wenn alle Welt von verzockten Managermillionen und anderem Blütenwuchs berichtet. Die Leute denken man spräche sich dann einfach dafür aus, diese Dinge allesamt gut zu finden. Abgesehen davon, dass man am besten sowieso die Gusch hält, wenn man sich Scherereien ersparen möchte. Die Leute lieben es sich auf alles zu stürzen, was sie nicht als Wahrheit akzeptieren können. In der einfachsten Form dieser Weltsicht werden Führungspersönlichkeiten mit ihren Kampfbüchern zu Heilsgestalten. Und vor allem alles das, was nicht in diese heilige Aura von gestern passt, wird zum verhassten Spielball selbstgebauter, geborgter, geklauter oder gekaufter Sportspielgeräte. Vom Baseballschläger bis zum Airbus kann das so ziemlich alles sein.
Deswegen stehe ich mal dazu :: Ich denke die Demokratie und der Kapitalismus sind bisher die wohl tauglichsten Erfindungen der politischen Geschichte. Das Problem ist, dass sie eine Sache beinhalten, die zu gern und sehr häufig belastet und von subkompetenten, niederqualitativen Reflexionsakrobaten ausgenutzt wird - Freiheit. Vielleicht hilft dem Verständnis eine kleine Erkenntnis auf den Weg. Dazu stelle ich folgendes Fest - unsere Gesellschaft glaubt scheinbar aus irgendeinem Grund daran, dass sie die geltende Wirklichkeit anhand von Gesetzen festmachen müsste. Zu jedem und allem gibt es irgendwo in einem staubigen EU-Buch eine Richtlinie oder ein Gesetz. Aber meiner Meinung nach - und ich frage mich wie ich verdammt noch mal bloß darauf komme - ist eine Demokratie nicht von einem Gesetzeskatalog abhängig. Demokratie fängt in den Bürgern an. Sie beginnt in den Geistern der Menschen, die sich eine Freiheit und eine daraus resultierende Glückseligkeit wünschen. Freiheit selbst ist natürlich eine relative Sache. Philosophisch gesehen, kann man niemals wahrhaft frei sein, solange man ein Teil der Welt ist. Aber hier soll's mal nur um die relative Freiheit gehen, die es einem Normalbürger erlaubt ohne Eisenketten um den Hals und Holzknüppel hinterm Rücken Maifeiertage und ähnliche Sommerlichkeiten zu begehen. Wenn die Bürger eines so genannten demokratischen Landes sich nicht mehr frei fühlen, dann steht die Demokratie nur noch auf dem Papier. Und wenn der so genannt demokratische Staat beginnt die Sicherheit seiner Bürger höher einzustufen, als ihre Freiheit, dann gilt dasselbe. Es ist wichtig den Bürgern eines Landes klar zu machen, dass der politische Status eines Landes allein von ihrem eigenen Inneren abhängt, denn DIE BÜRGER SIND DER STAAT. Es ist nicht etwa das komische Bürohaus da hinten irgendwo in Brüssel. Im übrigen ist es derselbe Staat, der sich momentan Geld leiht um seine eigenen Schulden zu bezahlen, was einem wirklich die Fratze der Verzweiflung aufzwängt, wenn man bei Homo Sapiens gelegentlich an "Der denkende Mensch" dachte.
Ich jedenfalls denke es gibt die Demokratie, die der Bürger als ein abstraktes Gebilde wahrnimmt und es gibt die viel wichtigere innere Demokratie. Sie ist deswegen wichtiger, weil sie die erstere eigentlich begründet. Nur leider lassen sich die Massen immer wieder ganz gern mal zwischen der Mittagspause und Gassigehen ins vermaledeite Bockshorn jagen. Der Blick der Menschen wird stets nach draußen gelenkt, weswegen sie heute ebenso wenig Gott verstehen, wie auch Dinge wie Ethik, Freiheit oder so furchtbare Dinge wie Kapitalismus und Demokratie. Alle diese Dinge werden im inneren Zwiespalt verdammt und verteufelt oder zumindest relativiert, weil man sie im Kern nicht mehr oder aber missversteht. Denn der Kern ihres Verständnisses liegt in einem selber und da wandert der Blick der meisten überhaupt nicht mehr hin. Die innere Demokratie muss nicht Demokratie genannt werden. Sie kann ebenso gut namenlos sein. Der Name einer inneren Wahrheit ist unwichtig, sofern sie loyal an einer größeren Wahrheit orientiert ist.
Ich halte alle Menschen, die ihren Wunsch nach einer starken, väterlichen oder auch mütterlichen Staatshand unausgedacht vortragen für vollendet dämlich. Ich habe kein Verständnis für den Intellekt solcher Leute, die behaupten irgendwelche Staatsformen der Vergangenheit wären doch irgendwie besser als die Demokratie. Sie schwätzen, dass in der Demokratie zu viel geredet wird. Ich kann den Unmut durchaus verstehen. Was ich nicht verstehe ist die verbaute Sicht. Wenn auch die demokratische Welt viel Mist hervorgebracht hat, so ist doch eben diese Welt die Grundlage für ein freies Wort und eine freie Tat. Es ist diesen Hirnlosen sogar erlaubt öffentlich die Buchs runterzulassen und symbolisch einen braunen Balken auf die Demokratie fliegen zu lassen. In all den Staatsgebilden, die sie sich wünschen könnten sie dies selbstverständlich ebenso tun. Aber sie würden sicherlich weniger gesund von diesem Gedrücke wieder aufstehen. Das lassen sie natürlich gern mal unter den Tisch fallen.
Das Grundgerüst einer Gesellschaft sollte immer die Ethik sein. Es gibt nur eine, die den Namen tragen kann und sie hat nichts mit den Rechten des Stärkeren zu tun. Geht in einem demokratischen Staat das Verständnis für das Leben abhanden oder erfährt dort Lenkungen auf andere Ziele, dann hat die Demokratie nur noch eine nebensächliche Funktion. Sie wird ausgenutzt, um abseits einer ethischen Lebensauffassung den ständigen Wettbewerb und den ständigen Gewinn zu ermöglichen. Als Folge dessen erscheinen wohl sämtliche Probleme, welche die Welt heute im Klauengriff halten - Armut, Umweltzerstörung, Flucht & Eile, Perspektivlosigkeit und so weiter. Nur mit einem inneren Verständnis von Leben und Lebendigkeit und einer festen Zuneigung zur natürlichen Beschaffenheit aller Dinge, macht eine Demokratie auch wirklich Sinn. Ich denke nicht, dass wir Deutschen, wir Amerikaner oder wir westlichen Weltbürger in einer Demokratie leben. Was uns unterjocht haben wir bloß alle gern vergessen, weil wir irgendwann lernten, dass uns eine kleine Portion Schicksal jede Qual am Joch dieser Sache entbindet - zumindest scheinbar. Denn nur wenig Glück und ein bisschen Eile hier und Arbeit dort kann uns der Materie näher bringen und schon spielen unsichtbare Dinge keine große Rolle mehr. Je nach Charakter kann das dann zu Glücksgefühlen führen oder aber man grämt sich den Lebtag über die anderen, die mehr haben. Die Letzteren sind dann prädestiniert für den Ruf nach Gestern, und die, welche nichts rufen, wundern sich höchstens wieso diese Volltrottel bloß die Schranken im Kopf romantisieren können. Abseits von jedem Opportunismus gilt eine Wahrheit. Diese ist in Teilen sicher bei allen Opportunisten zu finden und doch steht die wirklich absolute Wahrheit über dem ganzen. Sie wird sich melden, wenn Opportunismus mehr zu gelten scheint als Grundsatztreue, denn diese Entwicklung ist ebenso Teil des Lebens. Die Weltwirtschaft singt soeben unfreiwillig das Lied davon.
Wer sagt die liberale Parteiendemokratie sei ein Fehler, der ist zu dumm zu verstehen, dass alles andere deswegen längst nicht richtig und besser ist. Wer diese Welt der großen Freiheiten und undefinierbaren Wahrheiten kritisieren möchte, sollte seine Unfähigkeit zu Erkenntnis nicht einfach der politischen und gesellschaftlichen Bühne zuschieben, sondern zuerst einmal die Frage stellen wie reif sein eigener Geist zur Selbstverantwortung steht. Demokratie ist eine Sache, die sich der Bürger täglich in sich selber verdienen muss. Absolutismen sind da natürlich einfacher gestrickt. Sie werden einem äußerlich aufgesetzt, wie Pappnase und Perücke und nehmen einem das Denken ab. Die Demokratie legitimiert sich nicht aus sich selbst. Sie ist da, wenn der überwiegende Teil einer Gesellschaft von Bürgern die geistige Reife zur Ausübung mit sich bringt. Alles andere verdient eine schwarze, endlose und betonschwere Diktatur und die Rute auf den Backen bis das Geschrei nach Liebe, Freiheit und Ethik größer wird als die Schwellung. Alle die das wollen sollen sich ruhig zurück lehnen. Euer Heil wird sich vielleicht schneller erfüllen, als ihr die Hände falten könnt. Ich bin froh an jedem Tag wo ich sehe, dass die Menschheit mittlerweile doch in größeren Teilen die Reife zur geistigen Freiheit entwickelt hat. Ich bin sogar optimistisch, dass die Ethik dem Samen entspringen wird, der einer Demokratie naturgemäß innewohnt.
December 2008
18 December, 2008
0021 - Die Suche nach der Erklärung von Gravitation
Man stelle sich vor ein moderner Wissenschaftler sollte folgendes tun. Man würde ihm auftragen zu beweisen, dass es Raum gäbe. Und man würde jedes Mal, wenn er eines seiner endlos vielen indirekten Indizien anführen würde, mit dem Kopf schütteln und väterlich mit dem Zeigefinger wedeln. Das Resultat sieht dann vielleicht ungefähr so aus, dass man nach einer guten Stunde einen modernen Wissenschaftler hat, der nackt, frustriert und mit zerzausten Haaren vor einem herum hüpft und verzweifelt und verwirrt die Frage stellt wie er etwas beweisen solle, das zwar von jederman nachvollziehbar vorhanden aber nach wissenschaftlichem Regelwerk eigentlich nicht da weil unbeweisbar ist.
Eine Möglichkeit auf einen Raum hinzuweisen wäre ihn mit etwas zu füllen. Um das Volumen eines Behälters zu ermessen, kann man ihn z. Bsp. mit Sand oder Wasser füllen und anschließend die Menge des dafür benutzten Stoffes beurteilen. In dem Fall wird keinesfalls der klare Beweis von Raum geliefert, sondern allenfalls das räumliche Fassungsvermögen eines (hoffentlich) geschlossenen Körpers. Was also erwiesen wird, ist eine Eigenschaft eines Behälters. Dass der von ihm begrenzte Raum ein bestimmtes Maß füllt, ist zwar ein gutes Indiz für Räumlichkeit, aber es ist kein Beweis für Raum. Eine weitere Möglichkeit das Volumen eines Körpers zu bestimmen ist dessen Wasserverdrängung zu bestimmen. Aber auch hier wird eben lediglich festgestellt wie groß ein Objekt ist. Mit der Feststellung, dass sich das jeweilige Objekt in drei Dimensionen in einer bestimmbaren Größe ausdehnt, erlangt der Wissenschaftler ein weiteres Indiz von umgebendem Raum. Man befasst sich mit den Eigenschaften eines physikalischen Objekts, um auf die Größe des Leerraumes schließen zu können, der eben von der Beschaffenheit des Objekts abhängt. Mit dem Raum selbst befasst man sich dagegen nicht.
Natürlich wird man normalerweise sagen, dass man so etwas wie Raum nicht beweisen müsse, weil er ja klar ersichtlich existiert. Wozu sollte man den Beweis antreten, dass der Stern Sirius in einem Raum steckt und nicht etwa als Abziehbild auf irgendeinen glatten, monströs riesigen, mattschwarzen Kleiderschrank geklebt ist. Jeder kennt die gewirkten Eigenschaften von Raum. Jeder nimmt ihn wahr und niemand seriöses würde vermutlich auf die Idee kommen Raum als etwas Stoffliches zu sehen und gar zu behaupten, dass Raum zugleich Welle und Teilchen sei. Komischerweise gibt es aber genau diesen Glaubenssatz bei etwas, das mit dem Raum verknüpft ist. Dabei handelt es sich nicht etwa um Zeit, sondern um Schwerkraft. Während man das Dasein von Raumzeit einfach so als physikalische Gegebenheit hinnimmt, trennt man Schwerkraft von dieser Einheit ab und behauptet sie entstünde wahrscheinlich durch irgendwelche kleinen Schwermachdingerchen. Dabei ist man sich nicht einmal sicher ob Schwerkraft einen Menschen auf die Erde zieht oder drückt. Das heißt man weiß nicht wo man die vermeintliche Ausgangsquelle ausfindig machen sollte. Man sucht halt so lange, bis man es genauer weiß und geht solange mal davon aus, dass Schwerkraft etwas Teilchenbasiertes ist. Zu allem Überfluss beschäftigt man sich wie wild mit der Frage wie ein Mikroskop aussehen müßte, damit man diese Dingerchen bloß mal endlich so richtig doll ankucken könnte.
Die Suche nach dem Beweis für Raum, Zeit oder Schwerkraft gleicht meiner Meinung nach der Beweissuche für das Nichts. Um zu beweisen, dass ein Loch oder ein Hohlraum in einem Körper existiert, sieht man sich natürlich den Körper an. Man versucht gar nicht erst das Dasein von Nichts zu belegen, sondern anstelle dessen lieber das Fehlen von Etwas. Die Frage was das Nichts eigentlich ist, ist eine zutiefst philosophische Frage. Ein Loch ist z. Bsp. nicht wirklich Nichts. Sonst würde man es ja auch in etwa so bezeichnen. Das Loch wird durch das Vorhandensein von Etwas festgelegt. Ohne das Etwas gäbe es das Loch nicht. Anstelle dessen gäbe es wirklich Nichts. Nur durch die Aufmerksamkeit eines reflektierenden Geistes (Etwas) wird das Nichts aus seiner paradoxen Nichtexistenz herausgehoben und obwohl es dann weiterhin Nichts im Sinne einer stofflichen Greifbarkeit ist, wird es durch das Erkennen eines Geistes zu einem Etwas. Ein reflektierender Geist kann niemals Nichts erkennen. Um Nichts erkennen zu können müsste der Geist aufhören zu sinnieren. Dann wiederum würde er aber nichts mehr als gegeben erkennen (sic!). Ein nicht reflektierender Geist wäre selber Nichts es sei denn er besäße trotz eingestellter Widerspiegelung auch weiterhin ein stillstehendes Bewusstsein für sein eigenes Dasein. Er müsste sich selbst in dem Fall einfach als Da seiend wissen und dürfte keinerlei Zweifel, Wünsche oder sonstige sekundären Einflüsse verfolgen. Ein solcher Geist würde als da seiende Wahrheit ewig innerhalb eines sprichwörtlichen Nirvana stehen. Und solange er sich selbst als Etwas ansähe, wäre er vom Nichts unterschiedlich. So müsste er sich also in diesem Nirvana aufgeben, um mit dem wirklichen, einzig wahren Nichts eins zu werden. Erst wenn er das erreicht hätte, wäre er von seinem Selbst gereinigt und eins mit der Urquelle allen Daseins. Die wiederum kann allerdings natürlich schwerlich Nichts sein. Anstelle dessen ist sie selbstverständlich eher Alles. Und weil wir als Menschen weder begreifen was absolut Nichts oder absolut Alles eigentlich nochmal bedeutet, sagen wir bei der Urquelle allen Daseins eben es sei das Absolute.
Der einzige Geist, der das Nichts wirklich benennen kann ist derjenige, der Alles ausmacht. Nur derjenige, der nichts sieht, das nicht aus seiner Schöpfungskraft entstand, ist der Urheber von Allem einschließlich sich selbst. Damit dieser Ursprung zum Urschöpfer werden konnte, musste er zuerst einmal sich selbst erkennen und beginnen zu wissen, dass er da ist. Daraus folgt, dass die Ursache schon immer da war, aber das schöpferische Selbst oder die Identität seines Daseins erschuf er durch die Entwicklung und Sammlung seiner geistigen Fähigkeit. Damit wurde er zur Allwissenden einzigen Wahrheit und ureinzigen Identität. Aber er konnte wiederum erst zu Gott werden, indem er seine Persönlichkeit aufgab und vollkommen neutral wurde. Seine Persönlichkeit unterschied sich fortan von seiner neutralen Gesamtheit und wurde ein Teil der Welt. Wenn ein Buddhist sagt, dass Gott unpersönlich ist, dann stimmt das nur insoweit wie er Gott von seiner Schöpfung getrennt ansieht. Die Persönlichkeit Gottes steckt in seiner Schöpfung - in uns. Die Persönlichkeit Gottes bildet zugleich sein identisches Dasein. Wenn wir an Gott glauben (oder nur irgendein einzelner völlig unbekannter hyperintelligenter Igelpapagei auf Proxima Zeta Sieben) dann ist Gott automatisch vorhanden. Die Welt ist allerdings nicht Gott, sondern sie ist ein Teil seines Ganzen. Gott ist als Gesamtheit nicht innerhalb dieser Welt. Er ist nur als Abbild aus seinem eigenen Ursprung hier. Wenn also jemand plötzlich ganz aufgeregt auf die Straße gelaufen kommt, mit den Armen nervöse Bewegungen macht und erhobenen Hauptes ruft er habe gerade eben Gott in seinem Badezimmer oder einem ähnlich unwahrscheinlichen Ort gefunden, dann irrt er sich. Obwohl er teilweise recht hat. Einigen wir uns darauf, dass man ihm nichts glauben sollte.
Um das Nichts annähernd zu verstehen kann man es auch anders versuchen. Man muss sich die Frage stellen was man vor sich hätte, wenn man alles in der Welt existierende (also alles was unsere Welt ausmacht und noch ein paar Sachen dazu, die wir noch gar nicht kennen) in einem Punkt ohne jede Dimension konzentrieren würde. Seltsamerweise wird einfach Alles was es gibt (bzw. zu geben scheint) zu Nichts, wenn man es in einem Punkt sammelt. Ich finde das ist eine wertvolle Erkenntnis für jeden, der sich die Taschen voll stopft und am liebsten die Welt besitzen wollte. Denn die Besitztümer dieser Welt neigen schon mal auch ohne die Konzentration von Allem dazu zu Nichts zu werden.
Man kann das Nichts nicht beweisen. Sobald man dies versuchen würde, würde man das vermeintliche Nichts zu Etwas umpolen. So würde man also das Objekt der Untersuchung allein durch seinen eigenen reflektierenden Geist kontaminieren. Der Versuch das Nichts zu beweisen mündet in der Zerstörung der Probe. Wenn man das begreift, dann wird man den Samen zu folgender Erkenntnis in den Händen halten. Es handelt sich um die Erkenntnis, wonach man niemals in der Lage sein wird die Existenz von Gott zu beweisen oder auch nur begründet anzuzweifeln. Aber man wird damit auch gleichzeitig erkennen können, dass es einem Menschen niemals in alle Ewigkeit möglich sein wird, die Welt (vielleicht anhand einer Formel) zu verstehen. Genauer genommen ist das Verstehen eigentlich nicht ausgeschlossen. Wirklich und wahrhaftig ausgeschlossen ist allein der Verstandübergreifende Beweis dessen. Die Welt scheint in ihrer Logik so konstruiert zu sein, dass ein Geist sie nur dadurch vollständig verstehen und nachvollziehen könnte, indem er geistig zu einer Einheit mit allen anderen Geistern und zugleich der Ursache aller geistigen Reflektion wird. Selbstverständlich wird man nur dann die Welt begreifen, wenn man sein geistiges Potential und Wissen so vervollständigt und sammelt, dass man mit der Urquelle allen Daseins eine spirituelle Einheit bildet. Das zu erreichen würde nichts anderes bedeuten, als in die Schule zu gehen und zu lernen wie die Zusammenhänge sind. Aber wiederum um diesen allerletzten Schritt zur Allwissenheit beschreiten zu können, ist eine andere Sache unabdingbar - die Aufgabe des Selbst und damit auch das Motiv die Welt durch das mächtige Wissen beherrschen zu wollen. Man muss allem Sein völlig neutral gegenüber stehen. Wenn man beginnt die Informationen dieser Welt zu sammeln, dann fängt man eine sehr lange Reise an, die damit endet, dass man selbst das Zentrum aller Information ist. Man wandelt sich im allerletzten (oder allerersten) Moment zu einem neutralen Bestand von Allwissen, der nichts mehr lernen muss, und weil er alle Informationen in sich vereint hat auch keinerlei Unterschiede mehr wahrnimmt. Denn Informationen entstehen immer nur aus Unterschieden in Wertigkeiten oder aus polaren Ungleichgewichten. Das Zentrum oder die Ursache von Information ist ein neutrales Gut ohne jede Polarität oder Zustandsänderung. Genau deswegen ist es nicht erst jetzt dabei zu wachsen und zu werden, denn Wissen, Wahrheit und Information ist ja scheinbar vorhanden. Damit muss auch gleichzeitg dessen Urquelle existieren und sie muss außerdem schon vorhanden gewesen sein, als alles andere noch darüber im Zweifel lag, ob es überhaupt selbst da war oder jemals da sein würde.
So materiell substanzlos wie eine Information ist, so ist auch das Nichts, die Urquelle, das Raumzeitkontinuum (also die Wirklichkeit schlechthin) substanzlos. Was ein Mensch mit seinen Sinnen als wahr nimmt, ist der rostige Abklatsch eines konkreten, willentlich geäußerten Gedankens. Wenn man wissenschaftlich die Materie als Grundlage der Realität untersucht, dann ist das ungefähr so, als wenn man in den versteinerten Fußspuren eines Steinzeitmenschen nachkucken würde, welche Haarfarbe derjenige sich immer gewünscht hat.
Die Schwerkraft ist ebenso mit dem Raum verknüpft wie die Zeit. Ebenso wenig wie es Raumteilchen oder Zeitteilchen gibt, so wenig gibt es auch Schwerkraftteilchen. Sagen wir mal es muss diese Teilchen überhaupt nicht geben, wenn man begriffen hat, dass die Welt aus mehr besteht, als aus festen Materiebausteinen. Jeder fokussierte Gedanke ist eigentlich eine verdichtete Substanz, allerdings ohne jede konkrete Festigkeit nach materiellen Gesichtspunkten. Gedanken können konkret werden, wenn man sie verdichtet und beispielsweise Reime oder auch einfache Sätze bildet. Ein konkreter Gedanke ist fester und beständiger als jeder Betonklotz. Gedanken lassen sich nicht mit Hammer und Meißel zerbröseln. Sie können nur mit anderen Gedanken gelöst werden. Das vermeintlich substanzlos Spirituelle vor dem die moderne Wissenschaft scheinheilig vorgibt so wenig Respekt und Achtung zu haben, ist härter als jede irdisch "bodenständige" Materie. Was allerdings nicht bedeutet, dass ein Mensch vor dieser substanzlosen Härte kapitulieren muss. Ein Mensch vielleicht schon, aber ein Spirit weiß es besser. Der substanzlose Raum ist unabänderbar für jeden Menschen, aber ein Geist kann ihn dehnen wie es ihm beliebt und in kürzester Zeit den Ort wechseln. Die substanzlose Zeit ist unerbittlich für jeden alternden Menschenkörper, aber im Geist erscheint uns eine Minute mal wie ein Augenblick und mal wie eine Ewigkeit. Und die substanzlose Schwerkraft lässt sich, obwohl sie für jeden kleinen Menschen das Maß an Bodenständigkeit bestimmt, im Geist problemlos aushebeln und man schwebt geistig stets in der Gefahr abzuheben, wenn man die Materie vernachlässigt.
Es ist unkompliziert die Welt zu verstehen, wenn man seinen Geist entsprechend seiner Natur benutzt. Wenn man ihn nur auf die feste, scheinbar konkrete Wirklichkeit (die Mater Gottes) wendet, dann sieht man nicht das wahrhaft Wirksame. Nämlich den Vater aller Dinge, und das ist in diesem Fall keinesfalls der Krieg, sondern die Selbstlosigkeit und Liebe. Es ist unkompliziert die Welt zu verstehen, aber einfach ist es nicht, wenn einem der Glaube an die Wahrheit fehlt.
»Die Erde stirbt. Sie stirbt durch die Hand des Menschen und das seit langer Zeit. «, »Nein, die Erde stirbt nicht. Sie verändert sich. Und das einzige was stirbt, mein Sohn, ist die Menschheit nicht die Erde. «
13 December, 2008
0020 - Beweise mir, dass du denkst und ich sage dir, wo du dich irrst
Ist das Gehirn der Sitz des Selbst? Ich las wieder einmal in einer meiner abonnierten Lieblingslektüren und stieß diesen Monat auf einen Artikel, in dem vollmundig davon berichtet wird, dass die buddhistische Spiritualität und die moderne Neurowissenschaft sich neuerdings im Dialog befänden. Und noch vollmundiger wurde versichert, dass beide Seiten sehr, sehr viel voneinander lernen könnten. Unter dem Aspekt wonach heutzutage wohl jeder schnöselige Bürohengst nur dann das Gefühl hat von anderen als tiefsinnig wahrgenommen zu werden, wenn er sich auch irgendwie als Buddhist bezeichnet, und wonach alle diese vermeintlichen Buddhisten dazu noch der irrigen Meinung sind, dass der Buddhismus so schön "Gottlos" sei, überrascht mich nicht, dass eben diese Leute auch der Meinung sein können ein spiritueller Mensch würde nach ihren geistigen Wirrnissen lechzen und von ihnen lernen.
Nicht falsch verstehen ich denke durchaus der buddhistische Mönch lernt von solchen Freaks. Er lernt, dass alles das was er schon seit Jahrzehnten weiß und für ein uraltes, philosophisches Gedankengut hält, völlig richtig ist. Nicht etwa weil die modernen Wissenschaftler ihn mit ihrem ausgegorenen Fachwissen bestätigen oder gar belehren, sondern weil ihre offensichtliche Ahnungslosigkeit und ursprungsentfremdete Weltsicht immer wieder aussieht, als wenn hundert taube und blinde Hühner immer wieder gegen ein und dieselbe Stallwand rennen. Und er lernt, dass vermeintlich moderne Menschen mit all ihren tollen, silbrig glänzenden Laborapparaturen und wahnsinnig komplizierten Strahlungsreflektionshyperemissionsreminiszatoren eigentlich die naivsten und zuweilen kleingeistigsten Kinder auf Gottes weiter Erde sind. Das alles ist natürlich kein Grund für Feindseligkeit.
Wann wird diese o wie kluge, aufgeklärte, moderne, schöne Welt der quasiunsterblichen Quasigesunden eigentlich irgendwann mal begreifen, dass sie sich immer wieder von Neuem dem gleichen Fehler zum Amüsement vorwirft, wenn sie die komplette Welt materiell verstehen und erklären will? Es ist ja schier nicht zum aushalten, dass das sogar dann zu passieren scheint, wenn den der Welt kredenzten Erkenntnissen tatsächlich mal der Ansatz von geistiger Wachheit entströmt. Da weist das Forschungsgebiet schon einmal auf die Wahrnehmung, das Verstehen und Denken des Selbst hin, und dann werden doch nur immer von neuem die alten käsigen Axiome hervorgekramt, wonach alles Immaterielle, das einen Menschen bzw. eine Person ausmacht, bittesehr nur von Atomen und Molekülen ausgehen könne. Der Höhepunkt dieser Reise in die Umnachtung des Abendlands stellt dann der Satz dar wonach der Geist auf Materie gründe. Ich fühle mich zuweilen wie der verzweifelte Fatter, der vor seinem vierzigjährigen Sohnemännle am Küchentisch hockt und nach dem berühmten Satz »Solange du deine Füße unter meinen Tisch « die Antwort bekommt was denn der Weihnachtsmann dieses Jahr wohl bringen möge. Denn so unglaublich fantastisch aus der Luft gegriffen naiv oder auch vollkommen daneben, hirnrissig, geisteskrank und ewiggestrig die Vorstellung auch sein mag - es sind nicht die spirituellen Menschen dieser Welt, die an den Weihnachtsmann glauben. Es sind die ewigen Studenten der Mater, die diese Welt ansehen, wie lobotomierte Narren einen flötespielenden Clown aus der Fremde.
Es wird heutzutage komischerweise immer von Revolution geredet, wenn irgendjemand studiertes plötzlich so was witziges sagt wie Denken verändert die materielle Welt (im Fall des hier reflektierten Ur-Artikels war das Hirn gemeint). Die totale Revolte geht hier von einem Begriff aus, der Neuronale Plastizität heißt. Vereinfacht bezeichnet dies die seit je her gegebene Wirklichkeit, wonach das Denken zu einer Neuorganisierung des Gehirns führt. Galt bislang der feste Glaubenssatz wonach das Hirn das Denken verursacht und nicht nur allein bestimmt sondern auch dessen Tiefe diktiert, so muss man heute fast glauben, dass das Denken dazu imstande sein müsste sich mal eben im Handumdrehen ein eigenes Gehirn zu basteln. Wow! Revolutionär. Das wäre ja fast so, als wenn ein studierter Mensch einfach so aus dem Quasinichts ein quasiexistentes Butterbrot mit Johannisbeermarmelade zaubert. Darf man so denken? Ist das vergleichbar? Gut das eine ist ein Gehirn und das andere ein Butterbrot. Aber eigentlich ist es hier doch nur die dämliche Moderne, die sagt das Hirn sei die Ursache meines Selbst und das Butterbrot die Ursache meiner Dioxinvergiftung. Es handelt sich jedoch in beiden Fällen um nichts Geringeres als Materie. Soll ich nun demnächst etwa glauben, dass ein Butterbrot evtl. einen eigenen Glauben hat, den ich respektieren müsse, oder wie? Lasst uns Gesetze machen. Demokratie ist so schön.
Es wird seltsamerweise etwas Revolution genannt, das eigentlich schon nicht einmal mehr als alter Hut gelten darf. Und ich persönlich komme ein weiteres Mal zu dem Schluss, das diese Welt nicht nur zwanghaft von ihrem eigenen Geist entfremdet werden soll, sondern schwubsdiwubs alles glaubt, womit sich hintergründig ein gigantisches Marketing beschäftigt. Da hat sogar der Weihnachtsmann noch eines Tages seine ganz reelle Chance, hoffe ich weniger, fürchte ich aber umso mehr.
Wenn ich mir Spiritualität ansehe, dann gibt es zwei Grundaspekte, die das Bild bestimmen. Entweder ich glaube an den Geist, dann ist Spiritualität für mich vollkommen glaubwürdig. Oder aber ich glaube daran, dass alles Geistige auf irdener Handfestigkeit basiert. Dann allerdings ist Spiritualität nur eine Ausrede. Sie wird mir minderwertig erscheinen. Ich werde sagen, dass ein spiritueller Mensch dumme Dinge glaubt, an die ich niemals glauben könnte, weil ich den Weihnachtsmann noch niemals "in echt" gesehen habe. So werde ich dann aber auch nur scheinheilig behaupten ich könne von einem spirituellen Meister lernen, denn für den wahren Meister werde ich mich selbst halten. Ich werde stillschweigend sagen, dass ich eines Tages meinen spirituellen Meister von seiner Wolke runter rupfe und ihm zeige, dass alles woran er immer geglaubt hat nur eine handvoll flüchtiger Stoffe ist. Ich werde ihn festnageln mit Beweisen, Diagrammen und Auszeichnungen und ich werde hämisch grinsen, wenn er kleinlaut zugibt der größte lebende Lügner aller Zeiten zu sein. Der Sinn meiner Faktenhörigkeit ist die baldige Entlarvung des Aberglaubens und ich freue mich an jedem Tag wenn irgend so ein verrückter gottfürchtiger Eumel vor meinen Fakten erzittert.
Wenn ich mir die Neurowissenschaft ansehe, dann hängt mein Bild ebenfalls von meiner Geistigkeit ab. Entweder ich bin spirituell und glaube an den Geist. Dann wird die Neurowissenschaft von mir immer nur als Bestätigung angesehen werden. Ich werde erkennen, dass der Geist die Materie nicht nur beherrscht, sondern sie sogar verursacht. Ich werde sehen wie das Hirn sich als das entpuppt, was es ist - eine Kommandozentrale. Und ich werde wissen, dass eine herrenlose Kommandozentrale ungefähr so effektiv und sinnvoll arbeitet wie ein verlassener Hühnerstall. Ich würde nie und nimmer anfangen mein Denken, mein Hoffen, mein Glauben, mein Empfinden, mein Selbst auf eine irdische Substanz zurück zu führen. Nicht etwa weil es gefährlich, unheimlich dämonisch oder so demoralisierend und entmystifizierend ist. Nein, sondern weil es schlicht bescheuert ist. Wenn man ein geistiger Mensch oder sogar ein geistiges Wesen ist, dann weiß man nach einiger Zeit der geistigen Reflektion, dass die Ursache aller irdischen Substanz im Geist liegt. Der Zweifel dieser Wahrheit zeigt nicht die Weisheit des Reflektierenden, sondern dessen geistige Tiefe und Affektiertheit. Wird er sich selber vielleicht für den allerallerschlausten Kritiker und Freigeist halten, so weiß der spirituelle Mensch doch nur eines über ihn - er ist auf dem richtigen Weg. Denn wann immer ein wahrhaft spiritueller Mensch einen anderen Menschen trifft, wird er wissen, dass auch dessen Weisheit niemals rückläufig sein kann.
Die wirkliche Revolution wird dann stattfinden, wenn die Gesellschaft wieder ihren Anschluß an das geistige Netzwerk findet. Ich schreibe wieder, denn ich bin mir gewiss, dass die wahre Moderne eine uralte Sache von zeitlosem Bestand ist. Ich habe so große Verachtung für diesen momentan bestimmenden, von sich selbst eingenommenen Zeitgeist, weil ich seine in der Welt gewirkten Resultate jeden Tag sehe. Denn das, was einem Neuronenforscher als erstaunliches Wunder erscheint, ist für meinesgleichen allenfalls ein selbstverständliches Wunder. All die vermeintlichen Vorteile und Segnungen des Fortschritts sind nichts weiter als die klebrigen Netze eines dunklen Schattens, der die Welt gefangen hält und sie aussaugt. Er entgeistert die Menschen, macht sie sich Untertan und gefügig, schwach und lebt durch ihre von ihm selber erzeugten Ängste, Aggressionen und Wirrungen auf. An dem Tag, wo nicht nur ein Einzelner sondern die ganze Gesellschaft ihr geistiges Licht auf diesen Dämonen legt, wird auch eine Revolution aufbranden. Erst dann wird es möglich, dass die Menschheit ein neues Selbstbild erhält. Es wird keineswegs neu sein, weil es etwa noch niemals da war oder von so großer Innovation ausgefüllt ist. Dass es dem einen oder anderen einige neue Aspekte schenken wird, aus denen er in seiner vermeintlichen Modernität doch noch lernen kann, ist allerdings nicht ausgeschlossen.
Ein zweiter Artikel im gleichen Heft versöhnte mich auch dieses Mal mit den Ahnungslosen. Der Text befasste sich mit der Frage wie sich die Welt in Zukunft entwickelt. Es war die Rede von einer zukünftigen Menschheit, die gedanklich zusammenwächst. Es wäre dann normal, dass Kommunikation nicht mehr mit Worten, sondern mental stattfände. Auch für diesen Umstand fand man ein tolles Marketingwort, das dessen eigentlich natürliche Gegebenheit zugleich verschleiert und hervorhebt. Man nennt es Panpsychismus. Man würde Gegenstände allein mit Gedankenkraft herstellen und bewegen - o Wunder. Obwohl auch hier die Notwendigkeit der materiellen Reise am verlöschen der materiellen Sonne festgemacht wurde, bleibt doch der Hoffnungsfunke, dass eines vielleicht nicht allzu fernen Tages die moderne Gesellschaft wieder begreift, dass eine materielle Sonne verlöschen kann, eine spirituelle Sonne jedoch untötbar, unveränderbar, unverrück- oder unveränderbar ist.
October 2008
18 October, 2008
0019 - Die Tragik mit der menschlichen Selbstauffassung in Zeiten der geschwisterlichen Vernunft
Ein Atheist, also ein Mensch, der nicht an den Geist glaubt, sagt, dass es einen ursächlichen Schöpfer nicht gibt. So sagt ein stolzer Atheist also gleichzeitig, dass die Schöpfung nicht existiert. Er nimmt es bloß nicht so in den Mund, weil er nicht dämlich wirken möchte. Man kann sich leicht ausmalen wie laut das Gelächter der großen Geister der Geschichte ist, wenn sie von diesen Zeitgenossen hören. Dabei lachen sie selbstverständlich nicht über die Leute, sondern über die Torheit der Leute. Ein guter Clown ist eben nur dann unterhaltsam, wenn er möglichst ernsthaft an seiner Darstellung arbeitet.
Über Atheismus braucht man sich wirklich nicht zu unterhalten. Er ist so geistlos wie er glaubwürdig ist. Dazu kommt, dass er eigentlich nur eine Werbeveranstaltung für eigensinnige, selbstverliebte, einsame Herzen ist, die ihren Daseinsschmerz allein mit der Auslöschung des eigenen Verstandes herbeisehnen. Dabei zumeist vergeblich, wenn nicht irgendwo eine herrenlose Rasierklinge herumliegt. Bei denen, die diese Phase ihres Lebens überwinden, gereicht entweder Zaster und diverse Statussymbolik zum Glücklichsein. Oder aber an einem sonnigen Morgen ward ganz plötzlich doch ein frischer Geist in ihnen wachgerüttelt, der ihnen nicht nur aus der Bewusstlosigkeit half, sondern gleich auch in das Wissen um die Logik wonach eine Schöpfung immer auch einen Schöpfer haben muss. Ob man nun will oder nicht.
Da gibt es aber noch eine Zwischenstufe. Nicht jeder Atheist wird mit einem Mal auch völlig wach. Der eine oder andere hat zwar schon bereits das geistige Auge aufgetan, aber dennoch erscheint ihm die Verheißung eines überirdischen Superbewussten allzu dämonisch. Denn schließlich muss man nach jedem seligen Aufwachen auch immer zuerst einmal ans Tagwerk, und das ist selten von Seligkeit geprägt. Also wenn dieser doofe Schöpfer eine so doofe Welt macht, dann behalte ich mir einfach mal vor, noch eine Zeitlang darüber nachzudenken, ob eine Schöpfung wirklich einen Schöpfer braucht. Wieso heißt es überhaupt Schöpfung? Man könnte doch viel besser einfach doofe Welt dazu sagen. Und eine doofe Welt ist eben von sich aus doof und kann allerhöchstens durch die vernünftige Zusammenarbeit aller Menschen zu einer undoofen Welt werden. Darin geben mir alle (oder die meisten) Recht, die ebenso unentschlossen sind und denen ich den schmückenden Namen Agnostiker verdanke. Ich denke voller Vernunft und Aufgeklärtheit, dass es Gott oder Götter nicht geben kann, weil ich sie niemals wahrnehmen könnte. Ganz egal wie sehr ich mich auch anstrenge. Das was ich nicht wahrnehmen kann, kann auch nicht wahr werden - zum Glück.
Es gibt Leute, die denken allen Ernstes, dass diese Welt - also die komplette Schöpfung mit all ihren Milliarden von Sternen, schwarzen Löchern, Galaxien, Galaxiezwischenräumen und sonstigem Universumszeugs in ganzen 6.000 Jahren entstanden sei. Als unantastbarer Beweis dient ihnen eine Sache, die an sich genommen ein eher unscheinbares Dasein in den abgeklärten Buchregalen der Moderne einnimmt. Und das ausgerechnet wo man es das Buch der Bücher genannt hat. Die Leute, die denken, dass ein Universum 6.000 Jahre alt sein und trotzdem eine handvoll Dummköpfe enthalten kann, nennen sich Kreationisten. Denn sie glauben zwar, dass eine Kreation immer auch einen kreativen Schöpfer nicht aber 15 Milliarden Jahre oder länger für ein Werden braucht. Dazu denken sie eine ganz erstaunliche Sache. Sie denken nämlich dass der Mann, der diese Schöpfung quasi in sieben Tagen aus dem Hut gezaubert hat, genauso aussieht wie sie selbst.
Es gibt noch lustigere Leute. Jene sind der festen Überzeugung, dass Gott nicht nur ein einziger, kleiner, männlicher Schöpfer mit einem weißen Weihnachtsmann-Bart war, sondern sie denken ganz sicher zu wissen, dass der Schöpfer eigentlich eine Menge Schöpfer waren. Diese unbekannten Typen nennen sie Elohim, weil die sich anscheinend mal so genannt haben. Als Beweis dient auch hier das oben genannte Buch der Bücher. Wie man diese Gläubigen Samstag, 27.11.2021nzeichnet aber der Glaube daran, dass diese Erde dereinst das manisch besuchte Ziel von Leuten war, die im gesamten Universum nie was Schöneres als die Erde gesehen haben. Deswegen allein haben sie sich nicht nur hier niedergelassen, nach Gold gebuddelt und es mit menschlichen Weibchen getrieben, sondern sie haben sich in der einen oder anderen Überlieferung, Ausschmückung und Interpretation mit anderen noch fremderen Leuten gehauen, die irgendwie auch mal ein bisschen auf der Erde sein wollten. Teilweise gibt es da dann auch Erzählungen von schlangenhaften Leuten, die eigentlich hier auf der Erde groß geworden waren und nun vom Ansturm aller fremden jemals an der Erde interessierten Leute unter die Erde getrieben wurden, wo sie - angeblich - bis heute die Regierenden der Erde kontrollieren, versklaven und teilweise sogar aufessen.
Das Universum ist begrenzter als die menschliche Dummheit. So oder ähnlich drückte es einmal ein vor kurzem verschiedener Deutscher aus, der irgendwie faszinierenderweise zum größten Denker aller Zeiten erkoren wurde - von Menschen. Ich frage mich was ist das Menschsein? Was ist ein Mensch? Das Bio-Buch aus meinem Ranzen sagt es ist dieses Ding, das zwar Schöpfungskrone genannt wird, aber sich dabei viel mehr wie der Gekrönte unter der Krone aufführt. Da ist von Haut und Knochen die Rede, von Gehirn, von Intelligenz, Vernunft, von Evolution, Affen, Körperbehaarung, Nahrungsgewohnheiten, Revieren, Nahrungskette, kulturellen Errungenschaften, Entdeckungen, Imperien und im Großen und ganzen eigentlich immer demselben Schmu in Grün und irgendwo am Ende kommt AA raus. Dann hab ich ja zum Glück noch das andere Buch. Das rühre ich eigentlich nie an, weil ich romantische Verarschungszauber mit Zuckerguss und bornierte Kriegstreiberei eigentlich noch nie so wichtig fand. Wirklich interessant sind sowieso nur das erste und das letzte Kapitel. Aber wo es ja jetzt mal um die Frage nach dem Menschsein geht, bemüht man sich halt ein bisschen. Also da stößt man unweigerlich auf einen Typen, der als Erstgeborener und Menschensohn bezeichnet wird. Wenn man wissen will was Menschsein ist, dann wird der doch eine Antwort geben können. Nein, schade er redet nur von heiligem Geist und macht alkoholische Getränke aus Wasser.
Wenn ich genauer drüber nachdenke, dann glaube ich zu erkennen, dass Menschsein etwas ganz anderes bedeutet, als es mir diese Vernunftlehre aus dem Bio-Buch glauben machen möchte. Wenn ich dann aber total superunvernünftige Bücher lese, wo es nur noch um Sterne, Krieg und Raumschiffe geht, dann ist da manchmal die Rede von Androiden. Das Lexikon gefragt erzählt, dass ein Android ein künstlicher Mann sei. Sein weibliches Gegenstück hieße Gynoid. Es sollen ganz erstaunliche Kreaturen sein, die sich irgendein wahnsinnig schöpferischer Mensch ausgedacht hat, als er davon träumte, dass ein Blechonkel ihm die ganze unselige Arbeit des Tages abnimmt oder eine Blechtante ihm den unseligen Feierabend versüßt. Da glauben doch wirklich einige Leute daran, dass es einmal möglich wäre einen künstlichen Menschen zu bauen. Und anstelle, dass sie mal ein bisschen an einem Weizenkorn üben, wollen sie lieber sofort ein komplettes lebendiges Individuum zusammenbauen. Das könnte dann ja schließlich auch mal über Weizenkörner nachdenken, wenns unbedingt sein muss.
Als Gott den Menschen nach seinem Abbild schuf, hat er sicherlich nicht das erschaffen, das heute selbstsicher, goldbeschwert und arschfokussiert in irgendwelchen geblasenen Hip-Hop-Videos rumhoppert. Na gut, dann eben den anderen, der die ganze Zeit auf den Knien durch die Kirchen dieses Planeten schliddert. Bloß was ist, wenn der ausgerechnet gerade Hip-Hop gut findet? Mann ist das alles doof hier. Wie soll man da noch vernünftig sein?
»5,1 Dies ist das Buch von Adams Geschlecht. Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach dem Bilde Gottes
5,2 und schuf sie als Mann und Weib und segnete sie und gab ihnen den Namen Mensch zu jener Zeit, da sie geschaffen wurden.«
Die Bibel - 5. Kapitel
Da wurden anschließend noch eine Menge anderer Leute wild erschaffen und gezeugt, aber die lassen wir mal in Anbetracht der knappen Zeit beiseite. Aus dem Satz kann man drei Gewissheiten heraus lesen. Als erstes hat Gott den Menschen so erschaffen, dass er ihm aufs Haar gleicht. Zum zweiten ist Gott ein Hermaphrodit. Und als drittes darf man Gott, obwohl er fast so aussieht wie ein Mannweib um Gottes Willen bloß nicht Mensch nennen. Kein Wunder, dass da jeder vernünftige Modernist die Augen verdreht, zum Telefonbuch greift und sich oder die halbe nichtatheistische Stadtgemeinde beim Asyl für gestrandete Seelen anmeldet.
Aber mal im Ernst. Muss man eigentlich alles in dieser Welt immer aus dem Blickwinkel eines spätaffonoiden Dummotrophen abhandeln? Ich halte es für nicht allzu schwer zu verstehen, dass ein Mensch zwar in einem Körper steckt, aber das Menschliche ist nicht das was geritten wird. Das wäre so, als wenn man Pferde, Autos und sogar Radiergummis zu Menschen erklären müsste, weil sie sich gerade eben mal ein bisschen so ähnlich verhielten wie es ihnen ein Mensch aufzwang. Denn eigentlich ist es nicht der körperliche Mensch, der etwas in dieser Welt bewegt, sondern der Geist ist das in jeder nur erdenklichen Hinsicht Bewegende. Und siehe da :: So einfach lässt sich auch das Rätsel des allzu menschlich geratenen Gottes erklären. Als Gott den Menschen nach seinem Abbild schuf, da machte der heilige Geist einen Unterschied zwischen sich und dem anderen, der den Sinn und die Einheit mit Unterstützung einer geistreichen Vernunft wieder zu finden hofft. Gott sieht also nicht aus wie ein Mann aus der Bahnhofsmission, wie George aus dem weißen Haus oder wie eine vollendet selbstverwirklichte Frau von Heute. Er sieht schlichtweg so aus wie der Geist in uns allen :: geschlechtslos, gesichtslos, körperlos, zeitlos und zu allerlei Unfug fähig.
So gesehen ist entwurzelte blindgläubige Religiosität durchaus unvernünftig. In der Religion ist es nicht sinnvoll sich einer Geistlichkeit unterzuordnen, die einem erzählt wie Gott aussieht, was er denkt und was er für richtig oder falsch hält. Anstelle dessen sollte man viel lieber die eigene Geistigkeit erkennen und verinnerlichen. Nur ein innerlich erlebtes, ein esoterisch gelebtes, geistiges Hinaufstreben kann als vernünftig gelten. Das ist allerdings nur dann wahrhaft vernünftig, wenn es der Wahrheit anhaftet und die Liebe zur Weisheit objektiv angestrebt wird. Jeder Neutralitätsverlust, der sich im Liebes- und Lichterwahn so manches Esoterischen Kreises zeigt, zeugt nicht gar allzu umfangreich von Philosophie. Auf der anderen Seite will ich die Geistlichkeit aber auch nicht verurteilt sehen. Sie kann ohne weiteres als Wegweiser oder sogar Stellvertreter gelten. Man ist dankbar und geht mit der Weisung im Hinterkopf weiter.
06 October, 2008
0018 - Die großartige Selbstverständlichkeit der menschlichen Egozentrik und der unbegründete Kampf mit dem ständigen Gefühl der Minderwertigkeit
Wie groß müsste das Universum sein, um ein Volk wie unseres zu erschaffen? Jemand wird sagen, dass es eben genauso groß sein müsste wie es genau jetzt ist. Aber das Universum wächst. Zudem glaube ich nicht, dass ein Quasar am Rand des bekannten Universums von essenzieller Wichtigkeit für Hans A. Mustermann* ist. Die Frage ist, welche Dinge von Nöten sind, um ein Lebensumfeld wie das Sonnensystem zu ermöglichen. Denn ich glaube viel mehr als das benötigen wir nicht, um ein selbstgefälliges Leben zu führen. Somit stellt sich dann also die Frage was geschehen musste, damit das Sonnensystem entstehen konnte.
Das Wichtigste im direkten Umfeld unserer Welt ist wohl die Sonne bzw. das Sonnensystem mit allem was es erfüllt. Wenn man sagt, dass das Sonnensystem das direkte Resultat der Bildung einer Sonne ist, ist also die Sonne das Wichtigste. Also was ist dann wiederum nötig, um ein solches Gestirn zu erzeugen? Gasnebel, einige schwere sowie leichte Elemente, das Übliche halt. Dann allerdings braucht es mindestens einen kollabierenden Stern, der unsere Gaswolke in die Fähigkeit von Kontraktion versetzt. Alles damit sich das Stoffgemisch zu kleinen Brocken verdichtet, die wiederum Kegel in die Raumzeit drücken, in denen sich letztlich Planeten und mindestens ein Zentralgestirn sammeln. Aber vor dem kollabierenden Stern muss auch schon eine Gaswolke da sein. Woher kommt die? Die Frage ist, welche Elemente in der Gaswolke vorhanden sind. Gehen wir mal von einer aus, die auch wirklich schwere Planeten bilden kann. Dann braucht es dafür eine ganze Generation voran gegangener Sterne, die seit Milliarden Jahren damit beschäftigt sind schwere Elemente zu erzeugen. Man müsste die Anzahl dieser Sterne am Finger abzählen können, da ihr ganzer Daseinszweck dem Erzeugen unserer Elemente dienen würde. Und die sind - in Bezug auf dieses Sonnensystem - begrenzt. Wahrscheinlich würde die Produktion all dieser Mengen an Stoffen noch nicht einmal besonders lange Zeit brauchen. Dann also die nächste Frage: Wie viele Sterne bräuchte es um genügend Material zu bilden, damit letztlich unsere Umwelt mit allen in ihr enthaltenen Elementen entstehen kann. Theoretisch müsste es möglich sein zu berechnen wie viel Aufwand und Material dazu nötig gewesen ist. Das Problem ist, dass man bei manchen Elementen (wie z. Bsp. Gold) nicht sicher ist, wie sie entstehen. Einige Thesen gehen allerdings von einer Energiemenge aus, die nur bei der Kollision von Neutronensternen freigesetzt wird. Das heißt man bräuchte also auch diese Exoten in der angefangenen Überlegung. Kurz umrissen wäre für die Entstehung dieses uns so vertrauten Sonnensystems eine ganze Menge anderes Zeug notwendig. Natürlich setzt sich das fort, denn die für die Bildung des Sonnensystems notwendigen Ursachen bilden sich ebenfalls nicht einfach so. Das einzige, was sich wirklich ganz selbstständig gebildet zu haben scheint, ist der Urknall. Es gibt wenn man es rein wissenschaftlich betrachtet und von der Urknalltheorie ausgeht eigentlich keinen wirklich logischen Erklärungsansatz, der vernünftig aussagen könnte, weshalb es zur Bildung eines Universums gekommen ist. War das ganze wohlmöglich nur ein Unfall?
Es gibt einige mögliche Erklärungen für die Existenz der menschlichen Gesellschaft.
- Der Mensch ist das Resultat eines erstaunlichen Zufalls oder sogar ein evolutionärer Unfall. Vielleicht ist es von Mutter Natur niemals so gewollt gewesen, dass ein Säugetier sich seiner selbst und seiner Umwelt bewusst wurde. Manches pessimistisch verbrämte Opfer der Pubertät kommt zu dieser oder jenen depressiven Morgenstund zu dem Schluss, dass die Welt ohne den Menschen besser dran wäre. Selbige Ansicht bleibt bei Fortbestehen der chronischen Verbitterung oft bis ins hohe Alter. Hier wird sehr an dem schweren Schicksal des vermeintlichen Raubtieres getragen, das angeblich in jedem Menschen stecken solle. Der Mensch wird dabei aber nur verallgemeinert und allgemein wird ihm (aufgrund einiger zeitgenössischer oder historischer Problemfälle) die Vernunft aberkannt.
- Menschliches Leben ist zwar nicht aus einem Zufall wohl aber aus einer Evolution entstanden. Die Jahrmillionen währende Reise durch das wilde Trial and Error brachte schließlich das ewig Fragen stellende Kind Homo Sapiens hervor. Es ist zudem das erste und einzige Wesen seiner Art und sieht sich dazu bestimmt das Universum zu erobern und sich Untertan zu machen. Der Mensch ist das einzige selbstbewusste Geschöpf auf allweitester Flur. Die Antwort auf den Sinn des Lebens ist nur eine Frage der Zeit.
- Der Mensch ist nur eines von vielen Myriaden an selbstbewussten Lebewesen in der Leere des Alls. Allesamt entspringen sie einer Evolution, deren Ziel und Sinn völlig unbekannt ist und ewig bleiben wird. Das Ende des Universums liegt in einer ewig dunklen, von Materie und Energie leergefegten Ödnis. Das ganze Konzept ist von Leid geprägt, welches letztlich völlig sinnlos ist, da jedes vernünftige Ziel fehlt.
- Die Bildung von selbstbewusstem Leben ist weder Zufall noch Resultat einer Evolution, sondern ein geplanter, willentlicher Versuch des Urgeistes das von ihm selbst geschaffene Universum geistig zu durchleuchten und zu erleben. Das Universum ist demnach nur ein Zeitvertreib für ein Wesen, welches die Schöpfung zur Heranbildung einer geistigen Sammlung benutzt. Der Mensch devolvierte (wickelte sich herab) aus dem geistigen Oberbau des Kosmos in die tiefste Ebene des geschaffenen Schauspiels, um im trägsten Materiefluss die geistige und körperliche Disziplin zur Heranbildung eines voll bewussten Geistes zu erlernen. Mensch bezeichnet dabei nicht zwingend nur den Homo Sapiens, sondern sämtliche in diesem Kosmos befindlichen Individuen. Es mag noch weitere Erklärungen geben. Ich halte jedenfalls Nummer Vier für die geltende Wirklichkeit, weil sie am meisten Sinn ergibt und dazu in jeder Hinsicht logisch ist - Gesetz dem Fall man hat einen spirituellen also dem irdischen Menschen übernatürlich zugeordneten Blickwinkel. Dazu allerdings zu vermerken, dass Punkt Vier nur ein sehr eng zusammengefasstes Paket der wirklichen Zusammenhänge ist. Das gesamte Paket lässt sich nebenbei in sehr (sehr!) alter Literatur finden oder aber Literatur, die sich mit dieser uralten Literatur befasst. Sicherlich mag Nummer Vier einem heute lebenden Erdbewohner nicht sonderlich vernünftig erscheinen, aber das lässt eben auch gewisse Schlüsse auf die geistige Verfassung unserer Moderne zu, denke ich. Wie dem auch sei. Ich denke jeder ist im Leben irgendwann einmal bemüht einen Sinn im Ganzen zu entdecken. Es mag durchaus solche Leutchen geben, die an irgendeinem Punkt im Leben jeden Sinn verneinen. Trotz dessen, dass man auch diesen Unsinn tolerieren muss, hält mich niemals etwas davon ab für den von mir erkannten Sinn einzustehen. Die Unsinnigen tun es ja mit ihrem Blödsinn ebenfalls zur Genüge.
Die Frage wie groß das Universum sein müsste, um unsere Moderne Gesellschaft erzeugen zu können, zielt natürlich allein darauf ab, die Verschiebung zwischen der Erwartung eines modernen Menschen und der geltenden Realität aufzuzeigen. Menschen behaupten es gäbe kein anderes Leben dort draußen, geschweige denn Planetensysteme. Das widerspricht meiner Meinung nach der schieren Größe des Gebildes, das man früher ganzheitlich als Schöpfung bezeichnet hat und heute schlicht Universum nennt.
Dazu muss ich sagen, dass ich die Überlegung nicht blöd finde, wonach das Universum tatsächlich allein von uns Erdlingen bewohnt wird. Vielleicht ist der Mensch wirklich das allerallererste Ding in diesem etwas größeren Ding, das dazu erkoren ist irgendwann mal alles in diesem Ding zu besitzen. Es ist irgendwie schön zu glauben, dass man heute quasi den Pionieren dieser Rally angehört. Wohlgemerkt glaube ich aber dennoch nicht, dass wir Menschen - trotz dieser vermeintlichen Vorsehung - die einzigen selbstbewussten Lebewesen im Kosmos sind. Wir sind es vielleicht in diesem Universum, aber nicht im gesamten kosmischen Theater. Ich denke das, was wir als Universum bezeichnen ist nur ein kleiner Ausschnitt der wirklichen Realität. Und wir Menschen wiederum nehmen nur einen verschwindend kleinen Ausschnitt aus diesem Ausschnitt sinnlich wahr. Gleich nebenan gibt es andere Welten, die feiner aufgebaut sind und sich aufgrund dieser scheinbaren Verflüchtigung nicht mehr oder nur selten erkennen lassen. Nur ganz selten überschneiden sich diese Welten miteinander - früher häufiger und in Zukunft wohl ebenfalls wieder sehr viel öfter wie ich vor kurzem hörte. In diesen Welten jedenfalls mögen so manche Antworten auf die Rätsel unserer Welt liegen. Da ist es kein Wunder, dass die Fragen im Diesseits exponential angewachsen sind, wenn man die Zugehörigkeit zu diesen Welten aus Unwissenheit oder falschem Stolz leugnet. Das alles genauer aus meiner Sicht zu erklären reizt mich, aber morgen ist auch noch ein Tag. Davon abgesehen kann jeder das auch ganz allein raus finden, denn das schließt Punkt Vier ja als Hauptaussage ein.
Welchen Sinn macht es, dass das Universum sich anscheinend immer schneller immer weiter ausbreitet? Reicht etwa die jetzige Größe noch nicht aus, um uns Menschen zu gefallen? Wird schon heute der Platz geschaffen, den wir in ferner Zukunft brauchen werden? Die Wissenschaft sagt heute, das Universum habe sich seit rund 15 Milliarden Jahren ausgebreitet. Alles damit heute Leute vor dem Fernseher sitzen, Bier in sich schütten und FUFBAH oder TOOOR schreien. Das ist zumindest ein klitzekleines bisschen merkwürdig, finde ich. Da kann Mensch, wenn er allein die Perspektive von hier unten da rauf hat, wirklich nur von einem sinnlosen Megaquark ausgehen. Aber Menschen können offenbar mehr, denn sie haben (und nutzen vereinzelt) die Fähigkeit zu geistiger Reise, Widerspiegelung und schöpferischem Ausdruck. Der Sinn des Lebens muss also bereits heute erfüllt sein und ist etwas, dass von jedem Tag aufs Neue von anderen Protagonisten erlangt und erkannt werden muss. Das ganze Drumherum ist bestenfalls Zeitvertreib oder eben schiere Möglichkeit zum geistigen Wachbleiben.
Die Antwort auf die Frage wie groß das Universum sein müsste, um einen Menschen hervorzubringen lautet :: es muss so groß sein, wie der Mensch der darin sein soll. Der Urschöpfer hätte sagen können es geht mir nur darum einen coolen Onkel zu machen, der sich schick frisiert und möglichst lange Zeit damit verbringt seine sexuelle Fixierung oder sein Interesse für Ballspiele auszuleben. Gott hätte ihm ein Haus auf einem kleinen Grundstück mit Jägerzaun gebaut, hätte ihm eine Friseuse in die Küche gestellt, und wöchentlich mal reingekuckt, um Chips-Vorräte und Bierkanister zu erschaffen. Dazu hätte er ansonsten noch ein paar staubige Videokassetten mit Gameshows und sonstigem Firlefanz organisieren müssen und alles wäre bestens gewesen. Aber nein! Gott muss doch tatsächlich hingehen, schmeißt lediglich eine Handvoll Dreck in die Ursuppe und faselt da irgendwas Lapidares rum wie es werde Licht und son Zeug. Da geht er also hin wirft ein paar Klötze durchs Zimmer und wartet gemütlich drauf, dass daraus in Milliarden von Hypertausenden von Megajahrzehnten mal irgendwann eine Pyramide wird. Wieso bloß so umständlich, Mensch!?
Entwicklung scheint das wichtigste Konzept in dieser Schöpfung zu sein. Alles was heute ist, hat sich aus irgendwas anderem herausgebildet. Die Materiewelt - so träge sie sich auch verhalten mag - fließt einem vorbestimmten Muster nach. Die ganze kondensierte Geistenergie erstarrt dabei anhand willentlich vorbestimmter Vision, die von Gott oder einem Menschen stammen kann, und erzeugt eine konkrete Kruste, die sich dann einem in Fleisch gegangenen Geist als Realität zeigt. Der Geist wiederum erkennt, dass nichts in diesem scheinbar konkreten Weltbau wahrhaft beständig ist, außer den spirituellen Ideen, die dem Weltbau zugrunde liegen. Somit ist ihm ein Fingerzeig geschenkt, der ihm das Ziel seiner Entwicklung anzeigt. Er muss dazu zwischen der körperlichen und der geistigen Entwicklung unterscheiden lernen. Die eine versiegt in der Blüte des Lebens und schlägt in eine Regression um, die letztendlich im Kreislauf Asche zu Asche mündet. Die zweite allerdings reift über das materielle Leben hinweg immer weiter und kann auch darüber hinaus beständig bleiben. Der Kreislauf, dem die spirituelle Entwicklung folgt, mündet dabei von der absoluten Einheit zur erneuten Sammlung in dieselbe zeitlose Einheit und umspannt nicht nur hundert kleine Menschenjahre sondern die Ewigkeit.
Wenige gesonderte Berichte von so genannten Begegnungen der dritten Art beinhalten Aussagen von Seiten der dritten Art, die nahe legen, dass Außerirdische nicht nur außerirdisch sondern sogar außerhiesig im weitesten Sinne sind. Explizit treffen einige dieses Dritte-und-Vierte-Art-Gesindels (sehr wahrscheinlich die authentischsten unter ihnen) die Aussage, dass das gesamte mit ihnen aufgefasste Phänomen von Seiten der betroffenen Erdlinge missverstanden wird. In der Vergangenheit erlebte ich nach einer langen Reise durch die dieses Phänomen betreffende Fragenwelt einen Schlüsselmoment. Ich erkannte wieso die Außerirdischen Kühe töten, aus dem Nichts und durch Wände kommend in Schlafzimmer eindringen, sauer werden, wenn man sie fragt wieso sie so böse entführen und noch anderes tun, was einem Materiemenschen die eine oder andere Sekunde des sagenhaften Unverständnisses aufzwängt. In früheren Zeiten sollen die Beziehungen zu diesen Leuten gar um einiges offener oder umfangreicher gewesen sein. Aus dem spirituellen Aspekt heraus betrachtet, erscheint das alles nicht mehr sonderlich rätselhaft. Überhaupt macht wundersamer Weise einfach alles was mit der Entwicklung dieser Schöpfung zusammenhängt mit einem geistigen Blick viel mehr Sinn.
Sind die Außerirdischen wirklich weiter entwickelt, als wir kleinen, doofen, selbstzerhackstückenden Erdlinge? Üblicherweise glauben Menschen heutiger Tage an die Legende das Ziel allen Daseins sei die Entwicklung eines Sternenimperiums. Ganz ähnlich wie es uns die Filmmaschine aus dem Sunshine-State vorgezeichnet hat. Da soll es vor fliegenden Hightech-Sachen und denkenden Robotern nur so wimmeln. Überall nur Fortschritt, Technik und ein Wissensarsenal unglaublicher Ausmaße. Ich habe das alles mittlerweile als zweitrangig eingestuft. Und deswegen glaube ich nicht, dass die Außerirdischen auf der Hightech-Schiene weiter sind als wir Menschen. Ganz im Gegenteil haben sie nicht nur eine vollkommen andere Schienenrichtung sondern ein völlig anderes Gleis belegt. DIE Außerirdischen gibt es allerdings nicht. Sie sind so unterschiedlich und facettenreich wie die Menschheit selbst. So gibt es anstelle dessen Dämonen, die der göttlichen Ethik aufgeschlossen sind und solche, die Gott selbst leugnen oder etwas zu Gott machen, das nur ein relativer Gott ist. Die letzteren Seelen haben Ziele, die in dieser Welt liegen und so streben sie materiellen Reichtum und vollkommene Autarkie von der für sie nicht existierenden einheitlichen Ethik an. Ihre Gesellschaften sehen aus, wie bombastische Fortschrittsmaschinen. Sie haben es geschafft die Schallgrenze der gesellschaftlichen Evolution zu überschreiten, was sie letztlich in ihrem Glauben an ihre eigene Wahrheit bestärkt hat. Sie sind kriegerische Völker, die dem Rassereinheits- und Evolutionsgesetz treu ergeben dienen. Imperialismus kennzeichnet alle ihre Tagesgeschäfte. Es ist allerdings nicht so, dass diese Leute unvernünftig im Sinne von unkoordiniert oder uneinheitlich bzw. chaotisch seien. Ihre Vernunft dient lediglich dem eigenen Zweck. Gesellschaften dieses Modells haben einst an demselben Punkt wie wir Menschen gestanden. Aber als der Moment gekommen war sich zwischen der vollkommenen Einheit mit der Natur und einem abgeschiedenen Industrieboom zu entscheiden und damit letztlich zwischen der Materie und dem Geist, haben sie sich der Materie zugewandt und damit all ihre Möglichkeiten aufgegeben in Einheit mit sich selbst oder der kosmischen Ordnung zu leben. Ihre Welten sind von Kunstlicht und Abgasen durchflutete Intrigentheater, in denen jeder Beteiligte nur seine eigenen Interessen verfolgen kann, weil jede Alternative die Auslöschung bedeuten würde. In jenen Welten liegt die Wahrheit weiter entfernt und ist unauffindbarer als sonst irgendwo. Die Macht des Geistes über die Mater sehen sie als hermetische Kunst an, die von Meistern gelehrt werden müsse. Und zu Recht, denn in ihrer Welt beherrschen intrigante, egoistische Mächte ebenfalls das Spiel mit der Mater und so muss ständig um den Ausgleich der Kräfte von heller und dunkler Seite gebangt werden.
Wenn irgendjemand heute diese Welten romantisiert und sich dorthin träumt, lässt das Schlüsse auf seine geistige Prägung zu. Die ist entweder durch Filme oder sonstige geistige Unterhaltung gesät, oder aber auf dem eigenen Mist entsprossen. Jedenfalls steht eines fest. Momentan erlebt die Menschheit das Herannahen des Scheidewegs. Er wird unsere Gesellschaft durcheinanderrütteln wie noch keiner davor. Dahinter werden sich die einen auf dem Weg in die Welten der bösen Geister befinden, wo nur das Recht des Stärkeren gilt. Und die anderen werden sich in einer Welt wieder finden, in der die natürliche kosmische Ethik und einziggültige Wahrheit zum Maßstab des alltäglichen Lebens wird. Beide Welten sind noch niemals perfekt gewesen und sie werden es auch niemals sein. Für den Wanderer durch die Zeitalter stellt sich allein die Frage in welcher Welt ihm das Leben lebenswerter erscheint. Ich jedenfalls kenne die eine bereits sehr gut und warte nun auf die Erfahrungen in der anderen.
*(Name geändert - d. Verf.)
02 October, 2008
0017 - Eine kleine Überlegung zum großen Schlaf
Dass viele Menschen heute denken, sie müssten in ihrem kurzen Leben möglichst eindrucksvolle Impressionen ergattern und ebenso untilgbare Eindrücke bei Mitmenschen hinterlassen, hat wohl mit einer weit verbreiteten Religionslehre zu tun. Diese hat den Menschen nicht nur entgeistert, sondern mit ihrem eigentlich kleinen Coup das bewirkt, was sie letztlich am liebsten verteufelt gesehen hätte - die Aufklärung. Mit der Lehre vom endlichen Leben richtete man das Augenmerk der Menschen stärker den je auf das vermeintlich einzig wahre. So lebten Generationen das Bewusstsein wonach Vernunft und Rationalität gleichbedeutend mit Handfestigkeit wäre und entdeckten so irgendwann ihre Emanzipation von der geistlichen Obrigkeit, die das in der Form wohl eigentlich nicht ganz im Sinn hatte.
In alten Kulturen war es immer eine ganz normale Sache, dass ein Mensch nach dem Ausscheiden aus der sterblichen Hülle weiterleben würde. Heutige Menschen stellen sich dabei teilweise die Frage wie es angehen kann, dass ganze Völker solch eine große Faszination für den Tod hatten und gar regelrechte Totenkulte das diesseitige Leben bestimmten. Das können ja eigentlich nur dumme Lebensflüchtlinge gewesen sein. Damals war man eben längst nicht so Rational wie heute, wo man erkannt hat, dass man solange nicht an Gott glauben braucht wie ein Beweis über ihn ausbleibt. Heute ist man dann vernünftig, wenn man nicht an Geister, Gott oder übernatürliche Sachen glaubt oder zumindest versichert, dass man unentschlossen sei. Wahrscheinlich sind wir Modernisten die ersten in einer langen Kette von Generationen, die standhaft den Glauben teilt man würde aufhören zu existieren, wenn der Verfall des Körpers Überhand nimmt. Wie so oft sind wir bei dieser Frage entweder Leute, die am fortschrittlichsten denken, oder aber die allerletzten Volltrottel.
Einer meiner Lehrer und ich unterhielten uns einmal über Außerirdische und irgendwann behauptete er steif und fest, er würde als völliger Rationalist nur das glauben, was er sehen könne. Das ist lange her, aber ich konnte schon damals das schallende Gelächter in meinem Kopf nicht unterdrücken, als mir klar wurde, dass mein Lehrmeister nicht an seinen eigenen Verstand, die Liebe seiner Frau und Kinder oder die Rückseite von Erde, Mond und Sonne glauben würde. Natürlich hätte seine Antwort auf mein Unverständnis in etwa gelautet, dass er sehr wohl an diese Dinge glaube, denn er könne sie doch auf indirekte Weise erkennen. Seinen Verstand würde er einfach so als real akzeptieren, da er ihn ja fühlt, die Liebe seiner Familie sähe er in vielerlei Liebesbeweisen, und dass Erde, Mond und Sonne eine Kugelform haben, wüsste er von Fotografien. So ist Rationalität also eigentlich nichts weiteres, als eine größtmögliche Ansammlung von persönlichen Ahnungen, oder wie?
Man sagt heute manchmal die Gesellschaft hätte mit dem Loslassen vom einfachen Glauben an übersinnliche Dinge einen Pfad des Verderbens verlassen. Man sei erwachsener geworden, weil man sich nicht mehr von irgendwelchen oberflächlichen Eindrücken und Wahnvorstellungen in die Irre leiten ließe. Das Leben wird heute nicht mehr von unsichtbaren Einflüssen bestimmt die Spukhaft um einen herumschwirren und Unsicherheit und Angst verbreiten. Dabei hat man nur den einen Glauben gegen einen anderen getauscht. Der Gott der Moderne trägt den seltsam ungelenken Namen Fortschritt und Wissenschaft ist die Religion, welche mich ihm näher bringt. Die Lehre unterliegt den Prinzipien von Vernunft. Und die quasidogmatischen Axiome der Lehre gelten als Absicherung gegen allerlei wilde Spekulation und unvernünftige Pseudolehrer. Mit dem inbrünstigen Feuer des rationalen Sakramentes von Wiederholbarkeit und Beweisführung brenne ich der Welt der Unwissenden meinen Glauben an handfeste Fakten auf den Pelz. Bis sie alle mein Zeichen tragen und nur noch mir das Gras aus der Hand fressen. Sogar der Papst und Gott persönlich. So in etwa lautet wohl die Maxime eines Menschen, der als durch und durch Vernünftig gilt. Bei Gesprächen über Außerirdische, Marsgesichter, Untergrundbasen oder auch Götter, Geister und sonstigen spekulativen Unfug wird man ihn kopfschüttelnder als jemals zuvor erleben und ihn deswegen als Skeptiker kategorisieren. Und wenn man ihn fragt was er über den Tod denke, wird er versuchen zu sagen, dass das Leben mit dem Herzstillstand, dem Ende der Hirnaktivität oder ähnlichen Indizien aufhöre und vorbei sei - auf Ewig. Er wird zugeben, dass man gar nicht so genau wisse wann ein Mensch eigentlich tot ist. Und dann wird er im Rausch von Vernunft und Faktenwissen eine Rede über irgendwelche ihm allein namentlich bekannte Leute halten, die irgendwann einmal diese oder jene Ahnung geäußert haben. Nur um zu zeigen, dass er zwar ahnungslos und doch (oder eben gerade deswegen) irgendwie akademisch legitimiert sei.
Ich weiß, dass ich nichts weiß. Dieser Spruch ist eines der Lieblingszitate von eigensinnigen Gelehrten oder selbsternannten Philosophen. Die wenigsten davon werden zugeben, dass sie zwar weitgehend unwissend aber nicht vollkommen unwissend sind und es vor allem nicht bei Unwissenheit belassen müssen. Und noch seltener werden solche zugeben, dass sie den Spruch zwar oft und gern benutzen aber sich ganz im geheimen stillschweigend für die Allerallerklügsten und regelrecht sprudelnde Wissensquellen halten. Man nutzt den Spruch gern, um sich in seinem stillen Gedankenkämmerlein vor allzu nervenden Meinungen abzuschotten, die einem ihr Wissen aufdrücken wollen. Was ist Wissen? Ein Rationalist müsste sagen, dass er nicht an Wissen glaube, denn man kann es nicht sehen. Aber halt! Man kann es doch sehen. Es ist dieses lustige Zeug, dass man in Büchern und dem Internet sieht und das dem einen ein staunendes Oh und dem anderen ein schmerzendes Ah entlockt. Und ich sage, dass das, was in Büchern und dem Internet steht, eigentlich nur Buchstaben sind. Wenn Wissen aussieht wie Amerika wurde 1492 von Kolumbus entdeckt, dann hat es sehr viel Ähnlichkeit mit Unwissen. Denn Unwissen sieht so aus Es war einmal ein dorniges Röschen. Wissen wird niemals von Buchstaben definiert, sondern allein von demjenigen der sich vom geistigen Inhalt informiert sieht. Somit ist ein Lehrbuch für den einen eine Sammlung von Wissen und für einen anderen pure Gehirnwäsche. Wissen ist also nicht das in einem Buch oder dem Internet, sondern es ist das, was man geistig zugeordnet als Information ansieht. An dieser kleinen Erkenntnis, die nebenbei einen Bißchenwenigerwisser erstaunlich leicht zu einem Bißchenmehrwisser macht, sieht man, dass die vermeintlich moderne Rationalität Blödsinn in Reinkultur ist. Denn sie ist dehnbar und hängt allein von der Ansicht des Informierten ab. Übrigens ebenso wie jeder Gegenentwurf zur momentan üblichen Ratio. Das liegt aber nicht daran, dass eigentlich alles purer Blödsinn ist, sondern daran, dass Blödsinn und Sinn eben immer nur vom Geist eines Informierten abhängt. Wahrheit dagegen hängt nicht vom Auge des Betrachters ab, sondern allenfalls deren subjektive Wahrnehmung. Nicht die Wahrheit ist relativ, sondern das, was man wahrhaben möchte. Das ist allerdings ziemlich selten Wahrheit, denn die ist immer so unbequem und furchtbar einschränkend.
Ob es Beweisketten gibt oder lediglich persönliche Gewissheiten bei einem einzelnen Menschen, sagt nichts darüber aus wie groß der Wahrheitsgehalt einer Information ist. Allgemein wird allerdings das für Realität gehalten, was möglichst viele (oder theoretisch alle) Menschen für sich ganz persönlich nachweisen könn(t)en. Das macht wiederum sehr großen Sinn, denn auf diese Weise verhindert oder verringert man das babylonische Sprachengewirr. Der Überschnitt an gemeinsamen Sinneseindrücken und gemeinsamen Gewissheiten schafft in jedem beteiligten Geist ein sinnvolles Selbstbewusstsein. Und nur damit erlangt man die Möglichkeit auch Dinge zu begreifen, die den Sinnen anderer jenseits stehen. Die gemeinsamen Gewissheiten bilden das irdische Fundament zur Erkenntnis alles Transzendenten. Denn alles Transzendente (einschließlich dem Geist im Kopf von uns allen) kann nur auf transzendente also übersinnliche Weise sinnvoll geordnet werden. Wenn einem aber der sinnvolle Verstand oder die Vernunft fehlt, wird man alles Himmlische weder begreifen noch einen sinnvollen Lebens- oder Todeszustand erreichen. Das Leben wird eine Aneinanderreihung sinnloser Quälerei sein und der Tod das Ende dieses krankhaften Leidens.
Menschen, die diese Überzeugung teilen glauben wahrscheinlich an die Idee, wonach der Mensch oder die Intelligenz eine Krankheit sei. Eine Art Unfall, der von der Natur nicht gewollt sei. Der tief sitzende Zynismus wurzelt in der Art und Weise wie diese Menschen ihr und das Leben anderer wahrnehmen. Sie hassen es schlichtweg, denn sie mögen die Machtlosigkeit nicht, die ihnen das oh wie moderne Leben aufzwingt. Selbstbewusstsein ziehen sie nicht aus einer Vernunft oder einer Wahrheit, sondern höchstens aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter. Auf diese Weise wird es plötzlich schick an Dinge zu glauben, die philosophisch betrachtet der ultimative Superkäse sind. Mit dem Zuspruch der Gruppe und ihrer geistigen Vorreiter wird es möglich Wahrheiten zu glauben, die man nicht im Inneren nachvollzogen, sondern von außen aufgesetzt bekommt. Und irgendwie sagt man sich dann ja, so habe ich es immer gefühlt - welch Wunder.
Was passiert beim Sterben oder wann ist vor allem ein Mensch wirklich Tot? Während die Wissenschaft hier ihre Materialbefunde bemüht weiß der spirituelle Mensch, dass der Tod dann stattgefunden hat, wenn Seele und Geist aus dem Körper gewichen sind. Weil diese Dinge nun mal leider keine brauchbaren Messwerte liefern, müssen sie dem rätselnden Doktor spekulativ gelten und so kann seine Definition von Tod eben auch nur ein bisschen uneinheitlich zwischen dieser und jener Zweitursache herumspringen. Mitunter hat das in der Vergangenheit und teilweise der Gegenwart dazu geführt, dass scheinbar tote Leute ihren Lebensabend auf düsterste Weise aufgezwungen bekamen. Die moderne Wissensreligion spricht bei Nahtod-Erfahrungen wie Lichtkorridoren und ähnlichem von der schlichten Annahme, es handle sich dabei um chemisch erzeugte Illusionen. Sie würden einfach nur der Vorbereitung auf das unabänderbare Ende dienen. Aber wozu braucht es einer Vorbereitung auf eine Sache, die letztlich nicht nachfühlbar wäre, wenn man der Wissenschaft glaubt? Wenn der Tod das absolute Ende jeder geistigen Reflexion ist, macht eine Vorbereitung darauf doch eigentlich überhaupt keinen Sinn. Schalter an - Schalter aus. So einfach wäre das. Wieso also eine Vorbereitung? Dass es eine Vorbereitung ist, ist durchaus korrekt. Bloß eben hat sie einen Sinn und ist nicht einfach nur eine Panne im Sinneseindruck eines Sterbenden. Veränderungen in der Hirnchemie oder Halluzinationen sind deswegen nicht der Grund für die Sinneseindrücke, sondern der wirkliche Grund liegt viel tiefer in der Natur des Menschen begründet - der Geist nimmt die Loslösung vom sterbenden Körper wahr und dieser Eindruck wird den Sinnen des Menschen mit materiellen Indikatoren übermittelt. So ist es auch kein wirkliches Wunder, dass Menschen, die kurz vor dem Exitus (dem Ausgang) stehen, der Welt entrückt wirken und ihre Gestik und Mimik mitunter irrational erscheinen.
Nie und nimmer ist der materielle Tod das Ende aller spirituellen Aktivität. Mal angenommen das wäre tatsächlich so, dann müsste man jedes Mal, wenn man eine Glühbirne ausschalten würde, mühsam herausfinden wie das Zimmer unter Lichtbestrahlung aussähe. Man müsste dazu nicht nur die Glühbirne neu erfinden, sondern außerdem die komplette Elektrik und alle sonstigen Dinge, die mit dem einfachen Glühen eines Wolframfaden zusammenhängen. Kurz gesagt gäbe es, wenn Materie wirklich die Grundlage der realen Welt darstellen würde, keine Erinnerung. Dann allerdings gäbe es auch keine Ideen, kein Erkennen und ungefähr so viel Fortschritt wie in der Hosentasche eines nackten Engländers zu finden ist. Bei einem Weiterleben nach dem Tod ist allerdings nicht ausschließlich die Erinnerung der Hinterbliebenen wichtig. Wenn man als Geistwesen auch nach dem Abschied von der sterblichen Materiehülle bestand haben möchte, ist die Übung in geistiger Disziplin notwendig. Wenn man sich dagegen ausschließlich um geistige Zerstreuung bemüht um bloß nicht in Langeweile oder gar einem Anflug von Nachdenken zu geraten, dann wird man beim Verlassen der trägen Welt der Materie ganz urplötzlich mit einer Welt konfrontiert, die viel direkter auf die eigenen Gedanken reagiert, als es die träge Materie jemals könnte. Das heißt, dass die geistigen Prägungen, die man sich im Leben angewöhnt auch im Zustand der (vermeintlichen) Körperlosigkeit bestimmend um nicht zu sagen unumgänglich werden. Hält man demnach nichts von Selbstreflexion, so wird das Selbst vor allem gerade im spirituellen Nachleben verschwinden. Dann helfen wirklich nur noch die Erinnerungen der Hinterbliebenen, um eine vage Erinnerung an sich Selbst zu bekommen.
Die selbstständige, geistige Sammlung ist im Zustand eines materielosen Lebewesens tausendfach schwieriger. Denn jeder flüchtige Gedanke zieht unentwegt die Aufmerksamkeit auf sich. So verliert man sich unter Umständen Myriaden unterschiedlichster Sinneseindrücke, die dem einen zum Alptraum und dem anderen zum Himmel werden - je nach gedanklicher Fixierung im Diesseits. Da kann eine Reinkarnation (eine Wiederkehr in das Fleisch) manchmal zur wahren Wonne und genauer gesagt zu einer weiteren Chance der Besserung werden. Für andere wiederum ist es ein grausames Erwachen in der vergleichsweise kalten, harten Luft eines Kreissaals. Ich denke nur derjenige, der den Zustand der Geisthaftigkeit in allen Stufen des Jenseitigen beherrscht und die Fokussierung auf sein spirituelles Ziel (die Sammlung in das Eine) nicht aus den Augen verliert, kann der Wiederkehr in die träge Materiewelt aus dem Weg gehen oder sogar freien Willens darüber entscheiden, in welchem Körper er erneut herabsteigen will. Mitunter könnte ich mir denken, dass ein wirklich überaus hoch entwickelter Geist nicht nur über seine Mutter entscheiden kann, sondern sogar über die Art ihrer Empfängnis. Soll nichts anderes heißen, als dass ein wirklich hoch entwickelter Geist dazu imstande sein müsste aus seinem Willen heraus die Entstehung seines eigenen Körpers einleiten zu können. Allerdings bräuchte er dabei die Hilfe seines geistigen Vaters, der anfangs den Samen pflanzen müsste. Ohne ihn wäre sogar der höchste Geist dieser Welt aufgeschmissen. Der geistige Vater ist zum einen nicht unbedingt der materielle Vater und zum zweiten ist der geistige Vater eines überaus hoch entwickelten Geistes sehr wahrscheinlich kein Vater aus dieser Welt. Sagen wir mal so - ein geistiger Vater, der in der Lage ist einen Samen zu erzeugen (und nicht lediglich umzuwandeln), der IST nicht aus dieser Welt.
Muss man somit begründet ängstlich sein, wenn man dem Tod ins Auge sieht? Es gibt einen Geist in diesem Universum, der dereinst vor sehr langer und eigentlich gar nicht allzu ferner Zeit einen Menschen belebte. Die Mutter des Menschen war angeblich verachtet, weil sie mutmaßlich ihren Ehemann betrogen hatte und einen unehelichen Sohn gebar, dessen Vater man nicht kannte. Dieser Sohn lernte von seinem irdischen Vater (der in diesem Fall streng genommen eigentlich ein Stiefvater war) die Kunst eines Zimmermanns. Der junge Mensch wuchs heran und war wegen seiner geistigen Besonderheiten viel beachtet und später, als er den Pfad der Wahrheit (wieder)erkannt und verinnerlicht hatte, gewann seine Besonderheit durch sein Wirken im Materiellen hinzu. Denn die Menschen sahen darin nun gemeinsam die wundervollen Begebenheiten, die der Zimmermann durch seinen Glauben und sein großes Bewusstsein für die Wahrheit bewirken konnte. Er galt als vollkommen erwachter Geist und Licht war somit quasi seine Aura und sein Markenzeichen. Allerdings ist anzunehmen, dass dieser Zimmermann nicht wirklich mit der verklärten Lichtikone gleichzustellen ist, die Menschen in nachfolgenden Zeiten in Schrift und Bild aus ihm gemacht haben, weil sie ihn lieb gewonnen hatten und es auf diese Weise zeigten. Die Frage nach Furcht beschwichtigte dieser Mensch durch die Versicherung, dass jeder, der seinem Beispiel und dem Weg seiner Erkenntnis folge, auf direktem Weg und neben ihm zu seinem spirituellen Vater gehen würde. Man muss diesem Geist dankbar sein, denn er ist ein vollendeter Wegweiser in die Wiedervereinigung mit der absoluten Wahrheit und der vollkommenen, geistigen Sammlung. Er macht einem die Unsterblichkeit einfach, wenn man sich ihm anschließt oder seinem Vorbild folgt. So ist es kein Wunder, dass was mich betrifft feststeht wer mein geistiger Held ist und wessen Pfad ich mich anzunähern gedenke.
September 2008
10 September, 2008
0016 - Beim Rätseln bitte nicht den Tunnelblick vergessen
In der Schweiz wurde heute dem Urknall hinterher gespürt, was vereinzelt - nein, eigentlich sehr gehäuft zu Ängsten führte, wonach dort der Weltuntergang in Form von schwarzen Löchern angestoßen werden könnte. Diese sollen nach einer Aussage sogar innerhalb der nächsten 50 Jahre die ganze Erde verschlingen. Ich denke man kann durchaus beruhigt sein, dass so ein Blödsinn ausbleiben wird. Das hat unter anderem mit dem Energieerhaltungssatz zu tun, der aussagt, dass nicht eine größere Energiemenge aus einer kleineren entstehen kann. Soll heißen es kann im LHC nicht ein schwarzes Loch mit einer derartigen Masse oder Lebensdauer entstehen, welches anschließend gemütlich die Erde aufsaugen könnte. Jedenfalls passiert das was nun in Genf unter den Augen von Wissenschaftlern stattfindet, jeden Tag unzählige Male in der Nähe der Erde. Seit Milliarden Jahren. Und es passiert dort sogar mit größeren Energiemengen.
Ich frage mich wie das Universum tickt. Wissenschaftler stellen sich heute immer noch die Frage was eigentlich die Gravitation sein soll und sie hoffen auf die Entdeckung so genannter "Gravitonen", die sie aus irgendeinem Grund für eine sehr wichtige Sache halten. Wie so oft suchen sie natürlich nur etwas zum Anfassen, damit man am Ende bloß nicht eine natürliche Gesetzmäßigkeit einfach so erklären muss. Das wäre ja auch grausig, denn wo blieben dann die Beweise? Eine weitere Frage, die sogar Einstein zum Problem wurde, ist der Urknall. Einsteins Jahrhundert- wenn nicht gar Jahrtausend-Theorie hört auf zu funktionieren, sobald man sich geistig diesem Anfang aller Anfänge nähert. Auch ist selbige Theorie nicht aussagekräftig, wenn man die Bewegungen in der Quantenmechanik erklären will. An diesem einfachen Problem scheitert bis heute die Entdeckung einer einheitlichen Weltformel, mit der die Wissenschaft hofft einmal in nicht allzu ferner Zukunft das Universum schlechthin erklären zu können.
Eine weitere der vielen, vielen Fragen beschäftigt sich mit dem Ende des Universums. Man stellt sich verschiedene Ideen vor, wie dieses sich abspielen würde. Das reicht von einer Zusammenziehung bis zum endlosen Auseinanderstreben. Die letztere Idee ist meiner Meinung nach deswegen interessant, weil sie allgemein als die wahrscheinlichere Variante gilt. Nach dieser Vorstellung dehnt sich das Universum bis in alle Ewigkeit immer weiter aus, was sämtliche in ihm befindliche Materie und Energie letztlich zu homöopathischen Dosierungen ausdünnen würde. Alles was in diesem Universum ist, solle demnach in Schwerkraftlöchern (Schwarzen Löchern) zusammenfallen oder einfach in der Dauer der Ewigkeit zerstrahlen. So soll also alles was im Universum ist irgendwann einfach verpuffen. Für mich als geistiges Wesen ist dabei interessant wie ein solches Universum aussehen soll. Also machte ich mich auf die Reise in diese fernste (mögliche) Zukunft und sah mich einmal um. Was ich feststellte war, dass das Universum nicht vorhanden war. Der Grund dafür ist eigentlich ganz simpel. Wie soll ein leerer Raum mit unendlicher Ausdehnung bestand haben, wenn innerhalb seiner Ausdehnung nirgendwo etwas ist? Ein solches Universum wäre mit Nichts gefüllt, weswegen es auch keine Dimensionen mehr hätte. Weder Zeit noch Raum wäre für so ein Universum von Relevanz. Zeit wäre ein einziges Jetzt und der Raum hätte keinerlei definitive Gegengewichte. Ich denke es ist entscheidend wichtig, dass ein leerer Raum immer auch ein Gegengewicht in Form eines Inhalts hat, weil ansonsten jegliche Dimension fehlt. Das Universum ist kein Kasten, der irgendwo Grenzen hat. Wäre dem so, dann wären die Dimensionen natürlich immer feststehend und dann könnte selbstverständlich das Universum auch leer sein. Dann allerdings wäre das Universum selbst Etwas. Normalerweise geht Einsteins Theorie aber von einer Raumzeit aus, die keine räumliche Begrenzung hat. In diesem Universum muss man demnach nur weit genug in eine Richtung laufen, um schließlich ohne Richtungsänderung zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Ein solches Universum wird dann aber auch allein von dem definiert, was in ihm enthalten ist.
Da ist zum einen das zweischneidige Schwert von Materie/Energie und außerdem ist es Geist. Letzteres fällt natürlich im modernen Doktorandentum unter den Tisch. Aber das ist keine Maßgabe für einen wirklichen Spiritus. Es benötigt nicht zwingend Materie/Energie, wenn Geist im Universum ist. Bloß ist es dann dimensionslos - ebenso wie der Geist, der in ihm und um es herum ist. Aus diesem Grund kann sich quasi jeder Mensch sein eigenes Universum erschaffen und es theoretisch sogar beleben und durchleben. Zeit spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie Raum. Ein Universum, wie das welches wir hier gerade jetzt erleben, enthält unserer geschätzten Meinung nach Materie/Energie. Wir erleben konkrete Dinge. Für einen außen stehenden Geist wäre allerdings alles in diesem Universum ebenfalls reiner Geist. Materie/Energie bestünde dann allein Kraft seiner Vorstellung. Das spielt für uns allerdings keine Rolle, weil wir lernen müssen mit den konkreten Inhalten dieser Welt richtig umzugehen. Wichtig ist im jetzigen Moment aber, dass wir offenbar Materie/Energie wahrnehmen. Und weil wir das tun, nehmen wir auch eine räumliche Dimensionierung wahr. Das eine geht nicht ohne das andere, weil unser vermenschlichter Verstand die Dualität der Natur braucht um zu Weisheit zu gelangen. Nur weil wir allerdings räumliche und damit auch gleichsam eine zeitliche Dimensionierung wahrnehmen, bedeutet es meines Erachtens noch lange nicht, dass diese Dimensionen reale Ausdehnung besitzen. Zumindest muss dem nicht so sein, wenn man jemand ist, der dieser Natur übergeordnet steht.
Beim Urknall geht man von der Explosion eines Etwas aus, das man Singularität nannte. Die Abmessungen, welche man für dieses Ding annimmt sind für meine Begriffe nicht nur lächerlich winzig, sondern auch an sich lächerlich. Erneut stellt sich mir die Frage, wie man eine Dimensionierung annehmen kann, wenn das Etwas doch eigentlich in Nichts anderem stecken kann. Denn wenn die Singularität das allerallererste Etwas überhaupt war, wie sollte man dann von etwas sprechen, in dem sich diese Singularität befand? Meiner Meinung nach brauchte es aber auch niemals einer Singularität. Sie ist die Erfindung eines materialorientierten Wissenschaftszirkus und nichts weiter. Dieses Ding soll ja dann so mirnix dirnix einfach so mal zu explodieren in Erwägung gezogen haben. Was hat es eigentlich davor gemacht? Und vor allem wie konnte es ein Davor geben, wenn es außer einem Raum zusätzlich auch noch keine Zeit gab? Die Ursache von allem was uns umgibt müsste nach Ansicht der Forscher der absolute Nullpunkt von absolut allem sein. Ein Objekt, so winzig, dass es keine Dimensionen hatte und so kompakt, dass absolut alles was jetzt im Universum befindlich ist in diesem Nullpunkt enthalten war. Bloß wie kommt es dann anschließend zu einer Entropie?
Die Singularität wäre eigentlich der ideale Zustand der Welt. Quasi der Urzustand. Wodurch wurde das System in ein Ungleichgewicht gestoßen? Vor allem wie lief das ab? Muss am Anfang wirklich ein monumentaler Knall gestanden haben? Ich denke es reicht auch einfach ein sonores Oom, das einhergehend mit einer sanften Brise eine Raumzeitblase aus dem Nichts herauf beschwor. Wer beschworen hat ist für mich sowieso klar - da kann man wissenschaftlich nichts wegerklären oder beweisen. Allein ein spiritueller Ursprung, ein ultimativer Wille kann sinnvoll und vernünftig den Weltenzwiespalt erklären, der entstand, als die Einheit aufgegeben wurde. Eine Weltformel würde hier die Lösung bieten, denn sie würde erklären weshalb sich Materie bildete - und vor allem woraus. Die Weltformel wäre nichts anderes, als der Beweis für die Nichtexistenz Gottes. Denn wenn man die Entstehung von Etwas nicht nur nachvollziehbar erklären, sondern sogar willentlich herbeiführen könnte, dann wäre man nichts anderes als ebenbürtig mit Gott. Die Menschen würden ihn vom Thron stoßen und sein Dasein ein für alle mal unwichtig machen. Aber wie das eben mit den Beweisen so ist, gelten sie nur für solche Leute, die den Beweis auch anerkennen. Das fiele was mich betrifft leider aus. Denn ich zweifle Grundsätzlich daran, dass sich der Urgeist in die Karten schauen lässt. Er wird meines Erachtens nicht umsonst der Allmächtige genannt. So wird allenfalls eine Scheinformel gefunden und die Revanche für die Anmaßung würde aber auch so was von auf den Fuß folgen.
Der Grund wieso die Wissenschaft heute diese Weltformel sucht, hat nichts mit dem Erschaffen von Wissen zu tun, sondern mit der Idee von Manipulation. Warum auch nicht? Vielleicht können wir Dinge viel besser regeln als dieser teilnahmslose Urgeist, oder? Wenn der Mensch aus dem Nichts Materie erschaffen könnte, dann könnten sämtliche Weltprobleme auf einen Schlag gelöst werden. Oder aber sie würden exorbitant ansteigen, denn man stelle sich vor es gäbe morgen eine Kaste von Typen, die für sich das Lenkrad beansprucht. Für die Typen wäre es natürlich klasse. Zu dumm, dass man dabei nach wie vor dem Glauben anhängt Materie würde aus der Kombination irgendwelcher submaterieller Sachen kommen.
Wenn man sich Materie ganz genau ansieht, fällt man je tiefer man hinein schaut in eine unendliche Leere ohne jede greifbare Substanz. Natürlich sagt die Wissenschaft das sei bislang noch gar nicht geklärt. Sie will einfach nicht das etwas geklärt ist, das sie nicht akzeptieren kann. Sie braucht Nachweise. Ich denke aufgrund der angesprochenen Substanzlosigkeit, dass Materie erstarrter Geist ist. Sein Ursprung liegt in einem fokussierten Willen. Wenn der Wille verlöschen würde, würde sich das konzentrierte Abbild des Gedankens auflösen und wäre niemals da gewesen. Es gäbe schlichtweg keinerlei Rückstände, die anschließend auf das vormals starre, feste Ding hinweisen würden, außer vielleicht einem blassen, spirituellen Abdruck bei einem Beobachter (wird in dem Fall auch 'Erinnerung' genannt). Ein solcher Abdruck wäre aber immer subjektiv und damit unvollständig. Das heißt niemand könnte dasselbe Etwas wiedererschaffen.
Ich denke es gibt sogar in diesem Universum (das nicht nur unseren Realitätsausschnitt umfasst) Geister, die konkrete Dinge aus ihrem Willen heraus abbilden können. In sehr primitiver Weise tun das Menschen auch. Sie haben eine Idee, bannen diese in ein zweidimensionales Abbild (ein computergeneriertes Abbild ist natürlich ebenfalls zweidimensional, wenn es auch 3D simuliert), erschaffen anhand weiterführender körperlicher und geistiger Arbeit einen dreidimensionalen Abdruck, den sie dann 'Prototyp' oder so ähnlich nennen und bauen abschließend ein wunderschönes, rotes Auto mit Pininfarinadesign. Das ist nichts anderes als das, wovon ich spreche. Der kleine Unterschied ist, das Materie in diesem Fall nicht erschaffen, sondern umgewandelt wird. Ich denke in diesem Universum kann nicht einmal der allermächtigste Supergeist Materie bzw. Energie erschaffen. Allerdings die Umwandlung kann jeder. Die Frage ist, welchen geistigen Niveaus sich der kreative Kopf bedient. Ein Menschenverstand wird körperlich Arbeiten und lamentieren wir seien ja nicht im Garten Eden. Ein nach menschlichem Verständnis übernatürlicher Geist, würde das belächeln. Bei ihm wäre jeglicher Gedanke umgehend konkret für jeden fassbar, sofern ein entsprechender Wille dahinter stünde. Es würde übrigens logischerweise keinen Sinn machen sich Geld herbei zu denken, denn man bekäme Stress sondergleichen, weil schwerlich die Registrierungsnummern brauchbar wären. Bei Gold sähe das anders aus, denke ich, aber wer die Stellung des Edelmetalls in der chemischen Elementskala kennt, wird sich vielleicht denken können, dass es nicht sehr einfach ist Materie entsprechend umzuwandeln. Da wird sich sogar so mancher Supergeist die Zähne ausbeißen.
Bleibt zu sagen, dass das Geld in Genf fehlinvestiert ist, wenn das Ziel eine Weltformel sein sollte. Allenfalls wird man hier vielleicht einem ursprünglichen Bewusstsein näher rücken, das der Menschheit dann vielleicht lange vergessene Möglichkeiten zurückbringt. Ich denke bloß, dass man für dieses Bewusstsein keinen 27 Kilometer langen Tunnel braucht. Ich kann mich irren.
07 September, 2008
0015 - Über die Qual der freien Wahl und den Zwiespalt mit dem unerbittlichen Schicksal
Der freie Wille, den uns Gott gegeben haben soll, widerspricht einem allwissenden Gott. Denn wie kann Gott wissen wie sich ein Mensch entscheidet, wenn jegliche Wahl beim Menschen liegt? Okay ... bei einem Menschen ist es vielleicht einfach. Aber bei sechs Milliarden? Man könnte so argumentieren, dass die Menge unabhängiger Willensäußerungen beim Absoluten keinen Unterschied macht. Er durchschaut eben alle. Aber ist der Wille dann wirklich frei, wenn zu jedem Zeitpunkt bereits feststeht welche Entwicklung aus welcher Entscheidung angestoßen wird? Gott ist entweder allmächtig und allwissend, oder aber der Mensch hat freie Entfaltungsgewalt in seinem Leben - eines geht nur. Somit ist in Bezug auf die geistige Ausrichtung eines Menschen interessant, was dessen Meinung über die Freiheit des eigenen Willens ist.
Ich glaube es gibt Menschen, die denken einerseits es gäbe keinen Zufall und doch behaupten sie steif und fest von sich einen völlig freien Willen zu besitzen. Dass sich darin allerdings ein Widerspruch verbirgt, unterschlagen sie gern. In diesem Fall funktioniert allerdings nicht die 'sowohl-als auch'-Formel. Man kann diese beim esoterischen Verständnis erhalten, aber nicht von sich aus zur Erklärung von philosophischen Tatsachen heranziehen, wann es einem beliebt. Wenn es wirklich keinen Zufall gibt, dann ist jede Wandlung eine festgelegte Größe. Aber wenn das wiederum so ist, dann hat kein Mensch jemals die freie Entscheidung darüber was er als nächstes zu tun gedenkt. Die moderne Wissenschaft spaltet sich ebenfalls über diese Frage, denn an ihrer Klärung hängen so unglaublich wichtige Dinge wie die Schuldfrage bei Kriminellen. Wenn man dem Menschen wissenschaftlich das Vermögen zu eigenmächtiger Willensäußerung absprechen müsste, dann wäre damit jede Gerichtsbarkeit ad absurdum geführt. Ein Mörder könnte sich dann jederzeit als das Opfer eines göttlich vorgegebenen Schicksals entschuldigen. Würde man hier nur noch die religiöse Sichtweise gelten lassen, dann wäre das sogar korrekt. Es gibt da in der Bibel die Geschichte, wo jemand gesteinigt werden soll. Derjenige, der ohne Sünde sei, solle den ersten Stein werfen. Also steht es einem Menschen überhaupt nicht zu über einen Mörder oder Kinderschänder zu richten? Wenn es nach Gott geht natürlich nicht. Menschen nehmen sich selbst heraus darüber zu entscheiden, welche Straftat größeres Gewicht haben mag. Eine kleine Notlüge, oder Untreue dem Lebenspartner gegenüber werden als Lappalie abgetan und Vergewaltigung oder Totschlag sind eben etwas gewichtiger. Innerhalb der menschlichen Gesellschaft sind gesetzliche Regeln sinnvoll, da sie ein künstliches Moralgerüst bilden, dem sich jeder idealerweise unterzuordnen hat. Ein schöner Traum.
Abschreckend sind die Regeln wie auch ihre Konsequenzen wohl in den seltensten Fällen, denn es kommt immer jemand daher, der das Schicksal herausfordert und glaubt den Jackpot zu knacken. Wirklich abschreckend wirken sich wohl in den allermeisten Fällen eher moralische Bedenken, die elterliche Prägung oder andere Bindungen zwischenmenschlicher Natur aus. Trotz der Tatsache, wonach es derart viele Gesetze und Richtlinien gibt, steigen Kriminalitätsraten tendenziell ständig an (natürlich geht statistisch sicherlich auch mal was runter). Das tun sie nicht, weil Gesetze und Strafen zu lasch sind, sondern, weil die moderne Gesellschaft einen Werteverlust verursacht hat, der seinesgleichen in der jüngeren Geschichte sucht. Richtig ... Dekadenz und moralischer Verfall war schon früher Teil der menschlichen Gesellschaften jüngerer Jahrhunderte. Aber noch niemals war die Gesellschaft mit ihrer Fixierung auf materielle Güter derart bevölkerungsstark und hatte eine derart überstrapazierte Schere zwischen Armut und Reichtum um den Hals hängen. Das Weltdorf hat letztlich eine Makrogesellschaft erschaffen, in der sich die Probleme ärmerer Schichten gemäß ihrem globalen Anteil potenzieren. Deswegen denke ich, dass der Werteverlust noch niemals so konsequent gelebt wurde, wie heute. Nicht zuletzt deswegen weil die Elterngeneration ihrerseits den Kindern beibringt, dass die Werte der Urgroßeltern von gestern seien. Was dies für künftige Generationen bedeuten würde (wenn alles so weiter ginge wie bisher) ist m.E. bestens absehbar. Dazu muss man nicht einmal pessimistisch sein. Das ganze folgt einer Gesetzmäßigkeit, die jedem geistreichen Beobachter klar ersichtlich ist, wenn er sich über das Menschsein mit seinen rosaroten Wünschen und Hoffnungen erhebt. So zeigt sich, dass die Gesellschaft mit ihren vermeintlich freien Willensäußerungen in ein Korsett gezwängt ist, das grob umrissen bei den Grenzen des Wachstums abschließt.
Die moderne Wissenschaft zweifelt manchmal an der Freiheit des menschlichen Willens. Sie tut dies aus gutem Grund, denn sie verneint die Existenz einer geistigen Natur. Sagen wir mal sie verneint zwar nicht die geistigen Fähigkeiten eines Menschen (dann wäre sie wirklich bescheuert), aber sie misstraut diesem ganz und gar wankelmütigen Geist, der keinerlei feste Wahrheit zuzulassen scheint. Im Geist ist alles Traum und nur in der Materie werden die Dinge konkret nachvollziehbar. Alles Geistige gilt der Wissenschaft trotz der ultimativen Wichtigkeit für ihr Funktionieren doch irgendwie als unheimliche Nebensache. Bestenfalls ist der Geist das Werkzeug um das Verständnis der Materiewelt in Beton zu gießen. Niemals jedoch würde man in Erwägung ziehen dem Geist größere Wichtigkeit als der Mater zuzuschreiben. Dabei wäre ohne den Geist jedes Verstehen sinnlos. Der Geist basiert der modernen Wissenschaft zufolge auf bislang unverstandener materieller Wechselwirkung. Somit wird er nicht nur beim Erforschen einer willentlichen Äußerung zweitrangig. Und so wird auch nicht der Wille des Geistes erforscht, sondern allenfalls dessen körperliche Indikatoren.
Anfang der 1980er Jahre entwarf ein Hirnforscher einen Versuchsaufbau, bei dem Probanden zu einem frei wählbaren Zeitpunkt einen Knopf drücken sollten. Die Zeit welche zwischen der Betätigung des Tasters und dem geistigen Impuls lag, sollte gemessen werden bzw. sollte geklärt werden in welcher Reihenfolge das Handlungskonzept ablief. Der willentliche Entschluss den Finger auf den Taster zu senken trat den Messungen zufolge im Schnitt etwa eine Fünftelsekunde vor der Aktion auf. Das ist soweit ein Argument für den freien Willen, wie es scheint. Aber dann maß man einen elektrischen Nervenimpuls, der dem bewussten Entschluss voraus lief und vom Gehirn ausgehend den Finger in Bewegung versetzte. Dieser Impuls trat im Schnitt eine Drittelsekunde vor dem willentlichen Entschluss den Finger zu bewegen auf. Woher kam dieser Impuls? Die Frage muss richtig lauten woher kommen diese Impulse, denn sie werden generell immer auftreten und sich scheinbar stets dem willentlichen Entschluss voranstellen. Die Antwort verweist auf unser aller geistiges Naturell. Jenes unmessbare Etwas, das weder körperlich sichtbar, nachweisbar, noch körperlich direkt angreifbar ist. Es ist jenes spirituelle Potenzial, das uns diese Welt zum Spielball machen würde, wenn wir heute ein intaktes Bewusstsein für seine seit je her grenzenlose Macht hätten.
Wenn ein Mensch entscheidet etwas zu tun, dann ist es nicht der Mensch der etwas bewirken will. Es gibt selbstverständlich triebhafte oder reflexgesteuerte Handlungen, die nicht willentlich herbeigeführt werden müssen. Als Beispiel gilt die Atmung oder der Herzschlag. Aber eine bewusste willentliche und koordinierte Handlung tritt nicht auf, wenn der konzentrierte Geist sie nicht herbeiführt. Wichtig ist :: nicht der Mensch äußert seinen Willen, sondern sein Geist tut es. Der Mensch, der körperliche Teil der irdisch manifestierten Person, handelt lediglich auf Befehl des Geistes. Niemand wird das verneinen und doch wird mancher sich bei diesem Gedanken unwohl weil herabgesetzt fühlen. Wer sieht sich schon gern als Marionette eines spukhaften überbewußten Wesens, das er nicht kennt? Gerade heute halten Menschen mit einem spirituellen Zwiespalt im Kopf diesen Gedanken für abartig. Sie hassen das Unterbewußte wahrscheinlich sogar regelrecht. Leute, die z. Bsp. sagen, dass sie nur glauben was sie sehen, werden die Macht ihres Geistes über ihren Körper am ehesten verleugnen, denke ich. Tatsache ist die Physis IST das Herabgesetzte. Sie ist nicht partout wertlos, aber im Vergleich zum Spiritus schon allein wegen der Vergänglichkeit weniger Bedeutungsvoll. Der geistige Impuls eine Handlung durchzuführen geht dem körperlichen Entschluss zu einer Bewegung immer voraus. Es sind die geistigen Signale, welche aus dem schieren Willen eines Geistes heraus in einen elektromagnetischen Code umgesetzt werden, um die Mater unter seine Gewalt zu zwingen. All das geschieht täglich in Sekundenbruchteilen in millionenfacher Wiederholung bei jedem gesunden Menschen. Und doch fällt die Macht des Geistes bei vielen von uns hinter das alltägliche Bewusstsein eines belebten Menschen zurück. Kaum einer nimmt sich selbst als unsterbliches Geistwesen wahr. Ich denke dieses Bewusstsein wurde uns unter dem Vorwand der Vernunft und vielleicht auch mithilfe einer materialistisch ausgeprägten Obrigkeit aberzogen. Jene verdienen sehr gut an unseren Vergänglichkeitsängsten.
Wenn es der Geist ist, der willentlich die Physis beherrscht, dann scheint doch alles klar zu sein mit dem freien Willen, nicht? Dennoch widerspricht dies nach wie vor dem Allmachtsmotiv des Einen. Wie gesagt kann Gott nicht gleichzeitig allmächtig sein, wenn seine Schöpfung alles andauernd neben ihm frei willentlich entscheidet. So was wäre keine Allmacht. Ein freier Wille kann jedoch auch vielfältig definiert werden. Einerseits ist da eben die einfache Erklärung, wonach jeder Wunsch dem eigenen Bedürfnis nach erfüllt werden kann. O wie nett ist dieser Gott, dass er mir so viel Freiheit in seiner Welt erlaubt. Er muss mein bester Freund sein - aber bitte möge er mir dann auch aus jedem Schlamassel helfen, den ich mir einbrocken werde, weil ich so unbeholfen mit dem Willen aller anderen bin. Das ist ja ganz toll. Gott ist also nur allmächtig, wenn wir ihm dies zugestehen und das tun wir auch nur dann, wenn wir seine Superkräfte herbeisehnen, oder wie? Es gibt eine grundsätzlichere Erklärung was 'freier Wille' heißen könnte. Sie wird den Eso-Freaks und Energie-Aposteln sowie Magiern und selbsternannten Göttern nicht gefallen. Nach dieser hat der Mensch nämlich allein zwei Entscheidungsmöglichkeiten. Die eine ist die scheinbar freie Willensentscheidung, unter den gestrengen Vorgaben eines Allmächtigen. Nimmt man diese Wahl für sich in Anspruch, dann steckt man in nichts Geringerem als der seligen Illusion von eigener Macht. Das ist sicher was feines, wenn man dann noch ausreichend Dussel findet, die einem wegen ihrer Ahnungs- und Weisheitslosigkeit diese Macht abnehmen. Und die zweite Wahlmöglichkeit ist die Aufgabe jedes eigenen Willens und der freiwillige Aufstieg unter den Willen des Einen. Nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.
Wie ich schon sagte ist es interessant zu wissen, welche These ein Mensch in seinem Leben für besser hält. Denn an dieser Frage scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Lebensläufe. Während die einen nämlich einen direkten Weg in die Religion nehmen, gestaltet sich der Weg der anderen etwas komplizierter. Zuweilen wird man letztere Weggefährten öfter in Frust und Tränen versunken erleben, wenn sie Dinge verpasst haben oder alles anders läuft, als sie es erwarteten. Auch werden jene so manche physische Krise über längere Zeiträume hinweg mit lautem Wehklagen bedenken. Sie werden Mittel und Wege suchen, um der Physis auch über die natürlichen Grenzen hinaus weiterhin ihren Willen aufzuzwingen. Sterblichkeit, Alter, Krankheit ... all das sind die teuflischsten Ursachen für jene, und es sind ferner Dinge, die sie irgendwann zu beherrschen hoffen. Und doch scheitern sie unentwegt an der Tatsache, dass dies Leben eben nur ein zeitweiliges und feststehendes Schauspiel ist und nur einer diese Bühne aus der Stille eines winzigkleinen Winkels heraus dirigiert. Jemand, der im Stillen das Sagen hat und sich ständig bedeckt hält, weil er jedem seine ganz alleinige Einsicht gönnt, wie er auch jedem gütig und geduldig den frei wählbaren Weg dorthin zugesteht. Während wir alle in seiner Ursache gründen und die Freiheit des Lebens genießen, bringen uns alle unsere Entscheidungen doch immer einen Schritt näher an seine Vorsehung. Wir kommen aus der einen und werden eins sein.
02 September, 2008
0014 - Religionspfade und Glaubensburgen
In einer heiligen Schrift, die von einem diesseits erschienen Avatar der Wahrheit selber diktiert wurde, spricht das Wesen sinngemäß eine Warnung vor Religionen aus, die ihren Ursprung im Menschen haben. Vom Menschen gemachte Religionen und somit auch die Philosophien aus seiner Feder haben nicht das höchste Ziel des gewissen Glaubens in sich. Wie auch, wenn der Beleg von absoluter Wahrheit unmöglich ist? Das Wort eines Menschen kann immer nur auf das Ziel weisen, aber es niemals enthalten. Ich denke nur der logische, zu Reflexion fähige Geist kann zu einem Wissens- und Erkenntnisbestand kommen, der zu einem gläubig vorausgesetzten Ziel von Philosophie hinführt. Alles andere dient im besten Fall der Weisung, im schlechtesten Fall dem Fanatismus.
Was ist Religion? Ist es das was man in der Schule eine Dreiviertelstunde lang machen muss, während man Gähnen und sehnsuchtsvolle Blicke aus dem Fenster des Klassenzimmers unterdrückt? Ist es so was mit Bibel und Gott und so? Ich denke wenn man wissen will, was ein Wort eigentlich bedeutet, dann muss man sich dessen Geschichte ansehen. Denn manchmal werden Worte für Aussagen benutzt, die gar nicht mehr die ursprünglichen Motive verfolgen. Beim Wort Religion ist (wie eigentlich bei sehr vielen Wörtern unserer Sprache) nicht ganz klar woher es stammt oder in welchem sinngemäßen Zusammenhang man es ursprünglich nutzte. Betrachtet man den (vermuteten) Wortstamm dann landet man im Rom der letzten Zeitenwende. Dort verwendete jemand das Wort 'relegere' als Ausdruck für eine Tätigkeit, die als "wieder aufsammeln" bezeichnet werden kann. Etwas war also zusammen, wurde geteilt und wird nun wieder in seine ursprüngliche Einheit zusammengeführt. Ich glaube, dass das Wort damit eine Verwandtschaft zu 'Legierung' hat, denn etwas legieren bedeutet ebenfalls, dass eine Sache mit einer anderen Sache zusammengeführt wird. In der Metallurgie stellt man auf diese Weise z. Bsp. Stahl her. Bei Religion gibt es nur eben die Vorsilbe 'Re', die darauf hinweist, dass ein Zustand in seine Urform zurückgesetzt wird. Selbiges taucht beispielsweise im Wort "Reset" auf, was zurücksetzen heißt. Eine Religion ist also, wenn man dieser Wortessenz nachhängen möchte, eine Wiedervereinigung mit einer Sache, die ursprünglich mal mit einem selbst verbunden war.
Ich finde aus einer philosophischen Betrachtung heraus macht diese Erklärung des Wortes Religion vollkommen Sinn, denn bei jeder Religion dieser Welt gibt es - trotz unterschiedlichster Lehren - nur ein Ziel. Und das ist die Einheit mit einem wie auch immer bezeichneten Schöpfungsursprung. Es gibt durchaus Religionsschulen, die eine Gottperson ablehnen. Im Daoismus ist das höchste Ziel des Strebens ein undefinierbarer Ursprung. Im Buddhismus ist es das Verwehen im Nichts. Ich denke, dass hier und dort die Person Gottes vielleicht verneint oder sogar ignoriert wird, aber das angestrebte Ziel ist dennoch dasselbe, wie beim Christen, Juden oder Moslem. Es trägt lediglich einen anderen Namen und hat im Geist der Schüler unterschiedliche Züge. Aber wie man es nennt und was man im Ziel sieht, ist völlig nebensächlich, weil letztlich nicht die persönlichen Überzeugungen zählen. Die Menschenreligionen sind nichts anderes als ein buntes Sammelsurium an menschlichen Überzeugungen. Die Wahrheit können sie weder beweisen, noch kann auch nur eine dieser Schulen aussagen, einzig richtig oder wahr zu sein. Die Wahrheit liegt niemals in der Lehre, sondern im Schüler, denn die Lehre geht ihrerseits immer aus einem Schüler hervor.
So wie es in der Philosophie darum geht Weisheit zu erlangen, so geht es in der Religion darum die Einheit zu finden und in sie, oder in ihr aufzugehen. Der Ursprung allen Seins muss gleichfalls der Ursprung von Weisheit sein. Somit kann also Religion und Philosophie nur ein und dasselbe sein. Es gibt sprachwissenschaftliche Thesen, die das Wort Religion noch anders zu erklären hoffen. Die Vorsilbe 're' soll demnach nur eine Missinterpretation sein. Religion hätte sich anstelle dessen aus der altlateinischen Aussage 'rem ligere' gebildet. Übersetzt oder sinngemäß übertragen bedeutet das "eine Sache mit Skepsis ansehen und davor zurückschrecken". Tatsächlich wahr. Mich wundert es kein bisschen, dass es ein moderner Gelehrter ist, der hier seine Idee ausbreitet. Selbstverständlich darf sich jeder überlegen, welche Erklärung besser zutrifft. Alles eine Frage von Philosophie und esoterischer Einsicht, meine ich.
Ich denke, sobald eine Religion von Menschen benutzt wird, um Wahrheit zu verbreiten, dann ist diese Religion kein Pfad mehr in die Re-Legierung - zu Gott. Wenn eine Religion aber nicht mehr Gott als Ziel hat, wird das meiste von dem was sie in die Welt bringt gottlos. Ganz zu schweigen von solchen Leuten, die Gott des schieren Wortes und seiner überstrapazierten Belastungen wegen verneinen. Ebenso ist es, wenn einzelne Menschen glauben sie wüssten was Gott wolle, und beginnen nach ihrer hochgeschätzten Meinung den Willen Gottes zu wirken. Wann immer jemand dies tut, fällt er komischerweise früher oder später immer auf die Fresse. Ebenso komisch, dass die Fehler des einen nicht zum Weisheitszuwachs bei anderen ausreicht. Es muss eben jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Wahrheit und Weisheit kann man nicht in einen Menschen pumpen. Jeder muss sie ganz allein esoterisch einsehen. Und leider lernt man eben aus Fehlern am besten. Tragisch nur, dass die Fehler eines Menschen das Leid von vielen bedeuten können. Ich frage mich wieso die Weisheit so schwer zu erreichen ist und die Torheit dagegen wie eine Tröpfcheninfektion wild grassiert. Richtig schade ist es, wenn Menschen glauben sie hätten eine Wahrheit aus einem Lehrbuch gezogen und hätten kapiert wie der Hase läuft. Und dann kommt ein geistreicher Mensch daher, lacht über ihre kurzsichtige Wortliebe und zeigt ihnen wie zwiespältig das geschriebene Wort doch sein kann. Die Diener des Wortes sind mindestens ebenso blind, wie die Ausrufer der Wahrheit. Manchmal sind die Diener des Wortes zugleich die Ausrufer von Wahrheit. Wenn dies auftritt, dann hat man es mit Fanatismus zu tun. Und wenn man dann ein falsches Wort benutzt, ist der Terrorismus nicht mehr fern.
Dann, wenn Glaube nicht mehr innerlich stattfindet und allenthalben diskutiert wird, entstehen Burgen. Die Ritter, welche darin Dienst tun, sind bereit für kleinste Anlässe Krieg zu führen. Heute gibt es sehr viele Burgen und nicht alle davon haben auf den ersten Blick etwas mit Religion zu tun. Eigentlich - so weiß der wirklich weise Geist - ist alles von der Geburtsstunde an bis hin zum Tod eine Form von Religion. Denn alles was im täglichen Leben passiert, ist ein Weg zu Gott. Dabei sogar egal wie ausgreifend die Umwege sein mögen, die der Einzelne nimmt, um dem unliebsamen Ziel aus dem Weg zu gehen. Letztlich führen alle Wege der Schöpfung in den Schöpfungsursprung zurück. Natürlich ist auch diese Aussage anzweifelbar - es gibt keine absoluten Gewissheiten. Dennoch kann ich selbst mir absolut gewiss sein (und das bin ich aufgrund meiner Weisheitsliebe sehr wohl). Jede Entscheidung des täglichen Lebens führt, wie das Wort ja selbst schon aussagt, in eine Einigung. Eine Scheidung wird durch eine Entscheidung überwunden und das Resultat ist die Einheit mit einer gewählten Tatsache. Wenn der Ursprung der Schöpfung auch der Ursprung von Weisheit und Wahrheit ist, dann führt konsequenterweise auch jede Lüge und jede Halbwahrheit zur Wahrheit. Und zwar geschieht das bei einer Lüge dann, wenn man seinen Fehl einsieht oder sich seiner Verlogenheit auf diese oder jene Weise bewusst wird. Niemand kann der Wahrheit aus dem Weg gehen, und deswegen kann auch niemand etwas tun, das nicht auch irgendwie religiös ist. Nun kann man natürlich gern behaupten, dass das Wort eben viele Bedeutungen hat, aber wichtig ist eigentlich - sofern man ein philosophisches Interesse verfolgt - nur die essenzielle Erkenntnis von Tatsachen und nicht das Jonglieren mit den blumigsten Lieblingsbedeutungen.
Es ist viel vom Krieg der Religionen die Rede. Menschen sind auch heute der Meinung, dass es wichtig sei eine bestimmte Religion auszuüben. Religionsfreiheit ist eine der wichtigsten Garantien unseres Staates. Was dabei üblicherweise zur Wahl steht sind Menschenreligionen. Allesamt sind es Schulen, die von Menschen "verfeinert" und auf ihre Bedürfnisse und Gottesvorstellungen zugeschnitten wurden. Da ich jedem seine Überzeugung und seine Wahrheit gönne (oder mich wenigstens in selbigem übe), glaube ich auch nicht daran, dass das falsch ist. Falsch ist nur, dass diese Menschenreligionen von Menschen instrumeSamstag, 27.11.2021ch gern zum Bekehren von Widersinnigen, oder man stempelt unliebsame Gegner anhand ihrer Religionsschule als feindlich gesinntes Volk ab. Gern wird gesagt "Ja, was die Glauben kann doch nur zu Mord und Totschlag führen" und dann werden Finger gewedelt. Der Terrorismus, der heutzutage als eines der bestimmenden Weltprobleme ausgemacht wird, basiert zu 100% auf der Missinterpretation von Religion. Auf der einen Seite messianische Sektierer im Gewand des modernen Fortschrittsapostels. Auf der anderen Seite ebenso verblendete Wortliebhaber. Interessanterweise sind die meisten Menschen alles andere als fanatisch, wenn es um ihre Religion geht. Aber die stille Toleranz wird eben nie gehört, wenn die dämlichen Nichtsversteher laut ihre "Wahrheit" brüllen.
Bibel, Koran und sonstige Schriften des Heiligen Geistes sind Wegweiser für die Suchenden Geister. Es ist also falsch das Buch als Träger von Wahrheit hochzuhalten. Nicht das Buch trägt die Wahrheit, sondern der Leser, der es esoterisch versteht. Welcher Wanderer würde an einem Straßenschild ein Haus bauen, auf welchem der Name seines lange gesuchten Zielortes geschrieben steht? Nur ein törichter Depp würde den Wegweiser als eins mit dem Ziel deuten. Und so ist auch bei allem Mitgefühl immer der ein Depp, der einen Mitmenschen oder eine anderweitige Erscheinung mutmaßlich wundersamer Natur als die Offenbahrung der einzigen Wahrheit betrachtet. Die korrekte Betrachtung ist in einem solchen Fall von durchaus legitimer Verehrung nicht die Identifizierung des bewunderten Phänomens mit der vollendeten Wahrheit, sondern allenfalls die Wertschätzung der hilfreichen Weisung zu ihr. Aber der eigentliche Weg zur Wahrheit endet wie bereits festgestellt niemals an einem Straßenschild. Die einzige Wahrheit kann aus Gründen einer mathematischen wie auch philosophischen Logik heraus niemals vollständig in einem von ihr abgeschiedenen Geist enthalten sein, denn ein von Wahrheit abhängiger Geist, kann niemals im gleichen Moment die einzige Wahrheit sein. Das ändert zu keinem Zeitpunkt etwas an ihrer definitiven Erreichbarkeit für jeden einzelnen Wahrheitssucher. Was dabei einzig und allein zur Debatte steht ist das persönliche Ich des Suchenden. Der Zustand von Geteiltheit vom Wahren ist daher völlig natürlich (und auch gewollt) der Knackpunkt, den es zu überwinden gilt. Im Klartext kann nur der die Wahrheit erkennen, der von seinem persönlichen Ich unabhängig die geistigen Augen öffnet. Und der Weg zu Einheit führt selbstverständlich allein über die Anerkennung des Wahren sowie dessen Erkenntnis oder Verständnis. Stirbt der Glaube an diese mögliche Einheit, dann stirbt auch die Zuwendung zum Ziel, denn man verweigert das Verstehen und spaltet sich somit geistig vom Wahren ab. Man bildet sich dann ganz einfach nur seine eigene Wahrheit.
Ich denke in der Zukunft wird es einen Eintrag in den Geschichtsbüchern geben, der den Nachfahren noch lang hin ein Wogen von Schauern übers Kreuz hauchen wird. Viele Leute jetziger Zeit werden diesen Eintrag mit anderen Augen lesen. Diese Menschen von morgen werden nicht mehr in Stolz oder falscher Weisheit davon sprechen dieser oder jener Religion anzugehören. Sie alle werden nur ein Ziel kennen und das heißt Ethik. Man wird nicht den Fortschritt anbeten, sondern die Beständigkeit. Man wird im Geist eins sein und einer gemeinsamen Moral folgen. Es wird eine einheitliche, kosmische Lehre sein, die den Kindern beigebracht wird. Und es wird die einzige Wahrheit sein, die diese Kinder esoterisch und selbstständig einsehen werden. Sie werden dazu allerdings - ebenso wie bereits heute in Ausnahmefällen - in keiner Weise gezwungen sein. Der wirkliche Fortschritt findet erst in zweiter Linie im Materiellen statt. Wenn die Leute eines Tages (durchaus vielleicht mithilfe eines mächtig ausfallenden Winks mit dem Zaunpfahl) begriffen haben, dass die Welt nur einen einzigen Ursprung hat, dann wird es auch nur eine Religion geben. Man wird nicht von einer einzig anerkannten Religion oder einer Zwangsreligion sprechen. Es wird jedem überlassen sein, die Wahrheit zu wissen, oder aber einem dümmlichen Weg voller Ahnungslosigkeit zu folgen. In dieser kommenden Welt, wird der Pfad der Unwissenheit allerdings wesentlich weniger Fun und Lifestyle bringen. Es wird nur wenige geben, die Fun und Lifestyle anderer Leute bewundern werden, glaube ich. Es werden auch nur wenige Leute den Zeiten hinterher jammern, als das mal anders war. Viel wichtiger ist allerdings, dass es so etwas wie einen Fanatismus nicht geben wird, weil die Wahrheit keinen solchen benötigt. Die Menschen, die sie nachfühlen können, wissen es schon heute und teilen sich dieses Bewusstsein mit großen Geistern der Geschichte. Namentlich bekannten, wie auch solchen, deren geschriebene Wegweiser und Zeugnisse längst zu Staub zerfallen sind.
August 2008
29 August, 2008
0013 - Wie schaffte es das einfache Werkzeug zum Herrscher über alle Arbeiter
Was ist das wirklich größte Übel auf der Welt? Der Klimawandel? Korrupte Politiker? Überbezahlte Fußballer? Oder Leute, die zu allem ihren Senf abgeben müssen? Ich weiß es, denn es ist eigentlich ganz einfach zu begreifen wieso dieses Übel der Grund für wenigstens die ersten drei genannten kleineren Übel ist. Es handelt sich dabei um eine Sache, die irgendwann einmal verhinderte, dass man ein Hotelzimmer mit zwanzig Ochsen oder einen Transatlantikflug mit einer Herde Schafe bezahlen musste.
Ich hab mir die Frage gestellt wie ein Mensch geistig beschaffen sein muss, damit er nach einer gewissen Zeit voll Fleiß materiell gut gestellt ist. Die einen arbeiten sich in den Zwickmühlen unserer auf das Produkt bedachten Wirtschaftswelt die Socken heiß, um dann in einem biblischen Alter vom Kleingeld anderer Leute zu leben. Andere dagegen studieren mal hier ein bisschen und schauen dann mit Ende Dreißig einer saftigen Pension entgegen. Und während die Ersteren mit schweißnasser Stirn, gebrochener Stimme und aus dem letzten Loch pfeifend von Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Stolz und Fleiß sprechen, tun es die Letzteren ebenfalls ... nur mit wesentlich vitaleren Knochen und ohne jeden Schweiß. Ist es normal, dass die Arbeiterklasse ewig frustriert den Buckel für ihre überheblichen Vorstände krümmt, während jene ihre ausgelassenen Schampus- und Kaviargelage in den Luftschlössern der Edeltouristik genießt? Liegt ja an jedem selber was er im Leben aus sich macht, oder? Eine Führungskraft wird immer davon reden, dass sie im Leben hart und diszipliniert gearbeitet hat und von gaaaaanz unten kommt. Irgendwie macht man das schon jedem Zweifler glaubhaft. Einer von euch isser! Aber ich frage mich inwieweit das wirklich stimmt. Ich denke es gibt aus gutem Grund eine große Menge an Leuten, die sich im Lohn- und Gehaltsrad zur Ratte machen lassen und auf der anderen Seite Elitemenschen, die sich von dieser niederen Kaste absetzen. Es muss etwas mit Psychologie aber ganz sicher auch mit der geistigen Polung zu tun haben.
Psychologie ist das eine. Das Wort weist auf eine Schule, deren Lehre die Seele eines Menschen behandelt. Man sagt die Seele eines Menschen nimmt alles Karma auf, das im Leben angesammelt wird. Schlechtes Karma beschwert die Seele, gutes erleichtert sie. Die Seele ist meines Erachtens das empfindende Element der Einheit aus Körper, Geist und Seele. Der Geist ist dagegen das denkende, analytische oder berechnende Element. Der Geist müsste also die Ursache für jedes Karma sein, das letztlich die Befindlichkeit hinab zieht oder empor hebt. Der Körper als Träger von beidem lässt die Symptome dieser Arbeit erkennen. Im Materiellen treten für die Augen eines anderen Menschen sichtbar die Indikatoren der seelischen Befindlichkeit eines Menschen zutage. Somit muss aus diesen Indikatoren auch indirekt die geistige Ausrichtung zu erkennen sein. Aber diese wirklich zu erschließen dürfte selbst einem Psychologen nicht immer gelingen. Zumal die geistige Ausrichtung nicht von einem Moment zum nächsten immer dieselbe ist ganz zu schweigen, dass sie auch nur irgendwie beweisbar wäre. Sie hängt direkt davon ab, auf welche Resonanz der Geist stößt. Weil man in der Wissenschaft üblicherweise den Geist gar nicht einkalkuliert, halte ich viele psychologische Lehransätze für unvollständig. Wo die Erziehung und speziell Beziehungen zu Elternteilen oftmals für Diagnosen herhalten müssen, sehe ich viele Probleme beim Verständnis der Wichtigkeit geistiger Vorgaben. Dabei auch Prägungen, die insbesondere aus prae- bzw. posthumaner Lebenszeit aufbauen. Diese Bereiche des Lebens gelten der "normalen" Wissenschaft als irreal, weil sie (angeblich) unerforschbar seien. Somit werden auch keine Einflussnahmen in Erwägung gezogen, die evtl. aus diesen Bereichen kommen könnten.
Wenn nun aber eben genau diese Prägungen viel wichtiger sind als all jene, die der junge Mensch erst durch die Eltern mitgereicht bekommt? Sie sind vielleicht nicht wichtiger insofern, als dass sie vom Gewicht her mehr wiegen als Prägungen durch die Eltern, aber sie bilden dennoch das Fundament auf das alle Prägungen der Eltern gestellt werden müssen. Und ich denke wenn die geistige Ausrichtung nicht mit der Resonanz der Eltern übereinstimmt, dann helfen auch keine noch so ausgetüftelten Psychocoachingtricks von den Saalfranks dieser Welt. Umso schlimmer, wenn die Eltern nur Stiefeltern oder anderweitig Leihbedienstete sind. Die geistige Prägung bildet sich aus dem Umfeld, in dem sich der Geist aufhält. Leibliche Eltern haben natürlich üblicherweise sehr enormen Einfluss auf das Kind. Je schwächer die leibliche Verbindung von Kind zu Aufsichtsperson ist, desto schwieriger dürfte (natürlich immer von Ausnahmen abgesehen) eine Einflussnahme gelingen. Entscheidend ist jetzt aber nur folgendes ... welche geistige Verfassung braucht man, um es im Leben zu Geld ... einer Menge Geld zu bringen?
Nehmen wir einmal das Geld unter die Lupe. Es war einstmals ein einfaches Werkzeug, das den direkten Gütertausch vereinfachen sollte. Es macht eben einen praktischen Unterschied ob man mit einem schlanken Lederetui durch die extravaganten Einkaufspassagen schlendert, oder dabei einen Wagen mit Tauschmaterialien vor sich herschiebt. Das eine sperrig - das andere handlich. Zudem wird nicht jeder Laden das alte Tafelsilber von Omi akzeptieren. Aber das Geld ist eigentlich gar nicht das wirkliche Problem. Das begann erst dann, als die Habgier das einfache Werkzeug zu einer Obsession werden ließ. So wie eine Droge zur weltbestimmenden Obsession für einen Junkie wird, so wird wirtschaftliche Liquidität zur Droge für jeden kaufsüchtigen Kapitalisten. Damit möglichst viele Leute ganz besonders doll kaufversessen sein mögen, gibt es eine weitere Einrichtung - und die nennt sich natürlich Werbung. Alles zusammen wird wahrscheinlich Wirtschaftskreislauf genannt und normale Menschen halten sowas für eine ganz hervorragende Sache. Nur ewig Gestrige würden behaupten, dass dieses florierende Wirtschaftspipapo ein Krebsgeschwür oder sogar der alleinige Grund für alle Weltprobleme egal ob nun ökologisch, politisch oder sonst wie gelagert ist. Man muss selbstverständlich differenzieren und alles ist selbstverständlich viel komplizierter als der gemeine Pöbel denkt - selbstverständlich. Ich sage Bullshit ist komplizierter als das Erkennen dieser Tatsache. Denn sämtliche Probleme der Welt basieren auf einer einzigen Sache und die heißt nicht Geld, sondern Habgier. Jemand, der viel Geld bekommen hat, könnte also auf die eine oder andere Art und Weise habgierig sein, denn sonst hätte er nicht soviel Geld. Vielleicht gierte es ihm nicht nach Geld sondern Ruhm oder ähnlichem. Vielleicht gierte er nicht, sondern verlangte nur - ist doch egal wie man es nennt.
Das Geld ist ein Werkzeug, das irgendjemand einmal als das wohl eleganteste und wichtigste Werkzeug des Menschen erkannte. Es ist nichts Geringeres als ein Wohlstandswerkzeug. Es ist der Hebel, den man ansetzen muss, um sich selber aus dem Sumpf zu ziehen. Nur leider ist das Werkzeug nur dann auch effektiv, wenn es einer hat und viele wollen. Somit ist es beleihbar. Und jetzt beginnen die vormals abstrakten Probleme konkret zu werden, denn was man verleiht, muss man ja nicht aus Gutmütigkeit weggeben. Am Ende bekommt man es nicht wieder. Ist es da nicht besser eine Versicherungsgebühr zu kassieren, die zudem steigt, je länger die Leihgabe behalten wird? Aber sicher. In der Geschichte werden diese Gebühren sicherlich Buchhaltungskosten oder Dienstleistungsabschlag genannt werden. Man kann allem einen hübschen Namen geben. Irakinvasion heißt dann zum Beispiel Demokratie-Coaching. Was man jetzt hat ist einen Werkzeughandel und derjenige, der das Werkzeug besitzt, der hat ein vollendetes Monopol. Er hat dies sicher nicht, weil er in erster Linie freigiebig ist.
Damit dieses Monopol ausgebaut werden kann, braucht es eine kluge Politik. Dazu eine, die vor allem mein Wohl und nicht das der anderen im Blick hat. Dazu werden alle anderen Werkzeugläden überall sonst meinem einfach einverleibt. Das dürfte nicht so schwierig sein, weil alles was man tun muss mit Evolutionsgesetzen zu tun hat. Der Finanzstärkere kauft den Schwächeren auf. Je nachdem wie schnell man dann in der Frühphase dieser Expansionspolitik war, wird es jedem nachfolgenden Ideenklauer schwieriger um nicht zu sagen unmöglicher, den größten Fisch an Land zu ziehen. Derjenige, der heute also den größten Werkzeugladen - ja vielleicht sogar den einzigen Laden weltweit hat, der könnte theoretisch über so manches gesellschaftliche Etwas ein Urteil fällen. Im Gegenzug ginge das nicht, weil ziemlich sicher niemand den Ladenbesitzer kennt. Oder wissen Sie wie viel ihr Nachbar auf der Naht hat? Die Forbes-Liste wird diesen Menschen auch nicht führen, denn die Beträge, mit denen die rechnen, müssten ja (wenn's doch nur einen Werkzeugladen gibt) ebenfalls als Leihgabe gelten. Zudem ist es auch langweilig jedes Mal von neuem ein und denselben Namen auf Platz eins zu lesen, oder?
Wie muss ein solcher Mensch ansonsten noch geistig geprägt sein? Ich würde sagen er ist vor allem eines: ein Humanist. Er nennt sich jedenfalls so oder besser Philanthrop. Er hat soviel Geld, dass er sagen kann, dass er keines mehr bräuchte. Natürlich nicht, aber bekommen tut er trotzdem jeden Tag einen Haufen mehr. Er sagt er tut den Menschen gutes, indem er Projekte unterstützt und Stiftungen gründet. Regenbogengewäsch halt. In Wirklichkeit zieht all sein Geld, das natürlich auf verzinslichten Konten weltweit in den renommiertesten Banken liegt, Rattenschwänze an Kapital auf sich. Die Zinsen, welche auf das Kapital aufgeschlagen werden müssen (und das eben schon seit sagen wir "geraumer" Zeit) wachsen mit jedem Plus. Jetzt fragt man sich muss solch ein Kapital denn nicht auch versteuert sein? Klar, aber bei wem denn noch mal? Na beim Staat, ne!? Bloß was ist, wenn der Staat selber Schulden bei dem Menschen hat? Wie gesagt: ich gehe von einem Menschen aus, der nicht nur sehr viel Geld hat, sondern der das Geld schlechthin besitzt. Bei dem Kapital handelt es sich um einen seelen- und herzlosen Götzen, einem nahezu allmächtigen und allgegenwärtigen Supergott (zumindest auf die Erde bezogen). Die Zinsen, welche auf dieses Kapital erwirtschaftet werden müssen, müssten wohl von wem genau erwirtschaftet werden? Wer würde zum Erbrechen buckeln um zur Steigerung der Produktivität beizutragen, damit die Leihgebühren für den weltgrößten Werkzeugladen bezahlt werden können? Ich gebe mal nen Tipp und der heißt Spiegel. Es ist dabei egal, ob man berufstätig oder arbeitslos ist. Derjenige, der für sein Futter bezahlt oder dafür ein Dach über dem Kopf zu haben, steht im Dienst dieses Leihgebers und seines allgegenwärtigen Götzen. Nun kann man sich fragen wie human solch ein salbungsvoller Leihgeber und selbsternannter Philanthrop wirklich ist. Die Frage ob es ihn gibt, finde ich nebenbei gesagt vernachlässigbar, weil in seinem Geiste viele "Kollegen" ihre runden durch die schöne Welt des Kapitalismus drehen. Den Götzen gibt es jedenfalls ganz sicher. So sicher wie wir alle seine Sklaven sind - egal ob Naturbursche oder Paris.
Nachtrag 31. August 2008 :: Das hier ist (wie sich bereits dem geistreichen Leser erschlossen hat) keine Kapitalismus-Kritik. Ich kritisiere nicht das Geld, sondern den Wucher ... Zinsen, Rendite, Fonds, .... mir geht's nur darum klarzustellen, dass Habgier nicht von einer theoretischen oder praktischen Ideologie abhängt oder auch nur mit Geld zusammenhängen muss. Habgier äußert sich in vielen Graustufen und auf viele Stofflichkeiten bezogen. Aber eigentlich kritisiere ich noch nicht einmal Habgier. Es kommt eben nur drauf an, nach was man ein Verlangen hat. Mein Verlangen kann ich gerne in einem Versuch bruchstückhaft darstellen. Mein Verlangen ist ein Umfeld, dass jedem ein Leben nach seinen Vorstellungen und im Rahmen einer natürlich gegebenen Grundsatz-Ethik ermöglicht. Ich will nicht, dass jeder die gleichen Chancen hat, denn das ist blödsinnige Theorie aus den opportunen Träumen von lupenreinem Egomanentum. Wirkliche Freiheit des Einzelnen besteht nur dann, wenn jeder frei von Konventionen entscheiden kann ob er der kosmischen Ethik folgt und dabei Teilhaber einer harmonischen Gesellschaft ist. Natürlich darf jeder andere seinen Trip der "Chancengleichheit" unter einem abgeschiedenen Haufen egoistischer Ellbogenverdiener fortsetzen, wenn er das gut findet.
28 August, 2008
0012 - Die Hilfslosigkeit des Bösen im Lauf der Welt unter dem Aspekt des vollkommenen Determinismus
Das Böse ist allgegenwärtig und es ist ganz sicher nicht machtlos, wenn man es mit den Augen eines Menschen erlebt oder sogar erleidet. Aber kann es das Böse eigentlich geben, wenn doch alles von Anbeginn feststeht und zudem die Grundeigenschaft des Ursprungs als Gütig beschrieben wird?
Am Anfang schuf Gott den Mythos und er sah, dass es gut war. Denn er selbst war gütig, weil er sich selbst, sein eigenes, substanzielles Sein dazu nutzte eine Welt aus seiner Ganzheit entstehen zu lassen. Er gestattete ihr Dasein mit allem was jemals in ihr erwachsen und erwachen würde. Er, der das Alpha und das Omega ist, kennt den Anfang und das Ende der Welt, weil er neben der Zeit (ebenfalls ein Produkt seiner Güte) stehend jeden Zeitpunkt überblickt. Damit kennt dieser Gott nicht nur jede Entwicklung in der Welt, sondern er kennt auch ganz genau jeden einzelnen von uns, unsere Wünsche, unsere Gedanken, Gefühle und Fantasien, er weiß um unseren Glauben, kennt unsere Schwächen wie auch unsere Stärken. Er weiß wann wir einen Fehler machen, wann wir ihn zugeben und wann wir ihn bereuen. Gott allein ist die Wahrheit und er bestimmt die Tatsachen, also die getanen Sachen in der Welt. Er überlässt uns in seiner Güte den Glauben an die eigene, frei willentliche Wirkung im scheinbaren Chaos unserer Umgebung. Er verschleiert seine Wirklichkeit hinter dem Vorhang des Chaos und zeigt sich doch überall im konkreten Kosmos. Er zeigt uns das Chaos und schenkt uns die Freude, welche jeden durchfließt, wenn er dieses Chaos im Geist und vor allem mit Hilfe des Geistes ordnen kann. Er schenkt uns die Möglichkeit kreative Schöpfer zu sein und damit zu einem geistigen Aufstieg zu gelangen, der nichts weniger als das Allwissen und die absolute, reine und unverfälschte Wahrheit zum Ziel hat. Und er überlässt jedem einzelnen an jedem Tag seines geistigen Daseins (das länger währt als jedes Menschliche) die Wahl zwischen der roten oder der blauen Pille - der Wahrheit oder dem seligen Unwissen.
Klar schlägt der eine oder andere gern mal das Ziel aus. Welchen erdgebundenen, mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehenden Menschen interessiert schon so was abgehobenes wie Allwissenheit oder Wahrheit? Im täglichen Leben scheint allein Substanz von Relevanz zu sein. Von irgendwelchen spirituellen Erkenntnissen kann man sich und seine Familie nicht ernähren. Aber das Wissen selbst ist auch eigentlich gar nicht so wichtig. Ich glaube der Buddha Shakyamuni selbst hat dies sogar seinen Schülern beigebracht. Wirklich wichtig ist vor allem der Glaube in einem selber. Das Wissen ist deswegen natürlich nicht völlig unwichtig, aber es ist zweitrangig, weil es ohnehin nur erlangt werden kann, wenn man zuallererst an seine Erreichbarkeit glaubt. Somit ist Glauben wichtiger als Wissen. Nur wie soll man an die Güte oder überhaupt die Existenz des Schöpfers glauben, wenn er doch so unglaublich viel Unheil und Chaos über die Menschen hereinbrechen lässt? Wie kann ein solcher Gott überhaupt gütig sein, wenn er alles Leid der Welt zulässt? Ist er dann wirklich allmächtig und wenn ja, wieso kann sein quälendes Desinteresse an den Problemen der Menschen als Güte gelten? Weil viele meinen, dass da irgendwas nicht stimmen könne, fangen sie an Zweifel zu hegen. Diese reichen so weit, bis sie einen Gott treffen, der ihnen sein Dasein beweist, indem er von einem Thron oder Sockel zu ihnen sabbelt, oder aber sie verlassen den Pfad des Gläubigen und werden zu Korinthenkackern, wenn sie Fakten wälzen, die angeblich ihre neue, viel aufgeklärtere Überzeugung belegen und doch nur ihre Rechthaberei bezeugen. Dann halten sie Dinge für wichtig, die eigentlich reichlich nebensächlich weil vergänglich sind.
Ich lese oft von der bösen Weltverschwörung und Leuten, die Böses tun, weil sie Böses lieben. Viele Schreiber in Foren oder Blogs sehen sich selbst als Lichter der Deppenaufklärung und überziehen ihre Feindbilder mit diversen Schimpfwörtern, um auch dem letzten Idioten klarzumachen, wer in den vielen dunklen Ecken der Welt der wahrhaft Böse sein soll. Wohlgemerkt bezeichnet man dann Menschen als sehr böse, geradezu satanische Elemente und ich hab fast die Befürchtung, wenn diese Elemente nicht so gute Alarmanlagen, Panzerautos und dicke, glatzköpfige Leibwächter beschäftigt hätten, würden sie von einem in Sanftheit aufgehenden, gütigen, friedliebenden Mob an der nächstbesten Straßenlaterne aufgehängt oder mit ein paar Nägeln an irgendeine Holzsache gesteckt. Wie schön, dass so viele selbsternannte Pazifisten stets ihre heiligen Speere des Wohlwollens geschärft bereithalten, um zu jeder Sekunde auch den niederträchtigsten Schurken die Strafe Gottes angedeihen zu lassen. Ich nehme an es ist klar, dass ich nur klarstellen will, wie nahe sich Gut und Böse stehen, wenn gleichzeitig die Darstellung des Motivs ein wenig unbedacht gewählt ist. Die Kämpfer gegen die Schlechtigkeiten der Welt sind nicht die Guten, sondern vor allem eins - selbstgerecht. Aber das trifft dann auf alle zu einschließlich mir selbstverständlich. So sind alle NWOler davon betroffen, wie auch alle Leute, die gegen dieses Weltregime arbeiten. Allesamt haben sie nur ein Ziel - die Schaffung einer besseren, einer guten Welt. Denn sie alle sind in den eigenen Augen vor allem eines - gute Menschen, die sich gegen die bösen Interessen der Gegenseite wehren müssen. Und die Gegenseite tut ihrerseits alles um die bösen, satanischen Mächte zu diffamieren. Ich wette ab und zu wird sogar diffamiert, obwohl keiner einen Plan hat wen er wann wieso und warum überhaupt niedermacht. Da helfen dann nur noch einheitlich genormte Richtersprüche - die Wahrheiten des Menschen.
Das Gute zieht alle Energie aus seinem Kern, denn es wächst vom Innern nach Außen. Eine winzigkleine Hoffnung kann die Welt verändern. Das Gute ist konstruktiv. Das Böse verliert sich dagegen in ständiger Spaltung. Es ist uneins darüber was konstruktiv genutzt werden kann. Wie soll dann also bitte eine durchorganisierte, weltumspannende Gruppe Böse sein? Eine solche Gruppe würde mehr als genug mit der eigenen Intrigenwelt zu kämpfen haben. Eine wirklich verschworene Gemeinschaft kann nur dann funktionieren, wenn man zusammenhält, an das Gute im eigenen Treiben glaubt, und ein zumindest professionelles Vertrauen in alle geschwisterlichen Teilhaber hat. Der eigene Glaube an die Güte seines Tuns, bedeutet aber noch lange nicht, dass das Tun auch wirklich gut ist. Jede Tat, die aus einem Egoismus heraus dem Willen eines anderen Menschen aufgezwängt wird, muss als böse oder schlecht gelten. Ist also Egoismus der Schlüssel zum Gutsein? Ich denke ja, denn wann immer man etwas tut, und dabei den Glauben vertritt etwas aus eigenem Willen zu tun, geschieht etwas potenziell Böses. Der Grund dafür liegt in der Zwiespältigkeit einer gewirkten Aktion. Wenn man den Vorteil von einem herausarbeitet, bewirkt man automatisch den Nachteil eines anderen. Aber ist das nicht in Ordnung, wenn doch der andere sowieso böse ist? Wieso sollte ich dem Bösen einen Vorteil zuschiessen? Der Punkt ist man ist selber ebenso böse wie das Böse, das man zu bekämpfen gedenkt.
Ich bin genauso ... ich tue alles Mögliche um einem vermeintlich bösen Gedanken die glühenden Kohlen der Ausmerzung über die Frisur zu kippen. Dass ich dabei hier und dort auch einem falschen Gedanken folge, weiß ich. Ich weiß auch, dass alles was ich Gutes tue, den Makel der Schlechtigkeit in die Welt bringt. Ich weiß das, weil ich mir völlig im Klaren darüber bin als Mensch stets im Zwiespalt mit dem wahren Guten zu stehen. Das wahre Gute ist das einzige was gestern, heute und morgen Wirksam ist, denn nur das wahre Gute kann wahrhaft und dauerhaft konstruktiv sein. Es ist das was allem anderen die freie Entscheidung über Wissen und Unwissen, über eigenen, egoistischen Willen und dem bereits festgelegten Willen des Schöpfungsprinzips überlässt. Weil es jedem lebendigen Geist diese freie Entscheidung zugesteht, macht es sich automatisch vom Vorwurf des Egoismus frei. So kann das wahrhaft Gute wirksam sein und ist doch in keiner Weise selbstgerecht. Es steht damit über jeder Zwiespältigkeit oder gar dem Gerechtigkeitsempfinden eines Menschen.
Mancher Leser fragt warum schreibe ich so blumiges Zeug und ändere nicht mein eigenes Tun? ... Warum sollte ich? Verliert die Wahrheit an Bedeutung, weil ausgerechnet ich kleine Nummer eine Änderung meines Auftretens verweigere? Das was ich schreibe ist das Ideal, dem ich zustrebe. Es ist kein Ideal, das ich verkörpere. Also kann mir gern jedermann unterstellen Wein zu predigen und Wasser zu saufen. Niemand weiß nebenbei was ich trinke und so ist all dieses Gerede allein auf den Wunsch nach Ausreden gebaut. Als Mensch kann ich immer nur dem Ideal folgen. Erreichen werde ich es nicht als Mensch. Aber Mensch bin ich heute und morgen bin ich es nicht mehr.
Das Gute wird niemals von Menschen auf die Welt gebannt. Das können Menschen nicht, denn sie sind unvollständig in allem was sie ausmacht. Und so kann auch dann wenn sich Milliarden Menschen für das Gute zusammenstellen niemals das vollendet Gute entstehen. Dann allerdings wenn sich Milliarden Menschen im Geist des wahren Guten zusammenstellen, erscheint es ohne das Zutun eines Menschen in ihrem Mittelpunkt. Man beachte der Unterschied dabei ist die von Menschen willentlich herbeigeführte Erschaffung von Güte und die Erscheinung des Guten ohne die Willensäußerung eines Menschen. Im ersteren Fall wird immer etwas wenigstens zum Teil Böses entstehen, das zum Verfall verdammt ist. Im zweiten Fall allerdings ist die Quelle des Guten das wahre Gute, das einzig Wirksame und ewig Bestehende.
22 August, 2008
0011 - Das Wesen der Wahrheit und die Natur der Lüge
Ich las vor kurzem den inspirierenden Satz :: "Eine Lüge ist bereits einmal um die Welt gegangen, bevor die Wahrheit überhaupt aus den Startlöchern kommt." Ich dachte sofort an eine Diskussion über Lichtgeschwindigkeit, die ich einmal führte. Es ging dabei unter anderem auch um Gravitation. Was sie sei, wie sie wirke und wie schnell sie sich durch die Raumzeit bewegen würde. An einem Punkt ging es um die Frage wie sich Gravitation im Raum ausbreite, und ich behauptete, dass Gravitation sich wellenförmig fortsetzt. Eine Ausbreitung sei dagegen nicht notwendig, weil Anziehungskraft überall dort sei, wo sich Materie und damit auch Raum befände. So gäbe es bei Gravitation quasi eine Nullzeitausbreitung, weil sie überall dort sei, wo ihre Auswirkung potenziell auftreten könne.
Gravitation wäre demnach schneller als Licht, weil Licht von A abgestrahlt und von B nachträglich reflektiert werden müsse. Gravitation dagegen wäre überall dort wo A oder B oder C sei. Ohne Materie - kein Raum - keine Gravitation. Jemand wollte partout nicht verstehen, dass ich zwischen der Ausbreitung des Mediums und seiner internen Wirkungsweise unterschied. Ich sagte eine Gravitationswelle würde sich wellenförmig im Weltraum fortsetzen, doch die Anziehungskraft selbst sei bereits als Same überall dort vorhanden, wo sich Weltraum befände. Ohne Etwas, das den Raum an irgendeinem Ort ausfüllt, würde jegliche Definitionsmöglichkeit von Raum fehlen, da es immer eines Gegengewichtes braucht, um einen Zustand festlegen zu können. Als Vergleich bemühte ich den Ozean. Eine Welle darin setzt sich kreisförmig und geometrisch vom Ursprung ausgehend ab. Ihr Ursprung ist eine Irritation in der ansonsten ausgeglichenen Wasseroberfläche. Jedoch der Ozean muss nicht mit jeder Welle neu erschaffen werden. Das Wassermedium ist überall dort wo die Welle hingehen kann, denn ohne das Medium wird auch jede Welle bzw. logischerweise auch jeder Eindruck von Ozean ausbleiben.
Ich dachte das sei nur ein leidlich brauchbarer Vergleich mit der Gravitationswirkung, denn die Irritation in der Raumzeit (dem Ozean), welche von einem Planeten (einem Stein) innerhalb des Mediums verursacht wird, ist permanent. Sie flaut nicht ab, wie es bei einer Wasseroberfläche passiert, die sich nach einiger Zeit beruhigt. Man muss sich das vielleicht so vorstellen, dass ein Planet ein ständig auf der Wasseroberfläche vibrierender Stein ist, der permanent eine Wirkung erzielt. Während aber bei Wasser die Welle eine Amplitude zeigt, handelt es sich bei der Raumkrümmung um eine einzelne zum Ursprung der Irritation hin ansteigenden Größe. Die Irritation in der Raumzeit setzt sich dabei kreisförmig bzw. geometrisch vom Ursprung in alle Richtungen des Raumes ab. Mein Gesprächspartner erkannte darin einen Widerspruch, da er glaubte, ich würde sagen die Gravitation breite sich wellenförmig aus und müsse sich gleichzeitig nicht ausbreiten. Ich glaube das hat sich seitdem auch nicht mehr geändert. Der neutrale Zustand der Gravitation ist als Same in der gesamten Raumzeit vorhanden. Die Raumzeit ist überall dort, wo sich Materie/Energie befindet. Das heißt auch die Anziehungskraft ist überall dort wo Materie/Energie ist. Nichts davon bildet sich erst im Nachhinein - außer der Zustandsänderung, wie z. Bsp. bei einer Intensitätszu- oder abnahme.
Was das nun mit Wahrheit und Lüge zu tun hat? Ich denke die Wahrheit ist ein Ozean, der überall dort ist, wo eine Lüge nachträglich hingehen könnte. Eine Lüge kann niemals ohne die Wahrheit existieren. Dem gegenüber kann der Ozean jedoch problemlos ohne den Stein leben, der in ihm Wellen einer Irritation erzeugt. Bei dem klugen Sprichwort von oben wird einem kleingeistigen Menschen suggeriert, dass die Wahrheit schwächer sei als jede Lüge auf der Welt. Ein Heer von Lügen müsste also demnach imstande sein die Wahrheit mit Links auszubremsen und für alle Zeit auszulöschen - zumindest, wenn man der bäuerlichen These von der schneckengewandten Wahrheit glauben möchte. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Es können noch so vielfältig bunte, fantasievolle und formenreiche Lügen die Welt durchziehen - sie lassen die Wahrheit offensichtlich vollkommen unbeeindruckt. Man kann sie zuschütten, aber niemals verdecken. Man kann sie verdecken, aber niemals verschütten. Hat man die Wahrheit an einer Stelle verdeckt, dann fehlt einem ein Fetzen an der entgegengesetzten Seite. Das Problem ist, dass jedwede Lüge einerseits immer die Wahrheit als Grundlage hat und andererseits niemals die Perfektion erreichen kann, welche der Wahrheit von Natur aus eigen ist. Und so kann dieser vermeintlich philosophische Satz oben auch nicht korrekt sein. Er müsste, wollte er der Wahrheit entsprechen, eher lauten wie :: "Eine Lüge muss umständlich die Welt umrunden, während die Wahrheit ihr allerorten gnädig die Existenzgrundlage schenkt." Zugegeben das klingt längst nicht so schnittig und griffig wie der andere Satz, doch wer hört und sagt schon gern die Wahrheit, wenn kein Vorteil daraus wächst?
Es wird immer wieder gern behauptet, dass es eine definitive Wahrheit überhaupt nicht gäbe. Oder manche behaupten auch, dass die Wahrheit sich jeder ganz persönlich bilden würde. Das sind eindeutige Hinweise darauf in welchem geistigen Umfeld der jeweilige Mensch aufgewachsen sein könnte. Es wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein sehr freigeistiges, liberales und vielleicht sogar demokratisches Umfeld handeln. Diese Dinge sind ja nicht von sich aus verkehrt. Ich bin ein großer Fan von allen und glaube, dass alle diese Dinge mit die größten Gewinne der menschlichen Gesellschaft darstellen. Darstellen könnten - denn ich glaube, dass eine Gesellschaft ihrer auch gewachsen sein muss. Wenn Millionen kleingeistige Thesen mehr gelten, als die eine wirkliche Wahrheit, dann wird eine Welt entstehen, in der mehr Leid und Lüge vorherrscht, als jeder vernunftbegabte Mensch jemals ertragen könnte. Als Resultat der Machtlosigkeit gegenüber diesem Fehl, werden Menschen zynisch, da dies zumeist der letzte Ausweg zu sein scheint, um dem Unabänderlichen seinen Stolz entgegensetzen zu können. Wenn man es schon nicht ändern kann, tut man wenigstens so, als wenn man genau wüsste, dass alles Enervierende am Ende ohnehin verlieren würde. Schon ist man der moralische Gewinner und kann eine weitere halbe Woche überheblich grinsend Zigaretten rauchen. Der persönliche Genuss ist gerettet.
Ich denke die meisten Menschen haben mit den oben genannten Freiheitsadjektiven etwas von ihren Vorfahren geerbt, dass sie im Nachhinein nicht mehr als Befreiung von Absolutismen zu schätzen wussten, sondern im Gegenteil nur noch deswegen liebten, weil jeder neugeborene Sohn und jede neugeborene Tochter plötzlich in die Lage versetzt war, egoistisch zu denken und zu leben, ohne sich deswegen als Verräter an den elterlichen Idealen fühlen zu müssen. Im Gegensatz zur damaligen Zeit ist nicht das Ziel ein von Obrigkeitszwängen befreites Denken zu ermöglichen, sondern man will um jeden Preis der Welt nur eines - Selbstverwirklichung. Nicht mehr die Freiheit der Menschen ist das Ziel, denn das wurde ja im selben Augenblick schon erreicht, als die Befreiung real geworden war. Anstelle dessen ist das nächsthöhere Ziel nun die Befreiung des ICH. Man will dabei allerdings eine Freiheit, die komplette Einbildung ist. Abhängigkeit wird niemals überwunden werden, weil jeder einzelne von uns nur ein Teil einer viel umfangreicheren Wahrheit ist, die wir nicht benennen können. Es ist eine transzendente und in keiner Weise auf das Menschsein begrenzte Wahrheit, weswegen sie auch so gut zu verleumden ist. Dass diese Wahrheit (nur ein geringer Teil davon ist z. Bsp. die gemeinschaftliche Abhängigkeit voneinander) ignoriert wird und das ICH an höchster Priorität gesetzt steht, ist eines der größten Probleme unserer schönen, modernen Welt. Ein sehr großer Teil der Menschheit lebt von Wahrheit entzweit in ständiger, persönlicher Lüge. Wenn man behauptet, dass es eine verbindliche, einzigartige Wahrheit nicht gäbe, dann lebt man in Lüge, denn alles was passiert ist, dass man seinen Egoismus vor sich und aller Welt rechtfertigt. Wenn man andererseits sagt, dass Wahrheit begrenzt, dass Wahrheit durch einen selbst gebildet, oder Wahrheit vom Auge des Betrachters abhänge, dann lügt man sich selbst in die Tasche, das sich - wie man so schön sagt - die Balken biegen.
Man benutzt Schlagwörter einer Vorgängergeneration, die auf gleiche Worte Stolz war, weil es eine verheißungsvolle Zukunft bedeutete. Aber diese Zukunft ist korrumpiert worden und in eine dunkle, von Blut triefende Sackgasse umgeschlagen, in der alle einzelnen diskutieren und behaupten es sei trotz allem der richtige Weg - und wenn schon nicht für alle anderen, dann doch auf jeden Fall für mich selbst und meine Überzeugungen. Ich rede übrigens nicht von Umweltschutz, von Menschenrechten, von der Angleichung der Geschlechterrollen, von Multikulti oder ethnischer Gleichmacherei und der Bekämpfung von Armut und diesem ganzen restlichen Gutmenschentum. Alles das sind nur einzelne, kleine Splitter einer wahrheitlich begründeten Gesamtethik. Die Schlachten, welche auf diesen winzigkleinen Feldern geschlagen werden, sind allesamt dem Untergang geweiht, solange die Einheit verleugnet wird. Ich meine nicht eine Einheit von Menschen, sondern eine Einheit mit dem Ursprung allen Seins. Die Kämpfe, die auf den kleinen Schlachtfeldbereichen stattfinden sind allesamt kurzsichtig wie niederträchtig in Waffenführung und Opferbereitschaft. Das Pulver ganzer Revolutionen wird in Bunkerkriegen vergeudet, ohne das Gesamte in Betracht zu ziehen. Dabei wäre das Einstehen für die unbedingte Wahrheit der einzige Feldzug, den es zu gewinnen gilt. Wohlgemerkt sage ich nicht, dass man die Wahrheit ausrufen und vor sich herum tragen soll, denn damit ist man ihr allergrößter Feind. Die Wahrheit muss nicht richterlich erstritten, mit hübschen Flugblättern beworben oder in bombastischen Kriegen auf das Angesicht der Erde gelötet werden. Die Wahrheit hat gesiegt, bevor die Lüge überhaupt kreativ weSamstag, 27.11.2021heit stellt, auch nur gewinnen und recht haben, denn es gibt nur eine Wahrheit. Gewinnen muss man nicht den Krieg der Wahrheit. Gewinnen muss man den esoterischen Kampf mit sich selbst. Man muss die eigene, interne Unwissenheit besiegen. Der Sieg über die Unwissenheit anderer ist reizvoll aber - dessen bin ich mir trotz allem hier gewiss - sinnlos.
Alles was der Welt in dieser Zeit noch helfen würde, wäre eine gemeinschaftliche Einsicht. Nämlich die, wonach alles Leben auf einer Wahrheit gründet, die niemals ignoriert werden sollte, wenn das Leben für die Gemeinschaft lebenswert sein soll. Wenn das Leben für das ICH lebenswert sein soll, dann bitte diesen Vorsatz ganz besonders viel und vehement ignorieren. Das funktioniert eine Zeit lang. Aber dann sollte man derweil auch nicht von Verbesserungen träumen und davon schwafeln, dass man der Vorreiter einer besseren Welt sei. Nur dann, wenn man die Wahrheit liebt und sich zu ihrem Dasein nicht nur bekennt, sondern sich ihr auch esoterisch verpflichtet fühlt, wird man die Welt besser machen. Nur dann hat die allgemeingültige, universelle Ethik wieder ihren natürlichen Stellenwert in unserer Gemeinschaft. Die Selbstverwirklichung, welche heute so gern als oberster Gewinn des ICH propagiert wird, kann nur dann von Glück und Dauerhaftigkeit gekennzeichnet sein, wenn sie so gut wie möglich auf der Wahrheit aufgebaut ist. Die Perfektion kann man indes niemals haben, denn der Himmel wird niemals zur Erde herunter kommen. Entscheidend ist allerdings auch eher, dass man selber die Richtungen nicht vertauscht. Wenn man den Himmel zur Erde und die Erde zum Himmel macht, dann kann der Weg anschließend nur noch nach unten oder in die Wirrung führen, wenn die Zeit reif ist und dem ICH die Stunde schlägt.
Da ich glaube, dass Einsicht nicht zu den Stärken der Menschen zählt, lebe ich in ständiger Erwartung eines Schlüsselmomentes. Je größer die Lügen wachsen, desto wackeliger ist die Welt, die auf ihnen steht. So muss eine solche Welt auch irgendwann kollabieren, denn das ist eines der vielen Ethikgesetze - die Wahrheit mag gnädig und geduldig sein, aber eben weil selbiges nicht für die Lüge steht, kann nur die Wahrheit den Zerfall auffangen. Denn alles gründet und liegt in ihr. Die Lüge mag das selbstverständlich nicht und hält der Wahrheit gar Egozentrik oder Verachtung der Menschenrechte vor. Das ist lustig. Lachen wird aber freilich nur der, der in der Einheit mit dem Verbleibenden steht. Und wer bzw. was das sein wird, stand meines Erachtens bereits fest, als alles andere noch die leise Andeutung eines schwammigen Konzepts war.
19 August, 2008
0010 - Nachtrag zu Eintrag 0001 - Deutungsversuch
Die originalen Schriften des Herrn N. sind in einem alten Französisch geschrieben, das sogar manch heute lebendem Franzosen nicht mehr bekannt ist. Das und dazu die Übersetzung ins Deutsche verdrehen und verändern Betonung, Formulierung und wahrscheinlich noch vieles mehr in einem Schriftstück. Unverändert bleibt aber die geistige Aussage oder Botschaft. Dabei ist sogar egal, ob ein Schriftstück fremdsprachig oder uralt sein mag. Die Botschaft lebt und überlebt auch jede Verfälschung, weil nichts und niemand etwas Spirituelles auslöschen kann - außer vielleicht Gott persönlich, aber das wird er aus gutem Grund bleiben lassen.
Verfälschung ist natürlich trotzdem möglich und die macht, trotz aller Irritation, eben so manchem Hobby-Kryptologen das Leben lebenswert. Und so wird ein uralter, fremdsprachig geschriebener Text voller Rätsel zu einem Abbild eines Ereignisses. Und trotzdem bleibt der Zweifler freilich seinem Dogma blind ergeben.
"Beim End des Umlaufs der grossen Sieben, wird erscheinen zu Zeiten der Spiele das grosse Blutbad, Nicht weit entfernt von der Wende des Jahrtausends, dass die Eintretenden heraustreten aus ihren Gräbern." Nostradamus Zenturie X 74
Beim End des Umlaufs einer großen Sieben (was wohl selbst dem Dümmsten an einem unten genannten Datum ins Auge gefallen sein müßte), erscheint ein großes Blutbad zu Zeiten der Spiele. Die Zeitungen, Bild- und Tonmedien waren voll von diesem Blutbad. Von den Spielen nahe der Wende des Jahrtausends wird dem Zweifler ebenfalls wieder vom Blickwinkel abhängen. Ich denke acht kleine Jahre sind nicht sehr viel bei rund neunhundertzweiundneunzig verbleibenden. Die Eintretenden treten aus ihren Gräbern - oha. Bisher gab es keine Berichte von herumwandelnden Zombies. Also ist damit alles Geschriebene und alles davor und danach Schund nebst dem Verfasser? Nö ... denn eingetreten sind die Russen, die mit ihrem reichlich kratzbürstigen Großmachtgehabe eigentlich schon totgeglaubt waren. Klar haben sie auch schon vorher das eine oder andere Massakerchen heraufziehen lassen, aber seit langer Zeit sind sie dabei nicht mehr dem westlichen Bruder derart unverblümt auf die Gusch gestiegen. Sie sind also, nachdem man sie diesseits des rosaroten Vorhangs mit ihren kontrawestlichen Motiven eigentlich schon in der Grabesstille der Geschichte vermutet hatte, aus ihrem historischen Grab heraus getreten und haben nochmal Hammer und Sichel aufblitzen lassen. Weniger vielleicht im Ansturm eines weltweit angestrebten Kommunismus, und doch, denke ich, im Geiste dieser Tradition. Und selbst die wird nicht vollends vergangen sein und noch so manche Migräne verursachen.
Was die Variabilität der geschriebenen Zenturie anbelangt so würde mich wirklich interessieren in welchen zeitlichen Ereignisrahmen dieser Vierzeiler wohl sonst noch passen täte. Dabei zu bedenken die Zahl Sieben, Jahrtausendwende, Spiele und eben Blutbad aber auch "die wandelnden Toten".
17 August, 2008
0009 - In einer Zeit von Magiern und Hexen
Wann ist eine Kultur eine wirkliche Hochkultur? Die Antwort wird üblicherweise auf Technologie verweisen, denke ich. So kann eine Zivilisation aus dem Altertum zu einer Hochtechnologie werden, weil man bei Ausgrabungen Dinge entdeckt, die dem staunenden Beobachter auf irgendeine Weise anachronistisch erscheinen. Dagegen wird dann vielleicht eine andere gleich daneben liegende Zivilisation für primitiv gehalten, weil man bei denen noch nix so tolles ausgegraben hat. Der Maßstab nach dem also eine Gesellschaft als High-Tech-Gesellschaft gelten darf, ist ein ziemlich dehnbarer Maßstab. Allerdings wird keiner heute ernsthaft sagen wollen, dass wir eine primitive Kultur seien. Und ich glaube manchmal wir sind vielleicht hochtechnisiert und gerade deswegen das primitivste Volk, was man sich im nahen Universum nur vorstellen kann. Dafür gibt's nen einfachen Grund - und der heißt körperliche Arbeit.
Wenn man heute arbeitslos ist, dann wird man (spätestens nach drei-vier Monaten) ziemlich schal beäugt. Man sei dann, heißt es vielleicht gern, ein fauler Sack. Oder Kommunist. Oder ein kommunistischer, fauler Sack. Vielleicht wird man als Spinner bezeichnet, weil man ja so was mit Spiritualität und son Zeug macht. Überhaupt fällt man derb aus dem Rahmen, wenn man das bestehende Gesellschaftssystem irgendwie nicht so toll findet, wie man es gefälligst zu tun hat. Im Film "Pulp Fiction" will ein Gangster auf eine spirituelle Reise gehen und schwärmt von Unabhängigkeit, Freiheit und innerem Frieden. Darauf sagt sein skeptischer Zuhörer, dass sein Ziel sei schlichtweg ein Penner zu werden. Leider hat er damit recht, denn genau das wird man sein, falls man aus dem System ausstiege und sich von allen gesellschaftlichen Zwängen unabhängig machen wollte. Kein Strom, kein Gas, kein Benzin, Geld, Versicherungen, Obdach, ... So lang ist die Liste nicht, aber Rattenschwänze verstecken sich hinter jedem dieser kleinen Worte, die uns als Teilhaber am großartigen Fortschritt so warm das Herzchen streicheln und "Sicherheit" geben. Es ist eine von vielen, vielen Lebenslügen, die wir alle nicht wahrhaben wollen. Mit den Prinzipien dieser Gesellschaft zu brechen hieße mit der Gesellschaft zu brechen. Auf dieser Tatsache und auf diesem psychologischen Haken baut die ganze Weltwirtschaft. Wie wenig der Haken aushält, zeigt sich wenn die Spritpreise in kurzer Zeit zu schnell ansteigen. Das Gejammer wird lauter, je größer der Preissprung ausfällt. Und doch beruhigt sich alles Gejammer schon bald und dämmert bis zum nächsten viel zu großen Plus. Kleine Schritte machen dagegen nichts. Und ab und zu beschleicht mich das Gefühl, dass große Preissprünge nur zur Toleranzdehnung beim Schafsvolk dienen. Whatever.
Man stelle sich mal eine Welt vor, in der jederman seine menschlichen Grundbedürfnisse aus eigener Tasche tragen könnte. Ja ja, jetzt kommen die Gedanken an "Freie Energie", Tesla und Schauberger und son Zeug, aber das meine ich nicht. Jedenfalls nicht allein. Ich rede nicht von dem was wir als Technologie bezeichnen, sondern von einer um nicht zu sagen DER TECHNOLOGIE. Technik ist ein verfremdetes Wort aus dem alten Griechenland wo seine Sinnbedeutung ins Jetzt übertragen "Handhabung" heißen würde. Alles was wir als Technologie bezeichnen ist also nur eine indirekte Technik, weil bei den allermeisten Sachen überhaupt kein Fingerchen mehr gerührt wird. So betrachtet ist eine von diesen komischen Schulrechenmaschinen (mit den vielen Kugeln, die an Metallstangen in einem Holzrahmen befestigt sind und hin- und herschiebbar sind) eine viel höhere Technologie als jeder 4Ghz-QuadCoreRechner auf der Welt. Eben weil man bei dem einen Hände braucht und beim anderen einen guten Schreibtisch, was zum Sitzen und ein Kissen um sich beim Pennen nicht auf die Keckskrümel betten zu müssen. Natürlich ist die Bewegung eines Fingers beim Computer energiemäßig betrachtet vielleicht viel effizienter als bei der Rechenmaschine. Man drückt zum Beispiel das K und der Rechner fängt an in seinem Prozessor ganz wild und ultraschnell alles in Hyperbewegung zu versetzen, damit um Gottes Willen bloß kein Y, P oder ERROR auf dem Bildschirm erscheint. Tatsache ist, die Arbeit macht der Computer und der Mensch davor schreit und fuchert rum, wenn das nicht schnell oder richtig genug geht. Ich glaube die Ähnlichkeit so manches Zeitgenossen mit einem Affen ist dabei nicht allzu erstaunlich, wenn man an das Wort Technologie denkt. Wenn bei einer Rechenmaschine was verkehrt läuft, dann liegt der Fehler nicht an den Kugeln, den Metallstangen oder dem Holzrahmen. Jedes Gefucher würde also ziemlich schnell den wahren Übeltäter in Demut stürzen was beim Computer sehr viel schwerer scheint.
Vielleicht ist eine Gesellschaft, die Tonkrüge und Steinkeile für was ganz wahnsinnig Brauchbares hält, eine viel größere Hochtechnologie als unsere. Mal davon abgesehen, dass man Steinkeile eben tatsächlich nur mit der Hand zu was Nützlichem macht. Ich frage mich immer wieso man eigentlich trotz der vielen Satelliten im Orbit und dem ganzen anderen Hightech-Gedöns heutiger Zeit auch nach fünfzig oder hundert Jahren Fortschrittsrausch immer noch keinen blassen Schimmer davon hat, wo noch mal dieses olle Atlantis gelegen haben mag. Die einen meinen das wäre nur ein literarisches Gebilde ohne jede wirkliche Grundlage. Ein Idealbild, das so ein komischer Platon mal aufgeschrieben hat, als er ganz viel Freizeit hatte. Und dann gibt's die Rationalisten, die meinen Atlantis sei dieser Ort, wo man mal ganz viele Schiffsplanken, Lederklamotten und Tonscherben gefunden hat. Dass dieser komische Platon aber von noch ganz anderen Dingen geschrieben hat, das lassen sie mal lieber außen vor. Nach wie vor hofft die Welt der Neugierigen eines Tages ein Straßenschild auf dem Ozeanboden zu finden wo Atlantis und am besten gleich auch noch Lemuria oder so was Merkwürdiges draufsteht. Damit man nur bloß endlich raffen würde wo zum Teufel man alle Bagger und Kräne dieser Welt hinschleppen müsse, um mal so richtig tolle Sachen zu finden. Sachen zum Ankucken, Sachen zum Lesen, Sachen zum Erforschen und Wissenschaftlern.
Es gibt heute angstvolle Skeptiker, die viel Zeit - Arbeitszeit wohlgemerkt - dafür aufwenden um folgendes Problem zu lösen. Es handelt davon, dass man von unserer schönen Welt des Fortschritts rein gar nichts auffinden würde, wenn irgendein dummer Zufall eine Fortschrittszäsur erzwingen würde. Beispielsweise so was Dummes wie ein Atomkrieg. Aber es reicht auch schon, dass einfach nur ein bisschen Zeit vergeht - so vielleicht eine oder zwei Millionen Jahre. Das Problem ist, dass alle Wissensbestände heutiger Zeit oder genauer gesagt sämtliche oder sehr, sehr viele zur Zeit angestauten Daten digital vorliegen. Man lege mal im Geist eine CD mit dem Inhalt der ganzen Nationalbibliothek und einen ziemlich großen und mit wertvollen Büchern angefüllten Bücherschrank nebeneinander in einen Pharaonentempel und warte dann so etwa 500 Jahre. Wenn man's eilig hat, reichen aber auch bereits 50 Jahre um zu merken, dass die Bücher ein bisschen staubig und die CD ein bisschen kaputt gegangen ist. Was bleibt also beispielsweise von einer ganz enorm hochtechnologischen Superzivilisation, die weder CD noch Buch benutzt hat, um Wissen anzuzapfen und weiterzugeben? Die Antwort ist leicht aber nur offensichtlich, wenn man weiß was Wissen ist. Es ist ein geistiges, ein spirituelles Ding. Und wenn man das nun mal bedenkt und an die Leute denkt, die Spiritualität für was ganz furchtbar dämliches halten, dann wird man den leisen Verdacht nicht los, dass jemand anderer viel dämlicher ist.
Das Wissen ist nicht davon abhängig, das ein Mensch es weiß. Es ist sogar erstaunlicherweise ganz genau anders herum. Damit ein Mensch wissen kann, muss es einen Wissensbestand, also eine Wahrheit geben. Aber wie kann man Wissen erlangen? Indem man es aus langweiligen Büchern aufsaugt oder auf die Verfilmung wartet? Oder vielleicht indem man alle aktuellen Nachrichtensendungen und Dokumentationen auf den Stundenplan setzt? Wenn Wissen nicht davon abhängt ob es gewusst wird, dann muss auch niemand etwas ankucken, lesen oder begreifen was auf ein Wissen hinweist. Anstelle dessen kann man Wissen dadurch erlangen, indem man es direkt aus dem Äther saugt. Das Wissen ist spirituell und immer da, also muss man seinen eigenen Geist bildhaft gesprochen auf die Frequenz der Wissensquelle einstellen um es zu empfangen. Das heißt nicht, dass man sich mit lustigen Sachen betäubt, in eine Wolke aus Weihrauch hinsetzt und dem Geplärr von einem ominösen Onkel aus der Dimension X zuhört. Es heißt, dass man sich um Philosophie bemüht. Das tut man nicht durch das Drücken von K oder durch das Beobachten besonders aufschlussreicher Rechendiagramme.
Bei der Erforschung der vedischen Schriften stieß man auf die erstaunliche Erkenntnis, wonach angeblich in früherer Zeit der Veda (das ewige Wissen) allein mündlich weitergegeben wurde. Und das wo doch die vedischen Schriften ganze Räume mit ziemlich unhandlichen Schriftrollen füllen und wöchentlich eine Armee von Staubwedelschwingern beschäftigen. Wenigstens verdienen die gut und das ist heute ja sehr wichtig. Die Frage wieso man den Inhalt all dieser Schriften irgendwann mal mündlich an die Schüler weitergegeben haben mag, interessiert höchstens einen Fan obskuren Partywissens. Dass es allerdings eine ganz einfache Logik hinter diesem Fakt gibt, erschließt sich wohl nur selten jemand. Die Tatsache, dass vedische Schriften eben auch ein sehr altes Gut darstellen ist wichtiger als der spirituelle Inhalt all dieser guten, alten, wertvollen Schriften. So sind sie ... die Leute von heute.
Wow, da hab ich echt nen ewig weiten Bogen angefangen. Ich geh mal von der anderen Seite ran und halte mich an die anfänglichen Stichworte Magier und Hexen fest. Also alte Gesellschaften hatten ja gern mal so einen Typen männlichen oder weiblichen Geschlechts dabei, der ganz wunderliche Dinge mit Pflanzen und so komischen Stäben und ganz viel Singen, Murmeln und vielleicht auch Grunzen gemacht hat. Heute nennt man die natürlich dämliche Spinner, aber damals - also wirklich sehr weit damals da waren solche Leute sehr gerühmte und geachtete Menschen. Entweder weil alle anderen Menschen damals total was anner Waffel hatten, oder aber weil wir heute was anner Waffel haben und nur zu cool und technologized sind um es zu kapieren. Dabei ist der Unterschied zwischen uns und den Primitivlingen eigentlich nur der, dass wir heute glauben mehr zu wissen, als die damals. Ob das wirklich wahr ist, darf bezweifelt werden. Fest steht folgendes: Wissen ist zeitunabhängig und unabhängig vom Wissenden. Und außerdem steht fest, dass wir heute unser Wissen davon abhängig machen, dass möglichst viele Bücher gewälzt werden und möglichst glänzende Wissensauszeichnungen an den Wänden baumeln. Damals hat man Wissen von der Spiritualität eines geistigen Führers abhängig gemacht. Denn der konnte einem Rat in jeder Lebenslage geben und konnte einem helfen, wann immer man ein spirituelles oder körperliches Problem hatte.
Ich denke es gab mal vor sehr langer Zeit eine Gesellschaft auf diesem Planeten, die neben all der Kunstfertigkeit in der Architektur ihrer Umgebung auch hoch entwickelt im spirituellen Aspekt des Daseins war. Diese Menschen waren mit der feinstofflichen Gedankenwelt, dem spirituellen Ozean wesentlich enger verbunden als die Menschen der letzten vier, fünf oder zwanzigtausend Jahre. Sie ließen sich nicht einreden, dass etwas nicht ginge, weil es zu teuer oder zu kompliziert herzustellen wäre. Sie machten ihre Gedanken nicht auf dem Weg körperlicher Arbeit zu einem Teil der festen Welt, sondern sie nahmen den Gedanken direkt aus dem Geist und ließen ihn mit einem Atemzug oder dem Zwinkern der Augen in die Festwelt herunterfallen. Wenn sie einen schweren Stein heben wollten, dann nahmen sie ihn im Geist auf und ließen ihn dort herunter wo sie es wünschten. Wenn sie sich über den Boden erheben wollten, dann konzentrierten sie ihre spirituellen Fähigkeiten auf die feste Materie ihres Körpers und hoben sich selbst ohne jede energetische Abhängigkeit nach unserer heutigen Vorstellung aus dem Stand. Sie dachten sich fliegende Geräte herbei, um damit vor dem Ersticken in luftleeren Räumen (wie z. Bsp. dem Weltraum) gewappnet zu sein. Die Fortbewegung des Geräts hing allein von ihrer Willenskraft und ihrem Vorstellungsvermögen ab - ebenso übrigens wie das anvisierte Reiseziel. Gesundheit war keine Frage von ausgefeilter Chirurgie oder chemischen Mittelchen, sondern allein eine Sache des Verbundes von Körper und Geist. Alles was Teil der von uns so hoch beschworenen Wirklichkeit ist (also die Materiewelt schlechthin) war ein Spielball für jene fern vergangenen Menschen aus der tiefsten aller untiefsten Vorzeiten. Einer Zeit, die wir heute nur erahnen und seicht träumen können, weil uns die tolle "Technologie" stumpf gemacht hat. Diese Menschen (die nebenbei zu keiner Zeit je Vergangenheit waren) bewundern uns wegen unserer Selbstsicherheit und sie betrauern unsere Verwirrung. Denn sie wissen, dass geistige Tiefe allein davon abhängt was eine Gesellschaft fähig und bereit ist zu glauben und, dass Entwicklung immer im Geist beginnt und bei der Materie endet. Auch ein Grund weswegen diese von uns vergessenen Menschen immer noch leben und uns ansehen jeden Tag. Und warum und wieso finden wir wohl heute die lebendigen Beweise ihres Daseins nicht? Die Antwort in der nächsten Folge, wenn es wieder heißt "Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen" ... Denn zwar ist die Wahrheit, das transzendente Wissen nicht begrenzt, aber das Wissen eines Menschen ist es überall dort wo die Vorstellungkraft Schranken hat.
16 August, 2008
0008 - Vom Drama der Verfolgten und ihrem Wunsch nach Verdrängung
Immer wieder hat die Gesellschaft unter der Wahrheit einzelner Menschen oder Gruppen gelitten. Eigentlich gab es niemals einen anderen Tag, weil sich höchstens die Schattierungen des Leids lichten oder verdichten wie der Ozean im Gezeitenwandel. Die Ausrufer von Wahrheit lösen sich nur ab. Allesamt verbindet aber eines: sie bestehen auf der Richtigkeit ihres Wortes und sehen kein Problem darin ein Menschenleben oder hundert weitere zu zerstören, damit ihr Wort ein paar Stunden länger richtig bleiben darf. Mitunter führt das zu längst überwunden geglaubten mittelalterlichen Szenen wo Menschen auf ein Wort reduziert und anschließend hämisch gebrandmarkt werden.
Mal angenommen da kommt ein kleiner, in den letzten acht Jahren bisschen doll ergrauter Mann in einen Buchladen und sein Name ist George. Er fragt den bärtigen, alten Buchverkäufer, der eigentlich schon arbeitslos oder tot sein müsste, wie George sich insgeheim denkt wo doch alle Welt nur noch ganz viel public viewt, nach einem Buch. Aber ein spezielles Buch muss es sein sagt er. Denn es ist ein Buch, das von den Geheimnissen der Welt handelt. Der Buchhändler macht verschreckt den Mund auf und haucht ein phonetisch gemaltes Fragezeichen hindurch. Dann versichert er, dass er solche Bücher nicht führe, weil sie immer so große Probleme mit Volksverhetzung machen - ganz besonders das Buch von George. Eigentlich gibts dat auch gar nicht, beschwört der alte Mann den kleinen, grauen George. Jedenfalls, sagter, nicht in folgenden Regalen. Und dann zählt er alle Regale seines ziemlich rätselhaft großen und mehrstöckigen Buchladens auf und hofft insgeheim, dass der George versteht. Aber George versteht nie was. Nach etwa einer Viertelstunde fährt der Buchhändler mitten im Satz und dem angezählt siebenundneunzigsten von hundert Regalen aus der Haut und schreit dem verblüfften George ins Gesicht, dass er ja auch mal ein bisschen mitdenken könne, ne!? Anschließend packt er den kleinen Mann an der Krawatte, schleift ihn zu einem dunklen Regal im Heizungskeller wo ganz verstaubt Verschwörungstheorien auf einem Schild steht und zeigt George das Buch, das er sucht. Aber George sagt "ach dat kenn ich ja doch schon" und geht wieder nach Hause zu Papa.
Das rätselhafte Buch, das gar nicht da ist, enthält eine - ich möchte sagen - protokollartige Auflistung aller notwendigen Zutaten für ein massenunverträgliches Großmeistergericht. Und wer es uns allen kochen möchte, will nicht verraten werden. Da steht unter anderem eine Abhandlung über die Manipulation von Meinung und ein literarisch unbeholfener Versuch mit der etwas blasierten Überschrift "Wie regiere ich die Welt in hundert Jahren?". Zuerst ein Krieg gegen einen Roten, dann einen gegen was Braunes und schließlich einen gegen alle Menschen mit steinernen Ritualen. Und das alles in einem Buch, das schon fast hundert Jahre alt ist und eigentlich niemals wirklich verlegt wurde. Nein, sagt der kluge Mann der Neuzeit, es handelt sich um einen rechten Schelm, der Wahres darin vermutet. Und der Versuch es zu verbreiten wird gar mit dem Tode bestraft, weil schließlich alles was Falsch ist auch niemals geglaubt oder auch nur gewusst werden darf.
Und trotzdem kommt da irgendein George vorbei und fragt nach dem verbotenen Kochbuch und behauptet gar es schon zu kennen. Wie geht das, dass ein Buch nicht echt und doch bekannt ist? Und vor allem wie kann es sein, dass ein Buch, das von vorn bis hinten erstunken und erlogen ist, sich im Nachhinein ganz verdächtig mit bereits stattgefundenen Vorkommnissen deckt? Ist es bei diesen Vorgaben eigentlich überhaupt wichtig, ob so ein Buch echt ist oder nur einer Fantasie entsprang?
Die Geschichte des Buchs kenne ich nicht und ich weiß so auch nicht wie es entstand, wer es verfasste bzw. wer der geistige Urheber der enthaltenen Ideen war, wie es schließlich an die Öffentlichkeit kam oder was im Gesamten vom Geschriebenen zu halten ist. Viele Merkwürdigkeiten sind mit dem Protokoll verbunden. Sonderbar erscheint fast, dass viele historische Banausen der letzten Dekaden immer irgendwie das Buch als Grund für ihre zuweilen überhand nehmenden Aggressionen und ihren tief verwurzelten Zynismus in Bezug auf die Welt ausgaben. Und so kommt, dass wer es heutzutage in einem unklugen Kontext benennt, gern mit dunklen Gestalten der Geschichte in einem Schuber geführt wird. Mal zurecht aber manchmal, wie mir scheint, eben auch zu unrecht. Und weil ich Unrecht, wenn es aus einem Stumpfsinn heraus und vielleicht noch von Seiten der gewählten Staatsdiener oder anderen Verbänden und Vereinen kommt, abgrundtief und aus allerallertiefster Dämonenseele hasse, darf die Frage nach dem rätselhaften Buch nicht fehlen, wenn man im Leben an Wahrheit interessiert ist. Das Buch ist allerdings - ebenso wie sein Titel - gegenstandslos und unwichtig. Ich sympathisiere weder mit noch gegen die dort verbreiteten Ideen und viel wichtiger ist ich schere nicht eine ethnische Gruppierung über einen Kamm und ließe mich so z. Bsp. fälschlich als "Antisemit" verurteilen. Ich denke je mehr Leute die Frage nach der Wahrhaftigkeit des Buches stellen und sich plötzlich im Ketzerfeuer wieder finden, desto fragwürdiger erscheinen die Ziele all derer, die Instrumente des Wortes sind.
Wer ein Geheimnis auch dann behalten will, wenn es längst keines mehr ist, der wird mit Händen und Füssen gegen jeden strampeln, der das offene Geheimnis im Bewusstsein der Leute hält. Die gewählten Mittel sind dabei selbst dann in Ordnung, wenn sie gegen Wahrheit und Ethik gerichtet sind. Mir ist das Buch egal. Aber was mir nicht egal ist, das bezieht sich direkt auf die Idee des Buches. Gleichgültig ob sie einer Fantasie entsprungen ist, oder eben die Doktrin eines realen Verbandes sein mag, ist die Idee selbst eine konkrete Sache geworden. Dass sich außerdem die Idee mit der Wirklichkeit zu überschneiden scheint, sehe ich als Hinweis für die Existenz eines fragwürdigen Verbandes. Das wiederum würde für die Wirklichkeit eines ziemlich abartigen Planes stehen, den zu ignorieren sich niemand leisten kann. Und wenn ich mich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% irre, dann würde ich als wacher Geist ziemlich interessiert an dem einen winzigklein anmutenden Prozentchen sein, das für eine vollkommene Gewissheit fehlt. Wenn - denn ich persönlich sehe die Wahrscheinlichkeit weit jenseits von 50%. Und leider handelt es sich bei der angesprochenen Idee keinesfalls um eine Frage auf dem Niveau ob ein Häkelabend im Freien stattfindet oder wegen Regen ausfällt. Das kann natürlich nur nachvollziehen, wer das Buch kennt. Nur soviel - ein Häkelabend wäre im Versuch eines Vergleichs mit der im Buch offenbarten Idee auf der nach oben offenen Richterskala eine Erschütterung vergleichbar mit einer von einem Bordstein springenden Ameise. Die Idee aber wohl so was wie eine zwölf.
Ich weiß, dass mein Anliegen keiner Rede wert ist, weil es kaum jemand wahrnimmt - geschweige denn wird jeder mich verstehen. Auch in diesem Fall ist mir die Entwicklung des Ganzen gleich, weil ich sie nicht beeinflussen kann/will. Ob ich es dennoch tue oder nicht steht auf einem anderen Blatt. Auch bei diesem Thema sehe ich allein die Philosophie als primäres Interesse. Die Wahrheit scheint mir immer dann verschüttet, wenn leichtfertig mit Floskeln herum geworfen und das Wort anderer Leute wiedergekäut wird. Immer dann werden Geheimnisse zu einer interessanten Sache und da es die Aufgabe des Geistes ist Licht in die Welt zu bringen, kann man sich dem Geheimnis eben nicht verschließen. Natürlich ebenso wie ein Geheimnis auf immer verschlossen bleibt. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass mich auch diesmal allein der Versuch von Gleichgewicht und Wahrheit reizt.
09 August, 2008
0007 - Was stört den Mainstream eigentlich an den Verschwörungstheoretikern
Auf Spiegel Online las ich einen Artikel, bei dem mir im Nachhinein nicht ganz klar war, was eigentlich das Problem der Redakteure sein mochte. Können die etwa irgendwie nicht mehr mit Polemik umgehen, oder liegt es vielleicht eher allein an ihrem Unvermögen künstlerischen Ausdruck und wirkliche Meinungsäußerung auseinander zu halten? Da ich das Problem nicht nur bei Spiegel Online sehe, müßte eigentlich eine dringliche Warnung ausgesprochen werden. Aber wer bin ich sowas zu entscheiden?
Ich kriege das Kotzen, wenn ich im Zusammenhang mit "11. September" auch irgendwo im gleichen Absatz "Verschwörungstheoretiker" lese, weil sich irgendein bienenfleißiger Lakai irgendeines etablierten Schmalbandmediums (namentlich vielleicht WAZ oder eben auch Spiegel) dazu mehr oder weniger berufen fühlt dem Kanon der öffentlichen Meinungsansage mehr Gehör zu verschaffen. Ich kotze, weil es eigentlich die Aufgabe der Informationsmedien sein sollte, das Aufklärungsorgan des kleinen Mannes und das Kontrollelement gegenüber den Einflussreichen zu sein. Beides wird meines Erachtens immer wieder explizit vernachlässigt und ich komme beizeiten nicht umhin zu fragen, ob dahinter ein - nennen wir es mal "koordinierter Wille" steckt. Die informationsapokalyptische Hetze gegen anders lautende Meinungen ist scheinbar immer seltener ein Problem. Jemand anderes in der weitläufigen Steppe der Blogosphäre glaubt gar, dass Herr Joseph P. Goebbels seine wahrrre Frrreude an unserrren frrreien Medien hätte. Ich glaube damit liegt der gar nicht so verkehrt. Neben Goebbels wird auch Bernays Beifall klatschen. Obwohl dessen Wirken das Bild des 20. und zweifellos auch wenigstens den Beginn des 21. Jahrhunderts beispiellos geprägt hat, steht der geistige Pate der Public Relations im Zwielicht der Geschichte. Und das, obwohl er doch der Neffe des berühmten Doktor Freud und sogar Lehrer des Herrn Joseph P. war.
Paradebeispiel für die immer noch gut geölte Propagandamaschine letzter Monate ist die Kampagne gegen Eva Herman, welcher sich wie eine Stampede von Rindviechern der überwiegende Teil der gut hör- und sichtbaren Medieninhalte gewidmet hatte. Das Wort Hexenjagd bekam so eine neue Facette und selbstverständlich schämt sich bis heute kein medial lebendiger Masseninformant wegen dieser hinterwäldlerischen Rufmörderei. Schließlich war alles vollkommen in Ordnung und das Thema ist wohl sowieso nicht mehr so hip um jetzt noch über den Tiefpunkt journalistischer Arbeit angewidert die Mimik zu verziehen.
Anders bei so einem in die Jahre gekommenen Thema wie dem so genannten elften September, das ja quasi wie eine eigenständige Marke durch die Infotainmentwolken geistert und immer wieder gute Kasse verspricht. Fast muss man sich fragen wer eigentlich das Copyright besitzt. Sobald nur irgendein Furz gegen die offizielle Version des rätselhaften Tages und seiner vielen Vor- und Folgetage anstinkt, drücken in allen Medienhäusern des freien Westens synchron die Schreiberlinge den Verschwörungstheoretiker-Knopf - gern auch mehrmals und in Panik und/oder wahlweise auch Empörung. Mag vielleicht nur daran liegen, dass weniger als zehn Jahre eventuell nicht ausreichend sind, um Abgeklärtheit oder Objektivität zu verlangen. Niemand ist perfekt.
Vor dem elften September war das Label Verschwörungstheoretiker vielleicht mit so lustigen Themen wie Akte X oder Roswell verbunden. Danach scheint derselbe Stempel auf einer Höhe mit dem Nominativ Terrorist zu liegen. Wohl stärker als davor (und zumindest bis jetzt gerade eben) hat der ominöse Septembertag, der ein ganzes Jahr und vielleicht ein ganzes Jahrzehnt in den Schmutz zu zerren vermochte, zu einer Teilung der Gesellschaft geführt. Nun gibt es sowohl links als auch rechts extreme Ansichten in Bezug auf Sicherheit oder Verantwortlichkeit und so weiter. Das mag soweit gehen, dass Jobbewerber heutzutage keine Anstellung mehr bekommen, weil sie sich irgendwann in einem zugewucherten Internetforum einen geschriebenen Kommentar der Saftigkeits-Höchstmarke leisteten, der volle Gerade gegen die heilige USA oder ihren Führer gerichtet war. Wie kann man nur? Wie kann man nur wagen seine eigene Ansicht über etwas zu haben, die dazu noch unautorisiert am geltenden Schema-F der Meinungsmaschine vorbei gemogelt wird? Wo kommen wir bloß alle hin, wenn nun jederman hinginge und seine ganz persönliche, kleinbürgerliche Meinung über politische, philosophische oder religiöse Inhalte publiziert? Muss man da nicht Angst um die schöne Welt des Okzidents bekommen, wo noch Werte und Ethik gelten wie sonst nirgendwo? In einem anderen Blog meint jemand, der sich als ex-blond bezeichnet, dass der um sich greifende Antiamerikanismus Schuld an der moralischen Aushöhlung der westlichen Welt und ihrer langsamen aber stetigen Spaltung sei. Ich glaube alles was sich spaltet ist die gesunde Unterscheidung zwischen dummer Arroganz und weiser Mitgefühle. Zudem glaube ich, dass nicht der Antiamerikanismus sondern der Amerikanismus die Moral der westlichen Welt aushöhlt. Wie komme ich nur darauf wo doch soviel pädagogisch wertvolles aus den oh wie anspruchsvollen Kulturangeboten in unsere Wohnzimmer plätschert?
Es gab mal eine Zeit, da dachte ich das Mittelalter sei zu Ende gegangen, als eine Riege von großen Geistern so was Ähnliches wie eine Renaissance in die trüben Tassen der Einerleigesellschaft träufelte. Weit gefehlt, sagt mir das wache Auge. So wie damals ist auch heute die Welt eine Scheibe. Vielleicht nicht auf den tollen, modernen Satellitenfotos vom Mars und den wuchtigelegant abgehobenen Falschfarbenfotografien irgendwelcher galaktischen Nebelchen. Aber scheinbar in den Köpfen vornehmlich machtelitärer Autoaristokraten heutiger Zeit. Mehr denn je haftet in meinen Augen dem Konservativem der schale Geruch des Dünkelhaften an. Es scheint denen das Ziel des Lebens zu sein so wenig wie nur irgendwie möglich zu verstehen oder zu lernen. Ganz zu schweigen von Veränderung. Weiterentwicklung spricht ja eigentlich de facto ohnehin gegen Konserve. Aber ich frage mich wie ausgedorrt und stumpf ein Geist sein muss, dass er darin auch noch einen Gewinn ausmacht. Für jene muss Weiterentwicklung bedeuten, dass ein fortschrittliches Element die äußere Welt zu einem Garten Eden werden lässt. Wie dämlich man innen drin bleibt, ist Nebensache solang alles hübsch glänzt. Hauptsache alle Affen haben einen Quantencomputer im Keller und schon kann man von einer Hochkultur sprechen. Was interessiert mich aber auch die Affengesellschaft? Hauptsache ich bin reich und lasse einen Affen für mich Bentley fahren.
Tradition ist sicherlich gut und wertvoll und ich würde mich niemals zu den Persönchen zählen, die drauf pfeifen, weil es Hollywood letzten Montag für eine gute Idee hielt. Ich stelle aber ganz sicher auch niemals die Tradition über jede wache Minute. Denn ich weiß einfach, dass dies bedeuten würde jede wache Minute in ein seliges Schläfchen zu verwandeln, bei dem mir jede Form von Verbesserung oder Alternative verschlossen bliebe. Wenn ich also lese Inside-Job oder Jewish Fundraising oder No Plane Crash und sofort und umgehend einen Hechtsprung zum nächsten Feuermelder anstelle, dann scheint mir hier kein besonders wacher oder wenigstens kein besonders eigenmächtiger Geist am Werk. Und wie sehr Eigenmächtigkeit in der persönlichen Meinung den Gewinn einer ganzen Gesellschaft ausbaut, muss wohl wirklich nicht ausgetreten werden, denke ich. Da darf sich jeder proseccotrinkende Schlaumeier gern einmal mit den Worten Holocaust oder auch Guantanamo beschäftigen.
Ehrlich gesagt halte ich die menschliche Fähigkeit aus der Geschichte zu lernen für ein ziemlich limitiertes Vermögen. Gar nicht mal, dass ich dem Volk die Klugheit oder Besonnenheit absprechen will. Aber ich spreche ihm eindeutig die Fähigkeit ab klug und besonnen zu sein, wenn selbige schmückende Eigenschaften gerade aus der Mode gekommen sind. Es reicht aber auch, dass eine Eigenschaft wie Weisheit oder Klugheit mit einem Bann belegt wird. Dann wird Eigensinnigkeit (also das Vermögen zu eigenen Sinneseindrücken bzw. deren sinnvoller Verwertung) gemäß der obersten faschistischen Richtlinie zum Wohlgefallen des leitenden Angestellten hinten angestellt beziehungsweise unter einen Scheffel verborgen. Deswegen spare ich mir seit langer Zeit schon die Appelle an die Vernunft der Leute doch endlich aufzuwachen und beim großen Plan der Rettung der Welt mitzuhelfen. Ich denke jeder hat eben seine Wahrheit und das ist einerseits gut und andererseits der immer wieder neue, alte Grund für den Untergang. Und so denke ich wird auch diesmal erst die Kacke am Dampfen gehindert werden, wenn sich die nächste oder übernächste Generation von unten nach oben durchgegraben hat. Schafsvolk ist Herdenvolk und bleibt es solange es Schafe gibt. Ein dreifaches Hoch auf alle meine Wolfsgefährten und ihre offen zutage gestellten Lichter. Lasst die Schafe dämmern und rettet euch selber.
Dazu noch folgendes Zitat eines unbekannten Spiegelmannes Das einzig wirkliche Licht im Universum ist der Geist
07 August, 2008
0006 - Warum will Mr. R. C. Christian die Weltbevölkerung um fünfeinhalb Milliarden Menschen reduzieren
Aber vor allem wie will er das tun ... und noch wichtiger :: wer ist überhaupt nochmal dieser doofe R.C. Christian? Er war ein Mann, der sich 1979 dazu entschloss Geld für ein Granitmonument zu spenden, das nun seit 1980 auf einer Hügelkuppe in Elberton, Georgia in den USA steht. Komisch nur, dass sein Name wie ein Pseudonym klingt, das an die hübsche Bezeichnung Roman Catholic Christian (römisch-katholischer Christ) angelehnt zu sein scheint. Und auch komisch, dass Herr R. C. Christian nach Tätigung seiner überaus großzügigen Spende spurlos vom Angesicht der Erde verschwand und sich niemals mehr blicken ließ.
Eine rätselhafte Geschichte ist das, und weil ich solche Stories liebe interessiert mich brennend wer hier so monumental seine Ideen in Stein meißeln ließ. Zumal dieselben Ideen jedem wachen Geist vielleicht ein winzigkleines bißchen unmoralisch oder präziser gesagt unethisch erscheinen mögen, wenn man die Inschriften auf den Steinen liest, die dort 6 Meter hoch wie eine Art Stonehenge aufgestellt sind. Da ist von einer radikalen und (vermutlich) weltweiten Bevölkerungsreduktion die Rede. Es liest sich fast wie ein zuckersüßer Vorschlag für eine dufte Familienfete nächstes Wochenende. Die Inschrift wurde in den gebräuchlichsten Sprachen der Welt in den Granit geschlagen. Nämlich Englisch, Spanisch, Suaheli, Hindi, Hebräisch, Arabisch, Altchinesisch und Russisch. Manche Menschen halten die Inschrift, die aus zehn Teilen besteht, für die zehn Gebote der New World Order. Hinter diesem Ausspruch verbirgt sich nichts anderes als eine Eine-Welt-Regierung, eine weltumspannende Diktatur, die so totalitär wäre, dass das dritte Reich daneben nur wie ein zu früh beendeter Kindergeburtstag aussähe. Es wäre nichts anderes als eine gelebte Zweiklassengesellschaft, in der es eine menschliche Elite zusammengesetzt aus den reichsten und mächtigsten Familien der Neuzeit gäbe und eine Untermenschenschicht, die für nichts anderes leben würde, als die goldenen Käfige der Elite zu tragen. Ich bin mir sehr sicher, dass es diese Bestrebungen wirklich gibt und, dass es Menschen gibt, die sich aufgrund ihres gesellschaftlichen Status für eine gottgewollte Elite halten. Solche Leute denken nicht, dass sie Böses tun, denn sie verstehen sich als Humanisten und als Gottes handelnde Hände auf Erden. Einer von ihnen nennt sich George und hält sich für sowas ähnliches wie einen Präsidenten. Sie tun das, weil sie keine Ahnung haben, wer (oder was) Gott wirklich ist und weil sie etwas für Gott halten, das mit Gott rein gar nichts zu tun hat.
Hier einmal die Inschrift auf den acht Seiten der vier hochkant stehenden Steine, so, wie ich sie selber übersetzt habe.
Aufrechterhaltung einer maximalen Bevölkerung unter 500.000.000 für eine ständige Balance mit der Natur
Einführung einer weise geregelten Reproduktion - Verbesserung von Tauglichkeit und Vielfalt
Vereinigung der Menschheit unter einer einzigen, neuen Sprache
Vernünftige Bestimmung über Leidenschaft - Glaube - Tradition und alle Dinge
Schutz aller Menschen und Nationen mit fairen Gesetzen und effektiver Gerichtsbarkeit
Gewährung nationaler Regierungen aber Lösung aller externen Dispute vor einem Weltgerichtshof
Vermeidung von unsinnigen Gesetzen und nutzlosen Ämtern
Regelung einer Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Verpflichtung
Wertschätzung von Wahrheit - Schönheit - Liebe und der Suche nach Einheit mit der Unendlichkeit Gottes
Beendigung des Menschseins als Krebsgeschwür der Erde - Platz lassen für die Natur - Platz lassen für die Natur
Ein bißchen der Struktur vorgelagert befindet sich ein in den Boden eingelassener Stein, auf dem die Bedeutung des Monuments und die Herkunft erklärt wird. Darunter in 1,80 Metern Tiefe soll sich eine Zeitkapsel befinden, die an einem offen gelassenen Datum geöffnet werden soll. Der Zeitpunkt wird schlichtweg nirgends angegeben, was ein weiteres Rätsel bedeutet.
Ich kann mir nicht helfen, aber für mich klingt die Inschrift oben nach Eugenik, Rassenlehre, Faschismus, ... Natürlich klingen einige Abschnitte verlockend. Doch zu welchem Preis werden einem hier Milch und Honig angeboten? Nun zumindest zum Preis von elf Teilen der Gesamtbevölkerung zur Zeit lebender Menschen. Denn 500 Millionen Menschen sind natürlich genau der zwölfte Teil von 6 Milliarden. Selbstverständlich steht dieser radikalste Teil psychologisch sinnvoll ganz oben auf der Liste, denn so überwiegen doch im Nachhinein irgendwie die schönen Versprechungen, oder? Zum Beispiel steht ganz unten sogar an letzter Stelle das Wort "Natur" und der Satz wird auch noch wiederholt - einfach toll diese ganzen Ideen von Natur und son Zeug, oder nicht?!
Ich frage mich wie gesund kann ein Anliegen sein, das den Tod von elf Zwölfteln der Erdbevölkerung in Kauf nimmt. Ehrlich gesagt ist mir schleierhaft wie man die Weltbevölkerung auf 500 Millionen reduzieren wollte, wenn nicht durch Kastration, Krankheit oder eben einem ganz direkt ausgeführten Massenmord. In jedem nur erdenklichen Fall wäre die Beschneidung ganz elementarer Menschenrechte notwendig. Nicht nur zur Durchsetzung der Idee, sondern auch für die langfristige Überwachung des Ganzen, denn die Menschen würden nicht einfach aufhören sich fortzupflanzen, weil das mal eine Woche lang so geplant ist. Man müßte quasi - wollte man wenigstens ein bißchen human vorgehen - einer ganzen Generation von Menschen in weiten Teilen die Fortpflanzung verbieten. Und ich glaube nicht, dass da mal irgendein netter Mann mit nem Lutscher kommt und ganz doll bittet die nächsten Jahre keine Kinder mehr zu haben - wenigstens so bis zur Menopause oder so in etwa.
Wer das Monument nun wirklich errichten ließ, ist unbekannt, und viele Leute in der direkten Nachbarschaft des Bauwerks sprechen von den "satanic Georgia Guidestones", die sie lieber vorgestern als heute vernichtet wissen möchten. Tatsächlich besagt eine weitere Inschrift auf einem der Steine, dass eine kleine Gruppe Amerikaner, welche das Heraufbrechen des Zeitalters der Vernunft herbeisehnt, als Sponsoren der Attraktion gelten dürfen. Ist natürlich sehr schade, dass sie sich nicht trauen offen zu ihrem guten Willen zu stehen. Ich frage mich was kann das für eine Gruppe von Menschen sein, die ein Stückchen Bauland kauft um dort ein menschenverachtendes Denkmal solcher Art aufzustellen? Und vor allem wieso läßt man es überhaupt dort stehen? Als Werbegag, um Touris nach Elberton zu locken? Mystisches Zeug wie hochkant stehenden Steine oder riesige Dreiecksklötze sollen ja sogar wenn sie in der Wüste stehen noch magische Anziehungskräfte haben. Aber will eine Stadt ihre Hauptattraktion wirklich in solch einer Aufmachung verstehen? Scheinbar nicht, sonst würde es nicht soviel Rufe nach einem Abriss geben.
Wie auch immer ... ich finde es sehr interessant, was sich dort manifestiert hat und denke ein Augenmerk mehr kann nicht falsch sein. Auch wenn es sich bei den solventen "grauen Eminenzen" vielleicht nur um frustrierte Eiferer aus einem Luxus-Altenheim für ehemalige Elitestudenten handeln mag. Ich persönlich habe das Gefühl, das mehr dahinter steckt, denn ich ahne die Zusammenhänge zu Skull & Bones und diversem anderen Gutmenschentum.
06 August, 2008
0005 - Die merkwürdige Sicherheit über (oder durch) die Existenz von Zufall und Chaos
Jeder Bauer des 21. Jahrhunderts kennt den Namen "Chaostheorie" und viele Menschen nennen diese rätselhafte Theorie über komplexe Systeme als Erklärung für alle Unberechenbarkeiten des Lebens. Sie soll der Grund sein wieso Wettervorhersagen über mehr als drei Tage unzuverlässig werden. Und Forscher der Quantenmechanik verzweifeln an den chaotischen Zuständen im subatomar Allerkleinsten. Merkwürdig, dass die Quantenmechanik eigentlich als modernster Zweig der Wissenschaften gilt und dort viele Leute wieder von sowas verflixtem wie Gott sprechen.
Ich glaube weder an Zufall noch an einen chaotischen Zustand. Ich muss allerdings unterscheiden, denn ich denke selten "entweder-oder" und recht häufig in "sowohl-als auch". Deswegen würde ich niemals sagen es gibt entweder kein Chaos, oder es gibt doch welches. Die Festlegung auf entweder ja oder nein ist bei Fragen philosophischer Tiefe sehr oft unbrauchbar. Allerdings muss einem dann auch klar sein wieso es derartig logische Zwiespältigkeiten gibt und die Antwort lautet - das Dasein als Mensch. Denn wenn ich eins kapiert habe, seit ich mich mit grundsätzlichen Fragen beschäftige, dann, dass in der Philosophie viele Dinge ein (scheinbar) zwiespältiges Moment in sich vereinen. Wirklich zwiespältig ist allerdings nur der Mensch, der einerseits transzendenter Geist und andererseits harte, schwere Materie ist. Durch diese zwei in uns vereinten Naturelle werden Dinge mitunter real, obwohl sie gar nicht existieren. Die Wirklichkeit wird umgekehrt zu Illusion. Gerade Linien werden - obwohl sie in meinen biologischen Augen keine Änderung zeigen - vor dem geistigen Auge krumm. Im Film Matrix sagt ein Junge einen seltsamen Satz über einen Löffel, und ich muss ihm neuerdings zustimmen.
Ein konkreter Löffel in die Hand genommen, wirkt wie ein ziemlich löffelartiges Metallding. Es ist hart, es ist schwer, es glänzt und es schmilzt höchstwahrscheinlich bei rund 1500° Celsius Raumtemperatur. Letzteres ist wirklich gut, denn es läßt einen Löffel ein nützliches Werkzeug sein, solange man nicht den Fehler macht den Küchentisch mit einem Schweißbrenner zu erleuchten. Aber mal ehrlich ... wer würde einen Löffel für eine Ansammlung von Schwingungen halten, die eigentlich nur von Geist zusammen gehalten werden?
Wenn man ein Mikroskop hätte, das nicht nur mikro sondern nano, piko, femto oder atto vergrößern könnte, dann könnte man die einzelnen Atome des Tischchens sehen, auf dem man im Bio-Unterricht sonst riesige Haare oder kolossale Zwiebelzellen legt. Ein Atom hat im Näherungswert eine Größe zwischen 0,1 - 0,5 Nanometer. Wirklich geil ist die Analogie, wobei man ein Atom auf die Größe einer Kathedrale aufpumpt und dann nach dem Atomkern darin sucht - der hätte dann im Vergleich die sagenhaften Ausmaße einer Stubenfliege. Sehr wichtig dabei ist aber zu verstehen, dass der Hauptanteil von konkreter, also fester Masse bei einem Atom der Größe einer Kathedrale auf eben diese Stubenfliege fällt. Das bedeutet nichts anderes, als dass ein Atom zu über 99% aus "Ganix" besteht. Dieses chemische Element findet sich auch recht häufig in Portemonaies. Nun geht man heute außerdem noch davon aus, dass selbst Atome nicht der absolute Grundbaustoff der Materie sind. Sie sollen selber aus noch kleineren Bausteinen bestehen, die wiederum aus noch kleineren Sachen aufgebaut sind. Ich schätz mal wahrscheinlich gibt es für diese allerallerkleinsten Sachen gar keine brauchbare Maßeinheit mehr. Wichtig ist eigentlich philosophisch betrachtet nur eins: Materie besteht im Grunde genommen aus schwingendem Nichts. Naja, wird ein Professor der Quantenphysik sagen, Nichts sei ja schon ein bißchen untertrieben, weil man die Vorstellung von einem Welle-Teilchen-Dualismus hat. Dabei soll es sich um Sachen handeln, die zugleich ein Teilchen, als auch eine materielose Energiewelle sein können. Wie auch immer.
Im subatomaren Unterbau unserer Materiewelt ist nichts so wie es Vorhersagen nach sein sollte. Wissenschaftler stellen Messungen im atomaren Bereich an und alles ist wie man es erwartet, und es ist auch nach der hundertsten oder tausendsten Wiederholung so. In der Quantenphysik allerdings funktioniert dieses Prinzip nicht mehr so schön. Da werden Messergebnisse plötzlich davon abhängig wie der Messende gerade seine Fühler ausrichtet. Objektivität scheint plötzlich allein vom Urteil des Forschers abzuhängen. Keine Vorhersagbarkeit = Chaos. Liegt hier also der Beweis dafür, dass ich mich irre, wenn ich sage, es gäbe keine Zufälle und Chaos?
Um das zu beantworten stelle ich mir die Frage wie kann es in einem grundsätzlich chaotischen Umfeld zu einer Ordnung kommen? Anders gefragt wie kann sich in einem völligen Chaos etwas bilden, das geordnete Strukturen aufweist? Ist ein solch vermeintliches Chaos dann wirklich chaotisch oder ist das menschliche Adjektiv "chaotisch" allein Indiz für sein Unwissen über einen kosmischen Determinismus höherer Abstammung? Nehmen wir mal den Berufsverkehr als Beispiel. Ein ahnungsloser Beobachter sieht hunderte Menschen, die scheinbar alle chaotisch auf ihrem Weg durch die Republik fahren. Bei fünf oder zehn Personen könnte er wohlmöglich vorhersagen wohin die Reise jeweils geht. Aber bei einer Millionen würde das zu Konfusion führen. Merkwürdigerweise wäre ein Computer, der alle Personen und Wege von vornherein registriert, die Lösung bei diesem Problem. Das bedeutet eigentlich müßte man nur alle zugrundeliegenden Variablen kennen um Prognosen anstellen zu können. Aber selbst der Computer kann nicht wissen, ob einer der Millionen Pendler eine Reifenpanne haben wird. Wohlgemerkt :: der Computer kann es nicht ahnen. Aber heißt das dann auch gleichzeitig, dass die Vorhersage prinzipiell unmöglich ist? In der Praxis wird jeder innerhalb des Geschehens Lebende das bejahen müssen, aber jemand der wirklich alle Variablen kennt (wohlmöglich weil er der Grund für ihr auftreten ist), würde auch wissen wann ein Reifen platzt. Theoretisch könnte so jemand existieren. Es gibt keinen logischen Schluss, der dies glaubhaft verneinen könnte. Hinzu kommt, dass bei einer Millionen Menschen, die unterwegs sind, der Beobachter dieser Masse ein völliges Chaos wahrnehmen würde. Die Millionen Berufspendler selbst aber wissen alle wohin sie wollen. Also worin besteht das Chaos? Im Geschehen oder im Geist des unwissenden Beobachters?
Wenn in einem Chaos eine sinnvoll geordnete Struktur wie z.Bsp. ein menschlicher Körper auftreten kann, dann kann man einfach nicht von einem Chaos sprechen, aus dem diese Struktur erwuchs. Ein Chaos würde niemals einen Kosmos (griech. für 'Ordnung') hervorbringen. Anders herum gerechnet, kann ein Kosmos an keiner Stelle einen chaotischen Zustand beinhalten. Beides schließt sich grundlegend aus. Weil ich also weiß, dass mein Körper und der jedes anderen ein kosmisches System darstellt, in dem komplexe Abläufe zeitgenau und regelmäßig ablaufen und, weil ich weiß, dass ich auf einem Ding stehe, das im Kern aus geordneten Molekülketten aufgebaut ist, weiß ich, dass es weder einen Zufall noch ein Chaos geben kann. Die Tatsache, dass ich geordnete Systeme wahrnehmen kann, ist mir der absolute Beweis dafür, dass Zufälligkeit und Chaos allein aus meiner Unwissenheit über die Variablen und der daraus resultierenden Einbildung geschehen. Ein Allwissender Geist, der über der Zeit steht (also ewig in einer ständigen Gegenwart existiert) sieht kein Chaos und kennt jede kausale Entwicklung aller vergangenen und kommenden Zeiten. Die Frage ob so ein Geist existiert ist nebensächlich, weil es allein darum geht die Wahrscheinlichkeit des Daseins von Chaos zu klären. Wenn diese Welt einen Ursprung hat (was sie haben muss, denn sie ist ja da), dann muss bereits in diesem Ursprung alles stecken, was sich bis jetzt entwickelt hat. Und wenn das der Fall ist, dann gibt es keine Entwicklung, die zufällig oder aus einem Chaos heraus stattfindet. Als wirkliches Chaos kann allein der Urzustand vor dem Beginn irgendeiner Entwicklung gelten.
Es sind allein modernistische Geister, die vorschnell von Chaos und Zufall sprechen, weil sie vielleicht eine Schöpferperson wegen ihrer Unbeweisbarkeit ausschließen möchten. Für sie ist Chaos, Unsicherheit und der allgegenwärtige Zufall ein Teil der Wirklichkeit und Beweis für die Machtlosigkeit Gottes (wenn sie ihm überhaupt eine Existenz bescheinigen). Vor allem aber ist der Glaube an Chaos für sie ein Instrument, um Angst zu kultivieren. So können sie sich vielleicht hier und dort als große Lenker aufspielen, wenn sie von der Gefahr des ständig lebendigen Chaos sprechen, das immer darauf lauert die Ordnung zu überfluten. Im Grunde ist es nichts anderes als ihre Kapitulation vor dem Unwissen und ihre Entschuldigung dafür, dass sie leider niemals so gottgleich allwissend und allmächtig sein werden, wie ihre Ideale es ihnen vorgelebt haben. Und doch nehmen sich einige von ihnen jederzeit heraus Gott spielen zu dürfen, weil sie denken, dass der Zweck die Mittel heilige. Die Leidtragenden sind all jene, die auf heilige Führer warten und die eigene Führung einem anderen überlassen. Tatsache ist, dass sich selbst betrogen wird und Chaos und Terror in die Welt geredet wird, damit man Gründe dafür hat, Kontrolle und Sicherheit verkaufen zu können. Die würde sonst niemand annehmen, weil keiner einen Grund dafür sehen müsste. Ein weiser Geist kontrolliert sich selbst und lebt in einer Sicherheit, die in ihm ist. Aber der Demiurg lebt eben von der Unwissenheit und Kurzsichtigkeit seiner Untertanen. Im Guten wie im Schlechten, denn als Demiurgen können sich schließlich viele hinstellen. Wissen ist Macht und Nichtwissen macht nur dann nichts, wenn man es nicht so genau nimmt mit der persönlichen Freiheit.
05 August, 2008
0004 - Torschluss am Himmel
Viele sogenannte "Esoteriker" (wovon wohl die meisten eigentlich Exoteriker sind) glauben an ein einschneidendes Ereignis in den kommenden Jahren und, dass die Welt nach 2012 eine gänzlich andere sein würde als heute. Zuerst Weltkrieg, NWO, dann göttliche Intervention und anschließend tausendjähriges Friedensreich lautet die erwartete Chronologie grob umrissen. Und astrologisch würde die Wandlung von einem Ereignis begleitet, das seinesgleichen sucht. Nämlich einer Konjunktion, die einen Überschnitt von Erde, Sonne und galaktischem Zentrum auf einer Linie beinhaltet.
Es gibt mehrere kostenlose Programme im Internet, die den heimischen Rechner in ein Planetarium verwandeln können. So kann jedermann einen Blick in den Himmel werfen, der sich über seiner Geburtsstätte aufzog, oder aber man kann sich einen Sonnenaufgang ansehen, der erst dann stattfindet, wenn man selbst längst unter der Erde liegt. Letzteres ist wirklich unheimlich. Was allerdings nun von Interesse sein soll ist der Frühlingspunkt in 2012, dem Datum, an dem die Maya aus gut nachvollziehbaren Gründen ihren Kalender aufhören ließen. Angeblich, so sagt die Gemeinde des New Age, würde die Sonne am Himmel ein Tor durchlaufen, das nichts anderes als ein neues Zeitalter von Frieden, Glück und Harmonie verhieße. Ein schöner Wunsch. Es ist gut an etwas zu glauben im Leben. Aber irgendwann kommt der 1. Januar 2013 und was glauben wir dann?
Tatsächlich findet um den 21. Dezember 2012 eine sehr seltene Konjunktion statt, und scheinbar vollendet die Bahn der Sonne tatsächlich einen Zyklus. Leider beinhaltet die Software, welche ich nutzte nur einen Zeitrahmen von 200 Jahren und so war es mir nicht möglich die Gesamtdauer des Zyklus zu bestimmen. Ich schätze den fünften Teil seiner Dauer allerdings auf 5.000 Jahre. Genauso lange dauert nämlich die "Lange Zählung" des Mayakalenders und die ist es, die am Tag des Frühlingspunktes 2012 endet, bevor eine neue Lange Zählung anfängt. Es ist also nicht so, dass der Kalender einfach aufhört, weil etwa sein Verfallsdatum oder das Ende der Zeiten bevorstünde. Alles was passiert, ist vergleichbar mit dem Umspringen des Sekundenzeigers auf der Uhr, wenn er kurz nach 23 Uhr und 59 Minuten auf Null "zurückspringt" - der Beginn eines weiteren Zyklus beginnt.
Eigentlich interessiert mich der Mayakalender nur wenig. Natürlich ist es ein tolles Spiel für die Fantasten dieser Welt, mit diesem einigermaßen rätselhaften Instrumentarium all ihre Zukunftsvisionen unterlegt zu wissen. Alle Spinnereien, die sich um den Glauben an ein New Age ranken bekommen einen pseudorealistischen Unterbau, wenn schließlich schon uralte Völker aus dem Wald vom Ende eines langen Zyklus sprechen. Klar! Aber was passiert da nun am Himmel? Immer wieder taucht in Eso-Kreisen das Wort 'Konjunktion' auf. Es scheint quasi ein Schlüsselmoment zu sein, der die Tore des New Age aufschließt. Das Wort Konjunktion heißt 'zusammenführen' oder 'verknüpfen'. Astrologisch oder auch Astronomisch sollte damit ein Ereignis gemeint sein, bei dem sich irgendwelche fixen Punkte in geometrischen Formen anordnen. Solche Verknüpfungen müssten jedenfalls ziemlich häufig stattfinden, weil man eigentlich nur nach fixen Objekten suchen muss, die gerade eine Linie, ein Dreieck oder so was Ähnliches bilden. Was solche optischen Gebilde am Himmel dann bedeuten, weiß nur ein Astrologe und derjenige, der sich phantasiebegabt für so einen hält. Mir liegt übrigens fern die Astrologie als Blödsinn hinzustellen. Ich denke nur, dass heutzutage viele Menschen einen Titel angenommen haben, der ihnen nicht ansatzweise zusteht. Jeder Berufsstand würde unter der Vereinnahmung von opportunistischen Volltrotteln leiden - siehe Politik.

Ein Blick auf das Datum des Frühjahrsäquinoktiums 2012 zeigt, dass die Sonne eigentlich ganz normal ihre Bahn zieht. Aber wenn man sich im Geiste aus dem kurz geschnittenen Zeitgefüge eines Menschen hebt und einen Zeitraum von 3.000 Jahren überblickt, dann entsteht was Erstaunliches am Himmel. Man könnte das ganze wirklich als einen Tordurchlauf bezeichnen, denn die Sonne steht an diesem Datum der Tag- und Nachtgleiche auf der (gedachten) Symmetrieachse der Milchstraße, also der gedachten Ebene, welche die Milchstraße horizontal halbiert. Eigentlich passiert der Überlauf dieser Symmetrieachse jedes Jahr. Aber der wichtige Punkt bei diesem Datum kurz vor Weihnachten 2012 ist, dass die Sonne diesmal zu genau diesem Zeitpunkt direkt über der Halbierenden der Galaxie steht. So was passiert wohl alle 25.000 Jahre. Das ließe sich allerdings leicht beweisen, weil man eigentlich nur den Winkelgrad der jährlichen Veränderung hochrechnen müsste und anschließend die Zeit bestimmen müsste, die für einen 360°-Zyklus benötigt wird. Eine einheitliche Symmetrieachse der Galaxie gibt es eigentlich nicht, wird ein renommierter Wissenschaftler heutiger Zeit vielleicht sagen und man müsste ihm sofort recht geben. Damit wäre dann auch der Traum vom besonderen Datum geplatzt. Aber muss man wirklich so pingelig sein? Ein spirituell orientierter Spiritus wird das (oh, Wunder) strikt verneinen. Fest steht, dass ein Zyklus mehrerer Tausend Jahre genullt wird. Ich komme übrigens auf den Näherungswert von 25.000 Jahren deswegen, weil genau so lange das Platonische Jahr (ca. 25.500 - 26.000 Jahre) dauert. Das wird auch der Zyklus der Präzession genannt und es handelt vom Durchlauf der Sonne durch die Sternbilder. Eben weil dieser Sonnendurchlauf 360° über die Ekliptik verläuft, scheint mir die Annahme einer Dauer von 25.000 beim Zyklus des Sonnenüberlaufs vom galaktischen Horizont logisch. Generell ist aber richtig, dass die wirklichen Zeitpunkte der jeweiligen Überschnitte niemandem - nicht einmal den Maya - bekannt sein dürften. Zum Beispiel ist auch nicht klar definiert ab welchem Datum das so genannte Fischezeitalter in das Wassermannzeitalter übergeht. Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich um einen Teil des Präzessionszyklus. Eigentlich sind die Namen nichts anderes als Wochentage nur eben für Zeiträume von knapp 2.000 Jahren Dauer. Genaue Grenzen gibt es bei den Sternbildern nicht, weswegen auch niemand sagen kann, dass dann und dort die Sonne von einem in das nächste Sternbild gewandert ist.
Ich kann wie gesagt nicht behaupten, dass ich Astrologie für Quark halte. Dazu bin ich zu tief in spirituellem Veda gewurzelt. So glaube ich auch nicht daran, dass das späte Äquinoktium 2012 wirklich überhaupt gar nichts zu bedeuten habe. Mit Bedacht auf die Seltenheit des Himmels-Abbilds erwarte ich sogar einschneidende Ereignisse. Ich würde aber nicht soweit gehen zu behaupten, ich wüsste was die Stund geschlagen hat. Und als allerletztes würde ich sagen, dass am 1. Januar 2013 die Welt in Friede-Freude-Eierkuchen versinkt. Die Wahrheit liegt immer (auch) in der Mitte aller menschlichen Überzeugungen. Da fällt mir ein Zitat ein, das hier passen würde.
"Seltsam ist Propheten Lied, doppelt seltsam was geschieht"
Wer weiß von wem das stammt, darf sich goethlich freuen.
04 August, 2008
0003 - Von der Geisteskrankheit der Zeitreisenden
In manchem Internet-Forum, das sich mit so genannten paranormalen Dingen beschäftigt, taucht früher oder später immer jemand auf, der sich als Zeitreisender und mit Vorliebe aus der Zukunft kommend bezeichnet. Die wahrscheinlichste Lösung dieser merkwürdigen Ereignisse heißt wohl Geltungssucht. Aber ist mit dieser Erklärung auch schon sicher ausgesagt, dass der vermeintliche Zeitreisende wirklich ein Schwindler ist?
Durch die Zeit reisen ist nicht besonders schwer. Jeder kann in die Zukunft oder Vergangenheit reisen, und ich denke viele von uns tun das ziemlich häufig. Man könnte glatt sagen, dass das Vermögen in Vergangenheit und Zukunft reisen zu können erst einen Menschen ausmacht. Wer es nicht kann, dem fehlt ein wichtiges Bauteil. Politiker und Wirtschaftsmagnate (selbstverständlich auch jene, welche nicht Teil der bösen Weltverschwörung sind) reisen in die Zukunft. Auf großen Kundgebungen berichten sie dann den gegenwärtig Anwesenden meistens von optimistischen Aussichten, die sie auf ihren Trips gewonnen haben. Pressevertreter dagegen reisen oft in die Vergangenheit und Polizisten tun es wenn sie Verbrechen aufklären. Also wenn's doch so natürlich ist, wieso macht man dann soviel Aufhebens um die Frage der Machbarkeit?
Ist mal wieder die zwiespältige Haltung zu seinem eigenen Geist, die dem Menschen hier eine Antwort verwehrt. Obwohl wir uns im wachen oder auch schlafenden Bewusstsein eigentlich ausschließlich in Vergangenheit und Zukunft herumtreiben, halten wir uns sehr sicher für Wesen, die im Hier und Jetzt leben. Wie kurzsichtig diese Annahme eigentlich ist, zeigt sich, wenn man die Zeit einmal genau ankuckt. Man spricht von einem logischen Ablauf linearer Zeit oder einer Zeitlinie, welche von Vergangenheit in Gegenwart fließt und sich in die Zukunft fortsetzt. Und der Mensch rühmt sich die ersten beiden Abschnitte dieser Linie zu kennen. Und ich sage alles was er kennt ist ein reichlich erschreckend gering definiertes, nebeliges, schattenhaftes Abbild von vergangenen Dingen, und alles andere ist Einbildung. Allgemein sagt sich der moderne Mensch, dass die Medienangebote mannigfaltige Möglichkeiten bieten, um genauestens zu wissen was in der Vergangenheit abging, momentan aktuell ist und morgen auf uns zukommen würde. Ich sage, alles das ist nichts weiter als gelungener Selbstbetrug. Die Informationen, welche wir aus dem Vergangenen bekommen sind so fragmentarisch, dass so manche Legende möglich wird. Man denke an die Mondlandung, die selbstverständlich niemals stattfand. Obwohl man ja irgendwann einmal dazu in der Lage sein könnte, die Peinlichkeit dieser amerikanischen Geschichtsfälschung nachzuweisen. Spätestens dann, wenn tatsächlich ganz wirklich echt Raumfahrer im erstarrten Mondsand nach den Relikten der Fähren aus den 1960ern und 70ern suchen werden (was sie ganz sicher tun werden, wenn das erste Museum dort oben aufgestellt wird). Oder die Sache mit dem US-Präsidenten, der von seinem eigenen Geheimdienst erschossen wurde, weil er von der Anwesenheit außerirdischer Besucher künden wollte. Bunkerboi Adolf Schicklgruber überlebte die Schmach seines geplatzten Traums, weil er mit fliegenden Untertassen aus der deutschen Geheim-Enklave Neuschwabenland die Hemisphäre wechselte, bevor die doofen Spielverderber mit ihm ein paar Dutzend große und mittelgroße Hühner rupfen konnten. Es gibt mehr solcher Geschichten als es Datumseinträge gibt.
Die Vergangenheit ist schon ziemlich geheimnisumwittert, aber die Gegenwart ist sogar unerreichbar. So was wie eine Gegenwart gibt es eigentlich nicht, da ein Jetzt keine definierten Grenzen hat. Niemand hat jemals gesagt ein Jetzt fängt hier an und endet dort, ohne das irgendjemand in seiner Nähe wenigstens ein bisschen gelächelt oder zumindest ziemlich dämlich gekuckt hat. Wie lange dauert ein Jetzt - eine Sekunde, eine Zehntelsekunde oder vielleicht nur eine milliardstel Yoktosekunde? Wenn ein Jetzt weder Anfang noch Ende hat, dann fängt ein Jetzt auch niemals an. Und wenn irgendwann mal - sagen wir mal vor langer, langer Zeit - ein Jetzt doch angefangen hätte, dann hätte es auch bis heute und in alle Ewigkeit niemals aufgehört da zu sein. Da stellt sich die Frage gibt es die Gegenwart nun wirklich oder nicht? Also ich habe ja irgendwie das sichere Gefühl gegenwärtig einen Text zu schreiben. Dies läuft gepaart mit dem sicheren Glauben daran, dass dieser Text auch in der näheren Zukunft von geistesgegenwärtigen Leuten entziffert werden wird. Also mag ja vielleicht das Jetzt pure Einbildung sein, aber dennoch ist es scheinbar (relativ) real. Wah, sowas gibt's - eine Sache ist nicht vorhanden und existiert trotzdem? Ja klar doch, denn ähnlich ist es mit dem Nichts oder einem Loch. Erst der Geist definiert eine Sache. Oder anders gesagt nur durch den Geist wird das, was nicht da ist, zu Etwas (sogar das vermeintliche Nichts). Sobald also der Geist an Nichts denkt, wird das Nichts zu Etwas. Der Geist konkretisiert das Tohuwabohu (!) und ist somit das sehr sicher mächtigste Ding im Universum. Die Macht ist stark bei dem, der seinen Geist zu benutzen weiß :)
Zurück zur Zeit. Die Art von Zeitreisen, die ich ansprach, geschehen natürlich nur geistig. Denn nur im materielosen Zustand kann die Jedermann-Zeitreise stattfinden. Das ist natürlich keine physikalische Zeitreise, wie sie gern in der Sci-Fi geträumt wird. Und doch gibt es zweifelhafte Literatur und Vertreter derselben Idee, wonach Menschen aus der Zukunft gekommen seien, um hier mal zu kucken. Als Möglichkeitsdenker fing ich dann irgendwann mal an zu überlegen welche Probleme sich einem bei einer allzu vorschnell begonnenen Reise durch die Zeit stellen würden. Dabei seien die Probleme mit Kausalitätsparadoxien mal außen vor gelassen, denn die sind meiner Meinung nach vernachlässigbar.
Zeitreisen bezeichnet den Wechsel des Zeitrahmens ohne dabei zwingend den Standort zu verändern. Oder sagen wir mal die üblichen Vorstellungen von Zeitreisemaschinen sehen so aus, dass Patient A in einen festmontierten Stuhl auf/in/unter irgendeinem blinkenden und summenden Technikmonstrum Platz nimmt und den Finger zu Knopf B führt, was anschließend zu Kamerawackeln und billigen Stroboskopeffekten führt. Bei diesem Fantasiegebilde geht man üblicherweise davon aus, dass man nur versessen genug an einem Apparat bauen müsse um dann per Knopfdruck nach Vorgesternfrüh zu kommen. Der Delorean hat in der Filmhistorie trotzdem den Ort gewechselt, aber egal. Fest steht Folgendes: wir alle haben uns seit gestern um dieselbe Zeit mehrere 10.000 km weit vorwärtsbewegt und zwar quer durch dieses merkwürdig klingende Ding namens Universum. Wie das kommt und wieviel Bewegung dabei im Spiel ist, will ich mal kurz aufzählen.
Erde:
Der Planet auf dem wir stehen dreht sich. Am Äquator beträgt diese Geschwindigkeit (also die Reisegeschwindigkeit eines selig schlafenden Penners unter einer Brücke in - sagen wir Quito) 40,3 km/h. Zusätzlich kommt die Geschwindigkeit von 29,8 km/s hinzu, die dieser schlafende Penner gerade mit uns allen um die Sonne herum rast.
Sonne bzw. Sonnensystem:
Die Sonne steht relativ zu uns still, denn die Erde wandert um die Sonne und nicht umgekehrt - okay. Relativ zu unseren Nachbarsternen jedoch macht die Sonne eine rätselhafte Auf- und Abwärtsbewegung innerhalb der Galaxienscheibe, was man (je nach Richtungsverlauf) Sonnenapex oder Antapex nennt. Auf dem Apex befindet sich die Sonne zur Zeit und er führt sie zu einem fernen Stern namens Vega, während der Antapex ins Sternbild Taube führen würde. Die Reisegeschwindigkeit beträgt dabei momentan sagenhafte 19,7 km/s. Außerdem dreht sich das von uns so anspruchsvoll bewohnte Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von etwa 220 km/s um den Mittelpunkt der Galaxie, die wir Milchstraße nennen.
Milchstraße:
Sogar die Galaxie bewegt sich. Leider kann man nicht sagen mit welcher Geschwindigkeit das passiert, aber anhand der Beobachtung der Nachbargalaxie Andromeda kann man sagen, dass eine Annäherung mit etwa 20 km/s stattfindet. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Milchstraße sich mit 20 km/s bewegt. Es könnte sein, dass die Milchstraße 1000 km/s auf dem Tacho hat und Andromeda ihr mit 1020 km/s folgt. Was allerdings als absolut sicher gelten kann, ist, dass die Milchstraße nicht statisch an einem Punkt im Universum stillsteht. Das kann sie nicht, weil die Raumzeit durch studierte Astronomiegelehrte beobachtet auseinanderstrebt. Man betrachtet diese Expansion als eines von mehreren Indizien dafür, dass das Universum dereinst an einem Punkt zusammengepresst eine Singularität bildete, die durch den sog. Urknall explodierte. Wenn also die Raumzeit (das Universum) eine Eigenbewegung ausführt, dann kann nichts innerhalb dieser Raumzeit stillstehen - einschließlich der Milchstraße.
Wahrscheinlich habe ich irgendwas vergessen, aber das Problem wird klar. Man sieht kein noch so fauler Penner auf diesem Planeten steht jemals still. Auf die Zeitmaschine übertragen heißt das, dass wann immer man den Zeitrahmen verläßt auch gleichzeitig der Ort gewechselt wird - egal wo man sich befindet. Würde man sich in eine der Pyramiden von Gizeh (ein Ort an dem sich nur selten was bewegt zu haben scheint) in eine Zeitmaschine setzen und einen Knopf drücken, dann würde man bereits bei einer Reise von einer kurzen Woche Millionen von Kilometern von der Erde entfernt wieder aus dem Stuhl steigen und sich über umfangreichen Sauerstoffmangel ereifern. Ganz einfach deshalb, weil jeder Mensch auf der Erde sich pro Sekunde (mindestens) runde 250 km weit durch den Raum bewegt ohne es zu spüren oder irgendwelche Energie dazu aufzuwenden. Vereinfacht würde ein Zeitreisender in Bremen nach einer Sekunde Zeitreise in die Vergangenheit in Berlin erscheinen. Wo in Berlin ist allerdings schwer vorhersagbar, da er sowohl 500 Meter über dem Reichstag aber auch 500 Meter unter der Spree auftauchen könnte. Bei einer Reise von einer Woche (250 km x 604.800 Sekunden) betrüge seine zurückgelegte Distanz im Raum 151.200.000 km. Zum Vergleich: der Erddurchmesser beträgt gerade einmal 12.800 km.
Wie allein könnte dieses Problem des unkontrollierbaren Ortswechsels umgangen werden? Ganz einfach ... man muss einfach nur den Nullzeitreferenzpunkt des Universums bestimmen. Bei diesem Punkt handelt es sich nicht um einen räumlichen Ort, der irgendwo in einem staubigen Hügel in Arizona vergraben liegt, sondern es ist nichts anderes als der Punkt im Universum, an dem der Urknall stattfand. Wenn man diesen Referenzpunkt kennt, an dem Raum und Zeit anfingen aus einem Nullpunkt heraus zu expandieren, dann hätte man nichts anderes als einen raumzeitlichen Ankerpunkt, an dem man sich bei einer Reise durch die Zeit räumlich festhalten könnte. Mit Kenntnis dieses Ankerpunkts wäre eine Synchronisation z.Bsp. mit der raumzeitlichen Bewegung der Erde möglich. Bloß ist dabei das Problem, dass es diesen Ankerpunkt eigentlich nicht gibt. Zumindest nicht innerhalb eines dreidimensionalen Koordinatenkreuzes. Der Ort, an dem der Urknall stattfand, liegt außerhalb des dreidimensionalen Universums. Man kann nicht einmal mit dem Finger drauf zeigen. Wenn man den Zeitpunkt dieses Expansionsbeginns nicht kennt, wird kein Zeitreisender dieses Universums jemals erfolgreich auch nur eine Minute in Vergangenheit oder Zukunft reisen können und anschließend auch noch einer Zeitung davon berichten.
Bleibt die Frage ob eine Clique geheimer Verschwörungswissenschaftler tatsächlich diesen Nullzeitreferenzpunkt erforscht hat oder irgendwann einmal in Zukunft erforscht haben wird. Ich denke mit Bedacht auf die Undefinierbarkeit des Jetzt und die Neigung des Geistes das ewige Jetzt in einen temporalen Ablauf zu zwingen, ist die Erforschung eines solchen Punktes oder auch nur die Kenntnis davon vollkommen ausgeschlossen. Das hat nichts mit Unterentwicklung von Technik oder Geist zu tun, sondern mit sowas Banalem wie 1+1=2 und wenn irgendwo im Worldwideweb jemals wieder ein lustiger Mensch von seiner Reise aus der Zukunft oder anderswoher labert, dann sollte man ihm mal die Frage mit dem Referenzpunkt stellen. Wenn er dann verschämt erstummt oder wortreich Nichtssagend wird lautet die Diagnose eindeutig Geltungssucht.
02 August, 2008
0002 - Das Problem der Moderne mit dem irrationalen Tatbestand des haltlosen Glaubens
Ab wann ist Gewissheit ein absoluter Wert? Ab wann ist ein Beweis das genaue Abbild einer Wirklichkeit und damit unanzweifelbar für jeden? Gibt es diese Absolutheit im Kopf eines Menschen überhaupt oder ist sie wenigstens theoretisch möglich? Ich denke schon, dass sie erreichbar ist. Nur ist der Zustand von persönlicher Gewissheit leider nicht beweisbar.
Die moderne Gesellschaft hält viel auf hundertprozentige Gewissheiten, die sie aus konkreten Phänomenen herausliest. Um ein Rätsel zu lösen werden immer zuerst Dinge gesucht, die sich (vereinfacht gesagt) anfassen lassen. Wenn man wirklich an den Zusammenhängen interessiert ist, welche die Realität bilden, sieht man sehr schön an einigen wissenschaftlichen Disziplinen, wie wenig dieser einseitig ausgerichtete Forschungsweg funktioniert. Träume, Fantasie, Gedanken, Psyche, Tod, ... alles dies sind Themen, die in einer unangenehmen Grauzone schwimmen, wo Annahmen mehr Gewicht bekommen, als konkrete Tatsachen. Konkrete Anfassdinge vermisst der Forscher bei diesen Forschungsgebieten wie verrückt. Mancher landet dann gar in Augen seiner Kollegen in der Pseudoforscher-Ecke, weil er es wagt auch die Dinge anzufassen, die allen anderen unfassbar sind. Wir leben in einer Zeit, in der es zu einer Manie geworden ist wirklich alles aus greifbaren Phänomenen heraus abzuleiten. Das Denken wird damit zum Resultat materieller Auslöser. Der Tod wird zum Ende aller Bewusstseinszustände, weil ja alles Materielle zerstört wird. Anders heißt dies, wenn dem Geist die Materie entzogen wird, dann löst er sich auf. Was dieser Standpunkt immer schuldig bleibt ist die Frage nach dem ersten Schritt. Welcher primäre Auslöser stieß die materiellen Vorgänge an, die das Denken (nach diesem Modell) erst möglich machten? Was war zuerst da :: Ei oder Henne?
In diesem vielgenutzten Bild zeigt sich für mich der Teufelskreis der Fortschrittsgläubigen. Sie drehen sich ewig und drei Tage um das Rätsel herum ohne ein Interesse an Wahrhaftigkeit zu entwickeln. Ihnen ist nur das wichtig, was sie selbst als Beweis akzeptieren können. Und somit wollen sie am allerallerliebsten, dass die Realität sich bitteschön auf das Fassbare herunterkürzt. Dass diese Wahrheitssucher dabei mitunter sehr lange warten, stört sie scheinbar nicht. Es gilt ja glatt noch als ungemein fortschrittlich, dass Wahrheit nicht verbindlich und stets diskutierbar sei. Demokratie und Liberalismus halt. In solchen Zeiten muss sich selbst eine Wahrheit den Menschenrechten unterordnen, denn wo bliebe sonst die Freiheit des Einzelnen? In solchen Zeiten ist der rigorose Philosoph logischerweise ein Extremist. Ein einfacher Blick auf den Geist, und die Erkenntnis eines ursprünglichen Gedankens würde das Problem mit der Henne jedenfalls lösen und der "Philosoph" könnte sich wieder dem Leben zuwenden. Spreche ich dabei von Resignation vor einer unerklärlichen Wirklichkeit? Nein, denn die wäre nur dann gegeben, wenn man das Rätsel und dessen spirituelle Lösung verkennen würde. Resignation wäre völliges Desinteresse. Die Anerkennung von unerklärlichen, unbeweisbaren, übernatürlichen Ursprüngen ist dagegen keine Resignation, sondern ein Schritt zu einem Erkennen, welches mit diesem Schritt nicht endet. Von Desinteresse kann also keine Rede sein. Anstelle der Aussage, wonach ich als Wissenschaftler nur lange genug die Indikatoren von Wahrheit sammeln muss um allwissend zu werden, sollte die korrekte Einstellung so sein, dass man sich zuallererst einmal sagt, dass nur dann ein völliger Überschnitt mit Wissen zustande kommen kann, wenn man bereit ist seinen eigenen Standpunkt zu verlassen. Nicht das Wissen muss in mein Weltbild passen, sondern das Weltbild muss auf der Wahrheit gründen (die auch dann gültig ist, wenn sie mir nicht zusagt bzw. mir unbekannt ist). Vor allem bedarf es aber einer generellen Anerkennung von Wahrheit. Das Wissen ist ein Berg von Wahrheit und wer ihn besteigen will, macht einen Fehler an der nächsten Bushaltestelle auf den Berg zu warten.
Der Anstoß zu diesem Schrieb liegt in einem Artikel auf welt.de (Editiert 21.01.2013: Link gelöscht) wo ein Popthema des Fortschritts ein weiteres Mal durchgekaut wurde und wieder einmal im Ansatz stecken blieb. Am Ende des Textes war ein weiteres Mal nichts geklärt und alles was blieb war die erstaunliche Erkenntnis, dass sowohl Befürworter als auch Gegenredner allerhand Bestätigung für ihre Ansichten sammeln konnten. Welch ein Gewinn. Man sagt der eigentliche Zweck der Diskussion (lat. discutio - zerschlagen, zertrümmern) ist nicht die einheitliche Erkenntnis von Wahrheit, sondern der Zweispalt der Geister. Eine solcherweise gesuchte Wahrheit definiert sich nicht aus einem transzendenten Bestand, sondern aus der gesammelten Meinung unterschiedlichster Ansichten. Somit ist die von Menschen definierte Wahrheit dehnbar. Ein Anhänger der einzigen Wahrheit steht mit einer Handvoll gleichgesinnter Extremisten allein da. Ein geteiltes Heer ist schließlich ein schwaches. Das weiß jeder Konzernvorstand. Die Überschrift des Artikels "Ist Gott nur eine Funktion unseres Gehirns?" deutet schon jedem Geistgläubigen das Dilemma des Inhalts. Es handelt sich um die übliche Irrlehre 'Materie aus Materie' und nicht etwa 'Materie aus Geist'.
Gott kommt also aus dem Gehirn und ist nichts weiter als dummes Wischiwaschiwunschdenken von Weicheiern, die in den Härten des Lebens im 21. Jahrhundert nicht zurechtkommen. Alles Opfer ihrer eigenen Einbildung. Der Beweis dessen bleibt aus, Indizien werden konstruiert und die Tatsache, dass man die Kernaussage auch herumdrehen könnte wird mit sanftem Bedacht auf den angestellten Standpunkt lieber mal unter den Teppich gekehrt. Suggestiv wird die Neurobiologie zum ultimativen Wissenspool in Fragen, die sich mit nichts weniger als dem Leben selbst befassen. Als wenn tatsächlich irgendein Mensch auf diesem wunderlichen Planeten der Überzeugung sein könnte, sein Denken bestehe aus dem Zusammenspiel einiger Molekülbausteine (es gibt sie selbstverständlich wirklich, diese Leute). Mir scheint es geht bei diesen hochgestochenen Forschungen gar nicht um das Erkennen einer Wahrheit, sondern nur darum den Bunker der eigenen Überzeugungen mit ein paar hübschen Klinkern zu verstärken.
Nun noch ein Wort des Verständnisses für den Makel des heutigen Wissenschaftlers. Man muss heutzutage einfach den Weg gehen alles aus handfesten Dingen heraus erklären zu können. Würde man an nur einem Punkt in der praktischen Erkenntnis anfangen ein transzendentes Element zuzulassen, wäre sofort die gesamte Arbeit vor dem Kanon des anerkannten Wissenschaftszirkus in Frage gestellt. Alles muss einwandfrei verifizierbar sein und sich wiederholen lassen, da es ansonsten keinen Anspruch auf Gehör und vor allem Renommé hat. So wird in Kauf genommen das spirituelle Auge geschlossen zu halten und eindimensional zu einer Erkenntnis über das Gesamte zu kommen. Diesen Fehl in der Erkenntnis von Wirklichkeit zuzugeben ist einem wirklich bemühten Fortschrittsgläubigen natürlich unmöglich. Ein solcher Mensch darf sich selbst und niemandem sonst das Eingeständnis machen, dass seine Wahrnehmung insgesamt untauglich ist ein vollständiges Abbild der Wirklichkeit zu liefern. Anstelle dessen gilt nicht die Wahrnehmung als beschränkt, sondern nur die wissenschaftlichen Werkzeuge. Somit heißt es immer gern eines fernen, fernen Tages würde man verstehen wieso ein Gehirn denkt, eine Person in einem Menschenkörper ist, was ein Traum ist oder was der Sinn des Lebens sei. Eines fernen Tages - wenn die Hardwareproduktion so nano ist, dass das eigentliche nano schon wieder mega ist, dann würde man künstliche Intelligenzen bauen können, künstliche Gehirne und Roboter, die einem das Denken und das Urteilsvermögen abnehmen und die dazu imstande sein würden endlich, endlich ein unantastbares Plus für den geistigen Input dieser ausgehöhlten Köpfe heutiger Zeit zu liefern. Wie geistlos und beschränkt ist diese Welt, dass sie den Glauben einerseits verdammt und andererseits so abgehoben an etwas geistlos Behämmertes glaubt?
01 August, 2008
0001 - Hekatombe schreibt sich mit Hundert du Idiot
Über Nostradamus mag man denken was man will und Prophezeiungen sind sowieso ein Thema für sich. Aber damit behält das Thema keineswegs einen Sonderstatus aufrecht, denn eigentlich ist der Wahrheitsgehalt bei fast jedem Thema, bei dem Spiritualität Teil des Erklärungsprozesses ist, von den Augen des Beobachters abhängig.
Für denjenigen, der an die Authentizität einer Vorhersage glaubt, ist der Beweis auch nach Eintreffen einer konkreten Überschneidung von Vorhersage und Geschehen unmöglich. Nicht etwa, weil ihm der Beweis fehlen würde, sondern weil Beweiskraft ebenfalls vom Urteil dessen abhängt, der ein Einsehen hat. Die Zweifler haben oft keinen Grund ihren Zweifel aufzuweichen - sei es aus Stolz oder Ignoranz. Bei Nostradamus findet sowohl der Gläubige wie auch der Zweifler seine Leckerbissen. Der Gläubige weil er von einer Vision träumt, die er romantisiert und der Zweifler, weil er in den Zenturien das Paradebeispiel von Variabilität prophetischer Aussagen sieht.
Ich kann mich zu beiden Seiten zählen und das nicht weil ich unentschlossen wäre, sondern weil ich es für gesund halte einen Zweifel am Wort eines (fremden) Menschen zu haben. Dennoch überwiegt wegen einer generellen Sicherheit über 'Dinge, die wir nicht sehen können' der Glaube oder sagen wir das Möglichkeitsempfinden bei Worten wie:
"Beim End des Umlaufs der grossen Sieben, wird erscheinen zu Zeiten der Spiele das grosse Blutbad, Nicht weit entfernt von der Wende des Jahrtausends, dass die Eintretenden heraustreten aus ihren Gräbern." Nostradamus Zenturie X 74
Quelle dieses Gedankenpfades ist eine Web-Seite (Editiert 21.01.2013: Link gelöscht), die sich üblicherweise nicht so sehr mit alten Männern aus dem 16. Jahrhundert beschäftigt.
Die Spiele beginnen am Freitag den 8.08.2008 um 8 Uhr und 8 Minuten (p.m.) und ich frage mich, ob da ein erneutes Manöver geplant ist, das wiedermal als brauchbarer Werbegag irgendeinem Kopfwickel aus der Wüste zugeschrieben wird, um das liebste Spiel des Imperialisten zu spielen - Krieg.
